Maer
Zeitung
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MMrbtUage: „Kildaer GeschichtsblStter"
31. Jahrgang.
zulda, Freitag, dm 4. März 1904.
Verwaltung verantwortlich gemacht werden könne. Mr fürchten, daß damit der Redestoff nur ganz wesenUich beschränkt werden würde. Von anderer Seite ist wiederholt die Herabsetzung der Prä- enu ff er vorgesch lagen wo, den, damit leichter rer Scnluß der Debatte herbeigeführt werden önne. Ob nicht aber darin ein Anreiz zu noch mehr Absentismus läge und die Sozialdemokratie dann nicht erst recht den Reichstag beherrscht?
Das letzte und Hauptmittel, das vorgescklagen wird, find die Diäten. Es ist eine Rücksichtslosigkeit gegen den Reichstag, sie ihm so hartnäckig vorzuenthalten, zumal nachdem längstens erwiesen ist, daß die Diätenlofigkeit nicht ihren Zweck, sondern das gerade Gegenteil erreicht hat. Diäten würden sicher dem Absentismus entgegen wirken. Ob fie aber auch zur Abkürzung der Verhandlungen beitragen würden? Wir haben keinen rechten Gl iuben mehr daran. Wir brauchen uns nur wieder da§ Abgeordnetenhaus anzuiehen. Die Mitglieder beziehen Diäten, aber die Verhandlungen dehnen sich trotzdem kbemo aus, wie im Reichstage, und dabei hat man nicht einmal die Möglichkeit, die Schuld auf die Sozialdemokraten zu schieben.
Die Klage über die unerträgltche Ausdehnung der Debatten und der Sessionen der Parlamente wird überhaupt in der ganzen Welt laut. In allen deutschen Bundesstaaten wird geeifert gegen die Redelust der Landtage, und wenn wir uns erst die Parlamente außer deutscher Staaten an- lehen, so müssen wir sagen: Die Zustande im Reichstage und in den deutschen Landtagen find noch golden dagegen. Das Hebel einer Ausdehnung der Debatten ins Hngeheure ist, schein es, mit dem Parlamentarismus notwendig ver- bunceir. Die Demokratisierung des Wahlrechts hat es mit sich gebracht, daß die parlamentarischen Debatten immer mehr zu Wahlreden aussrten. Nachdem wir nun gar überall die Sozialdemokraten haben, dis bei ihrer ganzen politischen Tätigkeit grundsätzlich nichts anderes als die Wahlagitation im Auge haben, ist schon par nicht daran zu denken, daß dem Nebel mit kleinen geschäfisordnungsmäßigen Mittelchen gesteuert werden könnte, wie sie die .Freis. Ztg/ vorschlägt. Wir haben es da mit einer tm Wesen unserer parlamentarischen '• Einrichtungen liegenden Entwickelung zu tu«, gegen die weder mit Zeitungsklagen, roch mit Geschäftsordnungsbestimmungen aufzukommen ist.
Berlin, den 3. März 1904.
§ In letzter Woche war mehrfach von der Bildung eines „Großen Generalstabes der Marine" die Rede. Die Veranlassung hierzu
Standesunterschieden gleit fatn als einen besonderen Glaubensartikel befrachtet hatte, sprachlos vor Entrüstung in ein eisiges Schweigen versank, grgulein Bassing verhielt sich ebensallS sehr still, und die arme Frau Wilson fing aerade an, ernstlich zu bereuen, die junge Australerin so ohne weiteres bei der einfluß- reichsten Dime der Gegend eirgeführt zu haben, als die Ankunft des männlichen Elements der peinlichen Lage ein Ende machte. Während die ältere Gesellschaft durch die Bemühungen des guten Dr. Wilson nun balv tn Unterhaltung geriet, hatte Reginald aus den Wink seiner Schwester den leeren Platz neben Dora- Itce eingenommen Diese begrüßte ihn als alten Bekannten und plauderte in ihrer frischen We-se von Diesem und Jenem, bis sie schließlich auch mit kind- liwem Ve gütigei der Juwelen ihrer Großmutter erwähnte, die ihr später noch zufallen würden.
