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31. Jahrgang

Zulda, Samstag, den 30. Januar 1904

24.

Zweites Blatt i

Städten mehren sich ja die Plätze, welche den Sonnenstrahlen etwa-Spielraum gönnen. Dort­hin gehe in deinen Freistunden und kneipe Sonnenschein, statt dich in eine dumpfe WiriS- stube ju verkriechen. Und wo ein Park zur Hand ist, da sollte man nicht in den dichten Schatten der Bäume flüchten, sondern aus den lichügen, sonnigen Stellen das Ozon einatmen, wenn eS auch da einen Grad wärmer sein sollte.

Das natürliche Licht der Sonne ist pe- sund, dar künstliche Licht ist ungesund. Wir können bei unserer Arbeits- und Lebens­weise dar künstliche Llcht nicht entbehren, aber wir sollten nicht ohne Grund die Nacht zum Tage machen und uns stets bewußt bleiben, daß das künstliche Licht besondere Sorgfalt verlangt. Alle Lampen (mit Ausnchme der elektrischen Glühlampen) verschlecht' rn die Zimmerluft und zwar umsomehr, je schlechter sie in Siand ge halten werden. Also erstens die Lampen peinlich sauber halten und alle mangelhaften Bestandteile, namentlich die verfilzten Dochte und die schad­haften Zylinder, sofort erneuern! Zweitens für die zeitweilige Lüftung des Zimmers um so häufiger zu sorgen, je mehr Lampen im Zimmer brennen.

Wenn wir einen Toten zur Ruhe betten, so rufen wir ihm den Wunsch nach, daß ihm ras ewige Licht leuchten möge. Die Heiden hatten die trostlose Vorstellung, daß ihre Toten als Schatten in die dunkle Unterwelt wanderten. Wir hoffen auf den glückseligen Himmel, in dem wir mit den Vorausgegangenen im ewigen Lichte wandeln werden. Die Sonne am Firmament ist unS ein Vorbild der unendlichen Fülle von Licht, Liebe und Leben, die vom Throne des Aller­höchsten uns alle Geretteten in Ewigkeit um­fluten wird. Im Lichte der Srdensonne kann man nicht blos den Körper erquicken, sondern auch die Seele erbauen. Die Lichtstrahlen sind Gnadenstrahlen sür das fromme sich öffnende Herz.

Anzeigen: Die eto spnltlge PetltzeNe »d« deren «au» 15 pfg. Reklamen die PetitzeHe 25 Pfg.; bei wieder- Holungen wird entsyr. llabatt gewahrt.

Druck und Verlag d« Fuldaer Actiendruckere la Fulda (Harmonie?

Fernsprecher «r. 9.

0 Laienbrüder aus der Heimat in Veutsch-Südweftafrika.

Durch den Aufstand der Herero in Deutsch- Südwestafrika ist die Lage des Misfionswerkes sehr schwierig geworden. Die Frucht jahrelanger Arbeit wurde mit einem Schlage vernicht«. Unter den 18 deutschen Laienbrüdern, welche jetzt in Deutsch.Südwestafrika in den Missionen der PP. Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria tätig sind, befinden sich auch drei auS hiesiger Gegend. Es find dies die Brüder Maiberger, Kalb und Raub. Bruder Raub stammt auS Mackenzell bet Hünfeld; er trat im Jahre 1900 in das Noviziat des St. BonifatiuSklosters der PP. Oblaten zu Hün­feld ein und legte daselbst sein erster Gelübde am 15. August 1901 ab. Noch im September desselben Jahres wurde er nach Deutsch-Süd­westafrika gesandt. Er war ein tüchtiger Mauerer, und er sollte drüben in Südwestaftika Arbeit finden. Galt eS doch, Kirchen, Schulen und n-ue Stationen, welche meist nur provisorisch und sehr notdürftig errichtet worden waren, zu bauen. So wurde am 23. März 1903 der Grundstein zur neuen, geräumigen H rz Jesu- Kirche gelegt und der Weiterbau des MissionS- Hauses betrieben.

„Abwechselnd in Gebet und Arbeit vergehen unsere Tage," schreibt Bruder Raub. „Die Zeit vergeht schnell, besonders hier. Es wird rüstig gebaut. 50000 selbstgeknetete und ander heißen Afrikasonne- getrocknete Backsteine wollen noch verarbeitet sein für den Neubau deS Pen­sionates für weiße Knaben und Mädchen. Bis zur Ankunft der Schwestern muß alle« fertig sein .... Nun, immer wie Gott will. Den lieben Gott nur laß ich walten, er wird uns schon erhalten."

