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Sernsprecher Hl 9.
gnlöo, Donnerstag, den 28. Januar 1904.
31. Jahrgang.
Berlin, den 27. Januar 1904.
Der heutige Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers wurde nach den hier eingelaufenen Berichten im ganzen Reichs in der Mich'» Weife begangen. Hier in Berlin fand um IO*/* Uhr vormittags in der Schloßkapelle feierlicher Gottesdienst Natt, an dem auch die Kaiserin teilnahm. Anwesend waren der König her Belgier, der König von Sachsen, der Groß S von Baden nebst Gemahlin, der Groß- von Mecklenburg-Schwerin, viele andere je Fürsten, Prinzen und Prinzessinnen. An .den Gottesdienst schloß sich eine Gratulations« text im weißen Saale. Der Reichskanzler Graf Bülow ging als erster vorüber. Der Kaiser wechselte mit ihm freundliche Worte, desgleichen mit den Botschaftern von Italien, Oesterreich- Ungarn, Rußland- England, der Tüe kei, Spaniens. Mexikos, Frankreichs und mit den PrLstdien der Parlamente. Nach der Gratulations co r begab S der Kaiser mit Gefolge zu Fuß unter leben Kundgebungen der Menge noch dem Zeug- se zur Paroleausgabe. Sodann fand Familiendiner im Schlöffe statt, worauf der Kaiser eine Ausfahrt unternahm, vom Publikum kbhaft begrüßt. — Ueberall im ganzen Reiche wurden in den Kirchen Festgottesdienste, in den Schulen Festakte abgehalten. In den Garnison- ILdtea fanden Paraden und große ParoleauS- Mbrn statt. Die staatlichen und die städtischen Behörden, die Geftllichasten und Vereine feieren lunch gemeins rme Festmahle. Besonders ausführliche Meldungen liegen vor aus Potsdam,Köln, München, Stuttgart und Hamburg. Aus Hamburg wird u. a. berichtet, daß auch alle im Hofen liegenden norwegischen Sch.ffe über die Toppen gestäaat haben.
* Zum Ehrenvorsitzende« des Preu Wche« LaudeS Kriegerverbaudes hat der Kaiser auf das Immediatgesuch vom 7. Dezember o. I. den Kronprinzen des deutschen Reiches und von Preußen ernannt. Der Kaiser sagt in einer Kabineltsordre, er habe damit dem »üedes-Kriegeroerbande einen neuen Beweis seiner Anerkennung und seines Wohlwollens geben wolen und vertraue, daß dieser Gnadenbeweis allen zum Verbände gehörigen Kriezeroereinen Wie jedem einzelnen Mitglieds derselben ein An- sporn sein werde, allezeit auch im bürgerlichen Lebe« die im Fahneneide gelobte Treue zu halten sowk eine vaterländische und kameradschaftliche Gesinnung zu betätigen und zu pflegen.
V* Se. Eminenz Kardinal Fischer, Erzbischof von Köln wurde heute vom Kaiser auS besonderem Vertrauen als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus "berufen. Nunmehr sitzen also zwei Kardinäle im Herren- hause. — Ferner find aus Allerhöchstem Vertrauen inS Herrenhaus berufen worden der kommandierende General des 11. Armeekorps Generaloberst v. Wittich, Admiral Holl-
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von E. Pfaff.
M ------ (Nachdruck verboten.)
Ä« dem Abende, wo die beiden Freunde in ge- srhnkr Weise ihren Schulkameraden besuchten, war dieser bei ihrer Ankunft so recht in leinen Studie« «nd Arbeiten veetirst. Auf dem Arbeitstische de» Fleißigen lag BahrrS lateinischer L-xikon. ein ansehn- licher Quartband, deffen Svß-re Ausstattung hohe» Alter und starken 8 »brauch verriet. D r Einband 'leS BncheS hatte erh-blichen Schaden genommen, bei« von feinen ledernen settendeckm war nut noch e in'e übrig, auf der man künstliche, mit dem Federmisi-r anSgeführte Schn tzarbett sah. Dal Innere deS Buches war auf vielen Blättern mit M-n,aturmalereien geschmückt, die jedoch weder die Flnbensrg'che noch die künstlerische Vollendung zeigten, wie man eS in den «äten Handschriften mit Vergnügen wohrnmmt. Tinte und Feder hatten die Stelle von Pinsel und Palette vertreten, und die Zeichnungen verrieten, daß die Mstlerischen Anlagen idreS Urhebers eben nicht groß ■tut». Net en dem Wörterbuch lagen die »Elemente bei Euklide»" in deutscher Urbersetzung. Da» Buch SKic faubet gehalten und bildete einen vvrteil- hasteu Gegensatz zu sei» em lexikvgrophischen Nachbar; M ftieu fast, al» wenn der Besitzer defleibeu dem griechffchen Wathemariker, der so viele Schüler feü Zah.h»nderten gebildet hatte, g-rne die wodlve, diente Unhe gönne, und nur wider W'llen diesen betagten Weise« auf seinem Platze im Bücherschränke brun-
Zwischen den Büchern und Schreibheften stand, u® bas friedliche Bild eine» Studierzimmers zu vollenden, Ute lohe« mit B-er gefüllte» Glas. Adam tat, wenn
mann, Wirklicher Geheimrat Dr. Hintzveter, Bankrer Dr. v. Metzler-Frankfurt a. M und Generalsuperintendent D. Faber.
