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Maer

5ulüa, Samstag, den 13. Februar 1904

31. Jahrgang

Genosse" zu betrachten.

Man sieht daraus,

fortschreitet.

Per-

II

folgung gesetzt sind, können für erlittene Un-

Wwierrefiden; zu dienen schien, während die andire

stellte. An beiden Ecken des zwei Stockwerke bilden-

Plättchen sein mochte, die in dem Scklage ihr Wesen trieben. Aus 'ine- mit einem verblaßten Teppiche

vmtsches Reich.

Berlin, den 12. Februar 1904.

* Die Angelegenheit der russischen Spitzel i suchnngshast beriet heute den § 1 der Vor Deutschem Boden soll dem ,Berl. Tgbl/ läge, welcher im erste» Absatz bestimmt: m— zufolge noch einmal die Parlamente, sei es den'"---- . - - • ■

Reichstag oder das preußische Abgeordnetenhaus, beschäftigen. Dabei gedenkt die Regierung das

rrct-^n in diese Wohnung, um ihre Bewohner kennen zu lernen. Aus der sehr enqen Hausflur bemerken wir dieselbe Reinlichkeit, wrlche dos Häuschen schon in seinem Arußeien verrät. Wer einigermaßen von I ansehnlicher Körpergröße ist, muß sich bücken, wenn ! er durch die niedere Stubentüre in das Wohnzimmer

treten will, deffen bescheidenes Ameublement finnig ! geordnet und überaus sauber gehalten ist. Hinter einem Tische mit blank gescheuertem Messingschlosse saß ein Mann in einer grrnen B-use; er schnitzelte kleine Zweige auS dem frisch abgebrochenen Aste eines Kirschbaumes und steckte sie in einen mit Wasser ge­stillten Tepf; wahrscheinlich machte er einen Barbara stcauß, d:n man um die Zeit des Festes diesen Hei­ligen ins Wasser sitzt, damit er in Blülhe stehe, wenn der heilige Christ kommt. Die Genchtszüge d.s so Beschäfiigien mochten jedem auffallen, der ihn zum ersten Male sah: man konnte deutlich darin lesen, daß wilde Leidenschaften einst in der Brust des Blusenmannes getobt hatten, daß diese Leiden­schaften aber im männlichen Kampfe überwunden und jetzt Ruhe über ein Gemüt gebreitet war, welches früher stürmisch bewegt gewesen war. DaS Gesicht diesis hoben Vierzigers glich einem erloschenen Vulkan, über deffen verschüttetem Krater der klare Himmel deS Südens ruht. Die Haare des Mannes waren stütz ergraut; ob durch Krankheit, durch Ge­mütsbewegungen und schweren Kummer; wir wiffen cs nicht; vielleicht erfahren wir er noch Eine eigen­tümliche Welt lebender Wesen umgab diesen Strouß- scheider, der sich durch uickts in seiner Arbeit stören j ließ Da hingen an der S!übendecke und längs den i Fenstern hinauf wohl mehr als sechs Vogelbawr, jed-r mit einem BliUfinken belebt. Der eine dieser Käfige war mit einem schwarzen Tuche Überhängen; sein Bewohner schien ein ungehorsamer Lehrling zu fein, der von seinem Meister für das wilde, wüste Geschrei, welches er statt wohllautender Töne vor­brachte, zu dunkler Kerkerbaft verurteilt war, damit er in sich gehe und sich bessere An der vbern Hälfte des einen Fensters war ein Weifenschlag angebracht, «««>

btften eine Abteilung in daS Zimmer ging und als! Sache heute z» gut!* Der Finke schwieg, als

Material vorzulegen, das sie zu ihrem Verhalten bestimmte. Eine Protestversammlung gegen das rufsische Spitzelwesen war zu Donnerstag abend in Berlin einberufen. Es hatten sich etwa 2500 Personen eingefunden, darunter besonders viel Russen und Russinnen. Die Referentin Klara Zetkin schlug in ihrem Vortrage durchweg kräf­tige Töne gegen die preußische Regierung und Polizei an. Da bei Beginn der Versammlung die Vorsitzende namentlich die anwesenden Rus­sen vor jeder unvorsichtigen Aeußerung gewarnt hatte, so unterblieben alle Zwischenrufe während des Vortrages, und wurden hin und wieder

