«KjchrNtt tii-ttch.Uit klmnahmr der $orm» N»d Keiertage. vierlel- jShri. vezngrpretr ohne vringerlohn und vesteSgeld in Zulda und tifltoärn 1 ML 50 Pfg-
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MaerW Zeitung
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Druck und Verlag de ZuldaerArttendrucker« in Zulda itzarmonie) Zernsprecher Nr. 9.
JÜL 41.
8u!da, Samstag, den 20. Februar 1904.
31. JahrgMg.
Deutsches Reich.
Berlin, den 19. Februar 1904.
* Bei dem Kaiser fand heute abend das Diner für die Botschafter statt. Die Gemahlinnen der Botschafter nahmen an diesem Diner nicht wie sonst teil, da die Kaiserin genötigt ist, sich wegen eines vorübergehenden Fuß- leidens Schonung auszuerlegen. Aus demselben Grunde hat sie auch an dem letzten Hofball nicht teilgenommen.
* Mit dem Treiben der russische« Polizei- ageuteu in Deutschland beschäftigten sich am Donnerstag abend 94 sozialdemokratische Versammlungen in Berlin und in den Vororten. Ueberall wurde eine Resolution angenommen, worin der entschiedenste Protest gegen das kulturwidrige Verhalten der Regierung gegenüber den in Deutschland sich aufhaltenden Russen erhoben und den „heldenmütigen Kämpfen gegen das Knutentum" Sympathie und Bewunderung ausgedrückt wurde.
)*( Die Rat tonalliberalen beabsichtigen, im Reichstage die EntfchLdigung der schwer be- rroffenen Ausiedler i« Südwestafrika anzuregen. Da die Ansiedler nicht warten könnten, bis der vielleicht noch viele Monate dauernde Meinkrieg beendet sei, müsse die Regierung ihnen durch einstweilige Kredite Hilfe leisten.
[*] Aus Deutsch-Südwestafrika telegraphiert Gouverneur Leut wein heute, daß am 16. Febr. eine Abteilung Matrosen unserer Schutztruppe unter dem Kapitänleutnant Gyzas am Lieoenberg, nordöstlich von Oljimbingree, in der Richtung auf Großbarmen ein Gefecht hatte. Diesseits gab es einen Toten und einen Verwundeten. Die Namen folgen. Die Gegner, dessen Verluste unbekannt find, wurden zurück- geworfen. ,r.. W* |T|
* Die Ausprägung von Münze«. Wie die ,Berliner Neuesten Nachrichten^ aus den Ausweisen über die Ausprägung von Münzen fest- stellen, ist in den letzten Monaten vornehmlich auf die Prägung von Kronen (Zehnmarkstücken) und Zweimarkstücken Wert gelegt worden. Im geschäftlichen Verkehr hatte sich sowohl ein Mangel an Silbermünzen wie an der jetzt kleinsten Goldmünze bemerkbar gemacht. Um dem ersteren Mangel abzuhelfen, wurde im ver- floffenen Jahre hauptsächlich daran gearbeitet, möglichst große Summen silberner Fünfmarkstücke in den Verkehr zu bringen. In den letzten Monaten hat sich die Prägung auf den deutsche» Münzstätten mehr dem Zweimarkstück zugewandt. So find in den Monaten Dezember 1903 und Januar 1904 für nicht weniger als 6,5 Mill. Mk. dieser Münzen ausgeprägt worden. Man wird annehmen können, daß nach einem so entschiedene« Eingreifen auf dem Gebiete der Silber- münzeu der hierin früher so sehr fühlbare
Mangel wenigstens zu einem gereiften Teile beseitigt sein wird. WaS zur gänzlichen Abstellung des Mißstandes fehlt, wird in der nächsten Zeit nachgeholt werden, da bekanntlich die Ausprägung von weiteren 60 Mill. Mk. in Silbermünzen be- schloffen ist. Auch die Ausprägung von Kronen hat in letzter Zeit eine bedeutende Ausdehnung angenommen. So sind in den letzten beiden Monaten für nicht weniger als 15,2 Mill. Mk. Stücks dieser Münzsorte für den Verkehr zur Verfügung gestellt worden.
