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31. Jahrgang

Zulda, Samstag, den 23. Januar 1904.

freundliche Wirt.

„Ja, ich wHf$ heute in Haselstein übernachten, denn übermorgen Abend Ist mein Urlaub zu tznde und ich muß wieder in Holzkirchen sein Da» ist ein wichtiger Gang, den ich morgen zum Waldmeister tue, doch blffentlich kein vergeblicher/ erwirderte der mit dem Wine Plaudert de.

„Weiß schon, weiß schon, lieber Waifmaier! aber gratuliere im Vorau-; doch nickt zu vergessen, die Hrchznt wird doch bei mir gehalten, ist noch keine in Hasklstein gewesen, wo nicht mein Ha»- bü Edre ge­habt und mein Saal all die lie e. , werten Gaste ver­rammelt gesehen hätte. So eine Hockzeit aber, wie Ihr und ich sie erwarten, ist noch keine in rrittn

und schloß mit einem begeifhrt aufgenommenen Hochruf: „unsere jungen Freunde, die Stütze der Alten, die Hoffnung und Zugkraft des Zentrums .

Der Trinkspruch des Abg. Fritzen Düssel­dorf galt den beiden Bureaudirektoren Krack und Plate, den „Arsenaloerwaliern" und „Waffen­meistern" der Parlamente. Abg. Frhr. von Ho den berg dankte für die Begrüßungsworte Schädlers und betonte, daß Graf Bakestrem dem Zentrum doch n cht ganz gerecht geword n sei, denn es vert ete nicht blos die katholischen Jntereffen, sondern sei eine christliche Partei xar

und eine wahre Bolkspartei. Das miffe er, denn feit 10 Jahren fitze er als Nachbar deS Zen­trums und zuweilen enfant terrible im Rerchstage. Deshalb seien die hannöverschen Lutheraner ihm auch gern beigetreten. Sein Hoch galt dem Vo'sitzenden der Reichstogsfraktion Grafen Hompesch. Abg Bur läge dankte in humoristischen Worten namens der Jungmannschaft für die Ausfüh­rungen Schädlers, erklärte fich zu allen Drenst- leistungen für d'e „Alten" bereit, und versprach, daß die Jungen r ach dem Grundsätze handeln würden: Furchtlos und treu! Abg. Dr. S P a h n gedachte des ölten langjährigen Mitgliedes der Fraktion Letocha und toastete sodann auf die Zenlrumspreffe. Schließlich dankte noch der Abg. Roellinger für die freundlichen Worte Schädlers und wies darauf hin, daß das Zen­trum stets auch für die Rechte der Elsaß-Loth­ringer ein getreten fei.

Gegen Ende des Mahles wurden unter großem Beifall zwei Torten mit einer der Zahl ihrer parlamentarischen Dienstjahre entsprechenden Zahl brennender K-rzen vor die Adgg Graf Hompesch und Horn (Neisse) als die beiden Abgeordneten, die am längste» dem Reichstage, bezw. dem Zentrum angehören (Graf Hompesch 33 Jahre, Horn 30 Jahre) aufgestellt. Der Kaffee wurde in den Restaurationsräumen eingenommen, wo die meisten Teilnehmer noch lange in anregender und heilerer Unterhaltung beisammen biteben, und auch die „Arrangeure de» Ganzen", die Abgg. Krebs, v. Hagen uud Marx die verdiente Anerkennung einheimsen konnten.

—* zeftmahl der ZentrumchaMon.

