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wochmdeklage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Monatsbeiiage: „Fuldaer Geschichtsblätter".

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$ulöü, Donnerstag, den 21. Januar 1904.

31. Jahrgang.

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wett darüber hinaus zum Segen der Jndustri und ihrer Arbeiter für lange Zeit her Frieden gewahr: bleiben möge.

* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht erne Be­kanntmachung betreffend den Feldpostverkehr mit Deutsch Tüdwestafrika, wonach für den Postverkehr mit den hi Deutsch - Südwest afnka befindlichen und dahir zu entsendenden Trvppm des Heeres, der Schutztrrppe und der Manne in Privatangelegenheiten der Angehörigen Weser Truppen als Gegenstände der Feldpost befördert werden: gewöhnliche Briese bis 250 Gramm, gewöhnliche Postsachen und Postanweisungen. Die Beförderung der Briefe bis 50 Gramm und Postkarten erfolgt portofrei. Für Briefe von mehr als 50 Gramm beträgt das vom Absender zu entrichtende Porto 20 Pfg Postanweisungen bi. 800 Mark weben in Richtung «ach der Heimat portofrei befördert; Postanweisungen an die Truppen find bis 100 Mark zulässig und unterlieaen einer vom Absender zu entrichtenden Gebühr von zehn Pfennigen. Die Sendungen müssen die Bezeichnung „Feldpostbrief" rc. sowie den Namen, den Dienstgrad und bie genau« Bezeichnung des Truppenteils bezw. des Krregs- schiffes, dem der Empfänger angehört, tragen. Die Bestimmungen treten für die in Deutsch - Südwestafrika oder aus der Ausreise befindlichen Truppen sosort für die dahin zu entsendenden Treppen nut dem Tage ihrer Einschiffung in Kraft. , .

* Berlin, 20. Jan. 1904. Der Kars er hatte beule vormittag eine Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen o. Bülow in besten Wohnung und hörte rm I Schloß den «ertrag de? Stellvertreters des Chefs d« Ziv'.lkabiuetts, Geh. Dbe-regurungSratei c. »alwtint Nach dem Bor trage, um 11- - Uhr, erterlte der Kaiser dem Präsidium des Herrenhauses die nachg^ suchte Empfangsaudienz. An diese schloß sich dte dem Präsidium des Abgeordnetenhauses gew^rle Empfangsaudienz. - Das Herrenhaus werd dresmal den Geburtstag des Kaisersund Königs rüder Wandel­halle des neuen Gebäudes begehen. - Im Herrenhaus, sind gegenwärtig im ganzen 341 Berecht'gungeu mz Sitz und Stimme vorhanden. Bon dresen ruhen gegen wärtig 29 erbliche und 10 Berechtigungen auf Ledens, «it. Es sind mithin stimm berechtigte Mttgu«d«r at» Herrenhauses gegenwärtig 301 vorhanden. «°n »tewe sind bisher 7 noch nicht eingetreten.

„In den letzten Tagen sehr, gnädige Frau; ich kann die Besuche nicht mehr alle zu Fuße machen, sondern must mick eines Wagens bedienen, um schneller sortzukcmmen."

„Nun, da wird auch Ihr Nmigkntenschatz noch vermehrt, und Sie bringen mir gewiß einige interessante nouveaut6» mit?"

„Tut mir leid, daß ich nicht besser versorgt bin; gestern war hochadlige« Kapitel, das wisse« Sie gewiß schon, meine Gnädige?"

„Ja, ich sah Gnaden Herrn Beiter, dt» Propst; vom JohannrSberge, vor überfahren; der spricht wohl auch ein recht gewichtiges Wort im Kapitel mit?“

.Sin sehr gewichtige«, denn der Herr Propst haben viel Einsicht, einen gesunden, praktischen Blick und eine -Menschenkenntnis wie man sie bei einem solchen Herrn kaum vermuten sollte. Da« fteundliche, liebenswürdige Wesen in seinem Umgänge erhöht noch diese Vorzüge", erwiderte der Hostat.