„So find dieselben noch nicht in Ihrem Besitz?" fragte Reginald.
.Nein, und es ist hart für mich, ihnen fern »u blechen. Gleich nach G-oßmamas Tod verschloß H-rr Dr. Wilson dr» ganzen Schmuck in em Pvlt im Ankleidezimmer uno drückte zwei große, rote Siegel auf da» alte Möbel. Natürlich durste ich sie erbrechen, aber Frl. Bofling sagte, das Pult habe einst Papa gehört und sei stets verschlcfsen gehalten worden. So dachte ich denn, er verwahre vielleicht wertvolle Andenken darin und beschloß, eS Nicht zu öffnen, hier herüber käme, oder mir schriftliche Erlauvni» dazu gäbe. Armer Papa! Es macht ihm vielleicht Freude, wenn die« kleine Besitztum unberührt bleibt. Ich olaube, Sie würden sich gut mit ihm verstehen, Herr Ravenstein. Er ist so klug unb gut." -
Diese ff rundliche Rücksichtnahme auf ihre- Ba.ers möglichen Wunsch — ein Zug, der an Elly erinnerte — tiev Tora ice sehr in seiner Gunst st-igen.
„Haben Sie nicht Berlangen, Ihren Vater wiederzusehen?'fragte er.
.Manchmal 16, und ich erwarte chn auch sehr bald. Er wird Sie natürlich hier sehr deschästigt
ist anscheinend gewesen, daß in den neuen Stellen- vesetzurgen für "die Marine auch die Seeoffiziere, die bei den verschiedenen höheren Stäben den Admiralstabsdienst versehen, unter der Rubr :
*• lieber Lotterie «vd Tpareu hielt am Mittwoch abend tn der Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre der Kaiser!. Regierungsrat und Mitglied des Kaiserlich Statistischen Amtes Dr. P. Mayet einen Vortrag. Gleichzeitig entwickelte er ein neues von ihm erfundenes System der Sparlotterie, das zwar, ebenso rote das Scherlsche System, Lotterie und Sparen ver- >inbet, in seinem weiteren Aufbau aber sich von dem Scherlschen Projekt entfernt. Professor Mayet will weder von einem Lotterieblatt, noch von Losen etwas wissen unb ben beim Scherlschen Prcjrtt bedingten Zinsenverlust vollkommen auS- chließen. Mayet geht von einigen Hauptzahlen >er Statistik der deutschen Sparkaffen aus. Im Jahre 1900 hatte das deutsche Reich 2685 öffentliche Sparkaffen, welche nach Deckung der Verwaltungskosten Dotirung des Refecvefonds, Verzinsung besEinlagenguthabens nochl7 882 000 Ml. „für kommunale unb anbere Zwecke" über« wiesen. Diese runb 18 Millionen Mark stellen also einen Unternehmungsgewinn der deutsch » öffentlichen Sparkaffen dar. Mayet sieht nun in der Tatsache, daß der Ueberschuß nicht gänzlich ben Sparern zufließt, ein sozialpolitisches Unrecht. Tr.sfllcker als die kommunale und sonstigen gemeinnützigen Zwecke, denen diese 18 Millionen zufließen, sei die Förderung dis Sparwesens. Dte Gemeinde habe genug Förderung dadurch, daß die Sparer sich zu Wohlstand entwickeln und dte Armen - Fürsorge entlasten. Da nun aber die Gemeinden dieSparkoffen-Ueberschüffe nicht fahren lassen werden, macht Mayat dmVerwittel.mgs- Vorschlag, daß sie einen Betrag von 1 Million Mark zm Förderung des Sparwesens durch eine Spar - Prämienverlosung herausrücken, also nut den 17. bis 18. Teil der jetzt den Sparzweckm entfremdeten Ueberweiftmgen. D m Sparer sollen nur feine neuen Spareinlagen in dem betreff en-- ben Jahre prämiiert werden, insoweit sie seine Zurückziehung vom Kapital übersteigen. Der Zinsenzuschlag bleibt ganz außer Betracht. Bst jedem Konto werden nur die Mehreinlagen bts zum Betrage von 50 Mark berücksichtigt. Die Gewinne, welche zur Prämiierung der Sparet dienen sollen, sind entweder das zehnfache oder das hundertfache ober das tausendfache ter betreffenden Mehreinlage. In der hierauf folgenden Diskussion erklärten die Herren Dr. Warschauer und Professor Lafson, daß das Moyet sche Projekt dem Scherl'schrn unbedingt vorzuziehen sei, weil es eben den Sparer vor Zinsenverlust schütze, weil es nicht von dem Prosperieren einer Zeitung abhängig sei und keinen so umfaffendm Betrieb erfordere wie dieses.
