e.
BL Jahrgang
amstag, den 13. Februar 1904.
n
i
i
Zweites glatt i
t l
I«tätigen: Vit tin- spaltige Petitzeile ober deren Kaum 15 pfg. Reklamen die Petitzette 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entspr.
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag bei ZuldaerActienbrnckere in Zulba (Harmonie)
Zernsprecher Nr. 9.
Wer zuletzt lacht, der locht am besten, sagt bj§ Sprüchwart. Nrchrs ist schöner, als em kindlich fröhliches Lachen, das aus einem Kranze von wechen Haaren hervorkommt. Wer im Aller noch lachen will, maß freilich schon in j an gen Iohren die Grundlage der rechten Gemütsheiterkeit legen. Nicht in Kopfhängern und Duckmäusigkeil; die führen zu nichts gutem. Vielmehr in fachem, fröhlichem Streben, wobei Arbeiten, Beten und gemütliches Lachen sich veieinigen. Wer nach Kräften seine Pflicht und Schuldigkeit tut, der kann bis zu seinem Tode das Lachen nicht verlernen.
Der schlimmste Feind deS Lachens sind die Leidenschaften, und die Leidenschaften sind es auch, welche die vernünftigen Menschen zu Narren machen. Nicht zu spaßhaften, willkürlichen Gecken, wie man sie jetzt zu Fastnacht steht, sondern zu wirtlichen, traurigen Narren, die in ihrer Torheit und Verrücktheit sich selbst zur Schande und ihren Angehörigen zur Qual gereichen. Ein bischen verrückt find wir ja allzumal; der Mittelpunkt unseres Empfindens und Denkens liegt nicht immer an der richtigen Stelle, sondern verschiebt sich bald etwas hierhin, bald dorthin. Je größer die Leidenschaft, desto weiter die Verschiebung, desto größer die Verrücktheit. Bleibt aber der Mensch der Herr über seine Leidenschaften, so kehrt der schwankende Punkt bald wieder in die richtige Lage zurück, dann «ritt wieder der angenehme Zustand ein, den wir Gemütsruhe nennen, und dazu gehört das herzliche Lachen. Ja, so eine gemütliche Zwrrgsell- erschütterung kann uns oft dazu verhelfen, daß das gefährdete Gleichgewicht wieder herzeflellt wird.
Darum bin ich dafür, daß man weder zu Fastnacht, noch in den übrigen Monaten des Jahres einem gemütlichen Lachen au? dem Weg« gehen soll. Die gierige Jagd nach Genuß ist Torheit; aber die herzliche Heiterkeit im Kreise lieber Mitmenschen ist schön und heilsam. Man muß nur »mmer so lachen, daß man sich vor den braven Menschen und vor dem Schutzengel damit sehen und hören lasten kann. ____
langsam vo-wärtS. Tie Generaldebatte beim land- wirtschaftlichen Etat wurde am Fritag voriger Woche beendet. Im Zusammenbarg danit kamen dir Handelrvrrliäze, Kranlenttirsorse aus dem Lande, Seuchenftage 8. s. w zur Spracht. I" erster Losung wurden die Gesetzentwürfe über die Regelung der Rrchtergehälter und über die Dienst aufficht bet den größeren Amtsgerichten beraten, w-lcher bei fast ollen Parteien lebhaften Widerspruch fand. Die Vorlage wurde an tme Kowm sfion verwiesen.
Die Nichncht, der preußische Kultusminister wolle dar Verbot der Warianischen Kongre- ganonrn an den höheren Schulen ausheben, hat fosort wieder bitt Evangelischen Bund auf den Plan gerufen. Der Hetze derselben tritt die ,Kreuz;tg' mit anerkmennrwerter Entschiedenheit entgegen.
