31. Jahrgang
zulda, Dienstag, den 23. Februar 1904
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/Deutsches Reich
Die Zamigung zu jenem Engel wußte in mir ersterben, seitdem Röscben einem andern vor dem Altäre Treu» gelobt hatte und ich aut ihre Hand keine Ansprüche mehr machen konnte, aber die Verehrung gegen die hohen Tegenden dieser edl.n Seele, die Achtung, welche mir ihr ganzes Wesen eingeflößt hott', blieb in meinem Herzen zurück, und mit Schmerz vernahm ich später das traurige Verhältnis Röschens zu einem Manue, der seine treffliche Gattin nicht zu schätzen wußte. Dach ist Wolfmaier endlich zu einer bissecn Einficht gelangt, und sein spätere- L»ben war, wie ich hier z« meiner größten Freude erfahren habe, ganz das Gegenteil von seinem jugendlichen, und gewährte seinem edlen Weibe unendlich viel Trost und Zu» triedktchrit. Der Gedanke, daß ich nie eine Gattin finden würde, in der alle Vorzüge deS Geiste» und Herzens io vereinigt seien wie ia Röschen, war in >mr io fest gewurzelt, daß ich niemals mich ent» .«gnegen konnte, einer andern meine Hand zu reichen, »L. c ,e tDmbet eine Zuneigung zu einem Weibe gefaßt have. Rein und vorwurfssrei habe ich meinen chelosen Stand bewahrt, mitten unter häufigen Ber- lockmigrn «tner bew-gten Kriegttebens habe ich, ohne >nich sonst in irgend einen Vergleich mit diesem großen Feldherr« fiellen zu wollen, da» Beispiel Tilly's 6t» l, folgt, der sich rühmte, nie ein Weib berührt zu haben. Ich sollte die, welche ich einst liebte, nie wieaerfehen; aber hier in diesem ob gelegenen Städtchen sollte ich ihr Grab finden, und an ihrem Grabe iollte ich ihrem Ebeobilde begegnen--in ihrer Tochter Agatha.
nicht aus Betriebs», sondern lediglich aus Welt- bewerbsrücksichten. Die Untersuchung werde darauf zu richten sein, ob sich nicht unter Einschränkung des Wettbewerbs, durch eine planmäßige Zusammenfasiung des vielfach zersplitterten Verkehrs und durch die Auswahl der leistungsfähigsten Linie eine wirtschaftlichere Betriebsführung im Interesse aller Beteiligten ermöglichen lasse. Der Herr Munster hege den Wunsch und die Hoffnung, daß es der vereinten Arbeit gelingen werde, über eine zweckmäßige Leitung in Zusammenfassung des Verkehrs Vereinbarungen zu treffen, die dem öffentlichen Verkehrs- und gemeinsamen Betriebsinteresse gleichzeitig unter billiger Berücksichtigung der Interessen der Einzelverwaltungen gerecht werden.
Wirklichkeit wenig entsprechen und übertrieben seien, so werde man doch bei objektiver Betrachtung der Verhältniffe nicht verkennen können, daß sich eine Vereinfachung, ja auch eine Verbesserung auf diesem schwierigen Gebiete wohl erzielen laffe. Eine Nachprüfung der Vereinbarungen über die Leitung des Verkehrs, die zum Teil noch einer vergangenen Zeit mit anderen Anschauungen angehörten, erscheine daher wohl angezeigt. Als Verwalter des größten Staatsbahnbesitzes habe der Minister geglaubt, die Anregung zu einer solchen gemeinsamen Prüfung über eine wirtschaftliche, allgemein nützliche Verkehrsleitung unter den deutschen Bahnen geben zu sollen. Der sachverständigen Prüfung der Versammelten werde es unterliegen, ob man nicht in der Tat mit der Ausnutzung der eigenen Linien, mit der Aufnahme des Wettbewerbes hie und da zu weit gegangen, ob nicht auch ohne angemeffenen Gewinn Umwege gefahren werden,
den russischen Agenten als Anarchisten bezeichnet und von den preußischen Behörden als solche ausgewiesen werden, die es in Wirklichkeit nicht find. Auch scheint es noch nicht so ohne weiteres ausgeschloffen zu sein, daß die russischen Agenten sich doch Ungehörigkeiten zu Schulden kommen taffen. Nur ist es sicher nicht so arg, wie die Sozialdemokraten es machen, und die Verfolgten find nicht immer die unschuldigen Lämmer, als welche sie von jenen hingestellt werden. Ihre engen Beziehungen zur Sozialdemokratie sind doch von vornherein schon verdächtig.
