IOC»
31. Jahrgang
zulda, Samstag, den 27. Februar 1904
finden. Aber die übrigen Kraftfahrer versäumen nicktS, wenn fie.stch mit der üblichen Gefchwindig- leit gute Wagenpferde begnügen.
Endlich wendet man auch ein, die Kraftwagen zur Lastenbeförderung seien sehr nützlich und deshalb dürfe man die Entwickelung des Automo- bilismuS nicht stören. Ja, den mechanisch an- getriebenen Lastwagen soll ja auch kein Röhrchen ekrümmt werden. Sie poltern und fauchen ehr und hinterlassen manchmal einen schlechten NafenschmauS; aber ste pflegen doch meist in mäßigem Tempo zu fahren. Solange sie das reibehalten, sollen sie nicht blos geduldet, sondern m Interesse der Reinlichkeit der Sttaßendämme ogar gelobt werden. Schutz wird nur verlangt vor den Kraftkutschen, die Personen befördern und deshalb der Versuchung zu übermäßiger Schnelligkeit unterliegen.
Ern Abgeordneter hat nun doch das Bedenken, daß bei Verschärfung der Haftpflicht der eine oder andere Kraftfahrer den Offenbarungt- eid leisten könne, so daß der Verletzte leer ab- ziehen müßte. Er will deshalb eine Zwarrgs- genoffenschaft der Autler mit Solidarhaft be- ründen. Wäre nicht Übel, aber etwas »m- ländlich. Schneller käme man zum Ziele, wenn eder, dem ein Automobil abgestempelt wird, eine gehörende Sicherheit stellen müßte. Das müßie eigentlich den Sportfahrern auch gan- erwünscht sein. ' Denn offenbar liegt ein besau« )erer Reiz in der Kostspieligkeit des Fahrens mit Kraftwagen. Je teuerer die Geschichte wird, desto gehobener fühlen sich die In affen eines solchen Wagens: „Seht, wir habe» es dazu, uns diesen teueren Sport zu leiste» während ihr anderen Leute mit dem kleiner Geldbeutel zu Fuß gehen müßt oder höchstens ix einer gewöhnlichen Pferdekarre fahren könnt!" Wenn nun einmal so eine kapitalistische Aus- spielet ei dahinter steckt, so kann man auch gan- gut die Protzerei beim Worte nehmen und eine Kaution von etlichen taufend Mark verlangen.
Warten wir ab, was der Reichstag sus- richlet, und wachen uns inzwischen klar, daß hie Kraftwagen zu der allgemeinen Entwickelung det MafchinenwesenS gehören und daß in dieser Zeitperiode, wo die Maschinen nicht blos in die Fabriken, sondern auch in die Landwirtschaft, in die Häuser und Sttaßen bringen, der Mensch sich Immer mehr von Gefahren umringt steht und deshalb erhöhte Vorsicht und angespannte Aufmerksamkeit entwickeln muß, um nicht zwischen oder unter die Räder zu kommen. Mit dem alten Schlendrian geht es «ich! mehr, auch ans dem sog. platten Lande nicht mehr. Die Kultur verbraucht immer mehr Nerven.
nicht selten w rkiich fahren. Also ist es ganz gerechtfertigt, wenn man die Automobile ebenso haftpflichtig macht, wie die Eisenbahnen es find. DaS erstrebt ein Antrag des Zentrums. Geht das durch, so braucht der Verletzte nicht erst nachzuweisen, daß er die nötige Vorsicht bewahrt habe, sondern der Besitzer des Kraftwagens muß Entschädigung leisten, so lange er nicht seinerseits den Beweis führt, daß sein Wagen ganz unschuldig fei und der Verletzte selbst das Unglück veranlaßt habe. Öb diese verschärfte Haftpflicht ernüchternd auf die Sportsaxe wirken wird, weiß ich nicht. Jedenfalls ist ste gerecht und eine Wohltat für die unglücklichen Opfer der Benzin- kutschen.