Zwischen der Freisinnigen Bereinigung und tcn Nationalsozialen will es tarnet weniger stimmen Nrumann, welcher in der .Hilfe' etn Gedicht v-röffentlicht hat, das die Crimmitschauer Fabrikanttn scharf angreitt, wird von dem ganzen Freisinn heftig angegriffen Es ist äuße st bemerkenswert, wie die liberale P-esse, die sonst für die Freiheit drr Kunst und Literatur, auch wo e8 sich um unsittl.che Produkte handelt, mit Eifer einlrilt, diese Freiheit nicht an-rkennen will, wenn doS Kapital und die Fabrikanten angeg iff n werd-n
In Sachsen btriet die zweite Kammer über die Wahlrechts» eform. Ja bet Dir küss .on ging man mit den Ar.fichten Weir auSeir ander, sodaß wohl keine Aussicht für eine Wahlresorm besteht.
In Baden hat die Versoffnnnstsmrriss«n der zweiten Kammer die G-ne alwskusiion der Wahl- rechisvorlagen beendet, Beschlüsse jedoch nrch nicht getagt. Auch in Baden scheinen torläufig die Aussichten der Wahlrechtsreform nicht günstig zu fein.
In Bremen wurde ein Antrag deS Senats auf Einschränkung des Wahlrechts von der Bürgerschaft einstimmig abgelehnt.
In S ü d w e st a f r r k a haben erfolgreiche Kämpfe mit den ausständischen Here-oS fla'lgesunden. Bis jetzt find in den Gefechten 32 Deutsche gefallen, 47 Deutsche einschließlich Frauen und Kinder find ermordet worden, 51 werden vermißt.
In Spanien haben die Sozialisten und Republikaner gegen den nevernannlen Erzbischof von Valencia einen BerleumdunrSselbzug unternommen, indem sie behaupten, er Hobe im spanisch-amerikani- fchen Kriege Verrat am SBafedan e geübt. In den Kortes, wo diese Sache auch zur Spruche kam, ergeb sich die völlige Uiihallbarkeit der Beschuldigungen.
Wegen der Refo-me» in Mazedonien haben O sterreich und Rußland «ine neue Note an dir Pforte gerich et, in der sie der Türkei gegenüber dar Verlangen auksprechen, sich nicht in Dinge einzumischen, die sie nichts angehen. Die Pforte hat darauf wieder mit Ausflüchten geantwortet, die wenig befriedigt haben sollen
Unpolitische Schlaufe.
(Nachdruck verboten )
(£) Berlin, 11. Febr. 1904.
Zu Fastnacht spielen gescheidte Leute sich als Narren auf; in den übrigen Jahreszeiten spielen die Narren sich als gescheidte Leute auf.
Ein Berliner Philosoph hat gelehrt: Alles, was ist, ist vernünftig! Wenn ich o-ö-Professor der Weltweisheit wäre, würde ich lehren: Alles, was aus Erden ist, ist unvernünftiq.
Selbst eikenntnis — darüber sind seit den 7 Weisen Griechenlands alle Gelehrten einig — Selbsterkenntnis ist der Anfang der Weisheit. Also wenn ich erkenne, daß ich ein dummer und verrückter Mensch bin, so fange ich an, ge- scheidt zu werden.
Das geht aber nicht so schnell. Es ist nun schon mehr als 30 Jahre her, daß ich allen Größenwahn Überwunden habe und zur Erkenntnis meiner Verrücktheit vorgedrungen bin. Aber, daß ich in dieser Zeit in der Weisheit erheblich vorwärts gekommen wäre, kann ich nicht behaupten, und ich fürchte, meine Leser haben auch nicht viel davon gemerkt. Aber man muß dem lieben Gort sür alles danken; auch schon sür die Gabe, seine eigene Torheit zu erkennen. Hin und wieder hilft einem das doch, daß man an Stelle einer größeren Dummheit nur eine kleinere begeht.
