31. Jahrgang
beantragen.
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Gründung einer an v------„ - . .
jtt versendenden Korrespondenz über bte chrtst- > liche Arbeiterbewegung. .
** Z«m Etat der laudwtrtfchaftUchen Verwaltung (Kap. Generalkommrjsionen) hat der Abg. Herold (Ztr.) folgenden Antrag emgebracht: „Das Haus der Abgeordneten wolle! beschließen: Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, baldigst einen Gesetzentwurf vorzutragen, wodurch das Gesetz vom 2. April 1887 bett, bte durcheinAuseinandersetzungs verfahren begründeten gemeinschaftlichen Angelegenheiten, dahin abge- ändett wird, daß 1) die Verwaltung der gemein -chaftlichen Argelegenheitrn neben dem Gemeindevorsteher durch eine aus der Mitte der Jnteressentenschaft gewählte Vertretung unter Vorsitz des Gemeindevorstehers geführt wird; 2) für die Verteilung der Kosten nur dann die Bestimmungen des Teilungsrezesses maßgebend sind, wenn der Verteilungsmaßstab in unzweifel- haft festen Zahlen bestimmt ist, und kein Unterschied zwischen Instandsetzung und Instandhaltung oder ähnliche Unterscheidungen gemacht sind; 3) wenn nicht nach den Bestimmungen des Rezesses verfahren wird, die Kosten nach Maßgabe des Gesamtinleresfes, nicht nur nach dem Wert der Flächen aus der Gemeinheitsteilung zu verteilen sind; 4) dasselbe außerdem auf
„Erlauben Sie, Here Kamerad, es taucht eben ritte neue merkwürdige Erinnerung in mir auf, unsere Lebensschicksale lind sonderbar mit einander verflochten, ja ich entsinne mich deutlich, an j«.ern Abende, der mich aus meiner Heimat treiben, der über memen L'bcnSberuf entscheiden sollte, verließen auch Sie ihre Vaterstadt, sah ich @.e zum letzten Mare. Jener Abend sübrte unS beide derselben und doch verschiedenen Lebensbahn zu, auf der wir unS nun auf traurige W.ise begegnen sollten; er machte un» zu den beiden feindlichen Landsleuten. Inder Tat, man könnie ein Schauspiel darüber schreiben, unserer alten Bekanntschaft und Landsmannschaft soll eS jedoch keinen Abbruch tun und ich komme auf meine Erzählung zurück. ES war an einem Septemberabende de» Jahres 1792, da neckten wir, ein Schul- sreund und ich, einen Judenbuben, derselbe drohte die Sache anzuzeigen, wtr achteten dessen nicht und setzten sorglos unseren lustigen Weg zum elterlichen Hause meines Vetters Adam Fröhlich fort. Wo die Judengaffe mit der Hauptstraße unserer Vaterstadt zusammenläuft, sah ich eie, Herr Rittmeister zum letzten Wale. Sie nahmen gerade Abschied von Leopold G, der später in Weister Fröhlichs Hause erschien und auf unser Befrage» mitteilte, daß sein Freund unter die Kaiserlichen gegangen sei, wir konnten un» Ihren Entschluß richt erklären."
„TaS ist in der Tat et* merkwürdiges Zusammentreffen von Umständen. Ich erinnere mich übrigen» nicht, Sie gesehen zu haben, als ich damals von Leopold G. Abichied nahm, e» war: tote Sie richtig bemerkten, am Eingänge der Judengaffe. Aber bitte, fahren Sie in Ihrer intereflanten Erzählung fort.
„Der Judenknabe wachte au» feinet Drohung Ernst, die an sich uniedeutende Neckerei wurde dem Schuldirektor hinterbracht, ich und mein Freund erhielten vrr der ganzen Klaffe einen derben Verweis und die Zusicherung einer schweren S.rafe für den Wikderho'ungSfall. Da» weckte Erbitterung in »ns, wir lauerten einige Zeit nachher an einem stürmischen
eines Wildschongesetzes zugegangen.,
§ Die Wahlprüfnngskommissio« de» Reichstages stellte eine Reihe von Berichten fest und beschloß, die Giltigkeit der Wahl deS Abg. Leinenweber (ntl.) beim Plenum zn
solche nicht öffentlichen Wege, deren Benutzung einem bestimmten Personenkreise zusteht (In- tereffent nwege), sinngemäße Anwendung findet."
** In der Kommission des Reichstages zur Beratung des Gesetzentwurses über die Kaufmanrrsgerichte wurde der Antrag Trimborn (Zentrum) angenommen, so daß bereits in Orten mit 20000 Einwohnern, statt 50000, Kausmaunsgerichte errichtet werden müssen. Die §§ 3 und 4 wurden in der Fassung der RegierungSoorlage angenommen.
