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Zuldaer W Zeitung
woch-MUage: Illustrierte Sonntagszeitung" Monatsixuag«: „zulbaer SeschichtrblAter".
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Zwei Kröinnen.
Bon Klara Rheinau.
12 ---- (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Bei Frau Wilson, die Doralice aufrichtig liebte, zeigte sie sich stet» sehr liebenswürdig Dagegen gewährte es ihr ein besonderes Beignügen, Fiämem Basfikia, die fi- ebenso aufrichtig verabscheute, in schrecken zu vetsetzen. Die Erne sah in ihren Fehlern nur Mädchenhafte Launen, die im Ehestande rasch vergehen würden; d;e Andere dagegen betrachtete Ute Bertehrtheite« als fortgesetzte Beleidigungen, für die fte sich zu rächen gedachte, sobald die richtige Zeit ge» krumm fern würde.
Herrn Dr. Wilson zeigte sich Doralic« stets von der besten Seile. Dankbar für alle die Mühe, die er sich ihretwegen unterzog, widersprach sie ernstlich Dagegen, daß er in seiner LteblingS Beschäftigung noch langer durch sie gestört werde. Herr Ravenstein konnte M <me» für sie besorgen, und sie wollte nun ihrer-
Doktor helfen bei seinen „Einheimischen «ogelu , wovon j-doch keiner, wie sie bchavptete, sich .6,cc ^derichönen E ster Australiens vergleichen konnte. Al» große Naturfreundin hatte sie stets auch
WeU ihre Beachtung geschenkt und lieferte wirklich manchen tchätzrnewerten Beitrag für das werwolle Buch Dec gute Dollar war voll be» Lobe» über eine Gchrlfia uno ahme, ia feine g-ltebte Arbeit vertieft, nicht- von dem LeebeSwühm seiner besorgt«, Gattin.
Das weit scharifichtigere Fräulein Basiiug jedrch durchschaute klar Frau Wilson'» schwesterliche Pläne und schien geneigt, dieselben zu fordern, soweit es in ihrer Macht stand. Uno wenn auch die große B«-- schiedenheit ihrer Ehataktere kein vertrautes Verhältnis zwischen den beiden Damen anskommeu ließ, so erkannte
doch Frau Wilson ihre stille Mith lfe dankbar an und vergalt diese durch fortwährende» Besänftigen des jungen Mädchens zu gunsten der mißliebigen Gesellschafterin.
F'äulein Basting war selbst der Ansicht, daß ihr Aufenthalt in Westfeld nur noch vn kurzer Dauer sein werde: und sie deutete dies auch emmal bei Frau Wilson an. Es war nach Schluß eine» Konzerts in Bremen, daS sie auf DoralicenS dringenden Wunsch in Gesellschaft Frau Wilson's und deren Bruder besucht hatten. B elleicht hatte Doralice daS Ganze nur zur Aufheiterung Reginalds veranstal'et. Aber merkwürdigerweise hatte der Abend auf ihre eigene eindrucksfähige Natur gerade die entgegengesetzte Wirkung ausgeübt.
Während sie auf dem Bahnsteig standen, um ihren Eisendahnzug zu erwarten, fühlte Reginald vlötzlich ihre Hand auf seinem Arme heftig zittern und sah, daß ihre dunkeln Augen voll Tränen standen.
„Was ist Ihnen, waS haben Eie?" fragte er erschreckt. „Hat die Musik Eie so sehr angegriffen?"
„Nein, o nein," flüsterte Doralice, „es ist — es ist — nicht». Nur jenes schreckliche Lied, dieses leidenschaftliche „Komm, Margarita, komm!" ich bin keine Margarita, das weiß ich; aber mir war, als ob Jemand mich riefe! O, Herr Ravenstein," fügte sie bebend bei, .ich — ich — möchte hier bleiben; aber manchmal scheint es mir, al» müßte ich nach Australien zurückkehien!" Ein Schluchzen unteidreckend und ihr Epitzcntuch fester um sich ziehend, schmiege sie sich, wie hilfesuchend, an ihren Begleiter an.
Rur die Worte, nicht die Bewegungen de» jungen Paare» waren den beiden älteren Damen entgangen, lieber Fräulein Basting langes Gesicht huschte ein eigentümliches Lächeln.