Die Zentrumsfraktionen des neuen Reichstags und Abgeordnetenhauses versammelter, sich am Donnerstag abend zum erstenmale zu einem gemeinsamen Fest.ffen im oberen Saale des Abgeordnetenhaufis. Auch eine Anzahl Gäste war erschiknen, so der Reichstags Präsi­dent Graf Ballefirem, der ja formell n cht mehr zur Fraktion gehört, ferner als Vertreter der Deuts H-Hannooeraner der Abg. Frhr. o. Hoden- berg und als Vertreter der Elsaß Lothringer der Abg. Roellinger, mehrere Vertreter der Prefle v. s. w. Der frühere Landtagsabge- ordnete Schmitz Düffeldorf, jetzt Landgnichts- präsidknt in Landsberg a. W , hatte es sich nicht nehmen kaffen, herüberzukommen und bei dieser Gelegenheit seine alten Freunde wieder einmal zu begrüßen. Etwa 90 Personen nahmen an dem Mahle teil, das selbstverständlich in ge­wohnter fröhlicher und harmonischer Weise verlief.

Den ersten Trinkspruch brachte der Vor- fitzende der Zentrumsfraktion des Reichstags Abg. Graf Hompesch aus. Er erinnerte daran, wie seit langen Jahren der Januar für das Zentrum ein Festmonat gewesen sei, in dem man zu Lebzeiten Windthorst's dessen Geburtstag gefeiert habe und nach feinem Ableben zusammen­gekommen fei, um fein Andenken zu feiern. Im verflossenen Sommer und Herbst sei eö dem Zentrum vergönnt gewesen, daS Wort, das Windthorst in schwerer Stunde gesprochen, wieder wahr zu machen. Es gelte auch heute noch von ihm: Von dem Feinden nie besiegt, von den Freunden nicht verlaffen. Die von allen Seiten gegen eS gerichteten Angriffe seien gescheitert. Der Dank gebühre dem katholischen Volke, den Wählern, die alle Angriffe abgeschlagen hätten. Das Zentrum werde den Dank dadurch abstatten, daß es arbeite sür das Wohl des Volkes, daß es hinwirke auf soziale Reformen und auch auf Sparsamkeit, und so den Wünschen seiner Wähler gerecht werde Hie gut Zentrum alle- roeg! Unser teures katholisches Volk, unsere lieben Wähler sie leben hoch! hoch! hoch! Die Anwesenden stimmten lebhaft in dies Hoch ein.

Abg. Dr. Porsch, der Vorsitzende der Zen­trumsfraktion des Abgeordnetenhauses und 1. Vizepräsident dieses Hauses, feierte, ausgehend ebenfalls von dem Geburtstage Windthorsts und hinweisend auf die Treue des Volkes, das.in schweren Kämpfen und Zeiten fest am Zentmm gehalten und es auch jetzt wieder nahezu in un- geschwächter Zahl nach Berlin gesandt yabe, den Reichstagsprästdenten Grafen Ballestrem. Ohne die Treue der Wähler wäre das Präsidium nie dem Zentrum zug-fallen. Er erinnerte daran, daß er selbst vor 31 Jahren als junger Student zum erstenmale an einer Wahlversammlung für den Grasen Ballestrem teilgenommen habe, die allerdings sehr bald der Auflösung verfallen sei.

@1 war fünf Tage später. Die Lharsi'e entlang, welche läng- der Fuldvflusf S nach der Popstet Jo- hannerberg führte, g>ng bedächtigen Schritte» ein Mönch, dem man onfthen konnte, daß die drückende H tze de» Mittags ihn am schnelleren Gehen hinderte. Der Stau!» der Straße bedeckte fei»e Sandalen und batte fich selbst in den Falten seines braunen O- denn- g wände» einen P'atz gesucht. Volle Sckweißtrrpsen standen auf der Stirne de» 'brirüid'gen Vaters, der manchmal stehen blieb und in die Wellen des Fl ffes sckaute, besten Bett hier nickt ti-f ist- Unterhalb M Torfe» Bronzell, we ch'S dmch die neueste Zett- geschich e eine ckgentüml'che Berühmtheit erlangt hat, wölbt fich in mehreren Bogen eine steinerne B ücke über die Fuld-. Tie steinernen Bildnifle Kaiser Hei» ijchS 11. und d-S heiligen Glaubenrcprstel» Bonstatn» dienen der Brücke zur Zierde, unweit deren man die schöne^ Gebäude der hockadeligen Propste! Johanne»- , de-g erblickt. Die b rühmt,sten Staatsmänner und e F ldherren, Dichter und Philosophen de» gegenwär-

rchristleiter:Zos.vanm,

Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagsjeitung

„Beim Herrn von Truchseß war ich, aber" — sag e der A^tSbote langsam, wie er gewöhnlich zu sprechen pflegte.