(?) DiewasserwirtschaftlicheuVorlagc« ; werden dem Abgeorduetenhause nach der Erklärung des Ministers Budde unb der Abgeordnetenhaus-Sitzung vom Montag erst nach den ; Osterferien zugehen. Im Ganzen find fünf ver- : schiedme Gesetzentwürfe zu erwarten, wenn nicht gar sechs. Nämlich 1) ein Gesetzentwurf bett, i Maßnahmen zur Verhütung von Hochwasterge- , fahren in bet Provinz Brandenburg uno tüt Havelgebirte der Provinz Sachsen, 2) ein allge-
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Verantwortlicher
finden, ich möchte, daß Sie nnch in oll' meiner, P änen unterstützen. Bielleicht Wird auch Wams m tfommen. Gie ist s hr rphiz — o so ruhig! V-Wavdt ja ihrem Hauswefru Und ängstlich besorgt, aus Meiner Schweflet und mir feine jutige Damen zu machen. Helene ist zahm und gelehrig; ich war es nie. Möglich, daß auch noch einige von den Anderen miikommen. Ich hoffe, sie wrrden sich mit Ihnen befreunden.. Urteilen Sie stets nach dem ersten Eindruck?"
„Wirtlich, out diese Frage kann ich nicht so kurzweg antworten, Fräuleiy. Grcm."
„Ich tue es, und ich ändere wich nie. Es gibt Leute", — bitt ft auf Fräulein Baifing kinübersehend — „die mir sofort Widerwillen und Mißtrauen ein- flößten, so ehrlich auch ihr Gebahren ist, und andere, denen man augenblicklich vertrauen muß " Ihr naives Lächeln und ihr spiechender Blick auf Reginald verrieten diesem deutlich, zu welcher Abteilung fie ihn selbst zähle.
„Fräulein Grarn'S Wagen!" meldete der Dtener in diesem Anger blick, und Doralice sprang auf, laut klagend, daß fie run „in diesem schn Sicher, Kasten dav»n rumpeln u üffe, während es doch sünizigmal schöner gewesen rritte, zu Fuß zu gehen, ober bhtibet zu rudern."
„Allein in beiden Fällen hätten Sie einer besonderen Schvtztruppe brdwst", bemerkte Major Roller lächelnd.
„Die ich sicher gesunden hätte", tief sie beiter. „Herr Polt hat jr fast den gleichen Weg tau un8, nicht wahr?"
Aber obgleich ihre mutwillig funkelnden Augen einen Moment auf dem beyäb.genDorsmedrkuS ruh «, blitzten sie rasch wieder zu Reginald hinüber, kl« andeutend, wen fie zu strtm Begleiter erkoren haben würde.
