Einzelbild herunterladen
 

MaerM Zeitung

Verantwortlicher

Momtrbcilage: „Zuldaer GefchichtrbMer".

H

Lrfcheint täglich, mit Larnahme der Sonn« und Stiertage. Viertel« fährt. Bezugspreis ohne Vringerlobn und VesieLgeldinSuidaund guswärts I Mk. 50 pfg.

kchriftleiter.Zof.vaum,

3. wochmbettagc: „Illustrierte Sonntagrzeitung

Anzeigen: >k ein­spaltige Petitzeile eder deren Baum 15 Pfg. Bekamen die Petitzeil« 25 pfg.; bei wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Zuldaer Aetiendruckerei in Hulda (Harmonie). Sernsprecher Nr. 9.

M LI.

Sulöa, Mittwoch, den 27. Januar 1904.

31. Jahrgang.

^Rrmischfes

rt t«

I i i

schönen Seelen finden sich. Jakosch hatte sich, aus dec fernen ostpreußiscken Heimat in das fremdartige Leben des Westens versetzt, anfa gS recht e nsam in der Kompagnie gefühlt und so hatte er sich denn an den Hund angeschlossen, der ihm bald der beste Freund wurde.

Bon Jakosch hatte Schni ppe mit der einem echten Pad I eigenen raschen Auffassungsgabe ttfledei Kunst­stück^ gel ritt, die das Tier erst recht zum Li-bling ötr Kompagnie machten. B-sond rS groß war Schnuppe im „Aportel", in dem er eine schon mehr b ängstigende Virtuosität emfallete. Alles, was sich auf dem Erd oder Fußboden uwhertrieb, schien dem klugen Hande eigen- dahin gelegt zu se n, um g'leqentlich apportiert i zu werden. Es genüg e ein S oß a' den Geaenstand, em Griff nach bemselb<n, um Schnuppe'S Pfl chkeifer zu wecken, um hn zu veranlaffen, sich fo'ort auf b 8 I Objekt zu stürzen und es irgend jemand fändet lich razurragrn. Freilich, wenn jemand eS wagte, dem | Hr^de den Geae staud streitig zu machen, wenn etwa i jemand in Schnuppes Anwesendett etwas oom Boden ufheden wollte, io konnte Schnuppe recht ek.ig werden; I man mußte da» .Hur derle" eben ruhig gewähren lassen, ! dis er seiner Pflicht des Bppirete.eoS genügt harte

E-nen fisten Wobt fitz haue Schnuppe nicht. Er kampierte bald bei diesem, bald bei jenem Solsaten, | am meisten aber hielt ec sich bei Jakosch auf und j "emge>. äß oft in des He-rn Feldwebels Meierh ff Wohnung. Denn Jakosch versah das Ehrenamt eines

der Schutzlrupps in Südweftafrika, Oberst Leut- wein, der feit 1894 sich in den Kolonien als Chef der Truppen befindet. Nachdem er fast anscheinend mit Erfolg den Aufstand im äußersten Süden der Kolonie durch Bestrafung der Bon- delzwarts gedämpft, muß er nunmehr schleunigst nach dem Rgterungs sitze Windhuk eilen, um bei der Niederwerfung der Hereros tätig zu sein. Da ihm ursprünglich nur eine kleine Schutztruppe von rund 1000 Mann für das weite Gebiet zur Verfügung gestanden, so ist die Erfüllung dieser Ausgabe für ihn eine schwierige. Jedoch hat Leutweiii bisher in der Kolonie stets in vortreff­licher Weise die Ruhe aufrecht zu erhalten, bezw. wiederherznstellen verstanden.

So war der 27 Januar herangekomnnen und der I Herr Feldwebel hatte olle Hände voll zu tun, die letzten Vorder, itm gen für btt Karsen sgeburtstagsfeier zu tnffm. An ter würdigen Ausschmückung des Festsaales durste es nicht fehlen und für ein nette« Bühnenarrageme't, das den Hintergrund für den Polog des Feldwebels bildete, mußte auch gesorgt werden. Daß der Einjährige S rfferS dem Feldwebel zur Hand ging, war selbstverständlich und jener war so klug, sich dem Feld wedel unterzuordnen und gar | manche eigtne Idee für die seines Vorgesetzten aus- zugeben.

| Und während nun der Herr Feldwebel so in bester l Arbeil war, hatte ihn im ieiner Wohnung das Ver­hängnis bereits ereilt. Di« war aber so gekommen F eund Jakosch hatte die Pfl cht, die letzte Hand an

! die Extrawchen der Herrn Feldwebels zu legen und er entledigte sich feiner Aufgabe auf das beste. Da-

! "ach w,chte er sich an da» Aufräumen in dem j Zimmer d s Frid-oebels,, der ein Mann von Pein» I lichster Or nung war. Statürlich war auch S im p.e, i d«s „Hunderle", anwes end, das alln Bewegungen seine- Freunde» mit Au zmerksomkeit folate.

