Maer W Zeitung
Msmtrbeilage: ,,8«lda« Eeschichtsblättei"
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zulda, Montag, den 15. Februar 1904
31. Jahrgang
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vrnck nnb Verlag Znldaer »dieibnidtte in Sülba (Samoaie) Lerniprecher Ur. 9.
lajtifti: Vie tiB» fpattige prtitjette «ktr krtn Hau* 16 Pfg. Xtfiamen die pttthet!« 25 Pfg.; Hi Wieke klungen wirk ewtfps» Rabatt gewähre.
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5. wochenbellagr: „Illustrierte Sonntagzzeitung
):( Deutschland und der russisch- japanische Krieg,
Verschiedene Blätter geben ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß daS Berliner Auswärtige Amt bis zum letzten Augenblicke an der Hoffnung asf Erhaltung deS Friedens festgehalten habe. Sogar nach der Abberufung de. beiderseitigen Gesandten las man in den dem Auswärtigen Amte nahestehenden Blättern: es sei «och nicht sicher, daß es zum Rr ege komme.
Hat man nun wirklich im Auswärtigen Amte bis zum Montag noch an die Erhaltung des Friedens geglaubt? Hat man nur die Versicherungen Rußlands beachtet, das ja in der Tat den Krieg nicht wollte, weil es im Besitze war und durch einen Krieg nichts gewinnen, soudrrn höchstens aus dem Besitze verdrängt werden konnte? Hat man keinen Ueberblick über die Gesamtlage gehabt und nicht erkannt, daß Japan durch das „friedliebende" Rußland zum Kriege genötigt wurde? Wir möchten das nicht annehmen, glauben aber vielmehr, daß die deutsche Regierung nur aus taktischen Gründen bis zum letzten Augenblicke die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens gepflegt hat. Sie hat mühsam wieder ein befferes Verhältnis zu Rußland hergestellt. Griff nun die Ueberzeugung von der Unvermeidlichkeit des Krieges Platz, dann stand zu erwarten, daß in bet deutschen Presse die Frage, wer an dem Kriege schuld sei, in einer für Rußland wenig freundlichen Weise erörtert wurde, vielleicht gar eine leidenschaftliche Kampagne gegen Rußland auSbrach. Das mußte bei dem ohnehin immer noch mißtrauischen Rußland einen ungünstigen Eindruck machen und unser ganzes Verhältnis zu ihm schädigen. Die Ruffen achten sehr genau auf die Stimmung in Deutschland. Unsere guten Freunde, die Franzosen, hätten gewiß auch nicht versäumt, die Mißstimmung gegen uns zu schüren. Die Engländer, obwohl selbst Gegner Rußlands, hätten sich ebenfalls beteiligt. Wir sehen beide ja jetzt schon am Werke, wo bei uns doch von einer Ruffenhetze oder etwas ähnlichem nicht die Rede sein kann. Vielleicht hat die deutsche Reciierung auch, soweit die Sage das gestattete, für dis Erhaltung des Friedens zu wirken gesucht. Sie hätte sich dabei selbst im Wege gestanden, wenn sie nicht zugleich ihr Vertrauen auf die Erhaltung des Friedens hätte be- sunden wollen.
Also wir begreifen die deutsche Regierung vor Ausbruch des Krieges sehr wohl. Nachdem der Krieg nunmehr ausgebrochen ist, wird sie strengste Neutralität beobachten. Sie kann natürlich niemand verwehren, seine Sympathie derjenigen der kriegführenden Mächte zuzuwenden, die ihnen am meisten wert erscheint, und seine Meinung über die Schuld an diesem Kriege zu äußern. Sie hat begreiflicher Weise aber auch den dringenden Wunsch, daß die Stellung, die sie im Jntereffe des deutschen Volkes einzunehmen für richtig hält, ihr nicht durch die Haltung des Volkes selbst unnötig erschwert »erde. Wie im Burenkriege werden da nun wohl vielfach Kopf und Herz in Streit geraten. Die
Ml-meisters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
36 ------ (Nachdruck verboten.)
