zulda, Mittwoch, den 17. Februar 1904
Berlin, den 16. Februar 1904.
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JlusdemQmdtag,
Ruhe und weniger Gefahr. Aber ich habe damals Politik gemacht wie ein Stadtverordneter."
* Der Reichstagswahlkreis Cschwege- Schmalkaloen, wo für den wegen Wechfel- fälschung verurteilten Fabrikanten Seyboth am Montag eine Ersatzwahl stattfand, ist für bte FreisinnigeVolkspartei verloren. Die Wahl ergab, wie schon gestern kurz gemeldet, die Notwendigkeit einer Stichwahl zwischen dem Antisemiten Raab und dem Sozraldemo- traten Hugo. Bei der Hauptwahl am 16. Ium v. Js. wurden 4546 Stimmen der Freisinnigen Volkspartei, 6486 sozialdemokratische, 3812 reichsparteiliche und 3309 antisemitische Stimmen abgegeben. In der Stichwahl siegte dann der freisinnige Kandidat mit 10 348 Stimmen über I den Sozialdemokraten, der 7039 Stimmen erhielt. Die Freisinnigen wurden damals von den Nationalliberalen unterstützt, die diesmal aber die Parole für den Kandidaten der Reichs- partei, den früheren Reichstagsabgeordneten Gutsbesitzer von Christen, ausgegeben hatten. Da dieser Beschluß unter den Parteigenossen im Wahlkreise auf Widerspruch streß, ist wohl anzunehmen, daß den Freisinnigen ein Teil der natirnalliberalen Stimmen verblieben ist. Nur die sich der Hilfe des Bundes der Landwirte erfreuenden Antisemiten haben diesmal gegen die vorjährige Wahl einen Stimmenzuwachs erlangt und zwar von mehr als 1200 Stimmen. Die übrigen Parteien haben eine nicht unbeträchtliche Einbuße erlitten, die Sozialdemokraten von mehr als 600 Stimmen. In dem Wahlkreise ist die Entscheidung von jeher erst in drr Stch- wahl gefallen.
* Gegen die Befürchtung der liberalen Börsen« presse, daß an der Börsenpanik der ersten Tage voriger Woche das Börsengesetz die meiste Schuld trage, wendet sich in seiner letzten Nummer auch der ,Deutsche Oekonomistft dem sicherlich niemand Börsenfeindschaft nachsagen kann. Er findet die Ursache des Kurssturzes in der Aus- I dehnung des Spekulationskretses auf kap.tal-
bti der Beschickung drr Weltausstellung in St. Laut nicht gerecht behandelt sei.
Mittwoch: Fortsetzung.
Winkler mit einem Teil der Ablösungstruppen unterwegs war. Nach einer Meldung des Majors von Glasenapp sollte ein Teil der Hereros, wie ein Gerücht wiffen wollte, sich bei Hobabis verschanzt haben, um das Abtreiben des Diehes nach Betschuana Land zu decken. Nun sind jedoch unsere Truppen schon zwischen Seeis und Windhuk auf den Feind gestoßen. Seeis ist etwa 60 Kilometer von Windhuk entfernt, »ährend die Entfernung bis Gobabis etwa 200 Kilometer betragt.
