zui-a, Mittwoch, dm 10. Februar 1904.
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s Der Evangelische Bund behauptet be- —_ e - *5. . . _ t-i__ittänetnnnori»
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i Fr$ks Blatt ।
_________31. Jahrgang.
* Weimar, 9. Feb. 1904. Der Landtag ist wieder zusammengetreten. Zum Vorsitzenden de^ Petitionskornmifston wurde der Abgeordnete Dr- Kiel (Geiia) gewählt. — Bekanntlich hat Dr. Kielschon wiederholt beantragt, die ka t h o li s ch e« Geistlischen im Großherzogtum bezüglich des Gehaltes mit denjenigen in Preußen glerchzu- stellen. Die Regierung ist diesem berechtigten Verlangen nunmehr bei der Neuberatung des Etats durch eine entsprechende Vorlage nachgekommen. Außerdem sollen die Pfarrer in Eisenach und Weimar je eine Ortszulage von 200 bzw. 400 Mt. erhalten und der Landesdechant m Geisa eine solche von 600 Mk. — Wie anderwärts, nimmt auch in den thünngischen Staaten die Versch ebung der Konsessionsverhältniffe zu. Die Zahl der Katholiken des Großherzogtums stieg 1880—1900 von 10 214 auf 14 095.
[] Weimar, S. Febr. 1904. Abg Dr. Kiel hat im Landtage e.nen Anrrag eingebrachr. welcher die alsbaldige wefentliche Herab« setzung der Kosten für das Trichinen- und Fleischbeschaugesetz verlangt. Mit diesem Anträge haben die vielen Klagen, die wahrend der Etatberatung in vergangener Woche von allen Seiten des Hauses über die zu hohen Kosten des Fleischbeschaugrsetzes vorgebrachr wurden, erst eine handgreifliche Bedeutung erhalten, da alle Lamentationen nichts nützen können, wenn nicht in dieser Hinsicht ein Beschlus des Landtages herbeigeführt wird, was erst durch den Antrag Dr. Kiel bezweckt wird. Anläßlich der Beratung dieses Antrages dürften denn auch noch andere''Mängel zur Sprache kommen, dl« dem Fleischbeschangesetz zurzeit noch anhasten. (Also auch im Weimarischen Landtage war es wie im Reichstage und Preußischen Landtag ein Mitglied des Zentrums, welches durch Antrag die Herabsetzung der Gebühren für das Fleifchbeschaugefetz bezweckt, und zeigt dies, «ne gerade das Zentrum die Interessen deS Volkes vertritt. Bem. d. Red.)
-s- Regensburg, 8. Febr. 1904. Im großen Saale des Erhardihauses fand am Sountag nachmittag eine Versammlung der Mitglieder des gesamten Lokalkomitees zur Vorbereitung der 51. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands statt. Eine imposante Menschenmenge, die der geräumige Saal kimm zu fassen vermochte, aus allen Kreisen und Berufsständen hatten sich eingefunden. Besondere« Glanz verlieh der Versammlung die Anwesenheit des Hochw. Herrn Weihbischofs v. Ow und zweier hervorragender Parlamentarier: Kammerpräsident Oberftudienrat Dr. v. Orterer und Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Schädler waren, einer Einladung folgend, aus München herübergekommen. 'Der Präsident des Lokalkomitees, Kommerzienrat Karl Pustet, begrüßte mit herzlichen Worten die Gäste und die Versammlungsteilnehmer und gab sodann eine Ueber- sicht über die bisher erledigten Vorarbeiten zum Katholikentage. Der Redner konnte konstatiere», daß er nirgends, wo er im Interesse der Geue- ralversammlung anklopfte, abgewiesen wurde.
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3. Ä?Ä». Moch-nbe»ag°:„dllustrierte Sornttagsjeitung*
Deutsches Reich.
Berlin, den 9. Februar 1964.