]:[ Das Kaiserschlotz in Posen soll im romanischen Stil, nach Plänen des Geh. Ban- rats Schwechlen gebaut werden. 8s wird außer den Gemächern für den kaiserlichen Hoshalt noch Räume für eine prinzliche Hofhaltung barbieten, damit auch in der Seit, in der ein königlicher Prinz dauernden Aufenthalt in Posen nimmt, der Kaiser dort refidieren kann. Außer diesen beiden Wohnungen soll das Schloß noch besondere Festräume für die Repräsentation während der Residenz des Kaisers enthalten.
* liebet Verschiebungen in den höchsten Komrnandostellen sind in letzter Zett wieder allerlei Gerüchte umgegangen. Die jüngste Meldung dieser Art, daß nämlich der kommandierende General des ersten Armeekorps Frhr. v. d. Goltz sein Abschiedsgesuch eingereicht hab-, wird von der konservativen,Ostpr. Ztg/ nach Erkundigung an bestuntsrrihteterStelle für unwahr erklärt. Die ,Pr. Korrssp/ will freilich an der Ansicht fsstha'ten, daß Frbr. v. d. Goltz unbeschadet seiner hervorragenden Qualitäten über seine blkannten Luxusartikel in absehbarer Zeit zu Fälle kommen müffe. Der General habe in diesem Artikel an Einschließungen und Anordnungen deS allerhöchsten Kriegsherrn öffentlich in höchst absprechender Weise Kritik geübt und daS dürfe um der Konsequenzen willen auch von den verdientesten und höchstgestellten Offizieren nicht geduldet werden. Dieser Ansicht kann man nur zustimmen. — Nach der ,Pr. Korresp/ soll ein anderer Offizier demnächst verabschiedet werden, weil er die Falte in den neuen Offiziers- Mänteln scherzweise als „Kummerfalte" bezeichnet hat. Unter den Eingängen eines bekannten militärischen Warenhauses in Berlin fand sich bald nach dem Erlaß der vielbesprochenen KabinelSordre eine Bestellkarte vor, die den erwähnten Ausdruck enthielt. Da der Absender der Karte deS weiteren um Einsendung emer Probe der hochgrünen Handschuhe und des Helmes mit elektrischer Glühlpitze bat, der baldige Einführung feiner Information nach bevorstehe, sah die Direktion des Warenhauses in der Karte eine gröbliche Verhöhnung, was sie veranlaßte, das Schriftstück an eine geeignete militärische Stelle weiter zu geben. Der Absender der Karte sprach nach einigen Tagen zum zweiten Male schriftlich vor und teilte mit, seine neuliche Kundgebung sei beim Liebesmahl und in entsprechender Stimmung zu Papier gebracht worden, er bitte ihretwegen um Entschuldigung und ersuche, sie als nicht eingegangen betrach.en zu wollen. Das war nicht mehr möglich; das militärische Verfahren, über deffen Ausgang Zweifel wohl kaum bestehen können, war bereits eingeleitet.
* Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die Hess en-nassauische Wahlkreise vertreten, hatten sich gestern ohne Unterschied der Parteirichtung eingefunden, um in eine Vorbesprechung des Gesetzentwurfs über die Fortbildungsschulen der Provinz Hessen- Nass an einzutreten. Man erkannte daS Bedürfnis einet gesetzlichen Reg-lung der Materie
er eine Zeittang mit gröbter Aufmerksamkeit an seiner schwierigen lateinischen Äufaabe gearbeitet hatte, einen Schlack an» dem Blase, deffen Jnh.lt leicht-r Natur war und mäßig genossen, der Denkkraft keinen Abbruch tat.