Griesgrämige Leute sagen, hinter dem ganzen FastnachtStriiben stecke blos die rohe Genußsucht, Haden sie recht? Ach, auf Erden hat man immer halb recht und halb unrecht. Es ist aller „durchwachsen" wie gutes Schweinefleisch; gut und schlecht, schön und häßlich, klug und töricht mischt sich du'cheinander. Gefährliche Triebe und böse Leidenschaften suchen sich die Fafinachi-gelegenheit zu nutze zu machen. Das ist aber ein Mißbrauch dieser lustigen Einrich tung. Denn der Karneval, wie er sein soll, ist nicht für das Tier im Menschen bestimmt, sondern im Gegenteil für eine menschliche Tätigkeit, die kein Tier uns nach ahmen kann, die uns also über den ganzen Zoologischen @aibn hinauihebt. Zu Fastnacht soll man lachen.
Lachen? Ist denn dar so was besonderes? Das kann ja jede-Kind! — Freilich, die Kinder können es noch, denn ihnen ist das Himmel
reich auf Erden. Die Erwachsenen haben es leider s elfach verlernt, und das ist ein schlechtes Zeichen. Wenn ihr nicht werdet wie die Kmd- lein! Wohl dem, der noch so herzlich lachen kann. Frisch, fromm, fröhlich und frei, gleich dem Kinde, das keine Schuld und keine Sorgen kennt!
Lachen ist etwas anderes, wie Grinsen oder Wiedern oder Meckern. Am Lachen 'at n man den Charakter erkennen. Wer dabei ossrnähnliche oder katzenartige Grimassen zieht und unreine, rohe oder salsche Töne ausstößt, dem ist nicht zu trauen. Aber wenn von dem lachenden Gesicht eine behagliche Gemütlichkeit strahlt und die Stimme hell und rein herausklingt wie laute Musik, da kann man ein edles Herz, einen braven Smn und ein gutes Gewissen vermuten.
Daraus möchte ich jetzt, obschon es Fastnacht ist, eine ernsth sie Nutzanwendung ziehen: Wenn du, junger Leser oder aufblühende Leserin, vor der schwierigen „Lebenswahl" stehst, so giefe mal recht sorgfältig Ooacht, wie der Bewerber oder die Umworbene sich beim Lachen anstellt. Ist das Lachen gezwungen oder roh, so überlege dir die Sache noch ein, zwei und drei Mal. Fehlt die Fähigkeit zum Lachen vollständig, so konzen triere d-ch rückwärts; denn wer nicht lachen konn, rst wahrscheinlich nicht glücklich und kann jedenfalls nicht glücklich machen.
Aber man kann doch ein Ausbund von Verstand sein, ohne zu lachen. Ja, der Verstand tut's aber nicht allein. Das ist ja gerade auch das Unglück der modernen Welt, daß sie alles mit trockenem Verstände machen will. Unser Verstand ist Stückwerk; er reicht nicht einmal aus zur notdürftigen Erkennrnis, geschweige denn zum Ertragen und Ueberwinden in den Widerwärtigkeiten des Lebens. „Was kein Verstand der Verständigen steht, das ahmt in Einfalt ein kindlich Gemüt", sagte Schiller. Und dieses einfältige kindliche Gemüt ist in der Tat die Quelle des Trostes und der Freude im irdischen Leben. Wo das einfältige kindliche Gemüt ist, da wird auch gelacht, hell und klar. Wo andere Leute greinen und murren, hilft man sich dort mit gesegneter Heiterkeit über die Widerwärtigkeiten hinweg.
Unsere Zeit hat das Lachen verlernt, klagen manche Beobachter der modernen Kultur. Freilich, das herzliche, befreiende, erfrischende Lachen wird immer seltener, angeblich weil der „Kampf um's Dasein" immer schwerer werde. Unfinn, unsere Vorfahren in der „guten alten Zeit", die gar nicht so gut war, wie fie bei weitem auS- sieht, hatten auch ihren schweren Pack an Mühen, Sorgen und Leiden zu tragen; wenn sie dennoch ftöhlich lachen konnten, so oft sich ein Anlaß bot, so waren sie eben klüger, als wir modernen Verstandtsmenfchen, die sich selbst unzufrieden machen. Die Unzufriedenheit ist die moderne Seuche, und ihr Bazillus wird am erfolgreichsten bei der Umsturzpartei gezüchtet. Ern rtchtlger Sozialdemokrat kann wohl ein spöttisches Lachen anschlagen oder leidenschaftliche Töne von sich stoßen; aber das gemütliche, behagl.che, ftöhliche und selige Lachen wird ihm systematisch ausge- hieben/ Er denkt, er müsse sich das Lächeln bis auf den Zukunftsstaat ersparen. Aber wer den Zukunftsftaat erlebt, der wird zum Lachen schon gar nicht mehr kommen. Denn dort wird es verzweifelt ungemütlich zugehen, so ähnlich wie jetzt in den Zwangs-Arbeitshäusern. Schon deshalb, weil bann die Urquelle des wahren Lachens verstopft sein wird. Dann gibt eS kein Familienleben mehr nach unferm guten alten christlich-deutschen Muster; dann fehlt die gefüllte Kinderstube, wo selbst die brladensten Ellern noch das erquickliche Lachen immer von neuem lernen.