Der Mann in der Bluse, welcher bisher ein tiefes Schweigen beobachtet und nur seiner Arbeit Aufmerksamkeit geschenkt hatte, blickte mt einem

der eine als Speisesaal, der andere als Badezimmer unseres Zugvogels, der, wollte er feine mit so viel Luxus auegeftattete Wohnung nicht verlcffen, sich unter den F chtenzweigen ergehen konnte, die in dem geräumigen Käfig aufgestellt waren und seinem un­glücklichen Bewohner einigermaßen das frische Grün der deutschen Wiesenmatten und die würz'ge Kühle der Orangenwälder von Capri ersetzen sollten. Der Dachstuhl dieses Vogelbauers war mit einem weichen

einer gewissen Gravität trippelte eine Wachtel auf dem Fußboden des Z'mmers hin und her; zuweilen

überdeckten Schublade stand eine kleine Drehorgel, wie sie die Lehrer an jenen Konservatorien haben,

gedacht, der mit so vielen die Gefangenschaft in dikscm traulichen Stübchen teilte und dem man be-

die von befi.betten Zöglingen unfreiwillig besucht werden. Wir haben eines dieser Zöglingen noch nicht

0 Arger Verstöße gegen die sozial­demokratische» Grundsätze wurde in einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahlver­eins für den zweiten Berliner Reichstag swahl- kreis das Wahlvereinsmitglied, Rechtsanwalt Viktor Fränkl, beschuldigt. Rechtsanwalt Fxänkl soll, trotz der Parteitagsbeschlüsse, an der .Zukunft' mitgearbeitet und ausdrücklich erklärt haben, daß er sich nicht um den Beschluß des Dresdener Parteitages kümmere. Ferner soll er, obglei h organisierter Sozialdemokrat, an i aisers Geburtstag die Fenster seiner Wohnung illuminiert haben. Der Wahlverein nahm von diesen Mitteilungen Kenntnis und erklärte, Rechtsanwalt Fränkl habe sich dadurch selbst außerhalb des Rahmens einer sozialdemokratischen

31. Sitzung vom 12. Februar 1904.

Eröffnung 1 ’/« Uhr.

Die Beratung des Etats des Reichsamtes des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel „ReichsversicherungSamf.

Abg. Dr. Mugda« (fr. 83p.) erklärte feine Zu­friedenheit mit der Rechtsprechung deS Reichsver- sicherungsamtcs, nur müßten die ärztlichen Gutachten eine b- fiere Würdigung finden.

Abg. Dr. Becker (Hessen) (natlb.) wandte sich gegen die unberechtigte lozialdemokratifche Kritik der Recht­sprechung Weiter erklärte er, die geringe Zahl der Altersrenten lasse hoffen, daß man bald vom 70. auf das 65. Lebensjahr herabgehen werde.

Abg. Dr. Spahn (Zentrum) stellte fest, daß die gestrigen Angaben des Staatssekretärs über die Dar- leben an konfessionelle Anstalten unvollständig waren. Auffallenderweise heiße es z. B. in der Statistik für Ostpreußen bei 3 Darlehen „Konfession unbekannt". Der Staatssekretär versprach eine Nachprüfung der Statistik.

sonen, die im Strafverfahren freigesprochen oder durch Beschluß des Gerichts außer Ver-

Zeuge sorgfältig überzogen, damit die Wachtel nicht in einem Anfalle von düsterer M-lavcholie gegen

dar Holzwerk springen und sich ihr Köpfchen zer­schellen möge.

welchem der Haupteingang zu dem Vogelpalaste sich befand. Von den Türmen auf beiden Enden diente

kehrte sie für einige Augenblicke in ihre in der Ecke flehende hölzerne Wohnung ein, die ein fürstliches oder grast ches Schloß im altertümlichen Stile vor-

im Freün angebracht war und also wohl der Sommeraufenthalt der beiden artigen Schwarz»

Abgeordnetenhaus.

