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31. Jahrgang.
zulda, Donnerstag, den 25. Februar 1904
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klärung", die der Kellner Reichel in Hermsdorf und seine Frau abgegeben haben, und in der allerlei über die Bespitzelung russischer Studenten erzählt wird. Er versichert, das seien nicht seine Hauptzeugen, hält also wohl selbst nicht viel von den Aussagen des Kellnerehepaares. Im übrigen schimpft er gewaltig auf die bürgerltche Preffe, die sich weigert, den Sozialdemokraten mehr Glauben zu schenken als den Ministern.
* Zur Beseitigung des Lehrermangels. Die preußische Unterrichlsoerwaltung wendet der Beseitigung des Mangels an Lehrkräften für Volksschulen ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Um befähigten unbemittelten Kindern die Lehrerlaufbahn zu erschließen, sind, wie man der »Täglichen Rundschau' schreibt, den P r o v t n z r a l - Schulkollegien erhöhte Geldmittel zurUnter- stützung würdiger und bedürftiger Zöylinge von staatlichenPräparanden- a n st alten zur Verfügung gestellt worden.
)( In das Herrenhaus ist Graf Friedrich von Landsberg-Velen und Gemen, Besitzer der Standesherrschast Gemen, durch Allerhöchsten Erlaß vom 15. ds. Mls. als erbliches Mitglied und Fideikomißnachfolger seines am 31. Dezember 1902 verstorbenen Bruders Dr. Max Grafen Landsberg-Velen und Gemen berufen worden.
* Die Wahlprüsnngskommissio» des Reichstags hat die Wahlen der Abgeordneten Hu« (Soz) und Fries (ntl.) für gültig erklärt.
Berlin, den 24. Februar 1904.
Aufhebung von Ministerialerlassen aus dem Kulturkampf. Der Kultusmimster hat durch Erlaß vom 23. Januar 1904 eine Reihe aon Ministerialerlassen aufgehoben, die aus der Zeit des Kulturkampfes stammen und bir jetzt noch in Kraft waren. Die Erlafle betreffe» die Teilnahme der Schulen höherer Lehranstalten an SchulgotteZdiensten, an Prozessionen, gemeinschaftlicheKommunionen.Schülervereinenmit religiösen Zwecken (Marianische Kongregationen) usw.) — Wenn diese Erlasse auch in den letzten Jahren hie und da nicht mehr streng gehandhabt wurden, so lag doch schon allein in ihrem Vorhandensein an und für sich eine fortwährende Belästigung der Katholiken, um so mehr als es ähnliche Bestimmungen für protestantische Schüler nicht gab oder gar eine entgegengesetzte Praxis von oben herab gebilligt und gefördert wurde.
* Der Wiener .Neuen freien Preffe' zufolge wurdeimHaudelsvertragezwischenDeutfch- laud und Italien die von Italien geforderte Zollfreiheit für Orangen und Begünstigungen für Weineinfuhr von Deutschland abgelehnt. Dagegen hat Italien Zugeständniffe für Obst und Gemüse bekommen. Der Handelsvertrag wird erst gemeinsam mit den übrigen Verträgen in Kraft treten.
* Unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Grafen Bernhard v. Bülow wurde am Dienstag vormittag 11 Uhr im „Englischen Hause" der diesjährige Familieutag derer v. Bülow odzehalten. Abends fand ein Mahl mit Damen zu 83 Gedecken statt. In diesem Jahre sind 750 Jahre verflossen seit der ersten Erwähnung der Familie von Bülow in einer Urkunde zu Ratzeburg aus dem Jahre 1154.
