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Mda, Dienstag, den 9. Februar 1904.

31. Jahrgang.

Berlin, den 8. Februar 1904.

][ Die Mittelmeerreise, die das deutsche Kaiserpaar am 1. März onzutreten gedachte, ist nunmehr aufgegeben worden. AlsG^und für diesen Verzicht werden die trüben Verhält­nisse in Deutsch-Südwestafrika und die Ereignisse in Ostasien angegeben, ohne daß sich die Richtig­keit feststellen läßt. — Heute vormittag hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow.

)( Reichskanzler Graf Bülow empfing eine Abordnung des Verbandes der Kriegs­freiwilligen von 1870/71, um ein künst­lerisch ausgefertigtes Diplom entgegenzunehmen, in dem seine Ernennung zum EhrenMit­glied e des Verbandes vollzogen wird. Graf Bülow ist Kriegsfreiwilliger von 1870/71; denn er trat im Juli 1870 freiwillig in das damalige 1. Rheinische Husaren-Regiment (Königshusaren) Nr. 7 ein und nahm in dessen Reihen an dem Feldzuge in Göben'schen (VIII.) Armeekorps teil. Graf Bülow nahm das Diplom dankend ent­gegen und betonte in seiner Erwiderung, daß er die Bestrebungen des Verbandes voll würdige- daß auch er die Erinnerungen von 1870/71 zu den schönsten seines Lebens rechne, und daß diese Erinnerungen ein unerschöpflicher Lebensborn für alle Mitkämpfer jener großen Zeit bleiben würden.

* In Bezug auf die Begebung Preussi­scher Konsols erfährt die ,Nordd. Allg. Ztg/, daß sich unter der Leitung der Seehandlung die­jenige Bankgruppe, die auch schon in früheren Jahren für die Unterbringung und den Vertrieb kleiner Umlagen tätig gewesen ist, wieder zu- fammengeschlossen hat. Bei der günstigen Finanz­lage Preußens kann weder die Begebung eines größeren Anleihebetrages, noch die Veranstaltunc einer Subskription in Frage kommen. Es ist vielmehr in Aussicht genommen, den Betrag von «a. 70 Millionen succesive je nach der Markt­lage zu verkaufen. Es läßt sich erwarten, daß rmter diesen Umständen die günstige Entwicklung des Konsolsmarktes keine Beeinträchtigung er­fahren wird, zumal der Geldstand ein überaus flüssiger ist und die Lage der preußischen Finanz­verwaltung keineswegs eine Beschleunigung des Verkaufes erforderlich macht Der Grund, wes­wegen überhaupt mit der Begebung jetzt vor­gegangen worden ist, liegt im wesentlichen darin, daß die für die preußische Finanzverwaltung zu erwartenden erheblichen Mehreinnahmen vielleicht erst verhältnismäßig spät im Jahre der Kasse zufließen und der Herr Finanzminister deshalb in dem Wunsche, nicht durch eine vermeidbare Abziehung größerer Summen die günstige Ent­wicklung "des Geldmarktes irgendwie zu stören, auf alle Fälle sich stark halten wollte. Daß Preußen nicht ohne Fühlung mit dem Reiche vorgegangen ist, bedarf kaum der Erwähnung.

tapferer Soldat. Die Erbitterung über die Sirenge, womit Eure Befehlshaber gegen alle Calabresen ver- fayrrn, hat Euer Todesurteil herbeigesührt, doch eS wird nicht vollzogen werden, verlasset Euch auf mich." ]

„Und würde furchtbar von meinen Kameraden gerächt werden," bemerkte ich zu diesen Worten deS Mönches.

„Aber in der kommenden Nacht noch müßte Eure Rettung bewerkstelligt werden. Wird eS Euer Zustand zulassen, daß Ihr drei Stunden Weges auf einem einsamen Gebirgspfade, den nur Wenige kennen, mit einem Maultier zurückleget? Für einen treuen Führer werde ich sorgen, und wenn Ihr einmal fort seid, wird so große Nachfrage nach Euch nicht sein, denn von allen Seiten rück-n Eure Truppen an, und eS möchte ein« große Frage sein, ob sich die Patrioten noch drei Tage in dieser Gegend halten, oder vor­ziehen werden, tief.r im Gebirge eine feste Stellung einzunehmen."

