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Monatsbeilage: „gulöaer Geschichtrblätter"

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«MMtzME OCT SvWV UudZeiertage. vierttl- jährl. Sezngspreir ohne veingerlohn und vefteLgeldinZuldauud Rusroärts 1 Bit. 50 Pfg.

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ZchrWeitenZsi-Saum

3 pX’Ä. Wochenbeilage: „Illustrierte ZonnLagszeitung

8lllda, Mittwoch, den 27. Januar 1904.

31. Jahrgang.

* Kaisers Geburtstag.

Kanonendonner und Glockengeläut« verkünden heute in allen Gauen des lieben deutschen Vater­landes die Wiederkehr des TageS, an dem nun­mehr vor 45 Jahren unser Kaiser Wilhelm II. das Licht der Welt erblickte. Freudig bewegt jubeln die Herzen deS ganzen deutschen Bolces, in dm großen Städten wie in den entlegensten Dörfern, im stolzen Paloste wie in der ärmsten Hütte, an diesem Tage dem Manne entgegen, den Gottes Vorsehung unS zum Herrscher ge- geben und der seine hohe Aufgabe mit tiefstem Ernste erfaßt hat und sie mit Umfichr und Tat traft erfüllt. Wenn aber schon in jedem Jahre das deutsche Volk den Geburtstag seines Kaisers mit Herzlicher Freude zu feiern gewohnt ist, so wird in diesem Jahre der Ehrentag des allver- ehrten Herrschers allenthalben mit besonders inniger Begeisterung gefeiert — gilt es doch zu­gleich, der Freude Ausdruck zu verleihen über die Genesung des Kaisers von einer Krankheit, die vor wenigen Wochen in weiten Kreisen der Bevölkerung Besorgnis erregte. Damals, als plötzlich und allen unerwartet die Kunde kam, daß Se. Majestät der Kaiser sich einer Operation habe unterziehen mfiffen, da konnte ein Jeder, der es noch nicht wußte, erkennen, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit die Herzen des Volkes zu ihrem Kaiser erfüllt sind und welches An­sehen unser Kaiser in aller Welt sich erworben hat. Wohl selten dürfte die ganze Welt den Berichten über die Krankheit eines Fürsten mit solch' teilnehmendem Jntereffe verfolgt haben, wie eS hier geschah.

Ja scharfen Umriffen zeichnet sich das Cha­rakterbild des Kaisers Wilhelm II. in der Welt­geschichte ab; es ist ein Charakter, dessen Eigen­art vielfach der Weltpotttik ihr Gepräge gibt, immer aber innerhalb derselben sich Geltung zu verschaffen weiß. Das Endziel aller politischen Bestrebungen des deutschen Kaisers ist die Er­haltung des Friedens. Mit Energie und Erfolg hat er fleiS dieses Ziel im Auge gehabt. Und dabei ist bei unserem Kaiser die Würde, das Bewußtsein der Macht so scharf zum Ausdruck gelangt, wie kaum jemals bei einem anderen mächtigen Herrscher. Ebenso sicher wie der Friede in der Hand des Kaisers ruht, ebenso fest ruht in dieser Hand auch das gute deutsche Schwert, das jederzeit scharf genug ist zur Abwehr eines übermütigen Angriffs, das deutsche Ehre, Macht und Sicherheit immer hoch zu hallen weiß. Diese Erkenntnis hat für Deutschlands Machtstellung im Rate der Völker eine Be- deutung entwickelt, wie sie kaum ein anderes Reich jemals inne gehabt hat.

Für Kaiser Wilhelm II. war rS, nachdem seine großen Vorgänger Deutschland zu seiner Macht und Einheit geführt hatten, keine leichte

Aufgabe, die Herzen des Volkes zu gewinnen, zumal der ernsten Würde seines ganzen Charakters jede Popularitäthascherei, die meist nur auf Aeußerlichkeiten sich stützt, zuwider ist. Daß es ihm aber gelungen ist, sich die Liebe des Volkes zu erwerben, kann heute niemand mehr ver- kennen, ebenso nicht die Tatsache, daß alle an­deren Völker der Erde, selbst jene, die uns Deutschen von jeher mit mißgünstigen Augen betrachtet haben, zu Kaiser Wilhelm II. mit Hochachtung und Bewunderung schauen.