„Aber ich habe ja gar keine Ursache zum Lachen", sagte der Miesepeter. Wirklich nicht? Es blüht ja manches Blümlein am Wege, sogar auf der Dornenhecke; aber wer die Aug n zu Boden schlägt, sieht nichts als Stein und Staub. Immer gibt es wieder etwas Drolliges und Svaß- Haftes; man muß nur aufpaffen und daS Blümchen des Humors schnell pflücken, ehe» es dahin ist. Der unzusriedene Mensch freut sich freilich nicht an einem Heckemöschen, sondern murrt lieber darüber, daß die Dornen nicht Schneidebohnenoder Aepfel tragen. Der gemütliche Mensch aber genießt vergnügt alle-, was ihm beschieden ist, und wenn eS auch nur ein spaßiger Augenblick ist. Und wo ihm die Natur oder seine Umgebung einen halben Spaß bereiten, ba tut er auS seinem behaglichen Herzen noch etwas bazu. Wo anbere mit düsteren Bemerkungen und Seuszern die Last noch schwerer machen, da hat er ein fröhliches Wort oder einen launigen Einfall zur Hand, um sich und den ©einigen die Sache zu versüßen. Wo andere einen verletzenden Vorwurf erheben, da macht er eine scherzhafte Bemerkung; der ernste Kern, der darin steckt, wird auch so verstanden; aber die Arznei schmeckt in der zuckerigen Umhüllung süß.
Erscheint täglich, mit »«nähme der Sonn- Mb Feiertage. Viertel« fährt. Bezugspreis ohne Bringerlohn und veßeklgeldinZuldaund «MwärtslMk.sopfg.
Verantwortlicher
Deutsches Reich.
Berlin, den 12. Februar 1OC4.
* Z«m Hereroanfstand wird aus Swa« kspmunv gemeldet: Dre Ausbootung aus der „Darmstadt" am Dienstag zwei Kilometer seewärts gestaltete sich infolge der Dünung und Brandung sehr schwierig und war nacht- unmöglich. Am Mittwoch im Morgengrauen wurde die Ausschiffung der Truppen fortgesetzt, sodaß brreits um » Uhr dec erstr Bahnzag mit der Kompagnie Häring, zwei Kanonen, ferner der Major Estorf und 60 Mann der Schutztruppen nach Karibib, sowie Major Glasenapp und die Kompagnie Fischel mit zwei Kanonen weiter nach Windhuk abfahren konnten. Man schätzt die ermordeten Europäer, darunter viele Frauen, einschließlich der Vermißten auf 150. Die Herero verfügen über 4000 Gewehre neuester Konstruktion und viel Munition. Zahlreiche gute Schützen verstehen es meisterhaft, das Gelände auszunutzen. Die schnelle Herstellung der Bahn wurde dadurch ermöglicht, daß sich sämtliche Ingenieure der O.tawi- Bahn und zwar aller Nationalitäten hierzu erboten und mithalfen. Andere Ausländer gingen als Freiwillige mit unseren Schutztrupp n, so ein ehemaliger Schweizer Artillerieoffizier mit unserer Artillerie und leisteten tresfliche Dienste. Die Bahnlinie wird jetzt nur tags befahren. Eine hölzerne Bahnbrücke halten die Herero mit Dynamit gesprengt. — Der Kommandeur des Seebataillons, Major v. Glasenapp telegraphiert aus Swakopmund, daß einem Berichte zufolste ein Teil der Hereros bei Waterberg stehe, em anderer Teil sich bei Gobabis verschanzt habe und das Abtreiben des Viehs nach Betschuana- land