Auf dem Fußboden lagen einige Blätter be­schriebenen Papt rs, die nun Jakosch ausheben wollte Kn m bemerk! e Schnuppe das, al« et sich fest er Pflicht erinnerte. Mit einem Sprunge hatte tr die P Piere err icht, die Vorde süße darauf gesetzt und schaut. Jr osch triumphierend au. Nun hatte Jakosch sehr wvpl bemerkt, dckß der F ldwebel sich wird r Volt in diese Pap ece cert eft und fie erst heute an­der Hand gelegt hatte, damit fie in die Ex reu*i= form kamen Nun mochten die Papiere durch irgend welch n Zu'all, aus ben Fußboden g fallen sein und Schnuppe erachtete fie anscheinend al» fein Eigentum.

Jakosch aber, dem die Wichtigkeit der Papiere sitzt durch den Kops ging, bekam Angst und tat dar einzige, was er in tiefem Falle nicht hätte tun sollen; er suchte dem Hunde die Papiere zu ent r ißen. Da aber kain er schlecht an, Schnuppe mochte glauben, daß sein Herr ein lustiges Spiel mit bm zu treiben gedenke, oder wa» sonst wohl des Hunde» Gedanken fern macht n, genug, binnen meng n Mim'en Warrn die Papiere in Fetzen zer- r ff.m, beschmutzt und vnb auchbar geworben Und als * un gar Jakosch (8 ront au wenden wollte, um dem Hunde seine Beute ob «jagen, hielt es bi ser für da« richtigste, mit tunli chst r Geschmindigke.t die Fetzen seinem Magen einzuverleiben.

So kam eS, baß, als her Herr Feldwebel ins Zimm-r trat, er noch mit ansehen konnte, rote Schnuppe

Deutsches Reich.

Berlin, den 26. Januar 1904

*♦ Die zehn ständigen Komwifsisnen deS Abgeordnetenhauses sind heute nach­mittag gebildet worden. Das Zentrum entsendet in diese Kommissionen die foigenden Abgeord­neten: 1) in die Geschäfts ordnungskom- m iss ton die Abgz. Dinslage, Dr. Feroers (Düsseldorf), Krebs, Schwarze; 2) in die Petrtionskommission: Frhr. v. Eynatten, Dr. Hauptmann, Hoheiiel, Kaute, Mies, Wille- brand (Bo sitzet der dir Kommiffton); 3) in die A gr ar ko mmtssion: Dr. Fat bender, Graw, Herold (Vorsitzender der Kommiffion); 4) in bie Koo-Mission für Handel und Gewerbe: Cahem ly Lmz, Schmedding, Trimborn (Vor- sitzender der Kowmrffior,); 5) in die Justiz kommission die Adgg. Dr. B cker, Gotke, o. H-tgen, Reinhard; 6) in die Gemeinde- ko mm ifs io n die Abgg. Albers (Stellvertreter des Vorsitzenden) Dr. Heisig, Stupp; 7) in die Unterrichtskommission die Abgg Dasbach, Dr. Drtlrich, Geisler, Dr. Glatt eiter; 8) in die Budgelkommisfion die Abgg. Graf Praschma, von Savigny, Wallenborn, de Witt, Dr. am Zehnhoff; 9) in die Rech, n ungs ko mm ifs ion bte Abgg. v. Hagen (stellv. Vorsitzender) und Jaegen und 10) in tue Wahlpüfungskowmisfian die Abgg. Gorke, Vogt, Welistkin (stellv. Vorsitzender.)

—* Dem Abgeordnet en Hause sind vom Handelsminister Berichte Über Reifen zum S'u- dium der in anderen Bundesstaaten und im Ausland getroffenen Maßnahmen zur Förde­rung des Kleingewerbes zugegangen. Diese Berichte wurden dem Hause im vorigen Jahre bei Gelegenheit von Erörterungen über die An­träge Dimborn versprochen.