Kaiser Wilhelm IL hat ein warmes Herz für alle seine Untertanen, besonders für jene, die der Hilfe am meisten bedürfen; et hat ein offenes Auge für alle Angelegenheiten seines Reiches und nichts erscheint ihm gering, was das All gemeinwohl betrifft. Sein scharf ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, fein reges Jntereffe für Kunst und Wissenschaft, sein entschiedenes Eintreten für die Besserung der wirtschaftlichen Verhält niffe der arbeitenden Klaffen auf der einen Seite, wie für die Hebung der Industrie und die Förderung der Landwirtschaft auf der anderen Seite, vor allem auch sein tiefreligiöses Gemüt und sein freimütiges Bekenntnis des christlichen Glaubens geben dem Bilde feiner machtvollen Persönlichkeit ein festes Gepräge: er ist ein ganzer, kraftvoller, zielbewußter Mann, ein Charakter, ein echt deutscher Mann

Und so sind wir denn der freudigen Zustim­mung aller unserer Leser sicher, wenn wir auch an dieser Stelle der Liebe, Anhänglichkeit und Verehrung für unferen laiflrlichen Herrn Aus- druck geben. Indem wir unsere Glückwünsche mit denen des ganzen deutschen Volkes vereinigen, richten wir unsere Gebete zu Gott dem Herrn, daß er unseren Kaiser schützen, schirmen mb stärken möge, aus daß er noch recht viele Jahre seines hohen Amtes walte nach Gottes heiligem Willen zum Helle des ganzen Volkes.

Gott schütze, segne und erhalte unseren

Kaiser und fein ganzes Haus!

Berlin, den 26, Januar 1904.

* Der Kaiser hot an verschiedene Offiziere der französischen Marine OrdensauSzeichnun- gen verliehen; es sind 10 Offiziere und 7 Deck­offiziere mit preußischen Orden und Ehrenzeichen dekoriert morden. — Der Kaiser hat bestimmt, daß gelegentlich seines Geburtstages besonders gute Schüler der oberen Klaffen das Werk „Deutschlands Seemacht" von WiSlicenus, und solche der mittleren Klaffen der deutschen höheren und mittleren Schulen Bohrdts „Deutsche Schiff- fahrt in Wort und Bild" erhalten sollen. — Dem Reichstage ist die Denkschrift über Süd- westafiika und unsere Kolonien zugegangen.

