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Mdaer
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31. Jahrgang
Zulda, Samstag, den 23. Januar 1904.
M 18.
Mein schleppenhafftnder Gönner meint nun, die Männer müßten die Frauen zur Vernunft bringen. Kein Mann dürfe seiner Frau ein neues Kleid taufen, wenn sie nicht das Ver- prechen gäbe, es sußstei machen zu lasten. Kew Jüngling solle sich verloben, ehe nicht feine Aus erwählte sich verpflichtet habe, ihr Leben lang ich der Staubaufwirbelung zu enthalten.
Da sieht man, dcß der Herr wirklich ein Junggeselle ist. Sonst wäre der Aberglauben von der Macht der Männer in diesen Dingen ihm schon ausgetrieben worden. Und nur, gar noch der Appell an den Jü gling auf Freiers üßen! Ach, der verliebte Fant stellt keine Be- nngungen, sondern ist herzlich froh, roenn „sie" ihm keine Vorschriften macht. Und wer auf eine og. Vernunftehe hinaus steuer«, der kilmwert sich erst recht nicht um d e Gesundheits chädlichkeit der langen Kleider seiner Künftigen, sondern berechnet die Mitgift und denk.: Einer reichen Braut mit nun nicht auf die Schleppe!
Verehrter Junggeselle, mit der spitzzüngigen Weiblichkeit ist überhaupt schlecht streiten und in Modeftchen am allerichlechiesten. Erstens behaupten te alle steif und fest, daß wir Männ.r davon nichts verständen, und zweitens, daß es uns auch gar nichts anginge, und drittens, daß wir mit unserer eigenen Tracht genug zu tun hätten. Nun laßt sich fr eilich die Tatsache nicht leugnen, daß unsere Beinfutterale auch nicht fußfrei sind. Ww lassen die Schlothosen so tief auf die Stiesel herunterhängen, daß bei stärkerem Schmutz die unteren Ränder bist ckt werden; dieser Schmutz rerbt sich dann an der Stiefelkappe recht unlieb fam ab, durch die Feuchtigkeit wird die Hose schwerer und sinkt noch etwas tiefer, die Schmutz- aufsaugung wird immer ärger. Das Heilmittel dagegen ist die Aufkrempe! ung. Diesen Notbehelf haben die Gigerl bekanntlich als normalen Zustand einführen wollen, indem sie auch bei dem saubersten Wetter mit aufgekrempelten Hosen, herumlüfen, was übrigens keineswegs diedümmste ihrer Sonderbarkeiten war. Das Auskrempeln der Männerhosen steht aus demselben Blatt, wie das Aufraffen des FrauenkleideS ; beides ist ein Beweis, daß die normale Tracht unzweckmäßig ist.
Nun liegt es aber auf der Hand, daß der Mann viel leichter als die Frau kas untere Enke seiner Kleider in die Höhe bringen tarnt. Warum macht der Mann, der doch sonst soviel Wert auf die Zweckmäßigkei und Bequemlich keit seiner Tracht legt, sich nicht fußfrei? Er ist eben ein Sklave der Mode. Das lange Beinkleid läßt den Fuß kleiner und zierlicher erscheinen/ weil es den größten Teil des Stiefels verdeckt. Wir haben uns so sehr an den Fall der Hose bis an den Absatz gewöhnt, daß es auf der Straße sofort Aufsehen erregt, wenn mal ein ausgewachsener und sonst ordentlich gekleideter Mann die Hosen etwas höher himuft gezogen hat, sodaß man die Stieselkloppe frei sieht. Bei den grünen Jungen erwacht schon der Modetrieb, den Hosen unten einen eleganten Fall auf dem Fuß zu g ben. _ _ _______
Freilieb sind die langen Hosen nur dem Träger gefährlich, weil er sie leicht beschmutz und abtritt. Sie wirbeln keinen Staub au und belästigen also nicht so die Mitwelt, wie die angen Damenkleider. Im Wesen aber ist das einem dem andern gleich, und die Damen lönnen den strafpredigenden Männern mit Recht sagen, sie möchten sich erst selbst an die Moden- nase soffen. Von den fürchterlichen Stehkragen und der steifen Hemvendrust «ollen wir schon gar nicht reden.