17. Sitzung vorn 12. Februar 1904.

Eröffnung 11 */«■ Uhr.

Dis -weite Beratung des Etats derGestütS- verwaltung wird fortgesetzt und beendigt.

. Der Abg. Kopsch (fr. Bp.) setzte sich dabei mit dem Minister und konservativen Reden nochmals über die Trakehner Gtstütsschulen auseinander.

Dann ging man ,ur 2. Lesung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinen Verwaltung übet.

Abg. v. Savigny (Zrnt) fragte nach dem Stande der Arbeiten für ein Quellenschutzgesetz.

Minister Möller erwiderte, es sei zweifelhaft, ob das Gesetz, das sich übrigens nicht auf den Schutz der Heilquellen beschränke, noch in dieser Session vorgelegt werden könne.

Abg. v. Arnim (K) wünschte ein Ausfuhrverbot von Kali, da dessen übermäßiger Abbau die Gefahr der baldigen Erschöpfung der Lager nahe rücke.

Minister Möller erklärte, die Regierung erkenne diese Gefahr und werde alles tim, um das Kalisyndikat wieder zu stände zu bringen. Gelinge dies nicht, dann fei daS Ausfuhrverbot zu erwägen.

Nach Genehmigung der Linnahmetitel begann die Generaldebatte zurnB ergetat. Als besonderes Borspiel war diesmal eine Spezialdebatte über di» Wahlbeeinfluffungen im Saarbrücker Bergwerlsrevier beigegeben.

Abg. Marx (Zent.) legte dar, daß die seit langen Jahren beklagte Beeinflussung der politischen Gesinnung der Bergarbeiter und -Beamten durch die Berwaltung auch bei der letzten Reichstagswahl — trotz des Jso- lierraums — hervorge.reten sei. Er ging dann auf

Mole nach dem einen Vogelbauer am Fenster auf und riet: ,Still, Wellington, du machst deine

de» Käfigs sprangen mnbt Türme hervor, welche den Hauptbau überragten, dessen Fronte ejnen im schönsten goti.chen Stil geschnitzten Ecker trug, unter

Verantwortlicher l^riftleiterJof.Baum j.wochenbeiiage:„IlllistrierteSonntagszeitung

§ Der Komm ission des Reichstags zur Vorberatung des Gesetzentwurfs betr. Cut schädiguug für ««schnldig erlittene Unter

tersuchungshaft Entschädigung aus der StaatS- kaffe verlangen, wenn das Ve fahren ihre litt' schuld ergeben oder dargetan hat, daß gegen sie ein begründeter Verdacht nicht vorliegt." Abg. te Witt (Ztr.) beantragte, die Worte „durch Be­schluß des Gerichts" zu streichen, also auch die im staatsanwaltschaftlichen Ermittelungsoerfahren angeordnete Inhaftnahme dem Gesetz zu unter­stellen. Geh-Rat Tischendorff erklärte sich gegen diesen Antrag, ebenso gegen einen Antrag Bargmann (fr. Bp.), die Worte „ihre Unschuld ergeben oder" zu streichen. Auch Staatssekretär Dr. Nieberding bekämpfte die Anträge. Abg. Stadthagen (Soz.) beantragte folgende Fassung: „Personen, gegen welche Untersuchungs­haft verhängt war, oder die sistiert worden sind, können Entschädigung beanspruchen, wenn sie rechtskräftig freigesprochen oder außer Verfolgung gesetzt sind." Zu einer Abstimmung kam es heute noch nicht.

sondere Aufmerksamkeit zu schenken schien. Mit

ter Sonn- «0 Feiertage, viertel klhü.ve;n-,preis ohne vringerlohn und reßelgelbinzuldaund «iSVärtr 1 Mt. Sv pfg.