—* Oberst Leutwcin. Wir geben unseren Lesern beiftehend das Porirät des Kommandeurs

SchmM, dir ÄMMhimd.

Eine kleine Erinnerung von einer Kaifirsgeburtstagsfeier von Eugen Rahden.

------- (Nachdruck verboten.)

Er hieß Schnuppe und es war ihm auch alles schnuppe. Ob er seinen Namen von seinem eigen­tümlichen Temperament trug, ober ob umgekehrt ber ihm gewordene Name ihn zu dem gemacht, was unb wie er war, läit sich nicht sagen. Schnuppe war ein Pudel unb der Kompagniehund. Ein richtiger, recht­schaffener, hartgesottener, zu allen Schandtaten fähiger, dabei aber seinen vielen Her en treu ergebener Kom- pagniehund, ein echter Soldatenhund.

Jakosch, der Polacke, nannte ihn das .Hunderte", obschon Schnuppe ein sehr ausgewachsener, großer Königspudei war, fett, rund und st ttlich, wie das nicht anders sein konnte, da d-r Hund wahrlich keinen Mangel litt und es keinen Mann in der Kompagnie gab, ber nicht den letz'en Bissen mit ihm geteilt hätte. Von allen seinen zahlreichen Kompagniefreunben war aber Jakosch der Spezialfreund Schnuppes. Die

'ne l-tzten Reste des Prolog-» ver-pe-ste Alles Lamentieren und einige krästige Donnerwstt-r onberten nichts an bet tran igen T t>ach-, daß Schnuppe bie Dichtung aufgefteffen hatte, mt der am Abend der Herr Feldwebel g'anzeit woll e.

W is tun? B-rgeblich zermartert.' ber Herr Feld­webel seinen Kops; nur einvlne Br chstücke ber I Dichtung waren in se uem Gedächtnis hasten g, blieben i Em neues ähnliches A>etk zu beschaffen, war zweifel­los unmöglich. So bltrh denn nichts übrig, ol» sich in sein Sch ckinl zu ergeben und am Festabend eine kurze Rede, schlecht unc rech', so gut es eben ginge, zu halten. Das Unangenehme war nur, daß von dem großen Prolog, den der Herr Feldwebel zum besten geben wollte, so rna cherlei du chgesickert wat und man in ber Kompagnie nicht wenig gespannt war auf bie Dichtung M poetischen F loroebels.

So ka n benn der Abend heran und trübselig be­gab fick ber H«rr Feldwebel in« Festlokal. Der (Sin» jähttge St ff rs war auch bereits da unb prüfte mit k-itischem Auge bas Ganze ber Festvo.'bereüungen Allmählich begann sich das L kal mit ben Mann­schaften und ben geraden n Gästen zu füllen.

D-r E-njährige kam dem Feldwe et gerade recht. .G-fällt Jmn woql nicht sonderlich, find wohl I besseres gewöhnt?" knurrte ter Feldwebel.

„O es geht," meinte Stifter», „-ranz nett; nur bie ftaiferbüffe hätte ich mehr in bett Vordergrund gr­ill'. Wenn S.e Herr Feldwebel, Jhten Prolog 'pr-chen, ber doch mtt dem Hoch auf Seine Maj-stät sckl ext, kommt bie G uppe auf *er Bübne b ffer zur Geltung, wenn sie mehr tm Saale sichtbar ist."

„Hat sich was zu Prologen", erwiderte ber Feld­webel, „gibt es wcht"

„Oho, der Herr Feldw»bel werden uns doch nicht um .en Genuß bringen", meinte SiofferS ganz be­stürzt.

Wie eS t un kam, wußte später der Herr Feld- webcl selbst nicht zu sag-n, — denn nach I ihren hat er da« tief gehüt te Geheimnis im Freundeskreise prttsgegeben, — g-nug, er mußte jemanbem sein über­volles Herz aussckü'ten unb so teilte er benn dem Enjchrtgen da« Unglück mit, das ihm mit „(einer D-chtung" passiert fei. Seiber habe er von feinem mühsam genug erzeugten @e iefcte keine Abschrift unb jo müsse b»nn ber Prolog ausfallen.