„Eine nette, junge Dame, das läßt sich nicht leugnen," wandte sich ter Major zu Frau Wilson, als der Wagen nach Westfeld abgefahren war. „Wem sie sich auch in ihre neue Stellung noch nicht recht
„Abmiralstab der Marine" ml aufaeführt sind. Das ist aber, schreibt bie ,Rorbb. Allgem Ztg' ! nut eine Folge davon, baß noch eine burch bas < Marineverordnungsblatt bereits am 26. Januar '
I veröffentlichte Allerhöchste Kabinetsorbre i dem Chef beS Abmiralstobs die AuSbilbung ' dieser Offiziere im Admiralstabsdienst übertragen । ii. Eine Organifatione är.berung ber Marine tbet des SeeosfizierkorpS ist bamit nicht verbunden. Die Zahl bet im Admiralstabsdienst verwendeten Seeoffiziere bleibt bie gleiche wie bisher.
** Professor Dr. Herma«« Ende, Präsi- bent der König!. Akademie der Kunst, der morgen fein 75. Lebensjahr vollendet, hat feine Ent- assung aus dem Amte nackgesucht.
* Der Abschluß des Handelsvertrags mit Italien konnte bie Vermutung erwecken, daß nun auch binnen kurzem die übrigen Verträge fertig fein wüt den. Die ,Berl. Pol. Nacht/ weisen indeß barauf hin, daß bie Verhandlungen voraussichtlich noch geraume Zeit dauern werden, und der Reichstag in seiner laufenden Tagung vermutlich nicht mehr mit dm neuen Verträgen befaßt werden wird. Daß die fortgesetzten unb neu eingeleiteten Verhandlungen mit ben verschiedenen Staaten noch eine geraume Zeit bauern werben, ergibt sich schon aus der Tatsache, baß, ebenso wie bie arbein Staaten, auch Deutschland nur stets bie gleichen Unterhändler aborbnen kann, weil sonst bie Einheitlichkeit der Aktion gefährdet würbe. Wenn man nun bedenkt, daß die deutschen Unterhändler länger als sieben Wochen in Rom verweilt haben, daß die einleitenden Verhandlungen der Unterhändler mit Rußland unb ber Schweiz ebenfalls stets ver- schiebene Wochen gedauert haben, baß die Unter- Händlerkonferenzen längere Vorbereitungen in den zuständigen Refforts ber verschiedenen Regierungen bedürfen, so wird man sich schon darauf gefaßt machen müsfen, daß noch einige Zeit vergeht. Jedenfalls ist es auch heute noch nicht möglich, auch nur annähernd genau den Zeitpunkt zu bestimmen, zu welchem die Vorschriften der bisherigen Handelstarifverträge ihr Ende erreichen werden. Daß man mit Italien so verhältnismäßig rasch fertig wurde, wirb darin seinen Gruno haben, daß der Vertrag mit Italien für die deutsche Landwirtschaft nur von untergeordneter Bedeutung ist. Eme Einfuhr von Getreide ober Vieh aus Italien nach Deutschland findet nicht statt. In Frage standen nur die deutscherseits erhöhten Zölle für Eier, Gemüse, Obst, Trauben unb Weste. In den Verhandlungen mit Oesterreich- Ungarn und Rußland liegen die Dinge anders. Hier spielen Getreide- und Viehzölle die Hauptrolle. Oesterreich-Ungarn roünscdt vor allem Er- mäßiaung des Gerstezolles. Man scheint seine Hoffnung vor allen darauf zu setzen, daß es Rußland gelingen werde, eine Ermäßigung des
: Roggenzolles iu erlangen.
% Auf die Meldung vom Eintreffen des ersten Zuges der Sch-mtrmg - Eisenbah« hat der Kaiser außer ber Teilung der Schcmtung-Eisen- bahn-Gesellschaft auch dem Gouverneur von Schantung seine Glückwünsche in einem Telegramm übermittelt.
Iwei Kr binnen.
Von Klara Rheinau.