„Nun, wa» denn aber? Schnell, lieber Johann Adami" sagte Rö-chen mit einer Stimme, di- Unge­duld und Zveisel verriet.

„Aber die Herrschrsten waren nicht zu Hause, der Herr Odersorstme per ist auf Inspektion im Hai>n- arunde. die gnädige Frau und der junge Herr fino te Franken!" nd gereist."

„Ins Franlenland? Habt Ihr auch recht gehört vm »bot ?" fragte dak Mädchen, d ff en sonst blühend rote Wangen bleich wurden wie der Tod.

„In» Frankenland, ja, so hat mir der Bedienter gesagt, dem ich jedeSmal die Schreiben einhändige, we che der Herr Vater an da- Dberlanbfniflamt mit» gibt; für mich war nicht» Schriftliches vorhanden, wa» ich nach Haselstein mitn-hmen sollte; hab' noch besonder» gefragt. „Et ist heute nicht» für Euch da, Mwrnl" sagte der Bedienter."

Ein Ach! wie man e» vielleicht nie schmerzlicher, nie ergreifender gehört hat, do» war alle», wo» aus dem Munde des Mädchens tönte. Röschen bedeckte thr Gesicht mit beißen Händen, ihr Echluchz-n unter­brach die feierliche SiHe ring» umher, ihre Tränen und die T opien auf de.. G arhalmen flössen zu­sammen.

„Um’-* H'aiweis Lilien. was ist daS? was fehlt Eöch, h rzensgutk» Ktnd?" sagte der Amtsbote, der ganz betroffen da stand

„Nichts", sagte nach einer Weile RöScken, teffen 1 Schluchzen immer lauter wurde. „Laßt mich allein,

Erscheint täglich, mit Anrnahme der Sonn- gn»$eieriage. Viertel' fährt Bezugspreis ebne vringerlohn und . Bestellgeld in Zulda und «nrwärtr 1 Mk. 50 Psg.

Verantwortlicher

WUdmeisterr Röschen.

Eine Novelle von C. Pfaff.

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Druck und Verlag der ZuldaerAetiendruckerei in Zulda (Harmonie).

Zernsprecher Nr. 9.

Berlin, den 22. Januar 1904.

* I« Deutsch Südwestafrika hat der Kampf mit den Herero-) begonnen. Nach frute Nacht aus Swakopmund in Berlm eingegangenen telegraphischen Nachrichten erreichten die gestern mit der Eisenbahn entsandten weiteren 29 Mann des Kanonenboots „Habicht' mit einem Ma- schin ngewehr und einer Revolverkanone Karibib. Die Stationsgebäude in Odalis und Habis find zerstört. Mit der Reparatur der Bahn jen seits Karibib ist begonnen. In einem P a trouil- lengefecht bei Kubas wurde ein Unteroffizier (Name nicht bekannt) verwundet. Eine große Anzahl von Eingeborenen soll dabei gefallen fein.

säuselte, konnte man bu» leise Gebet di-ier jungn An­dächtigen vernehmen, deren Augen in Dänen g-badet waren. — Sie betete die Litanei zur schmerzhaften Mutter, und wenn sie das „Erhöre uns* lispelte, konnte man an dem Aeußeren dieser Beteritt die ganze J-migkeit ihrer And cht wahrnehmen.