Bruder Maiberger, aus Wirtheim bei Gelnhausen, legte sein Gelübde in Hünfeld em 21. November 1899 ab und ging im August 1902 nach den südwestafrikanischen Missionen. Er eigählt in einem Briefe auS Windhuk, daß er Wäschemeister geworden: „Wie geht's in Afrika? Nun, da ist immer gutes Wetter. Die Sonne brennt vom Himmel heiß und rinnen muß der Schweiß, Gegenwärtig wird wieder nach Wasser gegraben; wer nun eine Schwitzkur notwendig hat, braucht nur in den Schacht zu gehen, da ist reichlich dafür gesorgt. Da ich nun Wäschemeister bin, so gehe ich jede Woche einmal nach Klein-Windhuk. Dort wird die Wäsche gewaschen, aber nicht mit Hünfelder Soda, Waschpulver und Schmierseife; die fallen hier weg. In Klein Windhuk kommt daS warme Wasser direkt aus der Quelle Bruder Heinrich hat auch jetzt den Garten hier untersucht und angefangen, einen Brunnen zu graben. Da­neben arbeite ich noch in der Schneiderei und

zu spielen. Schwitzen ist freilich sehr gesund, und ich halte den Schweiß für daS allerbeste ReinigungSbad, weil alle anderen Wasser nut die Oberfläche der Haut säubern können, während daS Schweißwasser die Poren der Haut von Grund aus rein fegt. Wenn aber ein noch ge- sunder Mensch ein schweißtreibendes Lichtbad heben will, so kann er daS in der Sonne um­sonst genießen. Sogar im Winter zeitweilig bei starker Bewegung, und im Sommer regelmäßig bei mäßiger Bewegung.

Die betriebsamen Leute, die besondere „Sonnenbäder" einrichten, tun so, als ob man die belebende Kraft der Sonne erst genießen tonne, wenn man die landesüblichen Kleider auSzöge. Wenn der Arzt sagt, daß die Sonnen­strahlen in Badehosen massenhaft zenoffen werden müßten, so mag er im Sinzelfalle wohl recht haben. Aber im allgemeinen genießt man den Segen der Sonne schon recht schön, wenn man in einer losen und durchlässigen Kleidung sich im Sonnenschein bewegt. Die elektristerende Kraft der Sonnenstrahlen dringt schon durch das gewöhnliche ' Gewand, namentlich durch ein poröses Wollenzeug wohltätig hindurch.

„Nalmheiloerjahren, natürliche Gesundheits­pflege" — das find schöne Worte, die aber leider vielfach mißbraucht werden als Deck­mantel und Zugmittel sür allerlei Heilkünste­leien, die durchaus nicht natürlich sind. Auf Sonnenschein und frische Luft kommt es an, und die kann man ohne Apparate und ohne Rechnungen genießen, wenn man nur etwas da­hinter her ist.

Mit den Sonnenschirmen will ich hebet keinen Krieg anfangm, denn das ist ein Mode­artikel, der bei den Damen in zu hoher Gunst steht und auch noch anderen Zwecken dient, als den Teint zu schützen. Ich möchte nur den guten Rat geben, den Sonnenschirm möglichst klein zu halten und recht viel kokette Spielerei mit ihm zu treiben. Dann bekommt doch der Körper wenigstens etwas Sonne ab, und die Be­sitzerin mag sich zum Trost sagen, daß die ver­ständigen Männer vor einet warmen gesunden Gesichtsfarbe mehr Hochachtung haben, als vor fahlen Stubenbacken.