Eine Ueberficht über die Aegen- wärtige Kriegslage in Deutsch Südwest- afrika geben folgende beiden vom Gouverneur Leut wein eingetroffenen Telegramme:
Die Ostabteilung unter Major v. Glasenapp marschiert über Gobabis gegen den Häuptling Tietjo und sperrt He Grenze. Die Hauptabteilung sammelt sich bei Okahandja und beschränkt sich bis zum Eintreffen der Verstärkung auf kleine Borstöße gegen den anscheinend bei Otjosongati und Waterberg rn abwartender Stellung befindlichen Feind. Die Weftabteilung unter Major v. Estorff geht auf Outjo vor und entwaffnet den Omaruru-Stamm. Bom Süden des Schutzgebietes her ist eine Kompagnie und eine GebirgSbatterie in Anmarsch. Zum Schutz des Südens bleiben eine Kam- pagnie und zwei Geschütze.
Eine Abteilung unter Oberleutnant Schultze er- beutete am 8. Februar in einem Gefecht südlich Tsu- manaS 300 Stück Großvieh und 400 Stück Kleinvieh. Der Femd hatte zehn Tote, diesseits kein Verlust. Am 2. Februar haben Ooambos des Kapitäns Nechale den Polizeiposten Amatoni angegriffen, wurden aber mit einem Verlust von €0 Toten abgeschlagen. Der Polten wurde später eingezogen. Die Osanibos des Kapitäns Karnbonds sind bis jetzt friedlich. Major v. Estorff hat die Verbindung mit Outjo hergestellt.
ziale Frage nur gelöst werden könne in einer innigen Verbindung zwischen dem Personal und der Ber- waltung. Er sei gern bereit, dre vorgebrachten Wünsche soweit wie möglich zu berücksichtigen. Es müsse daS aber in gegenseitigem Verständnis und tw gemeinschaftlicher Arbeit geschehen.
Abg. Willberger (Els.) wünscht eine beffere Ber- bindung von Elsaß Lothringen nach her Pfalz.
Abg. Blumenthal (südd. Bp) tritt für das KoalttionSrecht der Eisenbahnbeawten em. Redner meinte, daß in der Petitionskommisfion viele Peu.wnen einfach begraben würden. , . . , „
Abg. Hildebrandt (Soz.) bemängelt eS, daß die Verkürzung der Dienstzeit so langsam vor sich gehe.
Eisenbahnminister Budde bemerkt, bezüglich einer direkten Verbindung zwischen Elsaß Lothringen und der Pfalz schwebten Verhandlungen rn der bayerischen Regierung. Diese habe aber erklärt, daß sie vor 1904 dem Projekte nicht näher treten könne. Im wertere» erklärt der Minister, daß er die Kilometerhefte nicht ür einen Fortschritt, sondern für einen Ruckschntt halten würde. x
Abg. Wattendorfs (Zentrum- bemerkt dem Abg. Blumenthal gegenüber: Wenn er nicht ern Neu.mg wäre, so würde er wissen, daß in der P.tttlonLkom- M'sston fleißig gearbeitet würde. Wenn der Abg. Blumenthal nur den hundertsten Teil dessen rm Reichstage arbeiten würde, was von den Mitgliedern der Petttionskommisston jahraus, jahrein geleistet werde, so könnten seine Wäsler zufrieden sem. (Beifall und Heiterkeit.) - .
Abg. Molkeubuhr (Soz.) memt, wenn dem Ches der Reichseisenbahnverwaltung nichts von de» schwarzen L sten bekannt sei, so beweise das höchstens, wie gut man es verstanden hat, die Sache geheim zu ^^^Gj^nbahnminister Budde erwidert, das sei einvöllig nichtssagende und unbegründete Vermutung.
Nach weiterer unerheblicher Erörterung schließt die allgemeine Debatte. ,
Die dauernden Ausgaben werden hieraus bewilligt. , , . .
Sodann wird die Weiterberatung vertagt.
Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung und Justl e t a t. ,,,
Schluß der Sitzung: 6'/- Uhr.
inietgeu: Die einspaltige petltzeile oder deren Raum 15 pfg. »eklamen dsepetitzeil, 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entspr.
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag d« ZuldarrAetlendrockere in Zulda (tzannonlet Zerosprecher Nr. 9.
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Bon Klara Rheinau.