„Tas ist wahr; ich habe zu wenigen in meiner großen Verwandtschaft so viel Zutrauen wie zu dem P alaten, und in vi^en Angelegenheiten habe ich schon seinen Rar eingeholt", sagte die Oberforst­meisterin.

„Er ist ein wohlmeinender und treuer Ratgeber, dem man volle« Vertrauen schenken kann", bemerkte mit Nachdruck bet Herr int Lehnstuhle.

„Nun, manchmal hat der gn dige Herr doch An­sichten, nut denen ich nicht übe,einstimme", entgegneie die Freisran. , „ ,

.Aber sie treten nicht starr U'-b schroff hervor; ich glaube, es ist gut mit b m Prälaten bi puticren, nicht wahr, gnädige Frau?" .

„So lange ich ibn kenne und das ist seit meiner Kindheit der Füll, habe ich die« auch immer wahr- genommen. Freilich, Herr von Zobel ist viel älter als ich, und ob er in jüngeren Jahren ebenso ruhiger Gemütsart war ro e setz', möchte ich fast bezweifeln; 3ie Jahre machen den Menschen schon biegsamer und

Um einen Arbeitgeberverband der I deutschen Textilindustrie zu begründen, hatte »er Verein deutscher Tuch- und Wollwatenfabri-1 !antea zum 18. Januar nach Berlin eine Ver- ämmlung D xlilindustneller geladen, die aus allen leien Deutschlands zahlreich besucht worden war. Einstimmig wurde die Begründung eines die gesamte deutsche Textilindustrie umffffenden Arbeitgeberverbandes beschlossen und für die weiteren Arbe ten ein Aktionskomitee aus den verschiedenen Branchen der Textilindustrie, sowie aus den Vertretern einiger bereits bewährter Arbeitgeberverbände und des Zmtralverbandes deutscher Industrieller gewählt.

\ Der Gesamtvorstand des Berdaudes sächsischer Industrieller trat in den letzten Tagen in Dresden zu einer Vorstandesitzung zusammen, an der 14 VorstandsMitglieder teil nahmen. Im Anschluß an die Crimmitschauer Streitfrage rrurbe ein Ausbau der Organisation des Verbandes durch die Errichtung von Or-s gruppen in alleng>ößerenStädten beschlossen, welche -irerfeits die Interessen der Jnd ftrie in Gemeinde-1 angelegenheiten vertreten, anderseits aber auch | )en Charakter von Arbeitgeberverbänden tragen Zollten, um in Bezug aus Regelung des Drbeits j Nachweises, ferner zur Abwehr ungerechtfertigter Arbeitseinstellungen em Zusammenschluß der | gesamten Industrie bewirken Des weiteren beschäftigte sich die Vorstandssit urg noch mit j dem in Jndustriekrersen in der letzten Zeit mehr­fach besprochenen Projekt der Bear nbung einer | Gesellschaft zur Entschädigung von Arbeitgebern i bei Arbeitseinstellungen. Der Vorstand beschloß, sich über die Vorarbeiten zu diesem Projekt zu 1 informieren, und sich eine definitive Stellung­nahme bis zu dem Ergebnis dieser Informationen vorzubehalten.

