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Druck und Verlag b* ZulbaerActiendruckere in Zulda (IjarmoRie)
Zernsprecher Hr. 9.
31. Jahrgang
Zulda, Montag, den 1. Februar 1904
M 25
35
Deutsch esjRekhV
Ms äemWchstag
Wegen des Feiertags Maria Lichtmeß wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Mittwoch ansgegeben.
hatte, nimmermehr eiuverstanden sein werde. Dau» noch ein paar Bemerkungen des Abgeordneten Beumer und die Rednerliste war erschöpft; der V rtagungsantrag des letzten Redners also überflüssig.
Mit Rücksicht auf den katholischen Feiertag findet die nächste Sitzung deS Reichstages erst am Mittwoch statt. Auf der Tagesordnung steht außer der Milstärvorlage der Gesetzentwurf über die Entschädigung unschuldig Verhafteter.
während da? Auge, wenn es einmal ausblitzte, die Entschlossenheit verriet, womit diese frommen Tiroler morgen fiege« oder sterben wollten. Hinter dieser Gruppe bildeten Baumäste, neben einander in den Boden gesteckt, ein dürftiges Schirmdach gegen die Kühle der Mainacht. An dem leicht gebauten Reifig- zelte fasten auf einem Strohlager zwei Offiziere, ein Hauptmann vom Fußregiment Zettwitz und ein Rittmeister der Dragoner. Der Reiteroffizier ließ aus seinem schmucken Meerschaumknrpse die Ringelwolken edlen ungarischen KnasterS langsam emporsteigen, der Hauptmann spielte mit den Troddeln seiner Porte-ep«: und schien in tiefe« Nachdenken versunken zu sein.
„Dar wird morgen ein heißer Tag werden, HeinrichI* unterbrach endlich der Hauptmann fein Schweige».
„Kann wohl fein und die Kavallerie wird am meisten zu tun bekommen; e» find aus beiden Gesten große Massen aufgestellt, vielleicht gibt er eine Reiterschlacht," erwiderte der Rittmeister uni verlor den Gleichmut nicht, welcher seinem ganzen Wesen ausgeprägt war.
„Ich glaub», das Geschütz gibt den AusWag: zweihundert Feu-rschlünde sind auf unserer Seite und der Feind mag auch eine gute Anzahl mit sich führen. Aber um diese» Alpern wird eS eine Rauferei geben, mir schwebt es» im Geiste vor. Jedes Haus im Dorfe, die vielen Gärten mit ihren Terrassen find ebenso viele Festungen; wie mag sich der Feind darin festgesetzt haben und wie teuer wird er seinen Sitz verkaufen. Da fällt mancher brave Soldat!"
„So stirbt er den Soldatentvd, die« Los erwartet jetzt einen Jeden von uns," bemerkte ruhig der Rittmeister.
„Mich sicher," sagte der Haup'mann.
„Wie kannst Du das sagen, lieber Maierhof! als Hellseher kenne ich Dich nicht"
„Ein Traum verkündete es mir; das nächtliche Gesicht wird in Erfüllung gehen."
„Mancher ist für solche Eingebungen der Phan
Bcrufsverttne und Arbeitskammern vor dem Reichstage.
Die sozialpolitischen Debatten, zu denen der Mat deS Reichsamts des Innern im Reichstage ben äußeren Anlaß gegeben hat, wurden am SamStag unterbrochen durch die vom Zentrum eingebrachte Interpellation über die Berufsvereine und Arbeitskammern.
Der bevorstehende katholische Feiertag schien schon im voraus seine Wirkung auSgeübt zu haben, denn leider war wiederum der Reichstag nur schwach besetzt. Auf den Tribünen rosten wohl doppelt so viele Zuhörer als im Saale. Am Bundesratstische selbstverständlich wieder Graf Posadowsky; der Reichskanzler selbst hatte es nicht für gut befunden, sich bei dieser Gelegenheit auch nur im Reichstage zu zeigen, wiewohl die Sache ihn nach dem Empfange der Abordnung des Frankfurter Ar- beiterkongreffeS doch doppelt hätte interessieren müssen. Nur wenige Kommiffare bildeten die Begleitung des Staatssekretärs. Am Bundesratstische auf der entgegengesetzten Seite aber sah man den sächsischen Gesandten und andere sächsische Bundesbevollmächtigte. Offenbar hatten sie eine Ahnung, daß Sachse i die Kosten der Debatte zum Teil würde bestreiten müffen, eine Ahnung, die denn auch nicht ganz täuschte.