Wir taffen unsere Blicke auf die Wände des Zimmers ptiten, die mit mancherlei Bildern — meist einfayen Steindlucken — geschmückt waren. Die Bilder behandelten ausschließlich heilige Gegenstände die in einer gewisien Beziehung zu der Beschäftigung chreS BefitzerS zu stehen schienen. Da sah man Et. Hubert, den Patron aller Jäger, man erblickte beit heiligen Eustachius, wie ihm der Hirsch im Walde «sch«nt, zwischen dessen Geweih daS Kreuz in hellem Lichtglanze strahlt. Ein Oelbild, dar cinzrge in dem Beben Zimmer und in der ganzen Wohnung, zog die Unfwerlfamtett jedes Besuchers auf sich; eS war nicht groß, behandelte aber eine der schönsten Legenden, welche das Mittelalter uns hinterlassen hat. St. Bern- Hard, der ehrwürdige Ordensmann au8 der stillen Zelle von Clairvavx, war auf dem Bildchen gezeichnet, wie er auf seiner Rheinfahrt am Waldessäume rastet, in tiefe» Nachdenken über die Gründung eines neuen Klosters seiner Ordens versunken. Au» dem Walde kommt ein Eber; da» sonst so wilde Tier nähert sich ganz zutrau ich dem Heiligen und zeichnet vor feinen tkgen mit dem Ruffel ven Grundriß eine» neuen Klosters hin. Kloster Eberbach erstand aus der 6teCe diese» Ereignisses! Auf dieses Bild mit einem so rührenden Gegenstände der Darstellung waren schon mehrfach ansehnliche Gebote geschehen; aber der Bescher gab eS nicht aus den Händen, „es sei,' be- hanplete er, „ein teures Andenken an seinen Schwieger- Vater.'
Auf der Schublade, deren wir Bereits gedacht
leidenschaftliche Begeisterung für die Buren hat der Regierung ihre Politik unzweifelhaft erschwert, den Buren nicht das mindeste nützen können, un» aber den Haß der Engländer zugezogen, die in der internationalen Politik doch eine ganz andere Rolle spielen als die Buren.
Aehnlich liegen die Dinge jetzt. Rußland ist und bleibt unser starker Nachbar; der jetzige Krieg wird es nicht zertrümmern. Wenn sich bei uns nun eine leidenschaftliche Begeisterung für die Japaner zeigt, und in der Presse und Versammlungen Beleidigungen und Beschimpfungen gegen Rußland gehäuft werden, so werden die Ruffen uns das sicher nicht Der« geffen. Es wird den Franzosen zugute kommen und nach dem Krieg haben wir dann einen erbitterten Feind im Osten und im Westen, und die Zähmung der französischen Revanchegelüste durch die Ruffen würde wohl in eine Ermunterung umschlagen. Die Sympathie der Japaner könnte uns für den Verlust der russischen Freundschaft schwerlich entschädigen, zumal da sie im Falle ihres Sieges vermutlich sehr übermütig werden und dm europäischen Einfluß aus Ostasien zu verdrängen bestrebt sein würden. Es scheint uns demnach, daß die nüchterne Erwägung des deutschen Jntereffes gebietet, der Regierung ihre neutrale Haltung nicht zu erschweren und Rußland keinen unnötigen Anlaß zu Beschwerden über Unfreundlichkeiten des deutschen Volks zu geben. Wie gesagt man kann niemanden verbieten, seine Sympathie dahin zu wenden, wohin er mag; kein Mensch wird in Deutschland große Ruffenbegeisterung erwarten dürfen. Aber es ist auch gut, wenn wir uns in Acht nehmen, daß nicht immer das Herz mit dem Kopfe durchgeht und daß auch die kühle Erwägung unseres Vorteils nicht vergessen wird.
Berlin, den 13. Februar 1904,
* Die Huldigung der deutsche« Katholiken an Papst Pins X. Sine Abordnung des Zentral-Komitees der Katholiken Deutschlands wird unter Führung des Grasen Klemens von Droste Vischering sich nach Rom begeben, um im Auftrage der 50. Jubiläums-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Köln dem hl. Vater die Huldigung der deutschen Katholiken darzubringen. Die Deputation wird voraussichtlich am Ostermontage von Sr. Heiligkeit empfangen werden. — Am Samstag empfing der hl. Vater, wie die .Köln. Volksztg/ meldet, in Privat- audienz den Reichstagsabgeordneten Prof. Frdrn. v. Hertling. Der Papst sprach mit großer Lebhaftigkeit von den Verdiensten der Zentrum spartet und hatte Worte der Anerkennung für ihre Bestrebungen. Ebenso lobte er das Wirken der Görresgesellschast, sprach seine Freude über ihre bisherigen Erfolge aus und segnete beide.
§ Zum Krieg zwischen Rußland uud Japan veröffenttichl der .Reichsanzeiger' sol-
Habeft, lagen einige Bücher, bereit Inhalt nut erbaulicher Natur war unö genußsüchtige Kinder dieser Welt nicht sehr angezogen haben würde.
