MaerM Zeitung
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mondsbenage: „Zuldaer Gefchichtrblätter".
e*$tierlegt. Wart* Dhrl.ve,»-,prei, vringerlohu m» SesteLgelUnZuldanud «Wirts I OIL 50 Pfo.
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*.KA«d,"Ä>«. wochenbeNage:„IllustrierteSonntagrzeitung"
Hielten: Me du» fHMflt petltzvil« eke Herr» Ban« 1» psg. Btflamee die Petlt;«N« 25 Pfg.; bei wieder» Holungen wird entfpr.
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vruck »nd Verlag ds zuldaerActien-ruckere in Kulda (Yarmoniei Zernsprechrr Ur. 9.
Snlöa, Samstag, den 5. März 1904
J& 53.
31. Jahrgang.
Iliemiiiigt Hetze geeea die SaUjolitti.
Der sattsam bekannte Evangelische Bund hat ein regelrechtes Spionier- und Denun- tiationssystem zur Hche gegen uns Katholiken eingerichtet. Der glückliche Zufall hat einem Mitarbeiter der .Germania' ein „recht vertrauliche-" Zirkular in die Hände aespielt, deffen Urberschriftlautet: „Wichtige unddringende Bitte der wissenschaftlichen Auskunfts- ftelle (W. A -8t.) in Bonn ; unterzeichnet ist das Rundschreiben vom Vorstande des rheinischen Haupt v erern sdesE van gelisch en Bund es, i. A.: Sic. Everling, 2. Vorsitzender, Krefeld.
Das für die Tätigkeit des Bundes höchst be- Mchnete Schriftstück beginnt wie folgt:
Bei der Selbstbeiätigung (?) des Ultramontanis- ««3 alS eines rel'giös politischen und sozialkulturellen System- gibt eS eine Reihe einzelner Punkte, die als scheinbar sporadische Einzelfälle der allgemeinen Betrachtung sich entziehen und letber oft auch in den zu rächst von ihnen betroffenen Kreisen, nachdem man sich kurze Zeit über sie entlüftet hat, vergessen werden.
Derartige Einzelerscheinungen in ihrem vollen Werte zu ersoffen, ist nicht von geringer Bedeutung für die Beurteilung, die man dem ultramontanen System als Ganzem entgegenbringen muß Denn alle diese vereinzelten Fälle find im Grunde genommen eben nicht Girzelerscheinungen, sie entspringen immer dem ultra- «ontanen System (?) als Ganzem, sind alles auf der gleichen grundsätzlichen Stellung des Ultramontanismus ül aller nicht ultramontanen Welt beruhende, innert ch dadurch zusammenhängende Dinge. Sie werden in ihrer »ollen Bedeutung dann erst erkannt und gen ürdigt, »en» sie, nicht einzeln betiachtet, sondern aneinandel gereiht als innerlich einheitliche Ausstrahlungen des «Iti «montanen Systems nach den verschiedensten Seiten »nseres Lebens, des öffentlichen wie privaten, hin erfaßt werden.
Die ..Wissenschaftliche Auskunstsstelle" bezeichnet es sodann als ihre Aufgabe, für diese, „oft ziemlich verborgene ultramontane Arbeit sich m einer Art Zentrale auszugestalten", als „eine Art Sammelbecken, in das die Nachrichten aus allen Gegenden über diese ultramovt-n: Arbeit jusammenfliesie».» Kort sollen dann die „Einzel- Me systematisch gesammelt", die „Einzel- Beobachtungen der Vorstände und Mitglieder des Evangelischen Bundes logisch gesichtet" werden, um so zuverlässiges Matena! zu? „Beleuchtung ultramontaner Arbeit", sei es für „di" geistlichen oder staatlichen Behörden^, fei es für „befreundete Abgeordnete in großen religiös kulturellen Debatten" zu bieten.
Des Näheren wird dann angegeben, welcher Art das einzusendende Material"seitl soll: nämlich Gedruckte ultramontane Aeußerungen in der Tagesprefse oder in sonstigen ultra montanen Schriften, Bischöflichen Hirtenbriefen (!!), Volksliteratur rc.", ferner „handschriftliches, auf eigener Erfahrung und Beobachtung beruhendes . Material über Einzelfälle ultramontaner Selbstbetätigung." (I!) Ausdrücklich wird hier beigefügt: „In letzter Hinsichtbitten wir, ziemlich weite Grenzen zu stecken." Zum Schluffe wird noch im einzelnen namhaft gemacht, woraus man besonders «cht geben soll. Es heißt da: „Familienleben: Mischehen, Kindererziehung aus solchen, katholische Dienstboten in evangelischen Familien und umgekehrt. K.ankenseelsorge in gemischten Ehen; Evangelische in römischer (!?) Kiankenpflege, Beeinflussung von Dienstpersonal im weitesten Sinne des Wortes (!)... geschäftliche Beein- fluffung . .
