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e.fcaJÄ-. wodttnMiaae:„Illustrierte$onntagsy>itung"
monatsbciiage: „Zuldaer Geschichtsblätter".
Julia, Dienstag, den 16. Februar 1904.
31. Jahrgang.
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rufsgenoffenschaften und ihre Vertrauensärzte.
ten ihre Hand böten. Dieser Angriff auf die
Berlin, den 15, Februar 1904.
deutscher Industrieller Herrn Bueck mit dem
Die DiSkusfio» über diese Kunstdebatte soll Dienstag
fortgesetzt werden.
i flus dem Reichstag
Deutsches Reich
’ Aus dein [andtag,
diesem Auoe, in diesen zitternden Lippen dr» tief I bewegten Manne?, in der Andacht, welche sich aus seinem ganzen Gefichre ausdrückte, noch mehr lesen. । War es nicht, alS wen« dieser Mann vor dem Bilde des Gekreuzigten Abbitte tat für all das Unrecht, welches er einer Gattin zugesügt, die eine so treue Schülerin des Heilandes war?
Tiefe Stille herrschte in dem kleine« Zimmer; Sebastian war noch immer schweigsam und in sich I gesammelt. Da wart die Sonne des Dezembertog»s einen übet auS kreundlichen Strahl durch die Fenner I scheiben, die gefiederten Sänger finge« alle in ihren Käfigen h.ll und froh zu fingen a ', und die Wachtel schlug so voll und freudig, wie man er noch niemals gehört hatte. Aller erschien so feierlich und festlich: । eS war ein Versöhnung-fest!
Nach einer Weile sagte die Frau zu chrem Manne, der seine Arb it wieder aufg'nowmen halte und ^tinahe damit zu Erde war: „Aber, lieber Wolfmaier, I uuiycuuumiru yaucu. rju mir oow gar zu was hast Du mir heute so viel Schönes und Rührendes I drückend, fremden Leuten etwa- schuldig zu sein. Em gesagt, eS hat mich aufs Tiefste ergriffen und ist mir überaus schmerzliches und beschämendes Gefühl ergriff
"« BcweiS Deiner jetzigen guten Sinnes- mich, als ich an einem der letzten schöne« Herbsttage und Denkungsart, die mir, seitdem ich sie gewahrte,''" *— ““ v R“
fo unendlich viel Trost und Beruhigung gewährte, wofür in täglich dem Himmel danke. Ob ich zu Deiner Sinnesänderung mitgewirkt habe, weiß ich nicht, sollte mir aber der Himmel diese Gnade haben zu teil werden loffen, ich würde um keinen Preis der Welt mein, wenn auch noch so geringe- Verdienst hingeben, keine Stellung — und wäre fie noch so glänzend — würde wir den Trost ersetzen können, durch meine Liebe zu Deiner Rettung betgetragen zu haben. Sollte am Ende in Erfüllung gegangen sei«, wa- meine Patin, die verewigte Revierjägerin in Schwarzbach, kurze Zeit vor meiner Verheiratung, als ich ihr — Du wirst mir diese» Geftänvnis nicht übel deuten — von meiner damals bestehenden Abneigung gegen unsere Heirat erzählte, sagte: „DaSj Opfer, welches Du dem Wille» Deine» «ater» brächtest, würde vielleicht nicht unbelvhnt bleibenf
war damit aus persönlichem Entgegenkommen für schreibt da Herr Bueck, well es erstmS absolut ibn einverstanden, sowie ich auch der Anficht war, * "- - - — •
daß angesichts des Verhaltens der übrigen Hausbewohner eine Nichtbeleuchtung der drei Vorder- senster meiner Wohnung eine leere Demonstration sein würde!" Ob die „Genossen" nun über das schreckliche Verbrechen ihres Parteifreundes beruhigt find?
I an dem Hofe vorüberging; die Bäurin stand gerade unter der Türe und rief mir auf meinen fteundlichen „guten Abend" zu: „Aber Woffmaier, wie steht e-
I denn mit dem Kapital? Mein Kätherl hält bald Hochzeit mit des Hofbauers in Bernried Sohn, und da hab' ich Geld zur Aussteuer nötig; schaffet also, daß Ihr da- Darlehn mir nächsten- znrückbringt." Diese Worte find mir schwer aus'- Herz gefallen, denn ich kenne die Bäuerin; obgleich ich ihr die Zinsen mir schweren sechs Prozent immer pünktlich aus ten festgesetzten Tag bezahlt habe, ist fie doch, wenn da» Kapital in nächster Zeit nicht abgetragen wird, im Stande und klagt mich bei Gericht an oder verhandelt mit dem nächsten besten Juden. Wenn wir un» aber noch so sehr einschräuken, waS bei den j tzigen hohen Preisen der Nahrungsmittel schwer hält, und ich neben «einem Einkommen mir noch so viel Nebenverdienst al- möglich zu verschaffen suche, so dürste e» mir kaum möglich sein, bi» nächster
»Ja, das i« in Erfüllung gegangen, gute Rosa, vollständig in Erfüllung gegangen!" rief Wolfmaier und reichte feiner Frau die Hand, die tief bewegt vor ihrem Manne stand und voll innerer Rührung | nicht- mehr vorzubringen wußte.
