M des Abgeordneten 4. Köslin) fortgesetzt, llen nach dem Protest
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31. Jahrgang
gulda, Donnerstag, den 18. Februar 1904
M 39
i.
strschetwi täglich, mit Hnsnel)wt der Soei=
Zeiertag«. viertel- Mrl.verugzprei, ohne vringerlohn unb VeitekgeldinZuldaunb euiwärts 1 Mk. M Pf9-
landesgerichteS in Düsseldorf zugegangen. Nach diesem Vorschlag sollen vom Oberlandgerichtsbezirk Köln die Landgerichtsbezirke Cleve, Tüffeldorf und Elberfeld abgegliedert werden, vom Oberlandgerichtsdezirk Hamm die Bezirke Duisburg und Essen. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten des Gesetzes ist noch nicht vorgesehen; er soll durch Kgl. Verordnung bestimmt werden.
* Die kriegerische» Operationen gegen die Hereros beginnen bereits ein frischeres Tempo einzunehmen. Nach einer Privatmeldung aus Okahandja, trafen am Sonntag nachmittag auS Großvarmen Veterinärrat Rieckmann mit 20 Berittenen der Schutztruppe ein und meldete, daß ein Trupp Hereros mit Viehherden in den Komasbergen stehe. Auf diese Meldung marschierte am Sonntag abend die Kompagnie Lieber nach Ankamaruza und besetzte es. Wie gestern schon telegravhisch gemeldet, haben bei Autjo und Gobabis Gefechte staltgefunden, in denen die Hereros zurückgeschlageu wurden. - Outjo liegt ganz im Norden des Aufstandsgebietes, Gobabis im äußersten Osten von Windhuk. Hier wie dort sind also die Operationen in erfreulichem Fortgang begriffen.
f Danzig, 17. Febr. 1904. Im Atter von 65 Jahren ift hier gestern nachmittag Herr Buchdruckereibesitzer H. F. B o e n i g nach längerem Leiden gestorben. Der Verstorbene war eine in Danzig sehr gut bekannte Persönlichkeit. Sein gerades Wesen hatte ihm viele Freunde gebracht und besonders die Redakteure, die in seinem Geschäfte tätig gewesen sind, werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Er hat allezeit die Interessen des Katholizismus verfochten und in den schwersten Zeiten treu zu Thron und Altar gestanden. Der Verlag des Meftprrußischen Volksblatts' geht auf den ältesten Sohn des Verstorbenen über. R. I. P.
getrennt, vorzulegen.
Diese Resolutionen führten zuttnrrschr öS«*' dehnten Debatte, die noch nrcht zu Ende geführt wurde.
Donnerstag: Weiterberatung.
Schluß 8,«6 Uhr.
X.
War ein schöner Tag im Herbste 1815. Auf der Straße, weiche nach dem Lar.dstädtchen führte, worin vor nun sechs Jähren Major Remmert übernachtet hatte, zog eine lange Reih: von Reitern hin. 8s war die Mannjchast eines österreichischen Dra- gonerreg-ments, die aus dem zweiten Feldzuge in Frankreich nach ihren Standquartieren in Böhmen zurückkehrte und heute in dar S ädichen eintucEte, worin morgen Rasttag gehalten wurde. Die Soldaten waren lustig und guter Dinge, aus ihren Reihen tönte ein Reiterlied, wer konnte eS hören und sich nicht freuen, wenn die Schlußstrophe klang: „Wir haben halt unfern Kaiser,
Den Franz'l gar so lieb."
Langsam, fast nachlässig gingen die Pkerde; man hatte Zeit, um da« Quartier zu erreichen. Hie und da plauderten urb scherzten einige Dragoner recht munter zusammen oder stellten mit mißtrauischem Blicke eine stknaue Durchforschung ihrer Fel flasche an, ob die- tt'be wirklich bis zum letzten Tropfen geleert sei. Jetzt eilte der Trompeter Halt, die Spitze des Zuges
J?rT, i Stadttore an gelangt. Ernst und feier- . en d,x alten Eteinoilder über dem Tore auf die Kr-egerfcha-rr tn weißen Mänteln nieder, verschämt schäme des Torwarts Töchterlein au» dem Fenster hinttr mächtigen E-serstäden. In streng militärischer Ordnung hielt das Regiment fttreit Einzug, voran die Trompeter cuf ihren weißen Rvffen, sie bliesen ein munteres Etncklem, das alle Bewohner des Orirs avf die Straße oder wenigstens an die Fenster lockte. Der Wurzkrämer in der Hauptstraße nahm vor lauter Respekt seine Hautwütze ab, zeigte sein eben nicht geistvolles Gesicht im Fenster und lenkte die Aufmerksamkeit der Soldaten auf die merkwürdige Blldung
Verantwortlich« rchrlf1leiter:Zos.va»m.