['?] In Krimmitschau haben die Textil- fabrrkanten erklärt, daß die Wiedereinstellung sämtlicher Streikenden (die meisten Feiernde waren doch Ausgesperrte) ausgeschloffen sei, die Einstellung der übrigen nach und wach erfolgen wo-de. 2000 Streikende würden zunächst aus­geschloffen bleiben. Man will insbesondere die inzwischen eingestellten Arbeitswilligen nicht ent­lassen. Das kann man den Fabrikanten ja auch nicht verübeln. Grundsätzlich ausgeschlossen sollen die „Agitatoren" und die Arbeiter bleiben, die bei der ganzen Bewegung an der Spitze der Arbeiterschaft gestanden haben. Höhnisch wird in der Scharfmacherpresse bemerkt, die Friedensstörer möchten sich bei der Sozialdemo­kratie bedanken, die sie ins Unglück gestürzt haben. Ja, glaubt man denn, diese Leute würden nun verhungern, wenn man ihnen keine Arbeit mehr gebe ? Sie werden Agitatoren der Sozial­demokratie werden und als solche schon ihr Aus­kommen finden. Das ist doch gerade kein Ge­winn im Sinne der Sieger in dem „Machtkämpfe". — Der Zentralverband Deutscher In- dustrieiter hat an den Leiter der sähsischen Textilindustrie, Geh. Kommerzienrat Vogel, so­wie an den Führer der KrimmitschruerFabrikanten, LucaS Schmidt, telegraphisch herzliche Worte des Glückwunsches gesandt und damit den Wunsch verbunden, daß nunmehr in Krimmitschau und

übrigen Fällen der §§ 6 und 8 Abf. 2 des Ge­setzes werden die R.chte des Staats durch den Regierungspräsidenten, in Berlin durch den Polizeipräsidenten, ausgiübt. Gegen die Ver­fügung des Regierungspräsidenten, in Berlin des Polizeipräsidenten, findet die Beschwerde an den Oberp.ästdenten statt, welcher endgillig enb scheidet. • .

» Im Reichstage tft em Gesetzentwurf eingegangen, der das Gesetz über die Friedens- Präsenzstärke um ein Jahr verlängert.

[§] ier Gesetzentwurf über die Dtenftaus ficht bei den größeren Amtsgerichten, welcher dem Abgeordnetenhause zugegangen ist, lautet:

8 1. Bet den mit mehr als 15 Richtern besetzten Amtsgerichten steht das Recht der Aussicht einem Amtsrichter zu, der den Amistitel Amtsgerrchtsdireklor führt. Die Amtsgerichtsdireltoren werben vom König ernannt: sie beziehen dasselbe Gehalt, rote die Land­gerichtsdirektoren. § 2. Da« Recht der Aufsicht des Amtsgerichtsdirektors erstreckt sich auf alle beim Amts­gericht angestelllen ober beschäftigten Beamten. § 3. Aus die Vertretung der Amtsgerichtsdirrktoren finden die §§ 6-8 des Gesetzes Mr. Führung der Aussicht be>m Amtsgericht I und Landgericht I in Berlin usro. vom 20. April 1902 entsprechende Anwendung. § 4. Dieses Gesetz tritt am 1. April 1904 in Kraft. § 5. Für die Dienstatrsicht beim Amtsgericht I in Berlin bewendet es beim Gesetz vom 10. April 1892.

[) Der im Abgeordnetenhanse ein­gegangene Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes vom 31. Mai 1897 betreffend die Regelung der Richtergehälter bezweckt zu­nächst im Artikel 1 so.genoe Fassung für § 1 besagten Gesetzes: Die Geh. Iler der Senals- prästdenten der Oberlandesgerichte, der Land- aerichtspräsidenten, mit Ausschluß des Präsidenten des Landgerichts I in Berlin und mit Einschluß deS Amtsgerichtspräsidenten daselbst, der Ober» landesger chtsräte, Landesger chtsdirekteren und AmtsgerichtSdirektoren werden nach Dienstalters- stufen geregelt. Als § 2a sollen folgende Vor­schriften eingestellt werden: „Tritt ?in Beamter des höheren Jastizdiertsies aus einer der in § 2 bezeichneten Gehaltsklaffen in em zu einer an deren Gehalts klaffe gehörendes Rrchteramt über, so wird das B-soldungsdienstalter in bet neuen Grhaltsklaffe dergestalt festgesetzt, daß der Be­amte in die seinem bisherigen Rormalaehalt ent­sprechende Geha'tsstufe der neuen Klaffe eintritt und auS diesem zu derselben Zeit avfrückt, zu bet er in der früheren Klaffe in die nächst höhere Stufe aufgerückt sein würbe. Bestehl in der neuen Klaffe ein dem bisherigen Normal­gehalt entsprechender Gehaltssatz nicht, so wird das Besoldungsbienstalter in dieser Klaffe der­gestalt festgesetzt, daß der B eamte sogleich in die nächsthöhere Stufe eintritt, in welcher er die volle, für das weitere Aufsteigen im Gehalt vor­geschriebene Zeit verbleibt. Als bisheriges Normalgehalt im Sinn' des Absatzes 1 gilt derjenige Gehaltssatz, welcher dem am Tage des Uebertrittes in der früheren Gehaltsklaffe er­reichten Besoldungsbienstalter enttprichl. Dabei wird dem Gehalt derjenigen ersten Beamten der Staatsanwaltschaft bei den Landgerichten, welche als solche eine pensionssähige Zulage beziehen, diese Zulage hinzugerechnet. Artikel II dieses Gesetzes soll am 1. April 1904 in Kraft treten.