Eine halbe Stunde und wohl noch etwas länger mvchie d°» Mädchen dort getnieet haben, da erhob es sich, verneigte fich tief und ging den Fahrweg hinauf in das Dorf, ihre Dänen floflen nicht mehr so reich ich wie vorher, aber ihre Cchrtite waren lang­sam. Als sie an dem Wirtthause tm Dorfe eo?über­kam, stand daS Tor offen, welches in den weiten von einer Mauer uinichlosftnen Hofraum führte, in deffen Mute dar gastliche Ha°s erbaut war. Röschen warf einen flücktigen Blick durch das geöffnete Tor, fie sah vor dem Eingang zum Hause zwei Männer stehen, die mit einander plauderten; den Einen er­kannte fieals den braven Wirt Thoma», ein Bie­dermann. wie man fie heutzutage selten findet.

„Also Sie wollen heute Nacht bei mir bleiben, Herr Propsteijäger, denn so muß man fie jetzt titu­lieren; e» kommt Emern fast ungewohnt vor, aber nicht» für ungut, find ja alte Bekannte und steckt mir der Adjunktu» noch immer im Kopfe," sagte der

Graf Ballestrem habe dann, als daS gute ober- schlesische Volk ihn gewählt habe, bewiesen, daß er seine Person rücksichtslos für die Sacke des Zentrums einsetzts. Möge er noch lange Jahre seines hohen Amtes wallen! DaS Hoch, womit der Redner schloß, wurde gleichfalls begeistert ausgenommen.

Präsident Graf Ballestrem dankte herzl'.ch für die freundlichen Worte des Vorrei ners. ©eit 30 Jahren führe er mit diesem die Firma BaNestrem & Porsch, „d. h. Ballestrem gibt den 'Hamen, Porsch macht die ’Hibeit1'. (Heiter­keit.) Die Bilanz der Firma sei immer günstig gewesen; sie habe immer gute Abnahme aesunden für die Waren, die sie verschleiße. Er hälte es sich nicht träumen lasten, als er einst die Je surtenrede gehalten, daß er einmal auf dem hohen Stuhle im Reichstage sitzen werde. Man könne auch hier sagen: „Welche Wendung durch GotteS Fügung!" Er sei m-r Präsident, weil das Zentrum ihn präsentiert habe als die mächtigste und zahlreichste Partei. Das dürfe freilich keinen Einfluß auf seine Tätigkeit haben, wenn er oben auf dem Kasten sitze. Er müffe durchaus unparteiisch sein gegen alle. Aber tm Herzen gehöre er z» m Zentrum. Er fahre auch am besten dabei, wenn er nach den Prinzipien des Zentrums: Wahrheit, Freiheit und Recht seines Amtes walte. Jeder Präsident, der das tue, sei ein guter Präsident. Das Zentrum fei so bedeutend geworden, weil von Anfang an so tüchtige M'nner an seiner Spitze gestanden hätten. Diese hätten dem heutigen Zentrum ein Vorbild hinterlaffen, an dem es rreu festhalte Alle katholischen Angelegenheiten suche es im katholischen Sinne zu ordnen. Dabei laste es aber auch die Klugheit walten. Man könne nicht mit dem Kopf durch die 9Batv. rennen. Das habe das Zentrum besonders von Windt­horst gelernt. So fei das Zentrum gewachsen und so sei es noch. Hie gut Zentrum allewege! Redner schloß, indem ertrank auf das Wohl der beiden Fraktionen, daß sie immer für ihre Prin­zipien Wahrheit, „Freiheit und Recht" eintreten möchten.