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Hchttftteiter.Zos.vaum,
L wochmbellage-„Illustrierte Sonntagrzeitung"
„Ich bezweifle ei", entgegnete der Verwalter kopfschüttelnd — fünfundzwanzig Dienstjahre hatten ch« den festen Glauben an seiner Herrin unerschütterliche» Willen eingeprägt! „Dakarme Kind grämte sich lo fefr mn seinen Bruder, daß seine Gesundheit darunter litt. Aber Fran Gram schien es nicht zu-sehen; ifle war so stolz auf ihre Tochter und ließ ihr Lehrer auS der Stadt kommen, die sie in allem möglichen unterrichten sollten. Zuletzt mußte sie noch in ein KEartigeä Jasti ut, in Frankreich glaube ich, und dort
b sie."
„Ein harter Schlag für ihre Mutter," bemerkte Dr Wilson teilnehmend-
„Bon dem sie sich auch nie mehr erholte! Ich kann »ich der Zeit nicht mehr erinnern, da ich sie lache« sich. In unserem Hause wurde es ganz still uud einsam. Seit zwanzig Jahren kam kein fremder Fuß über ihre Schwelle, als Sie und Ihre gute »ran, oder manchmal der Herr Rektor."
»Tin trauriges Leben", sagte der Doktor sinnend — .gut, daß Fräulein Basfing es so lange in dieser Einsamkeit aushält."
.Sie wird ihren guten Grund dazu habe», darum »ette ich", veri-tzie Schmitten bedeutungsvoll; und Dr. Wilson, der fürchtete, er habe vielleicht einen Gegenstand berührt, der ihn nichts anginge, brach da» Thema kurz ob.
Der Wogen fuhr jetzt über eine Brücke, die den Maß überspannte, von dem ein tleiner See gespeist wurde. Obgleich aut der anderen Seite Westfeld nur ein Kilometer entfernt zu ihrer Linken lag, mußte doch ein Umweg von drei Kilometern gemacht werden, ehe man da» Hou» erreichen konnte. Der Raum
Neu ist an den obigen Meldungen vor allem, daß auch ein Teil der Ooambos im nördlichen Teil des Schutzgebietes sich im Aufruhr befindet. Sollte auch hier der Aufruhr eine weitere Aus- >ehnuna gewinnen, dann würde die aufständische Bewegung in Deutsch-SÜdwestafrika einen viel gefährlicheren Charakter haben, wie er nach den bisherigen Vorgängen derselben beigemeffen wurde, und die Entsendung weiterrr Hilfstruppen müßte in ernste Erwägung gezogen werden.
? Die Bestimmungen derDeutsche« Laudes- vereme vom Rote« Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine faffen zwar aus dem Gebiete des Kranken- und Unterstützungswesens zunächst nur die Fürsorge sür Angehörige der Truppen in das Auge, es besteht aber, schreibt die Morddeutsche Allgemeine Zeitung', unter den maßgebenden Persönlichkeiten die Auffassung, daß diese Bestimmungen unter den eigenartigen Verhältnissen, unter denen sich die kriegerischen Vorgänge in Südwestafrika abspielen, nicht ausschließen, daß die Wohltaten der Organisation des Roten Kreuzes ganz im allgemeinen auch den Zivilpersonen im Schutzgebiete nach Möglichkeit zugewendet werden. Es kommen hier nicht etwa nur diejenigen in Betracht, die als dem Beurlaubtenstande angehörig zu den Fahnen eingezogen worden sind oder sich als Freiwillige gemeldet haben, sondern es werden auch solche Ansiedler, die durch die feindlichen Horden an ihrer Gesundheit geschädigt und der notwendigsten Mittel zum Leben beraubt sind, mit ihren Angehörigen je nach Umständen auf Unterstützung und tätliche Fürsorge rechnen können.
() Vom Reichstage sollen zur Entschädigung für die Bermögensverlnste in Süd- Westafrika zunächst zwei Millionen Mark gefordert werden. Weitere Summen sollen erst verlangt werden, sobald der Gesamtschaden, der auf sechs Millionen Mark geschätzt wird, sich genau veranschlagen läßt.