'** Nach dem neuen, am 30 Januar v. Js. in Kraft getretenen Eiuwanderuugsgesetze für die Kapkolonie ist die Einwanderung unter anderem von solchen Personen verboten, die nicht im nachweisbaren Besitze von Unterhaltungsmitteln sind oder die voraussichtlich der Oeffentlichkeit zur Last werden. Nach der bisherigen Hebung der dortigen Verwaltungsbehörden galt als solcher ausreichender Nachweis der Besitz einer Summe von 5 Pfund Sterling, sofern überdies die geistigen und körperlichen Eigenschaften die Gewähr dafür boten, daß er der Untecstützungspflicht nicht anheimfallen würde. Nach neueren Entschließungen der dortigen Kolonialregierung ist, wie der ,Reichsanzeiger mitteilt, die fragliche Summe nunmehr auf 20 Pfund Sterling erhöht worden.
* Auf Einladung des Ministers der öffentlichen Arbeiten traten heute Kommissare der süddeutschen Bundesregierungen und der sächsischen Regierung mit Vertretern der Staats- und Reichs- Eisenbahnverwaltung zu einer Beratung über Bereiufachrrugeu in der Leitung des Güterverkehrs im Arbeitsministerium zusammen. Im Auftrage des durch einen gleichzeitigen Vortrag beim Kaiser verhinderten Ministers Budde begrüßte Unterstaatssekretär Fleck die erschienenen Herren und legte namens des Ministers Veranlassung und Ziel der von Preußen angeregten Beratungen in einleitenden Worten dar.
«rschofttt tSgllch, mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Viertel» i^rL Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Snlda und * auswärts t Bit. so psg.
schulden kommen lasten. Wenigstens sei der Regierung davon nichts bekannt geworden. Wen» so etwas g schehen wäre, würde sie es nicht geduldet haben. Sehr eingehend ging der Minister auf die vom .Vorwärts' und von Bebel behaupteten Einzelheiten ein und erklärte, die angestellte Untersuchung habe keinen Anhalt für die Richtigkeit der behaupteten Uebergriffe der ruffischen Polizei ergeben. Recht bezeichnend ist, daß die sozialdemokratischen Ankläger sich hinterher weigerten, etwas zur Ermittelung des Tatbestandes zu tun und Auskunft zu geben. Sie werden dafür natürlich eine Ausrede haben, aber die Sache sieht doch recht verdächtig aus. Sie können jedenfalls nicht beanjpruchen, daß man ihnen mehr glaubt als der Regierung, zumal da auch ihre Behauptung, eS handle sich gar nicht um Anarchisten und anarchistische Schriften, sich als unwahr herausgestellt hat. Die Darstellung, die der Minister des Innern von der Ausweisungsproxis gab, war ebenfalls kaum snfechtbar. Die Frage bleibt freilich, ob nicht doch manche Rusten von
* Im Abgeordnetenhause kamen heute die Ausweisrrngerr russischer Staatsangehörige» und das Verhalten russischer Polizeiagenten in Deutschland, worüber im Reichstage bereits verhandelt worden ist, zur Sprache. Der Justizminister und der Minister des Innern äußerten sich sehr ausführlich zur Sache. Danach scheint diese denn doch wesentlich anders zu liegen, als die Sozialdemokraten und ihre Preffe behauptet Haden, und die preußischen Behörden kein ernster Vorwutf zu treffen. Der Justizminister verbreitete sich über den Königsberger Hochoerratsprozeß und wies mit zahlreichen Zitaten nach, daß die geschmuggelten ruffischen Schriften revolutionären und anarchistischen Inhalts find. Der Minister des Innern bestritt, daß russische Agenten in Deutschland irgendwo amtlich ringe- schritten seien oder deutsche Staatsbürger über«
