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zulda, Samstag, den 27. Februar 1904.
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Japaner und Japanerinnen.
Dem soeben bei Otto Spanier in Leipzig er schienenen Buche von Dr. Jos. Lauterer „Japan, das Land der ausgehenden Sonne" entnehmen wir: In den Mitteilungen der Deutschen Ost- ostatischen Gesellschaft hat Prof. Dr E. Bätz in Tokio, einer der besten Kenner japanischen Volkstums, das ruhig aufstrebende Volk des Mikado im wesentlichen folgendermaßen geschildert: Das heutiae Volk der Japaner stammt zum kleinen Teil von den 2l.no ab, den alten Bewohnern Japans, deren nächste Verwandten die Gilans in Sochalien und die Kamtschadalen sind, dann von einem echt mongolischen Stamme, der von Korea aus ein wanderte und sich hauptsächlich im südwestlichen Teil nieder ließ, und endlich von einem feinern mongoloiden, deutlich malaienähnlichen Stamm, der sich zuerst auf K-uschu niederließ und von da die Hauptinsel allmählich eroberte. Dieser Stamm ist heute noch am reinsten in Satsuma vertreten und hat den Japanern ihr Herrscherhaus geliefert,. überwiegt auch im Volke an Zahl. Die Hautfarbe der Japaner ist helbgelb, nähert sich in Abstufungen dem Weiß der Europäer, zeigt aber auch alle Uebergänge zum tiefen Gelb und Hellen Braun; bei nackt gehenden Leuten wird die Farbe dunkel wie Bronze. Rote Wangen find selten. Die gelbe Farbe beruht auf körnigem braunem Farbstoff tn den liefern Stellen der Oberhaut, fie ist nur graduell von dem Braun des Indiers und dem Schwarz des Negers verschieden. Die geringe Behaarung der Japaner spricht für geringe Beimischung von Ainoblut. Das Kopfhaar steht senkrecht wie eine Bürste in die Höhe und ist bei durchscheinender Sonne nicht schwarz, sondern bräunlich. Locken find sehr selten und gellen als häßlich. Der dürftige Bart erscheint spät und fast nur am Kinn und auf der Oberlippe. Beim J-paner ergraut das Kopfhaar später als in Europa, der Bart jedoch ist mit 60 Jahren oft völlig weiß. Blondes Haar ist selten und gilt ebenso roie gelocktes als häßlich. Der Augapfel ist von dem des Europäers nicht verschieden. Das Charakteristische liegt in der eigentümlichen Beschaffenheit der Falte am oberen Augenlid und in dem Fehlen oder in der Flachheit der Ein senkung zwischen Lid und Stirnrand. Lacht der Japaner, so verschwindet das Auge völlig hinter den Lidern, und nur eine dunkele Linie, die Spitzen der Wimpern, zeigt an, wo die Lid-
wird man toriiber wohl in *en nächsten Tag n er. fahren. B.S nca beiden S.iren ausfüdrttche Meldungen vorli-gen, wird man ein abschließend's Urteil Übe- die Breeu ung und Tragweite des Ereignisses nicht fällen können.
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spalte liegt.
Die Japaner find alle klein, neben einem Europäer stehend erscheinen fie durchschnittlich um einen Kopf kleiner. Die Männer find größer als die Frauen. Das Wachstum hört in I früher auf als in Europa, bei Knaben im 16 , bei Mädchen schon im 14. Jahre. Der Japaner liebt die magern Frauen; er hält sie für schön, wenn Gestalt, Gesicht und Nase lang und schmal find. Die Japanerin geht nie aufrecht, ihr Oberkörper neigt sich nach vorn, die Knie sind etwas gebogen. Der Gang ist sehr unschön, besonders wenn sie die Geta oder Holzsandalen mit den zwei senkrechten, quer gestellten Brettchen tragen. Von Grazie der Japanerinnen, sagt Prof. Bätz, von der die Bücher der Reitenden reden, konnte