I.ÄSÄ«. wockM-llage: „Illustrierte Sonntagszeitung
Berlin, den 17. Februar 1904.
—* Der Präsident des Reichstages, Graf Ballestrem, hat auf dem jüngsten Festmahle des deutschen Landwirtschaftsrates eine Rede gehalten, dieselbe liegt nunmehr im Wortlaut vor. Graf Ballestrem sagte u. a.: „Ihr Vorsitzender hat uns zwei Ströme vorgeführt, welche verheerend in das Land eingedrungen sind. Der eine dieser Ströme ging nach den Naturgesetzen stromab und verheerte die blühenden Provinzen von Schlesien, Brandenburg und Pommern. Der andere Strom, der Deutschland und die deutsche Landwirtschaft geschädigt hat, der ging contra naturum stromauf. (Heiterkeit ) Das war der häßliche Strom, auf dem das Getreioe aus überseeischen Ländern in großen Massen stromauf gebracht wurde und unsere Landwirtschaft schädigte, indem sie unser unter großer Mühe und saurem Schweiße gewonnenes Getreide im Preise warf. Der Herr Reichskanzler hat ja auch in Aussicht gestellt, daß auch gegen diesen verheerenden Strom ein Damm gebaut werden soll. Und die Bauleute sind schon dabei, das sind die Herren, die in fremden Ländern jetzt um dis Handelsverträge verhandeln. Das sind die Bauleute, die den Grund zu diesem Bau legen. Aber es gehören noch andere Bauleute dazu, wenn die Handelsverträge geschlossen sind, dann müssen sie angenommen werden, und dann kommen meine Bauleute, der Reichstag! (Heiterkeit). Aber ich glaube, meine verehrte» Herren Berufsgenossen, auf den Reichstag können Sie sich verlassen, (Bravo!) denn wenn die neuen Handelsverträge landwirtschastsfreundlich ausfallen, dann werden sie meines Trachtens vom Reichstage sicher angenommen. Wenn sie aber nicht landwtrtschafts- freundlich sein sollten, — dann freilich wäre die Sache zweifelhaft. (Bravo.) Also, meine Herren, von parlamentarischer Seite steht weder im preußischen Landtage noch im deutschen Reichstage etwas entgegen, daß diese beiden großen Dämme auf- gebaut werden. (Bravo!) Meine Herren, es ist für mich etwas ganz besonders Erfreuliches, zu sehen, wie Reichstag und deutscher Landwirt- schastsrat zusammen harmonieren. Sie haben in Ihrem Präsidium Reichstagsmitglieder, und der Reichstag hat zu seinem Präsidenten einen Agrarier gewählt. (Heiterkeit.) Daraus können Sie erkennen, eine wie große Uebereinstimmung zwischen beide» herrscht."
* Keine russischen Säbel in der deutschen Armee. Der Kaiser sollte nach einer Zeitungsmeldung bekanntlich dem Obersten von Schenck beauftragt haben, von dem Kaiser Nikolaus von Rußland Muster der russischen
Anzeige«: Die ein- spaltige Petttzeile ober deren Kauet 15 Pf-. Reklamen die Petttzeile 25 pfg.; bei wieder- hciungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag 6t zuldaerActiendruckete in 8«lda (Harmonie) Zernsprechtr Ur. 9.
35. Sitzung vom 17. Februar 1904.
Eröffnung 1 '/« llür. ,
Am Bundesratstische: Graf Posadowskq, Frbr. v. Stengel, Kraetke.
Erster Gegevstand der Tagesordnung rst die Dritte Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend Atnderung der Reichsschuldenordnung.
In der Generaldiskussron wtrd das Mc.t nicht verlangt. Zur Svezralberatung liegen mehrere, vom Abg. ü. Strombett (Z.) gestellte Abävderungsau- träae vor, welche u. a. die UmloufSsnst der Schatzanwett ungen auf zwei, beziehungsweise fünf Jahre begrenzen wollen.
Zur Geschäftsordnung erklärt
Abg. v. Strombett (Z), daß er dre gestellten Ab- änderungkaniräge auf den Wunsch ferner politischen Freunde zurückziehe. „
Das Gesetz wird debatteloS und unverändert angenommen. __________________
Ml-meisters Röschen.
Ernt Novelle von C. Pfaff.
------ (Nachdruck verboten.)
