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W Huldaer

^fiftlrtter:Zos.v«r«,

ffiSfcÄ«. wochenbellag«:„Illustrierte Sonntagrzeitung"

Zeitung

Monatrbeilagt: „Fuldaer Geschichtsblätter".

lt$efaex: »ft Hs« fualtigePetttsdleeber beten Baum 1» Pf». Reklamen die petitzeü« 25 psg.; dei Wieder­holungen wird entspr.

BadüU gewahrt.

Druck und Verlag del ZuldaerActiendruckere in Hulda (Harmonie) Zernsprecher Ur. 9.

gnlöa, Freitag, den 26. Februar 1904.

M 46.

31. Jahrgang.

Awsi Kr binnen

Deutsches Reich.

Berlin, den 25. Februar 1904.

• Der .Xeichsaozeiger^ veröffentlicht das Gesetz betreffend Verlängerung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke und das Gesetz betreffend Aenderung der Reichsschulven- ordnung.

' Der Entwurf der Statuten des geplanten NeichSverbaudes gegen die Sozialdemo­kratie ist nunmehr veröffentlicht worden. Die ersten Hauptparagrophen besagen: Der Reichs- »erband hat seinen Sitz in Berlin. Er will die Sozialdemokratie als politische Macht bekämpfen und hierzu alle Gegner der Umsturzpartei zu ver­einigen suchen, er kennt keinen Unterschied der Parteistellung. Der Reichsverband verfolgt ledig­lich politische und nationale Zwecke, er will der Vaterlandslosigkeit und republikanischen Gesinnung der Sozialdemokratie entgegentreten und wird sich bemühen, auf die Wahlen im nationalen Sinne rinzuwirkm. Er will die arbeitende Bevölkerung durch Wort und Schrift darüber aufklären, daß die Sozialdemokratie nur selbstsüchtige Zwecke »erfolgt, um ihre politischen Führer zur Herr­schaft zu bringen, und daß sie die angebliche Interessenvertretung der Arbeiter in dem Streben nach politischer Macht mißbraucht. Der Reichs- »erband will die reichstreue Arbeiterschaft und den werktätigen Mittelstand gegen die sozial­demokratische Einschüchterung schützen und durch Gesetzgebung und Selbsthilfe vor materiellen Schäsigungen bewahren. Die bestehenden Or­ganisationen wider die Sozialdemokratie sollen unterstützt und in enge Beziehung zum Reichs- oerband gebracht werden. Der Jahresbeitrag ist mindestens 1 Mark, für korporative Mitglieder mindestens 10 Mk. Wer eine einmalige Zahlung »o« mindestens 100 Mk. leistet, erwirbt sich die Eigenschaft als stiftendes Mitglied. Der Vor­stand besteht aus 25 Mitglieder. Es sollen Ortsgruppen und möglichst bald auch provinzielle Landesverbände geschaffen werden. Der Verein soll aber erst dann wirklich ins Leben treten, wenn sein Bestehen durch eine entsprechende Mitgliederzahl und ihre finanzielle Unterstützung für Jahre hinaus gesichert ist. — Der Erfolg dürfte wohl wenig in Einklang stehen mit dein zroßes Apparat, den man da in Tätigkeit setzt. Wenn gar, wie es scheint, das Scharfmacher- tum den Ton angeben soll, dann würde man eher von einen „Reichsverband zur F ö r d e r u n g der Sozialdemokratie^ als einen „Reichsoetband gegen die Sozialdemokratie" reden können.

* Die wasserwirtschaftliche Vorlage soll dem Abgeordnetenhause anfangs März zugehen. Als erster Teil ist der Entwurf eines Gesetz^ betreffend Maßnahmen zur Regulierung der Hoch­wasser-, Deich- und Voiflatoerhältnissr an der oberen und mittleren Oder dem brandendur°

Bon Klara Rheinau.

8 ------ (Nachdruck verboten.)

2. Kapitel.

Während Brückbeim mit neugierigem Staunen die Kunde von den Vorgängen in Westfeld und dessen »euer Besitzerin vernahm, bahnte sich, weit entfernt »on dem kleinen Dörfchen, eine Bekanntschaft zwischen Personen an, deren beiderseitige Zukunft durch Frau Grams letzten Willen seltftm beeil flußt werden sollte, so wenig sie auch davon ahnte«.