________________31. Jahrgang.
so eine größere Hand'eriigkeit als europäisch^ Kinder Jung gefreit bat niemand gereut, dachn der Gesetzgeber Jyryasu, als er bestimmte. roeT das 16 Lebensjahr überschritten habe, solle sich einen Brautwerber suchen und auch durch dessen Vermittlung eine Ehe schließen, nie es noch heute geschieht. Eine Mitgift ist nicht üblich. Auch bet Kuß ist unter Brautpaaren ebensowenig Sitte, wie das persönliche Liebeswerben. Die Ehescheidung ist leicht und kann schon durch Klatscherei und Ungebotfam der Frau herbeigeführt werden, denn Gehorsam ist im japanischen Familienleben erstes Erfordernis. Man lut blindlings was die Ellern sagen; der Mann ist Alleinherr im Hause, seine Frau ist erste Magd in Küche und Kinderstube. Tie Witwe hat dem ältesten Sohn zu gehorchen. Die häusliche Erziehung ist durchweg gut unb wirkt besonders auf Pietät der Kindern gegen ihre Eltern hin. Nur der Erstgeborene erbt in Japan; die Eltern setzen sich aber oft schon mit 50 Jahren zur Ruhe, werden von den Kindern auf den Händen getragen, und selbst die vielgeplagte Mutter sieht dann noch gute Tage; auch für die Geschwister sorgt der neue Besitzer. Die Toten werden in Japan verbrannt ober begraben; der kurze hohe Buddhistensarg umschließt die Leiche in sitzender Stellung, der Kopf kommt nach Norden. Während der Trauerzeit, die für die Eltern 50 Tage dauert, ruhten früher alle Geschäfte; sieben Wochen lang besuchte man am siebenten Tag das Grab. Am hundertsten Tag wird der Leichenstein gesetzt, der die Daten der Geburt und des Todes sowie den der Verstorbenen beigelegten Ewigkeitsnamen unb einen Spruch als Inschrift trägt.
vermischtes.
* Die katholische Kirche am Kriegsschauplatz. Der hl. Vater hat sofort nach der Meldung deS Kriegs- ausbruches die nötigen Schritte getan, welche eine Garantie gebe« können für den Schutz der katholische» Missionen auf dem Kriegsschauplätze. In der Maud- fchurei wurden während des BoxrraufstandeS fast alle Niederlassungen, Kirchen und Schulen vernichtet, und zur Zeit find die Missionäre damit beschäftigt, alles wieder herzustellen. Cs ist dies keine leichte Arbeit, denn die Zahlungen seitens der chinesischen Regierung (b. h. der Kriegsentschädigungen) laufen sehr unsicher ein; ferner haben sich die Preise deS Materials und die Arbeitslöhne sehr erhöht. Diese mühevolle Arbeit der Missionäre ist nun durch den AuSbruch des Kriege? in Frage gestellt; mindestens werdrn die Missionen nicht ohne Schaden durchkommen. In Korea ist nach der .Salzburger Kirchen,eitung' die Lage nicht, besser. Die Mission von Korea hat im 19. Jahrhundert die größte Zahl der Märtyrer geliefert, darunter drei Bischöfe und elf Priester. In den letztenJahren konnte man Besseres hoffen, und die Zahl der Katholiken war auf ungefähr 62000 gestiegen. Man fürchtet nun in der Propaganda besonders, daß die Boxer und andere Banditen die KrirgSzeit benütze» werden, um neuerdings dir Missionen und ihre Werke zu zerstören. 3n zwei apostolischen Vikariaten der Mandschurer, wie auch im Vikariat von Korea wirken die Missionare der sellschaft der auswärtigen Missionen von Paris, welche auch daS Erzbistum von Tokio und die Diözesen von Nagasaki, Osaka und Hakodate inne haben. In Japan ist die Lage günstiger, aber seit der Allianz mit «ng- land fürchtet man dessen Einfluß zugunsten der Protestanten, besonders auch deshalb, weil die meisten katholischen Werke in den Händen der Franzosen liegen, und die Freundschaft Frankreichs für Rußland könnte der Anlaß sein, den Missionären Schwierigkeiten zu machen. Man erwartet demnach auf der P> opaganba neue Opfer, kaum daß man sich nach den Stürme« ein wenig erholt hotte. — In der jaranischeu Erzdiözese wirken 33 Priester bei 9500 Katholiken, in den Diözesen Hakodate 18 (4800), Nagasaki 50 <36100) und Osaka 25 (5100 Katholiken!. In Korea gibt eS etwa 52000 Katholiken mit 21 Priestern, 27 Kuchen und Kapellen, 521 Stationen, 6 Wohltätigen saust alten, 1 Seminar und 81 Elementarschulen mit etwa 400 Schulkindern. In der Mandschurei zählt mau 22400 Katholiken, 3« Priester, 95 Katechisten, 160 Kirchen und Kapellen, 190 Stationen, 3 OrdenSniederlaffungen, 8 WohltätigkeitS- anstalten, 8 Seminare. 2 Kollegien, sowie 117 Elementarschulen mit etwa 2700 Schülern.