* Die Schulde« des preußische» Staates. Rach dem 55. Bericht der Staatsschulden- kommifsion über die Verwaltung des Staats- schuldenwesens im Etatsjahre 1902, welcher stieben dem Herrenhause vorgelegt worden ist, belief fick die Schuld des preußischen Staates > em 31. März 1902 auf: 6 865 304545 Mark, em 31. März 1903 betrug sie: 6888914619 Mark, sodaß sie also in dem EtatSjahre 1902 gewachsen ist um 23610073 Mark. Am 31. Mürz 1902 waren bei der Verzinsung der Schuld an rückständigen Zinsen verblieben: 18300942 Mark. Einschließlich dieser Summe belief sich der Betrag, welcher an Verzinsung fte die Staatsschuld im Etatsjahre 1902 zu zaPen war, auf: 252 935 229 Mark. Davon find gezahlt: 236356816 Mark, sodaß am 31. März 1903 rückständig blieben: 16 578412 Mark. Es sind erspart worden an Zinsen für die getilgten Beträge der Schuld: 18 240 Mark, durch Verjährung sind erspart: 69907 Mark. Für planmäßige oder durch bestehende Gesetze »orgeichriebenL Tilgung wurden verausgabt: 3757821 Mark. An Verwaltungskosten
für die Staatsschuldenverwaltung wurden aus- ygeben: 967412 Mark. Bekanntlich verwaltet dir preußische Staatsschuldenverwaltung auch die Reichsschuld. Als Vergütung für diese Tätig-, —n — _r ■ ■ ..
feü wurden vom Reich an sie gezahlt: 217 400 schwache oder garnahezu tapitaUofe Elemente, bte Mark. Die in dos Staatstchuldenbuch auf geringe Einschüsse bei den Banken sich un-
eingeschriebenen Summen ,betrugen am 31. März 1902- 1577 323650 Mark und am 31. Marz 1903: 1629887550 Mark. Von der letzteren Summe waren eingetragen sür physische Personen: 727 558 400 Mark, für juristische Per- sonen: 617 979100 Mark. Für außerhalb Deutschlands wohnende Gläubiger waren eingetragen: 62 754 050 Mark. An. Gebühren wurden gezahlt: 65600 Mark. ,
* Dr. Chrysauder, der seither nie publizistisch heroorgetreten ist, veröffentlicht in der .Bergedorfer Zig/ eine kleine tntettffante Erinnerung an den Fürsten Bismarck. Ec erzählt: Die ernsten Nachrichten aus Ostafien erwecke folgende Erinnerung: „Die größte Torheit meines diplomatischen Lebens«, so sagte Fürst B-smarck halb scherzend, „war der Berliner Kongreß. _ ^ch hätte Rußland und England sich gegenseitig I raufen und auffreffen lassen sollen, wie die zwei
verantwortlicher Mrtftititer:3of.Baiun,
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ledachterrveise an der Börse in umfangreiche Spekulationsgeschäfte engagieren und bann, wenn infolge irgend welcher Vorgänge ein Kursfall eintritt, sofort sich zur Vornahme von Verkäufen zezwungen sehen, da sie in ihrer Mittellosigkeit )ie geforderten weiteren Einschüsse auf ihr Konto nicht leisten können. „Für die Banken selbst, bemerkt das Blatt weiter, sind solche Reinignngs- irozesfe recht einträglich; denn sie erhalten damit Gelegenheit, die auf den Markt geworfenen Effekten zu niedrigen Kursen zu erwerben; ihr @ in treten al? Käufer in solchen Perioden muß aber doch erkannt werden, weil sonst leicht auch die Kapitalisten, die als seriöse Besitzer von An- agepapieren anzusehen sind, deren eigene Urteilskraft aber nicht soweit reicht, um die Situation u erkennen, von Angst befallen, ebenfalls zur Veräußerung ihrer guten Effekten schreiten. Die Kosten des Verfahrens tragen allein die mittelosen Spekulanten, und das mit Recht, auf Teilnahme anderer Kreise dürfen sie keinen Anspruch erheben. Das Spekulieren mit fremden Gelbe ist und bleibt verwerflich und ein in hohem Grade gewagtes Spiel, weil nicht selten die ganze Existenz des Spekulanten von der jeweiligen Tendenzveränderung abhängig ist, und steht dem drohenden Verhängnis jederzeit mit völlig gebundenen Händen gegenüber.«
* Sonntagsruhe der Postbeamten. Zum Postetat ist weiter folgende Resolution der Zentrumsfraktion imMeichstage eingebracht worden: „Der ReichNag wolle beschließen: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Bestimmungen über die Sonntagsruhe der Postbeamten im Reichspostgebiet Anwendung finden sollen auch auf diejenigen kirchlichen Feiertage, welche am Ort des Postamtes von der Mehrheit der Bevölkerung gefeiert werden."