„Fräulein Gram erwartet ihren Bater mit großer Ungeduld," sagte sie in halblautem Tone zu ihrer Gefährtin; „ich hoffe, er wird bei seiner Ankunft zufrieden s'in mit der Art und Weise, in der seine Tochter über ihre Zukunft verfügte."
„Ich hoffe es ebenfalls," aniwortete Fiau Wilson, angefeuert durch diese nicht miszuverstehende Be- merkung. „Auf alle Fälle wird Herr Gram finden, daß seine Tochter nicht unter ihrem Stande gewählt I int. Wir Ravensteiner sind ein wenig stolz auf unfern Namen und unsere Borfahren, F.äuletn Basting."
„Und die L ebe wog jede andere Ungle chheit ebnen," sagte Fräulein Basting salbungsvoll, um an- (tibiuten, daß das Spiel noch nicht ganz gewonnen ein.
„O, die Liebe ist allmächtig," versetzte Frau Wilson unbefangen. „Sie verleitet uns oft zu viel seltsameren -iandlungen, als sie je von Fräulein Gram fordern wird."
Bei dieser sehr allgemeinen Bemerkung wurden Fräulein Bastings dunkele Züge von einer glühenden Röte übergossen, die sofort einer ungewöhnlichen Bläffe wich Aber sowohl ihr veränderter Gesichtsausdruck, als Dvral cens nervöse Erregung entzogen sich bald der Beobachtung bei der nun folgenden Eiienbahnfahrt.
Am nächsten Morgen saß Doralice, eine ausgezeichnete Reiterin, schon frühzeitig im Sattel, um nach der Billa hinüber zu reiten. Bon ihrem Vorrechte als Haursreundin Gebrauch machend, topfte sie, ohne abzusteigen, mit ihrer Reiche tiche an eines der großen Senft-1 von Frau Wilson's Frühstückszimmer.
Sie sah wunderbar frisch und strahlend an», als ob ihr etwa» sehr Freudig-S begegnet wäre.
„Ich hebe Nachricht von Papa erhalten," rief sie, af» ihre Freundin das Fenster öffnete. „Spätestens in einem Monat, vielleicht schon in vierzehn Tagen wird er hier fein. Und — und —", mit jener bei »hr seltenen Schüchternheit, die sie so sehr verschönte, „kann ich mit Herrn Ravenstein sprechen?
„Wein Bruder »st schon feit einer Stunde irgendwo n Westfeld", entgegnete Frau Wftson. „Schwitten chickte mich ihm, ich glaube wegen d»s KarpsemricheS.
Bedürfen Sie jermr? '
„Ich fürchte, ich bidarf seiner immer", gestand die junge Dame „Und gerade jetzt" — mit einem leichten
MUMM
31. Jahrgang.
8ulöa, Montag, den 7. März 1904.
Deutsches Reich.
Berlin, den 5. März 1904.
* Geueralfeldmarschall Graf Walder- ee ist am Samstag abend kurz nach 8 Uhr in Hannover gestorben.
Albert, Graf von Waldersre, preußischer Generaloberst, geb. am 8. April 1832 zu Potsdam, 1866 und 1870 im großen Hauptquartier, Januar 1871 Aeneral- stabschef des Großherzogs von Mecklenburg, Juni bi» September 1871 Geschäftsträger res Deutschen Reiche» bei der franzSfischen Republik. 1873 wurde er Chef des Generalstabes des X. Armeekorps, 1882 General» quartiermeister, 1888 General der Kavallerie, dann Nachfolger Mottkes als Ehef deS Generalstabe- der Armee, 1891 kommandierender General deS IX Armeekorps, September 1895 Generaloberst der Kavallerie mit dem Range eines Generalfeldmarschalls und 1898 Generalinspelteur der b.Armeeinspektion. Während der Ehina-Expedition belleidete Waldersre den Posten eine« Höchstkommandierenden.
Der Kaiser richtete ein herzliches Beileidstelegramm an die Gräfin Waldersre. Mittwoch mittag, nach der Trauerfeier im Hause, erfolgt die Ueberführung der Leiche nach der Bahn zur Beisetzung auf dem Gute von Waldersees Neffen in Neversdorf (Holstein).