§ Dem Reichstag ist eine Ueberficht über Beschlüsse des Bundesrats zu Wünschen

des Reichstages aus der 9. und 10. Legislatur­periode zugegangen. Die Uebersicht greift zurück dis zum Jahre 1896 Zur Frage des Schutzes btt* 1 Bau Handwerkerf orderungen wird mitgetei’t, daß gegenwärtig „weitere Erörte­rungen" statistnden, die an die Kritik anknüpfen, welche die bfiben 1901 veröffentlichten vor­läufigen Gesetz.ntwürfe gefunden haben. Auch der Gesetzentwurf über den Versicherungs­vertrag wird zur Zeit einer erneuten Prüfung unterzogen. Zur Forderung auf Wiederein­führung der konfessionellen Eidesformel (2. 4. 1897) wird bemerkt, die Beschlußfaffung des Bundesrats stehe noch ans. Dasselbe wird zu folgenden Beschlüssen bemerkt: (4. 5. 1898) Ein­führung der Berufung in Strafsachen, Auf­hebung deS Jesuitengesetzes dezw. § 2 des Jesuitengesetzes (1. 2. 99.) Ein­führung von Anwesenheitsgeldern sürdieReichs- tagSabgeorbnelen (29. 3. 00.) Toleranzan­trag (5. Juni 1902) reichsgesetzliche Regelung des "Strafvollzugs (7. 7. 1902.) Reichs Vereins- Versammlungsrecht (15. 11. 1902) Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berrssvereine. (16 3 1903.) Ausdehnung der Krankenversicherung auf Hausindustrie u >d Gesinde. (30. 4.1903) Weiter wird mitgeteilt, daß die Arbeiten wegen einer Novelle zum Reichsviehfeuchengesetz im Garge sind. Die Frage der Ausdehnung der Arberterschutzbedirgungen der G. O. auf. die Werkstätten der Frauen- und Kinder­kleiderverfertigung auf Bestellung nach Maß für den persönlichen Bedarf der Besteller, sowie auf Werkstätten, in welchen Frauen- und Kinderhüte besetzt werden, liegt dem Bundesrat zur Beschlußfaffung vor. Ferner ist die Regelung der Zigarrenheimarbeit in Angriff genommen, lieber die Frage der Sonn­tagsruhe, Kündigung 2c. der Rechtsanwalts­gehilfen sind die Erwägungen noch nicht ab- geschloffen. Die Einrichtung seines Reichs­wohnungsamts Hot der Bundesrat abgelehnt; daSßlbs gilt für die Forderung einer Statistik über die Militärstraffachen. Abgelehnt wird auch die Vermit-lang deS RriLS zur Herbeiführung einer angemessenen Entschädigung 2er Verleger für die Ueberlaffung wertvoller Pflichtexemplare an die Landesbibliotheken. Auch Maßnahmen gegen das Duellurwffen werden für unnötig erklärt.

*, Der Direktor der Kolonialab­teilung deS Auswärtigen Amts Dr. Etüde! soll nach der ,Vcff. Ztg/ infolge der jüngsten Erörterungen über die Kolonialattaches und der einstimmigen Streichung der EtatS- postlion für Kommissionszwecke durch die Budget­kommission ft in Abschiedsgesuch eingereicht habm. Dr. Ctübel wünsche nur noch den Ko­lonialetat vor dem Reichstag zu vertreten, ehe er aus seiner Stellung scheidet. Es darf ange­nommen werden, — und damit trifft es ohne Zweifel das Rechte — bemerkt das genannte Blatt weiter, daß die neuerlichen Vorgänge in der Budgetkowmission und ihre öffentliche Be­sprechung nur einen Entschluß gereift haben, den Dr. Sübel schon vorher erwogen hatte. Das

Amt des Kolonialdirektors ist heute so gezwitter- baft und undankbar, daß es auch die Kräfte ei«e3 tüchtigen Mannes schnell ausbrouchr.

** Der ,Reichsanz-iger^ veröffentlicht in einet besonderen Beilage nach dem stenographischen Be icht die Verhandlungen über de» Halb zeugverband, die am 2. und 3. Dezember vorigen Jahres im Reichs togSgebäude ft ölige- funden haben.

* Der Adg. v. Michaelis und Genoffen (k.) haben im Reichstage beantragt, das HcuS wolle He Verbündeten Regierung!n ersuchirr, eine allgemeine Viehversicheruvg herbei­zuführen und unter Aussä.luß ttr Erhebung von Gebühren von btn nach tz 1 des Gesetzes vom 3. Juni 19C0 Verpflichteten die Kosten der amt­lichen Untersuchung zu übernehmen.