Auf die dichten Vorhänge in den Fenstern möchte ich aber einen ernstlich mah­nenden Fingerzeig ridjten. Die Fenster find nicht bloS die Augen, sondern auch die Lungen deS Zimmers. Warum denn durch die Vorhänge dem Zimmer das gesunde Atmen erschweren? Die Lichtstrahlen sind, das lehrt nicht blos die alte Erfahrung, sondern auch die neuere Bakterien - Weisheit, das beste, unversetzliche Desinfektionsmittel; die Lichtstrahlen ver- Nichten die Krankheitskeime und machen die Luft gesunder, auch wenn sie durch daS Fensterglas gehen müffen. Natürlich soll man nicht die Sonne direkt auf die Zeitung scheinen lassen, die man liest, oder auf die Hand­arbeit, an der man sich ohnehin schon die Augen strapaziert. Aber abgesehen von diesem notwen­digen Augenschutz sollte man jeden Sonnen- strahl sich frei ergießen lassen und froh darüber sein, daß dieses himmlische Gold ins Zimmer kommt. Die Ueberzüze der Möbel :c. leiden in der Farbe? Ach, die Gesundheit und die Lebensfrifche sind mehr wert, als der farbige Kram im Zimmer. Kein ver- nünftiger Mensch soll der Sklave seiner Möbel fein. Er richtet sich fernen Hausrat so ein, daß er das Nötiae vertragen kann, und lieber legt er ein Tuch über die sonnige Stelle, ehe er die Sonnenfenster verdunkelt. Sonne im HanS, Wonne im Haus!

Wer die Wahl hat, lege die Schlafzimmer und das Kinderzimmer möglichst an die Sonnen­seite. Die „gute Stube", die doch zu nichts rechten gut ist, kann ja an der Schattenseite nach Norden liegen.

Die Kinder müffen möglichst viel in'S Freie gelassen werden. Vor allem schicke man sie hin­aus, wenn gerade die Sonne recht scheint. Je brauner sie werden, desto besser! Glücklicherweise flieht ja die städtische Jugend immer zahlreicher im Sommer sich auS den Steinwüsten heraus auf das Land; die bemittelten werden von ihren Eltern in die Sommerfrischen gebracht oder ge­sandt, die anderen gehen in gemeinnützige Ferien­kolonien. Worin liegt nun die heilende und er- frischende Kraft? In den Meereswellm oder in den Gebirgsschönheiten? Oder in der länd­lichen Milch? Die Hauptsache ist der viele, un- mütelbare Sonnenschein, darum find die Früchte der Sommerfrische für Leib und Seele um so geringer, je trüber der Himmel während der Ferienzeit sich anläßt.

„Ja, wenn ich nur hinauSkönute!" So seufzt mancher Erwachsene, den das Geschäft in bei Stadt festtzätt. Nun, zeitweilig kannst bu doch Heils«neu Sonnenschein genießen. In den

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TOodiettbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung

Unpolitische SeMiiuse.

(Nachdruck verboten.)

c Berlin, 28. Inn. 1904.

Weil am nächsten Dienstag Mariä Lichtmeß ist, habe ich in einer schlaflosen Nachtstunde ein Gedicht gemacht, einen Lobgesang auf das hehre und heilige, belebende und beglückende Licht.

Nur nicht ängstlich! Es gibt keine Verse. Erstens find regelrechte Verse und glatte Reime Überhaupt nicht modern, und zweitens ist mein Lichtgedicht mehr wortloses Gefühl geblieben. Ich träumte auch von dem Straub bes rauschen­de« ReereS, auf dem eine kräftige Sommersonne glitzerte, und fühlte mich ungeheuer behaglich bet diesem Sonnenbad in der erfrischenden Seeluft. Gutmütig, wie ich bin, wollte ich den Mit­menschen auch gern etwa- von diesem Genüsse zukommen lassen und brach deshalb in den un­politischen Ruf auS: Geht doch nicht der lieben Sonne auS dem Wege! Damit hätte ich beinahe eine nächtliche Ruhestörung an gerichtet.

Alle Welt ruft nach Licht, mehr Licht und noch mehr Licht; aber fie meinen das künstliche Licht, womit wir den nachmittag verlängern, die Nacht verkürzen und den Morgen verderben. Ob nicht am Ende die Menschheit gesünder und zufriedener wäre, wenn es über­haupt keine Lampen gäbe und bte Streichhölzer nur zum Feueranmachen verwendet würden? Ich weiß nur, daß daS künstliche Licht nicht wetter bringt, als bis in'S Auge, während der Sonnenschein, daS natürliche Licht, die Gottes­lampe bis in'S Herz bringen kann.

Der Mensch ist wie eine Blume. Die Blume muß Licht haben, und zwar Sonnenlicht. Die Petroleumlampe ist Gift für sie, die Auer- sche Glühlampe tut ihr auch nicht gut, und daß elektrisches Licht die Triebkraft bet Pflanzen mächtig steigere, ist eine abgetane Einbildung Die Sonne muß es machen. Die Sonne ist der Quell de» natürlichen Lebens. Der Schöpfer und Batet hat seinen Kreaturen eine Nährmutter ge­geben für die irdische Kinderstube, die den Pflanzen und Tieren und den Menschenkörpern alles spendet, was ihnen not und gut tut.