* Die Zunahme der Einnahme« aus dem Güterverkehr betrug auf den deutschen Eisenbahnen in dem Jahrzehnt von 1892 bis 1902 rund 385 Millionen Mark; sie stieg von 913 auf 1898 Millionen. 1902 brachte jedes Kilometer 25,173 Mark ein gegen 21.389 Mark in 1892, also ein Mehr von rund 18 Prozent. An der Gesamteinnahme der Eisenbahnen aber ist die aus dem Güterverkehr heute in verhältnismäßig geringem Maße beteiligt, als vor 10 Jahren: Sie machte 1902 nur 69,22 Prozent der Gesamterträgniffe aus gegen 71,37 in 1892. Das ist einerseits auf die stärkere Steigerung des Personenverkehrs, in der Hauptsache aber wohl auf de« wirtschaftlichen Rückgang in den Jahren 1900—1902, der bekanntlich einen starken Ausfall der Einnahmen aus dem Güterverkehr zur Folge harte, zurück- zuführen.
* Recht überflüssige Arbeit wollen sich die Konservativen im Reichstage machen. Der .Kreuzztg/ zufolge beabsichtigen sie, im Plenum die sogenannte Ostmarkenzulage für die Reichs postbeamten, die die Budget- kommission unter scharfer Verurteilung der Antipolenpolitik abgelehnt hat, bei der Beratung des PostetatS wieder zu beantragen. Da die Budgetkommission inzwischen dieselbe Zulage auch den Militärbeamten versagt hat, werden die Konservativen sie auch für diese im Plenum be- antragen müssen. Man versteht nicht, was solche Demonstrationen bezwecken sollen. Daß die Zulagen im Plenum bewilligt werden sollten, können doch auch die Konservativen nicht glauben^ daß sie aber bereit find, die Polenunterdrückung bis zur vollendeten Ungerechtigkeit mitzumachen, ist so allgemein bekannt, daß fie dafür einen neuen Beweis nicht erst zu erbringen brauchen.
* Posen, 19. Febr. 1904. Der .Kuryer Poznanski' bringt die Mitteilung, daß die polnische Reich Stags fr aktion den Beschluß gefaßt habe, dem Grafen Ballestrem Abbitte dafür zu leisten, daß fie bei der Präsidentenwahl weiße Zettel abgegeben hat.
pMamentarifche Nachrichten.
* Die Budgetkommisfion des Reichstages be» Sann heule mir der Beratung deS Etats für die Expedition nach Ostafien.
Berichterstatter ist Graf Oriola: Ihm ist die Art der Behandlung der ostafiattfchen Brigade unsympathisch. Lieber wäre ihm dir Verbindung der Brigade mit dem Gouvernement in Kiautschou. Dieser Etat belaste unS mit ca. 14 Millionen. Die Gehälter für diese Brigade seien höher als die bei anderen Truppen und daS wirke eigentlich auf die in China tätigen
Marinetruppen. So betrügen in Ostasien die Gehälter für Majore 14,395 Mark, für Hauptleute 11,215 Mark, für Oberleutnants 7615 Mark, für Leutnants 6895 Mark; für Südwestafrika betragen die betreffenden Gehälter 14,100, 10.800, 7500 und 6300 Mark; für Kiaulschou 12,585, 10,635, 7545 und 6398 Mark. Er hält für richtig, daß der Regierung eine Pauschalsumme für Ostasten bewilligt werde.
Abg. Payer (Korreferent) verlangt Auskunft darüber, weshalb bisher eine Herabsetzung der Truppenzahl nicht stattgefunden habe. 83 sei freilich durch den Ausbruch des Krieges in Ostafien für diesen Augenblick eine Verminderung der Brigade wohl nicht zu empfehlen, er wünscht aber die Ansichten der Militärverwaltung hierüber kennen zu lernen, sowie eine Darlegung darüber, wie andere Staaten sich in dieser Beziehung verhalten. Er stellt eine Resolution in Aussicht, welche eine Verminderung der Brigade sür den Augenblick fordert, indem andere Staaten mit einer Verminderung ihres Truppenkontingents vargehen.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gibt die gewünschten Auskünfte.
