zulda, Freitag, den 19. Februar 1904
31. Jahrgang
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Hierarchie Japans wurde eist durch ßto XIII. errichtet. Tie Zahl der Mtsfionspriester der Erz diözese Tokio beträgt 33, diejenige der Diözesen Hokodate 18, Nagasaki 50 und Osaka 25. Tokio zählt 9500, Hakodate 4800, Nagasaki 36,100 und Osaka 5100 Katholiken, also im ganzen 55.500.
* Im Verlauf der Kuustdebatte, die am Dienstag im Reichstage stattfand, ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß für Einwendungen gegen gewiffe künstlerische Bestrebungen in Preußen lediglich der Landtag des Bundesstaates das geeignete Forum bilden könnte. Wie nunmehr erzählt wird, beabsichtigen die Nationalliberalen im Abgeordnetenhause beim Etat des Kultusministeriums die Behandlung der se- zessionistischen Richtung durch die amtlichen preußi- Stellen zum Gegenstand eingehender Beschwerde zu machen.
* Karlsruhe, 18. Febr. 1904. Die geplante Revision der Verfassung des Großherzogtums Baden ist als gescheitert anzusehen. Nach einer offiziellen Mitteilung hat der Minister des Innern in einer Sitzung der Verfasiungs- kommission der Zweiten Kammer erklärt, eine Verfassungsrevision mit Einführung des direkten Wahlrechtes werde von der Regierung nur unter Erweiterung des Budgetrechts der Ersten Kammer dmchgeführt werden. Bei Ablehnung dieses notwendigen Gegengewichts werde für die Regierung die Frage der Ver- faffungsreoision wohl auf Jahre erledigt sein. — Schon im Dezember vorigen Jahres, als der Gesetzentwurf über die Abänderung der Verfassung bekannt wurde, war es jedermann klar, daß die von der Regierung geplante Erweiterung der Zuständigkeit und Rechte der Ersten Kammer die größte Schwierigkeit bereiten würde. Nach der obigen Erklärung des Ministers ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, diese Schwierigkeit in einer für Regierung und Kammer annehmbaren Form zu beseitigen. Und das wird nicht leicht sein. Hoffentlich gelingt doch eine Verständigung; das aber kann nur bann der Fall sein, roesm die Regierung mehr als einen Schritt zmückgeht!
Abgeordnetenhaus.
22. Sitzung rem 13. Februar 1904.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Am Ministertische: Möller.
Die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeoerwaltung wird fortgesetzt milder Beratung deS Antrages Arendt und Gen. (frk) betr die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen in Gast- und Schankwirtschaften.
Zur Geschäftsordnung beantragt
Abg. Frhr. v. Zedlitz (frk.), die Besprechung der Denkschrift betr. Maßnahmen zurFöld-rung des Kleingewerbes au? der sich an den Titel „Ministergehalt" knüpfenden allaemeinen Diskussion herarszunehmen und erst bei Titel 29 des Exlraordinartuws in Verbindung mit dem Antrag Kindler zu behandeln Weiter regt der Redner vn, zur Vermeidung von Abendsitzungen von jetzt an eine Stunde länger zu ragen.
»reise«: vie ei» fpaltig« petilzeile »der -«reu Raum 15 Pf-. Reklamen die petitzeile 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entfpc.
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag d« Zuldaer Aetlendruckere in Fulda (Harmonie)
Zernsprecher Ur. 9.
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von L. Pfaff.