,Oesfeutliches Leben: ultramontane Spurens!) im gesellschaftlichen und kommunalen Leben: ultra- montane Bestrebungen in Instituten . . *
„Schulwesen, öffentliches und privates. Zunahme, offene und versteckte, klerikaler, öffentlicher oder privater Lehranstalten bis zu Kinderbewahranstal- trnnnd Musik- und Tanzstunden herunter, Zunahme klösterlicher Erziehungsanstalten. Stellung zur Aufnahme nicht römischer (?!) Zöglinge; Statistik solcher Äufne hmen, der ihnen eventuell folgenden Bekehrungen."
„Konvertitenwesen: Umfang, Art, Bekehrung geistig »och nicht Selbständiger, heimliches Ent fremden der Kinder von ihren evangelischen Eltern, Wegschafsen in Anstalten. Evangelische und römische Krankenhäuser."
»Klösterliche Niederlassungen: ihre Zunahme, Wirkem Sammlungen auch bei Evangelischen (?); Vermehrung ihres Besitzes. Bauten, Erwerb von an - Wirkung solcher Niederlassungen auf den Wohlstand der Gegend . .
" 'u« "montane: verhalten zu Nichtultra-
«emauen, Art ihrer Polemik."
" rxt«arl8roele?: ,uItttHnontanee Umsichgreifen der EgiSsen und sozialen römischen (?) vereine und Neugrstndungen; Art des Auftretens (?)...; Be- rerltzung am öffentlichen Leben "
"«r»derschaftswrsen: Prozessionen, Zunahme, Austteteu .
„K.nfessioneller SeparatismuS und Intoleranz, Friedhofsskandale «. s. to." Sichtliche Ausschließung und ZnrSckdräu- gung Evangelischer von öffentlichen Stellungen, von Ehrenämtern (VereinSleben -r. dgl^-
Da haben wir also eine systematische Anleitung zu ganz regelrechter Spionage uni er denKatholiken; denn daß unter den „Ultra- montanen" niemand anders gemeint ist als die Katholiken, hat das Zirkular mit dankens- werter Offenheit jetzt eingestanden, zählt es doch zu den „ultramontanen Schriften an erster Stelle, die „Bischöflichen Hirtenbriefes, und unter den Anstalten, über welche die Mitglieder des Evangelischen Bundes berichten sollen, nennt es auch die katholischen — pardon „römischen" bezw. „klerikalen" Schulen, Krankenhäuser, Klöster usw.
Was für Material dem Evangelischen Bunde zugesandt werden wird, darüber find wir uns keinen Augenblick im Unklaren: Verweigerung des kirchlichen Begräbniffes der Selbstmörder, Forderung katholischer Kmdererziehung in Mischehen, konfessioneller Schulen usw. Das alles ist ja schon in den Augen protestantischer Fanatiker „ultramonmne" 3b beit.
Was wird alio da bei dem neuesten systematischen Spioniersystem des Evangelischen Bundes erst herautzkommen! Es gilt, auf feiten der Katholiken die schärfste Stellung hiergegen zu nehmen und das Zirkular als das zu bezeichnen, was es in Wirklichkeit ist, nämlich: eine planmäßige Hetze und eine widerwärtige Katholik en sch nüffelei des „Evangelischen Bundes".
Es würde durchaus verfehlt fein, wenn man auf katholischer Seite diesen neuesten Vorstoß des Evangelischen Bundes mit vornehmem Stillschweigen unbeachtet taffen wollte. Wir Katholiken haben allen Grund, ein wachsames Auge zu haben auf die in dem Bonner Sammelbecken zusammeofließenden und von dort in die gegnerische Presse geleiteten Gewässer. Aus Erfahrung wiffen wir ja, daß auch die gröbste Entstellung untr die tollste Lüge geglaubt wird, wenn niemand ihr energisch entgegentritt. Wir können und dürfen diese Dinge nicht zu leicht nehmen, wir müssen bis an die Quelle nachgehen; besonders ist es die Aufgabe der katholischen Press», in jedem einzelnen Falle zur Klarstellung der Sache zu helfen. Die Beteiligten aber dürfen es nie versäumen, mit Berichtigungen und im äußersten Falle mit gerichtlicher Klage den Ehrabschneidern und Verleumdern ihr Handwerk zu verlegen oder doch mindestens zu erschweren. Wer da nicht mittun will, der macht sich mitschuldig und für die Folgen mitverantwortlich.