Die Interpellation wurde durch den Abg. Trimborn in mehr als einstündiger Rede begründet, die von gründlichem Studium des ganzen in Frage kommenden Materials zeugte. Der Redner wußte den an und für sich nicht gerade Unterhaltenden, weil j schon zu oft behandelten Stoff durch guten Humor, frischen Ton und ähnliche Begeisterung zu würzen.
Die Antwort des Staatssekretärs war kurz, fast wie eine vom Blatt gelesene Erklärung. Sie bot wenigstens das Erfreuliche, das sie einen Fortschritt auf dem wichtigsten sozialpolitischen Gebiete in Aussicht stellte. Die Regierung ist doch jetzt „grundsätzlich" nicht mehr abgeneigt, die Berufsvereine der unter die Gewerbeordnung fallenden Arbeiter (mit ausdrücklicher Ausschließung der Arbeiter in Staats-, Reichs- und ähnlicher öffentlichen Anstalten) mit den Rechten und Pflichten juristischer Personen auszustatten, jedoch unter der Bedingung, daß auch die Minderheit beschützt wird, mit anderen Worten wohl, daß die Sozialdemokraten sich der Berufsvereine nicht ausschließlich für ihre Parteiinteressen bemächtigen dürfen. Auch der gesetzlichen Einführung von Arbe tervertretungen mit den in dem kaiserlichen Februarerlaffe bezeichneten Zwecke ist die Regierung nicht abgeneigt. Sie denkt an die Ausgestaltung der Gewerbegerichte, wie es Mützer schon von den Freunden der Arbeiter- kammern befürwortet worden ist. Hebet das Vereins- und Versammlungsrecht und die Ausgestaltung des Koalitionsrechts äußerte der
wildmeisiers Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
------ (Nachdruck verboten.)
VII.
Mark (—777041 Mk.), Zuckerstener und Zuschlag 76851775 Mk (4-11219 395 Mary. Salzsteuer 36 529 596 Mk. (4-1128587 Mark), Maischbottichfieuer — 841148 Mk. (—7 117 614 Mark). Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 84246556 Mk. (—2 536 778 M.) Br-nnsteuer 2 457 753 Mk. ( -3 276 873 Mary, Schaumweinsteuer (eivschl. Nachsteuer) 2850204 Mark (4-263642 Mark), Brausteuer und Heber- gangSabgabe von Bier 21 388 240 Mark (4-277 438 Mk.) Summa 592531239 Mar? (4-10154880 Mark) — Spielkartenstempel 1083823 Mk. (—38656 Mk.)
* Eine anarchistische Versammlung ist wieder einmal in Berlin einberufen und zwar für bett 1.Februar als Volksversammlung. Der bekannte Anarchist Feistler, und der Anarchistenführer Albert Weidner soll reden über das Thema: „Ein Mahnwort zu 5krimmitschau. Politische ober wirtschaftliche Bewegung?" Die Anarchisten glauben nämlich, baß der Ausgang des Knmmüschauers Streikes Wasser auf ihre Mühle sein werbe; sie erklären, „baß es kein Ereignis in bet letzten Zeit gibt, welches für die Arbeiter bebeutfmner sei als bie Haltung der sozialdemokratischen Parteipreffe, ihr absolutes Totschweigen des Zornes und der Empörung, dir sich unter den deutschen Arbeitern allenthalbm zeige angesichts der Haltung dieser Preffe gegenüber der Krimmitschauer Niederlage."
* Zu den letzten Nachrichten aus Sndwest- afrika wird von der deutschen Firma Wecke und Voigt in Okahandja den ,Braunschw. 9L Nachr.' mitgeteilt, die Nachricht, daß die Berg- damaras ober, wie cmbere Gerüchte sagen, bie Bergkaffern sich mit ben Hereros verbündet hätten, brauche besondere Besorgnis nicht zu erwecken, denn die Bergdamaras ober Bergkaffern sinb von ben Hereros unterworfene Volksstämme, bie sich ben Aufständischen wohl ober übel anschließen müffen. Sehr gefährlich wäre dagegen, wenn bie im Norden deS Lanbes wohnenben Ovambo Stämm" von ihren Bergen herabstiegen und sich mit denHereros veinigen würden
Berlin, den 30. Januar 1904,
* Der Kaiser hat einen Erlaß an den Reichskanzler gerichtet, rontin er seinen Dank für bie ihm aus Anlaß seines Geburtstages zugegangenen Glück- uttb Segenswünsche ausspricht. Am Schluß heißt es: „Solange Gott bet Herr Mit Leben unb Gesundheit schenkt, werbe Ich nicht aufhören, Meine Kräfte in bett Dienst des Baterlanbes zu stellen und auf das Wohlergehn des deutschen Volkes in allen seinen Schichten unb Berufen von Herzen bebacht zu sein."