Da- Zwiegespräch ruhete einige Minuten. Wolfmaier war mit seiner Arbeit fertig geworden und stellte den Topf mit Zweigen vor da- Fenster,'sinnend sah er auf da- Gefäß nieder. Nach einer Weile wendete er sich um und sagte zu seiner Frau: „Weißt Du, RöSSen, waS mir noch zawellen wie eine drückende Last auf dem Herzen ruht, die ich gar zu gerne abwälzen möchte?'
„Nau waS denn, lieber Sebastian?"
„Daß wir in meiner letzten langwierige« Krankheit haben Schulden machen wüffen. Wen« ich nur der Bäurin oben auf dem Einödhose die dreihundert Gulden abtragen könnte, welche wir damals al» Kapital ausgenommen haben. Ist wir doch gar zu
* Der Bund der Landwirte hielt heute im ZirkuS Busch seine Hauptversammlung ab. Sie war wieder stark besucht. Mindestens 6000 Personen waren anwesend. Wieder wurden unter vielem Beifall sehr kräftige Reden gehalten. Für alle anderen wird gesorgt, nur nicht für die Landwirtschaft, diese werde mit Versprechungen abgespeist, das war der rote Faden, der durch dir Reden ging. Im allgemeinen gewinnt man doch aus den Verhandlungen den Nndruck, als habe der Bund seinen Höhepunkt überschritten und sei der Enthusiasmus der Versammlung nur Strohfeuer. Es wurde u. a. eine Resolution angenommen, in der unverzügliche Kündigung der Handelsverträge gefordert wird. Der deutsche Landwirtschafisrat hat bekanntlich vor einigen Tagen dem Reichskanzler lebhaften Beifall gespendet für seine Reden, worin die sofortige Kündigung abgelehnt wurde. Nach dem Geschäftsbericht zählt der Bund 250,000 Mitglieder. Die hatte er schon vor zwei Jahren.
§ In einer als Manuskript gedruckten Bro- j
Versicherungswesens.
Bei der Forderung de- Etats für dis Welt-Ausstellung in St. LouiS rügte Abg. Dr. Tpahm (ZtrO, daß die sezesfioniflifchen Künstler nicht genügend berück«
eingeschlagen hat. @8 wird hier also den „»«- bündeten Regierungen" direkt der Vorwurf der Begünstigung der Sozialdemokratie gemacht, und es wird vielleicht jetzt notwendig werden, gegen die Mitglieder des Bundesrat- disziplinartsch einzuschreiten!
** Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat Vertreter der süddeutschen Regierungen zu einer Konferenz auf den 22. Februar d. Js. eingeladen, in der allgemeine Grundsätze für weitere Vereinfachungen in der Verkehrs
ausgeschloffen ist, daß ein aus unserem bestehenden Wahlrecht heroorgegangener deutscher Reichstag zur Bekämpfung der von der Sozialdemokratie und ihren Organisationen ausgehenoen rechtlosen Zustände entrücken wird, selbst wenn die verbündeten Regierungen geneigt sein sollten, zu diesen Zwecken nochmals gesetzgeberisch vorzugehen, und weil zweitens eine solche Geneigtheit ebensowenig zu erwarten ist, da die sozialpolitische Gesetz, gebung der verbündeten Regierungen einen mehr und mehr der Sozialdemokratie und ihre Zwecke begünstigende Richtung
Aerzte brachte wieder den Abgeordneten Dr. Mug- dan in Harnisch. Dann aber hatte das grausame Spiel denn doch ein Ende. DaS Kapitel wurde bewilligt.
Inzwischen hatte sich die Besetzung des Hauses nicht unbeträchtlich gebessert. Die folgenden Kapitel wurden ziemlich rasch erledigt. Doch kam die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern noch nicht ganz zu Ende. Bei den einmaligen Ausgaben, und zwar bei der Forderung für die Ausstellung in St. Louis, wurde abgebrochen, nachdem sich der Abgeordnete Dr. Spahn der Sezesfion, die amtlich so schlecht behandelt wird, etwas angenommen hatte.