Me n Hintermann legt nun gerade den Haupt- ton auf den gesundheitsschädlichen Staub. Aber damit wird er den sLleppentrogenden Damen ebensowenig das Gewiffen rühren, wie den Automobilen. Letztere wirbeln bekanntlich den Staub en gros auf; aber mas machen sich die TLfflöff Rüter daraus? DerStaub bleibt hinter hnen; mag das Publikum sich mit der Staubwolke abfinden. Die Modedamen lasten auch den Staub hinter sich, weil ihnen die Schleppe nicht vom, sondern hinten hängt: war machen sie sich daraus, ob andere Leute Staub zu schlucke t kriegen? Damit bezahlen sie den An blick eines fein geschnittenen und elegant ab
fallenden Rockes nicht zu teu-r.
Wenn überhaupt eine Modedame sich ab- schrecken ließe, fo müßte e8 der Staub und Schmu z tun, den sie in ihren eigenen Kleidern ansammelt Wenn eine Dame mit Schleppt leidem einen längeren Weg Über den Unrat der Straße gemacht bat, so könnte man an ihrer unteren Hälfte die Inschrift anbringen: Der Mensch versuche die Götter nicht und begehre normet zu fchavn. was hier sich gescmmelt mit Schrecken und ©raun Bei trockenem Wetter e'n wandelnder Müllkasten, bei nostem Wetter eh Bündel von Slraßen- Wischlappm!
Unpolitische Zeitkäufe.
(Nachdruck verboten.)
D Berlin, 21. Jan. 1904.
Ein schmeichelhafter Ruf ist an mich ergangen. Ein wohlwollender Lehrer, der sich als Junggeselle vorstellt, traut mir den Beruf und die Kraft eines S hleppentöters zu. Ich soll durch meine Feder den langen Rieibern, die in so häßlicher und gesundheitsschädlicher Weise Staub aufwirbeln, das Lebenslicht ausblasen. Ich täte es gern, aber was hilft es, wenn man den Mond der Mode anbellt? Es gibt keine Fürsten auf Erden, die mächtig genug wären, der Mode Gesetze vorzuschreiben, und alle Gelehrten zusammen können mit den besten Gründen den Mode-Unsinn nicht besiegen. Auch das scharfe Schwert der Satiriker prallt wirkungs los an dem Modepanzer ab. Wir haben es ja erlebt, als der berühmte und überaus geistreiche Prosestor Vischer gegen die entsetzliche Mode der Emschnümng der unteren Kö perhälfte mit feinem scharfen Witz zu Felde zog. Diese Mode war nicht bloS häßlich, sondem auch für die Trägerinnen selbst sehr lästig, da sie nicht or- dentttch gehen konnten, ja teilweise sogar zur Schonung des ftraffgefpannten Kleides sich wirkliche Beinfeffeln anlegen mußten, die nur einen ganz kleinen Schritt gestatteten. Obendrein war die Mode schamlos in höchstem Grade Aber die ehrbarsten Frauen trugen dieses Futteral, auch nach der Strafpredigt Vischers und nach den unz-.hligen Verspottungen in den Blättern. Z a hilft kein gutes und kein böseS Zureden. Vor dem Reiche der Mode steht die Inschrift: Die Vernunft hat hier nicht- zu fagen! Und wenn blos noch die Vernunft autzgeschlosten wäre! Nein, auch der Anstand, das Schamgefühl, das sechste Gebot — alles das „t)et hier nix to seggen!" Moden, die von liderlichen Frauenzimmern und den Zuhältern ersonnen und ingesührt find, werden von den wohlanständigen Müttem getragen. Diese Damen würden in Ohnmacht und Krämpfe fallen, wenn ein guter Freund ihnen auf Deutsch sagen wollte, was sie tun. Das Wort vertragen ihre prüden Ohren nicht; aber die anstößige Sache macht ihnen die Wangen nicht rot und daS Gewiffen nicht schwer. Wenn eine schamlose Tracht einmal Mode ist, so geht man auch ruhig bamit in die Kirche.