Mldmeisters Röschen.
Eine Novelle von S. Pfaff.
------ (Nachdruck verboten.)
e*b Stiertage. viertel MrtzSejng,preis Hfytt vringerlohn unb vrße5gelbi«Sulda«nb w*»ärt« t mt. 50 pfg
1 Ein neues Gefecht i« Südwestafrika, »re aus Okahandja gemeldet wird, gatte die Kompagnie Fische! am 14. d. Mts., abends Mischen Seeis und Windhuk auf dem Wege nach Gobabis ein Vorpostengeplänkel zu bestehen. Verluste auf unjerer Seite: tot: Seesoldaten Mahnke, Luttermüller und Schneider, schwer verwundet: Seesoldat Henze (linker Oberarm, Hand), leicht verwundet: Gefreiter Arndt. Die Toten wurden auf der sogenannten „Schwarzen Klippe« begraben. — Die Kompagnie Fischet > ---i— ™
»ar mit zwei Geschützen und einem Maschinen- Löwen tm Walde, von denen nur: z gewehr dem Gros des Expeditionskorps unter Übrig blieben, dann hatten wir p tzt mehr t> fl ß, Major v. Glasenapp nach Windhuk vorausge-' ” •*- 9fher T<h hflbe ba’
eilt, um dort zu Faß und nur mit dem notwendigsten Gepäck versehen, den Vormarsch nach Gobabis anzutreten, wohin Oberleutnant von
31. Jahrgang.
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Abgeordnetenhaus.
20. Sitzung vom 16. Februar 1904.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Die Generaldebatte beim Etat der Berg-, Hütte«- und Salinen-Berwaltung wird fortgesetzt.
Abg. Stötze! (Zentrum) deto» t, das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern würde im Bergwerksbetriebe rncht so gespannt geworden sein, wen« die Regierung die vom Zentrum vorgetragene* Wünsche der Bergarbeiter berücksichtigt hätte. Man solle dies zum mindesten bei der nächsten Novelle zum Berggesetz nachholen. Der Redner verwies weiter auf die Bedeutung der christlichen Gewerkschaften als Gegengewicht gegen die Sozialdemokraten.
Abg. Korfaniy (Pole) verbreitete sich dann über Verhältnisse in Oberschlesien. Er behauptete, e8 belehr unter den Bergbeawten Korruption, sie ließen sich bestechen. Dem Zentrum hielt er vor, rS trete jetzt energischer als früher für die Bergarbeiter ei«.
Die Behauptung von der Korruption bezeichnet Minister Möller als Verleumdung, was ihm eine« indirekten Ordnungsruf des Präsidenten von Kröcher eintrug?
Dasselbe passierte dem Abg. Voltz (natlb.) der die oberschlesischen Grubenbesitzer gegen Korfaniy in Schuh nahm.
Abg. Brust (Zentrum) widerlegt die Behauptung Korfantys, das Zentrum trete erst jetzt entschiede, für die Bergarbeiter ein; er konnte Hinweisen auf die seit 1890 alljährlich gehaltenen Reden der Abg. Stötze», Letocha und Dasbach. Weiter beklagte er die großen Schwierigkeiten, denen der christliche Gewerkverem begegne. Man bezeichne die durchaus paritätische Gewerkschaft mit größtem Unrecht als eine ultramontane Parteisache. Zu bedauern sei es auch, daß in dem Knappschaftsverein in Bochum die Arbeitervertreter unterdrückt würde».