Abg. Dr. Schädler gedachte deS jungen Nachwuchses des Zentrums. In ernsten Augen­blicken ertöne der Ruf: Freiwillige vor! Alles sei bei den Wahlen geg- n das Zentrum gewesen, aber das Wort: Freiwillige vor! habe auch da seine Zugkraft bewährt. Die nicht mehr erschie­nenen Zentrumsmitglieder seien nicht aus dem -Zentrum geschieden. Ihrer werde man immer gedenken. Andere seien nun an ihrer Stille in die Bresche getreten. Beide Fraktionen zählten eine stattliche Anzahl junger Kräfte. Junge Männer voll Arbeitskraft, Arbeitslust und Arbeits­drang seien in die Haupt- und Residenzstadt ge kommen. Die Fraktion, das zeige sich da, sei noch lange nicht alt, sondern bleibe immer jung. Aber die Jungmannschast werde auch die Er­fahrung machen, daß reife Bedächtigkeit nicht zu unterschätzen sei tm Rate der Männer. Jrn übrigen Willkommen in beiden Fraktionen. Redner gedachte weiter in freundlichen Worten der hannoverschen Hospitanten und der elsaß-lothr n- pischen Freunde, deren Vertreter anwesend feien, lieber M ym, ich felge Euch gleich nach tu» Dorf; feot meinen Eltern nicht, daß ich fo traurig war", sprach zitternd da» Mädchen; e» hatte ihm Mühe ge­kostet, diese Worte vorzubiingen.

Der AmtSbote ging, schaute aber immer einmal nach dem Mädchen um, da» in einiger Entfernung fo'gte. Bedenklich schüttelte der betagte M-nn den Kips, der Vorfall mutte ihn tief ergriffen haben, er kannte da» Röschen von ihrer Kindheit an und er­innerte fich nicht, da» Mädchen jemals fo traurig ge­sehen tu haben.

Vor dem Dorfe, wo die Zäune der letzten Gärten eine grüne itionb recktS und 'inkS de» Fahrwege» bildeten, welcher in den Ort führte, stand ein Bild­stock au» Stein. Die Albeit verriet, daß der Meister nicht rngefchickc war, welcher hier den Mnfiel g-fü^rt hatte. Die göttliche Mutter, ihren totrtt Schn in d'N Armen, war auf dem Steinbilde abgebildet, fromme Sprüche au» der heiligen Schrift standen darunter, and am Fuße de» Denkmals konnte man den Namen de» frommen Stifter» lefen. Vor dem Bildstocke lag ein breiter Stein, der al» Betschemrl zu dienen schien, denn man konnte demlich sehen wie er von den Kniec* der Andächtigen aukgeköhlt war, die hier thr Gebet verrichteten. Manche Bäuerin im $)oife, d'e am Mittage der Sonntage auch -inrnal in» Freie ging, machte dieie Stelle zum Ziele ihres Spazierganoe», und wie viele mochten dort schon ge­kniet haben, die bei frommer Betrachtung des BeSp-r- bildk» fich von dem Kummer erleichtert fühlten, wel cher ihr Herz bedrückte.

Zwei Lind-n überschatteten diese der Andacht g«wech-e Stille, ter AdendwinS spielte mit ihren Blä fein.

D m Bilde der schmerzhaften Mutter näherte fich Röschen, fie warf sich auf den ousg-höhiten Ste n nieder, ihre halbgeiff «den Augen richteten fich empor, «hee Hände Mieten fich krampfhaft. Wenn der Zug des Abendwinde» nicht in den Wipfeln Ter Linden

Aus Omaruru liegen Nachrichten oom 18. Ja­nuar vor, nach denen die B> fatzung dort 50 Ge: wehre zählt Sie hat fich put verschanzt und hofft sich halten zu können, lieber die Kolonne Zülow liebt in Sw-kopmund keinerlei Nachricht vor.

? Gegen deutsche Eisenbahnverwaltungen sind im Jahre 1903 60 Beschwerden eingelaufen. Davon beziehen sich 17 auf die Eisenbahn - Ver­kehrsordnung, 8 auf das internationale Uebetetn« kommen über den Eisenbahnsrachtverkehr, 15 aut )ie Tarife, 4 auf den Fährbetrieb und 16 auf andere Gegenstände. Das Reichseifenbahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet er« achtet 4, als unbegründet abgelehnt 18 und auf )en Rechtsweg verwiesen 2. 36 Beschwerden find an die zuständigen Landesaufsichtsbehörden oder an die Eisenba hn Verwaltungen zur Erledtg- ung abgegeben worden.