ihn fein Herr in dieser auffallenden Weise anredete. Alle diese Vögel trugen nämlich die Namen berühmter Feldherren jener Zett und in diesem Zimmer sand man die größten Gegner, welche sich sonst nur auf dem Schlachtfelde suchten, deren Ohr nur on Kriegs- getiimmel und wirrer Schlachtgeschrei gewöhnt war, riedlich vereinigt, und alle nur bemüht, ihre Fertig, eit in einer Kunst zu zeigen, welche in dem Herzen der Menschen die lanf esten und friedlichsten Gekühlt hervorruft. Da gewahrte man Vandarrm; urbll<affeua neben dem Mm quis von Beresford, d« gewtZ kein Freund jener Beiden war; man sgh Murat, ben kühnen Reitergeneral, und den Ri ff n Bennigsen ganz nahe bei einander wohnen u"d dem Willen eines rüh gealterten Mannes gehorchen. Der muntere Sänger, dem eben Schweigen auserlegt worden war, befanö sich noch lange nicht in dieser Gesellschaft, welche so viele berübrnie Namen zählte: Wellington war erst vor kurzer Zeit eingeheien, und sein Lehr­meister hatte an dem Vogel wohl einiges Talent wahr­zunehmen geglaubt, aber nicht geahnet, daß dieser Doppelschläger d.e Generale des französischen Kaiser­reiches besiegen werde, daß sein untadelhaster, preis- würdiger Gesang — wie man deutlich wahrnehme« konnte - die Esserfucht und den Unwillen der Wachtel erregen würde, die den Namen eines auf der pyre- näischen Halbinsel mit wenig Glück operierende« ranzöfischen Generals trug und so ost jener Finke eine Stimme erhob, in heftige Bewegung geriet, wie wütend in ihren Palast rannte, um in einer Ecke desselben in dnmpsem Schweigen hinzubrüten Doch genug jetzt von diesen Sängern mit gefeierten Name«, die ihrem Lehrer alle Ehre machten und ihm manch blankes Geldstück -inbrachten, wenn der VogelhSndler lam, um die tüchtigsten Schüler auszuwählen, denen das traurige Los bestimmt war, schmerfäLigen Myn­heers von Amsterdam oder dem Haag die Langweile ihres pflegmatischen Stillleben- durch Gesang zu oer- üßen und in Käfigen von vergoldete» Draht nach dem würzigen Walbdnft und den frisch sprudelnde« Quellen de» hetzerischen urd VöhmriNaldeS fick zurück-

(F. f.)

Ml-meisters Röschen.

Eine Novelle von C. Pfaff.

------ (Nachdruck verboten.)

Adg. Erzberger (Zentrum) trug hierauf eine größere Anzahl von Wünschen betriffend den Ausbau der 3ätiß!eit der Bet stcherungsanftatten vor. Er bat in höherem Maße Darlehen für gemeinnützige Zwecke zu geben und insbesondere dte Baugenoffeaschasren z« unterstützen Bei der Errichtung vonHettstatl-n müsse die ländliche Bevölkerung mehr als bisher berücksichtigt werden. Bei der Feststellung der UnfallverhüiuugSvor-- schriften für landwirtschaftliche Maschinen solle man auch die Arbeiter böten. Vielleicht empfehle es sich, Bräunen auszusetzen für die Erfindung praltischer Schutzvorrichtungen. Bedauerlich sei die Knauserei, die von den Berufsgenossenschaften bei Abfindungen geübt werde.

Die soziakdemokratifchen Abgg. Molkeubuhc und Sachse stellten die ganze Versicherung als eine Art ArmenunterstützungSsystem hin und ließen an der Recht­sprechung kein gutes Haar.

Abg. Kulericki (Pole) forderte für die polnische« Gegenden polnisch sprechende Vertrauensärzte der Be- russgenossenfchaften. Weiter stellte er fest, daß tu bat polutschen Gegenden an keine katholischen, wohl aber an zahlreiche evangelische Kirchengememden Darlehen gegeben würden.