------ (Nachdruck verboten.)
dikseS Haus zu betrete". Später glaubte ich bei Fräulein Basfing Jnlereffe sür ben unglücklichen Sohn zu bemerken. Sie irag-e nach Linen Kindsrn, und ich erzählte, daß er deren vier besitze, und feine zweite Tochter nach der Großmutter Dorolice genannt habe. Dgbei sprach ich bie Hoffnung aus, daß sie gelegentlich ein gutes Wort für ri- Minder einlegen wöge. Und fie mußte es getan haben, denn am ^ne. andere Wei'e konnte Fräulein Doralice im Testament ihrer Großmutter als Umversalerbin bezeichnet werden. Tie alte Dame hätte ihrer Gesellschafterin wohl ein paar tausend Taler hinterlaffen können; ich glaube, fie verdiente es."
„Sie bitte stets ein sehr hoher Gebalt, wie Frau Gram'S Bücher beweisen", sagte Dr. Wilson; „also kann fie drch riebt so übel dran sein. Ihnen, Pott, hätte aber eigentlich eine besondere Belohnung gebührt für Ihre wertvolle «urkunft in jenen Tagen. Wär-n auch Sie nicht imstande g-weien, mir Arthur Gram's Abrisse zu neben, als Fräulein Basfing mich an Sie verwies, so hätte ich vielleicht monatelang na^> der Erbin suchen müssen — Australien ist ein großes Land."
Major Roller lenkte jetzt die Unterhaltung der rauchenden Herren in andere Bahnen, und der Herrin von Westfeld wurde nicht mehr Erwähnung getan, bis die Herren sich toieee- im Salon den Damen zugesellten. Frau Wilson begrüßte ihr Erscheinen mit wahrer Erleichterung, denn eS war ihr gänzlich mißlungen, ihre drei Gäste auch nur zu einem leidlichen Einvernehmen zu bringen. Mit einem merkwürdigen Mangel an Takt hatte die sonst so gutherzige Doralice sich förmlich in Eifer geredet über die, wie sie eS nannte, Albernheiten von Rang und Ansehen in der Gesellschaft. Sie gedachte ganz nach Belieben ihren Umgang zu wählen, erklärte sie. Die nette Krämersf au aus dem Torf wollte fie manchmal zum Tee einladen — warum auch nicht? Unb in diesem bald mu'.williaen, bald ironischen Tone ging ee weiter, btS Fra» Roller, eine Dame, die von Geburt an bie Lehre von ben
„Zch fürchte, fie paß?e besser zu Frau, als jetzt zu Fräulein Gram," meinte der Doktor. „Aber ba fie hier mit dem Orte und den Leuten so bekannt ist, h-elten toi-: eS für das beste, daß fie bleibe, um Wräulen Dorak ce in ihre neue Stellm g einzusühren. Ich gestehe jedoch, daß ick täglich einen Austritt bc- wrchre. Unsere junge Erbin pflegt kein Hehl aus ihren Abneigungen zu machen Und doch müße ich nicht, wer Frl. Baffing's Stelle aursühren sollte."
,O, Sie dürfen sie nicht gehen iafien", rief Herr Bott. „Ich sagte ihr eben noch, fie solle doch Fräu- üin Gram darüber ausklären, wie sehr sie ihr ver- 5stichlet sei- Sie verdankt ja tatsächlich ihr gutes ttück nur Fräulein Basfing."
„Wie ist dies zu verstehen?" fragte der Major, n»d auch Regina'd blickte gespannt ouf.