63 war SamStag nachmittag. Ein plötzlicher Herbstsiurm fand den früh erleuchteten Salon des Hoiels Luise in Brüssel mit einer zahlreichen Ge­sellschaft gefüllt, die hier vor dem strömenden Regen Schutz, aber auch für den langen Abend Unterheftung suchte.

An einem der hohen Fenst r saß ein junger Deutscher, der gerade erst angekommen war. Aus der Liefe seiner Lehnsessels in der Ecke warf er gelegen!- '.ich h<üb erstaunte, halb geärgerte Blicke auf eine FOB« Famili« von Reis-irden, dre jeden anderen ver- 'ügbareli Sitz in dem geräumigen Gemach ungeniert mit Beschlag belegt hatten. Von der Anwesinaeit d-S emzeluen Herrn ia der Fensternische nahmen fie nicht «e geringste 9c9'115, Sie verlangten gebieterisch hellere Beleuchtung, befahlen, daß der große Ofen augenblick« «ch geheizt weide und g-berd-ien sich überhoupr wie Leute, die sich, aus ihren Geldsack pochend, überall als Herren der Situation kühlen.

Mr kohlschwarzes Haar und ihre dunkle Haut­farbe kenuzeichneten fie ols Südländer, ur,d ihre laute Unterhaltung wurde in einem Sprachgewisch gtiihrf, das sehr wenig europäisch klang. Der jugendliche Teil der Familie vergnügte sich in besonder» aeräusch- vvller Weise mit Klavierfpiel und Tanzen. Die kleinen

gischen Provinziallandtage zur Begut­achtung zugegangen. Die Höchstgrenze der Kosten soll mit 60 Millionen Mark gezogen werden.

*. Der Lsterreichische-ungarische Bot­schafter in Berlin, Graf Szöogeny hat sich heute gemäß einer ihm telegraphisch über­mittelten Aufforderung des Grafen Goluchowski nach Wien begeben, um dort an Vorbesprechungen über die Einleitung von Handelsvertrags- Verhandlungen mit Deutschland teilzu­nehmen. Er gedenkt aus diesem Anlasse einige Tage in Wien zu verweilen.

* Der Landtag des Fürstentums Ratze- bnrg war auf den 23. d. M. einberufen, war aber wieder — zum 35. Male! — beschluß­unfähig, weil die bäuerlichen und bürgerlichen Abgeordneten nicht erschienen waren. — Das Fürstentum Ratzeburg gehört bekanntlich zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz; es erhielt im Jahre 1869 eine eigene Verfassung und einen Landtag, in dem die Bauernschaft, Gastlichkeit und Schönberger Bürger vertreten sein sollen. Infolge des Widerstandes der Bauern konnte der Landtag bisher noch nie zusammentreten.

42. Sitzung vom 25. Februar 1904.

Eröffnung l1/« Uhr. — Da? Gesetz betreffend den Schutz der Erfindungen, Muster und Waren­zeichen auf Ausstellungen wird in 3. Beratung unverändert angenommen.

Hierauf wird der R.st des Reichs eisenbahn- etats nach unerheblicher Debatte bewilligt.

Es folgt der Etat deS Reichsjustizamts. — Hierzu liegen verschiedene Resolutionen vor. Eine Reso lutiou Gröber (Z.) will, daß für den bei dem Be triebe von Automobilen auf öffentlichen Straßen und Plätzen entstandenen Personen- und Sachschaden dei BetriebKunternehmer zu hosten hat, falls nicht der Unfall durch eine höhere Gewalt oder durch eigenes Verschulden deS Betroffenen verursacht ist. Abg. v. Maltzan (t) verlangt, daß die Kraftfahrer zu einer Genossens ch aft vereinigt und für beitrags­pflichtig erklärt werden und daß diese Genossen­schaft den Verunglückten für den Schaden aufzukommen hat. — Eine Resolution Schönaich Karolath (nll.) will, daß der Schadenersatz anolog den Bestimmungen des Reichsgesetzes vom 7. Juni 1871 geregelt werde.— Ei« Antrag Spahn (R.) fordert die tunlichst baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs mit der Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker. — Ein Antrag Bargmann (frs. Bp.) verlangt einen Gesetzentwurs, durch welchen- den wegen politischer Vergehen und wegen Preßvergehen in Haft befindlichen Personen gestattet wird, sich selbst zu beköstigen oder eine Tageszeitung zu halten und solche Per­sonen nur mit Arbeiten beschäftigt werden dürfen, welche ihrem bisherigen Berufe und ihrem Bildungsgrade augemeffen find. — Endlich liegt noch ein »»trag Riepenhausen (k.), Bachem (Z.), v. Heyl (ntl.) vor auf Vorlegung eines Heimstätten­gesetze 8 während der nächsten Session.