Ich habe manche Aehnlichkeit zwischen Kindern und Eltern schon gefunden, aber eine größere al» die zwischen der verlebten Wolfmaier und ihrer hmler- lassenen Tochter noch nicht. Wie die ganze äußere Erscheinung dieses Mädchens dir Erinnerung an ihre Mutter in mir wteder hervorrief, wie ich in Agatha Röschen wieder zu sehen glaubte, so soll aucb, wie mein freundlicher Qnarttergeber, ter Stadtpfarrer, erzählte, die ganze Derk- und Handlungsweise Agatha'» den trefflichen Lehren ihrer Mutter, dem edlen Vor- bilde, was sie a» dieser hatte, entsprechen. Du kannst Dir denken, lieber Clemens, wie fr-udig mich diese Begegnur g berührt hat Im Nachdenken darüber ist ein Gedanke in mir aufgeraucht, der mich zu Dir führt, Clemens. Ich weiß, daß Du nach der Rückkehr in die Heimat den Militärdienst verlassen, urb von Deinem Vermögen, dos dmch -ine treue Verwaltung zu einem recht v«sehnlichen Bestände heraugewachsen ist, Dtr ein Landgut kaufen willst, um in den Umgebungen der ftevn Natur Dich friedlicheren Br- schSftigungen zu widmen als bisher. Du wirst Dein ländliches Stilleben teilen mit einem Weibe Deiner Wahl; Reichtum und vornehme Abkunft werden, so weit ich Deine Gesinnung kenne, einen weit geringeren Einfluß bei dieser Wahl a-trübe», als dar Hw; und der Geist Deiner zukünftigen Gattin. Eine fromme, tugendhafte Seele, em stille-, inniger Gemüt mit dem Sinn für häusliche Tugend wird Dir lieber fein als ein altadeliges Geschlecht, glänzende Bildung und eine reiche Mitg st....."
„Lieber Herr Oberst, ich errate, war Sie sagen wollen. Niemand weiß Ihren Rat bester zu schätzen, Niemand erfüllt lieber den geringsten Ihrer Wunsche alS ich, de» zu unendlicher Dankbarkeit gegen Sre, meinen zweiten Vater und Erzieher verpfl chtet ist. könnte ich diese Agatha sehen und sprechen?" fragte Baron Maierhof.
„Heute noch Mein Quartiergeber hatte die Auf-
Berlin, den 22. Februar 1904.
—* Der Deutsch - evangelische Kirchen- ausschnff war Ende vortger Woche in Dresden versammelt. Nach dem .Dresdner Journal' fand über die Frage der kirchlichen Versorgung der Diaspora eine mehMündige Beratung statt, die insbesondere auch zur Bildung von Kommissionen führte. Der Ausschuß war darin einig, daß in der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes und in der Annahme des Toleranzantrags eine drohende Gefahr für die evangelische Kirche und ihrer Jntereffen zu erblicken fei, und ermächtigte feinen Vorsitzenden, gegebenenfalls die geeigneten Schritte in dieser Richtung zu tun. — Natürlich, gegen die Jesuiten vom Leder ziehen, das muß das erste sein. Das ist ja auch der einzige Punkt, in dem die Herren einiF sind.
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von C. Psaff.