::: Dem Abgeordnetenhause ist die ver­gleichende Uebersicht der Ergebnisse der Ber- anlagnng zur Einkommenstener für 190 2 und 1903 zugegangen. In Preußen fft für 1908 (1902) bei 3 897 782 (3 762 047) Censiten der Betrag von 186 358 311 (188 837 843) Mk. an Einkommensteuer veranlagt worden, so daß sich gegen das Vorjahr ein Mehr an CenfiLm von 135 735 (112 059) und an Steuern ein Weniger von 2 479 5-32 (ein Mehr von 1 749 14.1 V Mk. ergibt. Das Mi Niger entfällt allein auf die nicht physischen Perroven. Den physischen Personen find bei 3 895 184 (3 759 377) Crn- stten — mehr 133 807 (112 830) — mti 171 388 063 (170193 484) Mk <lfo mit einem Mehr von 1 194 579 (2 066 384) Mk. veran­lagt, während die Veranlagung der juristischen Personen bet 2 598 (2 670) Censiten — w Niger 72 (mehr 9) — in diesem Jahre einen Rückgang an Stenern und zwar in Höhe von 3 674 111 (117 225) Mk. bei einer Steuersumme von 14 970 248 (18 644 359) Mk. ergeben hat. Etnkommensteuersrei waren in den Städten 1903 8 313 649 auf dem Lamde 14 167 852, über­haupt 22 491501 (1902 : 22 313 914), also 64,Ü5e/«i' Ker Bevölkerung. . .

•* Die Wahlprüsuttgskoittmisfiv» des Reichstags hat mit allen gegen 3 Stimmest be­schlossen, im Plenum die Ungiltig'eitser- klärung der Wahl des" äbg; Drt B«««n (Soz.) zu beantragen. Abg. Dr. Braun siegte in Frankfurt a. O. mit ganz geringer Mehrheit in der Stichwahl gegen feinen konservative» Gegner Feilsch. In dem gegen die Wahl ein« gelegten Protest ist auf ein Flugblatt verwiesen worden, das im Januar vorigen Jahres zu gunsten des konservatioetl Kandidaten Feflsch ver­öffentlicht worden ist und die Unterzeichnung des damaligen Regierungspräsidenten von Winvheim und anderer Regierungsbeamten mit Angabe des Amtscharakters trägt. Die Mehrheit bet Kommission erblickte in der Verbreiümg dieses Flugblattes eine unzulässige amtliche Wahlbeeinfluffung. Von sozialdemokratischer Seite wurde betont, daß nicht nachgewiefen fei, ob das im Januar her­ausgegebene Flugblatt Einfluß auf die Wahl im Juni gehabt habe. Diese Frage wurde von der Kommission bejaht und die Wahl sür ungiltig erklärt.

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Wildmeisters Röschen.

Eine Novelle von T. Pfaff.

------ (Nachdruck verboten.)

.Seid mir still, alle» was recht I». Ihr Herren Etudenten, aber e» ll bald zu arg mit Euch Keiner von unsere Lem' hat wehr Rah. Wie wä,'s, ro.nn ich» dem Herrn Schuldirektor sagen täi’, morgen komm ich zu ihm, er braucht en neue Hut, mal wird» da geben, Ihr Herren?" erwiderte der Jude.

»Untersteh' Dich und mach' den Fuchsschwänzer, dann geht Dir'» wie dem Löb Goldschmi.t, der denkt gewiß an di: Student»," erwiederte Anton und ging lachend mit seinem Freunde weiter.

Al» die Beiden au» der Judengoffe in die Hauptstraße der Stadt einbiegen wollten, sehe« sie vor einem Hause zwei jung- Männer stehe», uuwett einen dritten, welcher ein Diener zu fein und dem einen jener Männer einen schweren Reisesack nachzu­tragen schien.