Zunächst wird die Resolution betreffend daS Heimstättengesetz beraten.

Abg. v. Rikpeuhausen (kons.) bespricht die Einzel­heiten des beantragten Gesetzentwurfs.

(Inzwischen ist eine Rewlution Spahn (Ztr.) eingegangen, welche die Justizverwaltung ersucht, auf

Kinder tobten und schrieen, und die ganze Gesellschaft vollsührte eiten ohr'nz-rreißendea Lärm. Nur der Vater, ein kleiner Mann mit schwarten unruhigen Augen, und seine stattliche juwelenfunk. lnde Gattin verhielten sich ruh'g und schienen sich, eifng mit.ihren Zahnstochern beschäftigt, von dem Getöse nicht im geringsten belästigt zu fühlen.

Anders war es mit unserem schweigsamen Deutschen, Herrn Reginald Ravenstein. Ihm erschien das G nze wir eine Szene cmS dem Irrenhaus, und er über­legte, ob er auf der nassen Straße oder im Rauch­zimmer bi- zur Stunde des Mables die Zett ver­treiben sollte. Als er den Saal verlass n wollte, lenkie ober eine Gestalt, die et unter der lärmenden Menge bisher übersehen hatte, seine Aufmerksamkeit aus sich. Ts war eine junge Dame an dem Tische in der Miite, deren bleiches, feines G-ficht sich im Prtfil ihm zuwandte, während sie sich über den Jüngsten dieser halb wilden Rsite neigte, ängst­lich bemüht, den kleinen Schlingel von ernstem Uilsuz zurückzuhaften. Mit unendlichem Geschick vereitelte die junge Dame verschiedene Berftch-, das Schachbrett umzusivßen, mit dem feine Brüder spielten, zog ihn von der ar genehmen Be­schäftigung zurück, da? Tintenfaß über die umher- liegenden Bücher auszuleeren und tat ihr bestes, ihn fepzchalten, als es ihm ein herrlicher Zeitvertreib schi-n, seine geschmeidigen Glieder vorn S u l auf den Tisch zu schwingen und seinen frei n Stz mh lautem Gepolter umzustoßen. Das erste mal lach en die beiden Jungen am Schachbrett hell auf und über- ließe« eS der Gouvernante ihres ungezooenen Bruders, den Stuhl aufzuheoen. Al« dies geschehen war, erqnff daS junge Wäsche» rasch eine illufinerte Zutun g uns versuchte, den Kleinen für die hübschen Bader zu intenffieien, um ihn von feinem plumpen Spi-l abzule.cken. Doch »ergebe s! W-e eine Feder schnellte die Heine Gestalt in die Höhe und der schwer Stuhl polterte abermals zur Erde. Aber diesmal eilte der fremde Herr herbei, um ihn an seinen Platz zu killen.

einheitliche Bestimmungen über bi« Zuchthaus- und Gefängnisarbeit in den einzelnen Staaten hinzu- wiiken, um die durch diese Arbeit dem Handwerk int» stehende unbillige Konkurrenz zu beteiligen.).

Staatssekretär Dr. Rieberding bemerkt, daß die Frage der Heimstätten Sache der landwirtschaftlichen Verwaltung der Einzelstaaten fei. Rehme das Haus den Antrag an, so würde die Regierung mit Wohl­wollen, aber auch mit Zurückhaltung den Antrag prüfen.

Abg. Gothein (fr. Bz.) und Abg. Pohl (fr. «p) erklären, daß ihre Parteien gegen den Gesetzentwurf seien.

