MdaerW Zeitung
Monatrbeilage: „Fuldaer Geschichtsblätter"
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31. Jahrgang
zulöa, Samstag, den 6. Februar 1904
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Druck und Verlag de> Fuldaer Aetiendruckere in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
Derantwortlicher rchriftlelter:Zof.va«m, s. K« "Ä«. wochenreilage: „Illustrierte Sonntagszeitung
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Deutsches Reich.
Berlin, den 5. Februar 1904.
** Während vor wenigen Tagen versichert wurde, daß über die geplante Mittelmeerfahrt -es Kaisers bisher keine bestimmten Entschlüsse gefaßt seien, verbreitet heute ein Potsdamer Berichterstatter folgende Mitteilung: „Am 4. März begibt sich der Kaiser mit größerem Gefolge in einem Hofzuge nach Genua, wohin ihn wahrscheinlich auch die Kaiserin begleiten wird. Dort wird ihn der Hamburger Dampfer „Augusta Viktoria" aufnehmen, der ihn bis nach der Insel Malta, wo alsdann die „Hohenzollern" ankert, bringen wird. Auf der„Hohenzollern" wird dann der Kaiser die Fahrt fortsetzen und verschiedene Inseln des Mittelmeeres besuchen."
* Die Konsekration des «ene« Feldpropstes der Armee, Titularbischofs Voll mar wird der .Germania' zufolge am 10. d. Mts. morgens um 9 Uhr in der katholischen St. Johannis-Garnisonkirche in der Hasenhaide bei Berlin stuttfinden. Die feierliche Handlung nimmt der Kardinal-Fürstbischof Georg Kopp unter Assistenz der Hochwürdigsten' Bischöfe Dr. Rosentreter-Kalm und Dr. Schneider-Paderborn vor. Am Nachmittage findet im Norddeutschen Hofe ein Festmahl statt, zu welchem außer den erwähnten Bischöfen, der Kriegsminister, der Kulmsminister, der Minister des Innern, die Kommandeure des Garde- sowie des 3. Armeekorps, die Divisionskommandeure des Gardekorps, drei Regimentskommandeure, Vertreter der kathol. Militär- und Zioilgeistlich- keit, sowie die nächsten Angehörigen des Herrn Felkpropstes ge'aden sind.
* Der Herero-Ausstand in Deutsch- Eüdwestafrika wird, w>e man im Auswärtigen Amte annimmt, in wenigen Wochen völlig unterdrückt sein. Heute liegen folgende Meldungen »or: Das Gouvernement Windhuk telegraphiert: Nach Angabe eingeborener Diener seien der Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung, Legationsrat Höpner und der landwirtschaftliche Sachverständige beim Gouvernement Watermeyer am 14. Januar von den Hereros ermordet worden. Hinsichtlich des Korrespondenten der ,Köln. Zig.', Müllendorf, und des ihn begleitenden forstwirt- schastlichen Sachverständigen Dr. Gerber, die hier eingetroffenen privaten Mitteilungen zufolge ebenfalls ermordet sein sollen, meldet das Gou- vernemmt, daß eine Nachricht nicht vorliege. — Nach einer weiteren telegraphischen Meldung aus Südwestafrika ist die telegraphische Verbindung zwischen Swakopmund und Windhuk wiederhergestellt. — Der Kommandant des „Habicht" meldet: Gouverneur Leutwein en eichte denDampfer nicht und kommt später.
§ Die Erklärung, die der Minister des
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
29 ------ (Nachdruck verboten.)
„Bitte recht sehr, erzählen Sie uns alle Jbre jugendlichen Abenteuer," entgegnete der Rittmeister.