und Anstand zusammengesetzt schien. Eine hoh- Gestalt mit einem ziemlichen Ar finge von Wohlbeleibtheit, dttet seltenen Grazie in allen Bewegungen de« Körpers, der eine gew sse Frierl-chkeit in der Haltung keinen Sobruck tat, ließ leicht einen Mann erkennen, welcher sich viel in dm höheren Kreisen der Gesell­schaft bewegte. WaS aber einen besonder« gefälligen Eiudrrck machte, war das freundliche Gesicht und der in alle» se nen T ilen höchst sorafältig geordnete 3; jur de« ältlichen Herrn. Sein schneeweißes Haar legte sich in haibgeru»>deten, natürlichen Löckchen um Stirn und Schläfe; zwei ruhige, sanfte Augen blickten uns einem vollen, runden Gesichte, bfpn Röte die feurigen Geister rlier W-ine weit eher frisch erhalten mochten, al« künstliche Mistel. Zu diesem rollen Rot der Wangen bildete daS überaus saubere W.iß der Halsbinde einen vorte Ihaften Gegensatz, und die fein­geknitterte Halskrause, die sich aus einer umfang­reichen Weste hervordräm,te, barg in ihren Falten weder ein Restchen grob- oder fern körnigen Schnupf tabakS, noch zeioten einzeln« vereinsamte Flecken den LieilinaStrank ihre« Trägers an, wie man das sonst häufig findet.

Der Eintretende machte e ne tiefe Verbeugung vor der Obeiforstmeisterin, wünschte ber gnädigen Frau guten Morgen, legte auf ihr Geheiß feinen Hut und den Stock mit dem Elfenbeivkoopf ab und nahm dann in einem Lehnseffkl altväterlichen AursehenS Platz.

„ffiie 1! finden Sie sich, gnädige Frau?" fragte be. He r, welchen die eben Angeredete „Herr Hoftat' betitelte, und nen fim die weihen, glatten Hände, die zum Führen der Pulses wie geschaffen schienen, deren Nägel gaiB kurz geschnitten und obendrein noch ab­gerundet traten

„Hott sei Dank! mein und der Meinigen Getund- foeit läßt nichts zu wünsch« n übrig; aber Sie baden uns ja mehrere Tage nicht besucht, bester Herr; nedmrn die Patienten Idee ei' so sehr in An­spruch ?" fragte die Freifrau.

Wildmeisters Röschen.

Eine Novelle von E. Pfaff.

------- (Nachdruck verboten.)