„Hm. das ist eine seltsame Geschichte", versetzte Doktor Pott. „Einem Herrn Kostegen erzählte ich Je lchon. Sie erinnern sich vielleicht, daß der junge intShkrr stelz sehr freundlich g'gen mich war, unb er 23tüdgeim verlosten hatte, schrieb er mir mehrmals von Australien au». Anfangs bemerkte er nur, baß es ihm gut geh»; später ermähnte er auch Frau ob Kinder, letztere in eimr Weise, die mir eine weichere Stimmung gegen seine Mutter zu verraten schien. Kurzum, ich setzte e» mir in den Kopst daß eine Versöhnung mit der alten Dame möglich sei und Machte tatsächlich einen Versuch dazu. Aber wie batte dH mich geint! Fran G.am schien anfangs ganz erstarrt über meine Kühnheit, dann aber wurde fie kreideweiß vor Wut »nb verabschiedete mich tu einer »eise, die einem moralischen H int uS werf en glich. Ich gelobte mir damals, nie wieder bei ihren Lebz-tten
V hoffnungslos, I
Im Reichstag ist am Donnerstag endlich ■ auch die zweite Beratung des Justizetats zum Abschluß gelangt. Ob eS noch möglich sein wird, ben Etat vor Ostern fertig zu stellen oder ob biesma! der verhängnisvolle Anfang eit dem Brauch der Verschleppung bis über ben 1. April hinaus gemacht werben wirb, steht bähin. Planche Leute glauben nicht mehr an «ine rechtzeitige Erledigung. Die ganze Haltung des Reichstags steht auch gar nicht danach aus, «IS ob ihm etwas baran läge. Je naher er Ostern kommt, um so längs imer ruckt er mit ber Etatsberatung vom Fleck.
Die wiederholten Mahnungen des Prust- benten, bet den Reichstag nicht gern von seiner Pflicht abweichen losten möchte, an bie Parteien, doch bie Rebelust einzuschranken, Haden gar nichts genutzt. Es wirb geredet unb geredet, als ob man eine Ewigkeit Zett hatte. Die Rebefiuten steigen immer höher, die Zahl der Anwesenben aber wirb immer niedriger. Unb in der Presse wirb wieder und wieder geklagt über bie Verschlechterung der parlamentarischen Zustände durch die unbändige Redesucht. Daß es tatsächlich fortgesetzt schlechter wirb, läßt sich gar nicht leugnen. So schlimm, wie es in bem neuen Reichstage ist, wat es «abebingt noch nie zuvor.
Recht bequem ist es, bie Schuld auf das Zentrum zu schieben, wie es bie ,Rat. Zig.' wieder tut. Die Liberalen halten mindestens ebenso viele unb ebenso lange Reden wie die ZentrumSabgeorbnetkn.
Das „regierende" Zentrum hat nicht mehr iu sagen, als irgend eine „regierte Partei; eine Mehrheit für sich hat es nicht ntfernt; es bildet nur etwa den vierten Teil deS Reichstags. Wie kann es verantwortlich dafür gemacht werden, was die übrigen dreiviertel tun?
In ber .Freisinnigen Ztg/ find mehrer» Vorschläge gemacht worden, wie bie Etatsberatungen, unb überhaupt die Debilen abzukürz-'n seien. Man kann mit ben Vorschlägen einverstanden fein unb braucht doch nicht zu glauben, daß sie wirklich Abhilfe bringen weben. Da wird zunächst vorgeschlagen, alle Anträge auf Aenbe- rungen ber bestehenden Gesetzgebung bei der Matsberatung fern zu halten. Nun, beim Etat tzeS Reichsamts des Innern bat man 35 solcher Anträge bei Seite gestellt. Man sieht aber nicht, daß nun die Etatsberatung schneller von statten gehe. Läßt man Anträge auf Gesetzesänderungen nicht zu, so wirb Über bie Notwendigkeit von Gesetzesänderungen ohne Anträge lang und breit geredet werden.
Zweitens sollen, wie im preußischen Abgeord- netrnhause, alle anträge auf Erhöhung von Aus- gabtn an die Budgetkommisfion verwiesen werden. Der Hinweis auf das Abgeordnetenhaus scheint uns hier recht unglücklich zu fein. Wird das etwa mtt ber Etatsberatung rascher fertig? I« Gegenteil! Drittens verlangt die,Frs. Ztg.', daß bei der Kritik der Verwaltung nur dasjenige zur Erörterung kommen darf, wofür die Reichs-