„Mein kleiner Geldvorrat war bald ausgezehrt, ich wellte zu rem französischen Heere in Lothringen, m,d hatte Frankfurt noch nicht erreicht, da war kein Kreuzer wehr in meiner Tasche. Der Hunger, welcher sich bei mir fühlbar machte, ohne daß ich ihn stillen konnte — kenn zu betteln schämte ich mich —, die ungewiss- Zukunft, der ich entgegenging, die liefe Betrübnis, womit meine Eltern durch meine heimliche Entfernung erfüllt werden mußten, all dies zusammen veksetzte mich in die trübste Stimmung. Gefühle der R ue über meinen Schritt wurden rege, aber ich hielt sie nieder, denn ich konnte den Entschluß nicht soffen, an einen Ort zurückzukehren, wo man mich am hell-n Tage als einen Gefangenen unter militärischer Begleitung über die Straße geführt halte, wo nach meiner Rückkehr alle Welt auf den „Land- läufer Anton" mit Fingern gedeutet hätte, wo »ich nichts als Vorwürfe erwarteten. „Als Off iji er oder niemals sieh st du deineBater- stadt wieder," dachte ich und schleppte wich matt und kraftlos auf der Ltraße weiter, He von Hanau nach dem nahen Frankfurt zieht. Hunger und Ermattung überwältigten mich, unter einem Baume en der Straße legte ich mich hin, um im Schlafe einige Erquickung zu suchen; aber selbst der freundliche Begleiter des Menschen floh mich, ich empfand die ganze Bitterkeit meines Flüchtlingslebens. Da kam ein Fuhrmann mit seinem stattlichen Viergespann die Straße gezogen; ich erkannte den guten Andrea», welcher in einer Gaffe mit meinen Elter« wohnte. Ich raffte mich auf, näherte mich dem Landsmann und
Inner« neulich über das preußische Wahlrecht abgab, stimmt nach der Versicherung der ,Berl. Pol. Nachr.' mit der Ansicht des Staatz- ministerlums überein. Das ganze Ministerium ist „von der unbedingten Notwendigkeit durchdrungen", das Dreiklaffensystem im wesentlichen unverändert aufrecht zu erhalten. Wer hätte daS bezweifelt '4 Bekanntlich find einige Aenderungen geplant zur Beseitigung der Schwierigkeiten, die sich bei der Vornahme der Wahl ergeben haben. „In den späteren Stadien der Session" soll deshalb noch eine Vorlage an den Landtag gelangen. Sie soll aber nicht mehr erledigt werden, sondern die Erörterung darüber soll nur die Verständigung für die nächste Tagung „in die Wege leiten".
* Während die Sozialdemokraten in dec Bndgetkommission des Reichstages bei den Etats für das Auswärtige Amt, das Reichsamt des Innern, die Poft- und Telegraphenverwaltung für alles stimmten, was irgend von der Regierung gefordert wurde, haben sie jetzt bei dem Etat der Heeresverwaltung eine andere Taktik eingeschlagen, sie drücken sich vor den Abstimmungen, anscheinend, um die Annahme der von der Heeresverwaltung gestellten Forderungen zu erleichtern. Wenn alle 6 Sozialdemokraten, die der Kommission angehören, vollzählig anwesend sind und dagegen stimmen, hält es schwer, irgend eine strittige Forderung durchzusetzen, da dann die Konservativen, Nationalliberalen und Antisemiten keine Mehrheit bilden. Tas ändert sich jedoch sofort, wenn 2 oder 3 Sozialdemokraten von der Abstimmung fernbleiben. Wenn dann infolge des Fehlens der Sozialdemokraten (in der heutigen Sitzung fehlten ebenso wie in der gestrigen die Abgeordneten Singer und Dietz) einzelne Forderungen gegen Erwarten angenommen werden, erhebt der »Vorwärts' ein großes Geschrei, verschweigt jedoch dabei, daß das Drücken seiner Genoffen von der Abstimmung die Annahme der Forderungen herbeigeführt hat. Unsere frühere Mitteilung über das geplante Spiel der Sozialdemokratie bei der Beratung des Heeres- und Flottenetats hat sich dadurch vollkommen bestätigt, voraussichtlich wird ihre Haltung bei der Beratung des Flottenetats noch größere Ueber- raschungen bringen. — Die Bewilligung der Gehaltserhöhungen für die Oberstleutnants gibt dem »Vorwärts' wiederholt Anlaß, von einem Umfall des Zentrums zu reden. Die Wahrheit ist, daß das Zentrum schon im vorigen Jahre die Erhöhung nicht grundsätzlich abgelehnt hat. Es verschob die Bewilligung hauptsächlich, weil es erst wissen wollte, was die künftige Militärvorlage fordern werde. Darüber hat bekanntlich der Kriegsminister jetzt in der Kommission eingehende Mitteilungen gemacht, die allerdings vorläufig geheim gehalten werden. Uebrigens würden, wenn Zenrrumsmitglieder nicht für die Bewilligung gestimmt hätten, es die Sozialdemokraten wahrscheinlich getan haben. Sie scheinen sich zum teil gerade deshalb gedrückt zu haben, damit eine Mehrheit ohne sie zustande komme.