** Dem Herren Hause ist der Entwurf
Zunächst muß hervorgehoben werden,^ daß ür alle diese Anlagen außer 1 Proz. Tilgung ne 4vroz. Verzinsung des Anlagekapitals statt- indet ' während dos Reich, wenn es dtese Aus- aben auf seinen Ausgabe Etat übernähme, und öen Betrag aus Anleihen bestreiten müßte, doch nur 33/io Proz. Zinsen aufzudringen hatte. Außerdem aber werden solche Forderungen für Herstellung von Kasernen durch Städte und i Privatunternehmer im Reichstage nicht mit der gleichen Gründlichkeit geprüft, wie die Forde- runqen, welche den Bau für Rechnung des Reichs ’jetrtffen, weil ihre finanzielle Tragweite nicht alsbald in voller Wirkung vor Aucen tritt.
Die Militärverwaltung scheint sich dabei auch gerade keiner besonderen Sorgfalt befleißigt?u 'oben, da die endgiliigen Bausummen zum Teil leberschreitungen gegen den Anschlag ergeben haben, die geradezu verblüffend sind; handelt es ich doch um Beträge von 500,000 Mk. und mehr bet einem Kasernement.
Auch den Begriff „Kasernen und Zubehör ' scheint die Milstärverwaltung etwas weitgehend ausgelegt zu haben, denn jetzt stellt sich heraus, daß sie unter diesem Titel nicht allem Kasernen, sondern alle erdenklichen Gebäude für militärische Zwecke Herstellen ließ, u. a. eine große Anzahl Arrest-Anstalten, Offiziers -Pserde- ftälle, namentlich aber Offiziers-Kasinos, welche der Reichstag in diesem Umfange und diesen Kostenbeträgen wohl kaum bewilligt haben würde. So sind als „Kasernen und Zubehör' in denJahren 1898-1904, rote sich jetzt herausgestellt hat, 40 neue Offiziers-Kasinos gebaut worden, an manchen Garnisons-Plätzen deren sogar 2, damit die Trennung zwischen Infanterie und Kavallerie aufrecht erhalten werden konnte. L ,
Wenn man berücksichtigt, daß an einzelnen Garnisons-Plätzen, an denen nur etwa 15 oder 18 unverheiratete Offiziere vorhanden find und durchaus kein Bedürfnis für ein solches Kasino besteht, derartige Anstalten mit einem Kosten- aufwande von 200,000 Mk. und mehr hergestellt worden find, welche dem Reiche jährlich 12,000 Mk. Unterhaltungs-Kosten verursachen, so muß man dies doch als einen Mißbrauch bezeichnen. Die auf diese Weise in den Jahren 1897—1904 kontrahierte indirekte Reichsschuld beläuft sich auf nicht weniger als 94,139,891 Mk. (!), ungerechnet die noch nicht festgestellten Bauanschlag-Ueber- schreitungen. Es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß mit diesem System der Herstellung von „Kasernen" durch Städte und Privatunternehmer nach den gemachten Erfahrungen entweder ganz gebrochen werden, oder daß doch eine wesemlich genauere Kontrolle der Pläne durch den Reichstag eingeführt werden muß.
kranke in Davos em Gnadengeschenk von 10000 l Mark beigesteuert. — Die deutsche Heilflätte, die Davos im Jahre 1901 ins Leben gerufen wurde, beherbergt zur Zeit mehr als 100 deutsche minderbemittelte Kranke.
* Die Nachricht, daß der preußische Kultusminister das Falksch? Verbot der Mariani- schen Kongregationen an Gymnasien und Realschulen auszuheben beabsichtige, hat osort die bekannten streunde der „To.eranz und Parität mobil gemacht. Der „Reichsbote fordert entrüstet das protestantische Volk auf, gegen die verkehrte Parität endlich energisch Em- iiuch zu erheben. Die ,Tägliche Rundschau \ »ringt einen langen Artikel über die Kongrega- ionen, worin sie behauptet, daß den Schülern in diesen ein „jesuitischer", „ultramontaner" und | staatsgefährlicher Geist eingeflößt werde. Die! Aufhebung des § 2 des Jrsuitengesetzes haben die Hetzer zu hintertreiben vermocht. Werden ie auch die Aufhebung des Verbote der Mana- nischen Kongregationen hintertreiben? Die Bibel- kränzchen für protestantische Gymnasiasten werden bekanntlich nicht bloß geduldet, sondern von oben her gefördert — und wir finden das ganz tn der Ordnung. Warum aber will man den katholischen Gymnasiasten nicht auch neben dem schulplanmäßigen Religionsunterrichte noch, etwas weitere religiöse Kräftigung gestatten?
