31. Jahrgang
zulda, Mittwoch, den 2. März 1904.
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habe.",
(Fortsetzung folgt.)
und was dergleichen Unfinn mehr ist. Die letzten Wahlen haben nun allerdings gezeigt, daß dem Liberalismus mit kalturkämpferijchen Redensarten nicht mehr zu helfen ist, selbst wenn der Evangelische Bund sich seiner arnimmt. Aber vieUricht erreicht man mit dem Lärm, daß die Ministsrial Verfügung in bezug auf die Kongregationen unausgeführt bleibt, die Genehmigung einer Kongregation ist von so vielen Bedingungen abhängig gemacht, daß stch leichtem Vorwand findet, fie zu untersagen. Bliebe die Verfügung auf diese Weise eine bloße Scheinkonzesfion, so würde das aber bei den Katholiken noch viel mehr böses Blut machen, als die bisherige Beibehaltung des Verbo.es.
Berlin, den 1. März 1904.
§ Kaiser Wilhelm wird nach einer Meldung der .Naiional-Zeitung' aus Brüssel auf seiner bevorstehenden Mittelmeerreise nicht, wie es ursprünglich hieß, auf dem Heimwege Antwerpen berühren. Damit entfällt zunächst auch das Zusammentreffen mit dem König der Belgier, so daß die Erwiderung des von diesem in Berlin abgestattetrn Besuches erst später erfolgen wird. Da der Kaiser für die Fahrt bis zum Mittelmeer den Dampfer des Norddeutschen Lloyd «König Albert" benutzt, will er auch von den für die Fahrt geltenden Reglements nicht abgewichen wissen.
§ Die Citate, die Juftizn-inister Schönstedt im Abgeordnetenhavse aus den in Königsberg beschlagnahmten Schriften brachte, sollen nach der ,Leipz. Volksztg.' gefälscht sein und statt des anarchistischen und terroristischen in Wirklichkeit einen harmlosen Sinn haben, ja sich gegen Terrorismus uab Anarchismus aus sprechen, oder gar überhaupt erdichtet feien. Wir können nicht beurteilen, wer im Rechte ist. Die ,Leipz. Volksztg/ leugnet aber nicht, deß die Schriften, die der Minister zitierte, revolutionär und anarchistisch seien; fie behauptet nur, es stehe hinter ihnen niemand als die Verfaffer; eine Partei hätten diese nicht hinter fich. Ja, wie kommt man dann aber dazu, die Schriften in Rußland zu verbreiten? Es muß doch Leute geben, die die Ansicht der Verfasser teilen. Und wenn die Schriften aus anarchistischem und terroristischem Boden stehen, dann ist es ziemlich bedeutungslos, ob ein paar Citate daraus ungenau find.
* Am 7. März wird bekanntlich in Berlin ein allgemeiner Heimarbeiterfchntz-Kongreß odgehalten. Er wird einberufen von der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und es sollen auf ihm alle Heimarbeiter vertreten sein ohne Unterschied der politischen und religiösen Anschauungen, ebenso auch solche.
Irvei Erbinnen.
Bon Klara Rheinau.
------ (Nachdruck verboten.)
„Allmächtiger Himmel!" rief Fräulein Doralice, sich so plötzlich vorwärts neigend, um ihm die Hand zu schütteln, daß ihr Boot in hrstigks Schwanken geriet. „Und ich Härte Sie beinahe von hier vertrieben! Also Sie fino der Künstler mit Pumpen und Ma- schmen, der Tausende in meine Börse iüllen soll! Ich bin außerordentlich erfr-ut, Sie zu sehen. Achtung! es ist steinig auf dieser Seite."
Ravenstein folgte ihrem Rate und hatte sein Boot rasch wieder flott gemacht. F-äulei« Gram brachte gewandt ihr eigenes Fahrzeug an dessen Längsseite. „Ich hoffe, Sie halten mich nicht süc unverschämt", Khr fie fort. „Aber wissen Sie, die L-ute hier leinen sich in mir eine Negerin oder sonst etwas außergewöhnliches vorgestellt zu haben, weil ich aus Anstralien komme. Sie drückten fich immer hierherum m>d starnen mich an, bis ich schreckliche Drohungen anSstoßr« mußte. Ich gelobte, daß ich den nächsten, der käme, wenn er klein genug sei, zu ohrfeigen, oder wenn er zu groß sei, der Poliier übergeben werde. Aber da Ihr Besuch ein rechtmäßiger ist, will ich VeldeS unter lassen."