• Ausreden lassen! Herr (der seinen ehemalig«, Diener auf der Straße trifft): „Seit Sie nicht mehr bei mir find, fohlt mir etwa-, Johann!" — Johan» (geschmeichelt): Herr: „Wirklich?" - ,Za, nämlich meine — silberne Schnupftabaksdose!" .
• Ein «achläsfigeS Mitglied. Borfitzmde M Kaffeekränzchens: .Wen« sich bis zur nächst«» 3» fammenkunft Frau Steuerrat Blank noch rncht rat dem Dienstmädchen ihrer neuen WohnungSnachbE bekannt gemacht haben sollte, so bin ich der Ansicht, daß wir Frau Eteuerrat wegen BereinSintereffenlofig- leit in eine empfindliche Strafe nehmen!"
staubt durch Anregung zur Selbsthilfe alles wieder gut machen zu können. Daß dos Zentrum die Selbsthilfe auch nicht gering anschlägt, hat es seiner Bitt durch die Anträge Tr:mbor« bewi sen. D ese Anträge werden, wie aus fctn Erklärungen des HandelswimsterS Möller erfreulicherweise hervor- g.ht, immer mehr in die Tat umg'setzt Das Zentrum verlangt in e-fbr Linie den Bemhigungs- rachweiS; in Weser Sorbetu^g wird es von den Konservativen «nurstützt. — Nach dem Handelsetat kam der Justizetat an die Reihe. Ter Justiz- Minister hat bei dieser G leg-nheit den von den Sozialdemokraten im Reichstage erhobenen Borvurs wirksam widerlegt, dost die preußische Regierung an Rußland Schergendienste leiste.
Bei der RcichStsgsersatzwahl in Eschwege- S chwalkalden ergib sich die No Wendigkeit einer Stichwahl zwischen dem antisenü iichen und dem sozialdemokratischen Kandidaten. Die Freisinnigen, die den Wahlkreis bei den vorletzten Wahlen gewonnen hat.en, kamen deshalb nicht mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl, weil die Nationalliberalen diesmal nicht mit ihnen gingen, sondern für de« Freikonsrrvativen v Christen stimmten. Die Nationalliberalen, die nach d.m Unglück der Freisinnigen mit Herrn Seyboth kein Vertrauen zu deren Sache wehr hatten, wollten ve hären, daß der Antisemit in die Stichwahl komme und gewählt werde. Sie haben aber gerade dem Antisemiten in den Sattel geholfen, während der Freisinnige mit ihrer Hilfe gesiegt hab-n würde. Nun ift der Jammer groß. Die guten Nation» illiberalen in E chwege- Schmalkolden bekommen von der na'ionallib'ralen P reffe böse Worte zu hören. UebrigenS echt natio- nallibkrol: Heute „Zusammenschluß aller liberalen Parteien* und Unterstützung der Freifinnigen, morgen Verbrüderung gegen die Freisinnigen mit den Frei- konservativen, von denen sie i« letzter Zeit aus das heftigste angefeindet werden.