Gewiß, das ist eine altbekannte Sache, die niemand bestreitet. Aber wie stimmt das Set« hatten bet „Kulturmenschen" dazu. Warum leben wir denn der Sonne auS dem Wege?

Die Gelehrten schreiben dicke Büchet übet die Unterschiede zwischen der ländlichen und bet statischen Bevölkerung. DaS platte Land bildet bte Vorratskammer von Kraft und Gesundheit für den Staat. Warum? Ich sage einfach: auf dem Lande wohnen die Sonnenmenschen, in der Stadt die Lnnpenmenschen; auf dem Lande wandelt man im Lichte, in der Stadt hocki man tzn Schatten. DaS Heil deS platten Landes kommt nicht von unten aus dem Schollengeruch ober auS der duftigen Düngung, sondern von oben, von der Hellen und warmen Sonne, die «an sich gern oder ungern auf den Kopf und die sonstigen Gliedmaßen scheinen lassen muß.

Die Sonne scheint bekanntlich auf Gerechte und Ungerech e; aber sie scheint nicht auf die Dummen, die sich von ihr ab sperren. Und dazu gehört ein großer Teil der Städter. In dieses Gewirr von hohen Häusern und engen Höfen kommen ja Überhaupt nur homöopathische Por­tionen von Sonnenstrahlen. Aber ich habe Leute gekannt, die sich ohne Not ein Zimmer nach Norden aussuchten, um den Sonnenstrahlen voll­ständig zu entgehen. Wegen den paar heißen Sommertagen, an denen man in einem sonnigen Zimmer vielleicht ein paar Tropfen mehr schwitzt, al» anderswo, schließen fie sich daS ganze lange Jahr hindurch von dem belebenden Sonnenlichte auS. Eher ist eS noch zu entschuldigen, wenn arme Leute in eine Hofwohnung kriegen, in der ein schräger Sonnenstrahl eine hochsom «erliche Rarität ist. Aber der kluge Familien­vater spart lieber an anderer Stelle ein paar Taler und sucht sich eine sonnige Wohnung aus. eingedenk des Sprichworts: Wo Ire Sonne nicht hinkommt, da kommt der Dokior hin!

Wie eine Bekehrung zum Besseren sieht es auS, wenn neuerdings besondere Anstalten für Lichtbäder und Sonnenbäder entstehen. In den Lichtbädern wird aber wieder mit künstlichem LM gearbeitet, was doch immer nu/ein trauriges Surrogat ist. Für einzelne Rranlbfiten mag wohl die Hautreinigung in einem Kasten mit elektrischen Glühlampen angebracht fein; aber in der allgemeinen Körperpflege scheint mir das «chchad die Rolle eine» trockenen Schwitzbades

lvnlel Wilhelms Amor.

Humoreske von Wilhelmine Fleck.

- - (Nachdruck verboten^

Herr Schmiefing stand, die Pfeife im Munde, und sah zu, wie sein: befiere Hältte sich beschäftigte. Darda bestand ein wesentlicher Teil seiner Tagesarbeit. Früher hatte Schmiefing sehr wohl seinen Mann bell der Arbeit gestanden, al» et noch Besitzer der ©pdfr fabrik draußen vor dem Obertor wat, fett zwei Jahre» aber hatte er diese Q elle seines Wohlstandes ver» kaust und war al» Rentier in das Billenvirrtel ge- zogen.

Seine Gattin fand nicht, daß ihm der Wechsel yet bekommen sei. Er war mitunter recht nörgelich und bereit, sich über alle möglichen D'mae zu ärgern, die ihn «ich!» anginaen. Auf den Kopssteinen d-r fcobfc gepflasterten Borstadistraße klangen Hufschläge. Herne Schmiefing lugte hinaus.

Ein älterer Herr und eine Dame ritten vorbei

„Waller stein»", brummte er „Schon wieder! Die Leut' müffen rein garnichts zu tun haben al» reiten.*

Frau Schmiefing sah sich nicht um. Sie nahm gerade ihre GlaSsachen zum Adstäuben au» de» Buffet.

