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j.£Üjfs* wochi»b-!lage:„Illusttierte§onntagrzeitung"

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monatsbeilage: „$uli>a« Geschichtrblätter".

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Druck und Verlag See 8«ldaerActiendr«ckerek in 5»lda (Harmonie».

8«rnsprrch«r Ur. 9.

Zulda, Samstag, den 27. Februar 1904.

31. Jahrgang.

Vie Aushebung einiger Mnisterial- erlaffe aus -em Kulturkämpfe.

Bor einigen Tagen weideten wir, daß der Kulturminister durch Erlaß vom 23. Januar d. Js. mehrere Schulerlaffe auS der Falk'schen Kalturkampfzeit aufgehoben habe, die sich mit den SchulgolteSdiensten, der Teilnahme der Schüler an den Sakramenten und an der Frohn» ltichnamSprozession, mit den Verordnungen kirch­licher Behörden und mit den Gebeten für den Papst in den Schulmesien beschäftigen.

Da werden wir in diesen Tagen wohl aus den Blättern wieder große Klagen über die „schwächlicheNachgiebigkeit- derRegie- rung gegenüber „Rom-, den wachsenden Einfluß des Ultramontanismus u. s. w. ver­nehmen. Bei der bevorstehenden Beratung des Kultusetats im Abgeordnetenhause wird die neue Verfügung ficher ebenfalls zu längeren Erörte­rungen Anlaß geben.

Das Entgegenkommen, das in dem neuen Erlaß liegt, steht übrigens auf den ersten 83Iic' günstiger aus, als es in Wirklichkeit ist. Aufhebung von einem halben Dutzend Kulturkampfserlaffen, das klingt ja ausgezeichnet. Aber was tritt an deren Stelle? Man wird, wie gesagt, nächstens im Abgeordnrlen- hause noch weiter über die Sache sprechen. Wir werden vurch den Erlaß lebhaft an die ersten Vorlagen zur Revifion der Maigeletzgebung erinnert. Diese gingen vorzugsweise darauf aus, «n die Stelle gesetzlicher Vorschriften das dis­kretionäre Ermessen der Regierung zu setzen und die Willkür der Behörden gegenüber der katholischen Kirche zu erhöhen.

So arbeitet auch der neue Erlaß des Kultus­ministers bedenklich viel mit dem diskretionären Ermessen. Das Verbot der Marianischen Kon- gregarionen wird keineswegs einfach auf­gehoben. Vielmehr darf das Provinzial- schulkollegium die Genehmigung eines religiösen Verein- nur für den einzelnen Fall unter Würdigung der bei der betreffenden Anstalt be­stehenden Verhältnisse und stets nur wider­ruflich und bei Marianischen Kongregationen nur unter der Bedingung erteilen, daß die Leitung des Vereins dem Religionslehrer der Anstalt übertragen wird. Dabei ist sorg­fältig zu prüfen, ob durch die Zulaffung des Vereins der Schule oder den Schülern kein Nachteil erwachsen kann und ob die Satzung auch nach dieser Richtung hin völlig unbe­denklich ist. Die Vereine unterliegen der Be­aufsichtigung durch den Lirektor, der vor allem darüber zu wachen hat, daß die Schüler zur Teilnahme an solchen Vereinen irgendwie ge­nötigt werden und das gute Einvernehmen unter den Schülern und das friedliche Verhältnis unter den Konfessionen keinen Schaden leidet.

Zwei Kr binnen.

Von Klara Rheinau.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

„Und Da, alter Freund", sckloß er seinen Bericht, .wo» hast Du bisher getrieben? Ist es Dir gelungen, Dein Glück zu machen?"

„N.cht nn Geringsten", lackte der Andere. „Mein Beruf als Ingenieur ist schlecht geeignet, Schatze zu fammefn."

„Also nicht verheiratet?"

„Bewahre, dazu wollte es bis jetzt nicht reichen. I» Augenblick bin ich ohne Stelle, und da ick keine besondere Lust verspürte, nach Hause zurückzukehcen, kam ich in diese Gegend. Ich habe Empfehlungs- brirfe an einen Herrn Colville hier, der mir vielleicht neue Arbeit zuweisen kann."

„Also warst Du eine lange Zeit im Auslände?" „Fünf Jahre in Holland. Dort gibt es ja in meiner Branche stet» viel zu tun, wie Du weißt. In letzter Zeit beschäftigten mich die neuen Pläne für die Z.yoer See, und ich glaubte wirklich, einmal etwa» von Dauer gefunden zu haben."