Ab«. Dr. Bachem (Ztr.) verteidigt den Gesetz- entwurf mit dem Hinweise daraus, daß er nur fakul­tative Bedeutung habe. Wer fernen Besitz nicht in eine Heimstätte umwandeln wolle, könne dazu nicht ge­zwungen werden, und selbst wenn eine solch« Umwand­lung vollzogen werde, könne dieselbe später immer wieder rückgängig gemacht werden. Wenn in gewissen Gegenden keine Sympathie für die Heimstätten bestände, so sei das doch kein Grund, benjenigen Gegenden, wo man bet Zersplitterung des Grundbesitzes vorbeuge wolle, die Vorteile deS Gesetzes vorzuenthalte«.

Abg. Stadthagen (sozd.) erblickt in dem Gesetz­entwurf unter anderem einen Versuch, die Arbeiter als „Arbeitsvieh" zu knebeln.

Abg. Gamp (Rp.) tritt für den Gesetzentwurf ein.

Abg. Stadthagen (so,d.) meint, der Gesetzentwurf sei ein Ausfluß der „rückständigen, arbeiterfeindlichen Gesetzgebung". (Präsident v. Balleftrem ruft Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.)

Damit schließt die Diskussion. — Die Resolution wird angenommen.

Morgen 1 Uhr Fortsetzung.

Abgeordnetenhaus.

27. Sitzung vom 25. Februar 1904.

Eröffnung 11'/« Uhr.

Die Beratung des Justizetats wird fort­gesetzt.

Abg. Malkewitz (kons.) soprach übe» die KöSliner Wablstreitigkeilen zwischen den Konservativen und Freisinnigen.

Abg Caffel (fr. Bp ) brachte die Mängel deS Vorverfahren«, wie sie befonderS im Kwileckiprozeß zu Tage getreten sind, zur Sprache. Er rügte auch scharf das Auftreten deS Staatsanwaltes Dr. Müller in diesem Proz-ß.

Minister Schönstedt stellte in Ausficht, daß die Kommission, die zur Zeit die Frage des Strafprozeß­verfahrens berate, auch die Reform der Vorunter­suchung erörtern werde. Der Staatsanwalt Müller sei wegen seines Auftretens im Kwileckiprozeß zurecht- gewiesen worden. Der Minister richtete bann an die Staatsanwälte allgemein die Forderung, bei ihren Plaidoyers Maß zu halten und immer objektiv und sachlich zu bleiben.

Abg. Mizerski (Pole) bezeichnet den Erlaß an die Justizbeamten, ihre Einlagen aus polnischen Banken herauszunehm-n. a!S verfassungswidrig. Weiter be­klagte er die Verpflichtung der Beamten, bei Wahlen für deutsche Kandidaturen ehuutreten.

Minister Schönstedt verteidigt die Forderung, daß die Beamten aktiv an der Förderung des Deutschtums teilzunedmen hätten.

Abg. Jazdzewski (Pole), der diese Politik ent­schieden zurückwies, nahm auch noch die Gelegenheit wahr, die Angriffe deS Staatsanwaltes Müller im Kwileckiprozeß gegen das Institut der Beichte zurück­zuweisen. •• ■

Minister Schönstedt erwiderte, der Staatsanwalt habe nicht die Absicht gehabt, die katholische Kirche zu beleidigen.

Mit glühenden Wangen, aber noch immer ruhig und gelassen, hielt die junge Dame den Knaben jetzt gewaltsam auf seinem Sitze fest und begann i« fran­zösischer Sprache eine Snaspredigt, die jedoch völlig unbeachtet blieb. Wie ein Aal glitt der ungezogene Junge hin und her, um sich ihrem Grifft zu ent­winden; dann drehte er sich p'ötzlich um, preßte ihr Handgelenk mit aller Gewalt und neigte sich schließlich herab, um seine weihen Zähne hinein zu bohren, eine Roheit, die der jung » Lame einen leisen Schmerzens­schrei entlockte.