„Den Kroneuialer gibst Da der alten Rernmertin, ich hatte ihr denselben in der Freude meine» Herzen» versprochen, nun i« meinem Leide soll et der armen Fran nicht vorenthalten bleiben. Sie mag für mich bete», bs| e» mir in der Fremde wvh!ergehe. Auch den Pater Hermann Joseph grüße noch einmal von mir und bitte ihn, meinem Namen ein gute» Andenken zu bewahre». Nun muß geschieden fein,»ester Leopold I Major von Linden wartet mit dem Wagen auf mich. Lebe wohl, lebe wot,l für immer und vergiß Deine» Freund nichil" Mit diesen Worten umarmte der eine der jungen Männer den anderen, dröck-e ihm den AbschiedSkuß auf die Lippen und verschwand mit seinem Diener zwischen den Häusern der Judengesfl. Der andere bl eb noch eine Weile Beben, man konnte in der Stille de» Abend» deutlich sein Schluchzen

vernehmen; endlich schritt er langsamen Lchritte» die Hauptstraße entlang.

„War da» nicht der Baron Trukffeß, ur.d war nicht der andere der Leopold, welcher bisher als Forstwart in Dammersbach stand?" sagte Anton zu feinem Begleiter, der mit ihm «uze zeuge dieser Szene gewesen war. „Ich glaube auch die beiden erkannt zu haben," erwiderte der Weißkopf.

Der Vorfall schien auf die Gewütestimmung der beiden Studenten einen vorübergehenden Eindruck gemacht zu haben, bald waren fie noch mwwill'ger al» vorher. Da wurde hier einem ebriamen Bürger an die Fensterladen geklopft, dort wieder dir Klingel an dem Hause eine» reiche» Warme», welch»r die Ruhe liebte und sich früh niederzulegm pflegte, raich gezogen und ‘ortgeiprungen. An dem Harne de» Hos- kammerrate» N. sollte eben diese» Kunststück versucht werden und bereits hatte Anton den eisernen Schellen-

i -g gefaßt, al» sich da» Fenster öffnete und eine ;eine Mädchenstimme tief: „Wer ist do?" Anton und sein Freund egt ff en schnell die Flucht, erst vor der elter­lichen Wohnung Beiter Adam» machten fie Halt.

„Da» tarnt eine schöne Geschichte werden, da» Lockenköpschen bat uu» gewiß gekannt; hab' ich Dir nicht gleich gesagt: Laß es gut sein. Wenn da» Mädchen nun morgen dem Pater Diettich die Ge­schichte erzähft, der täglich zum Hoskammerrat kommt und eine Schale Koste mit ihm trinkt — ich wasch' mich rein, aber Dir kann etwa» 'm Garten bliche», so ein paar Tage wi'st Tu fteie» Quartier bekommen und strenge Diät halten muffen!" sagte der Wechkopt.

„Ist mir nicht bange vor, die aute Mathiloi» mag uns wohl gekannt haben, aber fie verrät nicht», zumal fie pr bte Freundin Deiner Schwester ist," bemerkte Anton.

Die beiden traten durch die halbgeöffnete Hau»- tfire in d e Wohnung ihre» Fr-unde», nahmen eine ganz anständige Htttung an und fragten in ber Küche d.e Mutt.r Spams, ob l tterer zu Hause sei.

„Er fitzt in der hinteren Stube," war die Antwort,

welche die mir Rnirigni des Kochgeschirre» beschäftigte Fran in g'richgiltigem Tone den Studenten gab.

Anton und sein Freund traten in da» vordere Zimmer, wünschten ehrerbietig der zahlreichen Gesell- schaft, die hier versammelt war, einen „guten Abend" und waren schnell hinter der Glastüre verschwunden, welche in da» Studierzimmer ihres Vetter» und Freunde» füh'te, mit dessen FamUienvechältmste wir uns näher bekannt machen wollen.