* An der Decke im Festsaale des Reichs- > aasvräfidialgebäudes befindet sich dre In- fchrist: „Ich habe keine Zeit, müde zu sein." Es war in den Blättern behauptet worden, es handle sich um einen Tanzsaal und die Inschrift solle eine Mahnung an bequeme TänM sein. Gegen diese Geschmacklosigkeit verwahrt sich der" Erbauer des Hauses Paul Wallot in einer Zuschrift an die »Rordd. Allg. Zta/. Der Raum, um den es sich handele, s« kein Tanzsaal, was schon daraus hervorgehe, daß er um eine nachbarliche Brandmauer zu oe- dc'cken, erst nachträglich der Wohnung, die bereits einen kleinen Tanzsaal enthielt, angefügt wurde. Dieser Saal sei dazu bestimmt, in all den Fallen als Ergänzung des Speifezimmers zu dienen, m welchem es seiner bescheidenen Abrneffungen wegen sür die Zahl der Gäste des Präsidenten nicht auSreiche. „Um der Ausgestaltung des Raumes einen bestimmten Charakter zu geben, lag es nahe, an die vergangene große Zeft an- zuknüpfen. An. dem Deckengewölbe ist eine größere Bildfläche vorgesehen für eine allegorische Darstellung, deren Inhalt sich beziehen fall auf den Gründer des Reiches Kaiser Wilhelm I. Der dieses Gemälde umschließende Fries enthält die von der Zeitschrift .Kunst und Künstler' zitierten Worte. An der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite des Saales wird sich ein großer Aufbau erheben, der im wesentlichen die Umrahmung eines Gemäldes bildet, welches Kaiser Wilhelm I. im Krönungsoniat darstellt. Diese Umrahmung ist in Arbeit. Alles übrige, auch Tische und sonstige Möbel:c. :c. tonnten bisher nicht ausgeführt werden, weil die Mittel dafür noch nicht zur Verfügung gestellt sind.«
* Im Reichstage hatte am Montag der Abg. Bebe! behauptet, daß die Reden der Sozialdemokraten dem Hause durchaus nicht mehr Zeit fortnähmen als die Reden der übrigen Parteien. Diese Behauptung hat zur Aufstellung nachstehender Statistik auf Grund der stenographischen Protokolle Veranlassung gegeben. Es haben vom 3. Dezember bis zum 24. Januar beansprucht: Die Deutsch - Konservativen 85 Spalten des stenographischen Berichts, die Reichspartei 33, die Polen 35, das Zentrum 133, die Nationalliberalen 133, die Freisinnige Volkspartei 102, die Freisinnige Vereinigung 52, die Süddeutsche Volkspartei 21, die Antisemiten 62, die Sozialdemokraten dagegen 331 Spalten des stenographischen Berichts. Die Reden der anderen Parteien machen demnach zusammen 656 Spalten aus, so daß die sozialdemokratischen Redner mehr als halb so viel geredet haben, wie alle anderen Redner zusammen.
Schuß aus der Feldschlange vor dem Tore, die Menge wird ruhiger, oie Gemüter sind tu höchster Spannung, ein tm tiefsten Baß gesungenes „Amen hört man aus der Kirche schallen.
„Was der Herr Rektor x) sür eine Stimme hat, man hört sie eine halbe Stunde Weges", sagte ein Bürger, der eben der Aufforderung des StadtdienerS Folge geleistet und Spalier gebildet hat, zu seinrm, Nachbar, dessen Ellenbogen ein vorwitzig andrängender Landmann in sehr unvorteilhafter Welse kennen lernte. t „ ... .
Ihr habt Recht, Gevatter, der Rektor ist em Sä "ger, so soll man einen zweiten suchen, und wie er die Orgel zu schlagen weiß, und in seinem Küsterdierste gehr er allen Sakripanen vor. Ja, unser | Kornemann, daS ist ein ganzer Mann;'s m auch rech,, daß die Stadt ihm heuer wreder eine Zulage cegebeu hat und ihm ein zweites Krautbeet bestellen läßt; er vrrdient es in der Tat, zumal die Ostereier nicht mehr so reichlich ausfallen wie früher. Aber heute hat der Herr Rektor wieder einen guten Tag; wie viele solcher Tage mag er wohl schon gehabt haben?" sagte der Nachbar.
