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Möa, Dienstag, den 19. Januar 1904

31. Jahrgang

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Deutsches Reich

D Provinzial imx# für Sirchspiel, wie bei Gebiet ier Piepstet genannt wurde, weil seine Bewohner «Ke zn einer Pfarrei geh-rten.

die-Händ' auf den Rücken gelegt u»d war in lebhafter Unterredung mit seinem Begleiter und Setter, de« Herrn Baron Heinrich von Truchseß, begriffe.

„Jo, ja! w»S Ihr jungen Herren uns sür Streiche macht; da schaffe nun Einer Rat! Ich kann nicht begreifen, lieber Vetter, wie Luch, der Ihr sonst s» klug and weise seid, das Mädel in Haselstei» Nopf und Herz so verwirren konnte, daß Ihr nun Eurer Familie so viel Unruhe und Sorgen verursacht. Das konntet Ihr wohl voraussehen, daß Lare gnädige Fra« Mutter und Euer Herr Vater niemals ihre Ein­willigung zu einer solchen Heirat geben würden," sagte der Prälat, und bedeutvngsschwe'-e Falten legte« sich auf seine sonst so glatte Stirne.

„Urteilet nicht so strenge, Gnaden Herr Vettert Es mag wohl sein, daß Euch meine Lebe z« der WildmeifierS Tochter höchst auffallend erscheint; aber ich bin überzeugt, wenn Ihr die trefflichen Eigen­schaften dieses braven Mädchens kennen, wen» Ihr daS Lob vernehmen würdet, welche- in der ganzen Gegend um Haselstei« aus dem Munde der Gebildeten wie der ungebildeten über Röschen tönt, fürwahr Ihr würdet weine Zuneigung zu diesem Engel «Kht tadeln und all Euren Einfluß bei meinen Eltern auf bieten, damit diese mir nicht mehr entgegen sind, daß ich der braven und tugendhaften Tochter de- WildmeisterS meine Hand reichen kann."

„Ich habe gegen die Vorzüge der Jnugfer Röschen nicht» einzuwendeu; aber Ihr sollet doch bedenken, daß Eure Familie stets ihren Adel reta erhalten hat und eine Verbindung mit einer Bürger­lichen immerhin für Eure Angehörigen eine «w genehme Sache bleibt, die Euch jedenfalls aus der Karriere dringt, welche Ihr sonst machen würdet. Wie würden Eure vielen adeligen Vettern und Base« die Nase rümpfen, wenn eS heißt, der Junker Heinrich heiratet eine Wildmeist-:rStochter und gibt einer Passion für ein Bürgeismädchen wegen seine St<M«rg bei Hefe auf. An is’-b tür sich erscheint ja die ‘•8er! :nburg ein-S <ßbcü(.en mit e.i;it l reven Tochter

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Wildmeisters Röschen.

Eine Novell» von C. Pfaff.

------ (Nachdruck verboten.)

IV.

vielleicht zu hören, welch ernste und wichtige Ver­handlungen an einem so friedlich und harmlos scheinen­den Orte gepflogen wurden.

Still und klar schlängelte sich der Silberfaden des Fuldafluffes durch die üppigen Wiesen der JohanneS- aue; aus dem Schilfrohre seiner Ufer stieg die Bekossme meckernd in die Höhe, und hoch über dem Spiegel seiner Wellen wiegte sich die Sh Heute unter lautem Schrei hin und her, als wolle sie des PropsteijägerS spotten, der sich und sein Feuerrohr in dem auSgehöhlten Stamme eines alten Weiden- baumrS, barg, um den Waffervogel mit sicherem Schüsse zu erlegen. Das GraS der Wiese« war vor kurze-- Zett erst von der Hand emsiger Schnitter und Schnitterinnen unter heiterem Scherz und manch ftöh- lichem Lied eingeheimst worden, und der wilde Thymian, der sich ängfll ch an die Oberfläche der Bodens hält und kaum von der Sense berührt wird, verbreitete weithin seinen würzigen Dost. Bon dem anwutigett Wiesengrunde stiegen nach Westen hin all­mählich sanfte, mit Getreide bestellte Höhen auf, Laub­holz krönte ihre Spitzen. Da wo die Höhen sich so recht sanft zu den Wiesen niedersenkten, lag das Propsteigebäude; die Strahlen der Mittagssonne spiegelten sich tausendfältig in den großen Fenster­scheibe» seines prächtigen Herrenhauses, das, au- rotem Sandstein erbaut, weithin in die @ gend hin- ausragt, zu deren schönsten Zierden ei heute noch gehört. Auf dem weiten, eingrfrieöigtcn Hose vor dem stattliche» Gebäude herrschte eine ebenso regsame als anziehende Lebendigkeit. Die vier mutigen Rav- :en de- gnädigen Herr» waren ander Mauec, welche den Garten vorn Hofe schied, angezäumt, und Johan» der Kutscher war eben beschäftigt die stolzen Tiere o sorgfältig als möglich zu putzen, damit daS B'er- ;rspan» des Propstes vom Joha. ensberge morgen >ei der Auffahrt zur Sitzung des hochadeligen Kapitel» n Fulda den alten Ruhm seiner Schönheit bewahre. Gartenknechte mit leichten Strohhüten und grünen Schürzen bekleidet ginge» durch daS offen flehende