„Ich glaube, daß ich diese Reise machen kann; die Hoffnung der Rettung gibt selbst dem Erschöpften 'ungewöhnliche Kraft, und wen« eS mir gelingt, mich zu retten, so werden die Dunkertränen meiner An­gehörigen Euren Ed-lmut lohnen, in ihren Gebeten werden sie Euch segne». Diese meine Worte bestärkten den Mönch noch mehr in seinem Borhaben und mit seiner Hilfe führte ich in der folgenden Nacht weine Flucht aus. Auf einem Maultier fitzend, von einem treuen Führer geleitet, schlich ich mich auf einsamen steilen Pfade« durch die feindlichen Linien, und am frühen Morg-n begrüßte ich unsere Vorposten.

Um mir Erholung von den überstandenen Müh- stligkeste« zu gönnen, machte man mich zum Pla^- kvmwandavtrn in einer Stadt an der Meeresküste, die Ernennung zum Kapitän und das Kreuz der Ehrenlegion gaben mir Ersatz für die SchreckenStage in Calabrieu. Zwei Jahre verweilte ich in mein-r oben n wähnten St-llnng in Italien, eS war die schönste Zeit meines Leber»; im ersten Monate deS

vorigen Jahres kehrte ich nach Frankreich zurück und lag mit dem Regiment«, worin ich jetzt diene, in Kantvnrie^ungen längs der MaaS. Die erste Sorge nach meiner Rückkehr war, für die Unterstützung meiner Base etwas zu tun, die nach einem Schreiben | meiner Schwester, das ich in Italien erhalten hatte, noch lebte. Ich gab einem Artilleriklff zier, der nach Erfurt ging," zweihundert Franken mit dem Auftrage, diese Summe dem Bürgermeister meiner Vaterstadt unter der Bedingung zu übergeben, daß monatlich 1 davon zwanzig Franken zur Unterstützung meiner I Base verwend-t würden; nach zehn Monaten sollte, wenn es irgend möglich sei, eine neue Summe dem Bürgermeister zur Verfügung gestkllt werden. Leider erlauben es die Berhälmiss«, worin ich mich jetzt befinde, nicht, mein Vorhaben auSzusühren."

„Warum nicht, Sie haben doch jetzt keinen außer­ordentlichen Kostenaufwand zu machen, und wenn demnächst die Auswechslung der gegenseitigen Ge­fangenen stattfindet, so erhalten Sie ihren ganzen rückständigen Sold ausgezahlt, bemerkte der Rittmeister.

„Dar ist richtig, Herr von Truchseß, aber die Vorbereitungen zu diesem Feldzuge, wo ich wir neue Uniform und neue Pferde anschaffen wußte, das Leben im Felde zumal mit Kameraden, welche fast alle von Hause wohlhabend find, wie eS bei den meisten Offizieren unseres Regiment- ter Fall ist, haben meine Kosse so erschöpft, daß ich auf dem Marsche die Ge­fälligkeit eine- Kameraden ansprechen und mir eine Summe leihen mußte, die zurückzuerstatten meine

I nächste Pflicht ist" _

„Nun so lossm Sie mich diesmal die Sorge für Ihre Base übernehmen, ich werde es mit besonderer Freude tun; das Andenken an meine teure Mutter, die Liebe zu meiner Vaterstadt Heist mich schon Sie dieser Sorge en!heben."

„DoS Ware zu viel. Herr Rittmiister, und ich würde, wenn ich dieses Anerbieten anrühme, vielleicht

' andern Ihre Unterstützung entziehen."

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Eine Novelle von C. Pfaff.

31 ------ (Nachdruck verboten.)

„9tei*, es wäre zu hart, wen» Ihr sterbe» solltet, Kapitän, daS kann i d nicht mit ansehen. Wenn Ihr Euch meinen Händen anvertrauen wollet, werde ich Euch retten; Ihr habt nur den Befehl Garer Odern vollzogen, als Ihr zur Bersolgurg vec Patrioten auszozet und Luigi Coprero durch Eure Leute seinen Tod fand," fagtt mit einem Male der Mönch und schaute mich mit einem Blicke der innigsten Mitleides an.

„Ist Lu'gi Caprero tot und will man seinen Tod durch den meinigen rächen?" fragte ich auf diese für «ich traurige und zugleich hoffnungsreiche Nachricht.

„Bei San Giorgio wurde er erschossen; von allen Seile* verfolgt und wie ein armes Wild gehetzt hatte er stch in dem Dorfe ein Bersteck gesucht und glaubte sich dort sicher."

«Da» war om Ende der junge Mann in einer B'nse, welchen eine Kugel unserer Jäger vor dem Dorfe uirderstreckte?"

„Er war e», eine Viertelstunde noch und er wäre durch unsere Leute gerettet worden."

„Aber in aller Welt, lieber Pater, gebet mir genauen Ausschluß über meine jetzige Lage und da-, was mir bevorsteht."