------ (Nachdruck verboten.)
reitet hat oder dem er vor wenig Jchreu auf einer Donaufahrt in Kloster Neuburg vier in Götiwsih dem Saft „zum klingenden Piennig" b-AEMt ist. Ja der Nchr dichs Mannes fühlte man fick so Wohl, so heimisck, ma» stellte vielleicht einen Vergleich an zwschen den Gefühlen, welche uns in einer glänzenden Teegesellschufr Norddeutschlands beschlichen," und denen, welche und >n dem Speisesaale eineZ Hauses üeerkamen, dessen eigentliche Besti - mung so ernst und h'ilig ist. Jene e> fieren Gefühle waren unheimlich, frostig wie der Nebel, welcher über dem Torfmoore schwebt. Die Frau des HauflS, welche uns in glänzender Toilette den Tee servierte, die mit unnachahmlicher Grazie unser KiystallglaS mit Annas- pursch füllte, hat in unserer Eiinnrrung lange nicht vas freundliche Andenken, welchts wir jenem einfachen OrdenSmann in schwarzem Gewände bewahren. Ja jenen glänzenden Salon-, die auf das Sorgfältigste durchwärmt und Yon den Wohlge-Üchen beider Indik» durchströmt wa-en, von jenen Buff tS mit Trink- aeichiir von Gold und Silber, mit Weinen aus allen
f-ud den besten Jahrgängen hat es uns vielleicht gefroren, u,w f“ ein ach freundlichen Klostersaale, bei jenem Gastmeister, der sein Bedauern ausiprach, daß ei uns nichts Vorsitzen könne ole kalte Küche und einfachen Landwein, fanden wir uns so heimisch, so vergnügt, daß wir hätten sagen mögen: „Hier ist gut sein, hier laßt uns Hütten bauen." Worin liegt der G und dieser Erscheinung? Nun — die Gastfreundschaft, welche uns so wodl tat und unser Herz e quickte, hatte ihren Grund in der christlichen Liebe, und jene, die unS kalt ließ, eisig kalt, sie ging nur zu häufig auS der Selbstzucht und Eitelkeit hervor. M t der Abnahme der chr.stlichen Nächstenliebe ist auch jene edle Gastireund- schatt mehr oder weniger verschwunden; glücklich jene Länder, wo man sie noch kennt und übt, glücklich lene Mmischen, welche den falschen Sch'in derselben, ö'£j^a^rtwnl!föa^ aus unlauteren Motiven, noch nicht kennen gelernt haben.
wurde er zum Direktor der ersten Unterrichts- Abteilung für das höhere Schulwesen ernannt und ihm auch die Leitung der technischen Hochschulen übertragen.
* Die katholische Kirche und der ost- asiatische Krieg. Infolge des Ausbruchs der Feindseligkeiten zwischen Rußland und Japan ist man, wie unser römischer Mitarbeiter schreibt, in den dortigen maßgebenden Kreisen und namentlich in der Kongregation der Propaganda sehr besorgt um die katholischen Missionen auf dem Kriegsschauplätze, sowie in dessen Umgebung. In den zwei apostolischen Vikariaten der Mandschurei sowie auch im Vikariate Korea wirken die Mitglieder der Pariser Gesellschaft für auswärtige Missionen, welche auch das Erzbistum von Tokio, sowie die Bistümer von Hakodate, Nagasaki und Osaka leiten. In der Mandschurei wurden während des großen Boxeraufstandes fast alle Niederlassungen, Kirchen und Schulen der Missionare zertrümmert und vernichtet. Die Wiederherstellung des Zugrundegegantzenen war durchaus nicht leicht. Es fehlte an den nötigen Geldmitteln und Arbeitskräften, denn erstens ließ die Regelmäßigkeit der Entschädigungszahlung seitens der chinesischen Regierung schr zu wünschen übrig, dann aber kr-m die russische Besetzung der Gegend dazwischen, und der Bau der transsibirischen Eisenbahn verdreifachte die Löhne der Arbeiter und die Preise der Lebensmittel und des Materials. Und nun wird alles Wiedererrichtete und Aufgebaute in Frage gestellt, denn man steht hier ziemlich klar voraus, daß die dortigen