' den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß in der Statistik der deutschen ReichS- post- und Telegraphen Verwaltung bezüglich der mittleren und niederen Beamte» ver Post- und Telegraphenverwaltung ettre eingehende Nachweisung veröffentlicht werd »bet die tägliche Dienstzeit, die Sonntagsruhe, insbesondere die Ruhe am Sonntag vormittag, die Ruhe- taae und den Erholungsurlaub.
2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Bestimmungen überdreSonntagsruhe der Postbeamten im Reichspost- gebiet Anwendung finden sollen auch auf ote* jeniaen kirchlichen Feiertage, welche am Ort des P^iamls von der Mehrheit der Bevölkerung gefeiert werden. .
eine Resolution Erzberge- und Genossen (Zentrum), die verbündeten Regierungen zu ^suchen, die bestehende Portovergünstrgung für Post,en- düngen an Personen des Soldat en st and es am die den eigenen Bedarf betreffenden Postsendungen von Soldaten in die Heimat auszudehnen;
endlich eine Resolution Dr. Müller-Sagan (fr. «».): den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Rerchs- tage alljährlich eine Uk bei sicht über die K r an k- hetts- und Todesursachen der Beamte» und Unterbeamten der Reichspost- und Telegraphe» verwaltung, nach den verschiedenen Kuttgorre«
Hierauf wird die Beratung des Etats des ReichS- amts deS Innern fortgesetzt. Der Rest bet einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats wrrd debattelos bewilligt.
Jm Extraordinariumwerdrnzum Bau von Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte 5 Millionen Mark (gegen das Bor,ahr eine Million mehr) gefordert. _
Der Titel wurde nach kurzer Debatte benstlltgt, eberrso debatteloS der Rest deS Etats deS RerchSamtS des Innern.
ES folgt der Etat des Reichspostamts.
Hierzu liegen eine Reihe von Resolutionen vor und zwar eine Resolution der Abgg. lOrober und
umhtisvrang, einem Kreisel gleich, den ein Knabe mit seiner Peitsche treibt.
„Viber, Herr Br-tzenge'ger, was haben e>te denn gemacht, Sie haben ja den Herrn Regimrnttdoktcr dem Wurzkrämer zügtschneben; wissen's denn nicht, daß er zum Stach« lwirt will, was er extra bestellt bat!" rief der geschäft'ge Monn dem Sradtschreibtr zu, der in vollem Lau'e vom Rathause gerannt kam und wie zum Zeichen seiner Würde die Feder hinter dem rechten Obre fitzen gelassen hatte, während sein Kinn zur Hälfte in ein; hohe, steife Krcvatts vr- sunken war, die man nichts weniger als modern nennen konnte. Der Stadlschrriber bat den mit den RalSschcffen vlauletnden Doktor viel hundert Mol um Verzeihung und änderte auf der Straße das Billet, indem er sich feines Knies als Schreibtisch bediente. Beifällig nickte der Doktor zu dieser Veränderung seiner QuartierS. und sein Gesicht, daS eine etwas unnatürliche, in Blau schillernde Röte zeigte, heiterte sich auf, als « den Namen des Stachelwirtes las.
„Der Herr Oberst und sein Herr Adjutant kommen nebst zwei Burschen zum Herrn Stadrpfazrrr; bitte mir die Gnade aus, die Herren'elbst in ihr Quartier führen zu dürfen," sagt- der Ratsschöffe zu dem Obersten, und schritt mit wichtiger Miene, den Hut in der Hand, vor den Offizieren her nach ihrem Quartiere, während ein alter Wachtmeister Herrn Hafenbrädl eben einen „Malifizhund" zudachte, weil dir Billett, welche der alte Krieger unter seiner Mannschaft verteilen mußte, so unleserlich geschrieben waren, daß man weder die Hausnummer, nvck den Namen des QuartietträgerS lesen konnte. Die Mannschaft zerstreute fich in ihre Ekartiere, nachdem den Soldaten wiederholt eingeschärtt worden war, daß um drei Uhr der „B'rleS" fiat finde.
Noch immer harrte die Spilalvögtin am Fenster ihrer Wohnung mit größter Ungeduld auf die Ankunft ihrer Eirquatierung. Tie ehrgeizige Frau war fist überzeugt, doß ihr HauS heute einen Ofizer bewirten dürfe. Nachdem fie lange gewartet hatte, sah sie endlich einen Reiter langsam die Straße herabkommen, der zwei müde Pferde em Zugel führte. Da» Atußere d-s Seifert verriet gerade nicht, daß
Offizierssäbel mit Lederscheiden zu er. bitten, da man sich in Deutschland nut der Absicht traqe, die stählernen Scheiden durch solche aus Leder nach russischem Muster zu ersetzen. Die Meldung ist, wie die «Norddeutsche Allgem. Zeitung' erklärt, in allen Punkten erfunden.