„Ihr seid mitten im Gebirge in einem Kloster, da» von allen seinen Bewohnern verlasse» worden ist bi» auf mich, dem Ihr zur Bewahrung und Ver­pflegung von den Patrioten übergeben worden seid. Ring»*m im Walde lagern zu Tausenden unsere Latte: die Bauern haben ihre Dörfer verlassen und sich dem Rest, der königlichen Truppe» augefchlofle»; Graf Roger von Damas führt diese Schar n, em

„Durü aus nicht, ich habe keine Familie und ein reichliches Auskommen."

„Mr gehören also beide dem, Stande der Hage­stolze an," sagte lächelnd der Kapitän.

„Ja wohl, und bi» zur Schlacht von Aspern hatte ich keinerlei Sorgen dieser Art; aber jene Schlacht entriß mir einen Freund und gab mir einen Sohn."

„Sie haben wohl Bateistelle bei dem Kinde «*es auf dem Felde der Ehre gefalleren Freunde» über­nommen?" , ,

„Richtig erraten, lieber Landsmann; indessen brauche ich für die materiellen Bedürfnisse «eines Adoptivsohnes nicht zu sorgen, denn Clemens vom Maierhof, so beißt er, ist Erle eine» sehr bedeut«- den Vermögens; desto eifriger werde ich mich seiner geistigen und sittlichen Ausbildung annehmen, damit er seine» braven mir unvergeßlichen Eltern würdig nacheifert." _

„Da» ist sehr edel von Ihnen gedacht, Herr von Truchseß." _

„Nun, wir werden über die obenerwähnte ein- gelegenheit noch einmal ausführlich mit einander reden; wie mir der Herr Doktor sagte, so gedenken Sie nach Ihrer Wiederherstellung eine Reise in die Heimat zu machen."

„Es ist wenigsten» mein sehnlichster Kunsch, und ich bin überzeugt, daß man mit einen Urlaub von einigen Monaten gewähren wird." .

„Dann haben Sie vielleicht die Güte, einige Auf­träge von mir in der Heimat auSz»führen?"

„Mit dem größten Vergnügen, Herr Rittmeister, und je mehr desto lieber."

„Nau, auf Wiedersehen, lieber Lapstäu.

Mit diese» Worte» verabschiedete sich der Rät» meister und verließ mit dem Arzte da» Zimmer de» Kapitän», dessen düstere Stimmung ganz vnschwnnden zu sein schien.

(Fortsetzung folgt.)

nehmenden Gemeinden nur eine Gemeinde Be­rufung eingelegt hat, und nach dem Inhalte der Berufung nur eine zweite Gemeinde in ihrem Anteile verkürzt werden soll, so beschränkt sich der Streit auf diese beiden Gemeinden, die Be­rufung sowie die Berufungsentscheidung brauchen daher den übrigen Gemeinden nicht mitgeteilt zu werden. Wenn die zur Entscheidung über die Berufung zuständige Behörde von vornherein zur Abweisung der von einer Gemeinde einge­legten Berufung gelangt, so bedarf es außer der Mitteilung an diese Gemeinde einer weiteren Mitteilung überhaupt nicht.

% Der sozialdemokratische Abg. Rosewow ist am Sonntag vormittag am Herzschlag ge­storben, nachdem et schon längere Zeit am Gelenkrheumatismus leidend war. Er vertrat den 20. Wahlkreis Sachsen. Er lebte zuletzt in Schöneberg als Schriftsteller.

% Der nationallibevale Aeichstagsabgeordnete Jaenicke, Verleger des .Hann. Kourier", dessen Wahl die Kommission für ungiltig erklärte, hat sein Mandat niedergelegt. @i vertrat den 16. Wahlkreis Hannover.

* Während des Jahres 1903 find 1494 Chejubilüirmsmedaillen verliehen worden. Davon entfallen auf eie Provinzen: Ostpreußen 36, Westpreußen 33, Brandenburg mit Berlin 207, Pommern 96, Posen 55, Schlesien 132, Sachsen 171, Schleswig Holstein 98, Hannover j 175, Westfalen 144, Hessen-Nassau 77, Rheinland 270, zusammen 1494. Von den mit der Medaille beliehenen Ehepaaren gehörten 1125 der evangelischen, 309 der katholischen Konfession | an, 17 lebten in gemischter Ehe, 1 Ehepaar war ! altkatholisch, 1 gehörte der Mennoniten-, 1 der Wallonisch reformierten, 1 der Baptisten-Sekte, 1 der Gemeinschaft der Adventisten vom siebenten Tage, 38 der jüdischen Religion an; 15 Jubel­paare feierten das 60jährige Ehejubiläum.

wenn man ihre Lebensäußerungen einschränken I will, um nicht auch der katholischen Kirche die gleiche Freiheit gewahren zu müssen. Mag man unsere Zeitung der „Liebe zu Rom" beschuldigen, so viel man vor seinem eigenen Gewissen ver­antworten zu können glaubt, wir werden nicht aufhören, die evangelische Kirche selbst gegen ge­wisse „Rcm-Feinde" zu verteidigen." !