[) Die Soziale Geschäftsstelle f«r das evangelische Deutschland ist am Donnerstag in einer geschlossenen Versammlung m Berlin konstituiert worden. Als nächste praktische Arbeiten wurden festgestellt: 1. ein sechswöchiger sozialer Ausbildungskursus in Berlin (beginnend 29. Mai), 2. die Gründung einer sozialen @taatgietKlOT ----- .
Bibliothek, 3. die Zusammenstellung sozialer und in allgemeinen Anschrstdigungen über ungnechtseriigte
Flugblätter und Schn,le° 4 d>- |
,«;eisen: die einspaltige petltzeile oder deren Raum 15 Psg- Beflamcn die Petltzeile 25 Psg.; bei Wiederholungen wird entfp«. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag d« zuldaerAtttrndruckere in Zulda (Harmonie) zrrnsprecher Nr. 9.
Wildmeisters Röschen.
Sine Novelle von C. Pfaff.
------ Machdruck verboten.)
des @Jfe tzeulwuess für unfSulbifl -Uhus- ttetci mißliebiger Richtungen ZU drangialrerkn.
Hrrbftabeiide dem Juden auf und prügelte« ihn tüchtig dmch. Sem Hilferuf rief zwei Bettelvögte herbei, wir wurden ergriffen und tn unser« Vermummung auf daS Frankfurter Tor geschleppt, wo wir die Rocht über in Gesellschaft em-ger Landstreicher freie» Quartier hatten, am nächsten Morgen führte man unS auf daS hochlöbliche Vizedcmamt. Hi« verrahm man unS; ncch stattgehabtem «eryor. wurden wir unter Begleitung zweier fi^cstllchm Grenadiere am Hellen Mittage durch bte Straße» der Stadt geführt und in dem Karzer de» Gymnasium«, jeder in einer besonderen Zelle, in Gewahrsam gebrecht, bis Direktor und Lehrer, denen bte Sache zu scharf« Ahndung übergeben wurde, ihr
I hochnotpeinliche» HalSgericht über un» Üsholt« ! hätten. Der Vorfall erregte tn unserer Vaterstadt I da» größte Aussehen und verursachte meinen Eltern unsäglichen Kummer; ich. mochte vor Scham, fast vee gehen und hatte dabei bte Aussicht, daß mir keine gelindere Strafe zukommen werde, al» eine A«- weisu. g au» der ©reute. Damals war Frankreich» junge Republik im Kampfe mit fast allen Völk«, Europa'», die Nachrichten über die Siege ihrer Seat waren auch zu meinem Ohre gedrungen; eines Tage» hatte Pet«, ein Tättnerbursche des Herrn Propste« aus dem JohanmSlerge, der eben au» Frankreich zurückzekehrl war, im Hause meiner Eltern erzählt, tote in jenem Lande Leute von geringer Abkunft sich bi» z« den höchsten Stellen im Militärdienste emporschwängen. Diese Gedanke« durchkreuzten memen K>pi, iS faßte den Entschluß, z« entfliehen und « französische Dienste zu treten. Mit Lebensgefahr führte ich diesen Entschluß au», ich sprang ans meinem Gefängnisse in den Stadtgraben hinab, em verzweifelte» Wagßückl Bei einem Freunde verschaffte ich mir zwei Sechser al» Reisegeld und verließ tn derselben Nacht noch »eine Va-erstadt, ohne Ruhe und Rast auf ter Frankfurt« Straße fortwandnud. Aber ich will dieH errett mit den Einzelheiten meiner Flucht
I nicht ermüden," bemerkte der Krieg»gefangeue. (F. f.)
alter uno aa^tien, vrr «eryasiungen »u . kanrler Mit'
Setag«. und 8W«. tote « to' SÄ
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sich im Sinne seiner sozialdemokratischen Kollegen Herne
Deppe (Hosp. d. Natl.): Wir müssen vor allem dafür Morgen, daß auch die Jnhaflnahme i» staatsanwalllichen Ermttrlungsoerfahren in das Gesetz embe^ogen wtrd^^ ^^rum) weist daraus h'w d<ch die Sozialdemokraten auf dem entpegeng-setzien StaAd- punlte von dem ständen, was sie früher vertrete« hätten. Früher hätten sie gesagt: Der Richter merbe die Frage der Verhaftungen genau prüfen, und heute hphaunttn sie das Gegenteil. Früher hatten sie dafür plädiert, daß unter gewiffen Umständen ^tschädigimg« gegeben werden, und heute, wo em Rechtsanspruch am solcke Entschädigungen gewährt werde, seren .fk i>& gegen. Man sehe, diesen Herren könne es memaud recht machen, sie ließen sich allem bestimme« durch ihr« Haß gegen die bestehende Ordnung. Dre Konstque«, des Verhaltens der Sozialdemokraten fuhr«* also> »« vollendetem Blödsinn. Daher wurden bte bürgerlich«, I Parteien gut tun, sich zusammeuzuschlteßen, um in d« Kommisfionsarbeit etwas zustande zu brrngeu.