0 Die konservative Fraktion des Ab
er bete ihn an. Andreas war erstaunt, mich in der Fremde auf offener Landstraße zu finden, in meinen entstellten, blassen Gefichtszügen mochte er meine traurige Lage lesen. Auf sein Befragen erzählte ich ihm offen die Geschichte meiner Flucht und teilte ihm meinen Entschluß mit, den er lebhaft mißbilligte, während er meinen Hunger auf das Bereitwilligste stillte. In Frankfurt folgte ich dem guten Manne in das Gasthaus zu den „drei Reichskronen", wo mich Andreas zwei Tage lang kostenfrei hielt und all seine Beredsamkeit aufbot, um mich zu bewegen, mit ihm in meine Vaterstadt heimzukehren; es war umsonst. In der freien Reichsstadt lernte ich einen jungen Mann kennen, der höchst wahrscheinlich ein französischer Emiflär war: ich eröffnete ihm mein Vorhaben, es fand natürlich die freundlichste Aufnahme. Der junge Herr verschaffte mir Reisegeld und einen falschen Paß. Am abende des zweiten Tages verließ ich Frank'urt; ich durfte mich von Andreas nicht einmal verabschieden, denn ich hatte Kunde erhalten, daß mein Landsmann, weil er mit wahrhaft väterlichen Worten den verlornen Sohn nicht zur Rückkehr bewegen konnte, das Stadtpolizeiamt ersucht hatte» mich festn-hmen und in meine Heimat zurückliesern zu löffln. Diesir Berbaftung aus Freundschaft kam ich zuvor, durch die Wälder des Odenwalds gelaunte ich an de« Rhein und mittelst meines falschen Paffes schlich ich mich durch die deutsche Reichsarmee in das französische Lager. Mit Freude swurde der deutsche Freiwillige a-ge- nommen und in Uniform gesteckt; ich sollte indessen nickt gleich am Kampfe teil nehmen, man sch ckie wich mit einem Trupp elsässisch:r Rekruten in daS Innere Frankreichs, wo ich einem Reiterregimertte einverleibt wurde. Tie Erstürmung von Toulon am 19. Dezembrr 1793 sollte die Gelegenheit zur Probe meiner militärischen Tüchtigkeit geben; ich bestand die Probe gut und wurde zum Sergeanten ernannt, mit einer Schußwunde in der Hüfte hatte ich diese Auszeichnung erfau>t. Nach meiner Wiederherstellung ging ich zur Armee, welche gegen die Spanier kämpfte;
geordnetenhauseS har zum landwirtschaftlichen Etat dauernde Ausgaben Kap. 107 Tit. 3 den Antrag gestellt, die Staatsregisrunq aufzuforo-rn, dem Landtage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, dahin 1. daß auch derjenige Arbeitgeber bestraft wird, welcher Gesinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem anderen Arbeitgeber verpflichtet sind, a) in Dienst nimmt, b) während der Dauer dieser Verpflichtung in Dienst behält, sofern nicht vier Wochen seit der unrechtmäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen find; 2. ferner derjenige bestraft wird, der die Arbeitsver- mitte'ung für solche Arbeiter oder Gesinde (Nr. 1) übernimmt, 3. endlich derjenige brstraft wird, der Gesinde oder einen landwirtschaftlichen Arbeiter verleitet, widerrechtlich einen Dienst nicht anzutreten, vorzeitig zu verlassen oder die vertragsmäßige Arbeit nieder^ legen.
** Die Reichstags-Kommission, welche den Entwurf über die Kaufmanns-Gerichte zu beraten bat, beschäftigte sich heute nur mit dem § 5 (Zuständigkeit der Kaufmanns-Gerichte) des Entwurfes. Er wurde schließlich mit zwei Aenderungen angenommen, nämlich dem Absatz 1 nach dem Vorschläge des Abg. Dr. Müller- Meiningen folgende Ziffer 6 beizufügen: also mit in die Kompetenz einzubeziehen: Die Ansprüche aus einer Vereinbarung, durch welche der Handlungsgehilfe oder Handlungslehrling für die Zeit nach Beendigung des Dienst- oder Lehr- verhältniffes in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird. Dem entsprechend wird der letzte Absatz des § 5 gestrichen, der die Einbeziehung dieser Streitpunkte (Konkurrenz Klausel rc.) in die Zugehörigkeit der Kaufmanns-Gerichte avsschloß.
* Die Wahlprüfungskommissiou des Reichstags hat durch den Abg. Fischer (Berlin) schriftlichen Bericht über die Wahl des Abg. Barbeck (Fr. Vp.» Mittelfranken, Erlangen- Fürth) erstatten lassen. Sie beantragt beim Plenum den Beschluß über die Giltigkeit dieser Wahl auszusetzen und den Reichskanzler zu ersuchen, durch Vermittlung der bayerischen Regierung die Stimmzettel einzufordern und dem Reichstage zustellen lassen zu wollen.