* Ans Südwestafrika meldet Gouverneur Leutwein meldet vom 5. Februar, daß Oberst Dürr mit dem Stabe und dem Verstärkungstransport am 4. Februar in Okahandja em» getroffen ist. Am gleichen Tage hatte Hauptmann Puder mit je einer Kompagnie von der Schutz» truppe und dem SeebataiÜon südlich von Klein- Barmen ein Gefecht wii bereits von KapitLn- lemnand Gy gas geschlagenen Herero?. Der Feind wurde nach Westen znrückgeworsen. Er wird, soweit der Pferdemangel es zuläßt, verfolgt. Seine Verluste find unbekannt. Diesseitige Verluste: tot: Unteroffizier Zöllner, Retter My gitta, beide von der Landwehr, Unteroffizier Walcziak, Reiter Amft. Leicht verwundet': Reiter Wegner, rechter Unterarm. Die Leiche des im Gefecht bei Groß-Barmen am 19. Febr. (siehe Telegr. vom 26. Febr.) vermißten Retters Max Müller vom Eisenbahndetachement ist aufgefunden.
§ In der heutigen außerordentlichen Mitgliederversammlung des deutsche« Sparkasse«- Berbaudes, die sich mit dem Scherl'fchen Sparsystem beschäftigte, gelangte nach langer Debatte folgender Beschluß zur Annahme: „Der Vorstand wird beauftragt, die Angelegenheit zunächst den Untrroerbänden zur Beratung zu über« weiftn und dieselbe, nach Ablauf einer für diese
Pension Ssähige Zulage von 1160 Mark bei bet Jn- fantetie uno den Pionieren treten zn lassen. Für die Mehrhril der Kommission war dabei ausschlaggedend, daß dre Aoancementkverhällniffe b-i der Infanterie und bei den Pionieren ganz bedeutend zurückstehen gegenüber oen AvancementSverhältnisien bei der Kavallerie und Artillerie, so daß eine gereifte Härte für die Beteiligten vorliegt. ES wurde schon früher betont, daß man hier Abdilfe schaffen muß. SS ist aber im vorigen Jahre darauf hingeretesen worden, daß man btt Stege» tuns dieser Angelegenheit hinausfchieben wolle,umerst einmal zu sehen, wie die Militärvorlage aussehe. In der Zwischen eit hat sich daS Verlangen, erst die Stilb tärvoilage vor Ich zu sehen, nicht erfüllt Andererseits ist aber zweifellos festgestellt, daß durch die zu erwartende Vorlage in keiner Weise die AvaneementS- verhältniffe der Oberstleutnants auch nur umeinHaar verbessert werden würden, sondern es bleibt ganz genau daS alte Verhältnis bestehen, denn in dieser neuen Milit ärvorlage wird keine Vermehrung der Regimenter und Regimentsstabe enthalten sein. Deshalb glaubte die Mehrheit der Kommission die Sache nunmehr regeln zu können und, wenn auch nicht die volle Forderung der verbündeten Regierungen doch wenigstens einem Teil derselben, soweit sie dieselben für begründet hielt, annehwen zu sollen. Deshalb ist der Beschluß bett, die Oberstleutnants, der keineswegs identisch ist mit den Forderungen der verbündeten Regierungen, gefaßt worden. Der Beschluß enthält, wie ich bereits erwähnt habe, einmal eine Beschränkung in der Zahl der Beteiligten, anderseits eine Beschränkung in der Höhe der auszuweifenden Vergütung, und dann enthält er die Ablehnung der Rangerhöhung, also auch die Ablehnung des erhöhten Servises und Wohnungs- geldzufchufses, soduß man wohl sagen kann, daß die Kommission keineswegs die Forderungen der verbündeten Regierungen einerseits und der Haltung deS Reichstags im vorigen Jahre andererseits geschaffen hat. Ich komme in Kürze aus die geftellterr Resolutionen zurück und möchte nur den Wunsch auSsprechen, daß die Resolution Auer nicht hier behandelt wird bei dem Artikel „Kriegsminister", sondern daß wir sie zurück- stellen bis zu dem Etat de? Reichskanzlers, reo sie mit der von uns gestellten Resolution verknüpft werden könnte. Die letztere bezieht sich nicht allein auf die Bauausführungen und Lieferungen beim Heere, sondern auf diejenigen aller R»ssorts, und deshalb glaube ich, wäre es reünschensweit, daß die von mir oorgeschlagene Regelung getroffen nnd die Beratung der Resolution einstweilen zurückgestellt würde.