Die beiden greuibe wurden bei ihrer Ankunft von dem fleißigen Kameraden w llkrmmen geheißen, ab r zugleich einfilich ermahnt, sich ganz ruhi - zu verhalten, sie könnten eirftroeilen dir mathematischen Lehrsätze durchgehen, um sie ihm nachher „einzupauken", wie Adam, an dem ter Umgang mit Akademikern nicht spurlos vorübrrging, bemerke. Später, meinte er, wollten sie reckt lustig zusammen sein; es kämen ein paar gmz fidele Barsch n. d-e eS nicht unter ihr-r Wöroe hielten, mit Lateinschülern umzugehen. Die beiden Jug ndgencsien schienen den Wunsch ihre» Freunde- eben nicht mit g oßer Freude anfzunet men. Der Weißkopf, ein tüchttger Mathematiker, nahm den EuttideS zur Hand, Anton aber setzte sich mißvergnügt in eine Ecke. Wir übettcff'n lie Jurgling- ihren S ndien »n* stillen Betrachtungen Und be,itben untz in das vordere Znnm-r, um die Besucher von Meister Fröhlichs Wirtschaft etwas näher zu betrachten
Die Frankfurter .Rrichipost' war eben zur Seite gelegt worden, nachdem der Inhalt de» kleinen schmutzipgranen Blattes vom Titel cis auf den Kurs der Goldmünzen und Staatspapiere herab laut und deutlich von einem Gaste vorgelesen, stellenweise auch durch paffende Bemerkungen erläutert worden war, die zuweilen eine heftige Debatte herbei- fühiten. Die meisten Bemerkungen machte ein umfangreicher Mann in weitem, blauen Tuchrvcke, der am obersten Ende des Tisches saß und gleichsam den Vorsitz unter den Gästen führte; Herr Jodoku» Beseler*) ein angesehener und wohlhabender Bäcker-
*) Der Besitzer des jetzt Bäcker Hafenpflng'schen Hauses, Ecke der Kl. Markistrnße.
an, stellte sich der Vorlage sympathisch gegenüber und erklärte fie für eine geeignete Grundlage für die wetteren Beratungen.
'.Wegen amtlicher Wahlbeeinflnssung soll, wie schon kurz gemeldet, die Wahl des Reichstagsabgeordnelen Dr. Braun in F ank- fort a. d. O. für ungültig erklärt werden. Es ist ein eigenes Ge'chick, daß es sich gerade um ein sozialdemokratisches Mandat handelt. Die Sache ist aber vollkommen in Ordnung, wie schon daraus hervorgeht, daß die gesamte Wahlprüfungskommission mit Ausnahme der Sozialdemokraten sich für die Ungiltigkeils- erklärung der Wahl deS Abg. Dr. Braun in Frankfurt a. d. O. ausgesprochen hat. Natür> lich ist die amtliche Wahlbeeinfiuffung nicht zu gunsten der Sozialdemokraten erfolgt. Der vom Regierungspräsidenten unterzeichnete Wahlaufruf empfahl aber den konservativen Gegner BrannS. Und da dieser noch einen Konkurrenten in der Person eines nationalliberolen Kandidaten hatte, fühlten die Nationalliberalm sich geschädigt und erhaben Einspruch mit bet Begründung, daß. wenn der Regierungspräsident die Wahl nicht zu gunsten der Konservativen beein- flußt hätte, vielleicht ihr Kandidat statt des Konservativen in die Sichwahl gekommen wäre und gesiegt hätte. Die.Kreuzztg/ ärgert sich über „diese echt nationalliberale Logik", aber sie steht mit der ständigen Hebung des Reichstages im Einklang. Der Reichstag wird sich auch sicher nickt umstimmen laffen durch die Be- haupturg der .Kreuzztg/, daß von einer amtlichen Berinfluffung doch keine Rede mehr sein könne, seitdem die Wähler in die Dunkelkammer gingen und einen vollständig verschlossenen Wahlzettel abgeben. Die Beeinflussung ist doch schon erfolgt, ehe die Wähler in die Dunkelkammer gingen. Dr. Braun, der nun ganz unschuldig büßen muß für Taten, die seine Gegner begangen und die ihm mehr geschadet als genützt haben, ist bekanntlich einer der in Dresden so hart mitgenommenen „Revisionisten". Die führenden Genoffen iu seinem Wahlkreise haben ihm deün allerdings ein Vertrauensvotum gegeben. Ob er nicht aber jetzt Schwierigkeiten haben wird mit der Wiederaufstellung seiner Kandidatur?