Abg. Müller-Fulda ist nicht befriedigt durch die Aufklärungen des oerrn Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes. Weshalb hat Amerika nickt eine gleiche Truppenzahl dort? Spielt Deutschland im Osten die Rolle der Polizei für die ganze Welt? Dabei steigen die Pensionsbedürfniffe riesenhaft. 1901 waren 360.000 Mark dazu nötig, 1902 1.047,000 Mark, 1903 1,528,(XX) Mark. 1904 werden 1,872,000 Ma'k gefordert; in 10 Jahren werte die Summe vielleicht 8—10 Millionen erreichen. Welches sei denn der Nutzen, den wir bisher auS der ganzen ostastatischen Geschichte gezogen 1 Viele kranke Truppen, davon die Hälfte an Syphilis. Die ganze Geschichte gefalle ihm nicht. Jeder Mann koste an Transport hin und her über 1000 Mark. Jedenfalls müsse auf eine Verminderung der Kosten hingeardeitet werden. Jahr für Jahr brächte uns 1200 neue Pensionen. Die zweijährige Dienstzeit verieure die Sache; andere Kolonialarmeeen engagierten die Truppen sür weit größere Zeitdauer. Er wünscht Einzelberatungen, wenn eS auch weit bequemer sei, sich durch eine einmalige Bewilligung eines Pauschales der ganzen Sache zu entledigen.
Staatssekretär v. Rtchlhofen erklärt, England habe im Osten 2725 Mann, Deutschland 1939 Mann, Frankreich 1718, Japan 1287 und Italien 761 Mann. Deutschland stehe also an zweiter Stelle und baS entspreche den Interessen, welche es dort zu vertreten babe. Er wendet sich gegen den Ausdruck des Abg. Dtoller-Fulda »Polizeitruppe der ganzen Welt" mit bezug auf Deutschland. Deutschland übe nur dort „Polizeidienste", wo feine Jntereffen dies erforderten. General Sixt v. Armin geht auf die Verhältnisse der Schuhtruppe in Kiaulschou ei». Die Transportkosten feien in der Tat sehr hoch, manche Leute kapitulierten aufS neue nach 2 Jahren, und die Verwaltung bemühe sich, die Leute durch günstige Bedingungen dort festzu- halten, um damit die Transportkosten zu vermindern. Er gibt die genauen Zahlen der Jnvalwen.
Abg. Dr. Arendt stimmt dem Abg. Müller, betr. die Notwendigkeit einer Spezialberatung zu. Die Regierung habe die Pflicht, bei der gegenwärtigen Lage mit doppelter Vorsicht in Ostafien vorzugehen und allen Eventualitäten entgegenzusehen.
Die Kommission vertagt sich darauf bis Dienstag.
* Die Kommission des Reichstags betr. Kaufmanusgerichte beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung mit der Frage, ob die Vertretung der Parteien vor den Kaufmannsgerichten durch Rechtsanwälte zulässig sein soll, wie der Gesetzentwurf in § 15 vorschlägt, oder ob dieselben von der Vertretung auSzuschließen find. Letzteres fordert ein Antrag Trimborn, der mit einem Zusatz i»i folgender Fassung angenommen wurde: Rechtsanwälte und Personen, welche als Angestellte von Vereinen oder sonst das Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, werden als Pro-
Wildmeisters Röschen.
Sine Novelle von C. Pfaff.
41 ------ (Nachdruck verboten.)
Agatha trat in das Zimmer und verneigte fich freundlich vor den beiden Herren. Das Gesicht des Obersten nahm den AuSdrrck der größten Ueberraschung, des Staunens an. .Das ist da« Ebenbild ihrer Mutter, dieselben schönen Züge vrll Sanftmut und Züchtigkeit, dasselbe blühend« Rot der Wangen, dasselbe fünfte Auge: das ist Rosa Wolimaier in ihrer Tochter," flüsterte der Offizier dem Pfarrer za.
„Haben Sie, liebes Kind, vielleicht einmal de» Samen eines österreichischen Offiziers von Truchseß nennen hören ?" fragte der Oberst da- Mädchen.