decke. Ma;or v. Estorff wirb sich morgen früh mit ber Kompagnie Häring und zwei Geschützen, zunächst mit der Eisenbahn, nach Omaruru-Outjo in Marsch setzen, um die besser berittene Kompagnie Franke gegen Waterberg verfügbar zu machen. Mit dem Reste der Spedition unter meiner Führung wird über Windhuk gegen Gobabis vorgegangen werden, und zwar wird eine Kompagnie, 2 Geschütze und Sprengladung morgen früh mit ber Eisenbahn nach Windhuk fahren, der Rest am 11. nachfolgen. Leutnant Winkler mit dem AblösungS« korpS befindet sich in Windhuk. Gouverneur Leutwein trifft hier am 12. ein. DaS LandungS- korps des „Habicht" bleibt zum Schutze bet Eisenbahn an Lanb."
* Der deutsche Laudwirtschaftstat hat am Donnerstag debattelos unb einstimmig einen Antrag beS Professors Soxleth angenommen, 1) bei den Regierungen bet Bundesstaaten
Wochen-Rulldichau.
□ Fulda, 13. Febr. 1904
(Nachdruck verboten.)
Ein erfahrener Fuhrmann sagte mir einmal, man rnSsse daS Pferd, wr>ch-S am testen rieht, zue,st in den Wagen fpanren und dann erst die anderen Pieid: felgen lassen. So wollen wir den-, audi heute bei «nferer Ueberficht über die Ereignisse dieser Woche von der bisher übliche» Re hensolge, nach bet dis «c- ?ebniffe aut unserem Btterlar-de den Bortritt haben, tbstand nehmen unb „das Pferd, welche am besten zieht*', zuerst einspanuei: Den Krieg in Ostanen zwilchen Rußland unb Japan. B-kanntlich gätjrte es schon lang' im fernen Osten gar bed-nkuch, aber noch immer hcffte man auf eine friedliche B-flezung des Zwistes ober wenigstens auf eine Verschiebung ber drohenben gewaltsam-m Lösung der str i tten Fragen. Rußland war darauf bedacht, bte Sache in die Lange zu ziehen, wahrscheinlich um Zeit zu gewinnen, sich gehörig auf den Entscheidungskampf owzubereiten. Desdalb blieb die letzte Note Japans an Rußland drei Wochen lang ohne Antwort Damit riß dünn d n I prnern der Geduldsfaden ab und am 6. F-br. hat Japan seinen befand en in Petersburg abberufen Rußland hat darauf sofort mir der Addeufung seines Gesandten in Tokio geant »ortet. In der Nacht zum Dienstag eröffneten dann die Japaner ohne vorher- gegougetif Kriegserklärung die Feindseligkeiten mit einem Torpedoangriff auf die russische Flotte in Port Arthur, wobei zwei Panzer sch ffr und ein Kreuzer beschädigt wurden. Am nächsten Vormittag wachte die jipa-usche Flotte einen Angriff auf Porr Arthur und die russischen Schiffe, die sich im Schutze ibnr Landbefistigungen hielten. Dabei winde eia russische» Lm ens iff unb drei Krrvz-r be- ichädigt. Die Japaner brachen aber da» Gesechr ab und zogen sich zurück; vielleicht weil auch idre Flotte Schaden gelitten bäte. Weiter brachten die Japaner nach längerem Kampfe im Hasen von Tsckem'tlpo e n russisches Kanonenboot zum S nken und machten einen Kreuzer kamst unfähig. Sehr energisch find die Japaner auch alsbald m t ber Uebersühruug ihrer Truppen nach Korea vorgegangen.