* Ans Swakopmnnv wird heute telegraphisch gemeldet: Nach neueren Nachrichten aus Otjimbingwe sind die Bastarde treu, am Orte 35 Gewehre; Kronwitter erschlagen. Es ist sichere Nachricht aus Okahandja, daß Zülow sich Wochen halten kann. Der Versuch, mit Karibik Verbindung zu erhalten, ist durch Zerstörung der Bahn bei Waldau verekelt. ES ist nachgewiesen, daß 16 Menschen ermordet sind unb 70 vermißt werden. Die Reparaturen bei Khan werden mindestens noch vier Tage dauern; man hofft bann, die Bahnverbindung mit Karibik aufrecht erhalten zu können. Die Arbeit hinter Karibik ist vorläufig eingestellt. Es werden Vorbereitungen dazu getroffen, von dort aus zu Fuß vorzustoßen.
V Berlin, 27. Jan. 1904. In seiner heutigen Festrede beim Festakt der Berliner Univeifilät zur Feier des GeburlStageS deS Kaisers sprach der Historiker Prof. Dr. Otto Hintze über das politische
meister, war dieser Redselige, der gewiß an keinem Abende das Haus seines Gevatters Fröhlich unbesucht ließ, wo er wußte, daß die neueste Zeitungsnummer für zwei Stunden dem Schuhmachermeister zur Erheiterung seiner Gäste von einem in der Nähe wohnenden Beamten überlassen wurde.
So begierig Gevatter Beseler war, die neuesten Welthandel zu erfahren, war er doch nie zu bewegen, die Zeitung selbst vorzulesen, obgleich tt fast jedesmal dazu ausgefordert wurde. Bald hatte er seine Brille vergessen, bald fhderte es ihm vor den Augen und er konnte die Buchstaben nicht deutlich genug unterscheiden, bald hatte er einen andern Entschuldigungsgrund, um daS Vorleseramt von sich abzuwenden. Die andern Gäste flüsterten ost leise einander zu, Meister Beseler könne nicht lesen. Dagegen beteiligte er sich am lautesten und lebhaftesten an der Unterhaltung und nahm bei Erörterung politischer und staatswirt- schaftticker Fragen eine gewisse Autorität für sich in Anspruch, die sich auf den freilich wichtigen Grund stützte, daß Meister Beseler als Bäckergeselle das heilige römische Reich deutscher Nation so ziemlich zur Hälfte durchwandert und, zvaS er sehr oft erwähnte, ein ganze» Jahr in der Kaiseistadt Wien gearbeitet hatte. Um den Anstrich gelehrter Bildung, welchen er sich gerne zu geben suchte, zu erhöhen, war er im Gebrauche der Fremdwörter wahrhaft verschwenderisck, leider mit wenig Glück, sodaß er bei seiner häufig wieder'ehrenden Schilderung der Tiroler Gletscher regelmäßig die herabstüizenden Lawinen mit La> seten verwech'elte und hierdurch schallendes Gelächter und Zurechtweisungen von seinen Freunden hervorrief.
Der Gast, welcher in der Wirt! chatt Meister Fröhlichs das Amt eines Vorlesers versah und gewöhnlich mtt Gevatter Beseler in politische Debatten geriet, war ein kleines, spindeldürres Männchen, das sowohl durch feine Gestatt unb Kleidung, wie durch manche Sonderbarkeiten tn feinem Benehmen auffiel.
TeftamentFriebrichs deS Großen. DaS bisher noch ungtbxudte Testament soll demnächst znm größt«» Tett in der „Acta Borusfica" veröffentlicht werden. — Die Nachricht, daß KolonialtdreUor Dr. Stube! sei» Abschiedsgesuch eingereicht habe, wird von verschiedene» Seiten als erfunden bezeichnet. Ob er es aber noch lauge auf feinem Posten auShält, ist eine andere Frage. Die Kolonialdirektoren wechseln bei unS betannttich ungemein häufig. — Dem Vernehmen nach bemühe« sich die verschiedensten Regierungspräsidenten, die Durchführung von Verboten b,s Branntwein- Ausschanks in den späte- Nachmittags- und Abendstunden an Lohn- und VorschußzahlungSiagrn dadurch zu erleichtern, daß für bestimmte Industriezweige diese Tage möglichst einheitlich festgesetzt toethen. In industriellen Steifen wird diese Tätigkeit bet Regierungspräsidenten durchweg unterstützt. Von de» iw dustrnllen Bereinigungen wird auf die Mitglieder ei* gewirkt, daß sie möglichstes Entgegenkommen be-vetsea,
• Sur tage tn Mafien.