Wir sind überzeugt, daß alle anständig denkenden Protestanten diese planmäßige Störung des konfessionellen Friedens und bie Setgift»^ öffentlichen Lebens mit uns aufs schärfste verurteilen. Wir glauben auch annehmen zu dürfen, daß die gesamte deutsche Presse — mit Aus: nähme der evangelischen Bundespreffe und dec vom Evangelischen Bunde beeinflußten Blätter — der Einführung der Spionage uns Denunziation in unser öffentliches Leben von vornherein die verdiente Abweisung zukommen taffen wird. Wir werden auf alle Fälle unsere Pflicht zu erkennen und unsere Schuldigkeit zu tun wiffen.
Berlin, den 4. März 1904,
*♦ Feldmarichall Graf v. Waldersee >st seit einigen Togen bedenklich erkrankt. Heutigen Mitteilungen aus Hannover zufolge wird eine besorgniserregende Abnahme der Kräfte konstatiert. Die Erkrankung besteht in einer Darmstörung.
** Der bisherige erste Sekrerär bei der Botschaft in Konstantinopel, Legationsrat Freiherr v. Waugevheim, ist zum Gesandten in Mexiko und der bisherige Kaiserliche Konsul in Prag, Freiherr v. Seckendorfs, zum Gesandten in Bogota (Kolumbien) ernannt worden.
(?) Prinz Prooper Arenberg, der sich am Donnerstag und Freitag wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Mordes unter Mißbrauch der Dienstgewalt vor dem Kriegsgerichte der 1. Gardedivision zu verantworten hatte, ist freigesprochen worden. DaS erste Urteil wegen )e§ in Windhuk begangenen Mordes hatte bekanntlich auf nur zehn Monate Gefängnis gelautet. An zweiter Instanz war der Prinz dagegen zum Tode verurteilt worden. Der Kaiser wandelte das TodeSurtell in 15jährige Zuchthausstrafe und bann in 15jährige Gefängnisstrafe um. Im Gefängnis in Hannover, wo »er Verurteilte feine Strafe verbüßte, kamen bann bekanntlich allerlei merkwürdige Dinge vor, die
seine Uebersührung nach Tegel zur Folge hatten. Bald wurden auch Zweifel an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit laut und diese haben schließlich zur Wiederaufnahme des Verfahrens geführt. Die Scheußlichkeiten aus der Vergangenheit des Prinzen, der schon als Knabe von 7 oder 8 Jahren haarsträubende Roheitsakte und sonstige Ausschreitungen beging, lassen einen ernsten Zweifel an seiner Unzurechnungsfähigkeit kaum zu; deshalb wurde er heute auch freigesprochen. Zu verwundern ist nur, daß diese Dinge nicht schon in den früheren Instanzen zur Sprache gekommen sind. Die Geisteskrankheit des Prinzen hätte denn doch gleich klar werden müffen. Das Unbegreifliche aber ist, daß man ein solches Scheusal, das schlimmer ist als ein wildes Tier, auf die Neger in unserer Kolonie lostaffen konnte. Man sollte doch bei der Auswahl der Beamten und Offiziere, die man in die Kolonie schickt, doppett vorsichtig und wählerisch fein. Hat man denn von der Vergangenheit des Prinzen nichts gewußt? Oder hat man sich einfach nicht darum gekümmert? Ober hat der Prinz mit der bedenklichen Vergangenheit etwa einflußreichen Fürsprechern zu verdanken, daß man ein Auge zudrückte? Hoffentlich läßt man sich in der Kolonialoerwaltung den Fall zur Warnung bienen.