„Wenn die Gäule noch wenigsten» ihr eigen wären," fuhr Herr Suattefing fort zu brummen. „Aber ich kenne sie; fie find au» Siebt 1’8 Tattersall, geborgt* setzte er mit erbostem Nachdruck hinzu.

„Na, da» laß doch jeden halten wie er will." — „Tu' ich ja auch. Mich ärgert bloß dieser infame Hochmut. Ein halbe» Jahr wohnen fie jetzt schon neben un». Wenn fie uns auch nur den allerkleivfirn- nachbarlichen Besuch gemacht hätten, ober bewahre! das wäre zuviel verlaust vom Herrn Oberst a. D,. Baron von Wallerstein."

„Na, Wallerstein grüßt ja doch immer ganz höf­lich, wenn er Dir begegnet, daß er mit Dir verk-hren sollte, hast Du doch früher auch nicht erwartet."

Nun fuhr Herr Schmiefing aber auf. „Früher, früher! Da hatte ich die Sprittfabrik und er da» Regiment. Da» war wa» andere». Ich bin nicht unbillig. Aber jetzt find wir Nachbarn. Er a. D.. und ich Rentier, und wir find jleich, sag' ich Dir; jleich vor Jott und Menschen."

Er schlug mit ter Hand aus den Tisch, daß hat Geschirr flirrte.

„Bewahr un», — Schmiefing, Dn wirst «och Scherben machen", rief Frau Emilie erschi öden und breitete schützend die Hände über ihr gefährdete» Gwt.

Ihres Gatten Gereiztheit suchte i-tzt eine andere Zielscheibe. r __

„Da ist ja der jräßliche Amor von Onkel Ak- helm immer noch, Emilje."

Frau Schmiefing nahm den getadelten GeaenßwM auf, der freilich ein Monstrum an Geschmack»fitztest »ar.

habe einen Schwarzen als Lehrling. Derselbe oll mal einen tüchtigen Schneider abgeben. Aber >iS dahin werde ich mich wohl oft in der Ge­duld üben müffen, denn die Eingeborenen haben )ie Arbeit gerade nicht erfunden und haben die Gedanken bei der Arbeit nicht so zusammen wie ein Deutscher. Auch Bruder Rand hat einen schwarzen Lehrling. Der soll das Mauern leinen; der Bruder Schuster soll einen Schuh­macher heranbilden; die sollen unS mit der Zett große Freude machen . . . Bruder Kartenbach macht sich in der Schneiderei verdienstlich; Bruder Rietsch flickt un» die alten Schuhe; Bruder Kalb ist MisstonSkoch geworden. Die Übrigen Brüder arbeiten an der Kirche und an den Ziegelsteinen ..."

Bruder Kalb stammt auS Schackau bei Kleinsassen. Er trat im September 1900 als Laienbruder in das Noviziat zu Hünfeld und legte hier am 17. September 1901 feine Profeß ab. In die Missionen von Deutsch Stdwest- afrila ging er im August vorigen Jahres (1903). Von feiner Reise berichtete er: „Nachdem wir den HÜnfeldern am 29. August zum letzten Mett die Hand gedrückt hatten, kamen wir Sonntag morgen in Hamburg an. Hier lasen die hoch». PP. Krein und Lauer die hl. Messe und wir Brüder gingen zur hl Kommunion. Am Nach­mittag ging das Schiff ab. „Sieb’ Heimatland, Ade. Es geht jetzt fort zum fernen Strand. Lieb' Heimatland, Ade!" Auf der lieber fahrt starb ein kleines Kind von 7 Monaten. Unsere PatreS nahmen die Beerdigung vor, unter dem Beisein des Kapitäns, der Schisssosfiziere, der Soldaten in- Uniform und vieler Passagiere. Es ist daS sehr wehmütig, einen teuren Ange­hörigen inS Meer senken zu müssen, ohne fein Grab zu sehen. Als der Sarg über Bord ge­hoben wurde, fing die Mutter deS Kindes laut zu roemen an, daß es einem in der Seele wehe tat. Der Sarg ging sofort unter, denn er war mit Eisenstücke beschwert worden und daS Schiss fuhr weiter.

Wir landeten glücklich in Swakopmund und bald ging es auf die Bahn nach Windhuk.

Mögen diese Zeilen in dem Herzen von man­chem braven Jünglmge den Beruf zum fchö«A„ heiligen Misstonswerke in den Heidenländern wecken!