* Der .Vorwärts' beginnt mit der Veröffentlichung seiner „Beweise« für die Richtigkeit der sozialdemokratischen Erzählungen über das Treiben der russischer Polizeiageuteu in Deutschland. Zunächst bringt er einen Brief des Russen Wetschesloff in Hermsdorf, bei dem durch die Agenten ein Einbruch verübt worden sein soll. Die Frau gibt zu, daß sie auf Anweisung ihres Mannes dem recherchierenden Beamten erklärt habe, sie gebe keine Auskunft, er möchte sich an den .Vorwärts' wenden, der das Material in Händen habe. Zs ist doch eine naive Zumutung, daß die Behörde, die einen Fall angeblicher Ungesetzlichkeit untersuchen will, sich statt an die betroffene Personen an den .Vorwärts' wenden soll. Daß sie sich darauf nicht einläßt, ist doch selbstverständlich. Die Frau bestreitet, daß sie den Beamten gesagt habe, sie misse von der ganzen Geschichte nichts und höre zum ersten Male davon. Da sie nun mangelhaft deutsch versteht, sich nach eigenem Geständnis insbesondere mündlich nur unvollkommen ausdrücken kann, so kann hier ein Mißverständnis vorliegen. Weiter veröffentlicht der .Vorwärts' einen Auszug aus einet längeren „authentischen Er- zwischen Wasser und Landstraße war nur eine ausgedehnte Niederung, die oft überflutet und eben jetzt von einem dichten kalten Nebel auSgefüllt war.
„Wie schade, daß man es hier nie mit einiger Kultur versuchte," bemerkte der Doktor und schlug feinen Kragen in die Höhe, als sie der feuchten Luft sich näherten. „Einige Tausende für Dämme und Drainage hier derwendet, würden sich gut rentieren. Ich wundere mich, daß eine so kluge Dame wie Frau Gram, dies nie oursührte."
.Ohne das Unglück in ihrer Familie wäre es wohl geschehen," entgegnete der Verwalter. Aber wie die Sachen standen, sparte sie lieber ihr Geld. Sie muß ein riesiges Vermögen hinterlassen. Vielleicht werden ihre Erben da» Versäumte hier nachholen."
Er sagte die» bedeutungrooll, denn Frau Gram» Vorliebe für Dr. Wllson gegenüber dem gutmütigen, aber etwas taktlosen Dorfmedikus, der es einst ^gewogt batte, nach ihrem verschwundenen Sohn zu fragen, war nicht unbemerkt geblieben. Und nach dem alten Ersahrungrsatz, daß Tauben hir.fliegen, wo schon Tauben find, phrophezeiten Biele, Frau GramS Reichtum werde sicher in die wohlgesüllte Kaffe ihre» Leibarzte» wandern. Dr. Wllson kannte vermutlich diese Prophezeihung, denn wieder wechselte er das Thema.
„Sind Sie hier mit Wilddieben belästigt?" fragte er, al» ein Rascheln im Schilf, da» die Gräben am Wege einfaßie, und dec scharfe Schrei eint» Wasser- Vogel« die Nähe irgend eine« Feinde» sür die gefiederten Schläfer andeutete.
„Richt so wie stüherl" war die Entgegnung — hier und da ei» wenig in der Nacht, aber das zählen wir nicht. Herr Letten, dem wir da» kleine Gehölz verpachteten, läßt durch feine Leute scharf Wache hatten und überdies hat Brückheim feine verwegensten Wilderer verloren."
„Sie meinen die Stirlings?"