::: Seit dem Jahre 1885 hat das preußische statistische Bureau die von ihm herausgegebenkn Veröffentlichungen über die Ergebnisse der Volkszählungen durch eine lieber ficht über die in der Monarchie bestehenden gemischte« Che« und bas Religionsbekenntnis der aus denselben heroorgegangenen Kinder vervollständigt. Das ,Bonifatius-Blattt stellt auf Grund der Veröffentlichungen in dem Heft Nr. 177 (1. Test) der preußischen Statistik die Tatsache fest, baß bet auf die evangelische Kirche entsallende Prozentsatz der in Mischehen geborenen Kinder im Vergleich zu dem Prozentsatz der katholischen Kinder aus Mischehen vonZühlung zu Zählung größer wird. Es berechnet, daß sich das Verhältnis in dem Zeitraum vom 1. Dezember 1885 bis zum 1. Dezember 1900, also in 15 Jahren zu aunsien der evangelischen Kirche um 27» Prozent verschoben hat. Während nach bet Zählung vom 1. Dezember 1885 von der Gesamtzahl der im Hause ihrer Eltern wohnenden Kinder aus Mischehen 321712 (54 4 Proz.) evangelisch und 294 542 (45,6 Proz.) katholisch erzogen wurden, der Ueberschuß auf_ evangelischer Seite daher 37 170 b£"uq, wein oie yugiung vom 1. S^mBer 1900 386458 (56,9 Proz) evangelische und 293 604 (43,1 Proz) katholische Kinder aus Mischehen nach und damit für die evangelische Kirch» einen ücberschuß von 92 854 Kindern. Der Ueberschuß auf evangelischer Seite wat daher im Jahre 1900 mehr als doppelt so groß als im Jahre 1885. Das ,Bonifatius-Blattt bemerkt dazu, daß für die katholische Kirche mehr noch als dieser Ueberschuß selbst der Umstand beunruhigend sei, daß nach den bisherigen Eifahrungen nicht nur kein Stillstand in der für sie ungünstigen Entwicklung zu erwarten sei, sondern im Gegenteil eire immer schnellere Abnahme ihres Anteils. Die ,Post', die hier wahrscheinlich wieder vom Evangelischen Bunde inspiriert ist, ist aber noch nicht zufrieden, weil einzelne Plooinzen, wie Westpreußen, Rheinland und Westfalen einen Ueberschuß der Kinder aus Mischehen auf katholischer Seite aufweisen, wenn man den Maßstab zugrunde legt, daß jede Kirche auf die Hälfte der Kinder Anspruch hätte. In 13 von den 36 Regierungsbezirken wird mehr als die Hälfte der Kinder aus Mischehen katholisch erzogen, und so kommt die ,Post' zu dem Ergebnis, daß „es für die evangelische Kirche noch immer der größten Anstrengung bedarf, um auch nur die ihr zufteheMe Hälfte sämtlicher in Misch- ehen geborener Kinder der evangelischen Kirche zu erhalten". Also daß ihr bereits weit übet die Hälfte der Kinder zufällt, genügt noch nicht. Es muß ihr auch überall mehr als die Hälfte, womöglich die Gesamtheit bet Kinder zufallen. Ist die katholische Kirche in ein paar Provinzen im Vorteile, so ist bas ein schweres Unrecht; ist bie protestantische in den meisten im Vorteile, so ist das selbstverständlich und gehört sich so, und es ist Pflicht, „die größten Anstrengungen zu machen", daß es überall so werde. Macht dagegen die katholische Kirche „die größten Anstrengungen", um „bie ibr zustehende Hälfte" zu gewinnen, so ist das eine höchst verdammenswerte Pi opagands und berechtigt die Protestanten zu entrüstetem Geschrei über „römische Mrschehenproxis".
(§) A«s Dresden wird gemeldet: „Einer bet hervorragendsten Dresdener Geistlichen, Pastor primariua an bet evangelischen Et. Anneu- klrche, Segnttz, Hot plötzlich fein Amt niebetgelegt und Dresden mit feiner Familie oerlassen. Die Tatsache erregt um so größeres
Aussehen, als Pastor Segnitz neben seinen Amts, geschäften eine eifrige Tätigkeit als Seite' des Evangelischen Bundes in Sachse» entwickelte. Ohne ein Wort des Abschieds a« feine Gemeinde ist er am letzten 6amStagabent abgereist, nachdem er vorher Amt und Würde» niebergelegt hatte “ Der ,L. Z' wird gemeldet, daß bie Veranlassung deS Rücktritts in jahrelang betriebenen Sittlichkeit-vergehen liege. Segnitz unterhielt danach auch zu den Gattinnen zweier Hofdeamten unerlaubte Beziehungen, deren Entdeckung feine Entlarvung zur Folge hatte. Vermutlich ist Segnitz nach dem AuSlande geflüchtet. Als Leiter des Evangelischen Bundes bat sich Pastor Segnitz natürlich immer gebührend entrüstet über bie „Jesuit enmoral"
parlamentarische Nachrichten.