Natürlich sucht jeber Teil dem anderen die Verantwortung für den Krieg zuzuschieben. Die Ross n sagen, daß bte „Asiaten" die Angr-ifc- seien, während die brrven Ruff n nichts al8 den Frieden gewollt hittteu; die Japaner hätten in gewiff-olvser Wesse die Verhandlungen hv geschleppt, biS fie die friedliche Marke abwerfen zu können geglaubt hätten, ihr Betragen sei durchaus unanständig usw. usw. D-e Jr- Mner sagen, fie hätten sich nicht länger von den Russen Hinhalten lassen lö-nen; fie hätten g wartet und gewartet auf die ruifische Antwort unB während bissen hätten die Russen eifrig gerostet und ihre Stellunaen in Korea immer mehr befestigt, da sei endlich die Geduld der Japaner zu Ende gegangen. Die javanische Regierung hatte mi einer starken kriegerischen Strö- mrv g im Lande zu rechnen. Wiewohl jeder Tag des ZSgernS die Lage zu Ungunsten Japans verschlechterte, hat sie doch mit der KriegSerklä ung gezögert, wrhl Mil sie, wenn eS zum Krieg kommen st-ll'e, Rußland wollte'die formelle Schuld zuschieben lönnen. DaS hat fie nun aber nicht erreicht. Ta auch noch die neue Antwort RußlatbS alS „friedlich" und „versöhnlich" angrkündigt wurde, verzweifelte fie anscheinend daran, einen diplomatischen Erfolg über Rußland zu erringen und es zu nötigen, ba* Wort Krieg zuerst auSzuspreSen, unb so gab sie den diplomatischer Kampf aus und zerbieb den Knoten. Wenn sie dann einmal nicht mehr stark genug war, der Kriegslust deS Landes zu wehren, so blieb ihr allerdings wohl nichts anders übrig Denn Rußland tühlt sich viel zu sehr im Besitz, als daß e» ft-bst mit der SriegS- rLärung vorangegangen wäre. ES konnte ruhig ab- Varten, bis Japan angriff. Vermutungen und Piophe- Stangen darüber, was nun toeitet kommen wnd, wer einem Kriege Sieger bleiben, wie sich die übrigen Mächte verhalten, ob England J-pan beistehen, ob die Franzose« ihrem russischen Freunde zu Hilfe kom- «en werden, wäre verfrüht; sehr zu befürchten ist, daß Japan dem rusfischen Koloß auf die Dauer nicht genügenden Widerstand entgege.ffetz-n kann, wenn auch daS Kriegsglück ihnen im Anfänge günstig sein sollte. Deutschland wird sich jedenfalls durchaus neutral verhalten.
Kehren vir nun nach Deutschland zu Lck Der Reichstag arbeitet bei andauernd sehr schwacher Besetzung sehr langsam weiter. Bei der DiSten- loßgkeit ist es ihm unmöglich, durch Schluß der Debatte überflüssigen Reden vorzubeugen. Nach Äußerungen r er KriegSministerS wird bei ber nächsten Militärvorlage eine in'S Gewicht lallende Erhöhung der FriedeuSprälenzstärke ncht g-fordert werben In derselben wird aber die dauernde gesetzliche Festlegung ber zweijährigen Dienstzeit enthalten sein Die Ge- haltSerböhung für die Oberstleutnants wurde in der Kommission bewilligt, dagegen die Vermehrung ber Kveroffiz ere nichl. Am ©onrabenb beenbete der Reichstag bte Generaldebatte über das Gehalt de» Staatssekretärs les Reich amtr des Innern. Die jb diesem Kapitel einqebrach en Resulutionen wurden »af Vorschlag de» Präfideuien bis nach Erledigung des Etats verschoben.
Dar preußische Abgeordnetenhaus iß iß W» besser besucht, kommt aber ebenfalls nur
Huldaer W Zeitung
________ w W
f.JJSÄc Woch-Nb-Iiage: „Illustrierte Sonntagzzeilung" MnckrbtUage: „5«ldaer Geschichtrblätter".