Ja, der Widerspruch gegen eine Mode dient oft zur Verstärkung und Eihaltung des UnsugS. Ein Ding, über das so viel geredet und so heftig gestritten wird, ei, da» muß doch etwas besonvereS Elegantes und FeineS fein; das muß ich auch Huben?
„Odo, man nimmt sich doch auf!" G-wiß- ras ist ein Notbehelf, der bei - asftm Wetter von den meisten, bei trockenem WU'.er teilweise ergriffen wird. Das betreffende Tragen des Kieikerendes ist läst-a; aber was tun die Damen nicht der Mode zu L-ebe? Es ist zudem er« unzureichendes Mittel, da meistem doch an der Stelle, dir der raffenden Hand entgegengesetzt liegt, ein Stück mit dem Schmutz« in Berührung !ommt.
Die Modedame ist ihr eigener mangelhafter Schleppenträger. Dieser Gesichtspunkt batte ich nun aber durchaus nicht für abschreckend. Im Gegenteil: die gefallsüchtigen Damen wollen gerade ein Kleid Haden, dar Anlaß zum Aofmffm ijibt; denn dabei lassen sich befonbre Künste enifaUen, die oft gar nicht harmloser Natur find.
Für diese Betrachtungen etg bt sich, daß die Mote ein eigentümliches sehr kompliziertes, auf einem Zuiamwkn'p.kl von Instinkten, Zufällen und Künsten beruhendes Dtng ist, dem weder mit Vernunftgtüt den, roch mit Machtgeboten beizukommen ist. Jede wechselnde Ausartung der Mode ist eine Art ansteckender Seuche; bte Epidemie läßt sich nicht beschwören, sondern sie muß austoben, bis ihre Kraft gebrochen ,st. Der eine Bazillus wird durch den andern vertrieben. Eme wirklich cen flr füge Mode wird es wohl nie geben, wnl die Menschen in ihrer heit niemals r anz vernünftig sein werden. Man muß sich schon freuen, wenn die aflerneuefte Mode mcht ganz so häßlich und unsinnig ist, als Sie abfterber.be neueste Mode von gestern.
Die Mode ist eine Dummheit, aber man macht te doch mit! Ja, wir machen sie alle mit, die Alten wie die Jungen, die Männer wie bte Frauen; in gewiffem Maße sind wir allzumal Sklaven dieser sütchterlichen Despotie. Dre volle Freiheit kann niemand erlangen, nicht einmal der Buschmann, der sich den jeweiligen Gebräuchen seines Stammes in der Bemalung oder Behäng, ung seines Körpers auch anpaffen muß. Aber bei der unvermeidlichen Nachgiebigkeit gegen dem allgemeinen Gebrauch kann man doch seine persönliche Vernunft, seinen eigenen Geschmack, fern Anstandsgefühl noch geltend machen, indem ma» Maß hält, die häßlichsten oder schädlichsten Atte- wüchse vermeidet und nur den Launen der Mode soweit nachgibt, daß man nicht gerade auffällt.
Die Welt ist ein Narrenhaus. Wer etwas weniger närrisch ist, als der Durchschnitt, kann schon als klug und weise gelten.
*. Deu1sch-5üLweftafrika.