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.... ____________„„ _____ Man klage über zu weil getrieben? Ausnutzung
wacht oder sich ungesetzliche Dinge hätten zu der eigenen Linien, über einen maßlosen Wett- t----- ---- *■ bewerb zwischen den Staatsbahnen, ja über eine
Vergewaltigung der Schwächeren durch die Stärkeren. Wenn auch solche Vorstellungen der
lich zu sein. Wenn wir also den Fonds ablehnen, fi tun wir das nicht aus rein besoudeler Vorliebe fL die Polen, im Gegenteil, wenn wir uns von solch« Motiven leiten lassen wollten, so könnten wir vielleich eher uns veranlaßt sehen, dos Gegenteil zu tun. Äbe< wir lasten uns eben auch hier nur Inten von dem Grundsätze drs Rechtes und der Gerechtigkeit, wir lehnen dre Ostmarkenzulage ab, weil wir sie für verwerflich und verderblich halten. Man hat uns int preußischen Abgeordnetenbouse den Vorwurf gemacht,, unsere Haltung beruhe auf einem gewissen Mangel aw deutschnationalem Gefühl. Diesen Borwurf weise rch biennit auf das entschiedenste zurück (Beifall rm Zentrum.) Wir verlangen von den Polen, daß sie der großpolnischen Agitation enlsagen, daß sie sich unwiderruflich als Preußen fühlen, und alles, was mit dieser Verpflichtung im Widerspruch steht, haben wir stets als verwerflich gebrandmarkt. Aber andererseits sollten doch auch die Regierenden nicht.vergessen, daß sie die Polen nicht als Preußrn zweiter Klaffe behandeln dürfen, und wir verlangen, daß man if)ie Sprache, ihre Religion, ihre Gebräuche nicht untastet. Das tut aber die preußische Polenpolitik und deshalb lehnen wir auch diesen Fonds als einen Teil dieser Polen Politik einstimmig ab. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)
Abg. v. Staudy (L) verteidigt die preußisch Polenpolitik.
RcichspoststaatSsekretär Krätke bittet um Bewill- gung der Forderung.
Für die Polen sprach Dr. v. JazdzewSki. 2 seinen Ausführungen über das VeryällnrS zwlschst Zentrum und Polen bedauerte er das Auftreten W Polen in Oberschlefien und im Westen.
Abg. Singer (Soz.) meint, die preußische Polen. Politik werde Nicht eher anders werden, als bis sich die preußische Regierung von der Dummheit ihrer Politik überzeugt haben werde.
Vizepräsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter» es ist nicht zulässig, von der Dummheit dec Politik der preußischen Regierung zu sprechen. (Schallende Heiterkeit.) . _
Abg. Singer führt weiter aus, durch die widerruflichen Zulagen würde geradezu ei» raffiniertes De- nunziat:onssynem großgezogen werden. Wenn Preuße« eine Dummheit macht, so brauche das Reich das nicht nachzumachen.
Abg. Dr. Sattler (ntl.) erklärt, feine Partei werde für die Forderung stimmen. Die preußische PolenpsMik sei keine Vngristspolitik, sondern lediglich eine Politik der Verteidigung.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirlsch. Vzg.) bemerkt, tune politischen Freunde würden, wenn die Widerruflichkeit ausrecht erhalten werden sollte, Sie FondS ablehnen.
Abg. Dove (fr. Bgg) erklärt, seine Partei werde die Zulagen ablehnen, gleichviel, ob sie widerruflich oder unwiderruflich gewährt würden.
Damit schließt die Diskussion.
Die Abstimmung ergibt die Annahme deS Kommissionsbeschlusses.
Eine Reche von Titeln werden debattelos bewilligt.
Beim Titel .Zu Entschädigungen, Ersatzleistungen" u. s. w. bemängelt
.Abg. Erzberger l(Ztr.) an der Hand mehrerer Einzelfälle, daß die Postverwaltung bei der Inanspruchnahme ihrer Beamten für Versehen, Verluste u. s. w. zu rigoros vorgehe.
Staatssekretär Kractke bestreitet dies. Wie sehr die Postverwaltung bemüht sei, ihren Beamten entgegenzukommen, beweise die Tatsache, daß auf ihren UntraG alljährlich Tausende von Mark im Gnadenwege durch den Kaiser niedergeschlagen würden.
. Der Rest der dauernde» Ausgaben wird debatteloL bewilligt. „
Unter den einmaligen Ausgaben werden für die- Herstellung einer Telegraphenlinie in O stafrikw von Tubora nach Ujiji als erste Rate 300,000 Mark gefordert.