„Nun, da» läßt sich ungesähr tm Urberschlage berechnen: eS sind Eheleute hier wie der Trinen Peter und seine brave Adelheid, die haben ihre silbrene Hochzeit schon gefeiert und der Rekror war ihr Gast wie damals, als sie zum erstenmale sich am Altäre Treue gelobten."
Jetzt gebot der Stadtdieuer mit dem ganzen Ernste seiner Amtsmiene und voller Stimme: „Stille!" Tiefes, erwartung^volleS^Schwe'gen herrschte ringsumher, Hüte und Mützen flogen von den Köpfen ; es war ein höchst feierlicher Augenblick. Die Flügeltüren der Kirche iffrieten sich; in langem, festlichem Zuge erschien des Brautpaar und sein ebenso zahlreiches als glänzendes Gefolge; alle Augen richteten fich auf diesen Zug. Der Bräutigam, in Schwarz und blendend sauberes Weiß gekleidet, machte ein so ge-
') Rekwr Ignaz Metzung
kanntlich, er treibe keine Politik, insbesondere keine Parteipolitik. Die Deutsch Evan- aelische Korrespondenz, die die Konservativen wegen ihrer Stellung zum Zentrum und zur Jesuitenfrage heftig bekämpft, sollte! kern Organ des Bundes, sondern ein selbständiges Unternehmen sein. Die.Konservative Korrespondenz macht nun darauf aufmerksam, daß in dem | Jahresberichte über die letzte Generalversamm- uug des Bundes zu lesen steht: »Auch die Fort- etzung des Erscheinens der .Deutsch-Evangelischen korrespondenz', zunächst bis zum 1. Oktober 1904 ist (vom Zentraloorstande) beschlossen worden. Ferner: „Durch die Gründung der,Deutsch- Evangelischen Korrespondenz' ist die A-beit der Preßkommission sowohl verstärkt als eingeschränkt, der Redakteur der Korrespondenz ist selbstver- tändlich in die Kommission eingetreten." Danach ist die gesamte Korrespondenz ein ausge- prochenes Organ des Zentralvorstandes des Ioangelischen Bundes. Ferner ist von Jntereffe, daß der Jahresbericht rühmt, Erfurt habe wesentlich zur Wahl eines gegen die Aufhebung von § 2 festgemachten Reichstagsabgeordneten mitgewirkt. „Dieses Hervorheben einer politischen Tätigkeit zu gunsten der nationalliberalen Partei gegen die Konservativen ist bezeichnend, meint die ,Kons. Korresp.' Man behauptet doch sonst seitens des Zentralvorfiandcs, daß ein Hebet« greifen auf das parteipolitische Gebiet nicht statt-! finde. Hier ist ein solches im Namen des Vor- standes ausdrücklich konstatiert und gerühmt." Weiter bemerkt das konservative Fraktions- orgau: „Mit besonderer Befriedigung blickt der Jahresbericht auf die Entwicklung der Bundessache im Königreich Sachsen. Der dortige Hauptverein hat nicht weniger als 9 ZweiZver- eine zu seinen bestehenden 36 hinzugewormen. Die neuen Vereine haben 877 Mitglieder gebracht, innerhalb der alten Vereine aber ist ein mächtiger" Zuwachs zu verzeichuen, der sich auf 1578 belief. Die Mitgliederschaft im Haupt- verein beträgt 11050 mit etwa 22 000 Mark Jahresbeiträge, dazu kommen die angeschloffenen Vereine mit 16000, sodaß der Hauptoerein rund 27000 Mitglieder zählt. In Sachsen hat die Erregung über die vom Reichskanzler kundgegebene Absicht, den § 2 des Jesuitengesetzes zu beseitigen, ein lautes Echo gefunden. Resolutionen, Pettiionen, Proteste find in Mafien an das sächsische Ministerium und den Bundes- rat abgegangen. Und der Erfolg? Sachsen ist bei den Reichstagswah len zum „roten Königreiche" geworden. Wer fich der konfessionellen Hetze erinnert, die schon aus Anlaß der Kronprinzeffin - Affaire getrieben worden war und die auch das sächsische Königshaus nicht geschont hat, und wer beobachtet hot, wie die Sozialdemokratie es verstand, diese Hetze für ihre Parteiinteressen sich nutzbar zu machen, der wird nur schwer den Gedanken los werden, daß das obenerwähnte „Echo"der „Erregung" nicht unwesent- lich zu dem betrübenden Ereignis der sächsischen Reichstagswahlen beigetragen hat."