Run möchte ich nur noch erwähnen, daß die Aufklärungen, die uns in der Budgetkommission gegeben worden sind, hinsichtlich der im Herbst bevorstehenden Forderung der Militärverwaltung sowohl, alS auch hinsichtlich alles dessen, was seitens der MMärver- waltuug sonst angestrebt wird, eine gewisse Beruhigung gegeben hat, die voneildaft absticht gegen die durch Aeußkrungen anderer ReffortS hervvrgerusene Beunruhigung. Wir haben den Eindruck, daß es in der Absicht der Militär-Berwaltung liegt, sich nach der Decke z» strecken, b. h. sich nach den finanziellen Mitteln des Reiches einzurichten, und nicht mit unerfüllbaren Forderungen oder uferlosen Plänen an uns heranzutreten. Deshalb muß ich konstatieren, daß mich die Darlegungen, die unS seitens der Militärverwaltung in der Kommission gegeben worden sind, wenn wir auch in einzelnen Fällen nicht immer einer Ansicht mit der Verwaltung waren, doch im G anzen mit einem gewiss en Vertrauen erfüllt haben und mit der Zuversicht, daß rerr nicht in Verhältnisse hineinsteuern, dre dem Deutschen Reiche zum Schaden gereichen könnten." (Bravo! in der Mitte.)
(*) Svm Militäretat
hat der Abgeordnete Müller-Fulda am Freitag im Reichstage eine längere Rede gehalten, deren wesentlichen Inhalt wir bereits am Samstag in kurzen Worten mitgeterlt haben. Wir glauben, den Wünschen unserer Leser entgegen» zukommen, wenn wir nachstehend ein längereS Referat über diese bedeutsame Rede zum Abdruck bringen:
„Meine Herren! Das vorliegende Kapitel, Gehalt deS Kriegsministers, war zwar der Beratung der Budgetkommffston nicht unte»pellt, ich glaube aber, es wird bei diesem Titel doch angebracht fein, einen tunen Rückblick aus die Verhandlungen über den Mrli- täretet in der Kommission zu geben. Meine Herren, bei der Beratung des diesjährigen Militäretats in der erst«, Lesung hat bereits mein Freund Dr. Echädler bemertt, daß der MLikäretat mit einer gewissen Knappheit ausgestellt wäre. Das Gleiche haben wir auch in der Kommission gefunden. Der ganze Militäretat hält sich im wesentlichen int Rahmen des notwendigen Bedürfnisses, und infolgedessen waren auch in der Kommission größere Abstriche überhaupt nicht zu machen. Gleich wohl sind die Be- schlüffe bet Kommission dahin gegangen, daß insgesamt etwa 4'1« Millionen Mark zur Absetzung gelangen, und zwar vorzugsweise im ordentlichen Etat, teils bei den sortdauernden, teils bei den einmaligen Ausgaben. Die Abstriche, die da gemacht worden sind, verteilen sich eirimal auf die Vermehrung der Unt-roffiziersstellen um etwa 900 Mann, die von der Kommission abgelebnt worden ist, während auf der anderen Seite die Kommission die Befserstellung der Unteroffiziere und Vize- Feldwebel nach dem Borfchlage der Verbündeten Regierungen gebilligt hat.