„Und warum war e» nicht so?"

?a8 läßt sich ;dimer erklären. Auf Unserem -iLeaa ~”9en Dinge vor, die durchaus nicht nach meme« S mn e waren, genau wie auf meiner ersten Welle in Hamburg, die ich damals voll W-derwillen kann eben turchauS nicht einsehen, oaß jebe« Mittel erlaubt sein soll, um schnell reich zu «erden. Aber e» scheint, meine Ansicht.» find bet- ultet, wenigstens stehen sie mir überall im Wege."

„Heer Csttille hat einen guten Rus", entgegnete Prittwitz. „Ich glaube nicht, daß Du in oieser Hinsicht etwas bei ihm zu beiürckten tSttest. Also, «ein lieber Freund, werde »ch Dich nun für die nächste Zeit ol» hier ansässig betrachte« und Dich, wenn Du es wünschest, mit einige, Familien unserer

Daß die religiösen Vereine einer gereiften Kontrolle durch die Schulleitung unterliegen sollen, kann man ja nicht ohne weiteres ver- werfen, wenn es auch bei den Marianischen Kongregationen überflüssig ist. Es spricht sich aber in der Verfügung ein auffälliges Mißtrauen aus, alS ob die Kongregationen etwas schulfeindliches oder gar staatsfeindliches trieben und daS gute Einvernehmen unter den Schülern und den konfessionellen Flieden stören könnten. Zwar bezieht sie sich auf alle religiöse Vereine, also auch auf die protestantischen Bibetkränzchen, aber gedacht ist da offenbar nur an die Kongregationen. Wir wollen an­nehmen, daß die Beifügung nur im Auge hat, die Aufgeregten des Evangelischen Bundes zu beschwichtigen, die immer über Siörung des konfessionellen Friedens zetern. Jedenfalls wird keine Kongregation jemals Anlaß geven, sie wegen Friedensstörung ober Schädigung der Interessen der Schule aufzulösen. Wer so etwas für mög­lich hält, steht einfach Gespenster.

Die Frage ist eher, ob überhaupt die Ge­nehmigung zur Bildung einer Kongregation er­teilt wird. Alles hängt von dem Wohl­wollen des Direktors und des Provinzialschul- kollegiums ab. Berichtet der Direktor günstig über die „Verhältnisse" an der Schule und ist das Schulkollegtum gnädig gestimmt, so kann die Genehmigung ausgesprochen werden. Im anderen Falle unterbleibt sie, ohne daß stich­haltige Gründe vorliegen. Bibelkränzchen werden vielleicht genehmigt, Marianische Kongregationen an derselben Anstalt aber vielleicht nicht, je nach­dem die entscheidenden Personen den protestan­tischen Vereinen freundlicher, den katholischen un­freundlicher gegenüberstchen. Wir nehmen ja als die Absicht des Ministers an, daß den Kongregationen möglichst wenig in den Weg gelegt werden soll und die Provinzialschulkollegien dieser Absicht entsprechen werden. Aber das ist heute, morgen kann der Wind umschlingen und das diskretionäre Ermessen zu Ungunsten der Kongregationen gehandhabt werden. Eine sehr lästige Bedingung'ist, daß nur dem Rsli gionSlehrer die Leitung einer Kongregation über­tragen werden darf. Gerade darin, daß die Schüler auch einmal mit einem anderen Geist­lichen in nähere Berührung kommen und Vor­träge von ihm hören, liegt nicht zuletzt der Wert der Kongregationen. Die religiöse Anregung ist viel größer, wenn sie nicht von der Person aus­geht, mit der sie in der Schule und der Kirche schon immer zu tun haben.

Weit weniger nock als die Bestimmungen über die religiösen Vereine, kann die Aufhebung der übrigen Falkschen Schulerlaffe befiiedigen. Von einer Aufhebung ist in Wirklichkeit garnicht die Rede. Sie bleiben in der Hauptsache vielmehr bestehen. Obligatorische Schulmessen sollen nicht an mehr als zwei Wochentagen ein­gerichtet, ein Zwang zum Empfange der Sakra­mente und zur Teilnahme an Prozessionen soll nicht ausgeübt werden. Wozu diese Angst vor zu viel Gottesdienst und zu viel Zwang in religiösen Dingen gegenüber unmündigen

deutschen Kolonie betannt machen. Du wirst eine Menge Landsleuie hier finden."