„Sehr verbunden", sagte Reginald, fich lächelnd verneinend. „Al'o habe ich nun die Erlaubnis, meine Untersuchungen fortzusetzen?"
»««f °a; Fälle", versetzte Fräulein Doralice. „Aker bitte, sagen «re mir zuerst, wann Sie wieder- kommen werden. O, mein Sou" — ein komischer Ausdruck trat in ihre entschied?n hübschen Züg n — „Wie Würde Mama fich über diese Bemerkung entsetzen! Sie gibt fich so viel Mühe mit meiner Er- ziehLug. Aber ich meinte ja auch nur, wann Sie mit ihren Plänen usw. beginnen würden und hierher käm:n, mir tieselben zu zeigen. Ich langweile mich
Die Marianischrn Kongregationen werben jetzt von allen Ecken und Enden des lieben deutschen Vaterlandes her mit einer Flut liberaler Phrasen überschüttet. Jedes liberale Blättchen, das etwas auf sich hält, sagt sein Sprüchlein her. Schwer ist die Sache ja nicht. Die Wendungen „jesuitischer Geist", „kulturfeindlicher UltramontaniSmus", „antinationale Erziehung", „religiöse Ueberhebung und Unduldsamkeit", „Kterikalisierung des höheren Schulwesens", „Verbeugung vor dem Zentrum" usw. usw. stehen ja immer zur Verfügung und wirken auf den liberalen Durchschnittsleser „überzeugend". Wer fich etwas besonderes leisten will, der nimmt die Miene eines gewiegten Pädagogen an und redet einiges daher von „Unvereinbarkeit mit den Zwecken der Schule", „Entfremdung zwischen Lehrer und Schülern", „Heranbildung zu ernster Selbst Verantwortung nach selbsterrungener Uederzeugung" und bergt ES gibt immer L ute, bie glauben, wenn sie so etwas hören, sie dächten fich auch etwas dabei, und die alsdann sofort von der Verderblichkeit und dec pädagogischen Unzulässigkeit der Kongregationen überzeugt sind.
Man begünstigt oder duldet von der Schule aus allen" möglichen Sport unter den Schülern; Ruder- und Fußball-Klubs, Stenographen- und Literatur-Kränzchen dürfen fich bilden. Da redet niemand entrüstet von „außerhalb der Schulsphäre liegenden Zwecken", „Gefährdung deS Erziehungswerks," „Schädigung der Autorität der Lehrer als Träger des Idealen und Repräsentanten der sittlich-religiösen Idee" u. s. w. Nur wenn die Religion ins Spiel kommt, dann aus einmal schlägt man Lärm; dann können Vereine im Jntereffe der Schule und der Erziehung nicht geduldet werden. Die Schüler der höheren Lehranstalten find gerade in den Jahren, wo Glaube und Sitt'ich- feit den meisten Gefahren ausgesetzt sind und darum besondere Vorkehrungen zu ihrem Schutze getroffen werden müßten. Man hält fie auch von Schulwegen sonst möglichst streng und denkt nicht daran, fie sich ihre Uederzeugung und Weltanschauung „selbständig erringen" zu lasten. Im Gegenteil, man sucht ihnen mit aller Macht, oft unter Verleugnung der Wahrheit, eine Gesinnung einzuimpfen, die man im Staats- und monarchischen Jntereffe für die wünschenswerteste hält Handelt es fich aber um die Grundlage des Charakters und der Weltanschauung, um Religion und sittliche Persönlichkeit, bann auf einmal fordert man Freiheit und Unabhängigkeit für unreife Knaben. Dann verwirf! man nicht nur jede Art Zwang und Nötigung, man möchte überhaupt bie jungen Leute jedem kirchlichen Einfluffe entziehen.
Vergebens sucht man dieses Bestreben im Falle der Kongregationen mit allerlei Schaudererzählungen über die Vorgänge in den Kongregationen und ihr Wirken zu verhüllen. Es find einfach Fabeln, was da behauptet wird,
Pfleoe des geistigen Hochmuts und der Heuchelei, : Anleitung zur üeberwachung von Lehorn und Mitschülern, Schürung des konfessionellen Haffes, Anleituna zur Propaganda, Vernichtung der m- dividuellen Persönlichkeit, Untergrabung des na- । tionalen Sinnes usw. In den Kongregationen । wird lediglich ein gesunder kirchlicher, religiöser und sittlicher Geist gepflegt, wie es für bie Heranwachsende Jugend so dringend notwendig ist. Man wird doch nicht bestreiten wollen, daß d e Katholiken so ziemlich darüber unterrichtet sind, wie es in den Kongregationen hergeht. Kann man denn nun glauben, katholische Väter würden nach den Kongregationen verlangen und ihre Söhne daran teilnehmen lasten, wenn darin ave die „Mißbräuche" und Unnatürlichkeiten vorkämen, von denen die „eingeweihte" liberale Preste so viel zu erzählen weiß?