Abg. Dr. Lucas (natlb.l sprecht sich ebenfalls für Erweiterung der Entschädigung aus.
Abg. Bargmanu (fr. Vp.) nimmt Afttaß, mrtz»^ teilen, daß er den Fall Biermann beim Etat des Reichsjustizamtes zur Sprache.bringen werde.
Aba. Krohme (lozd.): Seine Freunde hätten beim Antrag L^zmann-Philipps schon w-itergeh-nde For- derunaen ausgestellt. Der Abg. Gröber habe also gar.ein Recht^gehabt, von „vollendetem Blödsinn" zu spreche«.
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verantwortlicher
i KÄ woch-Milage: „Zllustüette Sonntagrzeitung" Ml
' zulda. Freitag, den 5. Februar 1904
[•] Uasernesbauten durch Städte und Privatunternehmer.
Die Ausführung von Kasernen durch Privatunternehmer gehörte früher zu den Ausnahmen und bewegte sich in geringem Umfange: im Jahre 1897 war deshalb auch der Titel Kasernenmisten mit 2007 685 Mark in den Militäretat für Preußen eingestellt. Seit dieser Zeit haben sich die Verhältnisse geändert. Er zeigt eine stetig steigende Richtung. Für das Jahr 1904 werden 6850 331 Mark gefordert. Die wirkliche Ausgabe dürfte nockr größer sein, denn die letzten Jahre zeigen schon wesentliche Etatsüberschreitungen, weil die Mieten meist nach dem Baukapital berechnet werden und deffen enbgtltige Feststellung in vielen Fällen recht erhebliche Ueberschreitungeit gegen die Voranschläge ergibt. Die endgültige Feststellung des Baukapi-als erfolgt meistens nach 5—6 Jahren. Deshalb ist heute noch für eine große Anzahl Kasernen, die schon in den Jahren 1898 und 1899 der Benutzung übergeben worden sind, das Baukapital und mithin auch die Miete nicht endgültig sestgestellt.
Die Erhöhung des Titels ist dadurch emge- treten, daß seit dem Jahre 1897 in steigendem Maße Kasernen und sonstige Gebäude und Anlagen nicht mehr für Rechnung des Reichs zu Laste« des ordentlichen Etats der Leeres Verwaltung, sondern durch Städte und Privatunternehmer hergestellt worden sind, wogegen die Heeresverwaltung sich zur Verzinsung und Amortisation des Grunderwerbs- und des aufgewendeten Baukapitals meistens zum Satze von 56/« (4% Zinsen und l°/o Ti'gung) und in der Regel auf die Dauer von 30 Jahren verpflichtet. Unterhaltungskosten werden besonders vergütet.
Derartige Verträge schaffen also eine Art indirekte Reichsschuld, die vor dem Jahre 1897 von keiner großen Bedeutung war, seit dieser Zeit aber eine solche Ausdehnung angenommen hat, daß eine eingehende Prüfung ihrer Vorteile und Nachteile wohl geboten erscheint. Die Bewilligung für Neuanlagea und für den Abschluß von Mietverträgen für solche erfolgt durch eine kurze Etatsnotiz lautend: „Derartige Kasernen 20. sollen vermietet werden noch in.......
(hier werden die Orte aufgesübrt, wo solche Anlagen nocy hergestellt werden sollen). Damit ist für das betreffende Etatsjahr eine Mehrforde- rung in der Regel noch nicht verknüpft, weil die Zahlte gspflicht erst nach Herstellung resp. mit dem Beginn der Benutzung der Neuanlage eintritt.
Diese Einrichtung hat für die Heeresverwaltung den Vorteil, 'daß sie für Neubauten im ordentlichen Etat weniger große Ansprüche zu stelle« braucht und dadurch für andere Zwecke mehr Mittel verfügbar erhält, auch nur au 30 Jahre gebunden bleibt. Auf der anderen Seite haben sich aus diesem System aber auch Nachteile und Mißstände ergeben, welche ein roeittreS Fortfahren auf diesem Wege recht bedenklich erscheinen taffen.