* Dem Reichstage ist zugegangen ein Gesetzentwurf betr. Aenderung der Reichsschuldenordnung nebst Begründung. '
*** Berlin» 5, Febr. 1904. Heute vormittag kam eine Kompagnie der Unteroffiziersschule von der Gar- nisonkirche in Potsdam her und stieß an einer Straßenecke auf eine Kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß, die der Kronprinz führte. Wahrscheinlich infolge des plötzlichen Zusammentreffens scheute das Pferd des Kronprinzen und tarn zu Falle, seinen Reiter mit hinabre ßend. Glücklicherweise hatte der Unfall für den Kronprinzen keinerlei Folgen, er konnte mit Hilfe der schnell hinzuspringenden Offiziere wieder das Pferd besteigen.
* AuS Sachse»-Weimar bringt die »katholische Sonntagszeitung' einen Artikel, der ote auffallende Behandlung schildert, deren sich die katholischen Untertanen „erfreuen". Bei den Katholiken hört, so heißts in dem Artikel, das Wohlwollen dec Verwaltung der Residenzstadt auf, die sonst für alles Geld hat. Es ist
Mühseligkeiten und Todesgefahr waren meine Begleiter, das Patent eines Unterleutnants mein Lohn. Der Friede zwischen Frankreich und Spanien (22. Juli 1795) machte den Kämpfen der Republik mit einem edlen, heldenmütigen Volke ein Ende; bald sollte ich den Fabnen meines jetzigen Kaisers, damaligen Obergcneral, nach Italien folgen. Bri Cova und Mandnvi schlugen nrr die Piemontesen; in letzterem Treffen wurde mir ein Pferd unter dem Leibe erschossen, ich stürze uad eine erhebliche Verrenkung des Fußes hielt mich mehrere Monate im Lazaret zurück Bonaparte ging nach Egypten, ich war unter- Den Vielen, die ihn begleiteten. Ich sah die Pyramiden, und in der furchibaren Schlacht, welche bei diesen steinernen Zeugen tausendjähriger Vergangenheit geliefert wurde, traf mich die Kugel eines Mamelvcken und verwundete mich schwer. Einen Tag und eine Nacht lag ich unter Der. Toten und Sterbenden des Schlachtfeldes, den Strahlen einer glühenden Sonne ausgesetzt, von brennendem Durste verzchrt, durch einen bedeutenden Blutverlust erschöpft. Niem nd erbarmte sich meiner, das Gewimmer meiner verscheidenden Brüder und das Geheul des Schakals waren die Antwort auf meine Seufzer und meinen herzzerreißenden Hilferuf. Auf Händen und Füßen kriechend arbeitete ich mich mit uniäglicher Mühe aus meiner traurigen Umgebung weg; Maultiertreiber, welche, von einer Abteilung unserer Reiter beschützt, Datteln und hrlbfauleS 33 4?er zu: Erquickung der erschöpften Solda-en hwbeiführlen, fanden mich, ich wurde in unser Lager gebracht, die Aerzte hatten keine Hoffnung sür mich. Egypten sollte mein Grab nicht werden; halb genesen wurde ich aus einem Transportschiffe nach Marseille gesendet, mit Mühe entging ich der Gefangennahme durch englffche Kreuzer. Das Paradier von HysreS gab mir die Gesundheit wieder, ober bei übler Witterung erinnern mich heftige Schw-rzen an die Schlacht bei den Pyramiden. Man gönnte mir für einige Zeit die Ruhe einer GarnisonSleben» im südlichen Frankreich; ich
bisher nicht ein Pfennig, weder zn Kirchen- no - Schullasten beigesteuert worden, sondern die sonst so splendide Stadt stellte sogar das Ansinnen an die arme M:ffisnsg?meinde, iar den Platz an der neuen Kirche unentgeltlich ab- zuireterr. Welch lanajähriger Verhandlungen es bedurfte, um wenigstens etwas zu retten, als eine Straße durch den großen Pfarrgarten gelegt werden sollte, davon macht man sich keine Vorstellung. Andere Areale werden von der Stadt königlich bezahlt, aber bei der katholischen Kirche, ja Bauer, da ist es halt was anderes. Das stärkste Stück ist wohl jetzt geleistet worden. Da sich das Bedürfnis heraußstellte, d iß eine neue katholische Schule seitens der katholischen Gemeinde gebaut werden sollte uno die Pläne zur Baugenehmigung eingereicht wurden, wurde der Bau nicht genehmigt, da die katholische Gemeinde sich weigerte, den vor dem Pfarrhaus gelegenen Garten, der einen Wert von mindestens 5000 Mk. hat, unentgel tlich an die Smdtgemeinbe