,3a, Herr. So etwa» ist mir noch nie borge- kommen, alle» glückte ihnen. Der Alte war der reinste
41. Sitzung vom 24. Februar 1904.
luf^ber’aafleMhnung ffeht zunächst die Beratung des Etats der Verwaltung der Rerchser; enbahn-
"Abg!"Erzberger (Ztr.) gibt seiner Befriedigung Arckdruck, daß die Re'chSeisenbahnoerwaltung dem Reichstage eine Nachweisung über die Dienst- und Ge- haltsverhältniffe ihrer Beamten habe zugehen laffen. Den in Eisenbahnwerkstätten beschäftigten Arbeitern müsse die Bildung von Arbeiterausschüffen gestattet werden. Auffallend sei, daß der Durchschrnttstagelohn, wenn auch nur um ein geringes, ^uruckgegangenser. Das Lehrlingswesen fei in den Werkstätten musterhaft geregelt. Wünschenswert sei, daß Künftig auch über bte Höhe der Mietspreise für di? den Eisenbahnbeamten u richteten Wohnungen detaillierte Mitteilungen gemalt würden. Anzuerkennen fei, daß die Verwaltung ln m^ht gewesen fei, die Dienstzeit nach Möglichkeit emzuschränken. Tabei muffe doch auf die Gewährung von Ruhetagen besonderes Gewicht gelegt werden. Zu erstreben sei, 'daß möglichst viele Beamte monatlich 2f/,, 3 und 4 Rnhetaae erhielten und diese Ruhetage auf den s-onn- tag fielen. (Beifall im Zentrum).
Abg. Müller-Meiningen (ftf. Bp.) bittet um Auskunft, ob und welchen Arbeitern der Betriebswerkstätten das Koalitionsrecht emgeräurnt werden solle.
Abg. Riff (frs. Bgg) befürwortet, daß 4 Wagen- klaffen auch in die Schnellzüge eingestellt würden.
Preußischer Eisenbahnmimster Budde dankt dem Abg. Erzberger für seine wohlwollende Beurteilung der Reichseisenbahnverwaltung. Was die Wünsche der Arbeiter an lange, so sei er der Meinung, daß die so- H-xenmeister, nichts w.r sicher vor ibm, und die Jungen waren nicht besser. Wenn sie sich nicht tot getrunken hätten, wären sie sicher an len G'lgen gekommen. Zweimal hatte Herr Arthur sie überlistet, was ihnen sechs Monate Haft eintruz, und rin drittes mal wäre eS noch schlimmer für sie gekommen, wenn nicht da» Weibe.Volk für sie gebeten hätte. ES war im letzten Johre, ehe er wegging."
,D, sie haben ihre Frauen angtfhftef, sich für sie zu verwenden?"
Nicht ihre Frauen, ihre Mütter und Schwestern, Herr. Die alte Frau lebt noch Sie wohnt nicht weit von ihrem Hause, die Witwe Siirling."
„Ich erinnere mich. Und die Schwester?"
Hm» — Schmit! en zögerte. Sie waren in die Nähe des Laufes gekommen, und seine Stimme fast zu einem Flüstern herab, al» ob er fürchte, von den Bäumen belauscht zu werden. „Natürlich, weiß ich nicht, ob die Geschichte wahr ist; ober man raunt sich zu, daß gerade wegen dieser Schwester Herr Arthur sich mit seiner Mutter entzweite und die Heimat verließ."
Unb doch war ti so, Herr! Dora Stirling war ein schöne» Mädchen und die einzige Stütze ihrer Mutter, die Männer gaben nicht viel ab. Die beiden Frauen waren brav und ehrllch und grämten fich nicht wenig über da» Treiben der schlechten Sippe."
Unb wa» wurde aus dem Mädchen?"
„Das weiß niemand! Sie verschwand eint» Tages und ließ nicht» mehr von fich hören, da» arme Di-gl"
Während der Doktor noch über diese ihm neuen Eröffnungen nachdachte, hatten fie Westfeld erreicht, und ein Diener geleitete den sehnlichst Erwarteten schleunigst in da» Gemach seiner Herrin.
Ein einziger Blick sagte ihm, daß der dritte gefürchtete Schlaganfall wirklich gekommen war.
Bei vollem Bewußtsein, aber unfähig fich zu bewegen, richte Frau Gram, halb liegend, halb gestützt von einer Dienerin, auf einem niederen Divan. Da» bleiche schöne Gesicht mit den harten Zügen schien
MtzaerW Zeitung
" Momkbeüage: „8uld<M GefchichttblStttt".