„Ah, ich loh heute morgen eine Landsmännin", begann Ravenstein mit einem bei ihm ungewöhnlichen Eifer, brech aber dann ägerlich über sein eigene» Ungestüm kurz ab und fügte mit gemachter Gleich- gil igkeit bei: „TS war eine ganz hübsche junge Dame in Schwarz; fie kam gerade an mir vorüber, al« Du mich einholirst. Weißt Du vi.lleicht, wer fie ist?"

„Ah, ich erinnere mich, Du mußt Frl. Förste» meinen. Sir ist mit me-rer Frau nabe betreu ibtt."

Reginald vernahm die» mit heimlichem Froblocken, fragte aber kühl: „Hat fie ihren Wohnsitz in Brüssel?"

„Borlävfig, ja. Sie ist halb Pensionärin halb Gouvernante bei einer Dame, die wir sehr gut kennen, der Vorsteherin einer unserer besten Schulen. Das arme Mädchen ist recht zu bedauern."

„Zu bedauern? warum?"

„Weil ihre Lage sehr traurig ist. Ihr Baier war ein Künstler, ein fein gebildeter, ein sehr begabter Mann, tote ich hörte Er muß sehr viel Geld verdient haben. Er besaß nur dies eine Kind und hatte ein hübsche» Sümmchen für sie zurückge- Irgt, als er durch eine verkehrte Spekulation sein ganze» Vermögen verlor. Dieser Schlag traf ihn ver ijangenen Juli, al» seine Gesundheit ohnehin nicht die beste war. Ein heftige» Fieber erfaßte ihn, und nach Verlaus eine Woche war er tot."

„Seine Tochter ganz mitt. Bo» zurücklaffenb?"

„Rabezu wenigsten»; fie h.tte nicht» al» einige tausend Franken, die man ihrem Vater »och schuldete. Ich weiß nicht, was au8 d-.m armen Kind geworden wäre, wenn Fräulein Orwald, die bereit» erwähnte Dame, sich ihrer nicht angenommen hätte. Die Försters lammten au» einer guten Familie in Norddeutschland, jaden aber keine näheren Verwandten. Wo lerntest Du Fräulein Förster kenne»?'

Reginald erzählte hierauf die Geschichte bei ver­gangenen Abend«, erwähnte aber seine eigen? Nelle

jungen Leuten, denen die Schule sonst doch mit Recht sehr viel Zwang antut, um sie zu erziehen und zu bilden? Im übrigen wird auch hier wieder das diskretionäre Ermeffen proklamiert. Das Provinzialschulkollegium entscheidet, ob und in wieweit die Schüler zur Erfüllung religiöser Pflichten und zur Teilnahme an Schulgottesdievsten anzuhalten sind. „In der Regel" ift hier allerdings auf den Relig onSlehrer zu „hören", aber wenn man nicht auf ihn hören will, handelt man eben anders, als er rät.

Etwas weniger Engherzigkeit und Äengstlich- keit könnte die Unterrichtsverwaltung wirklich zeigen. Wir erkennen ihren guten Willen gern an und glauben, daß sie den berechtigten Be­schwerden der Katholiken abheifen möchten, aber fie fürchtet sich doch noch gar zu viel vor dem Geschrei von konfessionellen Heißspornen, die den Katholiken Freiheit und Gleichheit nicht gönnen.

Berlin, den 26. Februar 1904.

** Zur Mittelmeerfahrt des Kaisers wird gemeldet, daß der Monarch mit mein größeren Gefolge am 11. März abends von Berlin abreisen und sich am 12. März morgens an Bord des Norddeutschen Loyddampfers in Bremerhaven einschiffen wird. Der Dampfer wird auf der Reise voraussichtlich in Antwerpen, Vigo, Gibraltar und Port Mahon anlaufen und von dort nach Neapel weitergehen, woselbst sich der Kaiser und sein Gefolge an Bord der Nacht „Hohenzollern" zu begeben gedenkt. Aus Brüssel wird hierzu noch gemdbet: Vorbehaltlich des genauen Datums wie der Reise des Kaisers über­haupt ist die Begegnung des Monarchen mit König Leopold beschlossene Sache. Sie würde an Bord der den Kaiser entgegenfahrenden Nacht de§ Königs „Alberta" stattstnden, aus der O’.e Monarchen auch das Frühstück nehmen. Kaiser Wilhelm besichtigt sodann die Stadt. Generalkonsul von Barg, dem der Kaiser wieder­holt seinen Wunsch Antwerpen zu besuchen, aus- gedrückt hatte, versammelte dieser Tage die Vorstände der deutschen Vereinigungen zur Be­sprechung einer eventuellen Huldigung.