Aus einer Seitenlüre be$ Z mmers trat eine Frau, welche ein Mädchen an der Hand führte, da» zwölf Jahre zählen mochte. Die Züge dieser Frau ließen auf frühere Schönheit schließen, eine außerordentliche Sanftmut und Gutmütigkeit verriet sich in ihrem Gesichte; aber diese edlen Züge sagten auch, wenngleich leise, daß schwere Leiden jene Eigenschaiien eines guten Herzens noch erhöhet hätten.
„Bist Du mit dem Strauße bald fertig, Sebastian?' fragte die grau.
„Gleich, liebe Rosa! Das soll eine Freude für die Kinder werden, wenn Weihnachten kommt. Wie wird Christian sich freuen, Kirschblüten in der Stube zu seben, während draußen voller Winter und aB;8 mit Schnee und Eis bedeckt ist."
„Wir haben doch so manche wohlfeile und an fich geringe Freuden, die vornehme Leute nicht erheitern würden, während sie unS ftohe Stunden machen,' sagte die Frau und schaute unverwandten Blickes ihrem fleißigen Manne zu.
„Das ist nur möglich, wen» Zuftiedenhrit und Genügsamkeit in einem Hanse wohnt, wie es bei uns der Fall ist. Wir haben ein geringe- Einkommen — was ist er um acht Gulden Monatsgehalt, drei Klafter» Holz und einige Scheffel Frucht eigentlich für eine geringe Sache- — und doch gäbe ich meine Gemütsruhe und meine Zufriedenheit mit einem so bescheidenen Einkommen nicht um daS Geld so manches Reichen, der, immer unzuftieden, nach größeren Schätzen jagt und im Taumel berauschender Genüsse stets mißvergnügter wird, dessen Herz öde und leer ist wie eine Wüste, weil es allen christlichen Tröste- entbehrt, und der keinen Gedanken von fich entfernter hält, als jenen an den Tod, während wir täglich um eine glückselige Sterbestund» beten. Da fällt mir
genbe Bekanntmachung: Nach amtlichen Erklärungen, welche die Kaiserlich russische Regierung und die Kaiserlich japanische Regierung hier abgegeben haben, besteht zur zeit zwischen Rußland und Japan Krieg. Dies wird mit dem Hinzusügen bekannt gemacht, daß hiermit für jedermann im Reichsgebiet und in den deutschen Schutzgebieten sowie für die Deutschen im Auslande die Verpflichtung eingetreten ist, fich aller Handlungen zu enthalten, die der Neutralität Deutschland- zuwiderlaufen.
Berlin, den 13. Febr. 1904.
Der Reichskanzler: Graf v. Bülow.
* Der Neubau des Landtages hat nach amtlicher Mitteilung einen Aufwand von 13054000 Mark verursacht. Auf das Abgeordnetenhaus entfallen 51/« Millionen, auf das Herrenhaus und die beiden Prästdialgebäude 4,2 Millionen. Die innere Einrichtung des Abgeordnetenhauses hat 850 000, die des Herrenhauses und der beiden Wohnhäuser 973 000 Mark erfordert, der Verbindungs- und Ministerbau 363000, das Kessel- und Maschinenhaus 402 000, Nedenan- lagen verschiedener Art 814000 Mark. Der Geheime Baurat Friedrich Schulze hat von den ersten Entwürfen, die er im Jahre 1883 veröffentlichte und die den Haup anfloß zu der Weiterbeförderung des ganzen Bauplans gaben, mehr als 20 Jahre an dem Bau gearbeitet.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Gesetzentwurfes über ländliche Fortbildungsschule« für Hesseu- Nasfa« hat am Samktag in ihrer zweiten Lejung den Gesetzentwurf mit unwesentlichen redaktionellen Aenderungen angenommen. Die Schulbesuchszeit wurde auf drei Winterhalbjahre festgesetzt.