Abgeordnetenhaus.
26. Sitzung vorn 24. Februar 1904.
Eröffnung: ll1« Uhr.
Eingegangen ist der Bericht über die Ausführung des Gesetzes vom 18. Mai 1903 betr. den weitere» Erwerb von Eisenbahnen für den Staat und betr. den Erwerb der ost- preußischen Südbahn und ein Gesetzentwurf betr. die Dienstbezüge der KreiZtierärzte. — Die Beratung des Justizetats wird fortgesetzt bei bat Einnahmen, die nach kurzer Debatte bennlligt wurden.
ES folgt die Beratung des Tltels .Ministergehalt'. Zunächst wird der Antrag Seydel (natl.) betr. Maßnahmen gegen Ausschreitungen des Automobilsports beraten.
Abg. Seydel (natl.) begründet den Antrag unter Hinweis auf die zahlreichen durch Automobile veranlaßten Unglückt fälle.
Abg. Leppermann (Ztr ) befürwortet den Antrag, indem er eine Reihe von Unglücksfällen aus den Kreisen Münster und Koetfeld mitteilt. Nachdem noch verschiedene Abgeordneten sich für den Anrrag ausgesprochen hatten, wurde dieselbe einstimmig ange- n o mm e n.
Es folgt bte Beratung des Antrags Kernth (fr. Vp.) betr. die Regelung der Gehälter bei Richter unb Staatsanwälte. Der Antrag ganz eingeichrumpit; e» war, als ob nur der Wille allein des Leden darin noch zurückh eite. Dre langen ichmalen Hande, die Fräulein Bcffmg durch unaufhörliches Reiben zu erwärmen suchte, waren ganz hilflos und di- dünnen Lppen, einst der Typu» unbeugsamen Willens, wühteu fich quoleoll damit ab, einige Worte h-rvorzubringen.
«Was wünschen Sie, Frau Gram?" fragte der Doktor, als er den bekümmerten Blick bemerkte und ihre kalte Hand in die feinige nahm. E n schwaches Zeichen lenkte feine Aufmerksamkeit auf eine geschloffene Brieshüüe, die zwischen ihren Shawl» und Kiffen lag. „Die»!" „fuhr er fort, soll ich e» öffnen ?" Ein kaum vernehmbarer Laut bejahte seine Frage. Al» er ds in Frau Gram» deutlicher Handschrift eng beschriebene Dokument entfaltete, murmelte die «ranke mit schmerzlicher Anstrengung:
„Voll—enden. Lesen."
Der Dottor erfflate ihren Wunsch. Große» Staunen matte sich in feinen Z igen, während fein Äuge 6k Z.ilen dieses Testament es, korrett in der Form bi» zu seiner letzten Silbe überflog. Fräulein Baflmg stand neben ihm, uno aus ihrem dunklen, häßlichen Gesicht sprach'die lebhafteste Neugier.
„Eine Feder, 6itte", sagte der Dottor, einen schwachen Laut der Kranken richtig denkend. Dk Feder war augenblicklich zur Hand, und mit eine» letzten gewaltigen Anstrengung setzte Frau Gram ihr« Namen unter da» Dokument, ihrer Gesellschastertn und Dienerin durch ein Zeichen deutend, das Gleiche zu tun. •
Zn dem einen Augenblicke, da da» Testament van ihr lag, erfaßte Fräulein Basfing» scharfe» Auge deffen Inhalt, und e» war mehr al» bloße Enttäuschung, e« war Zorn, ja Botheit, wa» fick bi ihren Zügen ausdrückte. Sie wandte rasch ihr Gesicht zur «Sette, e» sollte nicht zum Verräter au ihr werden.
Der Doktor bat jetzt die Jungfer, einen «ugau blick in da» Nebenzimmer zu treten und sagte dam» zu Fräulein Basfing: „Bitte, richten Sie die Dame