Der Ausschuß des nationalliberalen Zentral- Komitees für die Rheinprovinz hat in einer Resolution die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses aufgefordert, nachdrücklich Stellung dagegen zu nehmen, daß von der Regierung die Bildung, sei es von evangelischen oder katholischen, Schülervereinen mit religiösen Zwecken genehmigt worden ist. Vielleicht regt diese Kundgebung gläubige protestantische Kreise, die sich gegen die Marianischen Kongregationen verhetzen lassen möchten, zum Nachdenken an. Sie werden daraus ersehen, daß der Haß gegen die Religion überhaupt bei der „Bewegung" gegen die Kongregationen die Triebfeder ist. Daß sie sich wegen der protestantischen Bibelkränzchen besonders erregen sollten, trauen wir den Nationalliberalen allerdings nicht zu. Die evangelischen religiösen Vereine sind nur genannt der „Parität" halber; man wollte den Schein kon- fesstonellkr Einseitigkeit vermeiden. Man meint aber lediglich die katholischen Kongregationen; ben protestantischen Vereinen steht man gleichgültig gegenüber, weil man ihnen keine große Bedeutung für das religiöse Leben beimißt.
Hand in Hand mit ben antireligiösen In- fünften gebt das Parteiinteresfe. Man glaubt, daß sich die Ministerialverfügung ausschlachten laste, um Stimmung gegen da§ Zentrum uno für den Liberalismus zu machen. Da vergißt man bann völlig die protestantischen religiösen Schulervereine, läßt auch unbeachtet, daß für die Kongregationen noch eine Ausnahmebestimmung bestehen bleibt, die für die Bibel- krönzchen nicht gilt, man läßt überhaupt alle Klauseln und „Kautelen" der Verfügung unbeachtet und tut, als ob die Verfügung fich nur auf die „jesuitischen" Kongregationen beziehe und diese vollständig freigebe. Von dem Standpunkte aus, den manfomit Hilfe grober Unwahrhaftigkeit gewonnen hat, zetert man über „Auslieferung des höheren Schulwesens an dm Jesuitismus", „Unterwerfung der Regierung unter das Zentrum", „Vergrößerung der ultra- montanen Gefahr", „Bedrohung des Vaterlandes durch eine deutsch- und kulturfeindliche Macht" hier so entsetzlich, daß ich schon zu meiner Unterhaltung mit ten Geschäften beginnen möchte."
„Aber Sie find doch sicher nicht allein hier, Fräulein Gram?"
„Eigentlich nein — in her Tat ober ja. Mein Baier konnte nicht und meine Mutter wollte nickt mit mir herüber kommen; und ich mußte doch auf olle Fälle mein neues Besitztum in Augenschein nehmen. Ich — ich hatte meine Gründe dazu. Aber die Leute, denen ich ar vertraut war, reisten weiter nach Hamburg, und so habe ich denn vorläufig als e nzigen Schutz hier nuc ein Wesen — ein zweibeiniges, — da« ich um keinen Preis los werden kann — Basfing mit Namen. Wenn Sie mich besuchen, werden Sie dieselben sehen und mich bemitleiden. Und Sie werden doch kommen, H,rr R Werstein?"
„Erst in einigen Tagen, Wtnn ich ausführlichen Bericht bringen soll", versetzte er. „Heute habe-, wir Mittwoch, so will ich denn Lebewohl sagen, Fräul-in Gram, bis Freitag."
„Nichts derartiges", rief fie heiter, ihr Boot gewandt anZdie Landungsstelle vrinyend: „Ich werde heute abend in der Billa speisen, ich und die Basfing und alle. Ich würde Sie gern zum Frühstück einladen, aber erstens kommt mein halbes Dutzend Langschläfer nicht vor fieben Uhr herunter, und zWettenS würbe man es in diesem altväterischen Lande Wahrscheinlich Wieder sür unpassend halten. Also" — l icht ans Wer springend — ,.au revoir! Herr Ravenstein. Sagen Sie Ihren Schwester: punkt sieben! Ich werde den ganzen Tag herumretten, um mir Appetit zu machen."
Mit großem Ergötzen erwiderte Reginald dtese- urwüchfige Lebewohl und ruderte davon. Doralice blickte ihm nach, bis er hint-r einer Gruppe Weiden verschwunden war; dann wandte fie fich hrimwärtS mit sehr befriedigter Miene.
„Rudert gut und spricht gut, ist weder glatt- läng'g «och Weibisch hüvsch" — so faßte sie ihre Beobachtungen zusammen. „Im ganzen von der beste» Art, die ich dis jetzt hier gesehen habe. Dieser Mann gefällt mir."
bie einer Organisation nicht angehören. Zunächst soll ein Referat über die soziale Sage unb bie Notwendigkeit des gesetzlichen Schutzes der . Heimarbeiter und Arbeiterinnen erstattet werden. Ferner soll von einem ärztlichenSachverständigen auf die gesundheitlichen G-fahren der Hausindustrie für das konsumierende Publikum hin- lewufen weiden.
* Dem Vernehmen der ,Berl. Pol. Nachr.' nach gehen einzelne Jttvalideuversichernugs- Austalte» mit der Einführung einer neuen Emrichiung vor, die die Erweiterung der reiwilligen Versicherung zum Zweck hat. Bekanntlich ist bie freiwillige Jnvaliben Altersversicherung nach bem Gesetze allen benjentgen rlbstaubigen Gewerbetreibenden gestattet, bie rüher in unselbständiger Stellung versichert waren, ebenso bekannt ist aber auch, daß von dieser Ermächtigung trotz der vielen Vorteile, die eine olche Versicherung mit sich bringt, recht wenig Nebrauch gemacht wird. Das hat seinen Grund hauptsächlich in der Unbekanntschast der betreffenden Kreise mit den Vorteilen einer solchen Ver- icherung. Verschiedene Versichere gSansi alten lebenlen nun zur Aufklärung der interessierten Bevölkerungskreise kostenlos Vorträge halten zu laffen, in denen vornehmlich ziffernmäßig bie zu ristenden Beiträge unb bie im Falle ber Jnva° ibität unb nach Erreichung des 70. Lebensjahres za beanspruchenden Renten gegenübergestellt werden. Handwerker- und landwirtschaftliche Vereine werden die Stellen sein, an denen diese Vorträge am besten gehalten werden.
\ Im Abgeordnetenhause haben bi< Freikonservativen ben zum Etat ber Bauverwaltung gestellten konservativen Antrag ben. Neirregeluug des Lubmiffiouswefens dahin abgeändert, daß 1. bem Minbestfordernden nur bann ber Zuschlag erteilt wird, wen» er in rezug auf Leistungsfähigkeit und ber Erfüllung seiner Verpflichtungen deutlich auch gegen die Arbeiter Md-ÜLndwerker Sicherheit bietet und fein GebotaNgemeffen ist, 2. bie Arbeite» und Lieferungen tunlichst in gedrängten Losen an Unlernehmer oder Unternehmerverbänbe vergeb«, auch angemeffene AusschreibungSftistm innegehalten werden, 3. bei der Vergebung »ach Möglichkeit die ortsangesessenen Handwerker und Unternehmer berücksichtigt werden.
* Lieguitz, 1. März 1904. Zwischen einem Hauptmann unb einem Stabsarzt wurde ein Pistolenbuell ausgefochten. Bei bm Zweikampf erhielt ber Stabsarzt einen Schuß in bas Kinn, nach anberer Meldung eine Kugel in den Kehlkopf, während fein Gegner unverletzt blieb. — Der Grund zu dem Duell soll an Vorgänge „aus einer kleinen Garnison" erinnern!
* Karlsruhe, 2. März 1904. Das «e finden des Großherzogs hat fich soweit gebessert, daß er gestern einige Stunden i« Lehnstuhl verbringen unb kurze Vorträge entgegen- nehmen konnte. Bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin erlitt ber Großherzog, brr in letzter Zeit mehrere Ansälle von Ohnmacht hatte, einen ihr ist? Sie ist viel zu jung, um allein hier ju wohnen."
„O, war dies betrifft," entgegnete Frau Wilso« — die Leute in Australien nehmen es in diesem Puntte lange nicht so genau, wie Wir. Zhr Satte schrieb sehr vernünftig an Robert, daß er Geschäfte halber nickt so rasch von Sidney weg könne, unsere Veranstaltungen für seine Tochter aber sehr dankbar annehme. Robert batte ihm nämlich mitgeteilt, Wir Würden Fräulein Basfing so zu sagen als Gesellschaft» baute in Westfels zmückhalten; und daß er unbedingtes Vertrauen in den Testamentsvollstrecker seiner Mutter setzen könne, wußte er natürlich. Wenn seine Tochter hier bleibt, wird er ohne Zweifel bald Nachkomme» "
„Wenn!" Wiederholte Reginald erregt. „Fräulein Gram Wird doch sicher wisien, ob fie hier bleibt, oder nickt, ehe sie diese kostspieligen Arbeiten unternehmen läßt."
„Gewiß weiß fie das," war die rasche Antwort. „DaS „wenn" bezog sich nur auf Herrn Grams unbestimmtes Kommen. Erst letzte Woche sagte wir Fräulein Doralice mit großer Befriedigung, sie habe ihren Eltern geschrieben daß fie hier wohnen zu bleiben gedenke."
„Um so bester," sagte Reginald mit fich!kicher Erleichterung. „Also Robert, mit Deiner Erlaubnis werde ich' daS Boot wieder in Beschlag nehme», und mir einen allgemeiren Ueberblick über meine .Arbeit verschaffen."
„Gut so," entgecnete sein Schwager. „Ich werbe Dir bis hinüber Gesellschaft leisten und Dich mtt beet Vermal'er bekannt wachen. Schmitten fit ein vortrefflicher Kerl. Du wirst eine tüchtige Stütze a» ihm Haden. Ich werde vor Mittag nicht zurück fern, Mathilde. Da drüben hält fich ein wunderschöner Waflervogel auf, d-n ich beobachten möchte. Dem Herr Stiftet wird die armen Schlucker ohnehin ans ihrer natürlichen Wohnstätte vertteiben, also muß ich ihre Bekanntschaft machen, so lange ich die Möglichkeit
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5. Kapitel
Als Reginald am Frühstückt tisch sein kleines Erlebnis erzählte, amüsierte fick ie re Schwester außerordentlich über die bullige Wrise dieses ersten Zusammentreffens trit Fräulein Gram
„Tu hast die frühen Morgenstunden vortrefflich augewendet, Reginald," erllärte fie. „Fräulein Tvra» lice ist selbst so pürkllich in ihren Handlungen, daß dieser zeitige Besuch Deines künftige« Arbeitsfeldes Dich sehr bei ihr in Gunst setze» Wird.
„Ich tzrffe aber doch fieber, daß die Arbeiten weder von ihrer Gunst noch von ihrer Laune abhängig sein werden", verfitzte Reginald etwas un- ga’ant, förmlich entsetzt über diese mögliche AuSficht. „Nicht doß ich unhöflich sein Wollte," fügte er lachend bei, „aber den Launen einer jungen Dame könnte ich mich bei einem solchen Unttrnehme» unmöglich fügen. Ich denke, Fräulein Gram Wird ihre Entschlüsse fasten und dabei bleiben."
„Sehr wahrscheinlich," schaltete Dr. Wilson ei«, „fie ist die resoluteste junge Dame, die ich je kmnen gelernt, eine Grcm durch und durch. Sie besteht daraus, doß ihre Anordnungen pünktlich befolgt werden."
„Wie kam ti, daß fie dar Befitztum erbte und nicht ihr Batn?" fragte Reginald.
„Ihr Vater and seine Mutter," erklärte der Doktor, „batten vor Jahren bittere Streitigkeiten, di« fick nie wieder beilegt«. Fräu Irin Basting, die seit dem Weggehen des jungen Manner bei Frau Gram lebte, ich glaube anfangs al» Gouvernante der verstorbenen Tochter und damals Ges-llschasterin, sagte mir, daß Arthur Grams Name nie mehr genannt werden durste. Er ist ein Wundir, daß die alte Dame fich entschließen konnte, wenigstens di; nächste Beneiativn erben zu laffen."
„Nun, Fräulein Gram scheint fich als Herrin von Westfelv sehr zu gefallen," bemerkte Reginald, fich ber stolzen Miene erinnernd, mit ber sie ihn aus ihrem Gebiete wies. „Aber wie kommt es, daß niemand bet
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