Im bayerischen Landtag steht die Wahlrechtsreform zur zweiten Beratung. Die Regierung erklärte, wenn die Vorlage scheitere, werde die Aende- rung der Wahlkrerstinteilung auf dem W.ge der Verordnung erfolgen. Die Naiionalliberalen sind darüber erbost. Sie wollen durch -us für sich eine Reihe von Mandaten künstlich sichern. Die jetzige Vorlage paßt ihnen richt, weil das Zentrum Vorteil davon hätte. Die Sozialdemokraten, Demokraten und Bauernbündler sind für die Vorlage.
Ja Baden hat die Regierung erklärt, fie wolle ein tir-kte- Wahlrecht einführen, wenn gleichzeitig das Budg-trecht der 1. Kammer verweigert werde. Ob es auf dieser Grundlage mit dem Landtag zu einer Einigung kommt, steht dahin.
In Deut sch-Süd Westafrika Haber unsere Schutztrupp-n in m-hreren kleineren Gefechten die Ausständ'schen zurück^eiwlagen; leider gab e8 dabei auch auf deutscher Seile Tote und Verwundete. Allem A, scheine nach wird der Aufstau» in kurzer Zeit niedergeworfen sein, zumal jetzt die Verstärkungen der Schutztruppe dort eintreffen.
In Frankreich erregt der Streit unter den Sozialisten allgemeine- Aussehen. Dem sozialistischen Abgeordneten wurde auf dem Kongreß von den Genossen Schloff reit und Bestechlichkeit vorgeworftn; darauf antworten die Abgeordneten, indem fie erzählen, wie fie von den Genossen überschwe r«! werden mit Gesuchen, fie in staatl'che Stellungen zu bringen. Nette Gesellschaft!
Die spanische Regierung hat dir gegenwärtige Lage für den günstigen Augenblick gehalten, um da- Parlament und die ganze Nation zu Geldbewilligungen für militärische Zwecke zu veranlassen. Als aber bekannt wurde, daß er sich um etwa 90 Millionen Franc- handele, wurden die Gegner der Regierung, b. h. die R-publikaner aller Schattierungen und die iberale Opposition erbittert und es dms da;er nicht weiter üoerraschen, wenn stürmische Kunogebung-n gegen die Regierung auS diesem Anlasse in« Werk gesetzt wurden, so daß wiederholt die Polizei en ergisch eingreifen mußte, um die Ruhe und Ordnung aus recht zu halten.
Auf dem Balkan nährt eS wieder einmal gewaltig; die Albanesen verlangen mit Nachdruck die Durchiübrung der längst versproch-nrn Reformen. D.e türkische Regierung möchte den Krieg in Ofiafien benutzen, um die Reformen wieder einschlafen zu lassen, indessen läßt O fierreich keinen Zweifel darüber, daß es gewillt ist, seinen Forderungen Nachdruck zu verleiben
Bom ostasiatischen Kriegsschauplatz« ist ganz unerwartet nach längerer Pause eine neue Meldung eingetroffen, und zwar scheint Rußland einen groß-n Erfolg zur See erzielt zu haben. Am Mittwoch Abend meldete die russische Telegrophenagentur aus Port Arthur: „Ein erneutet Angriff der japanischen Flotte wurde abgeschlagen. Bier japanische Panzerschiffe, sowie zwei japanische Transportschiffe sind gesnnken. Das Panzerschiff Retwisan hat sich bei dieser Schlacht mit Ruhm bedeck:." Demnach Hit Rußland für die beiden Angriffe der Japaner am 8. und 9. Februar erfolgreich Revanche genommen. Damal« setzten die Japaner den Russe» sieben Schiffe außer Gefecht, doch nur so, daß fie wieder aus b fferungsfähig waren. Man steht die« besonder» daran, daß da« Linienschiff Retwisan sich jetzt so erfolgreich an der Verteidigung beteiligt bat. Ohne Zweifel hat Japan einen unersetzlichen Verlust 'erlitten, der da« Blatt nach erfolgter Ausbesserung der russischen Schiffe in Port Arthur ernstlich wenden dürste. AuS dem Umstande, daß auch zwei jip mische Transportschiffe gesunken find, tonnte man schließen, daß die Japaner mit diesem Angriffe gleichzeitig eine Landung von Truppen versucht haben. Genauere»
Wochrn-Rmldschau.