% Vom Kriegsschauplätze in Deutsch Südwestafrika. Die tapfere Kompagnie Franke, welche bekanntlich Windhuk und Okahandja ent­setzt hat, hat neuerdings bei Omaruru einen bedeutenden Erfolg errungen. Leider ist derselbe > mit schweren Opfern erkaufr worden. Der Kom­mandant S. M. S. „Habicht", meldet aus Swakopmund unter dem 6. d. M.:

Kompagnie Franke ist nach heftigem Kampf in Dmaruru eingedrungen. Feind grobe.Verluste an Toten, Verwundeten, Grohvich. Häuptlrng Mrchael | iiCmäuf /erer Seite tot: Feldwebel Müller,!

Unteroffizier Otto Pries, Gefreiter Linke, Scherrer, Reservist Seelmand, Landwehrmann Gerlitz. Ver­wundet: Leutnant Griesbach, Nathufius, Wollwarth, Sergeant Tante, Unteroifizier Hecker, Ullrich, Gefreiter Milke, Kaul, Reservist Hoffmann, Lazemann, Wahl. Vermißt: Patrouille 1 Unteroffizier, 6 Mann. Ver­wundete scheinen außer Gefahr. Feind schließt Omaruru ein. Habe Korps Habicht und Wmkler | nach Karibik zurückberufen, von wo vorausstchtlich morgen Vormarsch nach Omaruru. Bahn bis Windhuk wieder befahrbar; ist nach Möglichkeit in Sicherheit! gebracht.

Die Kompagnie Franke hat hiernach auch | Omaruru entsetzt, ist indessen später von dem ihr numerisch überlegenen Feind wieder eingeschlossen j worden, so daß sich die Notwendigkeit ergeben hat, ihr schleunige Hilfe zu bringen. Das Korps ! des „Habichr", welches die Bahn besetzt halten sollte, und die Ablösungsmannschaften des Ober­leutnants Winkler, welche zur Entsetzung von | Gobabis bestimmt waren, werden hoffentlich. vereint die tapfere Schar aus ihrer bedrängten | Lage in Omaruru bald befreien.

* Das Oberverwaltungsgericht hat in einer Entscheidung vom 8. Oktober 1903 de» neuen Rechlsgrundsatz aufgestellt, daß eine von der Zerlegung eines G-we'rbesteuerfatzes (§ 38 des Gewerbesteuergesttzes) beteiligten Ge­meinde, deren im Zerlegungsbeschluffe bestimmter Anteil durch die gegenüber einer anderen Ge­meinde ergangenen Berufungsentscheidung nicht verkürzt rotrb, kein Beschwerderecht zusteht, falls sie nicht selbst die Zerlegung mit der Berufung angefochten hatte. Als „beteiligte Gemeinden", denen Abschriften der Berufungsschriften mitzu­teilen und die Berusungsentfcheidungen zuzustellen sind, sind daher, wie der Finanzminister in einem Erlaß an die Regierung bemerkt, fortan solche bri der Zerlegung berücksichtigte Gemeinden, welche an der Berufung oder an der Berufungs­entscheidung überhaupt kein Interesse haben, weil der ihnen zugewiesene Anteil an dem Steuersätze nicht berührt wird, nicht mehr anzu­sehen. Die gedachtenMitteilungen undZustellungen sind vielmehr in Zukunft auf diejenigen Ge­meinden zu beschränken, welche ein Interesse an den Berusungen anderer Gemeinden oder an den hierüber ergehenden Entscheidungen haben. — Wenn z. B. von allen an der Zerlegung teil-