Ei- en Augenblick huschte ein Lächeln über deS Einjahttgen Lppen, bann sagte er:

„Herr F ldroebel, mein Ehrenwort, boß von bem, was wir hier besprechen, nie ein Wort über meine Lppen ko mut. Ste soll-n keinestalls um Ihren Ptoiog kommen. Gönnen Sie mit zwanzig Minuten und less-n Sie bann noch zehn Minuten vergehen, ebe wir anfangen. Binnen einer halben Stu de (ollen S e Ihren Prolog haben unb Sie sollen ihn b qrern l ien unb bequem vortrag-n können. In zehn Minuten haben Sie sich Völl g orientiert."

Der Herr Feldwebel wurde blaß und rot und er hatte manches „wenn und aber", indes der Einjährige mußte ihm die Sache so plaufibel zu machen, daß et schließlich einverstanden war.

iC

„Noch ein»", sagte ber Einjährige zum Schluß, „ich bitte Sie nur, sich ü er n'chlS zu wundern und zu beoenken, daß ich unbedingt reinen Mund hatte."

So war die Sache obgemacht Der Einjäh'ige versch wnd unb nach Avlau' von zwanzia M uten kerschwand auch ber Feldwebel. Mtt brfli■* er Ver­beugung händigte der E rjägiiqein mem R benaume des Lokals, wo die b iden allein waren, bem Felv- trebd ein säube lich geschriebene» Manuskript e n, bann entfernte er sich

Der Herr Felbwebel hatte zehn Minuten Z-ii, um da» ne»e Gedicht zu überlesen und ttotz derd'Ul» lichen Schritt teustte er. Mit Recht fürchtete er, daß ihm beim Sprechen des Prologe» die g'ahe Rede vicht zur Verfügung steben wurde, wie bei b<m von Schnuppe verzihrten Gedich', da» er so und so »ft gelesen und sich eii. eprägt hatte J des,c» hals r icht», er muß e iw den fauren Apke! beißen

Sr la» bie ersten Zeilen, m-chte g-ohe Äugen, wurde wieder blaß und rot und bann entrang sich» Seinen L ppen: „He l g-» Kanonenrohr, bat man \* so wa- erlebt, da» ist ja mein P olos, Won für Wort"

In» 2 fa' zurückgekehrt, »uchten feine Augen den Einjährigen. Der aber war nicht zu e blicken.

Nun, da» Fest begann und rec P.vlog hatte-tneu E folg, tote man solch--» in ber Kompagnie noch *ie e lebt hatte. Ter Fe dwekel war der Helv oe» Astend» und er wurde al» D ch er gefeiert, nicht zum w nigsten vom Mnjährigett Stoffe », ber, nachdem da» Ka ser« hich verklung n, in einer Ecke austauch!e, in der er stch k'em gemacht hatte.

Und so nahm das Fest, Kaiser» 8eburt»teg zu Ehren, den schönsten Verlauf. Im Leute de» Abend» gelang e» bem Feldwebel schließlich, de» E'njädiigen Hasthast zu werden. Uud tun gab e» Erklärungen, nie einfach genug waren. Der Schwager des Feld­webels war in der Geschäftsstelle der süddeut wen Reifung beschäftigt und batte in seinem Leben nie ein Gedicht verbrochen Aber der allzeit gefällige Feutlletonist Stifter» war -hm bekannt und an diese» batte er sich km zer Hard g°wandt. So war der Prolog auf Umwegen in de» Feldwebel» Hände gelang-.

Der Feldwebel und der E njrbrige wu-den schließ­lich gute Freunde. Der Grundstein hie-zu wurde weniger durch die augenblickliche Hilfe des Einjährigen, die er bem F Ibroebel geleistet, gelegt, als vielmehr gelegentlich ber Nachfeier zu ber sich nach der Haupt­eier ein kleiner Krei» im Separatzimmer zusamm n- and. Das war natürlich nach Mi t macht und nun hielt ber Einjährige eine schwungvolle Ans rache in ber er in be ebten Worten ben Feldwebel als Menschen, als Solba-en, unb vor allem als Dich er feie te. Und diese Nachfeier, bte sehr spät enbete war eiqent» üch noch schöner, als bie eigentliche, bie offizielle Feier.