.Gewiß Herr von Truchseß reifet Wohltäter; ich schließe ihn noch immer in mein Gebet ein. Kennen •uet Gnaden vielleicht denselben?"
„Sr steht vor Ihnen, Agatha I" sagte mit bewegter Stimme der Oberst.
.Welch eine Ehre, welch ein Glück für mich, gnädiger Herr, de« Mann zu seh-n, von dem meine Altern fast täglich sprachen, für den wir jeden Morgen mrd jede« Abend beteten," sagte Agatha mit bewegter Stimme und küßte ehrerbietig dem Obersten die Hand.
.Mer i-i höre» freut mich; vielleicht verdanke ich diesem frommen Gebete die Ährltung meiner Lebens in so vielen Gefahren. Sie haben noch einen Bruder, Agatha?"
.Sa wohl, er ist als Lehrling bei einem Schlöffet."
.Würde mir lieb fein, wenn ich Ihren Bruder ebenfalls sehen und sprechen könnte Ist er wohl möglich, daß Sie nebst Ihrem Bruder gegen Abend in die« mein freundlicher Qrartier kommen können?"
„Wenn Sie eS wünschen, Herr von Truchseß,
werde ich mit meinem Bruder Christian gegen sechs ühr im Pfarthof erscheinen."
„Um sieben Uhr, meine gute Agatha; ich habe noch einige Angelegenheiten zu ordnen und auch mehrere Besuche un Städtchen zu machen, aber um diese Stunde bi» ich aller Geschäfte los und ledig."
„Und würden mir der Herr Oberst erlauben, daß ich die beiden brave» Kinder, die wein besonderes Wohlwollen besitzen, zum Abendtische einlade?" fragte der Pfarrer.
„Da- würde mir zu besonderem Vergnügen gereichen; dann hätte ich auch Gelegenhett, mit de» Waisen einer mir unvergeßlichen Landsmännin mich »och länger unterhalten zu können," entgegnete Herr von Truchseß.
Agatha «ahm unter vielem Danke die Einladung an und verabschiedete fich, ihre Freude für die ihr gewordene Ehre dem Obersten wiednhit ouSdrückeud.
An dem einen Ende des Städtchens, nahe dem Tore, lag da» Gasthaus zum „blauenHecht"; es stritt fich mtt jenem zum .grauen Wolf" in bet Hauptstraße firn den Vorrang. Manche Reisende meinten, war die Bezahlung betreffe, so wäre zu wünschen, daß die Namen jener beiden Gasthäuser in wohlklingendere fich verwandelten, denn die blQige Rechnung und die freundliche Bedienung, welche man in beiden Wirtschaften finde, entspreche doch nicht de« Namen der teigenben Thiere auf ihrem Schilde, und man könne von de» Besitzern beider Gasthöfe nicht sagen, was vrn andern wohl schon gesagt worden ist, daß r ämlich der Geist habsüchtiger Raubritter >etzi in der friebfamen Gestalt eines wohlbeleibte» Wirte- elscheiue
Der blaue Hecht hatte auch seinen Anteil an der heutigen L'rquartteruvg erhellten, ein Oberleutnant und acht Dragoner lagen dort im Quartier und waren mit demselben recht wohl zufrieden. Der Herbstabend mtt feiner feierlichen, etwas unheimliche» Stille begonn fich über das Städtchen zu breiten, in dessen
Straßen und Häuser die fremden Gäste in weißen Uniformen mit kornblumenblauen Aufschlägen eine sonst nicht gewohnte Lebendigkett brachten.