□ Fulda, 27. Febr. 1904.
Der deutsche Reichstag hat lin dieser Woche die StatSberatung zwar um ein erheblich'« ew weiter gefördert, aber e« bleibt immer noch fraglich, ob e» sc sagt, den Etat vor Ostern zu verabschieden. Die wichtigsten Erat«: Miiräretat, ManneetM, Ko- lv' i-letst, die Etat« de« ReichsjustizamkeS, d-s RetchS- lchatzamte«, de» Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amtes, deS Reichserieud^hnetatS, der Zölle »ns Verbrauchssteuern sind noch unerledigt. Seit dem 25. Januar, wo die 2. Lewng begonnen bat, fird 22 Sitzungen abgehalten worden, und vor Ostern werden nicht noch 20 wertere -Sitzungen für Die 2 L-sung des Etat» übrig sein, dr man spätestens am 23 März wird schließen müsse» Wenn man also bas Schneckentempo der l tz'en Wochen be-behalten will, so wird der Etat vor Pfingsten nicht fertig. Der Reichst«? hat bei den letzten Wahlen da« Ung'ück gehabt, daß so viele neue Abgeordnete gewählt wurden, die des Worte« mächtig finv. Beredsamkeit ist für eiten Abgeordneten gewiß sehr nützlich, aber sie allein «acht nocy lange nicht den guten Abgeordneten, und wer « ihrer zu viel wird, so kann fie gerade schädlich werden. Es scheint nun, daß fast alle Neugewählten das unbezwingliche Bedürfnis fühlen, ihr Licht im Reichstag- leuchten zu lassen. Niemals früher find in den ersten Wochen nach den Neuwahlen so viele Juuastrnreden gehalten worden, wie diesmal. Wenn die Neulinge sich wenigsten« nach ihrer Jungfernrede einige Ruhe und Erholung gönnen wollten! Aber nein, nachdem sie einmal „Blut geleckt" haben, erscheinen sie jeden Augenblick auf der Rednertribüne und halten unendlich "lange Reden Sie scheinen fast alle der Meinung zu fein, fie könwen d>m Reichstage ganz neue, unerhörte Weisheit offenbaren. Dabei brin-en sie su» der Wahlbewegung vielfach da» Bedürfnis mit, ftden Augenblick eine Katzenbalgerei mit e-n-r anderen Partei zu beginnen, gerade als ob der RsichStag eine Volksversammlung wäre und alle die prächtigen .Abschlachtungen" de« Gegner« nicht schon tausendmal vollzogen worden wären. So nahmen denn diesmal die Neulinge bei der Etatsdebatte ganz unverhältnismäßig viel Zeit für sich i« Anspruch im Vergleich zu den alten Mitgliedern; wenn sie nicht da wären oder doch wenigster« ftre Zunge beherrschen tonnten, ginge e« viel rascher vorwärt». — Daß den Präsidenten des Reichstag« angesichts dieser Lage die Verzweiflung zu packen beginnt, ist begreiflich. Schon vor einigen Wochen sprach er im Seniorenkonvent die Bitte aus, die Parteien möchten doch darauf hinwirken, daß ihre Redner sich kurz faßten und nicht immer in Massen cufträten. Geholfen hat e« allerdings nicht da« mindeste. Am Dienstag hatte er den Senioren» tonvent wieder einberufen, um ihm fein Leid zu Aage» und die Bäte zu wiederholen, daß dir Parteien Ach iwch mit einem Redner in einer Sache und allen- EI« einen zweiten zur Replik begnügen, nicht aber ei oder vier verschicken ober vorgehen lassen möchten. Man gab ihm Recht, aber e» wird wohl alle« beim Men bleiben. Die .Jungmamfchaft" vor allem wird ihre Redekünste weiter zeigen und sich in den endlos plätschernden Fluten ihrer Wortmacherei bespiegeln. Der Präsident klagte, er selbst könne nichts machen; denn et habe keine Mehrheit hinter sich, da eben keine Meh heit anwesend fei. Man dreht sich da ewig im Zirkel: Die Rederei kann nicht beschränkt werden, «e l kein beschlußfähige« Hau» vorhanden ist und die Beschlußunfähigkeit wird immer größer, weil die Rederei die Leute vertreibt, die etwa» bessere» und wichtigere» zu tun haben, ak» tausendmal gehörte Weisheit und rehniaufendmal gehörte Polemik zu hören. Man schlug allerhand Mittel zur Beschlemii- ,mng der Verhandlungen vor: Abendsitzungen, früherer Beginn der Sitzungen Damit käme man schwerlich flenuenrwert Wetter. E» würde nur noch mehr geredet «Verden. Abänderung der Geschäftsordnung würde vielleicht etwa» bessern. Da» einzig wirksame Mittel, dem parlamentarischen Jammer ein Ende zu mcchn». Bewilligung von Diäten, stößt bei der Regierung aus Widerspruch, und so muß man halt sehen, wie man Srrtig wird.