Jmm-rhübsch bnr aukratisch! D ein Zchwettn erscheinende.Mecklenb. Ftq.' dringt folge" ne8 Eingesandt: Sß'e man zu einer polizeilichen Strafoerfögung kommen kann, ergibt folgendes Inserat ber .Mecttenb. Ztr.' vom 10 Dezember v I.: „Suche sofort Köchin b 'bob, Lohn w. Krankheit d. jetzigen. Frau Ka-oli- e Schomacker, SteUenvermiitl., Gr. Paulstr. 31." Der Wortlaut ber Verfügung l< ufet: „Die Jnserotm bat es unterlassen, in der von ihr inserierter, ihren Ge- lerbebetrieb betreftenben Anreize ihrem Namen den Zusatz „Gestndevermieterin' oder , Stellenvermi tle in" hinzuzufligen." Das Inserat ist mit dem Worie„StelIen. oermhttenn" ausgelchri ben zur Nxoedition geb-acht, »er Setzer hat durch d e Spaltenbreite deS Jnseraten- otzes stch veranlaßt gefühlt, das Wort, wie oben ,u eben, abjufflnen. in der Meinung, daß ein Proeifil durch diese Abkürzung nicht entstehen kann. Solche Ab­kürzungen stnd des öfteren schon no-wendig, um durch eine neue Zeile ein Inserat nicht noch zu verteuern. Lin Zweifel darüber, daß die Fra« Ka>okine Schomacker ich als Stellenvermittter-n bezeichnet bat. wird wohl auch bei keinem L<ser entstehen. Gewiß bat der Gesetz gebet nicht geahnt, daß der § 4 der Berordnu g vom 1. Dezember 1902 solche Auslegung erfahren könnte.

* Der,SimplrzissimuSb Witzblätter tote her .Simplizi firnus', bte ,Ju end' tragen eine Haup schuld am Verfalle der deutschen Jugend. Ein Hambu' g-r Buchhändler schreibt in ben ,Hambur,er Nachrichten' darüber: „Ich spreche frei aus, baß brr ,Simpliztkstmus' iaemes Erachtens Hochverrat treut in dem Sinn-, daß er unsere Jagenb geistig und körperl-ch vergiftet, das eine unmittelbar, bas andere mtlteQbar, sie degeneriert i nh dadurch unwaku hast macht. Das ist viel schlimmer, als wenn en Svion irgerb einen Festungsgrabe« abz-ichnet. Ich sage nicht, baß brr ,S mplizisfimu»' ben-ußt bandelt; ober bie Wirkung verursacht er. Er untergräbt !y emaliiL Sitte und Scham, Autorität unb Pietät. Wir haben seit 1870 Emduße an sittlicher Kraft er­litten ... Es ist schon ein Zeichen beginnenden Zerfalles ber sittl chen Kräfte, daß ein Blatt wie der .Simpliüsssmus' nicht schtn längst lauten und öffent. killen llawillea heivorgerufeit hat . . . Es ist him­melschreiend, was unb wie ber ,Simp'izttsimus' gegen Sitte u b Au orität lüudigt. Aber weit ba6 mit ter Prätention der Kunst geschieht, läßt man e« ge- »chehen unb schweigt. Es wird höchste Zeit, daß wir uns von dieser Att „Kunst" cbro-nben."

(Im Restaurant): Gast: „DaS ist also Rüdesheimer, was Sie mir da gebracht haben?" — Wirt: „Ja, das ist Nüdekbeimer. Zweifeln Sie daran?" — Gast: „Nein, aber wissen möchi' ich, ob da» der Geburtsname des Weines ist, oder ob er ihn erst bei der Taufe erhalten hat!"

Burschen beim Herrn F.ldw b l.

Herr Feldwebel M-y rbrff mochte ben Pudel wohl leisen, aber -r ko nie sich nicht b ei um ihn kümmern. Gegen das Ende es M nais Januar schon gar nicht Um diese Zeit lasteten auf dem Herrn Felbn ebel zwei schwere morgen. Dies waren bte Vorbereitungen für bte KoisersgeburlSlagSfe'er und brr Einjäh- ige Sir ff r». £etbe Sorgen standen miteinander in innigem Zr- sammenhang.