Eberhard Kaufhvlz, einher. Sei« Haar ist gereicht, aber seins Haltung und sein Schritt sind mm« noch kräftig. Ec trägt die schöne WüdmeisterSunisor«. wm grüner Farbe, reich mit Gold besetzt. Em stattliches Wehrgehänge über Brust und Schulten, mit dem« Hirschfänger, an deflen Griff eine schwere golden Troddel hängt, gelbe Stulphandschuhe von Gemse»- i eher, ein hoher Hut mit wallendem Reiherbufch bilden ren imponierenden Schmuck des alten WaidmanneS. Neben ihm geht ein anderer Forstmann, Mger «t Jahren und von nicht so.reichesUniform, es ist Leo- p old G., jetzt Revierjäger in der Gegend. Ab« diese beiden Männer scheinen die Neugierde deS Publikums doch nicht in den, Grade ö« erregen -lS d« Dritte, welch« Arm in Arm mit Leopold G. fleht und aus den alle Blicke wie Pfeile sich »u richt«, scheinen. Eine hohe, kräftige Vestals mit einer breite» Narbe auf der Stirne, einen vollen Schnnrebart aus der Oberlippe, ein Ordenrkreuzaufder Brust Md OffizierSepauletten auf den Schultern. Gewiß ett» Reitercffizier denkt I der, welch« difien Man» ES ist Anton Remmert, Maivr misechSt« Chaffeurregiment des sravzöstschen Kaiserreichs, d« Jugendfreund und Beiter bei» Bräutigams, den em glücklich« Zufall zur HrchM seine» Freundes w* einstigen Schulkameraden Adam geführt hat. Deo Schluß dsS Zuges blldete Rektor Kornemann, we-chri die Schließung d« Kirche heute durch feinen ^lcanten besorgen läßt; denn d« Rckwr darf im Festige \o wenig fehlen wie bei d« Hochzeit, ist et ia M fast dreißig Jahren Stammaaast im Löw«> «nd hat ja die bescheidene Braut ihre sqöne Handschrift und ihre Fertigkeit im kopfrechnen dem wackeren Lehr« i» verdanken. Aber man steht dem Rektor wach die Freude üb« diesen Tag an; ferne hohenKmIreM find so blark gewichst, daß man sich darin einem Spiegel besehen kann, die »schleife d« weiß«, Halsbinde ist in eine zierliche Rose gebundeo^und «, bet stählernen Uhrkette üb« der schwarzen Sammet weste fehlt d« Uhifchlüffelmtt^mbretten Gr.fi von Achat nicht. Atzt macht d« festliche Zug Halt, die
strenges Gesicht, als wenn « hinter dem Aktentische in der Amtsstube säße und die Bauer» zu Protokoll vernähme. Es g-b unter den Zuschauern Leute, welche dm Bräutigam von Jugend auf kannten und denen diese strengen Züge ganz ung-wohtitundbe. fremdmd vorkamm. Die Braut, em einfaches Burgerskind mit unendlich viel Gutmütigkeit im Gesichte, ging, bescheiden die Augen niederschlagend, neben dem gravitätischen Bräutigam, der um zwol Jahre alt« als seine Angetraute sein mochte. Jetzt hatten die Augen und mehr noch die Zungen der weiblichen Zuschauer vollaus zu tun, um eine möglichst vollständige Riitit des AnzineS der Brautleute zu lief««.