Staatssekretär Graf Posadowskh trat den so­zialdemokratischen Rednern entgegen und erklärte weiter wenn die BerufSgenoflenschaften weiterhin chre Schuldigkeit im Erlaß von llnfcillverhütungSvmschristrn versäumten, werde mit ZwanzSmoßregeln ewzu- fchreiten fein. Den polnischen Redner verweist er mit feiner Beschwerde und seinen Wünschen an das preu­ßische Abgeordnetenhaus.

Hierauf vertagt sich das Haus.

Nächste Sitzung: SamSrag 1 Uhr (Wahl- Prüfungen und Etat).

Schluß */«? Uhr.

brausende Beifallsrufe laut. Frau Zetkin be­zeichnete das Vorgehen unferer Behörden gegen die sich hier aufhaltenden Russen als Kosaken- politik und nahm sich besonders den Freiherrn von Richthofen aufs Korn, der die fremden Stu­dentinnen in ihrer Frauenehre auf das schmäh­lichste beleidigt habe. Bei dieser Begebenheit | hätte die Frauenbewegung einsetzen sollen, um die Ehre ihrer Mitschwestern zu schützen, was aber nicht geschehen sei. Freiherr v. Richthosen | hätte sich hüten sollen als Vertreter der | Monarchie die freie Liebe zu brandmarken, da ihm sicherlich bekannt sei, daß diese freie Liebe I allezeit in der Atmosphäre der Höfe am üppigsten gewuchert habe. Nach heftigen Ausfällen auf die I Polizei und die deutschen Hochschulen, die sich in den Schürgendienft der russischen Polizei stellte, suchte die Vortragende den historischen Nachweis zu führen, daß Preußen den russischen Erober­ungsgelüsten stets Vorschub geleistet und auch den jetzigen russisch-japanischen Krieg mitverschul-

I bet habe. Eine im Sinne des Vortrages ge­haltene Protestresolution fand Annahme. _ ______v____________ i-o_____________

* Die Kommission des Reichstages Parteiorganisation' gestellt und ses nichtmehrHs für die Ka«fma«»sgerichte lehnte die im „Genosse" zu betrachten. Man sieht daraus, j § 11 vorgesehene Korporalionswahl ab. Dafür daß die Mauferung tur einzelnen Genossen stetic ■ sprach und stimmte nur Agg. Semler (ntl). Weiter wurde ein Antrag Trimborn (Z.), Müller-Meiningen (frs. Vp.) auf Einführung der obligatorischen Proportionalwahl angenommen. Die VestlMwung des § 11 soll lauten: „Die Wahi der Beisitzer findet nach den Grundsätzen der Verhältnis wo hl statt, sodaß neben den Mehrheitsgruppen auch die Minderheitsgruppen entsprechend ihrer Zahl vertreten sind. Hierbei kann die Stimmabgabe auf Vorschlagslisten be­schränkt werden, die bis zu einem im Statut festgesetzten Zeitpunkt vor der Wahl einzureichen find." Gegen die Einführung der Proportional­wahl sprach nur Abg. Henning (k.). Staats­sekretär Graf Posadowsky meinte, man habe noch nicht genügend Erfahrungen über die Proportional­wahl gesammelt.

IX.