)( Der Kaiser empfing am Sonntag vor- mtttag in Audienz den Kardinal-Erzbischof Fischer und demnächst den Domkapitular Scheuffgen. — Zur Mittagstafel war geladen der Kronprinz, Kardinal-Erzbischof Fsscher, Dom- । kapitular Scheuffgen, Kaplan Jansen, Herzog I und Herzogin v. Croy, Fürst und Fürstin Fer- dinand von Radziwill und Wirklicher Geh. Rat Dr. v. Lucanus. Heute morgen sprach der Kaiser beim Reichskanzler vor.
* In der letzten Versammlung des zweiten Berliner Wahlkreises wurde bekanntlich der Rechtsanwalt Viktor Frankl von einem „Genossen" denunziert, weil er an Kaisers Geburtstag die Fenster seiner Wohnung illuminiert hatte. Von einem Ausschluß des Missetäters aus der Partei wurde nur abgesehen, weil Fränkl in einem Artikel der .Zukunft' sich selbst außerhalb der Or-
SmJ? t ?reD!* 1 on den sozraldemokra- schüre des Geschäftsführers des Zentraloerbandes ^lgendermaßen: „Der Besitzer deutscher Industrieller Herrn Bucck mit von i ««p v« nni Je« Hauses, in welchem ich wohne, batte wie Titel „Die Organisation der Arbeitgeber" AW f«?”- bie anderen Mieter auch mich bitten lassen, am wird ein Schlachtplan zur Niederwerfung der 27 <>-^- -n Arbeiter der deutschen Arbeitgeberschaft unter-
- ■. ausstellen zudürfen. Ich breitet. Die Arbeitgeber müssen Selbsthilfe üben.
27. Januar von ihm gelieferte Lichter in den Fenstern unfern Räume aufstellen zud "
feiet,«bg. Ttadthageu leistete sich wieder eine der bei ihm nicht fei’en en wüsten Ausschreitungen gegen die Ordnung deS Hause». Seine Hesligket richtete sich gegen den Abg. Frhrn. v. Hehl (ntl.). Dieser hielt seine frühere Behauptung aufrecht, daß die Sozialdemokratie s. Z. gegen die Maßnahmen zur Unterdrückung deS Wuchers gestimmt habe
Staatssekretär Graf PofadowSky erklärte, da» koloffale Anwachsen der Berufungen in Rentenstreiti-« leiten mache eine Reform de- Rentenfeststellungsver- fahrens notwendig.
Abg. Molkenbnhr iEoz.) versuchte, die Zunahme der Beschwerden den «erzten in die Schuhe zu schiebe». Diese seien bereit, jeder Schäbigkeit einet BerufSgenoffen- schast die Hand zu bieten.
Abg. Mugdan (sreis. Vp.) protestierte gegen eine solche Beleidigung deS AerztestandeS.
Dann wurde das Kapitel ReichSversicherungSamt
83. Sitzung Dom 15. Februar 1904.
Eröffnung 1'/« Uhr.
Die Beratung deS Etat» deS Re ich Samt - bei Innern wird fortgesetzt beim Kapitel „ReichSver-
Die fozialdemolratischen Abgg. FräSdorf, Schmidt- Berlin und Stadthagenerörteitennochmal» die Aerzte- frage und die Rechtsprechung de» ReichSverficherungS- amtS. Dabei machte der Abg. Schmidt den Beamte» des ReichSverficherungSamtS, die zum größten Teilanf einem durchaus wohlwollenden, arbeiterfreundliche« Standpunkte ständen, den Borwurf, daß sie de» Be- rufsgenoffeufchaften gegenüber nicht energisch genug
AbgeordueteuhauS.
19. Sitzung vom 15. Februar 1904.
Eröffnung 11 ’/« Uhr.
Am Ministertisch Handelsminister Möller.
Die geschäftsordnungsmäßig 4 Wochen nach der ersten Wahl vorzunehmende definitive Wahl de» Präsidenten und der beiden Bizeprästde«- ten ergibt die Wahl deS bisherige» Präsidiums durch Akklamation.
bewilligt.
BermKapttel .AuffichtSamt für Privatver- ficherungen" versprach der Staatssekretär auf eine Beschwerde des Abg. Werner (Antis.) eine Prüft«« der Berhältnifle der Biktoria-verficherungSgesellschost zu Berlin. Er erklärte dabei, er halte im allgemeine« die BolkSverstcherung für einen wichtigen Zweig de»
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
87 ------ (Nachdruck verboten.)