Japan sängt an ungedulbig zu werde»; denn die Antwort Rußlands auf seine letzte Note steht noch immer aus. Nach einem Telegramm aus Tokio hat die japanische Regierung dem russischen Gesandten Baron Rosen mitgeleilt.daß eine baldige Antwort auf die letzte japanische Note erwünscht fei, und gleichzeitig betont, daß ihrer Ansickt nach die Note am 16. Januar in den Besitz der russischen Regierung gelangt wäre und daß somit hinreichend Zeit re: striche« sei, um eine Antwort in Erwägung ziehen z» können. Mit Bezug auf die VerrnittelungS- versuche Chinas berichtet die .Times' auS Peking: „Am Freitag sandte Prinz Tsching, bec in großer Angst darüber ist, daß China bei einem AuSbruch von Feindseligkeiten zwi chen Rußland und Japan wider seinen Willen in dieselben verwickelt werden könnte, den Minister deS Auswärtigen zu dem französischen Gesandt« Dubail mit der Anfrage, ob Frankreich bi Vermittlerrolle zwischen Rußland und Japan gemeinsam mit England und Amerika, übernehmet wolle. Samstag sandte Prinz Tsching an d« englischen Gesandten Satow einen Beamt« mit einem gleichen Auftrage. Gestern benachrichtigte Dubais den Prinzen, kiffe Regierung sei geneigt, ihre guten D'evfie anzu» bieten und sich zu bemühen, gemeinsam mit England und den Vereinigten Staate» einen modus vivendi herzustellen. Der britische und der amerikanische Gesandte haben seitdem, in vollständiger Uebereinstimmung handelnd, die Chinesen über die Schwierigkeit aufgeklärt, zwei Mächten eine Vermittelung anzubieten, die ke »e von beiden offen gewünscht und eine bereits als unannehmbar bezeichnet habe. Prinz Tsching gibt zu, daß die Anregung, die übrigen Mächte zu einer Vermittelung aufzufordern, von dem russischen Gesandten auSgegangen sei. Rußland hat somit bei den Chinesen durch Bekanntgabe seines Wunsches, eine Vermittelung anzunehmen, die Japan nicht annehmen kann, einen Vorteil erlangt, und es wä r müßiges Beginnen, zu bestreiten, daß China durch diesen Schachzug teebt- flußt wird."
Eine „wichtige" Sitzung des japanischen Kabinetts hat nach einer Reuter- Meldung am DienSiag in Tokio statt gefunden, und im Anschluß daran wurde eine drei Stunde»
Es war ein Acciseschreiber, dessen Gehalt- ebenso mäßig war, als seine Familie zahlreich und die ®e=- scyätte seines Amtes unerquicklich. Eine gewisse Pedanterie, wie fie der Meckantsmus der Gescbättsstube häufig bervorruft, machte sich in der ganzen Erscheinung dieses Stammgastes bemerkbar. Während die übrige» Gäste im einfachsten Hausracke fich zum Biere einfa-den, ja mehrere derselben im Anzuge be Werkstatt« mit Schurzfell «nb Pantoffeln ec schienen, war der Acciseschreiber immer höchst sorgfältig gekleidet. Sein Tuchrock, dessen ursprüng liche schwarze Farbe stellenweise in Grau über ging, war stet» so tauber gebürstet, daß mau selbst in;ben Nähten kein Stäubchen ober F-d-rchrn zu entdecken veimochte. Em Hemdkragen mit zierlicher Stickerei drängte fich ans der wolle-en Ha-binde be» kleinen Mannes hervor unb ließ durch sein vergilbte Aussehen erkennen, daß er scho- diele Iah e im Gebrauch und häufig unter dem Bügeleisen der Wäscheri» gewesen sei. Während die übrige« Gäste im Einbalte» eines d.stimmten Trinkwaße» eben nickt ängstlich waren, wich jener Gast niemals von seinen zwÄ Stoppen Dünnbier ab und mit wahrhaft änastlcher Sorgfalt legte er, so oft das verlangte Getränke ihm vorgesetzt wurde, den Betrag dafür auf den Tisch; auch Pflegte er nie den ersten Schluck zu tu», bevor er ein Stückchen Brotrinde verzehrt hatte, welches er jeden Abend mitbrachte unb das vorsorglich in kleine an einander hängende Stücke geschmtten war. Ein« große Fffende war er für beit Acciseschreiber, wenn da» Gesp S<v auf eine Stege hinan« lief, worin Zahler,Verhältnisse bot tarnen; dann ließ er e» fich nicht nehmen, et»halb s ine Gewandtheit im Srpfreckrcn zu zeigen, und Meister Jodccs» batte schon mehrmals di e leise Kundgebung «einer Unw-llerS nicht unterdrücken können, wenn der Eckreiber die Uvtrhaltmg drnch den Ruf unttc» brach: .Das wll ich Sncy g'eich anrrichnen!"