Meine Herren, die Gesichtspunkte, die bei der Ablehnung der Mehrforderung von SOO Unteroffizieren maßgebend waren, find hauptsächlich die, daß es sich hier um «ine erste Rate an Ausgaben, nicht etwa tim ein GesamtersorderniS handelt - um eine erste Rate, die in ihrer Gesamtheit alsdann eine Berm-hrung von etwa 5000 Köpfen und einen jährlichen Mehraufwand von 4 bis 5 Millionen nach sich ziehen würde, dann aber auch, daß man über diese Frage keine Ent- schetdnng treffen wollte, bevor nicht dis Vorlage des neuen QuiriquennatS dem Reichstage zugegangen wäre. EZ unterliegt ja keinem Zwersel, daß wir im nächsten Herbst oder Mnter die Vorlage eines neuen M-.luär- präsenzgesetzes zu erwarten haben, welches die Verhältmffe wieder auf mehrere Jahre regelt, wie das immer gewesen ist. Ob eS zweckmäßig sein wird, auch künftig Regelungen auf mehrjährige Dauer vorzunehmen, das ist schon früher bestritten worben. Mei« Freund, Herr Fritzen-Düsseldorf hat an dieser Stelle bereits erwähnt, daß eS keineswegs nötig wäre, solche Militärgesetze immer auf längere Zeit, etwa auf 3, 5 oder 7 Jahre, zu machen, sondern, daß man sie von Jahr zu Jahr im Etat bewilligen könnte, und daß die verbündeten Regierungen das Vertrauen zum Reichstag haben könnten, daß eine mehrjährige Festlegung überhaupt nicht wehr erfotbertub wäre. Aber nach den Absichten der Verwaltung, die in der Kommission zu Tage getreten find, besteht auch für die nächste Session wieder die Absicht, ein derartiges Quinquennat vorzulegen. Das war umsomehr bestimmend für uns, die Forderung einer Vermehrung der Unteroffiziere um etwa 900 Köpfe im jetzigen Augenblick abzulehnen. Es berührt mich nun eigentümlich, daß hier im Plenum der An trag der nationalliberalen Partei eingebrodjt ist, die Forderung wiederherzustellen. Aussicht auf Annahme hat dieser Antrag nicht. Ich glaube, man hätte besser
getan, bei den Kommis stör- Sbes chlüfsen zu bleiben und nicht erst zu versuchen, die Regierungsvorlage wieder herzustellen; aber man kann ja die Antragsteller nicht hindern, einen derartigen versuch zu un ernehmen.
Die Mitteilungen, die un» in der Kommifsivn über eine zu erwartende Vorlage gemacht wo-den sind, waren ja streng vertraulich, und ich kann deshalb auf diese D itteilungen hier nicht näher eingehen. Aber so viel haben wir doch alle, glaube ich, au» den Aeußerungen deS Herrn KriegSministerS entnehmen können, baß nicht etwa Mehrfordernngen in Aussicht stehen, bie hinsichtlich ihrer Höbe große Bebenken erregen und dahin führen würben, baß infolge solcher unaussüllbaren Ansprüche eS zu Konflikten kommen könnte. ES ist immerhin, — ich will sagen - eine gereifte Bernh-gung, wenn wir sehen, daß die Militär- ve'.waltung dahin gekommen ist, zu begreifen, daß eS mit wesentlichen, großen Erhöhungen der HeereSstärke überhaupt nicht mehr geht, (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), daß mir allmählich auf einem Punkte angekommen sind, wo derartige Vorlagen, wie wir sie in den 80er und 90er Jahren erlebt haben, nicht mehr möglich und nicht mehr nötig find, denn da» deutsche Heer besitzt bereits eine solche Stärke, daß wohl noch eine organische Fortentwickelung- eine Verbesserung der bestehenden Zustände allmählich angestrebt werden kann, daß aber hinsichtlich der Präsenzziffer bie natürliche Grenze in der Houptfoche erreicht ist. Sehen wir nach unfern Nachbarländern, fo finden wir ja auch dort, daß man allmählich zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß erhebliche Vermehrungen nicht mehr für wünschenswert erachtet werden. Ich glaube, wir haben in Deutschland Beran laftung, uns in dieser Hm- stckt etwas nach unfern Nachbarstaaten zu richten. Würden wir mit einer ungennssenen Verwehrung der Armee fortsahrkn, bann würden unsere Nachbarn auch dazu gezwungen sein, uns zu folgen. ES liegt im beiderseitigen In'er esse sowohl der verbündeten Regierungen als auch des Volks, da» durch den Reichstag vertreten ist, daß uns Militärkonfllkte für Die Folge erspart werden, und daß die Forderungen der Armeeverwaliung sich in den zulässigen und auslühr- baren Grenzen halten, in den Grenzen die lediglich eine Verbesserung der bestehenden Einrichtungen >um Gegenstand haben, nicht aber sprungweise Erhöhungen.