** Die Zustände im Saargebiete, im ehemaligen „Königreich Stumm" fino am Freitag und Samstag im preußischen Abgeordnetenhause einer gründlichen Beleuchtung unterzogen worden. Neue. Tguachen wurden allerdings. nicht vorgebracht. Aus der Wahlbewegung und den Pro- zeffen gegen die .Neunkirchener Zeitung' weiß matt ja, wie es dort um die politische Freiheit der katholischen Arbeiter bestellt ist und wie die Beamtenschaft im Dienste der narionalliberalen Partei tätig ist. So etwas von Hetze und Wahlbeeinflussung dürfte ziemlich einzig in Deutschland dastehen im Deutschen Reiche. Die Tatsache vor dem ganzen Lande gebührend gekennzeichnet zu haben, ist das Verdienst der Zentrumsabgeordneten Marx, Fuchs, Dasbach usw. Es ist ein trauriges Zeichen für unsere politischen Verhältniffe, daß aus den übrigen Parteien niemand die Ehrlichkeit oder den Mut besaß, das Verhalten des Berg- direktorS Hilger und die ganze Paschawirtschaft im Saarreoier zu verurteilen. Verteidiger erheben sich bezeichnenderweise freilich auch nur aus den Reihen der interessierten nationalliberalen Partei, wenn wir von den „Wilden" v. Schubert ab- sehen, der indeß auch den Nationalliberalen zugerechnet werden kann. Das zeigt wenigstens, daß die anderen Parteien sich nicht mit Herrn Hilger und feinen nationalliberalen Freunden und Schützlingen identifizieren mögen, deren Sache also in ihren Herzen preisgeben. Von
eben wieder da« schöne Abendgebet zur heiligen Barbara ein, welches Du unsere Kinder gelehrt hast. Agatha, komm einmal her und sage mir, wie Du vor dem Schlafengehen beten sollst."
Das Mädchen trat an den Tisch, legte andächtig die kleinen Hände zusammen und sagte mit lauter Stimme:
„Heilige Barbara, Du edle Brant, Mein Leib und Seel' sei Dir vertraut, Sowohl im Leben wie im Tod, Komm mir zu Hilf in jeder Not. Komm mir zu Hilf' vor meinem End', Daß ich empfang' daS hochheilige Sakrament; Daß ich so viel bei Golt erwero', Daß ich in keiner Todsünd sterb'. Den bösen Feind von mir treib'/ Mit Deiner Hilf' stets bei mir bleib'. ' Wenn fich mein Seel vom Leibe trennt, So nimm sie auf in Deine Hand', Behüte sie vor der Hölle Pein Und führe sie in den Himmel ein.
Amen."
Die beiden Eltern schauten auf das andächtig betende Kind, aus dem Auge des so ernst und ruhig aursehenden Mannes fiel eine Trane nach der andern. Agatha verließ, nachdem sie so schön ihr Gebet gesprochen hatte, das Zimmer.
„Ja, liebe Rosa," sagte nach kurzer Pause der Mann» „um alle Güter dieser W-lt gäbe ich den Frieden nicht, der jetzt in meiner Seele wohnt und dessen Besitz ich nach Gott Dir verdanke- Du warst das Werkzeug in der Hand der Allerhöchsten, ohne Dich wäre ich vielleicht schon längst an Leib und Seele zu Grunde gegangen. Ich weiß nicht, wie ich es Dir danken und lohnen soll, daß eine io gänzliche Sinnesänderung durch Deine Mitwirkung in mir hervorgerufen worden ist. Wenn ich an meine Jugend und «einen damaligen geistigen Zustand zurückdenke,
den angeführten Tatsachen haben die National- liberalen und ihr Minister Möller nicht eine einzige zu entkräften vermocht. Sie haben es nicht einmal versucht, sondern sich bemüht, die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken. „Dasbachp reffe", daS ist ihr Schlagwort. Wenn sie das ausgesprochen haben, glauben sie alle Anklagen widerlegt zu haben. Die „Dasbach- preffe" hat „gehetzt", heißt es immer wieder. Es mag sein, daß diese Preffe auch mal über die Schnur gehauen hat; aber sie hat das wesentlich in der Abwehr unerhörter Angriffe auf die Zentrumspartei und das den Arbeitern zugefügte» Unrechts getan. Mit den Deklamationen gegen die „Dasbach-Preffe" find die Tatsachen nicht aus der Welt geschafft. Der Minister sollte sich, statt fich mit einigen Redewendungen über die Sache hinwegzudrücken, die Dinge einmal näher ansehen. Es genügt nicht, daß er verfügt hat, die Beamten sollten bei der Wahl streng nach dem Gesetze verfahren und keine Parteilichkeit üben, und daß er erklärt, ein Beamter dürfe im Dienste eine Partei nickt beschimpfen. Er soll den Tatsachen unparteiisch nachgehen und dem Unfug der amtlichen Begünstigung der National- liberalen ein Ende machen.