In der Fensternische ih-e« WobvzimmerS saß die Oberforstmeisterin von Truchseß. Ste las nicht etwa einen Roman, womtt die vornehmen Damen unserer Tage oie Stunden, welche ihnen reden der zeit- raubenben Toilette und dem gesundheitsgemäßen Epazi^.garig übrig bleiben, zubriugen — nein, sie war mit dem Oronen und Zeichnen feinen Werkzeuges beschäftigt, womit fie ihren wohibestrllren HauSrat abermals vermehren wollte. Reben dem Stuhle, worauf die Oberforstmeiflerin say, war ein kleiner Tisch mit einer Marmorvlatte an dir Wand gerückt; ein Gebetbuch lag darauf, dessen Decke acf häufigen Gebrauch schließen ließ. Um das Buch war ein Rosenkranz geschlungen, bissen fünf echte Steine die Wundmale de« Erlösers ar.Deuteten. Bor einer halben Stunde erst hatte die edle Frau Buch u-b ging er­gebet auf den Tisch gelegt, denn ibrr Gewohnheit war e«, jeden morgen um halb neun Uhr die Miss iu hören; an Feiertagen aber ging sie, wenn cs Die Witterung erlaubte, schon zu früher Stunde ans den nächst der S'adt gelegenen Kalvarienberg, um einsam und tmbemnit den Kreuzweg zu bes-'chev. Sie hielt Viel ani en christlich fromm'n Wandet, und ihre Abende Pflegt* fi? weder am Lettische noch in der Theaterloge zu oetiefae-, wndern gewöhnlich hinter der Hauspoftille des Pa^c Gosfine od-r d-r Hnligrn- legende.

Die Änflnrlk'anilett d-r fleißigen Dame auf ihre Arbeit n-urfc- SurJ1 Klopsen an die Türe unter* bkochen.

„Herein!" ref die Oberfoistmecherin.

Langsam, f-terlick öffnete sich öie Tftre, »ui ein Herr trat herein, b ff en ganzes Wesen aus Würde

Deutsches Reich.

Berlin, den 20. Januar 1904.

(*) Prinz Heinrich verabschiedete sich heute in Kiel von den nach Südwestafrika bestimmten Mannschaften des Seebataillons und hielt an sie folgende Ansprache: „Im Verlaufe von wenigen Jahren ist es das vierte Mal, daß das Seebataillon berufen ist, auf Befehl des Kaisers Schäden zu decken, wo solche in unseren Kolonien entstanden sind. Ich freue mich dessen mit euch, ich kann sagen, ich beneide euch, daß ihr berufen seid, deutschen Ruf und deut-che Ehre aufs neue herzustellen. Ich weiß, daß ihr freiwillig hinauszieht, das erfordert der Soi- datenstand, das ist alte Tradition, auf die wir Deutschen stolz sein dürfen. Wenig wird euch erspart bleiben: Hunger, Durst und schwerste Entbehrungen. Denkt an eure Pflicht, denkt an euren Eid, denkt, daß ihr Söhne eures Vater- Ian' es seid. Seid gehorsam, seid treu unter­einander und haltet Kameradschaft. Vergeßt nicht, daß der Weg zum Erfolg bei euch liegt. Erne jede Kugel, die ihren Lauf verläßt, erfülle ihre Pflicht. Glückliche Reise und Heimkehr! Gote fei mit euch!"

** Der .ReichSanzeizer' veröffentlcht eine Verordnung über die Ausübung ber Rechte des Staats in Ausführung des § 9 des Gesetzes vom 29. Mai 1903, betreffend die Bildnug von Gesamtverbäaden der katho­lischen Kirche. Die Rechte des Staats werden von dem Minister her geistlichen Angelegen­heiten ausgeübt: 1) Ibei der Genehmigung der Anordnung der bischöflichen Behörde eines Ge­samtverbandes und den Anschluß einer Kirchen­gemeinde an einen bestehenden Verband, so wie bei her Feststellung der dem Gesamtve-bande zu fibeitrngenben Rechte und Pflichten; 2) bei der Genehmigung der von der brschöflrchen Behörde über die Einrichtung und Geschäftsführung der Verbandsverlretung und ihres Ausschusses sest- zufetzenden Regulation; 3) in den Fällen des § 8 Abf. 2 des Gesetzes, soweit ihm die Aus­übung der Rechte des Staats durch Art. 1 der Allerhöchsten Verordnungen vom 30. Januar 1893 übertragen ist. Die Rechte des Staats werden von dem Oberpräsidenten ausgeübt: 1) bei der Genehmigung von Umlagebeschlüffen, sofern die Umlage, abgesehen von den nach Maß­gabe des Gesetzes, betreffend die Bildung kirch­licher Hilfsfonds für neu zu errichtende katholische Pfarrgemeinden, vom 29. Mai 1903 für die Zwecke der Diözesanhilfsfonds aufzubringenden Beträgen, zehn Prozent der Summe der von den pflichtigen Gemeindegelbern jährlich an ben Staat zu entrichtenden Einkommensteuer über­steigt; 2) bei bet Genehmigung der Anleihebe- schlüffe. Gegen die Verfügung bes Oberpräsi- denten findet die Beschwerde an ben Minister der geistlichen Angelegenheiten statt. In den