Wiederum wenden sich unsere Blicke nach Deutsch-Südwestasrika. Eckon glaubte man bte seit einiger Zeit gäret ben Unruhen unterbrudt, da bringt der Telegraph bte Hiobspost, daß die Fackel des Aufruhrs on neuem und mit weit größerer Flamme entfacht und, wie der Reicht» kanzler Graf Bülow in der Reichstagssitzung vom 18. Januar mitteilte, di« Früchte jahrzehntelanger arbeit in dem Aufstandsgebret vernichtet find. Wir entnehmen Herders Ko». versationS-Lexikon (3. Aust. II. Band), wovon soeben Heft 50 et chienen ist, über diese deutsche Kolonie folgende Angaben, denen im Werk selbst noch eine übersichtliche Karte, sowie die neuesten statistischen Daten über die weiße Bevölkerung nach Nationalitäten und Berufe« in den größeren Wohnbezirken und eine U»bet« ficht Über ben Handelsverkehr b’igegebcn find.
Deutsch - Südwestafrika, das älteste deutsche Schutzgebiet, zwi chen Orangeflutz und Kunene Kubango, Ailantiichem Ozean und dem 20. brzw. 21.« ö L., nebst schmalem Streife« (im Nordosten) bis zum Sambefi, 835100 Kilometer".
Die Küße ist flach, andig (im Süden w» Dünen begleitet) und unwirtlich; in ben wenige« Buchten ist das Landen durch hohe Brandun, (Kap Croß) oder Sandbänke erschwert (Lüderrtz- bucht, Sandwichbafen, in zunehmendem Maße auch die britische Walfischbai); mit große« Rotten wurde erst Ewakomund zu einer gute« Reede aulgebaut (1903). Hinter einem 50 bis 60 Kilometer breiten Wüstenstreisen (die Namw) erhebt fich bal Innere allmählich bis durchschnittlich 1600 Meter, um fich dann ebenso wieder zum Ngamibecken zu senken. Im 6 übe« (Groß-Namaland) bestimmen Tafelländer aut Sand und Kalkstein das LandschaftSbild, unterbrochen durch die 10 Kilometer breite Graben» Versenkung des Großen FischfluffeS (Gestsegubib, 1740 Meter, vulkanisch), in der Mitte (Damaru- land) wild zerklüftete Granit- und GneiSgetrge (O'matako, 2680 Meter, höchster Gipfel des Gebiets), im Norden wieder Sandsteintafel« (li 00 bis 1200 Mete: ), die nach Weste« m Terraffen zum Meer abfallen (Kakaofeld), nach Norden langsam in die Hochebene vom Amtzo» land (900 biS 1000 Meter) übergehen: De«
um ihm tu bedeuten, daß er e"dlich die Äörngs- wö-'der adschütteft müsse. Er reiste n-ch ItpiLi, mobitte brrt einem R.qM.m für f-.inen Großvater bei up.b lehrte bei einem Mahle dessen Ta, te. Bei feiner Rrckkebr soll ihn die Belgrader Bevölkerung begeistert begrüße haben. DaS wird wohl aber auf die Mächte richt den beabsichtigten Eindrrck machen. Im serbischen Ministerium krtselt cS fast ur unterbrochen. J-tzt ist Streit iwfchen den Ministern Botstsch und N celilsch wegen des Preßaesetz-S en standen. Dieser Streit hat auch eine Tpaltuag :m radikalen Klub zur Folge.