Die Kommission hat die Forderung gestrichen.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.) stellt den Antrag, di« Linie von Tabora nach Muansa zu bauen.
Der Titel .wurde an die Budgetkommisston verwiesen nach längerer Geschästsordnungsdebatte.
gelaufen, um ihre Hand küssen zu dürfen; betagt Greise und alte Mütterchen blieben steh n, w-nn fi die „Schloßfrau" komm n sahen und machten eb tiefe Verbgütig vor derselben. Diese Lieb: u» Verehrung schien auch a if den Gemahl dieses eou WeibeS überzugeben und Letzterer jener AaSzeichnMA in hohem Grade würdig zu sei». Ein Fest für aanze Gegend war der Tag, an welchem daS soviel«: Achtung genießende Ehepaar den Jahrestag seiner Vermählung feierte. Dann konnte man ganze Züge ärmlich aber reinlch gekleideter Leate nach dem Landhaose ziehen sehen, um der Gutsherrschaft »re Glückwünsche und kleine Festgeschenke darzubriuge«, denen die Herzlichkeit, ton mit sie gegeben wurde«, einen Wert verlieh. Alle diese Gratulanten wnrdew angehört, reichlich beschenkt und betontet; r» waren an diesem Tage oft gegen hundert Arme in dem Landhause zu Gast. Wer mit dem häa-liche« Lebe« dieser edlen Familie vertraut war, sprach mit der größten Achtung und Verehrung von demselben und- hob besonders die wahrhaft kindliche Liebe und zarte Aufmerksamkeit hervor, womtt der Gutsherr und seine Gemahlin einen Herrn behandelten, der ein angehender Sechziger sein mrchte, lange Jrhre in österreichische« Diensten grßandeu und alS Oberst seinen Abschied genommen hatte, um in dem Familienkreffe jener Eheleute zu leben, die er seine „Kinder" nannte, obgleich weder der Gutsbesitzer noch seine Gemahlin durch irgend ein verwandtschaftliches Band an bat alten Krieger gefesselt waren, den sie „Vater" nannten und mit einer Liebe behandelten, tote _ sie kaum bei Kindern gegen ihre Eltern (größer sein kann. — Zur Herbstzeit war daS freundliche Land-» Haus durch die vielen Besucher belebt, welche mit seinem Besitzer bekannt waren, oder die jenen Ober* sten begrüßen wollten, der trotz seiner stillen Zurückgezogenheit noch bei vielen seiner ehemaligen Waffenbrüder im besten Andenken fortlebte. Man sah dann-
39, Sitzung vorn 22. Februar 1904.
Eröffnung l1/» Uhr bei sehr schwach besetztem $aU®ie Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung der Abg. Krösell (wirtsch. Vg.), Fusangel lZ.) und G e r st e n b e r g e r (Z) - wegen U-bertretung des preußischen Vereins» und Bersammlungsrechts - wrrd entsprechend dem Anträge der Geschästsordnungrkom- mifsion nicht erteilt. „ „ , ., ,
Hierauf wird die Beratung deS Poste tat s fort 9'f«b0. Dr. Eickhoff (fr. Bp.) brachte fast bei jedem einzelnen Titel Heute Wünsche und Beschwerden vor, ohne daß es zu einer nennenswerten Debatte gekommen wäre.
Etwas lebhafter wurde die Debatte, als man an die Ostmarkenzulagen kam.
Die Diskussion über dir Titel
„Zu widerruflichen nicht penstonsfahrgen Gehaltszulagen an die in der Provinz Posen und den gemrscht- sprachigen Kreisen der Provinz Westpreußen angestellten mittleren, Kanzlei- und Unterbeamten sonne zu widerruflichen Penstonszulagen für dre rn diesen Landesteilen angestellt gewesenen und dort verblerden- den Beamten dieser Kategorien" und _
.Zu Erziehung-veihilftn an höhere Beamte rn der Provinz Posen und den gemischtsprachigen Krersen der Provinz Wefipreußen"
wird vereinigt. . .