Missionen bald neuen Schaden erleiden werden. Man fürchtet, daß die Boxer und ihr Anhang die Kriegszeit nicht unbenutzt vorübergehen kaffen werden. In Korea, dem Zankapfel zwischen Rußland und Japan, ist die Lage durchaus nicht besser. Während des 19. Jahrhunderts hat die dortige Mission die größte Zahl von Märtyrern des christlichen Apostolats geliefert: 3 Bischöfe und 11 Priester fanden dort den Helüent->d. ,Jg dey . letzten Zeiten. konnte man eme Besserung der dortigen Zustände konstatieren: die Zahl der koreanischen Katholiken war auf etwa 52,000 gesti gen. Es wirken dort unter dem apostolischen Vikar Titularbischof Mutel, 2i Priester, welche 27 Kirchen und Kapellen, 521 Stationen, 5 Wohltängkeitsinflitute, 1 Seminar, sowie 31 Elementarschulen mit 400 -rchül rn unterhalten. Außerdem wirkt dort ein französischer Frauenorden in Schule und Kronken- pstege. — In Japan selbst ist zwar die äugen- dl-ckliche Lage der christlichen Mission etwas günstig>r,^doch fürchtet man wegen der mehr oder weniger ausgesprochenen Freundschaft Englands mit Japan den Einfluß des ersteren zu gunsten der Protestanten. Außerdmt aber liegen die dortigen katholischen Institutionen fast ausschließlich in den Händen französischer Missionare, Ordensgeisttichen und Schutschwestern und die Allianz Frankreichs mit Rußland könnte für Japan möglicherweise als Vorwand genommen werden, die Lage der Christen dort zu einer schwierigen zu gestalten. Di- katholische
Missionen müßten in erster Linie die ortsansässigen Handwerksmeister und Genossenschaften berücksichtigt werde». (Beifalls rechts).
Abg Dr. Eickhoff (fr. Vp.) befürwortet eine kräftige Verkehrs- und Personalreform, sowie eine Postunion mit Holland und der Schweiz. Den Hen trums-Resotutiouen werde seine Partei zustimmen. Zum Schluß befürwortet er den von seiner Partei eingebrachten Antrag auf Vorlegung einer Statistik betr. die Krankheitsfälle und Todesfälle bei bin Postbeamten.
Staatssekretär Kraetke trat der Auffassung entgegen, als ob unter Len höheren Postbeamten ein Notstand bestehe und als ob die Postverwaltung ihn dur ch Mangel an Vorau?ficht veranlaßt habe. Ein Vergleich mit den Verhältnissen gleichklasfiger Beamte», rote die Richter und Oberlehrer, falle durchaus nicht zu mt- gunsten der höheren Postbeamten aus.
Abß. Fürst v. Radziwill (Pole) führte Klage über die Ehikauierung, der die polnische Bevölkerung durch Ueberroeisung von Postsendungen mit polnischer Adresse an die sog. Uebetfetzungsstelle ausgesetzt sei.
Abg. Schrader (fr. Vgg.) meinte, im Großen und Ganzen könne man mit der Postv rwaltung wohl zufrieden fein; zu tadeln sei nur die Stellung des Staat s- selretärs zur Frage des KoalitionsrechtS der Uuter- beamten.
Abg. Böchler («irisch. Vgg.) bemängelte, daß tn die Versammlungen von Post-Unterbeamten »Aufpaffer" geschickt würden, die feststellen sollten, welche Beamte an der Versammlung teilnähmen. Dadurch halte man, zwar die Beamten von den öffentlichen Versammlungen fern; in Briesen und Zuschriften komme aber nachher die Unzufriedenheit der Beamten um so drastischer zum Ausdruck. Weiter forderte Redner, daß mit dem „roarenhäuslerischen" System der Anstellung von weiblichen Arbeitskräften im Postdienst gebrochen werde.
Abg. V. Stockmann (Rp.) trat für Besserstellung der Lanrbriefträger ein. Der Zentrums Resolution, betr. Ausdehnung dec Sonntagsruhe auch auf die konfessionellen Feiertage könne er nur zustimmen, wenn bloS diejenigen Beamten vom Dienst befreit würden, deren Konfession der» Feiertag habe.
Dio Abgg. Ia-iu.z (As.) und Hug (Ztr.) forderten eine Erhöhung oes WohnungsgeldzuschuffeS: Letzterer forderte gleichzeitig eine Vermehrung der definitiven Stellen und regte an, die Würltemdergischen Postan- rveisungsformulare mit Umschlag im Reichkpostgedrete einzuführen.^ „ „ „ „ „
Abg. v. TrenerrfelS (fonf.) tritt für Besserstellung der Pvftagenten ein.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr vertagt.
Schluß Uhr.
Die Tugend der Gastfreundschaft ist seltener geworden, unsere Vorfahren hielten sie mehr in Ehren ÄS wir. D-e Selbstsucht — ein Hauptübel unserer Seit — hat die Gastfrem dschaft, wenn rächt verdrängt, tzvch etwas zu Ückgcicheucht. Aber selbst da, wo man diese ed e Tugend findet, b steht immer ein Unterschied w der Art und Weise, wie sie geübt wird. Er kann Ate Gastfreundschaft geben, wlche das H-rz erwärmt, «d eine andere, die 's kalt läßt wie Eir, die «ich s »euiger als Tugend ist, sondern eitler Schein, dahinter ber schnödeste iS hrgeiz versteckt liegt. Jene fahrenden Schüler, welche noch im vorigen Jahrhundert, ein Mnzef auf dem Rücken und das Sch^.lzrugnir in 4«: Tasche, im Herbste h-nautsckwörnuen ;>ud en die Pforten der Stifter und Klöster klopften, sie wußten, was Gastfreundschaft war md wo sie sm «ersten g-psftgt wurde. Noch stehen bie und da die Snx.» ®ebou?e einer ehemaligen Prälatur, noch einen in diesen verlassenen Räumen
^V fl,mnflreRUnsfcIi$?tt Saas, auf d ssen Decken b:e Hrern Meister Ehre machen, infflA? Hnne?rnh^CncÜ,i!toctIen' tocrau' gemütliche dpröch- eingegraben find. In diesen Sälen übt* ** ^at,.n AAmt, der heutzutage eine fast ganz «bekannte Erschnnurg geworden ist, den man nirgeods «ehr findet, als in den wemgen Häusern geistlicher Geocssenschaften, we che das schone Oesterre ich Gewahrt: ei war der .Gastmeister" de- Stiftes Wie »ftblich und erqu ckmd klingt dieser Name, den Wir hiermit Sielen vielleicht wieder ins Gebäatuis Äiädtufeu, bei dessen Nennung sich der Eine oder «ec Andere eines freundlichen Mönches erinnert, d.r chw kt feiner Jugend so manche flöhe Stunden be-
daß sie ein Ocdeosklcid trug, fft pfl «te mcme a men Kranken und tröstete unzählige Betrübte. Hoch und N edr.'g bolte sich Rat bei dieser einfachen Frau, in allen Ständen genoß sie die größte Achtung. Dtz Wotfmarerin gehörte, wie ihr Mann, der Geburt nach dem RllSlönde on, das Fuldaer Land war ihre eigentlich; Heimat. Der Jägtr soll, w e mir erzählt worden ist, in seiner Jugend ein sehr wüster Bursche gewesen fein md feiner herzensguten Frau in den ersten Jahren ihrer Ehe Betrübnis genug, aber wenig Freude verursacht haben. Leichtsinn und besonders ein g-wlsses reathab-risches Wesen brachte dieftch Mann zweimal um sein Brot; er konnte sich mit seinen früheren Vorgesetzten richt vertragen und kam, vor acht Jahren zu einer Herrschaft, die fünf Stunderl von hier Güter und ausgedehnte Waldungen besitzt, in Dienst. Das Beispiel seines tugendhaften Weibes, di: außerordeotliche Liebe und Sorgfalt, womit ihS seft.e treue Gattin in einer langwteliaen Krankheit pflegte, änderte Wolsmaiers Sn«. Her e-^fl fr. jähzornige md heftige Mann wurde saust wir xjn
der früher wüste, dem Spiele und T unke- erg bene Jäger würde vet v lichte, »ste und sparsamste Hausvater. Wolsmaier, der in feinet Jugenv ungläubig gewesen toor, lebte und starb als frommer Ehr st. Ich habe diese Mitteilungen aus dem Wunde eines mir befreundeten P arrerS, zu dessen P>arr- ktndern der verlebte Jäaer gehörte. Mein F,e..nd sagte mir oft, daß die Wolsm-ner'sche Familie seiner Pfarraemeinde wahrhaft zu Eibauung diene. Nach kern Tode ihres Mannes fiedelte die Wittwe mit ihren Ktndern in unser Städtchen über und lebte der Erziehung ihrer Kinder, den Hebungen der Andacht uit1' den Werken der Barmherzigkeit, die sie irellich in so hohem Grade nicht hätte auSüben könne«, wenn sie nicht immer gute Leute gefunden kälte, deren mildtätiger Sinn ibrem flammen <?if .r zu H lse kam. Sehen Sie, Herr Oberst, dort auf dem Fiied» hofe neben der Piankirche steht man einen Ärabsteü» zwischen den hölzernen Kreuzen, er bezeichnet be»
86. Sitzung vom 18. Februar 1904.
Eröffnung: l1« Uhr.
Die Beratung fce3 Etats des Reichspost- amis wird beim Gehalt des Staatssekretärs fort« gesetzt.
Abg. Xr. Tröscher (kous.) bringt eine Reihe von Wünschen zur Sprache, die sich mit den vom Abg. Gröber geäußerten decken, und befüiwoitct weiter eine Busbefferuna der höheren Postbeamten. Bei vielen dieser Beamten, namentlich bet den Poslinfpektoren, bestehe eine Dienstverdroflenheit. Allgemein klagten die höheren Postbeamten über ihre schlechten Avancements- verhältniffe. Man könne den Wünschen der Post- praktikanteu, Inspektoren und Direktoren auch bei der heutigen fiiauz-ellen Lage gerecht werden. Bei Sub-
Wlc ke rcn vo.t unserer Abschweif ng zurück und finden den Pfarrherrn und seinen Aast vach becnsigter Mahlzeit Noch in tramichem Geip-äche beisammen fitzen, während der Adjutant bereits weggegangen war. Auch der K-plau stand im Begriffe, sich zu entfernen; er machte eine ebenso freundliche als respektvolle Verbeugung gegen die beiden Herren und sagte: „§etr Stadip'arrer, ich wollte noch einmal in gefällige Erinnerung bringen, daß morgen der Jahrrstag für die verstorbene Jägerswitwe Wolf- maier zu halten i"f.e
,Es ist gut, Herr Kaplan, daß Sie mit) daran erinnern, ich hätte es sonst beinahe vergessen," er- wiederte der Pfarrer.
Der Oberst sah mit einem forschenden Blicke seinen Wirt an. „Wer war diese Witwe?" fragte er hastig.
„Es ist, gnädiger Herr, anitzo gerade ein Jahr, da starb hier die Witwe deS herrschaftlichen JagerS Sebastian Wolfmaier und hinterließ zwar kein Vermögen, aber zwei Wailen; ein Mädchen von achtzehn und einen Sobn von vierzehn Jahr-N. Diese Frau war eine so betrhrnngswütLigv Erscheinuna. w e mir selten noch eine im Lebe« voraekommen ist. Ich bin nun bald vierzig Jabre in der Seelsorge tätig und habe doch schon manche fromme Seele gekannt, aber teme wie die Wolsmaieri«. Tiefe Frömmigkeit und die tätigste Nächstenliebe waren in tiefer Frau vereinigt und lieben sie, wie man wohl zu sagen pflegt, a’8 einen E. gel in Menschengestalt erscheinen. Die Jägerswitwe besaß, wie ich schon bemerkt habe, kein Verwögen; sie lebte von einer kleinen Pension, welche ihr die H-rrschaft, bei b<r ihr Mann zuletzt Förster war, auSgeietzt hatte, und die häufig kurch ein auß>r- ordevtlicheS Gnadengeschenk noch verwehrt wurde, weil die Wolsmaierin einer solchen Wohltat in hohem Grade würdig war Dieser, wenn auch nickt dürftiger, doch beschränkten Vermögen-Verhältnisse ungeachtet haben die Kranken und Armen meiner Pfarrei w der verstorbenen Witwe ihre größte Wohltäterin verloren. Sie war eine barmherzige Schwester, ohne
Berlin, den 18. Februar 1904.