„Das ist nur zu wahr, Du hattest für mich, de» Unwürdigen und Undankbaren, nichts als Ber -eibung, frommes Gebet und die stillen Tränen, welche Du rb meines bek agenswert-n Leben- ver° xffest. DaS waren dir Waff-n, womit Du meine Zügellosigkeit bekämpft, mit denen Du mich besiegt hast. Deine Tugenden, die meinen Leidenschaften ÄeraH in den Weg traten, Deine Liebe, welche nie ermüdete, sondern mich stet» begleitete und in den schweren Prüfungen, die über mich ergangen find, SMend önb’ermuntem mir zur Seite stand, find M »am Heile geworden und haben wich vor dem Mkderben gerettet, vor dem zeitlichen und, so Gott will und worum ich täglich bitte, wohl auch vor ße« ewige». Sieh', liebe Rosa, c- ist mir, al» MKßir ich Dr heute Alle- sagen, wa» in meiner Brust lebt. Da habe ich häufig schon so bei mir »eoacht, wenn Du die Gemahlin de» Baron Truchseß M»mb« wärest, so lebtest Du jetzt vielleicht in tu«}eitben Be> hältnissen, in einer hohen Stellung mtt« vornehmen Leuten - und ich?--nun ich
«Xn« bbXJ" fcem trudel eine- wild bewegten
uatergegangee, so aber---*
de, Manne-, welcher so offene Be- VhHRifif Re'trte ‘J krwte nicht weiter reden, zierlich au» Elfenbein \®Übe H'^side», weites an der Wand
Hing. In de« traneufenchieu Luge Sebastian, konnte *w den Dank l sen, welchen et in diesem Luae. - Mi* dem Saöpfer dar brachte, da» er ihm fo »oße Wohltat dmch dcS Geschenk einer christlich st»««« Satti« erwieftn hatte, die so viele Leiden «ch Trübsal« mit einer Geduld ertragen hatte, die Mw einer gläubigen Seele eigen ist. Man konnte in
Frühjahr nur ein Bierreil der Schnldjnwme abzu- tragen, eS sei denn, daß wir wieder ein andere- Anlehen machten, vm die Bäuerin zufrieden zu stellen, und vor neuem Schuldenmachcn habe ich allen Respekt, ich weiß au- meinem früheren leichtsinnigen Sehen, was das für Verlegenheiten bringt. Nun der Mensch denkt und Gott lenkt; vielleicht öffnet sich uns, ohne daß wir e, ahnen, eine Hilftqu-lle, woran, wir die Mittel zu: Erfüllung wenn auch nur eine» Teste» dieser lästigen Verpflichtung schöpfen können
Die Rede de- Mannes wurde unterbrochen; Schellengrklingel, Peitschenknallen N"d der ermunternde Zuruf eine» Kutscher» an seine Pferde ließ sich vernehmen. Der Hund auf der Treppe vor de« Hänschen schlug laut an.
„WaS ist da»?" rief Röschen und bückte neugierig zum Fenster hinan».
Gin Schlitten, mit zwei kräftigen Pferden bespannt, kam den Hrhlweg herab; die schweißbedeckten | Tiere hatten Mühe, daS Gesälrte durch den Schnee zu bringen. Bor hm House WolfmaierS hielt der Schlitten an, der Jäger urd seine Frau eilten vor die Türe. Ein Herr, der gegen die Hätte wchlver- packt und geschützt war, wand sich au» dem Schlitte«, schlug seinen Mantel mit dim stattlichen Fuchspelze zurück und eine clänzende Uniform wurde fichibar. Mit gewaltigen Sätzen rprc»g der Herr durch den Schnee und eilte die kleine Treppe hinauf.
„Wohnt hier der gräfliche Jäger Sebastian SBolf» moier?' fragte der Herr in Uniform.
„Der bin ich, Mi» Herr/ amwrttete der Jäger.
„Und das ist wohl Ihre Gemahlin?"
«Zu dienen."
„Dann seien Sie mir als Landsleute herzlich gegrüßt. Sie werden erlauben, daß ich einen Augenblick bei Ihnen einkehre; ich habe einen für mich und für Sie erfr-ulichen Auftrag zu etffiQen," sagte der Offizier und trat mit er den freundlichsten Verbeugungen der beiden Sh<-lente in da» Wohnzimmer. Röschen brachte schnell einen Stuhl für den Fremden und bat ihn Platz zu nehmen; im Fluge eilte fie dann
........ . , leitung zw fchen den beteiligten Staatsbahnen
ES finden fich, meinte er, immer wieder Aerzte, gemeinsam erörtert werden sollen.