Den Frack des Herrn AmtsschrnberS hat der Hero'ld'S Schneid« nicht gemacht, solch eine Arbeit wird im Städtchen nicht geliefert", sagte eine um- fangreiche Krämersfrau zu ihrem Herrn Gemahl, der mit fast neidischen Blicken den HochzettSsrockbetrachtete.
„Wahrscheinlich ist er von Pan» gekommen", ent- I «finde mit saurer Miene der Eheherr und murmelte ein „dummes WeibSvolk" zwischen den Zähnen.
Die beiden Brautführer schienen vom Volke mit besonderer Hochachtung begrüßt zu werden; m dem Einen die'erFübrer erkennen wir den Löwinwirt von ä . . welcher seinen Schwiegersohn, den Am'traktuar A d a m F r ö h l ich, als Zmge zum Traualtar begleitet bat, und Wenn gleich sehr gealtert, ist uns doch Meister Fröhlich au seinen fteundlichen, ruhige» Zügen erkennbar. Er hat die Braut seines SohneS, die brave Tochter des Löwenwirts, zur Kirche 9SU!B«wanbte und Bekannte des jungen PaarA geputzte Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen Moten in langer Reihe und bunter Abwechslung. Drei Männer in Unvortn erregten die cllgrmeinst «usmerksamkeit; manche Mutter hob daS Mrck> auf ihrem «rre in die Höhe, damit cS die drei schmücken £>c«en sehen konnte: mancher Finger deutete offen ob« verstohlen auf dieselben. Im Gefühle sein« Würde und mit der Freundlichkeit eines HochzeitS- gasteS schritt der Wikdmeister von Marbach, H«rr
* Der von nationalliberaler Seite (Seydel-Hirschberg und Genoffen) im Abgeordnetenhause zum Justlzetat gestellte Antrag betreffs der Automobile lautet: «Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, die Staats- tegierunq auszufordern, baldmöglichst gegen solche Ausschreitungen des Automobilsports vorzugehen, durch welche eine Gemeingesahr gegen Leben, Gesundheit und Eigentum der Bevölkerung hervorgerufen wird." — Abg. Kindler (fteff- Vp.) hat im Abgeordnetenhause zum Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung beantragt, die Staatsregierung zu «suchen, in jeder Provinz Meiflerkurse einzurichten und Ausstellungen von im Kleingewerbe verwendbaren Maschinen und Werkzeugen zu veranstalten.
* Die Reichstagskommission zur Be- rstung der Kaufmarmsgcrichte gab auf Antrag Müller-Meiningen unter Annahme emes ! Zusatzantrags des Zentrums den Absatz 2 des 8 6 folgende Fassung: Vereinbarungen, durch welche der Entscheidung des Kaufmannsgerrchts Streitigkeiten, welche zu seiner Zuständigkeit gehören, entzogen werden, stnd nichtig. § ~ nnü § 8 werden ohne Debatte angenommen. § 9 erhielt auf Antrag des Zentrums folgende Fassung: Zum Mitgliede der Kaufmannsgerichte I soll nur berufen werden, wer das 25. Lebensjahr beendet und in dem der Wahl voran' gegangenen Jahr für sich oder ftine Familie Armenunterftützung aus öffentlichen DhLeln nicht empfangen oder die empfangene Armen« Unterstützung erstattet har. Ais Beifi^r soll nur berufen werden, wer im Bezirk des Gerichts seit mindestens zwei Jahren seine Handelsnieder- laffung hat oder beschäftigt ist. Personen welche zum Amt eines Chefs unfähig sind (Gerichts- । oerfafsungsgesetz 31, 32), können nicht berufen werden. Forschung Donnerstag.