In dem gehässigen Hofe unseres Gasthauses war diese Lebendigkeit besrnders wahrzunehmen. Dragoner gingen durch dar Hoftor aus und ein, Wasser für ihre Pferde herbeitragend; andere waren im Hose mit Putzen ihre- LederzeugeS und ihrer Waffen beschäftigt ; einige Reiter waren im Stalle und futterten ihre Pferde, au» der offenen Türe des Stalle- schallte manch derber KraftauSdruck in deutscker oder böhmischer Sprache. An dem steinernen Torpfeiler de- Hauses lehnte nachlässig ein Dragoner, der ein ebenso biederer als lustiger Geselle zu sei» schien. Tie Pfeife diese- Reiter- wat im vollen Gange; bet Tabak, welchen er rgvchte, schien der Löhnu. g de» Soldaten nicht zu entsprech-», sondern ein Geschenk zu sein. Dor muntere Krieget wat sehr gesprächig; bald plauderte er mtt feinem Kameraden, bald unterhielt er fich mit der Frau Wtttin und versicherte seiner Quartierträgerin, die mancher eher sür eine Vogelscheuche als tot ein Modell der Schönt nt halten konnte, daß er in dem ganzen Felozuge keine Frau von ihrem viter gesehen, welche ihre Schönheit so vollkommen erhalten habe, woraus die Wirtin tin .Gehen'-, Sie Loser!" in einem Tone üinvarf, der ein Schwanken zwischen Glauben und Zweifel verriet.
Die Straße herab kam mit langsame» Schrttten eto OifizierSbursche, tttfelbe mürrische Kauz, den wir iiyon heute rrcrget kennen gelernt haben und dessen Gesicht jetzt noch unfreundlicher war.
.Nun, Wenzel, Du machst ja tia Gefickt wie acht Tag: Regenwetter, hast Du teil' gute- Quartier?" rief der lustige Dragoner dem O'fizierSburjche» zu.
,Eo ein schlechtes hob' ich lange richt gehabt; wollte nut, der Bürgermeister und der ®«ibtfdjteiber müßten einmal acht Tage lang darin :legen «tu sich mtt der Kost begnügen, die mir heute Mittag vorgesetzt worden ist."
.Bei wem bistDu eirmiartirt'?"
zeßbeoollmächtigte oder Beistände vor dem Kaufmannsgerichte nicht zugelassen. Sie können vom Vorsitzenden auf Antrag einer Partei zugelassen werden bei glaubhaft gemachter Verhinderung der Partei, sowie bei besonderer Schwierigkeit d s Falles." Die Berusungssumme, welche im Entwurf auf 300 Mk. festgesetzt ist, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, welche 500 Mark einzusetzen beantragten, nach dem Entwurf angenommen.
37. Sitzung vom 19. Februar 1904.
Eröffnung l1/« Uhr. .... •
Die Beratungdes PostetatS wndsortgesetztbeim Titel ,®eba It deS Staatssekretärs".
Abg- Zubeil (Soz.) forderte Gehaltsaufbesserung für die Unterbeamten, speziell sür die Postillone und Posthilfsboten. . m q
Abg. v. Verlach (Hosp. d. stets. Bgg.) kritisierte daS von der Homburger Oberpostdirektton erlassene Verbot der Teilnahme an einer von ihm einberufenen Postbeamtenversammlung. ®t habe durch seine Tätig, kett der PostverwaUnng keinen Anlaß zu einem solchen Verbote gegeben. ' x
Staatssekretär Krätke erwiderte, er müsse chm allerdings den Borwurf machen, daß er »ersucht habe, die Disziplin und Subordination zu untergraben. Dem* Segenüber werde er, Redner, an dem Standpunkt fest« ölten, daß Postbeamte le'ne Versammlung besuchen dürften, in denen eine die Disziplin lockernde Agitation betrieben werde. Dem Abg. Blell «steif. Bp.), welcher die Einführung der württembergischen Postanweisungkfor- mulare mit Umschlag befürwortet hatte, erwiderte der Staatssekretär, daß diese Formulare zwar für da» Publikum vorteilhaft seien, daß sie aber für die Post dne Erschwerung und Verlangsamung der Sw« • Kung bedeuteten. Wenn in einzelnen Fällen die
nmung, daß aus eine Paketadresse drei Pakete verschickt werden können, eingeschränkt worden fei, s» sei daS nur eine vorübergehende Maßnahme, veranlaß« durch eine Uederlastung des PaketverkehrS, gewesen.