Manche Forderungen der Militärverwaltung sind seitens der Kommission abgelehnt worden, so insbesondere die Forderung der sogenannten Ostmarken- Zulagen. Ich will hier nicht näher darauf eingehcn. denn das wird, ja wohl bei dem betreffenden Etatstitel noch ausführlich geschehen. Diese Forderung istja auch fchon bei der Postverrealtung abgelehnt worden, dcS- weg-n konnte man sich bei der Beratung der Forderung der Militärverwaltung die Begründung der Adlehnung etwas einfacher machen. Die sonstigen Anstriche betreffen die Vermehrung des Waffenmaterialk, die Ve-mehruug der Maschmeneinrichtung-'N in den Waff-nsabriken und die Vermehrung der Ausgaben für das Slrtilleriereesen, insbesondere für die Fußartillerie. Da find insgesamt 2‘ s Millionen Mark gestrichen worden. Es sind aber keine prinzipiellen Forderungen gewesen,die etwa zu irgendwelchen Konflikten geführt hätten,sondern es sind Forderungen, die weniger dringlich waren, Forderungen, die allmählich in Jahresraten bewilligt werden können und bei denen eS also keineswegs nötig war, in diesem Jahre die Sache in geforderter Höhe zum Austrag zu bringen.
Eine andere Forderung der verbündeten Regierungen, die im vorigen Jahre gänzlich abge'chnt worden war, ist in diesem Jahre durch einen Beschluß d-r Kommission insofern erledigt morden, als Ihnen eine veränderte Regelung zur Annahne empfohlen wird; das ist bie Gehaltserhöhung für die Oberstleutnants. Im vorigen Jah-e und in t ieiem Jahre war eine Mehrforderung eingestellt, die einerseits in einer Gebaltser- Höhung von 1350 Mark für jede derartige Charge, andererseiis aber auch in einer Erhöhung des EerviseS und des MobnungsgeldzuschusseS bestand, so daß die Gesamlforderm-g für diesen Titel pro Oberstleutnant auf etwa 1900 Mark gekommen wäre. Die Kommission hat beschlossen, an Stelle dieser Forderung nur eine
Erröten — „so ganz besonders. Aber vielleicht begegne ich ihm. Wenn nicht, werde ich ihn suchen und zu mir in» Haus tüten lasse». Ich babe an Papa etnen Brief geschrieben, den er in Neap-l finden wird. Ich will ihn j tzt seltsi zur Post dringe«. Kann ich dort etwa» für Sir besorge» ?"
„Danke, nein,"
„Soll ich vielleicht Herrn Ravenstein» Briese mitbringen, wenn deren angekommen find?"
Frau Wilson belustigte dieses bestöndige Herein- ziehen ihres Bruders in die Unterhaltung natürlich sehr. Aber fie war entschlossen, vorläufig nicht» zn sehen und lehnte dankend ihr Anerbieten ab mit dem Bemerken, ihres Bruder» Briefe besünden fich jeden Morgen in der Doktors Posttasche.
„O, dies ist aber wirklich nicht der Fall!" tief Doralice sehr bestimmt. Ich habe fie schon oft in bem kleinen Fach mit der Aufschrift „postlagernd" auf dem Postamt liegen sehen. De-Halb geht er auch wahrscheinlich so oft nach Dacsum hinüber, und so dachte ich ihm einen Weg zu spaten."
„Sehr liebenswürdig von Ihnen," sagte Fra« Wilson. „Aber Sie find emschieden besser über feixe Angelegenheiten unterrick tet als ich," fügte fie in etwa» scharfem Tone bei, der Dcralice erschreckte.
„Nun, schelten Sie aber nur nicht mit ihm," bat fie schmeichelnd, besorgt, ein Geheimnis verra'e« zu haben. „Es wird irgend ein ausländiger Freund fern, der ihm auf diese Weise schreibt. Bitte sprechen Sie doch nichts mehr darüber."
„Nun, so will ich eS nicht tun, wenigstens nicht jetzt," versprach Frau Wilson gutmütig. Wenn Dora» I’ce nicht eifersüchtig war, warum sollte sie eS feix? Nichtsdestoweniger grübelte fie nach der Entfernung der jungen Dame etwa» unbehaglich »Her die Neuigkeit nach und besann fich, wie fie den Namm deS un» bekannten Briesschrewers e» fahren könne. Ein günstiger Zufall wollte, daß ihre Neugierde sehr bald befriedigt wurde.
(Fortsetzung folgt.)