(*.) Als eine „Liebesgabe an dasI Zentrum" bezeichnen verschiedene Blätter die wahrscheinlich in Aussicht flehende Zulassnug der Mariauischeu Kougregatioueu unter den katholischen Schülern preußischer höherer Lehr­anstalten. Dazu bemerkt die, Kreuzztg.': „Wir begreifen nicht, wie man die klaren Zusammen- hange der Dinge so verwirren kann! JnWnk- ichkeit kommt nämlich jene Zulassung auch den Evangelischen zu gute. Zu Recht besteht heute der Erlaß des Kultusministers Falk vom 4. Juli 872 .... Inzwischen haben sich an vielen preußischen Gymnasien evangelische „Bibel- Tänzchen" gebildet, die in großem Segen wirken und durch die Stärkung des evangelischen | Glaubens, Ver'iefung des religiösen Lebens und j Erweckung herzlicher, auf christlicher Grundlage ruhender Freundschc-sten ein starkes Gegengewicht bilden, nicht nur gegen alle religionsfeindlichen Einwirkungen, sondern namentlich auch gegen die katholischen Irrlehren. Diese mit großer Freudigkeit unserer Glaubensgenossen gepflegten eoangeliichen Schülervereine stehen in Gefahr, der Auflösung zu verfallen, weil durch ihre Zu­lassung 'ohne alle Frage die Parität verletzt wird, fo lange katholische Schülervereine untersagt bleiben. Allerdings stehen unsere Bibelkränzchen unter der strengen Aufsicht der Schulbehörden. Aber es ist doch ganz selbstverständlich, daß eine ebenso strenge Aufsicht über die Marianischen Kongregationen geübt werden muß und geübt werden wird, wenn sie wieder zugelaffen werden. Ein großer Teil der Presse ist nun dabei, wieder einen Entrüstungssturm gegen die Absichten des Ministers zu erregen, die lediglich auf Erzielung eines erträglichen Nebeneinanderwohnens der Konfessionen abzielen. Manche liberale Blätter sehen wohl ein, daß es nicht möglich ist, dir „Bibelkränzchen" fortbestehen zu lassen, wenn den Katholiken verwehrt bleibt, religiöse Schülervereine nach ihrer Art zu gründen. Aber für Liberale ist das gar kein | Dilemma. Ihnen gilt die evangelische Kirche und ! der evangelische Glaube recht wenig, wenn die römische Kirche nur auf Kosten der evangelischen geschädigt werden kann." Die «Kreuzztg/ zitiert dann eine Auslassung der ,Köln. Ztg/, worin auch die Bibelkränzchen als eine Störung des einheitlichen Schulbetriebes verurteilt werden und bemerkt dazu: „Das heißt mit anderen Worten: der Parität (des „einheitlichen Schulbetriebes") wegen sind alle konfessionellen Schülervereine zu verbieten. Wir fassen die Parität anders auf, nämlich als die Forderung möglichster Freiheit für beide Konfessionen, und wir bestehen beson­ders im Interesse unserer evangelischen Kirche auf dieser Forderung. Man gelangt wohl sonst noch zu der „Konsequenz", daß im Religions­unterrichte die Unterscheidungslehre der Kon­fessionen gar nicht mehr behandelt werden darf, da sie mit einer scharfen grundsätzlichen Be­kämpfung der anderen Konfessionen und Kirchen notwendig verbunden ist. Es ist beleidigend für unser evangelisches Bewußtsein, daß man zu un­serem Schutze die katholische Kirchs unter Aus­nahmegesetze und polizeiliche Verbote stellt, aber es ist noch kränkender für die evangelische Kirche,

parlamentarische Nachrichten.

* Im Reichstage ist zum Etat des Reichs- justizamtes ein Antrag Gröber (Ztr.) einge- gangen, die Regierung um Einbringung emsS Gesetzentwurfes zu ersuchen, nach welchem ftr den bei dem Betrieb von Automobilen auf öffentlichen Straßen und Plätzen entstandene« Personen- und Sachschaden der Betriebsunter- nehmer zu hasten hat, sofern er nicht beweist, daß der Unfall durch höhere Gewalt oder d*rch eigenes Verschulden des Beschädigten oder Sach- inhaberS verursacht ist.

* Im Herreuhanse ist das erste Peti­tionsverzeichnis ausgegeben worden. Wir heben aus demselben hervor: Der Vorsitzende des Preußischen Lehrervereins zu Magde­burg beantragt „Revision des Gesetzes vom 3. März 1897, betreffend das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volks­schulen." — Der Provinztal-Verband schlesischer Haus- und Grundbesitzer­vereine wünscht „Stempelfreiheit der von Frauen als Grundbesitzerinnen zur Wahl von Gemeinde» verordneten ausgestellten Vollmachten." — Die Stadtverordneten - Versammlung zu

Zuldaer M Zeitung

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woch-MNag-: „Illustrierte Zonntagzzeitung" m°natsb°u-g«: „zuldaer Geschichtrblütter".