Abg. Roercn (Zentrum) wieS darauf hin, daß man eine Statistik über das Dienstverhältnis derPost- beamten deshalb verlangen müsse, weil die Postver» waltung alle Fragen des inneren Dienstes als .Amtsgeheimnis" betrachte und ihren Beamten strebst«» verbiete, darüber etwas verlauten zu lassen. Weit« trat er noch einmal mit Entschlossenheit, für die Ausdehnung ber Sonntagsruhe auf die konfessionellem Feiertage ein, namentlich in den kleineren Städten errege es mit Recht Anstoß bei der Bevölkerung, daß die ReichSpost alS einzige Behörde diese Feiertage einfach ignoriere. Ei« Unfug, dem so rasch als möglich em Ende gemacht werden foüte, fei es auch, daß die neuerdings in Mode gekommenen Pflügst- und Oster- grußkarten noch am Feiertage selbst bestellt mürbe». Bei der Vergebung der gehobenen Stellen müsse mehr alS bisher der Grundsatz zur Geltung kommen, daß die Zulage von 200 Mark nicht eine persönliche, sondern eine Stellenzulage für Stellen sei, „beten Verwaltung mit einer besonderen verantwortlichkett verbunden fei". Roch besser würde eS stellich fein, waov man die gehobenen Stellen ganz ausheben und z« rin« allgemeinen Gehaltserhöhung schreiten würde, dir namentlich die Briefträger verdient hätten. Zn er- wäaeu sei eS auch, ob man die Postagenten, die ix bet Nähe von Eisenbahnstationen wohnten, von bew Telegraphendienste an den Eonntag-Nachmittage« befreie« könnte. Redner betonte schließlich noch, dwß bie an ihn gelangten Eingaben und Briefe von Vsft- beomten im Gegensatz ju früher eine gewisse Zuversicht und HoffuungSsteudigkeit an den Tag legten; hoffent-
,Bei bet Spitalvögti», so stand auf meine» Billet; eS ist eine alte Hexe in der Hauptstraße der Städtchens. Die Frau scheint fich nichts Schlechter einzubilden, war so unverschämt und sagte mit gecadez» in- Gesicht: „Sie habe einen Offizier erwartet rerir nicht einen Burschen ' Ein Essen hat mir die Bögtim heute Mittag vorgesetzt, na, ich sage Dir, Zoharn«, meine Wirtin muß glauben, ich wäre so geniafe» wie ein Hänfling. Ich wette darauf, eS wate» feine zehn Linsen ans ber Suppe zu fi'chen, die mit als Linsensuppe vorgepillt wurde. Und ein eingemacht S Kalbfleisch hat ntr dar Dienfimädel nachher gebracht, da- mochte schon etliche Jahre eingemacht fein, )< sauer war sein Geruch. Ich hab' ei stehe» lofser» und bin vor läster Verdruß weggegangen. Meine Hauswirtin kann froh ftitt, daß fie erneu so gutmütige« Red wie mich im Quartier hak; wenn der Echerwitzßtz dort läge ober bet rote Friedel, die hätten sichet der Stau Spitalvögtw gelehrt, war einem kaiserliche» Soldaten gehört. Ich such' halt immer be» Friede» zu bewahren," sagte mit wehmütigem Gesichte bet OffizierSbursche.
„Weißt wo-, heute abend speisest Du mit unS Unserer Frau Wirtin kommt e8 nicht darauf an, ob ei« Mare» mehr oder weniger am Ti'che fitzt, und ich will cht Dedr Schicksal au-einan^ersktzen," entgegnete der Dragoner.
„Nehm- mit Dank an," bemetfte Wenzel reib sein Gesicht heiterte fich etwa- auf. Nach einer Weile sagte er: „Nicht wahr, Euer Leutnant liegt hier im Quartier?"
„Ja wohl. Mett st Du vielleicht, ich ließe mit ein and« eS Quartier ar weise» als das, worin unser Leutnant liegt? Bon Dtm geh' ich nicht hinweg, dar wissen die gcuriere schon."
«Ist aber auch ein herrlich« Menn, ber Lenttrnmt Maierhof, der und vns« Oberst find die beste« Offiziere im ganzen Regiment. Den Tabak, wckcher» Du eben rauchst, hat Dir ber Herr Leutnant auch mietet geschenkt, ree rieche ich schon," sagte bet Off<zitrSbnrsche. (8. f.)