abzutreten! Die katholische Kirchenverwallung hat daher Beschwerde ans Ministerium w gen Verweigerung der Bauerlaubnis eingereicht. Es herrschen übrigens heitere Zustände im weimarischen Ländchen. Während in Preußen Konfessionsschulen schon bei 30 dis 40 Kindern im Aussichiswege einglführt werden, ist es in Weimar, sowie in Jena, Apolda und Eisenach bei je mehr a's 100 katholischen Schulkindern nicht möglich, die Stadtverwaltungen zu zwingen, die Schulen auf ihren Etat zu übernehmen. Der Steuerkrafc der katholischen Bevölkerung angemeffen, könnte man dies zum mindesten als Recht beanspruchen, — wenn die „paritätische" Stadtverwaltung nicht dagegen wäre. Sie hat sür alles, sogar für ausgesprochen katholikenfeindliche Vereine Geld; so wurde z. B. kurz vor Weihnachten erst wieder dem „Deutscheoanaelischen Frauenbund" aus dem Stadtsäckel em jährlicher Beitrag von 200 Mk. (zum wievielten Mal ist nicht bekannt) bewilligt, ja man räumte sogar dem Verein im Rathaus ein Zimmer unentgeltlich ein. Und auf weffen Kosten geht auch dieses mit? Auf Kosten der katholischen Steuerzahler. Und so noch mehrere Fälle. Soll der Platz um die katholische Kirche, der bei feuchtem Wetter grundlos ist, trotzdem er inmitten der Stadt liegt, für 5000 Mk. gepflastert werden, da kommt prompt die Ablehnung. Wann werden endlich für die Katholiken Weimars und ihre Kirchen- und Schulbedürfniffe beffere Zeiten entstehen? Ein guter Teil Schuld liegt sicher bei der Regierung, sonst könnte man bei nur etwas Druck von oben etwas erzielen.
K. Protestantisch kirchliches Leben in Braunschweig. Das „tolerante" Ländchen Braunschweig machte jüngst wieder viel von sich reden, weil ein katholischer Pfarrer, der im Braunschweigischen ein sterbenskrankes Kind katholischer Eltern getauft hatte, ohne die „ministerielle Erlaubnis" zur Vornahme solcher Amtshandlungen zu haben, mit30MarkGeld- strafe belegt worden war. Man staunte allgemein über den krassen Fall der Intoleranz; viel
benützte sie, um an meine Eltern zu schreiven und um Verzeihung für meine Handlungsweise zu bitten, meinem Schreiben fügte ich einen Wechsel vm hundert Franken bei, es waren die ersten Ersparnisse von meinem Gehalte. Jahre vergingen, ich empfing keine Antwort aus der Heimat, häufige GarnffouS- oeränberung und daS Lager ton Boulogne waren die einzigen Unterbrechungen in meinem damaligen Leben. Im Lager von Boulogne erhielt ich durch einen deutschen Kaufmann in Paris einen Brief zu- gefenbet, ben meine Schwester Franziska geschrieben unb einem jungen nach Frankreichs Hauptstabr wan- bernben Handwerker zur Besorgung an mich Übergeben hatte. Der Inhalt dieses Schreibens war erschütternd. Mein Vater lebte nicht mehr, vor zwei Monaten war ihm meine Mutter ins Grab gefolgt, sie hatte auf ihrem TodeSbette meiner Schwester aufgetragen, mich zu benachrichtigen, daß sie mir alles verziehen und daß sie täglich für ihren Anton gebetet habe, es möge ihm in der Fremde Wohlergehen, er möge feinen Schöpfer nicht vergessen unb nicht bloS ai daS Zeitliche denken. Eie glauben nicht, Herr Rittmeister, wie ergreifend dieses Schreibe» war. Die letzten Seufzer meiner st rbenben Mutter waren darin niedergelegt, die Tränen meiner Schwester hatten sie besiegelt. Ich bewahre den Brief wie ein Heiligtum, er hatte heilige Wirkungen für mich; er war die Veranlassung meiner Riickk.hr zum Glauben einer überaus frommen Mutter; int Getümmel des Kriegslebens war ich diesem Glaube« entfremdet worden. Franziska benachrichtigte mich auch, baß mein früheres Schreiben nebst ber Geldsendung in die Hände meiner Mutter gelangt fei; man habe mir geantwortet und die Freude meinet Mutter über meine Erinnerung an sie ausgesprochen, und mich um recht häufige Mitteilungen über m«i» Ergehen gebeien; das Schreiben scheine nicht an mich gelangt zu fein; ich hatte es nie erhalten. — Durch den Brief meiner Schwester erfuhr ich auch, daß meine Mutter ein für ihre Verhältnisse gerade nich