* Neue Militärvorlage. In der Budgetkommission des Reichstages hat am Freitag der K r i e g s m i n i st e r fein Versprechen erfüllt, über bie zu erwartende Militärvorlage bei der im nächsten Jahre bevorstehenden Erneuerung des Quinquennats Auskunft zu geben. Auf seinen Wunsch wurden seine Darlegungen als vertraulich erklärt und eine Geheimhaltung von der Kommission zugestanden.
§ Zur Begründung der Oderstleut- vautszulagen wiffen die Blätter folgendes zu berichten: „In der Budgetkommission des Reichstages hat, was in dem Kommissions- bericht nicht genügend deutlich zum Ausdruck kam, das Zentrum durch den Abg. Spahn der Heeresverwaltung gewiffermaßen ein Kompromiß angeboten, nämlich für den Fall der Erhöhung der Gehälter der Oberstleutnants um bie fraglichen 1340 Mk. auf den Posten für Servis und Wohtiunzsgeldzuschuß (450 Mk.) zu verzichten, außerdem aber diese Gehaltserhöhung in der Form einer Zulage auf die Infanterie zu beschränken. Dieser Antrag ist bisher noch nicht endgiltig gestellt worden. Der Kriegsministet hat sich wohl deshalb auf diesen Kompromißantrag noch nicht endgiltig erklärt. Man nimmt in Abgeordnetenkreisen allerdings an, daß bet Kriegsminister, wenn er vor bet Tatsache stände, zustimmen würbe." Das ist alles leere Vermutung. Im Zentrum hat hierüber noch keinerlei Erörterung stattgefunben.
§ Die zur Reichskafse gelangte Ist ein- nähme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen re. und der Verwaltungskosten, beträgt für die Zett vom 1. April bis Ende Dezember v. Js. bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 365 014 224 Mark (4-10 974 121 Mk.) Tabaksteuer 8 949 543
Staatssekretär sich nicht. Dagegen stellte er die Erweiterung der arbeitsstatistischen Abteilung zu einem Arbeitsamts in Aussicht, sobald das Geld dafür vorhanden fei. Wann im übrigen die Reformen eingeführt werden sollen, darüber äußerte der Staatssekretär sich nicht. Jndeß ist man ja schon froh, wenn eS überhaupt nun vorwärts gehen soll.
Die Besprechung bet Interpellation ging vor ganz bedenklich gelichteten Bänken vor sich. Zuerst sprach der sozialdemokratische Abgeordnete Legten, der Führer der Gewerkschaften. Er war natürlich wenig zufrieden — freies Vereins- unb Versammlungsrecht, völlige KoalitionS- freiheit ist ihm die Hauptsache, alles andere von untergeordneter Bedeutung. Bald war et wieder bet Crimmitschau und den Polizeizuständen in Sachsen., Mehrfach geriet et mit dem Vize- präsidenten Dr. Paasche in Konflikt. So als et Breslauer Richtern, die an einem jüngst gegen Arbeiter ergangenen Urteile mit- gewirkt, als gehirnkrank bezeichnete. Der kon- seroattve Abg. Scherte, der das als „Hn- verschämthett" bezeichnete, zog sich ebenfalls
Seit jenem Abende in Meister Fröhlichs Hause Baren viele Jahre verflossen und die politische Gestalt Europa'- halte sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Da- Hochstift Fulda bestand n'cht mehr, die dunkle jchnung der Propstes vorn Johannesberge war tin Erfüllung gegangen. Freiherr von Zobel war, wenn auch nicht der letzte, doch der vorletzte Propst auf dem Johannesberge gewesen, wenige Jahre nachjs-inem Tode ging die geistliche Besitzung tote so viele ihres Gleichen in weltliche Hände über. Deutschlands Fürsten «w Böller gehorchten einem fremben Herrn, jenem Eroberer, den man neben Alexander und Cäsar ge- heßt hat, ohne daß er die edlen Eigenschaften des Letzteren besaß. Nur ein Bollwerk leistete den ehr- getzigenPlänen NapsleonS noch Widerstand. Habsburgs alles Kaiserhaus wollte sich vor dem Ernvorkönnnling im Purpurmantel nicht beugen, die Edelsten seiner Untertanen vergossen ihr bestes Herzblut für die angestammte Monarchie, und in Erzherzog Karl sahen die unter drücklen Böller die Hoffnung ihrer Besteiung.