Die Mittelmeer fahrt des Kaisers »ird nach den neuesten Bestimmungen nun doch Mr Ausführung gelangen. Der Kaiser wird sich, wie aus Kiel berichtet wird, am 4. März in Genua an Bord der Dacht „Hohenzollern", die m Lause dieser Woche Kiel verläßt, begeben und eine mehrwöchige Erholungsreise im Mittelmeer «nterni hmen. Die „Hohenzollern" wird von dem Torpedoboot „Sleipner" begleitet werden, und euch der große Kreuzer „Prinz Heinrich", Kommandant Kapitän zur See Gößler, der in der »origen Woche den Befehl erhielt, sich für eine längere Seefahrt bereit zu halten, wird in Genua bett Kaiser begrüßen und da an der kaiserlichen Mittetmrerfahri terlnehmen. — Die Kaiserin »ird, wie jetzt noch einem Potsdamer Berichter- Katter endgiltig feststeht, auf Anraten der Aerzte »egen ihres leidenden Zustandes, der es auch Vor kmz-m sogar nötig machte, daß sie innerhalb ihrer Gemächer im Berliner Schlosse in einest kleinen Wagen eingefahren wurde, den Kaiser bei der Mittelfahrt nicht begleiten.
"Generallentuaut von Moltke, General- adjutant und Kommandeur der ersten Gard:- division, kommandiert zum Chef des General- fials der Armee, ist unter Veisetzung in den Generalstab zum Generalquartiermsister ernannt worden. An feiner Stelle ist Generalmajor von Löwenflldt mit der Führung der ersten Gardedivision beauftragt worden. " Mit der Ernennung von Moltkes zum Generasquar- tiermkister ist diese seit dem 27. Januar 1903 erledigt gewesene Stelle wieder besetzt, die im Generalstabe bisher immer nur vorübergehend ibestanden hat. Im Jahre 1881 wurde der damalige General der Kavallerie, jetzige Ger^ral- NdNarfchall Graf ifon" Waldersee Generatqüai> tier-meister und war es bis zum August 1888, wo er der Nachfolger des Grafen Moltke wurde und an die Spitze des Generalstabs trat. Seitdem blieb die Stelle 8 Jahre unbesetzt, dis Genera! v. Oberhoffer am 18. April 1896 in dieselbe berufen wurde und am 22. März 1902 «ls Nachfolger den Generalleutnant v. Bülow erhielt, der am 27. Januar 1903 die Führung des 3. Armeekorps Übernahm.
* Ministerialdirektor Dr. Friedrich Althoff, der Leiter der ersten UntsrrichtSabtcilung tm preußischen Kultusministerium, vollendet am Freitag, den 19. Februar sein 65. Lebensjahr. Fast 22 Jahr» gehört er als einer der schoffms- fteudigsten Mitarbeiter dem Kultusministerium an, nachdem er vorher Professor an der Universität Straßburg gewesen, an deren Neugrü.zdnng er in dervorrogerldeur Maße beteiligt war. "Seine Berufung nach Berlin als Dezernent für das preußische Unioetsitä'swffen, erfolgte im Jahre 1882 und 15 Jahre später, am 1. April 1897
Maer W Zeitung
wochenbellage:„Illustrierte Sonntagzzeitung" m»natrb«uag«: „Zulöaer Geschichtrblätter".