Abg. Hirsch-Esten (ntl.) versuchte bte christlichen Gewerkschaften mit den sozialdemokratischen auf eine
34. S itzung vom 16. Februar 1804.
Die^Berawng deS^EtotS dcS Reichsamts des Innern wird fortgesetzt bei den°wmaUSknAu?gaben (Reichszuschuß zu den Kosten der Basstellung in St. £°U Slba. Sinner (sozd.) verteidigte alle Ausschreitungen der Sezession, wie sie sich insbesondere in den Witzblättern ,Jugend' und ,SimplizisstmuS' brett machm, wobei er das bayerische Zentrum mit Angriffen nicht Ce^S°onte Staatssekretär Graf Posadotvsky wurde daS Recht des Kaisers, seine künstlerische Auffaffung zu vertreten, betont. ,
Abg. Kirsch (Ztr.) trat der Auffassung entgegen, als ob das Zentrum heute eine andere Ansicht über di« wahre Kunst habe, wie früher bei der lex Hetntzr, was man aus der gestrigen Rede des Abg. Dr. Spahn bat folgern wollen; davon könne ketne Rede "e n. Die Ausschreitungen der Kunst bekämpfe das Zentrum genau so wie bei der lex Heinhe-Beratung. Das schließe nicht aus, daß in einer Fraktion, die 100 Mitglieder Habe, der Kunstgeschmack nicht bei allen Herren derselbe ser. Einig sei man nur darin, daß die sogenannte Sezession
Liebe zu danken, welche Sie uns erwiesen haben, indem Sie den Auftrag eines so edlen Mannes erfüllten, dem wir nicht anders lohnen können, als durch unser frommes Gebet, damit der Himmel dem Herrn von Truchseß vergelten möge, was er an uns getan. $a, Herr' Major, es ist, als ob der Allmächtige feine Liebe unb weise Fürsorge für die, so auf ihn vertrauen, uns durch Ihr Erscheinen hätte zeigen wollen In demselben Augenblicke, wo Sie vor unfern Hause anlangten, sprach mein Mann davon, wie der Himmel uns vielleicht ganz unerwartet eine Hilfsquelle eröffnen werde, woraus wir die Mittel zur Erledigung von Verpflichtungen schöpfen könnten, die wir tinzugehen gezwungen waren und die unser sonst so zufriedenes und stilles Leben durch die Erinnerung an ihre drückende Last manchmal trübten.«
Mit der größten Aufmerksamkeit hatte der Offizier die Wor e Röschens angehört. „Das ist merkwürdig, in der Tat merkwürdig«, sagte Remmert und rieb mit nachdenklicher Miene seine Stirne.
Wolfmaier hatte sich indessen etwas gesammelt; mit den freundlichsten Worten bat er den Major, sich wieder zu setzen; der Jäger erzählte nun seinem Landsmanne die Geschichte mit dem Darlehen und knüpfte hieran die Schilderung seiner ganzen Lebensschicksale. Rötchen war unterdessen hinausgegangen, um in der Küche einige Erfrischungen für ihren Lands - mann zu bereiten. Wäre sie im Zimmer gewesen, sie hätte das ganze Schuldbekenntnis ihres Mannes hören können, welches dieser mit einer Offenherzigkeit vor Remmert ablegte, daß Letzterer innig gerührt wurde; Röschen hätte aber auch hören können, welchen Einfluß sie auf Wolsmaier geübt habe und noch aus- übe. Die Schilderung, welche Wolfmaier von seiner Gattin und ihrem ebenso geräuschlosen ^^segensreichen Leben und Wirken entwarf, war die Schtlde- rung eines engelgleichen Weibes Mit derselben Offenherzigkeit sprach der Jäger über die einstigen Beziehungen des Herrn von Truchseß zu seiner Gatttn. „Ja, Herr Major, sie war seiner würdig
„Hab find es doch nicht. Biele meiner Landsleute, unter denen ich eben kurze Zeit verweilte, er- euwrn sich Ihrer noch, und e8 gibt edle Seelen, »eiche, wenn gleich der Heimat entrissen, doch ihrer Landsleute noch in hochherziger Weise gedenken. Haben Oie den Baron Heinricki Truchseß von Wetzhausen gelaunt?« fragte der Major.