die zu jeder Schäbigkeit der Berufsgenoffenschaf. | 0 Es ist selbstverständlich, daß «ufere
' ' ~ ..... Marine aus allen Vorkommnissen des russisch-
japanischen Krieges ihre Lehren ziehen wird; sehr bedeutende Lehren aber hat bis jetzt, schreibt die ,Nat.-Ztg', der Minen krieg gegeben. Seit mehreren Jahren ist auf Initiative des Staatssekretärs von Tirpitz, der ja zuerst als Kapttön- leutnant bei dem Torp- dowesen weite Aufmerksamkeit auf sich zog, die Errichtung einer Minen- Versuchskommission bei unserer Marine erfolgt. Sie hat ihren Sitz in Kiel und dest ht aus einem Präses, einem Korvettenkapitän, dem als Referenten 8 Kapitänleutnants und als Assistenten 3 Oberleutnants zur Seite stehen. Der Präses der MinenversuchSkommisfion ist zugleich Kommandant des Spezialschiffes. „Pelikan", ein Referent zuglei h Kommandant des SpezialschiffrS „Otter". Die Arbeiten der MinenversuchSkom- mission entziehen fich selbstverständlich der Oeffenl- lichkeit; fie sollen aber sehr fruchtbringend und anregend nach den verschiedensten Seiten gewesen fein.
OStimmungsbilt aus dem Reichstage.
Der Reichstag hatte am heutigen Fafi- nachtSmonlage unter der Konkurrenz deS ZirkuS Busch zu leiden, wo der Bund der Handwirte tagte. Es muß jedoch gesagt »«Äes, daß auf der Rechten die Leere nicht «ößer war, als in den Reihen der anderen Parteien. ES war also nicht lediglich der Bund der Landwirte daran schuld, daß in den ersten Gtunden kaum 40 Mann anwesend waren. Die Fehlenden versäumten aber auch nichts. Denn die Fortsetzung der Debatte zum ReichS- «ersicherungSamt war in Wahrheit keine Fortsetzung, sondern ein Drehen im Kreise: ES redeten fast nur Sozialdemokraten.
Zunächst polemisierte der Abg. Fraßdorf mit weit mehr Stimmaufwand, als für die paar Zuhörer nötig war, gegen frühere Redner, u. a. fegen den „Genossen" Erzberger. Sehr um- ßändlich erörterte er wieder das Aerztethema; auch suchte er zu bestreiten, daß die Sozialdemokraten bei der Besetzung von Stellen bei Ben Krankenkassen an erster Stelle für die eigenen Freunde sorgen. Abg. Frhr. Heyl zu B-lSheim verteidigte unter vielem Wider- der Sozialdemokralen frühere Ausgen.
Dann kam die Debatte für eine Weile in j em ruhiges Fahrwasser, wiewohl ein Sozialdemokrat sie fortsetzte. Der Abgeordnete Schmidt-Berlin schreit weder so, noch geberdet «r sich sonst so aufgeregt, wie bei feinen Parteigenossen üblich ist. Er spendete sogar dem | MerchsverficherungSamte das Lob, daß seine EKamten größtenteils auf einem orbeiterfreui d- Echen Standpunkte ständen und diesen ihre Entscheidungen erkennen ließen. Desto strenger ging « dafür mit den Berufsgenoffenschaften und chren^ Schiedsgerichten ins Gericht. Staatssekretär Graf v. Posadowsky quittierte bereit* *i»g über das Lob und meinte dankbar, die «Rb«:en Parteien sollten nicht so viel von der ,.W>a des Herrn Bebel" reden. ES wäre ganz §ut, wenn möglichst viele Sozialdemokraten nicht nur Villenbesttzer, sondern womöglich RittergutS- befitzer würden. Wir glauben, die meisten Genossen werden ebenso denken.
Ehe der Staatssekretär das Wort nahm, be- S6 der immer rabiater werdende oder vielmehr
i anstellende Abgeordnete Stadthagen wieder eine seiner wüstm rednerischen AuSschreUungen. In allen möglichen Wendungen warf er dem Abgeordneten Frhr. v. Heyl Unwahrheit vor. Oege» den Vizepräsidenten Dr. Paasche, der das ni<$t dulden wollte, wurde er ungezogen, wie ein Straßenjunge. Den schimpfenden Genossen ernst zu nehmen, ist kaum noch jemand imstande; lewer kann man ihm auch keinen Maulkorb an- leaen, wiewohl dies sicher selbst manche seiner „Freunde" für wünschenswert halten.
Der Abgeordnete Molkenbnhr war mit der Rechtssprechung des Reichsversicherungsamtes । mcht so zufrieden, wie der Abgeordnete Schmidt- i Derlin, noch weniger jedoch gefielen ihm die Be- i