* Der jüngste Sohn des Prinzen Heinrich, Prinz Heinrich vo« Preusse«, ist heute nachmittag 4 Uhr in Kiel gestorben. Derselbe war am 9. Januar 1900 geboten.

* In der Presse ist gegen die Kolouial- abteilnvg der Vorwmf erhoben worden, sie scheine wenig entgegenkommend zu sein bei der Beantwortung von Fragen, die sich auf das Schicksal deutscher Ansiedler im An- siedlungsgebiet'e beziehen. Dazu schreibt die »Norddeutsche Allgemeine Zeiiung': „Dieser Vorwarf muß auf mißverständlichen Infor­mationen beruhen In Wirklichkeit hat die Kolonialabttilung schon sehr erhebliche Beträge verausgabt, um die von Privatpersonen erbetenen

bei den häßlichen Vorgängen nur kurz. Aber der Freund erriet doch, was er h üte verschweigen wollen; und a'S er später die Sache besprach, erklärte d,e kleine lebhafte Dame qanz gerührt: „Wie froh bin ich, daß Herr Ravenstein anwesend war, um sich der armen Elly anzunehmen. E» waren jedenfalls jene schrecklich reichen Leute, von denen uns Fräulein Os­wald erzählte. Sie suchten während ihre» vierzehn­tägigen Aufenthalte» in B-üssel eine Gouvernante zu ihren Kindern. Darüber muß ich noch nähere- hören."

Kaum eine Woche war vergangen, und Reginald sah sich durch seine liebenswürdigen Freunde m die kleine Gesellschaft eingeführt, in der auch Fräulein Dito ld mit ihrem Schützling verkehrte. Elly Förster war da- erste weibltre W-'en, da» ihm mehr als flichtig- Bewunderung eit flößte. Je mehr er ihre vortreffliche» Eicenschasten kennen lernte, desto wärmer und inniger wurden seine Gefühle für da- verwaiste Kind. So war der Winter herangekomme», und noch immer H elt ihn ein Abkommen mit Herrn Eolville in Brüssel fest. Seine HirzenSangelegenheit chatte keine sichtbaren Konschritte gemacht, den» er besaß zu wenig Mut und Selbstvertrauen, wo ein jüngerer Liebhaber kühn al» Bewerber aufgetreten wäre. Mit großem Interesse erforschte er unauffällig alle», wa» sich auf Fräulein Försters Zukunst bezog. Er hörte, daß Fräulein O-mald die Absicht habe, nächste» Sommer ihre Schule abzugeben, um nach Deutschland zurück- zukehren, und daß fie für ihren Schützling eine Stelle iudte, wo man, wir fie fich ausdrückte, nicht vergäße, daß Fräulem Förster sowohl durch Geburt al» Er­ziehung eine vollendete Dame sei, obschon ihr Vater „nur" ein Künstler gewesen träte. Mit Schauder ge­dachte er der rohen Behandlung, die dem f ugen Mädchen an jenem Abende im Hotel Louise zuteil ge­worden wa--, und immer mehr befestigte fich das Ver­langen in chm, das geliebte Wesen vor dem rauhen Kampfe mit dem Lcken schützen zu dürfe».

An einem ichönen Tage im Februar traf er Fräulein Förster, recht gerade ganz zufällig, ix ve-

AuSkünfte erteilen zu können. Unmittelbar nach Ausbruch des Aufstandes war sie allerdings nicht in der Lage, den ihr geäußerten Wünschen in jeder Beziehung gerecht zu werden, weil be- kanntlich von hier ans anfänglich die Situation überhaupt nicht klar zu übersehen war. Wem» in diesem Zusammenhänge auf die Organisation des telegraphischen Verkehrs während der China- wirren hingkwiesen wird, so wird dabei der Umstand nicht beobachtet, daß es fich damals lediglich um den Verkehr mit Kriegern handelte. Was den amtlichen Nachrichtendienst aus Deutsch- Südwestaflika im allgemeinen anlangt,' so darf gerechterreeise nicht unberücksichtigt bleiben, welche Schwierigkeiten einer peinlich genauen Bericht­erstattung durch die außerordentlichen Entfev- nungen und den Mangel an raschen Verkehrs­mitteln erwachsen."