Nun sagt die Regierung wieder: Ja, das ist wohl der Erwägung wert, aber wir können nicht eher vorgehen, als dis wir genügende Erhebungen über Zahl und Art der Unfälle gemacht haben! d. h., erst muß amtlich sestgestellt sein, daß eine erhebliche Zahl Kinder in den Brunnen gefallen und wirklich ertrunken ist, ehe der Bkimnen zu- gedeckt wird! Gegen die Statistik ist nichts ein» zuwenden. Aber warum sollen die gefährdeten Fußgänger die Kosten dieser Verzögerung tragen? Machen wir doch erst ein Gesetz, das die Automobile gebührend haftpflichtig macht, und wenn dann die Statistik das Gegenteil von dem ergeben sollte, waS wir jetzt überall sehen und hören, dann kann mau ja das Gesetz wieder ab- änbern. —
Aber das Automobil ist doch ein Kultursortschritt!? Mag wohl sein. Die Warenhäuser lnd auch ein Kultursortfchritt, aber bringen doch manchen Leute Verderben. Wir wollen ja auch das Automobil nicht verbieten oder kaputschlagen, sondern bloS zu einem vernünftigen Wandel an» halten. Wenn um des bloßen Vergnügens von Sportleuten willen brave Bürger zu Schande gefahren werden, so ist das keine richtige Kultur. Und wenn für die gebrochenen Gliedmaßen oder das erdrückte Leben nicht einmal ibie gehörige Grldenrschävigung gesichert ist, so hört die Kultur erst recht auf.
Die übermäßige Schnelligkeit ist durchaus kein Kulturbedüifnis. Wer größere Strecken in Eile zu überwinden hat, kann bei unseren hochentwickelten Verkehrsoerhältniffen die Eisenbahn benutzen. Die hat ja gerade deshalb ihre sorgfältig gesicherten Geleise angelegt, damit sie mit der Geschwindigkeit von 60, 80, 100 oder noch mehr Kilometer pro Stunde unschädlich dahin- laufen kann. Die Krastkutsche ist nur notwendig, wenn man zwischen den Eisenbahnen mäßige Strecken überwinden will, ohne sich des gewöhnlichen Pferdewagens zu bedienen. Bei dieser Strecke von wenigen Meilen braucht aber wirklich nicht im Eisenbahntempo gejagt zu werden. Ein Arzt, der zu einem Verblutenden gerufen ist, oder ein Feuerwehr Automobil, das zu einem gefährlichen Brande eilt, mag mit freien Wagen wie im Eisenbahnzug fahren; mit solchen Ausnahme Schnelligkeiten wollen wir uns schon ab«
«rschemt täglich, »tt Surnahme der Seim« geb geiertage. viertel jährl.vejn-rprel» ghne Bringer lohn und MelgelbinSnlbacnb MMvSrt»tMr.soPfg.
kehrte, das bewies des Schulzen Tochrer von Stützheim, in besten Hanse der Prinz häufig vorsprach. Eines Abends kam nun der Schulze heim und sagte zu Frau und Kindern: „Wißt ihr 'was neues? Prinz Max hat einen Buben bekommen!" Kaum hatte er das gesprochen, als "die Frau des Schulzen zum großen Sohn sagte: „Christoph, fang' ein paar Hühner; die soll unsere Käthe der Fran Prinzessin in die Stadt bringen." Im Elsaß ist es nämlich vielfach Brauch auf dem Lande, daß sich gute Freunde und getreue Nachbarn bei solchen freudigen Vor- kommnisten ein paar fette Hühner zur Suppe zuschicken.--
Vor dem Palaste des Prinzen von Zweibrücker, stolzierte ein bärtiger Grenadier auf und nieder, fchweigsam wie das Grab. Er munte, jedermann müßte es ihm am Munde ansehen, daß dort nicht einmal leise, geschweige denn laut gesprochen werden dürfe. D'rum nickte der alte Krieger auch nur mit seiner Bärenmütze, als ein fchmuckes Bauernmädchen — es war natürlich des Schulzen Käthe — mit den Worten sich näherte: „Wohnt hier der Max?" Der Grenadier machte aber ein so grimmiges Gesicht, daß das Mädchen fürsorglich fortfuhr:
„Ec wird mich doch nicht freffen wollen!" „Donner und--" fuhr der Krieger aus;
doch schnell erstickte er den Ausruf, eingedenk, daß et gerade deswegen Schildwache stehe, um das geringste Geräusch unter den Fenstern der Prinzessin zu hindern. Er machte daher Anstalt, die vorwitzige Bauerndirne fortzujagen; aber sie drängte sich keck bis in's Portal vor. In der Hand trug fie ein weißeS Leintuch, aus welchem ein paar Hennen würdevoll in die Welt hineinguckten. Die drei, die ’wei Hennen und daS Mädchen, waren eben daran, den Eingang zu betreten, da wurde es dem Grenadier doch
verantwortlicher SchristleUer:Zss.B-ms. , wacheMUage: „Illustrierte somtagrzellung
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Druck und Verlag be Sttlboer Acilenbruckere in Zulba (Harmonie) Zernsprecher M. 9.