Meister Fiöhlich, der Vater Adam», war seinem Gewerbe »ach ein Schuhmacher, bet ehrlich und redlich im Schweiße seine» Angesichts eine zahlreiche Familie ere ährte md im vollsten Sirre be» Wortes ein wackerer Burger war. An keinem Morgen, mochie e» noch so kalt fein oder der Regen in Strömen vom Himmel falle», versäumte unser Meister die eiste Mesie, welche in seiner Piarrkirche gehalten wurde. Er war Milglird mehrerer Brrderschaften und bekleidete bei einer dreser frommen Einigungen nun zum fünftes Male das Amt eines S kretär» und RechuungSführer». Auch in der ehrbaren Zunft, der er angehörte, besaß Fröhlich Ansehen und Geltung; mehrmals Haie er die Würde eines Altmeister» bekleidet u-d viele der jüngeren Gewerbrmnfter konnten die väterlichen Worte nicht vergeffei', welche er bei ihrer Aufnahme in die Innung vor offener Lade und im Beiflin sämtlicher Zunftgenoffen au fie gerichtet hatte, Worte, die un­gekünstelt waren, aber Zugang zum Herzen färben und dem jungen Handwerker lehrte», was wohlan­ständig und eine» tüchtigen Bürgers würdig sei; wie man e» anfargen müsse, um fein ehrliches Auskommen zu finden und auch tut niederen S ande geachtet zu hin. Niemcnd wußte außerdem Kiffer, was bei bim ehr kamen Schuhmacher gewerk in den verschiedene» Ländern dr» deutsches Reiche» Sitte und Brauch war, all bieier Meister und in keinem Hanse wurde Geselle und Lehrjunge b fier gehalten wie in dem feinken. Freilich batte Früh ich gewöhnlich nur einen Gehilfen, der fleißige Mann arbeitete selbst sür drei.

Die Ernährung einer zahlreichen gcmi'ie forderte

von dem HauSvalec die größte Tätigkeit bei strengec Sparsamkeit. Um dieftn Zweck bester zu tt- r eichen unterhielt Adams Later neben seinem eeg-nt- lichen Gewerbe eine kleine, aber reinliche Bierwin- schäft, und da» Getränke, wa» er führte, elfteste sich einer solchen Anerkennung, daß viele ehrbare Bürger., wenn fie ihr Tagewerk vollendet hatte», in feinem House zu einer anständigen Erholung und einem erfrisch-»de» Labetrunke zusammenkamen. Freilich konnte die Winterwftt chaft auf dem Steinwege feine« Berg'eich aushLren mit den eleganten Bierlokilletr unserer Tage, worin bay-rsche Sellnerinnen «ft R egelhäubcheir den braunen Gerstersatt kredenze»; in Merster Fröhlich» Haute bneinigte die vordere Stube de» unteren S.cckiverks Wertstatte und SchercklokaL. Neben dem Schemel, worauf der fleißige M-ister saß, stand bet Tisch, welchen abend: Bierkrüpe und Gläser bedeckte», während der Meister sich mit dem Lcht der Oellawpe begnügte, das hinter einer Glaskugel flackerte wir en tie zahlreichen Stammgäste mit dem ei* en Talglichte zufrieden, welches auf dem eiferten Schieb - leuchtet angebracht, die Gruppe der Z-cher beleuchtete Mit diesem Zimmer war durch eine Türe mit Ä'iL- fenstern und Borhang ein kleine» Stübchen Verbünde«, des Frösich und seine Gäste nicht ander» al» da» „Herrenstübchea" nannte. Ein Oje» heizte beide 3 mm er, Buderus und Söhne hatten ihn gegoßen, und acf der Platte, welche dem Herrenstübchen zuge­wendet war. konnte ber Geschichtsforscher die Be­lagerung Troja'» blldlich dargestellt finden. Dieses traute, wenn auch nur eine beschränkte Zahl Gäste fcffenbeß'mmer,» reinigte jeben Al enb einen flohen Krei» junger ßeute, weiche bte Wirtschaft Meister Fröhlich» besuchten und in dem engen Nebenzimmer Herr guten Saune und ihrem reichlich sprudelnden Witze freien Lauf ließe». Muntere Studenten ber in Fulda bestehenden Adolf» univerfi ät, Juristen, Mediziner und Kameralisten fanden fich hier mit jungen Dienern be» Staates, die meist »och im Carenzjahre waren, zusammen; hie und da mischte fich auch ein Logik«