Parlamentarische Nachrichten.

* Stimmungsbild auS dem Reichstage. Nachdem in sieben Sitzungen einstweilen die Interpellationen erledigt worden sind, hat heute der Reichstag endlich sein .normales" Aussehen wieder erlangt, bas nun im Großen und Ganzen wohl bis Ostern so bleiben wird. Bei recht mäßiger Besetzung des Hauses werden Regierungs- vorlaaen beraten. Ein Redner nach dem anbereu tritt auf und redet länger oder kürzer, meist länger. Die Anwesenden hören ihm zu oder auch nicht, ganz nach Belieben; die meisten hören mcht zu. Dazwischen redet auch einmal der Staats­sekretär Posadowsky. Wie in einem Taubenschlage geht es aus und ein. Der Anwesenden werde» mit der Länge der Sitzung aber eher wemger als mehr. Nur die Papierfetzen auf dem Futz- boden, zerrissene Briefumschläge, Drucksachen rc., werden immer mehr. Die Zuhörer auf ben gelegener. Er haNchr"vickWohttvolleu gegeu uffere Farnibe; besonders meinem ’ämano, je:«« paten, ist er sehr gewogen Der gastliche HerrVett« kann mir aber auch keine größere Freude mache», wenn er fick bet uns zu Tesch ansagen läßt, denn « hat die eigene Gewchnheit, nie em« Einigung nehmen; aber wenn er un» durck s men Besuch über­raschen und dam mit NN« en famille Ipeisen rmm, dann ist er sehr vergnügt."

„Wie schon gesagt, em höchst liebertoita^er Herr, der Herr Propst auf dem Johannesberg«; Ste desuchen ihn wohl manchmal auf ferner Propfte^

I fdteR, zwei- bis dreimal vielleicht inS«

schönen JahreSzeft. Ter Obersorstme'ster und ««ne Söhne besuchen ihn schon öfter; w/m He mrch z.ht besonders gerne hinauf, weil er bte (iilaubm« jj die Jagd des Herrn Setter« zu benützen. Ach'

I faate öie Oberforstmeistenn mit einem tiefen Seufzer, ,d-r Heinrich macht mir jetzt viel Sorge; et War sonst mein bestes Kind, mein Augapfel, aber — — Der Hofrat mochte da« Schweigen, »eiche« btefte Worten folgte, nicht unterbrechen.

.Kommt Ihnen der Junker feit einiger Zen nicht febr verändert vor, Herr Hof rat?"

.Wüßte eben nickt, gnädige Frau, nut fcheint er die heitere Laune nicht mehr in dem bvhen Grade zu besitzen, wie es ftüher der Fall war; er ist etwa« Mer und zurückhaltender geworden "

„Ach, er hm sich feine heitere Laune selbst zer­stört. Jugendlicher Leichtsinn, der fo oft den Slteru Summer macht", sagte in schmerzlichem Tone d-e Freifrau m

„Ader ich kann kaum glaub n, daß Baron Heim tch. Der ein fo gutes Herz hat und mit so inniger, sinn­licher Liebe seinen edlen Ebern zugetan itt, dres« hübe Stunden verursachen ’önnte; mir scheint fast, bie Stellung bei Hofe gefällt dem Junker nicht mehr, wünschte sich, glaube ich, eine unabhängig«!

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