Tie Föhre der bayrrischen Waides schüttelte kantig ihren Wipfel; auf ihren Zweigen wiegte sich her Rabe, deffen einförmiges Kräkvzea die tiefe Stille »er Mnlerlandschast unterbrach. Fast im Schnee versteckt lag der Weiler am Abhang des holzreichen Berges, senkrecht stiegen dünne Rauchsäulen ru8 den Schornsteinen der Hütten auf, welche eine fleißige, aber arme Bevölkerung einschlvssen. Regungslose Still- herrschte um die Wohnungen dieser Wäldler; kaum blickte hie und da ein menschliches Gesicht verstohlen hinter den Schiebfenstern hervor; man tonnte Stunden lang warten und kein lebendes Wesen trat aus de.» niederen Türen unter schneebedeckten Dächern Goldammern und Sperlinge suchten auf einzelnen frischen Düngerhaufen vor den kleinen Häuschen ihr kümmerliches Mahl. Der Bach, welcher am Faße des Berges an den ärmlichen Wohnungen Anstoß, war stellenweise von seiner Eisdecke befreit, «rt saftige Brunn en kreffe umsäumte mit ihrem ßckschen Grün die kleinen Eisschollen, welch; das Geschäftig hinrikselnde Wasser gleichsam als lästige Zutaten ans Ufer geipült hatte. An dem einen Ende »eS Weiler» stand ein seinem Umfange nach srhr be­scheidenes Haus, daS etwas bester gebaut war als die übrigen. Sein Beußerer bot einen geto ffen sauberen inb freundlichen Anblick dar Erne steinerne Treppe führte zu der Hausiüre; auf der obersten Stufe dieser I Treppe, wovon die Mittagssonne den Schnee aufge­sogen hatt:, lag ein schöner Jagdhund und schien sich »echt innig der Sonnenstrahlen zu fresst?, welche jein | zottiges Kleid durchwärmten. In regelmäßigem I Takte fielen Tropfen geschmcltenen Schnees ringsum «on »em Dache des Hause» nieder und machten gleich­sam eine, wenn auch sehr einförmige Musik. Wir |

** Der Bandesrat bat in seiner Sitzung vor» 11. d. M. dem bereits in der Thronrede angekündigten Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Uebernahme einer Garantie des Reicher in Bezug auf eine Eisenbahn von Daressalam »ach Mrogoro seine Zustimmung erteilt. Der Gesetzentwurf wird alsbald dem Reichstag vor- zelegt werden. Wie die Begründung ausführt, halten die Verbündeten Regierungen nach wie vor einen wesentlichen Fortschritt in der Ent­wickelung des Deutsch-Ostafrikanischen Schuh- gebietrs ohne die Inangriffnahme der geplanten Bah« für ausgeschlossen. Dem Entwurf ist im wesentlichen diejenige Fassung zu gründe gelegt, welche dte ursprüngliche Fassung der Verbündeten Regierungen während der letzten Legislatur- j Periode in den geheimen Beratungen der Budget- i kommisfion des Reichstages erhalten hat. Die wichtigste Neuerung besteht darin, daß die Spur­weite der zu erbauenden Eisenbahn, die früher mit 1,0668 Meter in Aussicht genommen war, nunmehr auf 0,75 Meter festgesetzt ist. Diese Herabsetzung der Spurweite verringert die reinen Baukosten um ein Fünftel, ermöglicht eine Reduktion des für die zu gründende Eisenbahn- gesellfchaft erforderlichen Grundkapitals von 24 bezw. 22 Millionen Mk. auf 18 750000 Mk., »nb damit eine Herabsetzung der vom Reich zu Sarantierenden Jahreszahlungen von 815113,44 ezw. 747187,32 Mill, auf 636807,38 Mill Eus dem übrigen Inhalt der Vorlage sei hervor- gehoben, daß der Bau und Betrieb der Bahn durch eine von dem Baukonsortium innerhalb «ner Frist von einem Jahr vom Tage der Ec- trilmtg der Konzession zu bildende Kolontul- i geselltchast zu erfolgen hat, und daß die Vollendung und Inbetriebnahme der Bahn innerhalb einer Dist von fünf Jahren vom Tage der Bestätigung »es Gesellschaftsvertrages zu bewirken ist. Das Baükonsortium hofft, den Bau der Bahn inner­halb einer dreijährigen Frist vollenden zu können. Die drei ersten Jahreszahlungen an die Anteils­eigner der zu bildenden Eisenbahngesellschaft G. Juli 1905, 1906 und 1906) sollen zu Lasten »es Baufonds erfolgen, sodaß eine erstmalige Belastung des Reiches aus der zu übernehmen­de« Garantie erst mit dem 1, Juli 1898 ein« tritt — Viel Glück dürfte die Vorlage auch in der veränderten Gestalt beim Reichstage kaum haben.

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