„Den habe ich gekamft," sagte Wolfmaier mit dem Ausdrucke der Verwunderung. Röschen wurde sichtlich verlegen.
„Im Auftrage dieses trefflichen Mannes komme «h 5” Ihnen, er ist mein Wohltäter geworden und w® auch der Ihrige werden."
„Wie soll ich da! verstehen, bester Herr?« fragte be» Jäger.
. „Ich werde Ihnen nachher mitteilen, wie ich mit dem Rittmeister zusammeugekommen bin, der Ihre BerhLttmffe kennt, wie ich sie kenne; jetzt also zur Sache, die mich hierher führt. Als ich mich von Barv« Truchseg verabschiedete — es find drei Monate her — übergab er mir eine Summe von sechrhundert 6uftes mir der Bestimmung, bei meiner Ankunft in der Heimat die »ine Hälfte dieses Betrages meiner alten Base Gertrud zu überwachen."
,Lch, nicht wahr, der alten Gertrud in der Ohm- goflc zu Felda. Seht sie noch?" fiel Röschen em.
„Sie haben also bte atme Witwe getonnt; im", |e lebt nicht mehr, und dies gerade änderte die Be- lisw.ni’g des Rittmeisters; jene Summe fällt nach ietara ausdrücklichen Wunsche nun Ihnen zu."
Der Jäger und seine Frau saßen wie versteinert da: Wolfmaier sah bald Den Major, bald wieder Mschen an; er wußte nickt, was er über diese
Botschaft sagen sollte; seine Ueberraschung ließ ihn keine Worte finden.
Der Offizier fuhr fort: „Ja, diese Summe ist fortan Ihr Eig'N'um, und ich habe die Ueberzeugung, daß dieses G schenk i« Hände kommt, weiche den besten Gebrauch davon zu machen wiffen, Aber mehr noch! Rittmeister von Truch'.eß übergab mit außerdem lür Sie noch die besondere Summe von dreihundert Gulden, so daß ich Ihnen also den Gesamtbetrag von sechshundert Guleen zu überbringen habe."
Bei diesen Worten erhob sich Major Remmert von seinem Sitze, holte ein Portefeuille aus de- Rocktasche und entnahm demselben ein ansehnliches Häufchen von Kaffenscheinen, bann schnallte er eine wohlgefüllte Geldkatze, die er um den Leib trug, ab, und legte sie auf den Tisch.
„Zahlen Sie gefälligst nach, lieber Wolfmaier! Dieses Papierxeld wird 200 Gulden betragen, die Kremnitzer in dieser Geldkatze machen 400 Gulden," sagte Remmert, intern er auf das Geld auf dem Tische w es. , ,
tzWolsmaier war in diesem Auaenblicke nicht im Stande nachzuzählen; er faßte die Hand des Offiziers und blickte stumm und sprachlos in Remmerts Äuge, während Tränen des Dankes über seine gebräunten und durchfurchten Wangen rannen. Röschen schluchzte laut, sie blickte nach dem Kruzifixe an der Wand, selbst der Major konnte sich der Tränen nicht enthalten. Wolfmaier stürzte au die Brust des Lffiz-erS und begann seinen Dankgefühlen Raum zu geben, aber laut ei Minen unterbrach seine Worte.
.Braucht der Worte nicht, ich verstehe Sie schon, lieber Landsmann; die Freude, den Auftrag des edlen Rittmeisters glücklich erfüllt zu haben, wiegt mir alles auf, was Sie mir jetzt sagen würden." Remmert hatte Mühe gehabt, diese Worte vorzubringeu.
Endlich sagte Röschen, die sich von dem Eindrücke dieser freudigen Ueberraschung etwas erholt hatte: „Lieber Herr Major, mein Mann ist zu sehr ergriffen, ich muß seine Stelle vertreten, um Ihnen für die
WWW WMg “ rnonatsbeitoge: „Sulbaer Geschichtsblätter".
Stufe zu stellen.
Abg. Stuft (Ztr.) trat dem entgegen.