Vie USthe von Slützheim.
eine Anekdote aus den Leden des Prinzen Max von Wittelsbach.
König Mox 1. von Bayern steht in der Stadt Straßburg noch in gutem Andenken. Dort verlebte ex seine Jugendjahre; dort im „Zwei- brückischen Hofe" in bet Brandgaffe (dem heutigen Sitz des Generalkommandos) ward ihm auch fein erster Sohn Ludwig (der nachmalige König von Bayern) geboren. An die Geburt desselben knüpft sich eine gemütliche Episode.
Prinz Mox, Inhaber des Zweibrücker Re- {iments, residierte meist in Straßburg, wo sein kegiment in Garnison lag, und war dort wie im ganzen Elsaß wegen seiner Leutseligkeit und seines offenen Wesens eine äußerst beliebte Persönlichkeit. Der Prinz war ein letdenschastlicher Jäger und als solcher in den elsässischen Ort- schäften fast überall wohl bekannt. Die Dorf- schützen allerorts waren feine guten Freunde; bei ihnen pflegte er, wenn er von den Strapazen der Jagd ermüdet wat, gewöhnlich, statt in der Dorsfthenke, einzukehren und einige Erfrischungen anzunehmen. DerPrinz, welcher etn berounberungS« würdiges Gedächtnis besaß, nannte seine Dorf- freunde stets bei ihrem Taufnamen: „Hans", „Christoph", „Andres", oder wie sie gerade heißeu mochten. Diese hinwiederum, wenn vorn Priuzen die Rede war, nannten ihn schlechtweg „den Max'. Nicht selten kam es vor, daß der Prinz, wenn et dem edlen Waidwerk nachging und in abgelegene Gegenden kam, wo er nich bekannt wat, sich mit den Worten: Ich bin der Mox" in eine Strohhütte einführte und sich von der Bäuerin einen einfachen Imbiß und em GlaS Wein auibat, das er ihr reichlich lohnte.
Wie ungezwungen daS Bott mit ihm ver
zu arg; er nahm das Gewehr von der Schulter, streckte es quer vor sich aus und machte damit, sowie mit seiner eigenen Hünengestalt, eine Barri- kade'vor dem Eingang des ZweibrückischenPalastes.
Als daS Mädchen den Weg neriperrt sah, tarn ihr der Zorn. Sie trat dicht vor den Grenadier; die beiden Hände in die Seite gestemmt, tief sie im Gefühl ihres Rechts und ihrer guten Sache in der höchsten Aufregung mit lautet Stimme, daß es weit in den Palast fchallte:
„DaS will ich doch sehen, wer mir den Weg versperren will, wenn ich zum Max seiner Frau muß! Sr doch gewiß nicht! Er —"
„Will sie gleich das Maul halten!" schrie nun auch der Soldat dagegen. „Zurück sag' ich, ober —In demselben Augenblick fragte eine Stimme oben auf der Treppe: „WaS gibt es da vorne?" Beide schauten auf.
Katharine, welche bie Stimme sofort erkannte, erwiderte flugs: „Der große Kerl hier mit feinem abscheulichen Barte will mich nicht hinein kaffen, und meine Mutter hat mir doch gesagt, ich sollte nur keck zugehen; den Max würde ich fchon finden, jedes Kind in Straßburg könnte mit sagen, wo er wohne."
„Du bist's, Katharinchen?" erwiderte leutselig der Prinz von Zweibrücken, und der Schildwache zurusend: „Laß fie!" fahr et alsbald in milder Weife fort: „Was bringst Du Gute-, Katha- tinchen?"
Da« Mädchen wat schnell die Stufen der Treppe dis zum Prinzen emporgeeilt, und nun sprach fie: „Vater und Mutter lasten schön grüßen, und da schickt die Mutter seiner Frau Liebsten ein paar fette Hühner zur Suppe." Mit diesen Worten Überreichte fie dem Prinzen daS Tuch mit den Hennen. Der nahm daS Geschenk dem Mädchen ab, erkundigte sich nach dem Befinden deS Schnl-
Unpolittjche Zeltläuse.
(Nachdruck verboten.)
D Berlin, 25. Febr. 1904.
Wohl dem, det an ungekünstelten Landwegen wohnt! Je sandiger, desto bester ! Da wird man nicht von sausenden Fahrrädern um gerannt und nicht von fauchenden Automobilen gerädert.
nufere Abgeordneten in Berlin quälen sich redlich, um das Volk vor den „Teufeln auf Socken", den rasenden Kraftwagen zu schützen, und sie tun recht daran. Denn bisher waren nur in den Großstädten mit ihrem riesigen Verkehr die Straßen zu „Wegen des Todes" geworben; aber jetzt ist man auch auf Dorf streßen mrd auf ländlichen Chaaffeesttecken seines Ledens nicht mehr sicher. ,
In den Großstädten find bte Leute sozusagen geimpft gegen die Straßengefahr. Sie kennen die Fallstricke des Verkehrs und haben sich daran gewöhnt,, sich in Acht zu^ nehmen. Wer da einen belebtetzr-Slraßendamm Überschreitet, nimmt seine fünf Sinne gehörig zu- fammen, hat namentlich die Augen und Ohren nach allen Seiten und spannt Muskeln und Gehirn an wie ein Schauturner bei geführt chen Ueduvgen. Aber wenn ich draußen in Gottes freier Natur wandele, so will ich doch meine Nerven abgespannt halten. Das darf ich jedoch nicht, sobald ich auf einen gepflasterten oder chanstierten Weg komme; denn da kann jed-n Augenblick so ein blitzschnelles Ungetüm auf« tauchen und mich übet den Hausen rennen. Die ländlichen Leute sind nicht an solche japanische Ueberrumpelungen gewöhnt, und man kann auch gar nicht r erlangen, daß fie wegen diesen vierrädrigen Vagabunden sich großstädtische Nerven und Muskeln beilegen.
ES wird immer anders, aber nicht bester! AuS dem Regen der Fahrräder find wir in die Traufe der Kraftwagen geraten. Mit den Fahr- rädem hatten wir uns allmählich so leidli h abgefunden. Die Strampler haben nach und nach ihr Tempo gemäßigt. Der Sport des tollen Rennens hat nachgelasten, wenn er auch noch nicht ganz geschwunden ist. Wit haben vor Iahten schon gesagt, daß er Hirt so gehen werde, wie in der Entwickelung deS Menschen: DaS Kind läuft gern, aber der Erwachsene gebt, wenn er nicht aus besonderer Not laufen muß. Wird nun vielleicht bei den Automobilen sich auch bet Geschwindigkeitssport legen? Nicht so schnell und nicht so allgemein, wie bei dem Radfahrer. Denn der Radfahrer muß durch seine eigenen Muskeln das Gefährt in Gang fetzen und wird deshalb durch dir An-
vie sreiwNige Zeldftverficheruxg auf Grund der Iiwalldenvekficheriws* gesetzer.
Schon bie Weitervktstcherung, welche do» JnvalidenverficherungSgesetz vorsieht, bietet den
zen und der Fran Schulzin, geleitete das Mädchen in das Vorzimmer und trug nun die Hühner selbst in daS Gemach seiner Frau, um ihr die Liebesgabe der fürsorglichen Frau Schulzin z» zeigen. DaS Kathrinchen harrte derweil im Dor- zimmer. Der Prinz befahl, daß man der Schick zentocktter ein Frühstück reiche; dasselbe bestand in Kaffee mit Kuchen und Backwerk und Schinken Der Kaffee wat dazumal noch ein seltenes Getränk, zumal auf dem Tisch der Landlente. Kathrinchen nahm die Einladung ohne weitere Umstände an und ließ es sich trefflich schmecken, eingedenk, daß der Prinz sich ja auch oft daheim bei ihnen mehr denn einmal nach der Jagd gütlich getan. Während der Zeit machte der Prinz einen Aus gang, 'hielt die Wachtparade ab und machte darauf einen Spazierritt Als er nach langet Abwesenheit in den Palast zurückkehrte und in das Vorzimmer eintrat, traf er ju feinem nicht geringen Erstaunen daS Kathrinchen noch an, das er längst doch wieder daheim in Stütz- Heim wähnte.