„Ja, gegen meinen Landsmann, den Sie nicht wieder zn erkennen schcmen; ich muß mich .ehr verändert haben; ich eikaunte Sie, Herr Kapitän, au der Stelle roieber."
„Ich muß um Ausschluß bitten, Herr Ritimeifier; in der Tat, ich erienre sie nicht; er mag schon lange her s-ta, daß wir in brr Hemrat zufammen mmen."
„Jvre Geburttstadt ist Fulda, Ihr Vater trieb einen Handel mit Mehl und Kochjrüchten " sagte der Rittmeister.
„Da» ist ganz richtig," bestätigte der Kapitän.
„War Ihr Vater nicht vor seiner Verheiratung Bediente bet dem gelehrten Kapitularen von Pierport, der mit Sr. Gnaden dem Herrn Pröpsten auf dem JohanneSberge sihr befreundet war, und pflegte nicht eben Ihr Vater die Aufträge jene» Prä'aten an Herrn von Zobel zu besorgen?"
„Ganz recht, e» trifft auf ein Haar zu, Herr Rittmeister; aber die Lanb»mantischaft kann ich noch imm« nicht entdecken."
„Noch immer nicht? — und Sie haben mich, als Sie in der butte» Klaffe des Gymnasium» waren, zweimal auf den Johanne»b«g begleitet, wohin Sie tat Auftrage ihres Bat«» od« vielmehr de» Herrn von Piesport gingen. Sie zeichneten so hübsch, und Adam, der Sohn Meister Fröhlichs auf dem Sreinwege, war Ihr Freund."
„Und Ihr bester Freund war Leopold Graner, Forstwart in Dammerrbach. Herr von Truchseß, da« ist ein sonderbare« Zusammentreffen!" rief jetzt so laut als er vermochte bet Verwundere, erhob sich von seinem Sitze und reichte dem Rittmeister die Hand.
„Ab« wie in all« Welt kommen Sie, lieb«
Deutsches Reich.
Berlin, den 4. Februar 1904.
):( Der deutsche Kaiser hat zu den Kosten der Errichtung eines dritten Pavillons der deutschen Heilstätte für minderbemittelte Lungen-
Rewmett in die Re hen unser« Gegner; meine Landsleute pflegten doch sonst nur dem deutschen Kaiser zu dienen?"
„Ein unbesonnener Jugendstreich führte mich zu diesen Fahnen, denen folgend ich seit achtzehn Jahren in der Welt umherirre, und häufig keine andere Heimat kannte als Bivouak und Schlachtfeld, und keine andere Wohnung als Feldzelt, Kasematten und Krankenstuben."
„So ein bewegte» Leben haben Sre geführt Wenn ich nicht fürchtete, daß da» viele Reden Sie anstrenge, ich würde Sie,'He« Kapitän, bitten, mir, wem auch in kurzen Umriffen, J^re Lebensschicksale mitzuieilen." - - . „
„Da» Reden greift mich richt an, tat Gegenteil, es ist eine Erbolung für mich, zumal meine GemütS- stimmung etwas trübe ist; bisher konnte ich wich täglich nur einige Minuten mit meinem lieben Doktor hi« unterhalten. Ab« ich kann die beiden H«ren zugleich zum Sitzen nicht einlaben, Sie werden mit dem einen Stuhl in meiner Zelle sich begnügen und im Sitzen abwechseln müffen."
„Ich räume den Sitz unserm guten Doktor ein, er ist Tags üb« genug auf den Beinen," erwiderte mit freundlichem Lächeln der Rittmeister.
„Also meine Lebensfahrten wollen Sie wissen, da muß ich mit meiner Hedschra beginnen," sagte Kapitän Rrmrn«t und fuhr fort: »Wie schon erwähnt, ein Jugendstreich trieb mich auS d« Heimat. Sie werden sich nach erinnern, He« von Truchseß, daß die lateinischen Schüler und bte Akademiker twser« Baterstadt gerne die Kind« Israel» neckten; auch ich gehörte zu diesen losen Schelmen und war in d« Judeng ffe so ungern gesehen, wie Simson im Lande der Pßilist«. Eine» Abend» .... eine» Abends ....
„Nun die Sache scheint nickt mehr recht in Ihrem Gedächtnisse zu leben, wir laffea Ihnen Zeit zum Nackdenken," tagte der Rittmeist« zu de« Erzählenden, der in seinem Bortrage stickte und mit der Hand seine Stirne rieb.