Da» Abgeordnetenhaus hat un« in den totzten Jabren daran gewöhnt, daß der Etat zu dem Gesetzlich vorgeschriebenen Termin (1. April) nicht fertig wird; auch in diesem Jabre scheint da» nicht zu geschehen In dieser Woche beschäftigte da» Hau» fich eit den» Etat der Handels» und Gewerbe- Verwaltung. Die Freikonservattven, denen alle Sozialpolitische Gesetze zu gunsten der Arbeiter ein •renel find, haben hierbei einen sehr scharfen An- |nff «uf dar Zentrum und den Staatssekretär Graf BofadowAy unternommen, weil diese keinen Still- Si r> ■ .Sozialresorm emtrelen lassen wollen. *“ onmM-Sabgevrdneten Bachem und Stirn« »otn blieben aber Ne Antwort nicht schuldig. Im 3ntetfffe de« Mittelstandes hat der ZentrumSabge- wbnde Such» den Antrag gestellt, bo| die Waren- Zaussteuer ßa«j enffchieden erhöbt werden müsse, um •ie Handwerker und kleinen Kaufleute mehr vor der «drückenden Konkurrenz der Warenhäuser »« schützen — Dann kamen die Handwetkerfragen an die Meitze. Der Notstand de» Handwerks wurde von -Een Setten anerkannt, aber über die Mi tel z« ^bhllse waren tie «nfichten sehr geteilt. Die Linke
ich, ausgenommen bei ganz jungen Mädchen, nie etwa? bemerken.
Der Japaner hat scharfe Sinne und geschickte Hände. Munzinger, die beste Autorität für japanisches Geistesleben, schreibt ihnen ein gutes Gedächtnis, aber kein Talent oder Genie zu; japanische Kinder lernen schneller als europäische. Der Japaner hat nicht viel Mienenspiel und keine äußerlichen Zeichen der Leidenschaft. Sein Charakter ist nicht offen, er verbirgt sich hinter unverrückter Miene. Ehrlich find die Japaner, fie stehlen selten, aber pumpen den Fremden gerne an. Den Geldgeiz verachten sie, aber Ehrgeiz geht ihnen über alles. Im ganzen ist der Japaner hartherzig; er steigt nte aus, wenn der Rikschamann (Karrenführer) schwer den Berg hinaufkeucht. Eines der hervorragendsten Merkmale des Volkscharakters ist die schrankenlose Vaterlandsliebe, kein Mittel gilt dem Japaner als unerlaubt, wenn es dem Vaterland dient; auch der Fanatismus bemächtigt sich leicht der Gemüter in Japan. Die erste Tugend des Japaners ist die Höflichkeit.
Das Alter zählt man in Japan von dem Neujahrstage an, der der Geburt vorangeht. Die Mädchen feiern ihren Geburtstag alle am 3. März, die Knaben am 5. Mai. Die Knaben kommen schon früh in die Lehre und dienen oft erst später ihre drei Schuljahre ab: fie erlangen
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