Dies war mehr, als einer der Zuschauer ertragen konnte. Da von zuständiger Seite keine Strafe er­folgte, nahm der Deutsche die Verteidigung der jungen Landsmännin — als solche hatte er sie an ih er Aus­sprache erkannt! — in seine eigene Hand, erfaßte den ki einen Tyr nncn beim Gürtel und schüttelte ihn, daß ihm Hören und Sehen verging.

Ein zorniger Ausruf entfuhr Madame, und selbst der ptlegwatische Vater sprang rasch auf die Füße. Die verschiedenen Gruppen stellten ihr Gsplapper ein und lauschten ergötzt, a s der Fremde in kurzen SBoren den Eltern, die ihn nicht eine einzige Selbe verstanden, seine Meinung sagte.

„Empörend!" wiederholte der wütende Vater mit finsteren Blicken bald den stattlichen Deutschen, balv das junce Mädchen betrachtend, das fich, obschon bleich vor Schmerz und Angst, toch durch seine Anwesenheit beschützt fühlte. „Empörend! ich verstehe kein Wort Mamsel", luhr er französisch fort, „sagen Sie mir, was er meint. Rasch, rasch!"

Stockend und in möglichst schonender Weise über­setzte die Geftagte die Worte ihres Schützers. Aber Madame unterbrach fie mit einem herrischen Befehl, den ihr Gatte augenblicklich ausfü rte.

„Basta!" rief er ungeduldig aus, fuhr mit der Hand in die Tasche und b> achte einige Dutzend Gold­münzen zum Vorschein, von denen er zwei über den Tisch hinüber!chleuderle: „Für Ihre Dienste, Wamse! — und" — em drittes Goldstück nochfchiebend — „al» Entschädigung".

Im weiteren Verlaufe der Sitzung trat Abg. Faltin (Zentrum), den die Abgg Vier, ck (frk.) und Dr. Beckes (Zentrum) untirstützten. für die Gleich­stellung der Amts- und Lanbgerichtssekretäre mit den Sekretären ber Übrigen Verwaltungen ein.

Ein Regiernugskowmiffar erklärte, bie Re­gierung müsse diese Forderung vor wie nach ab­lehnen.

Abg. Schmedding (Zentrum) äußerte baue Wünsche für bie Ausführung beS Fürsorge»ziehuugS- gesetzeS.

Abg. Dr. Becker (Zentrum) wünscht eine generelle Neueinteikvng der Amlsgerichlsbezftke wegen ber weiten Entfernungen, bie vielfach bestäuben. — Der Reimer klagt weiter über bie zu lange Dauer ber Ent­scheidungen in Fürsorgeerziehungsfällen. Es empfehle sich als Mittel zur guten Durchführung beS Fürsorge« erzichungsgesetzes ein Hand in Hand-Arb,iten der Richter mit den Waisenräten. Vielfach würben bie Waisenräte nur oberflächlich gehört. Es empfehlen sich gemeinsame Sitzungen. (Beifall im Zentrum?

Hierauf vertagt sich daS HauS.

Freitag 11 Uhr: Fortsetzung.

Schluß ber Sitzung: */•5 Uhr.

* Der russisch-japanische Krieg.

lieber den abgeschlagenen Angriff der Japaner auf Port Arthur am 24. Februar hat der Statthalter Alexejew an beu Zaren folgenden Bericht gesandt:

Am 24. Februar 2*11 Uhr früh machte der Feind einen neuen Versuch. das Panzerschiff Redwrfan mit mehreren Torpedobooten auzugreifen und in ber Hafeneinfahrt große mit brennbaren Stoffen gefüllte Dampfer »n oerfenten. Der Recwisan bemerkte bie Torpedoboote alsbald und eröffnete ein heftiges Feuer auf sie, bähet unterstützt von den Hafenbatterien. Zwei ber japanischen Dampfer, die birett auf ben Retwisan losfuhren, würben zerstört; ber eine berfelben fuhr auf bie Klippen am Leucht!urm, unb ber anbere scheiterte bei dem Berge Zoleroi. Das Feuer gegen die Torpedoboote wurde fortgesetzt. B«t Tagesanbruch bemerkte man auf der Rhede vier zerstörte Dampfer und'acht Torpedoboote, bie zu ben Schiffen, die fie auf ber hohen See etwa» teten, flohen. Dre Mannschaften waren babei, fich cuf Booten zu retten. Em Teil der ertrunkenen Mannschaften tst vielleicht von ben findltchen Toroedo- booten aufgrsanimelt worben. Ich lasse bie Küste» adsuchen. Die Hafeneinfahrt ist frei. Ich schreibe dir völlige Vereitlung be§ feindlichen PlavrS dem brillanten Widerstand und dem vernichtende» Feuer des Retwisan zu. Ein japanischer Dampfer brennt noch. Auf ber Rhede sieht man noch schwim­mende Torpedos. Der Feind zieht in zwei Abtei­lungen ab. Ich lafle drei Kreuzer, bie zur Verfolgung be§ FeindeS ausgesandt waren, zurückkommen, um zu­nächst die auf der Rhede schwimmenden Torpedoos z» beseitigen. Unserseits keine Verluste.