** Im Reichstage haben die Abgeordneten Dr. Ablaß und Gen. (frs. Ver) zum Militär-Etat eine Resolution eingebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, darauf Bedacht zu nehmen, im Wege der Gesetzgebung und Verwaltung durchgreifender als bisher den unter Mißbrauch der dienstlichen Gewalt stattfindenden Soldaten-Mißhandlungen entgegenzuwir- ken, wie fie trotz aller dagegen bisher ergriffenen Maßnahmen in großem Umfange wieder m hr- fach durch Verhandlungen der Militärgericht? fest- gestellt worden find und geeignet erscheinen, ebenso weite Kreise des Volkes zu beunruhigen wie dem guten Ruse der deutschen Armee Eintrag zu tun
% Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurs betr. die Kranken - Fürsorge für Seeleut« zugegangen.
* Die 11. Kommission des Abgeord «eteuhaufes für die ländlichen Fort bildungsschulen in Hessen-Nassau tra heute zur S ' lußfitzung behufs Feststellung des schriftlichen Berichtes zusammen. Abgeordneter y. Neg elein brachte den umfangreichen Bericht zum Vortrave. Inhaltliche Abänderungen wurden nicht gemacht. Kleinere Veränderungen im Text erledigten sich durch Meinungsaustausch seitens der Kommiffionsmitglieder und Vertreier der Ministerien für Landwirtschaft und Kultus-
49. Sitzung bom 4, Mär, 1904.
Eröffnung l1/« Uhr.
Auf der Tagesordnung: Militäretat.
Beim Titel „Gehalt des Kriegsministers" liegen verschiedene Resolutwncn vor. Eme Resolution Beumer (ntl.) und Eickhoff (freis. Vp) will freie Fahrt auf den Eisenbahnen für beurlaubte Mannschaften in Heer und Marine bei der Reise in die Heimat (einmal im Jahre bczw. einmal während der Dienstzeit mit Einschluß der Schnellzüge), eine Resolution Buer (Soz) will Erhebungen über die Lohnverhältw sie bei Vergebungen, eine Resolution Heyl (natlib.) wünscht Maßnahmen für Beschaffung der nötigen Zahl von Unteroffizieren, eine weitere Resolution Eickhoff (freis. Bp.) betrifft Besserstellung der seminarisch gebildeten L-Hrer an den Unteroffizierschulen.
Abg. Müller-Fnlda (Z.) bemerkt, daß die Komis- fion"r>ie Vermehrung der Unteroffiziere mit Rückficht auf daS im nächsten Jahre zu erwartende Quinquennat abgelehnt habe. Nach den vertraulichen Milteilunge« in der Kommission seien bei dieser Vorlage nicht Forderungen zu erwarten, dfe irgend bedenklich seien. Am liebster» würden seine Freunde die Forderungen von Jahr zu Jahr bewilligen. Es scheine aber, daß man innerhalb der Regierung von der ruckweise« Vermehrung abgegangen sei, sondern die Präsenzziffer organisch entwickeln wolle. Man dürfe daher erwarten, daß man nicht mehr in Konflikte hineingelrieben würde. Auch habe die Kommission die Forderung gestrichen, die für die Verwaltung eine Art Ostmarkenz» läge ein führen wollte. Auch beim Waffenmaterial rc. seien Abstriche gemacht worden. Im ganzen betrögen die Abstriche 4'/, Millionen Mark. Bezüglich der Oberst leurncmlS sei ein Kompromiß mit der Regierung zustande gekommen, da auch bei der zu erwartenden Milrtärvor- läge die AvancementSverhältniffe der Oberstleutnantt nicht beffer würden. (Beifall.)
Abg. Bebel (sozd ) behandelt die Soldatenmist Handlungen, den Erlaß über die mllitärische Schrift stellerei, die Militärjustiz, die die Mannschaften schwer« bestrafe alS die Vorgesetzte», den Paradedrill, die Fo» bacher Angelegenheit, die Geldheiraten der Offiziere den LvxuS in der Armer, dir Uniformänderungen, bk Manöver uvd befürwortet zum Schluß die Einführung des Milizsystems.
KrirgSministrr v. Einem erwidert, daß die Militärverwaltungen, ebensowie die Parteien de» lebhafte« Wunsch hätten, daß die boldatenmißdandlunge» auf- hörten. Aber die sozialdemokratische Partei könne eS am wenigsten für fich in Anspruch nehmen, daß sie in dieser Beziehung auf Beffrrung hinwirke, denn indem fie die Gegensätze vermehre, trage fir an den Mißhandlungen selbst vielfach die Schuld. Brbel meine, gerade die Sozialdemokratie liefere infolge ihrer Intelligenz tüchtige Soldaten, äußerlich könne das schon sein, aber auf die Gefirmung komme es an «nd da müffe er allerdings sagen, daß die sozialdemokratischen Soldaten nicht als die besten erschienen. Der Mmist« schließt mit dem Appell an daS Militär, sich seiner