Der Borabend der Schlacht von Aspern war gekommen, die zwei mächtlgstm Heere jener Tage standen sich abermals einander gegenüber, um die Würfel de» Krieges über das Geschick von Millionen entscheiden zu lassen. Anaenehm und erquickend tote gewöhnlich firchelle« die FrühlingSlütte ,ene» verhängnisvollen Maiabend-, aber die Nachtigallen flöteten nicht, welche sinkst chre Lieder auf den Wald gen Donauivseln unter, halb Wien zahlreich ertönen ließen, eintönig schallte das qai vive der französischen Schudwachen durch die Stille der anbrecheuden FrühlinzSnacht; eine rege und doch geräuschlose Tätigkeit herrschte auf der kleinen
22. Sitzung vom 30. Januar 1904.
Eröffnung 1'. Uhr: Interpellation Tritn- born (Z.) betreffend die Verleihung der Rechtsfähigkeit an Berufsvereine und d'e Errtch- tung von Arbeitskammern.
Staatssekretär Graf Po,«dowSkn erSärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworte».
Abg. Trimborn (Z.) begründet die JnterpMatton und verlangt Anerkennung der Bernfsvereine, ErnsSH- rung von Arbeitskammern, Gewährung er cs freie« Koalitionsrechts inLflündigerRede. Diedeutsche Sozialpolitik stehe in einer KrisiS. Niemand sei voll befriedigt Das Mindestmaß des Notwendigen sei: der IL stunden- tag für Arbeiterinnen, die Witwen- und Waisenver- sickerung, die Privatbeamtenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die öffentlich-rechtliche Regelung der Organisationsfrage. Neber den letzten Puntt herrsche besondere Unklarheit; sie zu beseitigen fei Zweck der taste allzuleicht empfänglich; ich trage mich nicht gerne damit und lege kein großes Gewicht darauf, mußt Dir solche Gedanken ans dem Kopfe schlagen vielleicht stehst Du in wenig Tagen an meinem ©arge. Die Seele Gott befohlen unb in's Getümmel gestürzt, so denke ich, und merkwürdig, daß ich bis jetzt immer so heil und wohlerhalten davongekommen bin. Weißt Du, wie ich bei Edersberg im Gedränge war, zwei Pferde unterm Leib erschossen, ast« Offiziere meiner Eskadron verloren und der Rittmeister blieb am Leben Mein Wachtmeister sagte schon mehrmals: Herr Rittmeister, Sie müssen kugelfest sein, sonst lebten Sir längst nicht mehr."
„Hst auch wahr, ich habe mich schon oft gewundert, daß Du noch am Leben bist; wäre aber auch schade um Dich, an Dir verlöre der Kaiser einen seiner besten Soldaten, und gerade in dieser Zeit darf er deren nicht viel verlieren. Aber Dit wirst sehen, liebet Heinrich, daß ich die Schlacht nicht überlebe, das Feld von Aspern wird mein Todesbett fein," erroieberte der Hauptmann und sah seinen Freund mit ecnstem, durchdringendem Blicke an.
„Laß das Gerede, mein Freund, und hänge nicht Todesgedanken nach, sei munter und girier Dinge; warte, ich habe in meiner Feldflasche noch einen guter Trunk, es ist echter Tokayer, wir teilen ihn brüderlich Erzherzog Karl soll leben und die brave kaiserliche Armee!" rief der Rittmeister unb setzte die Feldflasche an den Mund, dann reichte er sie dem Kameraden.
„In diesen Wunsch stimme ich gerne ein und bringe dazu Deine Gesundheit aus, es ist die letzte, welche ich auSbringe, und dieser Trunk mein Abschied st runk," sagte der Hauptmann, indem et die Flasche aus den Händen seines Freundes nahm und den Rest ihres Inhaltes leerte.
„Lieber Maierhof, ich bttte Dich, laß jetzt die trüben Gedanken weg, es sind Phantasiegei ilde und nicht- weiter," erroieberte der Rittmeister. ( y f)
Ebene, die sich zwischen den Dörfern Aspern und Eßling am sinken Donauufer hinzieht: man bereitete sich zu der Blutart eit deS folgenden Tages vor. Auf dem Kirchhofe von Aspern, über den stillen Gräbern der Verstorbenen berieten französische Offiziere, wie man die Lebenden morgen morden wolle!