* Zum Projekt der Scherl'sche» Spar-Lotterie. Herr August Scherl ver­öffentlicht „für Freunde und Gegner" eine Dar­stellung seines „Prämien SparsystemS *. Er ver­sichert, Herr v. Miquel sei em Freund und Förderer des „Systems" bis zu feinem Tode gewesen; auf dessen Anregung habe ihm der Minister dis Innern Freiherr v. d. Recke 1897 die Wiederaufnahme der Arbeiten an dem „System- nahegelegt, nachdem es vorher vornehmlrch auf Betreiben der Minister Herrfurth und Gras Eulenburg vom Staatsministerium abgelehur worden war. Der Minister v. Rheinbabe» habe später Herrn Scherl zu fich gebeten und ebenfalls den Fortgang der Verhandlungen ge­wünscht. Das Bedenken, daß durch die Prämien­verlosung die preußische Klaffenlotterie gefährdet werden könne, sei durch die Initiative der Grafen Bülow beseitigt worden. Am 2. Juli 1903 faßte dann das Staatsministerium den Beschluß, für die Minister des Innern und der Finanzen die Ermächtigung zur Genehmigung l)i S Scherl'schert Systems auf zehn Jahre zu erbitten. Die Konzessionsurkunde ist von den Ministern v. Hammerstein und v. Rhein­baben am 28. Dezember 1903 vollzogen worden, und das „System" sollte am 1. Jayuar 1905 ins Leben treten. Die Aushändigung der Urkunde sollte nach Eingang der königliche» Kabinetsordre erfolgen. AlS dann die Presse mit seltener Einmütigkeit die Scherl'sche Spar­lotterie bekämpfte, ist der Beschluß der Regierung bekanntlich „vertagt" worden. Indessen geht auch jetzt noch das allgemeine Verlangen dahin, daß dieses Sparlotterieprojekt — mit oder ohne Herrn August Scherl — nicht nur aufgeschoben, sondern auch aufgehoben bleibt.

* Die Steigerung der Eiseubahu-Be- triedseiunahm en hat auch im Monat Januar, obschon er eigentlich zu den verkeh sstillen gehört, angedauert, und zwar in fast überraschende» Maxe. Für alle Bahnen ertrug im Januar der Personenverkehr gegen das Vorjahr ein Mehr von 2,706,704 Mark, der Güterverkehr ein solches von 4,257,482 Mark, insgesamt ein Mehr von rund fielen Millionen Marr. Die Mehreinnahmen gegen das Vorjahr betragen bei den Bahne» mit dem Rechnungsjahr vom April bis Ende

gleitung mehrerer Damen im Allermmrrnuseum Ihr süßer Name klang von den L ppen ihrer Gefährtinnen veständig au sei» Oh ; und al» er später eine Minute allein mit ihr in einer Fensternische stand, wiederholte er weich: „Elly, Elly ..." t

„Elly — versetzte sie errötend — nannte «ich mein armer Papa nach meiner Mutter, weil ihm du» so g'fiel. Ursprünglich sührte ich einen anderen Ruf­namen."

Die Erwähuunr ihre» Vater« füllte ihre 8u«w mit Tränen, uub Ravenstein mußte jede wettere Be­merkung unterdrücken. !

Allein ehe die Woche zu Ende ging, war alle Un­gewißheit vorüber. >

Ja einer kleinen Abendgesellschaft bei Kran Pritt- witz wurde Elly zu fingen aufgefordert. BerrttwilliG setzte fie fich an da« Piano, und bald lauschte alle«, wie verzaubert der herrlichen Stimme, die da- weh­mütige Lied „Heimat, süße Heimat" mtt wahrer Vollendung vor!: ug.

—-„Warum wähtten Sie gerade diese» Lied?" fragte Reginald, al» ei ihm später gelungen war, die Sängerin in dem kleinen Gewächshaus« ihrer Bitti» allein zu sprechen.

„Warum? — ich weiß eS kaum. Bielleicht —" mit einem verräterischen Beben in der Stimme — „weil ich selbst keine Heimat habe."

„Ein Band zwischen »»«', bemerk- e er ernst nutz bewegt. „Denn ich bin nur em Wanderer und werde e» vielleicht bt« zum Ende meiner Tage bleiben, wem» ich nicht — wen» ich nicht — ein Wesen finde —*

Etwas verwirrt brach er ab, aber icre Augen be­gegneten eie ander and die {einigen erzählten besser al» Worte, was er zu sagen hatte. Heiß errötet* senkte Elly da» Köpfchen unter seinem wartende» Blicke; aber al» sie nach einigen Sekunde» schüchtern wieder aufsoh, la» Regmala bte ersehnte Antwort tu den liebliche» Zügen. Er wußte, daß er vo» «m an eine H-imar habe in dem treuen Herzen einer liebenden Brant.