Dann fragte er verwundert: „Wie! Du bist noch da, liebes Kind?"
„Ja!" antwortete Kathrinchen kurz.
„Hast Du noch nichts zu effen bekommen?" fragte der Prinz besorgt.
„Doch!" antwortete das Mädchen so kurz und bündig wie vorhin.
„Haben fie Dir Dein Tuch nicht zurück- gegeben?" erkundigte sich Prinz Mox «eiter
„Hier ist es! antwortete bie Befragte und zog ihr schneeweißes Tuch aus bet Tasche nutet der Schütze hervor.
„Willst Du roch etwas esten, mein Kind?" forschte ber Prinz weiter.
„Nein!" antwortete Kathrinchen kurz.
„Woraus wartest Du benn?" fragte Prinz Max zuletzt.
strengung schon zur Mäßigung angeleitet, wenn ber erste Reiz der «itelteit und der Kstometn- Freß sucht sich abftumpft. Der Mann tm Kraftwagen aber braucht sich nicht anzvstrengen; er kann sich ohne Last und Schweiß dem Vergnügen bingeben, pfeilschnell über weite Strecken zu fliegen. Der ganze kostspielige Apparat beS Krast-Kutschwagens ist auch gerade darauf angelegt,' recht bedeutende En'fernungen fptelenb zu überwinden, und deshalb machen ja auch bie Kraftwagen das platte Land so unsicher. Es ist also ganz gerechtfertigt, wenn bte Polljet nicht geduldig wartet, bis die Krafftähret saml- licy vernünftig werde n, sondern schon jetzt em- greift, um das „gewöhnliche Volk", was auf einen natürlichen Beinen sich vorwärts bemüht, gegen die flüchtigen Herrschaften zu schützen.
Nun sagt die Regierung, es sei schon genug geschehen. Ja, w rs ist denn geschehen? Man hat Geschwindigkeiten vorgeschtieben; aber werden sie denn eingehalten? Man hat an den Automobilen auch Schilder mit Nummern angebracht, so daß Leute mit scharfen Argen, die gut - aufpaffen, manchmal den Sausewind erkennen können. Aber wenn ich nun auf einer stillen Mauffee überfahren werde, kann ich bann mhh sofort aufrichten und von dem Hinterteil streS forteilenden liebeltSterS die Nummer und den Buchstaben ablesen und in mein Notizbuch eintragen? Nicht viel besser steht es mit ber Kontrolle der übermäßigen Gischwindigkeit. Es find doch nicht alle Dorfsttaßen vnb Chausseen mit vereideten und sachkundigen Polizisten garniert. Der gewöhnliche Bürgersmann ärgert sich übet das rasende Ungetüm, aber er hütet sich wobt, eine Anzeige zu machen, wenn er auch zufällig die 9lummer und den Buchstaben mit Sicherheit gesehen haben sollte. Denn davon hätte er ja auch nur lästige Gänge und Fahrten nach der Polizei und dem Gericht, und schließlich käme dabei doch nichts heraus, da man doch bekanntlich überzeugend nacyweisen kann, wie viel Kilometer tn der Stunde der Mann eigentlich gefahren ist.
Die schönen Vorschriften übet die Höchstgr- schwindigkeften stehen nut auf dem Papier, fo lange nicht eine fortdauernde Kontrolle gesichert ist. In dieser Beziehung will man nun durch einen automatischen ZwangS-Geschwindigkeitsre- gistrier-Apparat helfen, d. h. es foll in jedem Automobil ein verfchloffenet Geschwindigteils- meffer angebracht werden, bet unter Beihilfe einer Uhr die Schnelligkeit des Wagens fort-, während so aufnotiert, daß die Polizei jeden Augenblick ablefen kann, wieviel Kilometer pro Stunde bet Wagen zu irgenb einem Zeitpunkte gemacht hat. Ein schönet Gebanke; es fehlt eben noch eine ^Kleinigkeit, nämlich dieser Apparat muß erst noch erfunben werden
Also abwarten! Ich bin eben bet Ansicht, daß nicht das Publikum die Kosten dieses Ab- wrrteaS zu tragen hat, sondern vielmehr die Krastfahrer. Tatsache ist, daß die Automobile mit Elsenbahngeschwindigkert fahren können und
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