§ . ie dem Abgeordnetenhaufe zuge­gangenen Nachrichten vom Betriebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- und Salinenver­waltung stehenden Staats werke während des Etatsjahres 1902 berichten auch über die Ver- hältnisse der Arbeiter auf den StaatS- werken. Insgesamt wurden 77 064 (gegen 74875 in 1901) Mann beschäftigt, und zwar 71436 Mann (gegen 69192 in 1901) -m Berg- bau, 892 (gegen 891 in 1901) bei Gewinnung von Steinen und Eiden, 3777 (gegen 3843 in 1901) im Hültenbetrieb, 838 (gegen 837 tn 1901) im Salinenbetrieb, 121 (gegen 112 m 1901) in Badeanstalten.

♦ Die Aussührungsbestimurungen zum Reichsseucheugesetze sind dem Abgeordneten. Hause zugegangen, werden aber vor Montag nicht ausgegeben werden.

♦ Der dritte Koruhaustag hat ge ern tu Berlin stattgefunden. Es wurde nachstehende Resolution angenommen: Die tm Fortschreiten der deutschen Kornhautbewegung eingetretenen Schwierigkeiten und im Verhältnis zu den er- zielten Vorteilen relativ geringen Mißerfolge geben nicht im entfernt eften einen Grund ab, dte Bestrebungen auf diesem genossenschaftlichen Arb-itsgebiete einzustellen oder auch nur elnzn' schränken. Die Sache des genossenschaftlich organisierten Getreideverkaufs hat sich itu Gege» teil als eine durchaus gesunde, vollswirtschaftltch wichtige und entwicklungsfähige erwiesen, daß die beteiligten Organe, ohne durch die seitherigen zum Teil nickt durchweg erfreulichen Erfahrungen des Aufangsstadiums der Bewegung entmutigt zu fein, dieselbe mit allen Mitteln weiter fördern und auf ihre Ausbreitung hinwirken werden. Sie werden fich hierbei der wirksamen und energischen Unterstützung der großen landwirt­schaftlich- genoffenschastlichen Körperschaften all D äger der Bewegung erfreuen, derer unser- änoerliche Ansicht -8 ohne Rücksicht auf Angriffe aller Art ist. daS Ziel einet umfassenden Organi­sation des Korn hauSwesenS in Deutschland be­harrlich zu verfolgen und mit vereinter Kraft zu erreichen.

Das U> teil der Beuthener Straf­kammer wegen der Laurahütter Krawalle wurde heute vom 4. Strafsenat des Reichsgerichts Dorfe gefeiert worben und wird auch nicht wieder gefeiert. Aber tff-n gestauten, Wolsmaier! so lieh an» wert Ihr mir sonst seid und ein langjähriger Gast in metrem Hause, Ihr bekämet Rötchen neckt, wen» Wildmeister und deS Mädcken» Vater wäre; kein Revier jäger im Fuldaer Land wäre mir da gut g s»U, obschon e» recht wackere L.ut' darunter gibt; doch nicht» für ungut."

„Re.net? Einen wußte ich dock, wenn der ße» pold von Dammersbach herüber käme, wa» würde dann der Wildmeister Thoma» sagen?"

„Ter Leopold, Hm! so gon* unrecht Habt Ihr nicht, aber definuen Würde ich mich doch."

Röschen hatte do» Gespräch der Beiden vernow- men, fie wollte den weiteren Verlauf nicht höre», kaum konnte fie die Schwelle ihre» väierlichen Hanse» erreichen, dem fie wie von Angst getrieben zueitte, sie schwankte im Gehen, so Waren ihre Kräfte erschöpft.

Maer

Zeitung

Monatsbeilage: „SulÖQCt Gefchichtsblätter".