Abg. Dr. Heisig (Ztr.) beklagte Maßregelungen der Hüttenarbeiter m Gleiwitz.
Hierauf wurde die Generaldebatte geschloffen und der Antrag Hirsch (freis. Bp.) bett, die Reform deS KuappschaftSwesens abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur das Zentrum, Freisinnige und Polen.
Bei der Spezialdebatte trat Abg. Brust (Zentr.) für eine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne ein.
Abg. Dasbach (Ztr.) ersuchte den Minister, seine» an die Studenten der Bergakademien gerichteten Erlaß gegen das Duellunwesen die Androhung scharfer Strafen für die sich duellierenden Bergbeawten folgen zu lasse» Aba. Dasbach benutzte gleichzeitig die Gelegenheit, b« neuliche Behauptung des Abg. v. Eynern, er sei 87mai wegen Preßvergehen bestraft, richtig zu stelle«. In Wirklichkeit sei er nur 8mal bestraft.
Nach werterer unerheblicher Debatte wurde dann der Etat der Bergverwaltung genehmigt.
Vom Handelsetat wurden heute nur ernt® Einnahmetitel genehmigt, wobei sich Erörterungen lokaler Natur entspannen. ,
Handelsminifter Möller nahm Gelegenheit, einmal zu erklären, daß er der Förderung der Baugewerkschulen große Bedeutung beimeffe und dann, daß die geplante Einführung der obligatorischen Nachweisung für das ganze Reich die Berst-atlichung der Aichämter in Preußen zur Folge haben solle. Die Frage, ob und eventuell wre hoch die Gemeinden dafür entschädigt werden müßten, stehe noch offen.
Mittwoch: Fortsetzung.
und ich war dieses Weibes unwürdig, aber ohne sie wäre ich verloren gegangen," so schloß der Jäg>r seine Rede.
Röschen brachte die Erfrischungen herein. Sie breitete ein blendend weißes Tuch über den Tisch unb stellte porzellanene Tassen daraus, die so sauber gespült waren, daß ihr noch zu erwartender Inhal: noch einmal so gut schmecken mußte. In einem irdenen Topfe von brauner Farbe brachte die geschickte Hausfrau heiße Milch, die sie durch Zusatz von Eiern und Kandiszucker noch schmackhafter gemach: hatte: ein angenehm erwärmendes Getränk, das marin einigen Gegenden Deutschlands unter dem sonderbaren Namen „Hoppelpoppel" kennt. Sie stellt- Butter auf den Tisch, die so schön gelb war nne dn Blüte de» Hahnenfußes, und eine Honigscheibe fugte sie hinzu, deren Anblick zum Genuffe ein laden mußte Wolfmaier erhob fich von seinem Sitze und nahm einen Sch»siel von der Wand; unter höflichen Sm fckuldigungen verließ er für einen Augenblick seinen Gast; balo kam er wieder und brachte auf ein« Teller dne Rauchwurst, die einzige, welche et «odi in seiner Vorratskammer hatte.
„Aber das g-ht nicht, Sie dürfen die Zurüstungen zu dem Imbisse nicht allein übernehmen, ich muß mic: in die Geschäfte teilen," sagte lächelnd der Majc und eilte zu dem Schlitten hinaus, dessen Befpannun in einem nahen Stadel einstweilen untergebracht war während der Kutscher auf der Ofenbank eines ih' befreundeten Bauern in süßem Schlummer lag, ai dem ihn bald die Stimme der kleinen Agatha wecke sollte, damit der rüstige Pferdelenker in dem Ha« des Jägers ebenfalls sich erqiide Bald erschien d> Major wieder und pellte wohlverpackle Flasch t Bordeaux auf den Tisch, sie batten den wette« W i von Nürnberg bis in diese Waldeinsamkeit mit zurü-. gelegt.
Unter traulichen Gesvrächen nahm die Uei; e Gesellschaft das einfache Mahl ei", Remmert erzählte viel ans seinem Leben und schilderte ausfthr