* Unter der Uebetschrift ,Opfer der Ku«, «erfalte' erzählte neulich die .Preußische Korrespondeuz', daß das Warenhaus für Armee und Marine eine Zuschrift eines Mitgliedes — Abänderungen der Uniformen betreffend — en die Militärbehörde abgegeben habe und daß diese Nachricht ihr von einem im Warenhaufe be- fchäftigten Offizier zugegangen sei. Jetzt erklärt die genannte Korrespondenz, fie sei das Opfer einer groben Täuschung geworden.
** Nachstehende Resolution ift zur 2. Be> ratung des Etats des Reichsjustizamts von den Abgeordneten von Maltza und F,reiherrn zu Wartenberg und Penzlin eingebracht worden: „Der Reichstag wolle beschließen, im Falle der Annahme der Antrages Gröber und Genossen die verbündeten Regierungen um gleichzeitige Einbringung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, nach dem zur größeren Sicherung der beim Betriebe von Kraftfahrzeugen Verunglückten, gegenüber mittellosen Kraftfahrern, die Kraftfahrer zu einer Genossenschaft nach Vorbild des Unfallberufsgenossenschaft vereinigt und beitragspflichtig erklärt werden, und diese Genossenschaft den Verunglückten für den Schaden aufzukcmmen hat."
** Der Gesetzentwurf betr. die Gründung «euer Ansiedelungen in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Posen, Schlesien, Sachsen und Westfalen ist am Dienstag dem Herren- hause zugegangen.
)( In der Wahlprüfnngskommission des Reichstages wurde am Mittwoch die Verhandlung über die Wahl von Brock Haufen In verschiedenen Fällen als Wahlurnen Kästen, Töpfe verwendet, die Kuverts der Reihe geschichtet und auf diese Weise die Stimmabgabe der einzelnen Wähler kontrolliert worden sein. Es wurde hi Aussicht genommen, das in dieser Beziehung bei dieser und weiteren Wahlprüfungen sich ergebende Material zu sammeln und in freier Kommission eventuell Vorschläge für den Reichstag betr. die Verwendung von Wahlurnen festzustellen. — Die Wahl des Abg. von Brockhaufen wurde beanstandet uni) Beweiserhebung über eine Reihe von Protest- behaupiungen beschlossen. — Auch in Sachen der Wahl des Abg. Münch-Ferber (ntlb) wurde Beanstandung und Beweiserhebung über eine Reihe von Protestbehauptungen beschlossen.
§ Dem Abgeordneteuhause ist ein Gesetzentwurf betr. die Schaffung eines Ober- seines Geruchvrganes, das Hügel und Vertrefung-n deutlich unterscheiden ließ. „DaS ist gewiß der Herr Oberst," flüsterten die Nachbarn einander zu, auf den stattliche-, Mann deutend, welcher cn der Spitze des Regiments ritt und dessen Brust der Maria Tüerrfien- orden schmückte; ein ernster Herr mit festgeschloffenen Lippen und straffer Haltung und dabei doch ein gewisser Zug von Herzensgute im Gesichte." Der mag weder Furcht noch Tadel kennen, dachte mancher bet fich, der den Obersten sah.
„Abe»seht mal das schmucke Herrle; nein, der läuft Allen den Rang ab," hieß eS jetzt i» der Menge, als die zweite Schwadron des Regimentes kam, deren erster Zug von einem jungen O fizier geführt wurde, welcher einen prächtigen stahlgrauen Hengst ritt. DaS Tier schien zu wissen, wen eS trug, so edel war sein Gang, so freudig sein Wiehern, wenn es einmal daS stolze Haupt erhob und die Nüstern weit öffnete, wenn es zu courbrttieren anfing, was feilt Herr aber hinderte, denn es mußte streng milttärischer Schritt gehalten werden. Dieser Retter war in der Tat eine schöne jugendliche Gestalt, sein Wesen batte etwas Gesetztes, ohne im mindesten frühalt oder finster zu erscheinen, alle Bewegungen des jungen Mannes waren leicht und gffällrg, mit einem Worte, es war ein echter Kavalier. Wie er mit so viel Anstand die ritterliche Sitte zu wabren wußte und vor jeder Dame am Fenster seinen Säbel uiedersenkte, mochte eS nun eine junge schöne Maid sein oder eine Matrone mit verwitterten Zügen. Selbst die Sprtalvögtin war von dem schmucken O,fizier gegrüßt worden, was ihr von manchem Mägdlein vergönnt wurde, denn je--r Dame hatte im ganzen Siädich-n die giftigste Zunge, und in ihrer allwöchentlich stattfindenden Kaffeege- selffchaft wurde, strenges Sittengericht über die gesamte Einwohnerichaft geholten. Auf dem Markte machte dar Regiment Halt, die Quartirrbilttite wurden verteilt; man mußte den ersten Ratrschöffen, Herrn Melchior Hafenbrädl, sehen, welcher die zur Z.it erledigte Bürgermeistirstelle versah und jetzt mit Verteilung der Mannschaft in ihre Q artiere beschäftigt war; wie der kleine Mann in dem zimmetbraumn Rrcke zwischen den Soldaten und Pferden geschäftig
Maer
Zeitung
moMtsbtiiage: „zuldaet GeschichtsblSttet".