In Oftasien Haden sich die AuSfichten auf Erhaltung des Frieden- gebest?: t Ter Zrr äußerte am rusfifchen NeujahrStage beim Empfang des diplomatr- ch-ri Ko p», er w-rde alle», ma» in seiner Macht lebe, tun, den Flieden ,m Osten zu erbeten. Za dem japanischen Gesari bn sagte er, er lege Hoden Wert auf gute nachbarliche Beziehungen zu nicht nur für die Gegenwart, sonde n auch für die Zukunft, w d hege die unerschütterlche Hoffnung, daß eine beide Nationen bcftiediger.de Regelung erreicht werde. Zu dem au erika-rischen Ge!andten sagte er, Rußland kö ne dem chinesisch amerikanischer: Handtts- veitrag (dem zufolge bekanntlich mehrere Platze in der Mandschurei dem fremden Handel zu öffnen find) keine Einwände entgegenstellen oder die ane rknriichen Interessen und Rechte in der Mandschurei brbinbetn; er wünsche innige Beziehungen zwischen den Bereinigten Staaten und R'ßland, das durchaus nie t beabsichtige, die Entwickelung des amerikan.scheu Handels zu bmen. ' S li gt ke.n Grund vor, an der Aufrichtigkeit der friedlichen Äenßerung-n des Zaren zu rweiitln. Sie haben denn auch sehr zur Beruhigung beigetragen. Am Motckag wurde bei. japamschc Gesandte vom Za e,i in außerorornilicher Audienz empfangen. Buch das ist ein bedeutsames fteundlrch;« Symptom. In Japan ist fteilich die Bevölkerung roch immer vorzugsweise kriegerisch gestimmt und 'i kommen von dorther fortgesetzt noch kriegerische Nachrichten, besonder- über England. Auch der jop mische Gesandte in London fett sich pessimistisch geäußert haben. In ganz e tg-gengesetztem Sinne haben fich dagegen f. ine Pariser und fern Petersburger Kollege ausgesprochen. D>e japanische Regierung hegt jden- fallS Bedenken, fich blindlings tu den Krieg zu stürzen. Die A tourt Japans auf die letzte russische Nate ist erfolgt. Sie soll in „fiiebltdjent, aber bestimmtem" Tone gehalten fein. England und Frankreich sollen beabsichtigen, ihre guten Dienste zur Herbeiführung eines friedlichen AuSgleikys anzub'.eten.
Wachen-Rundschau.
Fulda, 23. Jan. 1904.
(Nachdruck verboten.)
Der Reichstag verhandelte in der letzten Woche fast ausschließlich über Interpellationen. Die Nationattiberalen forderten die Zwangsversicherung für die Handwerker. Die R«gi tnrrg antwortete ablehnend. Die Frage der W'.twen- und Waiftnversicherung H von der Regierung bereits bearbeitet. Es hat fich ergeben, daß bte Emrtch ung ohne Beiträge der Atbeitnehmer und Ärbetlgeber nicht möglich ist. Dte Witwenverficherung speziell kann fich nur auf die wirklich inval den Witwen er ftteden. Die Konf ervati v en forderten die Kün- digung der Ha n d e l Sv e r t r ä g e. Die Regierung wahrte sich ihre freie Hand und versicherte nur, baa fte di' I tertff en der Landwirischast wahre und cur gewisse elementare Forderung-« nicht verzichten werde. Abg. Herold (Zentrum) empfahl em energisches Borgehtn. Unter kemen Umständen dursten die Mindestzölle für Getreide herabgesetzt werden. Wichtta fei auch ein hoher Z ll für Bieh, Gärtnereiprodukte und Qaebrachv. Auf eine sozialdemokratische Int rpellation beir. die Unterstützung ruffi« scher Poltzeiagenten antwortete dieR-gierung, es hnudle sich nur um Anarchisten. Die Tatsachen reden anders und namens des Zntrums fabelte Ab . Dr. Spahn das Verhalten der Regieru-g, insbesondere die Auslieferungen von angeblich n Anarchisten an Rußland. — Das Gesetz über die KaufmannSgerichte ist in 1. Lesung vom Re-chstag erledigt. Eine größere Reihe von Abände- rungSvorschlSg'n des Verbandes kah kaufm. Bereinigungen hat Aussicht, in der Kommiss on angenommen zu werden. — In Deutsch-Südwest- afrika ist ein Ausstand der eingeborenen H-reros ansgebrochen, der besonders deshalb bedenklich ist, weil die Schntztrvpp' fich beim Ausbruch der Unruhen 20 Tagereisen entfernt befand. Die Regierung bat gleich einen Nachtragsetat eingebracht, der Mittel bereitstettt, sofort 1000 Mann in das AusstandSgebiet zu schicken. Der Reichstag aen-hmigte dieS sofort. Die Ursachen des Ausstandes find noch nicht bekannt, vermutlich ist es die „wilde" Behandlung der faulen Schwarzen durch die europäischen Kolonifatoren. Die Mpferdpeitsche wird ihre Rolle spielen.