Nach diesen Nachrichten hat es sich also nicht um einen neuen direkten Angriff der japanischen Flotte auf Port Arthur, sondern um den Ver­such gehandelt, durch mehrere japanische SL-ffe entweder das bei dem ersten Angriff beschädigte russische Kriegsschiff „Retwisan" vollends zu zer­stören oder durch Versenken der Schiffe die HafenauSfahrt vor Port Arthur zu blockiren und damit die im Hafen liegende russische Flotte in ihrer Wirksamkeit lahmzulegen.

Als wichtigste Nachricht liegt heute die fol­gende vor:

W. Petersburg, 25. Febr. 1964. Amt­lich wird gemeldet: General Pflug be­richtet aus Port Arthur vom 25. Febr.:

Das junge Mädchen errötete, nahm ihre Bezahlung an, ließ aber das goldene „Pflaster" unberührt, Ker» Wort fam über ihre Lippen, aber ihre Augen füllte» fich mit Tränen. Ihr bisheriger Dienstherr lieft fich schwer auf da» Sofa neben seiner Gattin nteberf-ttee und setzte seinen Zahnstocher wieder in Täiigkech während die Uebrigen unter Scherzen und Lachen da, Vorgang besprachen, ohne noch die geringste Notiz von der jungen Dame zu nehmen, die so summarisch ihre Entlassung erhalten hatte.

Erzurnr uni) doch ernstlich befürchtend, durch sein Einmischen Unheil an '.erichtet zu haben, teob» achtete Ravenstein sckw igend, wie die junge Deutsch; unter dem Sloße kostbarer Kleider, d e man achtlos auf den Boden gewmfeu hatte, ihren eigenen Hut und Mantel hervorzog. Als fie beides angelegt halte, verneigte fir fich zu-rst sehr schüchtern vor ihrem Re tcr, dann mit einer ruhigen Würde vor der ausländischen Ges-.llschaft, die ihren Gruß voll­ständig übersah, unb beließ den Saal.

Eine« Augenblick zögerte A venstrin; bau# folgte er. Sre stand ans der äußern Treppe der Vo-Halle, gegen den Wind arrkämpsend, der ihre» Regenschirm zu zerb echen drohte, als er sich ihr elleads näherte, um ferne Entfchuldigunz vorzvbringm.

„Ich muß um Verzeihung bitten", sagte et, „daß ich mich eingemischt Hobe, wo ich mich vnlleicht b fftr ruhig bei halten hätte ES tut mr c unrichtig lerB, dieses Zerwürfnis hetbergeführt zu haben.

Ei« ernste-, aber fet,r einnehmendes Grfichtche» blickte unter dem Schein der Hotellampen z« L»« auf: „Sie meinten es ja nur gut, mein Herr. ES hat nicht viel zu bedeuten, vn' ich danke Ihnen sehr."

„Ich fürchte, ich kann Ei« für die grobe Nnhkff» lichk.it jener Leute irr keiner Wesse entschädige«," fuhr Rave: stein fort. „Aber e- gibt nichts, daS ich für Sie tun könnte?" Sie schüttelte den Kopf. „Darf icb nicht wenigplns eine Trrschle für Sie her» btitoler ? Bei diesem Weiter können Sie unmöglich zu Fuß gehen. Ich fühle mich sch»ldig. Sie in diese unangenkbme Lage versetzt zu haben."