Abgeordnetenhaus.
21. Sitzung vom 17. Februar 1904.
Eröffnung«: 11'« Uhr.
Beratung der Ausgaben des Etats der HanbeiS- und Gewerbeverwallung. „ „
Zum Titel l „Ministergehalt' find folgende An- ttäoc GsfteUt *
1. Antrag Fuchs (Ztr.) betreffend die Barte» Haussteuer. . , ,
Der Antrag ersucht die Regrerung, noch in dieser Session das Gesetz dahin zu ändern, daß dadurch ein wirksamer Schutz des Mittelstandes gegen die ihm durch das B-rdriugen der Warenhäuser drohende Gefahr gegeben ist.
2. En Antrag Funck (fr. 83p.).
Die Regierung soll eine Abänderung des 9 e» werbesteuergefetzes von 1891 vornehme«. Es mühten die unteren Steuerklaffen durch progressive Gestaltung der Steuer erleichtert und außerdem gestattet werden, doß bei Berechnung des Betriebs- und Anlagekapitals die Abzugs- fähigkeit der Kapitalschulden gewährleistet werde.
er em Liealing der Grazien sei, und sein auffallend starker Schnurr- und Kmörlbart erhöhte daS u ürrische AuSsehkn dieses Mannes noch, der in nickst sehr freund- lich:m Tone der grau Vögtin zurief: „Sie beko .-«m einen Osfizierburschen und zwei Pferde ins Quoriier!" woraus die Lngcredrte mit Heftigkeit das Fenster zuschlug.
Wir folgen dem Obersten in sein Quartier, dm» fich am einen Ende der Siadt befand, wo die Stadt- Pfarrkirche, ein stattlicher Bau mit einem hoben, spitz- auslaufenden Turme, sich erhob. Die Glocke de* Turmes läutete eben in feierlichem Tone zum Angelus, und die Kirchenuhr schlug die zwölfte Stunde. Neben der Kirche lag das Pfarrhaus, einige hohe Ulmen beschatteten den Platz vor demselben, ihre Blätter fingen gelb zu werden an. Die Pfarrwohnuug hotte ein still freundliches Aussehen, und wer ihren zeitigen Inhaber vor der Türe ftthen und so freund» lich lächeln sah, wie es eben der Fall war, bet mochte denken, daß die-rs ein xastsreunNicheS Han» sei. Auch unser Oberst faßte dies günstige Borurteil; eS wurde bei ihm noch bestärkt, als ihn der freundliche P'arrherr über die Hauiflur nach dem Wohnzimmer führte, denn auS der im Hintergründe liegenden Küche drang ein fo angenehm würziger Duft hervor und Der breitete fich über die ganze Hausflur, daß ein sehr Erschöpfter und Ermatteter durch diesen Dust allein schon aufgerichtet worden wäre. Diesem Umstände ganz entsprechend zeigte sich da» Innere des pfarrlichen Wohnzimmers, worin bet Tisch bereit» gedeckt war, an welchem der Oberst und sein Adjutant gemeinsam mit ihrem gastfreundlichen Wirte und dessen Koplane dos MittagS^ht ein nehmen sollten. — Wir wollen diese Herr« in ihrer nunmehrigen Tätigkeit ungeßöit lasse«, auch ihren Tischgesprächen, dir fick meist um freundliche und unfreundliche Quartiere und Quartierträger di edlen, nicht lauschen, sondern lieber — selbst auf die Gefahr hin, daß mancher KiilikuS auf dürrer Heide nnS darob zürnen sollte — einen kleinen Exkns über die Vast- fteundschaft kalten, welcher vielleicht den Beifall rares oder deS anderen unserer Leser finden dürfte.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich