31. Jahrgang^
Zulda, Samstag, den 20. Februar 1904
Zweiter Watt
vr. Krieg.
Bon Rolf Cructus.
(Nachdruck verboten.-
Das lang Vermutete ist Tatsache geworden, Japan hat Rußland den Krieg erklärt: Schon haben die Feuerwaffen ihre verheerende Tätigkeit begonnen, und an der Menschheit wird em großer Aderlaß vorgenommen. Gewiß, er betrifft fremde Nationen, die Knochen nicht eines einzigen pommerschen Soldaten, wie Bismarck sagen würde, stehen für uns dabei auf dem (Spiet Aber immerhin find es Menschen, deren Dasein nunmehr in Frage gestellt wird, Söhne von Ellern, deren Hoffnung und Freude fie bilden, die Sehnsucht der Braute, der Stolz des Vaterlandes. Denn darüber muß man sich klar werden : wenn zwer so starke und bis an die Zähne gerüstete Völkerschaften, wie Rußland und Japan, ihre Kräfte aneinander weffen, so gibt eS, sofern nicht alles trügt, ein Morden, das völlig ebenbürtig neben demjenigen der größten Kriege da- stehen wird.
In seinem Buche »Die Zahl im Kriege" gibt ein österreichischer Offizier Berndt, ein« ebenso düstere wie lehrreiche Zusammenstellung der Opfer an Menschenleben, die der männer- mordende Krieg bisher auf den Schlachtfeldern zefordert hat. Als die absolut blutigste Schlacht, üe von sicher gezahlten Streitkräften überhaupt geliefert worden, stellt er die Völkerschlacht bei Leipzig hin, die auf beiden Seiten 93,000 Opfer an Toten und Verwundeten forderte. Dogmen wird als die relativ blutigste Schlacht, also bie* emge, die im Verhältnis zu den Streitkräften die meisten Opfer ergab, der Schreckenstag von Aspern, wo sich die Verluste der Sieger auf 80 Pro,., der Besiegten sogar auf 46.8 Proz. belesen. Selbst die doch gewiß so blutigen Tage im letzten deutsch-franzöfischen Kriege vermögen
haben das Pulver der Lebensklugheil nicht erfunden.
„Was nachkommt, ist Bärme", pflegt man hier zu Lande zu sagen. Eine Berliner Weiße einzugießen, ist eine besondere Kunst. Die blinde Begehrlichkeit will den letzten Tropfen aus der Kruke haben; der kluge Einschänker aber paßt genau auf, ob der ausfließende Strahl noch ganz klar ist. Sobald sich die trübe Neigrwl zeigt, bricht er ab und läßt den Rest in der Kruke. Denn dieser Bodensatz, den man in Berlin als „Bärme" bezeichnet, taugt nichts und würde das ganze Getränk verderben. Wenn doch die Leute beim Becher des Vergnügens ebenso klug zu Werke gingen, wie drr Weißbier- Philister, und die schlechte Neige stehen ließen!
Wenn über Festlichkeiten in den Zeitungen berichtet wird, so kann man oft e nen Lobgesang auf die lange Dauer lesen. Der Berichterstatter deutet schmunzelnd an, daß die letzten Gäste schon die Hühner gehört oder gar die Sonne gesehen hätten. Darmit soll das Vergnügen als wunderherrlich hingeftellt werden. In Wirklichkeit wird nur die Unvernunft der Spätlinge dargetan. Sie haben den rechten Zeit- punkt zum Aufhören verpaßt. Eine Polizeistunde der Polizei gab es nicht; aber die Polizeistunde der Vernunft hätten fie beachten sollen. Was nachkommt, ist Bärme.
Beim Effen, so lehrt eine alte Lehre, soll man aufhören, wenn es am besten schmeckt. So bewahrt man fich den reinen, angenehmen Nachgeschmack und die fröhliche Verdauung. Ebenso richtig und viel nötiger scheint nun diese Regel für das Trinken zu sein. Denn gerade beim Trinken ist das rechtzeitige Ende so schwer zu finden. Wenn es recht gut schmeckt, so denkt man, das folgende Glas müsse noch beffer schmecken. Das tut's nicht, aber man bildet sich doch ein, daß noch ein schöner Durst vorhanden sei, der durch ein neues Glas seine wohlige Befriedigung finden werde. So bleibt man eine lange Weile beim „Vorletzten", und das Ende ist von bekannter Unlieblichkett. Hätte man etwas früher Schluß gemacht, so wäre man am andern Morgen als frischer, fröhlicher Kerl aufgestanden, während man nun im Schraubstock des Jammers steckt.