De. preußische Landtag hat am 16. Jan. seine Beratungen begonnen. Unter den in der Thronrede angekündigten Vorlagen ragen die wasserwirtschaftlichen Projekte hervor. Vorn Mittellandkanal ist der Bau des Stückes vom Rhein bis Hannover vor gesehen. Der vorn Finanzminister überreichte Erat errecht fast die Höh- von 3 Milliarden Mark. Da« Herren haus hat sein neneSH ruS bezogen; eS wählte als Präfidenten an @:ette des erkranken Fürsten zu Wied den Freiherrn zu In und Knyphausen. Am 1. Berhandlungstage interpellierten die Herren wegen eines HaftpflichtaefetzeS für Automobilisten. Die Regierung erklärte, die Frage fei heute noch nicht spruchreif.
In der Bayerischen Kammer gab eine Nummer deS .SimplizifftmuS', in der das Zentrum verhöhnt wurde und bte wegen ReligionSverletzung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde, Anlaß zu einer Debatte über die W'tzblattliteratur. Diele Redner sp achen fich geg-n jene Witzblätter nnS, die jeden fi'ilichen Ernst verleugnen, die hi Wort und Bild die Zoten pflegen und von unsittlichen Inseraten wimmeln.
Sus Sachfett kommt die Nachricht von der Beendigung des Streiks in Ciimmitschau. Die Arbeiter habe« bedingungslos den Kampf ausgegeben, nicht so sehr au» Not, sondern weil fte die AuSnchts lofigkeit des Kampfes einsahen. Wenn die Arbeiter auch schwer unter der Niederlage leiden, die Sozialdemokraten habe« nur Vorteil davon.
In Frankreich macht die Ausweisung des elsah lothringischen Reichstagsabgeordneten Delsor au» L-neville noch immer großen Lärm. Besonder- entrüstet rst man, weil Delsor bei der Gelegenheit amtlich al» „deutscher Untertan" bezeichnet worden ist. Man gefällt fich ja immer noch in der Funktion, daß die Elsaß Lotbringer Franzosen seien u- d kann « daher nicht soffen, daß sie nur für „Ausländer" erklärt werden sollen und damit gleichsam förmlich auf die Zugehörigkeit Elsaß-Lolhringen» zu F-anfteich verzichten würden. Die blödsinnige Enttüpnng hat natürltch auch sofort zu einer Interpellation in der Kummer geführt. Combes setzte es aber durch, d ß sie «m acht Tage verschoben wurde. Eine neue Interpellation über das Eindringen d-r Polizei in die Pariser Arbeitsbörse, da» bekanntlich vor einiger Zeit zu einem blutigen Krawall geführt hatte, endete m t einem Bertrauenrvowm für Combis. Zuerst war eine ton einem Nationalisten beantragte Tageeordnung an- ßenvmn.en worden. Dann ober erklärte Combes, er muffe eilte republikanische Mehrheit für fich ht ben, sonst werde er seine E t'assunz nehmen. Seine tepu- blikan sch? Mihrheit betrug 295 gegen 235. Bet beiden Jute: pcllai onen ging Rtdot, der Fahrer der Progtefsrsten, im Bunde m>t den Oppofitionsparteien scharf gegen fit Regierung vor.
In Serbien hat der König am Renjahrrt ge bckanntiich keinen Dipfvma'en Empfana abhalten können, west olle fremde» Gesandten »uf „Urlaub' gerne,en