Die Kommission beantragt beide Titel zu streichen.
Abg. Liebermau« v. Sonnenberg (wirtsch. Vg.) beantragt, die Bemerkung, wonach die Zulagen „widerruflich" sein sollen, zu streichen.
Abg. v. Norman» (K.) beantragt die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. „ , ... ,
Abg. v. Tiedemann (Rp) begründet diesen Antrag in der bekannten hakatistischen Weise. Er drohte sogar damit, daß der preußische Landtag die Summe gern bewilligen würde, falls sie der Reichstag ablehnen WÜTbC.
Abg. Fritzen-Düsseldorf (Zentrum) begründete unter lebhaftem Beifall seiner Freunde die ablehnende Haltung des Zentrums. Diese Zulage würde sur die Beamten nicht eine Wohltat, sondern etn Danaer- geschnik fein. Jntriguen und Denunziationen der schlimmsten Art würden die Folge einer Bewilligung dieses Fonds sein und nicht mit Unrecht hat man ihn daher auch Demmziationssonds genannt. Bor allem aber müssen roic es ablehnen, einen falschen und verkehrten Weg, den Preußen beschritten hat, rm Reiche nachzumachen. Wir werden also die Forderung ablehnen. Glauben Sie nicht, daß in dieser ablehnenden Haltung eine besondere Freundlichkeit gegen die Polen liegt. Unsere Partei ist in letzter Zeit von polnischer Seite her so heftig angegriffrn worven, daß wir gar keine Beranlaffung haben, gegen sie besonders freund- mttffamkert gegen ullch^die b.iden Kinder der verlebten Wfiwe auf heute Abend zum Eff-n einzuladen; dieselbe Einladung soll ich Dir überbringen. Der Pfarrer kennt Dein Verhältnis zu mir und wird sich freuen, Dich an seinem Tische zu sehen "
„Diese Abendmahlzeit könnte am Ende ein Ber- lobungsftst wilden/ entgegnete lächelnd Baron Maierhof.
„Leicht möglich, und würde mich daS sehr erfreuen/ sagte Oberst von Truchseß, und strich mit ganz »er- gnügtem Gesichte seinen stattlichen Schnurrbart.
Einige Stunden seitwärts deS berühmten Wrll- fahrtrories Mariazell in Steiermark lag eine höchst anmutige Besitzung, die besonders gegen Ausgang der Zwanziger Jahre der Zie'pmikt vielcr Reisender war. Rebgelände und Gärten umschlösse« ein stattliches Landhaus, von dessen Fenstern,auS man dre reizendste Aussicht über die so viele Abwechslung darbietende Gebirgslandschaft hatte. Die Anlagen um da« Hau» verliefen sich allmählich in einen natürlichen Park, dem Weißtannen und Zirbelnußkiefern ein stillfeierlicheS Aussehen gaben. In dem Dunkel der Bäume versteckt lag eine kleine Kapelle; sie war neu und im reinsten altdeutschen Stile erbaut. Wenn die Kapelle geöffaet war, sah man häufig eine Frau aus den höheren Siände» darin knicen und beten. Einige Male im Jahre wurde in dem Kirchlein auch Messe gelesen ; eS war immer eine Totenmesse, von denen eine am 7. S piember, dem Jahrestage der Schlacht von Borodino, gehalten wurde. Dee gtau. welche wir eben erwähnt hoben, schien in dec ganzen Gegend groß- Achtung zu genießen, obgleich ihre Heimat nicht die schöne Steyermark war, sondern da» „Reich". Man konnte an dem Benehmen aller Leute, welche dieser Dame in der Umgebung der Landgüter begegneten, sehen, welch große Verehrung sie genoß. Die Kinder kamen von weitem
MaerM Zeitung
verantwortlicher
woch-nb-ilage:„Zllllfttterte Sonntagszeitung" mmatrbeUare: „zuidaer Eefchichtsblätter".