Vom Tanzen kann ich aus eigener Erfahrung kaum reden; ich habe eigentlich bloß in meiner Kinderstube mit den Sprößlingen getanzt, als sie noch klein waren. Aber nach allem, was meine Augen gesehen und meine Ohren gehört haben, nimmt auch dabei daS Vergnügen bet andauernder Springerei in bedenklichem Maße ab und schlägt schließlich in Strapaze und Qual um. Die Anmut, Frische, Leichtigkeit und Eleganz, die den Tanzsaal überhaupt erst menschenwürdig machen, gehen in den späteren Stunden verloren. Man riecht den Schweiß, wenn nicht mit der körperlichen, dann doch mit der Seelen-Nase, und damit geht alle Poesie flöten. Wer klug ist, geht nach Hause oder setzt sich wenigstens in eine ruhige Plauderecke, ehe die Bärme des Tanzbechers kommt.
Und wie ist's beim Spiel? Da setzen sich drei oder vier Skatbrüder in ihre Spielecke. Schön; das ist, wenn um Bruchteile von Pfennigen flott und freundschaftlich gespielt wird, ein ganz leidlicher Zeitvertreib. Aber die letzten Runden — die entscheiden erst den Werl des Vergnügens. Hört man zur rechten Zeit auf, so geht man mit freiem Kopf, leichtem Gewiffen und angenehmen Erinnerungen nach Hause. Ader wenn immer noch einmal und noch einmal die letzten und allerletzten und unwiderruflich letzten Runden angesagt werden, dann kommt die Bärme: zu viel Zeit vertrödelt, zu viel getrunken, angegriffen im Kops und Gewiffen, Aerger zu Hause rc. Ist es da nicht klüger, entschieden auf dem rechtzeitigen Schluß zu bestehen und den gierigen Genoffen, die auf Fort- fetzung drängen, einfach die Uhr unter die Nase zu halten mit der freundlichen Vertröstung auf das nächste Mal. t
Kürze ist auch der Unterhaltung Würze. Wer irgendwo einen Besuch macht, der bedenke und behalte: Wenn ou zu schnell roieocr aufbrichst, so ist das längst nicht so schlimm, als wenn du zu lange dasitzest! Dieses Kleben am Stuhl mit der Drehung des i utes und dem mühsamen Haschen nach ordentlichem GesprächS- toff ist für beide Teile schrecklich. Der kurze Besucher muß gleichsam aus einer Feder sitzen, )ie rechtzeitig sich auslöst und bann ihn sofort in die Höhe schnellt. Wenn die übliche Zeit verstrichen ist oder der Besuchte irgend ein Zeichen rer Ermattung seines Interesses giebt oder eine Stockung im Gespräche eintritt, dann sofort ohne ärgere Begründungsrede frisch und freundlich Abschied nehmen! Wenn sie nachher sagen, du eiest zu schnell gegangen, so bleibst du in gutem Andenken; aber wenn der Nachrus lautet, du
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verantwortlich« rchristletter:Ios.va«A
s. KtoÄi». Wochenbeilage:„Illustrierte Sonntagszeitung
de» großen TelegraphenbureauS verbreiteten Nach, richten sind durchaus unzuverlässig, was schon daraus hervorgeht, daß fie sich foitwährend widersprechen. Die russische Telegrophenagentur lügt mit dem eng. lischt« und daher japinfteundlichen Bureau Reuter uw die Wette. War wahr ist, weiß man nicht, jeder krn» davon glauben, was er will.
Die französischen Sozialdemokraten hielte» anfangs vieler Woche in St. Etienne ihren Parteitag ab, bei dem eS ähnlich zuging, wie bei dm deutschen »Genossen" ans dem Dresdener Parteitage. Dir Gruppe der sozialistischen Abgeordneten geriet in scharfen Konflikt mit dem Zentralkomitee der Partei und es schien, als ob es zu einer vollständigen Spaltung der Partei kommen sollte. Schließlich hat man den Streit durch ein Kompromiß vorläufig beigrlegt. Man hat fich dahin geeinigt, daß künftighin das Zentralkomitee der Partei deren Berwaltung zu führe» und die gesamte Propaganda zu organisieren hat. Die politische Leitung der Partei wird unter der nachträglichen Kontrolle des Parteitags einem besonderen Nationalrat übertragen, der fich au8 dem Zentralkomitee und den Mitgliedern der parlamentarischen Fraktion zusawmeusetzt. Dieser Nationalrat tritt vor jeder Kawmersesfion zusammen. Die soziolistischen Deputierten gehören ihm als Bertreter ihrer Förderation an. D-r Parteitag schloß mit einer öffentlichen Versammlung, in der Jaurär über den rusnsch. japanischen Krieg sprach und seine Absicht betonte, sobald sich Gelegenheit dazu biete, auf der Kammertribüne dem FrredenSöedürfniS aller Arbeiter Ausdruck zu giben. Ja Par-S kündigten die sozialistischen Arbeitersyrldikate darauf sofort die erste Versammlung an mit der Tagesordnung: Krieg dem Kriege.
Das englische Auswärtige Amt hat ein Blaubuch über Tibet veröffentlicht, in dem an dem Verhalte» Rußlands eine in diplomatischen Aktenstücken sonst nicht üblich- außerordentliche scharfe Kritik geübt wurde. Rußland ist die Antwort nicht schuldig geblieben; e» bat vielmehr sofort seine Absicht kundgegeben, keine Schwäche gegen England zu zeige« und nötigenfalls mit der Waffe seine angeblichen Rechte in Tibrt zu verteidigen. Man braucht aber deshalb noch nicht an einen ernsten Kor.flckt zwischen Rußland und England zu glauben. Sin Teck der dem Ministerium Balfour nahrsteher.be« englischen Presse hat sich in dem Streite zwischen Rußland und Japan so feindselig gegen Rußland benommen, daß man in Petersburg wohl annehmen dürste, diese Ansichten würden von dem Londoner Kabinett gebill'gt. In Mittel-Asien hat Rußland so viele Möglickrkeiten, den Engländern Schaden zuzuftigen, daß es auffällig wäre, wenn es fich, um englische Feindseligkeiten abzuwehren, der Möglichkeiten nicht b dienen wollte. Die Meldungen über mlitärische Rüstungen Rußlands gegen England habe» jedoch vorläufig nur die Bedeutung von Drohungen, di« in der Regel nicht ohne Eindruck auf die Engländer bleiben. Eine Besetzung der Hauptstadt Tibets durch die Engländer würden dir Ruffen allerdings mit einem Gegenzuge beantworten, vielleicht in Afghanistan oder Persien. Mancherlei Anzeichen deuten daraufhin, daß England gerade jetzt eine aktive Politik gegen Rußland für geboten hält, allein man Hai doch keinen Grund auzurehmeu, daß cs eine „rffene feindselige Haltung" gegen den verhaßten Rivalen in Asien einnehmeu wird und doch nur dann wollen die Russen ebenfalls zu einer militärischen Aktwn schreiten
habest fie lange ausgehalten, so ist Bärme nach' gekommen.
EtwaS Plauderei mit guten Frmndumen oder Nachbarinnen gilt als ein besonderer Vergnügen des weiblichen Geschlechts. Aber es gibt auch männliche Plaudertaschen und Klatschbrüder genug. Ob am Kaffeetisch oder am Stammtisch im WirtShavS geklatscht wird, macht in der Sache keinen Unterschied. Im allgemeinen ist ja nicht» dagegen einzuwenden, wenn man sich über das Neueste mal auSspricht, fo lange nicht Ehrab- schneideret, Ohrenbläserei oder gar Verleumdung betrieben wird. Aber wenn der Meinungsaustausch fich nur nicht so ost heillos in die Länge ziehen wollte! Da wird ein Garn ohne Ende abgehaspelt, und eine Scherte zum Durchschneiden des GesprächsfadenS scheint niemand bei sich zu führen. Man kommt vom Hundertsten in'S Tausendste, und wenn man kein neues Thema mehr findet, so wird das alte Thema nochmals erörtert; jeder Quark wird breit und noch breiter getreten. Die geschwätzigen Damen stehen a« der HauStür oder an der Straßenecke, als ob fie zu den Glücklichen gehörten, denen keine Stunde schlägt, während doch die kleinen Kinder oder die anbrennenden Töpfe nach ihnen schreien. Die Männer aber feuchten ihre redseligen Zungen immer noch mit einem weiteren Gläschen an. und je mehr fie trinken, desto quatschiger wird die Unterhaltung. Schließlich geht jeder nach Hause mit dem Bewußtsein, daß die anderen viel dummes Zeug gesprochen und ihm die kostbare Zeit gestohlen hätten. Der Rest ist Bärme, Enttäuschung, Verstimmung, Aerger. Hätte man dagegen rechtzeitig, nachdem Jeder seinen tatet- effanten Stoff ausgepackt hatte, die Debatte geschloffen, so wäre eine angenehme Erinnerung und Erfrischung des GenuffeS übrig geblieben.
Im Reichstage kann man gewöhnlich keinen Schluß der Debatte machen, weil das HauS in der Regel nicht beschlußfähig ist nutz also die Rache des abgeschnittenen Redner« zu fürchten hat. DaS empfindet man auch als ein parlamentarisches Verhängnis; be-n die endlose Rederei hindert nicht bloS die Arbeit, sondern drückt die ganzen Verhandlungen herunter. Im Privatleben wird über den „Schluß der Debatte" keine regelrechte Abstimmung herbeigesührt; aber jeder Beteiligte hat es ja in der Hand, enrweder durch seine rechtzeitige Aufkündigung den Schluß herbeizuführen oder sich selbst von der endlosen Unterhaltung zurückzuziehen. Wer klug ist, macht davon Gebrauch, sobald ihm das Bewußffeta aufsteigt, daß die Rederei kein n Wert mehr hat.
Den „Schluß der Debatte" kann man nicht hoch genug schätzen. Maß zu halten, ist in allen Dingen gut, und ganz besonders in allem, was man Vergnügen zu nennen pflegt. Je schneller man aufhört, desto weniger bekommt man von der Bärme zu kosten, die allem Irdischen anhaftet.
Unpolitische ZeitlSuse.
(Nachdruck verboten.)
O Berlin, 18. Febr. 1904.
Uff! Am Aschermittwoch ist die Vergnügungs- iagb amtlich geschlossen. Schonzeit! In diesem Falle nicht für das Wild, sondern für die aus- gepumpte» Jäger. Der Mensch muß doch mal vieder in das richtige Geleise und den ordent- ichen Gang des Lebens kommen. Die söge- nannte „Erholung" war sehr anstrengend; darum will man nun eine wirkliche Erholung haben, und die besteht in regelmäßiger TageS- arbeit und ausgiebigem Nachtschlaf. Auch das Portemonnaie muß Schonzeit haben; denn es l,at in der letzten Zeit an galoppierender Auszehrung gelitten.
Nach der Erholung soll die Arbeit noch einmal so gut schmecken. Soll! Manchmal schmeckt ie aber furchtbar sauer. Das ist bann ein icheres Zeichen, daß man die sogenannte Erholung zu einer Plage und das Vergnügen zu einer Qual gemacht hat.
Die Menschen werden viel eher grau als vernünftig. Wir schelten das Kind, daS fich >en Bauch voll Näschereien stopft, bis es stöhnt. Aber wenn wir selbst mal am Becher der Lust zu naschen anfangen, so pflegen wir auch nicht eher aufzuhören, als bis fich Lrib und Seele den Magen verdorben haben.
Kürze ist nicht bloS des Witzes Würze, andern auch der Wonne Wehr. Der Mensch, »er sich in'sVergnügen stürzt, ruft: Je länger, e lieber! Aber der Katzenjammer lehrt ihn nachträglich das wirkliche Naturgesetz deS Vergnügens kennen: Je länger, je fauler.
Es ist eine weise Sitte, wenn zu Aschermittwoch «in pünktlicher Schluß gemacht wird. Die „aufgeklärten" Leute, die ticch bis nah« vor Ostern in den ausgehenden Frühling hinein las winterliche DergnügungStretben fortsetzen.
wochen-Rundfchau.
□ Fulda, 20. Febr. 1904.
(Nachdruck verboten.)
Der deutsche Reichstag hat vollauf zu tun mit der Beratung des Etats, die nur langsam voran- fchrettet, weil gewvhnhettsgemäß dabei alle mvAtchrn Dinge zur Sprache gebracht werden, die an sich mit dem Etat nicbtS zu tun Huben Am Mittwoch isi der Etat des ReichSamteS der Innern «Mich glücklich erledigt worden. Zum Schluffe gab e» «och eine recht ausgedehnte Kunstdebatte über dieseziffioo. Bon den Rednern sämtlicher Parteien wurde anerkannt, daß der Sezession bezüglich her Beteiligung an der Weltausstellung in St. Louis von fetten des Reiches Unrecht geschehen sei. Namentlich wurde Ausdruck gebracht, daß die Nichtbeachtung der nsche der Einzel staal en in Süddeutschland eine gewisse Verstimmung hervorgerufen habe. — Am Mivwoch begann dann sofort die Beratung deS PostetatS, zu dem verschiedene Anträge einge- bracht find, die sich u. a. auf die Sonntagsruhe, die Dienstzeit der Unterbeamirn, Portovergünsiigunge» für Soldaten and eine Statistik über die Ursache der Erkrankungen und der Todesfälle bei den Post- beamten beziehen. Man darf hoffen, daß es gelingen wird, den Etat vor Ostern zu verabschieden; andere Vorlagen werden bis dahin nur in untergeordnetem Maße beraten werden könne».
Auch das preußische Abgeordnetenhaus steckt mitten in der EtatSberatung, und hier ist die Aussicht, vor Oster« damit fertig zu werden, bedeutend geringer als im Reichstage. Der Präsident des Abgeordnetenhauses hat bereits angekündigt, daß er fich genötigt sehen werde, besondere Abendfitzungen onzuberaume«, roenn die Beratungen nicht ein schleunigeres Tempo annehmen sollten. Eine geraume Zeit nahm di« Beratung des landwirtschaftlichen Etats in Anspruch, die aber nun glücklich beendigt ist. Jetzt steht daS Abgeordnetenhaus in der Beratung des Handelsetats. Bei diesem Etat wurde ein Amrog des Zentrumsabgeordneten FuchS an die Kommission verwiesen, bet weitere Maßnahmen gegen die Warenhäuser fordert, namentlich eine progriff ve Umsatzsteuer. Nach den Erllä- runge» der Regierung ist nicht zu erwarten, daß dieselbe dem Anträge Folge geben wird. Em« lange Debatte verursachte im Abgeordnetenhaus? beim Bergetat die im Saarrevter vorgekommenen Wahldeeinflussungen. Die Beschränkung der Beweisführung in dem bekannten Prozeß gegen die .Neunkirchener Zeitung' wurde einer schar,en Kritik unter« zogen, namentlich durch die Redner deS Z-ntrumS, welche nachwiesen, daß tatjächlich Wahlbeeinfluffuvgrn schlimmer Art vorgekommen waren. DaS Verhalten der übrigen Parteien ließ erkennen, daß auch sie, trotzdem einige fich den Anschein gaben, als ob daS Zentrum zu Unrecht die Beschwerde erhebe, von der Wahlbeeinflusiung überzeugt waren.
lieber die HandelSvertragSverhanb- lungen äußerte fich der Reichskanzler am Freitag bei dem Festmahle des deutschen Landwirt- schoftSrateS. Ueber den Stand der Verhandlungen wollte er natürlich keine Mitteilung mache». Die Regierung habe bte Verträge noch nicht gekündigt, weil fie wünsche, daß der Uebergang von de» alten zu den neuen Verträgen sich glatt vollziehe. Wenn chre Erwartungen nicht erfüllt werten sollten, würde fie zur Kündigung schreite».
In Hamburg haben bei de« BürgerschastS- wahlen die Sozialdemok.raten am Freitag voriger Woche zum ersten Male einen Erfolg errungen und zwar errangen fie gleich 12 Sitze. Da nur die Hälfte der Bürgerschaft zu erneuern war, werde« sie bei der nächsten Wahl sicherlich roch erheblich stärker werden
Die Niederwerfung des Herero-Aus standeS in Deutsch-S üb wc lt asrika Hut gleich im Anfänge eine erhebliche Anzahl von Opfern gekostet. Zwar ist er vir jetzt überall, wo bie Schutztruppen mit den Aufständtjchen zusammengestoßen find, gelungen, die Hereros zurück.uschlagen, aber eS waren dabei auch auf unserer Seile eine verhältnismäßig hohe Zahl von Toten und Verwundete» zu beklagen. Man darf erwarten, daß der Aufstand in nicht allzu ferner Zeit ziemlich niedergeschlagen sein wird.
B>el größeres Interesse erweckt allenthalben, ob» ich»« er uns nicht so nahe angkh», der Krieg zwischen Rußland und Japan. Obschondieser Krieg nun schon 12 Tage ano -uert, weiß man h-ute weniger haben als am ersten Tage. Auf den kühnen «»griff, den die Japaner gleich im Ansange gegen tpott unternahmen und auf die Landung jr- parnscher Truppe« {« Korea ist kein deut!ick greifbares Resuliat gefolot, wenigstens hat die Welt nichts f1 l^reri, den« wie ntewals zuvor wird der Nachrichtendienst der Zeitungen von drn kriegführende« Palleten kontrolliert, was flck leicht durchführen läßt, Weil die Kabel in ihre« Hände» find. Die Spez'allkrresponvemen der großen Blätter find außer Stande, ihren Dienst unabhängig «nb r-sch z« besorge« und deshalb nehmen fie, da sie doch ihren Zetttmgen eiwas melden muffe», im Nolsalle die Phantasie zu Hilft, bte bei diesen Leuten ja meist gnt en wickelt ist. Nuc verspätet, wohl auch versiüm. weit btirg-n die Nachrichten rach Europa. Die von
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Druck und Verlag bat fulbaerlcttenbrntferti
Monatrbeilage: „Huldaer Geschichtrblätter".