Berlin, 9. Febr. 1904. Der Kaiser wird, einer Meldung aus Wilhelmshaven zufolge, am 1. März dort eintreffen, um der Vereidigung der MarmerekrutLN beizuwohne«. Im. Anschluß hieran nnlermumtt der Monarch einen Abstecher nach Helgoland, wo «in zweitägiger Aufenthalc geplant ist. — Die Aufgabe der Mittelmeerreise des Kaisers ist wegen der Verwickelung in Ostasieu, wie ein- Korrespondenz meldet, endgiltig erfolgt, da die WitterungsverhMnifle eine spätere Ausführung der Reise, al§ -w März, nicht wünschenswert erscheinen lasien. Borauk sichtlich wird das Kaiserpaar tm Frübjahr einen längeren Aufenthalt in Homburg vor der Höhe nehmen. — Aus Anlaß der morgen stattfindenden Konsekration des Hochwurdrgsten Feldorostes Bollmar ist der Hochwürdigste Herr Kardinal - Fürstbischof Dr. Georg Kopp von Breslau in Begleitung semeS Geheimfekretärs Msgr. Dr. Steinmanu heute abend hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegeu. Ebendaselbst hat auch der Hochwürdigstr Herr Bischof Dr. Wilhelm Schneider von Paderborn Wohnung genommen. Im Laufe des morgigen Tages trifft der Hochwürdigste Kardinal- Erzbischof Fischer von Köln 6ter et«, um fernen Herrenhaussitz eiüzunehmen. Für den 14. Februar ist Se. Eminenz zur Audienz beim Kars« befohlen worben. — Der ständige Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung des auswärtigen Amts, Legattonsrat Professor Dr. Helfferich, hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Staatswifsenschastkn an die Universität Bon« eryUlttn, Aus Wunsch seiner vorgesetzten Behörde hat er sich jedoch entschlossen, dem ehrenvollen Rufe keine Folge zu leisten, sondern in seiner bisherigen Wirksamkeit zu verbleiben.
wildmeifters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
32 ------ (Nachdruck verboten.)
VIII.
Die Glocken der Pfarrkirche von Hünfeld schlagen so bell und freudig zusammen, Böll«schüffe, schnell auf einander solgend, tönen uns entgegen; Wit berlen uns, daß wir das Städtchen erreichen. Wie sich der städtische Oberfeurrwerker, der rote Klaß, in Schmeiß gearbeitet hat, um ans der Feldschlange, die seit dem dreißigjährigen Kriege Eizen- tum der Gemeinde ist, die Freudensalven in gemessenem Tempo zu geben, womit die Trauung ein« PatricierStocht« verkündet Wird. I« den Straßen — und deren find nicht viele — wogt die freudig bewegte Menge; man kann auf den meisten Gesichtern lesen, daß die Leute der Dinge harren, die da kommen sollen. In die Kirche zu gelangen tst uns nicht möglich, ihre Räume sind übnsüllt, die Feier, lichkett hat b«eit» begonnen. Der Stadtdiener, in seine festtägliche Uniform gekleidet, einen dreuckigen Hut auf dem Kopie, handbreite Silberborten auf den Schößm seine» LeibrrckeS, die bis zur Erde teiche«, bietet alle feine Beredsamkeit und alle seine D«bheit auf, um unter der andrängenden Menge »ne Straße für den Brautzug zu öffnen, d« jetzt bald die Kirche verlaffe« wird. Unter den Mafien Neugieriger, die fich In den Straßen bringen, entsteht schallendes Gelächter; auf einem Bauernwagen, mit Erbsenstroh bedeckt, kommen Hochzeitsgäste gefahren: eine ältliche Dame in einem burlesken Anzüge, halb städtisch, halb ländlich, hat einen vrr- Sdten Regenschirm, untre dem eine ganze Familie atz finden kann, ausgespannt, um fich gegen die Somenstrahle« zu schützen, die bei sechs Grad Kälte eben nicht versengend und dem zarten Tettit einer Sechzigerin nachteilig wftkcn. Jetzt fo^t ein voller