32. Sitzung vcm 13. Februar 1804.
Eröffnung 1'/« Uhr.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Watzt- P1 '^Die"Wahl des Abg. Doerksen (Rp.i wird entsprechend dem Kommisstonsantrage debattelos fat nUttfl erklärt, ebenso die Wahl der Abgg. Siez (ntl.), LipinSki (Soz.) und Leinenweber (ntl.). Bezüglich der Wahl des Abg. Barbeck (fr. Bgg.) wird »e« wetserhebnng beschlossen.
Die Wahl des Abg. Dr. Brann (Sog.) beantragt die Kommission für ungiltia zu erklären. Die Prüfung ver Wahl wurde nach längerer Debatte auf Antrag des Abg. Gröber (Z.) a.tbie Wahlprüfungskommffsion zurückverwiesen. L o „ A .
Hierauf wurde die Beratung des Etats des Reichsamtes deS Innern beim Kapitel RerchS- versicherungsamt fortgesetzt.
Abg. Körstr« (Soz.) kritisierte dre Rechtsprechnng des ReicksversicherungsamteS speziell in der Frage von Bruchschäden. Früher seien solche Schäden stetS als Unfälle im Sinne des Gesetzes angesehen und entschädigt worden. . ..
Aba. Dr. Wallau (ntl.) verwteS demgegenüber auf die Tatsache, daß Bruchschäden sehr oft jahrelang verborgen blieben und dann erst, ohne daß ein U«:au vorlieze, in die Erscheinung träten. Er habe in fern« eigenen Prcxis als Borsitzender eines SchledsgerichteS erlebt, daß Bruchschäsen, die schon jaürelang bestanden hatten, fahrlässig oder wiffentlich als Unfälle «► gemeldet worden seien. Weiter sprach sich Redn« gegen das KapitalSdeckungSversahren bei den DervffS- genoffenschaften aus, Die Ansammlung großer Reservefonds entziehe nicht nur der Gegenwart große Mittel zu gunsten kommender Geschlechter, sonder» sie werde auch dazu mißbraucht, großen Bauvereine« att| Kosten der kleinen Bauunternehmer billige Darlehen M 8 '^Staatssekretär Graf Posadowsky nahm die Rechtsprechung des ReichsverficherungSamteS gegen die Angriffe von sozialdemokratischer Seite in Echntz- Auffassung des Reichsversicherungsamtes, daß als
an die Glaubenslofigteit, der ich verfallen war, »nd die ich vor Deinem Vater unter einer HedchlermaM zu bergen wußte, vor dem ick erschien wie ein Wolf im Schaffelle, um den guten biederen Msn« zu täuschen, daß er mir sein einziges Kind gab, deIen ich in der Tat nicht würdig war; ja wenn ich »ich jetzt zurückversetze in jene nächtlichen Zusammenkünfte, unter die sauberen Brüder, deren leere, aber hochtönende Redensarten ich als die größte Weisheit bewunderte, deren mystische Gaukeleien ich für bedeu- tungSvolle Ceremonieu hielt, während ich enf die unserer heiligen Kirche mit Spott und Berachtnng blickte, aber sie äußerlich milwachte, um kein Anf- sehen zu erregen und mir in der Gunst meiner frommen Vorgesetzten nicht zu schaden; wen« ich an alles dieses mich erinnere, dann fange ich an, »ich Var mir selbst zu schämen. Wie ein Abgrund, in dem man nur daS Toben wilder Leidenschaften vernimmt, erscheint wir meine Vergär genheit, wo so Viele «ich als einen streit- und händelsüchtigen Menschen fürchteten wo ich — selbst noch in den ersten Jahren unserer Ehe — Dir so viele trübe Stunden durch meine Trunksucht und ihre traurige Folgen bereitete. Und Du ertrügest olles tote ein Engel, Dein Mund öffnete fich zu keiner Klage, keinem Vorwürfe, nur sanfte Worte hattest Du für mich, um mich auf einen besseren Weg zu leiten. O könnte ich die Schmähreden, mit teuer ich Dich wegen Deiner Frömmigkeit überhäufte, znrücknehm n, könnte ich den Spott ungeschehen machen, mit dem ich mich im Preise verworfener Zechbrüder über die „Betschwester- lustig machte.'
„Laß da», lieber Sebastian, und betrübe Dich nicht mehr über die Vergangenheit. DaS find ja längst vergessene Dinge, an bie ich nie mehr denke und die ich fietS Dir verziehen hebe,' sagte die Frau mit sanfter Stimme.
(Forffetzung folgt.)