Der Herr Feldwebel war eine herzensgute Seele, em echier deutscher Soldat und die Mutter der Kom­pagnie in bestem Sinne des Wortes, ober er hatte eine Schwäche: seinen Ehrgeiz. Daß dieser auf mili- tä ischem Gebiete bie besten Früchte trug unb bte Komragnie zu einer Wustertruppe sich herausbilbete, war nicht zum wenigsten bas Verbienst bes Herrn Feldwebels. Dabei ging es in bie er Komp 'gnie, wennschon es gelegentlich an einigen urkräftigen Worten allzu großen Dümmlingen nicht fehlte, gesittet unb ruhig zu unb ba der Herr Feldwebel zu o t feine Herzensgüte seinen Leuten bewiesen hatte, gingen diese, wie man zu sagen pflegt, für ihn durchs Feuer. Aber die einjiqe Schwäche des Herrn Felowebels mußte man respektieren; ab unb zu liebte er zu glänzen, namentlich mit seiner Macht, obschon es mit dieser nicht weit her war.

Da war nun ber Einjährige Stossers so recht ein Pfahl im Fleische bes Herrn Feldwedels. Nicht, baß der Einjährige der Komprgniemutter ronderlichc Last und Mühe machte; auch in außermilitärischen Dingen ließ sich wohl mit dem Einjährigen auskommen. Aber die Gelehrsamkeit von Fr« und Stoffers das war der Haken. Mußte gerade solch ein Federfuchser, ber sich Feutlleton-Rebakteur nannte, unb frischweg vom Re- dakiionstische gekommen war, in bes guten Feldwebels Kompagnie eingereiht werden! Stoffers gab sich redliche Mühe, dem Herrn Feldwebel sein geistiges Uebergewicht nicht zu sehr fühlen zu lassen; aber es fehlte dennoch nickt an Gelegenhei en, wo die höhere Bildung des Einjährigen unwillkürl ch zur Geltung kam. Unb heran konnte auch bie Pauke, zu der sich der Herr Feldwebel gegebenen alles aufschroang, und in der er dem Einjährigen klar machte, daß es außer ihm auch noch gebildete Menschen in ber Kompagnie gebe nichts ändern

Und nun kam Kaisers Geburtstag heran, der von der Kompa..nie festlich im Viktoriasaal der Kleinstadt begangen werden sollte. Der Vorbereitungen waren die tüsenge getroffen worden unb an Aufführungen, Deklamationen. Sang und Klang fehlte es nicht. Nur lag für ben Herrn .telbroebel bie Befürchtung nahe, daß ber Einjährige mit fließender Rede, mit Vorträgen und wer weiß welchen unvermuteten Dingen die Ehre des abends an sich reißen könne. So ha te es sich denn ber Herr Feldwebel etwas kosten lassen unb er I konnte hoffen daß er ber Steuer bieibe. Denn an- itatt der Rede auf Se. Majestät, sollte die brave »omvagnic biezmal mit einem Gedicht, mit einem Prolog in gebundener Rede aus des Feldwebels Munde überrafit werden. Das Unternehmen, selbst etwas zu abrizieren, hatte ber Herr Feldwebel sehr bald aufgegeben. Aber ber Einjährige, ober vielmehr besten Staub, hatten ihn auf eine Idee gebracht, bie er alebalb rasch in bie Tat umsetzte.

FeldwebelM yerbvff harke (ich an seinen Schwager g'toanbt, d-r da unten in Süddeuttckland an einer 3 ttung beschäl igt war. Was d r eine Zeitnn.Smensch lann, b S meß auch du anderer können, dachte ber Herr Feldwebel. Also hatte er keinen Zweifel an ber Erfüllung feiner Bitte zch'bt, bse er mtt einem Zehnmarkstück beftirwo tet hatte D r Prolog, nickt zu kurz unb nicht :u (ana, war benn auch noch recht­zeitig eingetrrffen, allerdi gs nicht mehr io früh, daß der Felbwebel ihn auswendig lernen konnte. Aber b'S machte im Grunde nichts aus; man konnte ba? Glicht ablesen, was sich, toe» n man das Werk in iotaotbener Mappe in de- Hand hielt, am E-.de auch nicht sch-echt mach e. Selbstverständlich trug der Herr Feldwibkl ben Prolog stets b i fick, um denselben so oft als möglich herzusage-, damtt rs keine S ecku-rg gebe. Zu oft n. ar das aber nicht möglich; denn viel tteit tour so kmz vor Kaisers Geburtstag nicht gerade übrig Jntzes ber Herr Felbw-bel tat, was er konnte, unb ba er m t Enift und E.fer bei bet Sache war, konnte er auf ben Erfolg des Abends rechnen.

rw K i*• W "V