Zwischen ben Vorposten der beiden Armeen war es still, unheimlich und öde, tote es vor dem Beginne einer Schlacht zu sein pflegte. Bor der Fronte des französischen HeereS zeigte der Horizont einen blassen, ungefähr eine Meile langen Streifen, den Widerschein zahlreicher Wachtfeuer, die jedoch wegen der Vertiefung deS Bodens nicht selbst gesehen werden konnten: eS waren die Wachtfeuer der Oesterreicher. Stumm und unbeweglich hielten ihre Reiterwschen den französischen Vorposten gegenüber, der lang: weiße Mantel gab diesen Gestalten ein geiste,Haftes Aussehen. Flüchtig wie die Söhne der Wüste jagten ungarische Husaren hin und her, bald sich dem Feinde nähernd und ihn neckend, bald hastig ihn fliehend, um bei den Feldwachen zu melden, was da» Adlerauge jener kecken Reiter erspäht hatte. Bei den Wachtfeuern herrschte ein eigentümliches Treiben, man sah ihm ben Ernst jener Stunden an. Kein fröhliche» Lied schallte au» den Re heu der Krieger, welche sich um die brennenden Holzstöße gelagert hatten; ernste Gespräche wurden geführt und reichliche» Lob dem hohen Führer gespendet, der seine tapferen Scharen wiederum gegen einen übermütigen Feind führen wollte, l.<ff-n Söldner da» schöne Oesterreich verheerten und feinen Bodm mit Blut und Gewalttaten besudelten.
Eine Gruppe von Kaifeijägern gab ;u erhebenden Bettachtungen Anlaß. R"hig und schweigsam saßen die Söhne der Alpen um da» Fmer, weiche» vor ihren Füßen ai>fieberte, n ben den sichern Schütze« tag die treue Büchse, ihre Kugeln waren den feindlich-n Psiinkern so wohl bekannt und so verderblich. Säe Finger eines jeden dieser Schützen streiften die Körner seines Rosenkranzes, dir Sippen lispelten das Gcbrt von den fünf Wundmalen d-s Heilandes,
einen Ordnungsruf zu.
Die Verhandlungen dehnten sich noch bis gegen 1I*8 Hhr hin, bald die Arrroesenben etwa» aufrüttelnd, bald sie einschläfernd. Im Sinne der Jnterpellatton sprachen die Abgeordneten Dr. Hjeder (natl.) und Ablaß (fr. Vg.). Dagegen bekundeten die Abgg. Frhr. v. Richt- Hofen (kons.) unb o. Kardorff (Rp.) eine lebhafte Abneigung" gegen Koalitionsrecht und Organisation der Arbeiter. Ersterer, der sein Nein wenigstens zu verklausulieren unb zu verhüllen suchte, tat den weisen Spruch: „Ohne wettere Einschränkung können wir das KoalitionS- recht nicht ausdehnen." Der alte Herr v. Kar- dorff beschleunigte in seinem Eifer die bei ihm beliebte sägende Arm- und Rumpsbewegungen immer mehr. Er mag überhaupt von dem ganzen Automobiltempo unserer Sozialpolitik nichts hören; er haßt bie christlichen Gewerkschaften nicht minder als die sozialdemokratischen und sieht sehr düster in die Zukunft. Alles erinnert ihn heutzutage an die französische Revolution. Es waren doch ganz andere Zeiten, als Fürst Bismarck noch regierte.
Der Pole Brejski hatte nur noch etwa 40 Zuhörer. Als gegen 3/t7 Hhr noch der Abg. Stöcker das Wort erhielt, vermochte aller Lärm der elekttischrn Glocke nur noch ein halbesDutzend Reservemannschaften heranzuziehen. Stöcker trat dem Herrn Kardorff entgegen und verteidigte glücklich bie christlichen Gewerkschaften. Nach einer längeren Rede des freisinnigen Abgeordneten Potthoff tarn der Interpellant Abgeordneter Trimborn noch zu Worte, der sich aber mit Rücksicht auf die späte Stunde auf einige kurze Bemerkungen zu der Erklärung des Staatssekretärs beschränkte. Er war zwar nicht voll befriedigt, faßte die Erklärung aber auch nicht pessimistisch auf. Jrn voraus erklärte er schon, daß das Zentrum mit dem Ausschluß der Bergarbeiter vom Koalitionsrecht, wie ihn der konservative Redner als notwendig bezeichnet