Wer den Ausdruck friedlicher und freundlicher Ruhe liebt, wer ein Siillleben in den Umgebungen Auer schönen Statur sucht, der hat es g wiß schon häufig da gefunoen, wo ein Gotteshaus steht, neben dem geistliche Herren sich eine Wohnung gründeten. Mit den reizeuosten Farbe» wird 'ie Einsamteit der romanttschen Waldtäler geschildert, worin die Kar- thäuser ihre Z-llen bauten; aus den Gipfeln der Berge oder am Ufer eines fteundlrchen Stromes stedetteu sich die Söhne St. Benedikts an. In dem alte» Hvchstifte Fulda hatten sie auch die schönste» Stellen zu finde» gewußt, um entweder einer ganzen Geuoffenschast oder nur einzelnen, angesehenen Gliedern ihre- Orden- eine mehr oder minder stattliche Wohnung zu erbauen. Wer die ehemalige Prapstei Johannesberg bei Fulda sieht, der wird gewiß denken, daß man nicht leicht eine fteundlichere Wohnung wählen könne und doch mag e» dort niemals an­heimelnder und anziehender gewesen fein, als zur 2, ' wo Lmand Freiherr vs» Zobel zu Giebel statt Probst war und die Bauern de- -Kerfpels l) Fastnachtshuhn und JägerShafer seinem aArenzen «mtsvogte in festgesetzten Fristen lieferten. Emr UtüffeA unS in diese Zett zuruckoersetzen, und wählen einen der schönste» Sommertage deS Jahre«, worin seither h sere Geschichte spielte, um die freund- stche Propstei auf dem JohanneSberge zu besehen und

Form ei»es Nachtrags Etats eingeholt werden, die ge­troffenen Maßnahmen seien daS Mindestmaß taffen, was zum Schutze der Ehre der deutschen Flagge getan werden müffr. •

Hierauf trat das HauS in die Ta eSordnung eiet- Erster Gegenstand derselben war die konservative In t r r p e l l ati on brtr. Kündigung der Handelsverträge.

In feiner Begründung forderte Lbg. Graf Kanich (k ) die fosoriige Kündigung der Handelsverträge, die für Deutschland eine wirtschaftliche, politische und finanzielle Notwendigkeit, für die Landwrrlschaft ober geradezu eine Ltbensfrage sei. Man dürfe nicht den­selben Feh>er wieder machen, den man schon vor 18 Jahren gemacht habe, indem man dem LuSIaudedurch die Herabsetzung der Zille die Vorteile einfach in de» Schoß geworfen hab«. Als Redner im Zusammenhang mit diesen Ausführungen meint, mit ihrem Entgegen­kommen gegen Amerita babe die Regierung sich lächer­lich gemacht, rügte Präsident Graf Ball-stre« den Ausdruck alS parlamentarisch unzulässig. Redneriührte weiter auS, daß Deutschland nicht auf den Abschluß neuer Handelsverttäge angewiesen fei; es habe daher gar keinen Anlaß, die jetzigen Verträge, die für die Landwirtschaft geradezu ruinös seien und die auch da- Gsrmanisationswerk im Osten gefährden, auch n« einen Tag länger bestehen zu taffen. Polttisch« Be­denken gegen die Kündigung der Handelsverträge be­ständen, wie das Vorgehen Oesterreichs gegenüber Jkalen zeigen, nicht.

Staaisselretär Graf PosadowSktz erklärte, die Regierung erkenne die schwrerige Lage der Landwirt­schaft und die Notwendigkeit, ihr einen erhöhten Zoll­schutz zu sichern, durchaus an, und nur tn der Frage des „Wie" weiche sie von den Interpellanten ab. Die Regierung habe niemals eine bestimmte Frist angegeben, innerhalb deren sie die bestehenden Verträge kündige» werde, denn sie habe stets an dem Programm festge­halten, daß die allen Verträge sortzukühren seien, biS neue abgeschloffen wären, ©ie werde aber bei de» Werhandlungen an gewiffen elementaren Forderunge» unter allen Umständen festhalten und sie werde, wenn diese nicht erfüllt würden, gegebenenfalls eine Aende- rung ihrer gegenwärtigen Taktik einireten lassen.

Auf Antrag des Aba. ». Kardorff (Rp.) beschloß das HauS, in eine Besprechung der Interpellation einzutreten.

Der erste Redner aus dem Hause, Abg Herold sZtr.) sprach die Erwartung aus, daß die Regierung unter den .elementaren Forderungen", an denen fie unter allen Umständen festhalten wolle, die Mindestzölle für (Betreibe verstanden wissen wolle. Freie Hand müffe die Regierung stch auch sichern bezüglich der landwirtschaftliche Produkte, wo keine gesetzliche Bin­dung erfolgt sei, so bei den Gärtnereiprodukten und beim Schälwald, sowie bezüglich des veterinärschutzes. Auch der Industrie müffe der nötige Zollschutz gewährt wer­den. Das Zentrum wünsche langfristige Handelsver­träge und zwar ohne Unterbrechung des vertragszu- standes. Trotzdem aber solle man die Frage der Kün­digung der Meistbegünstigungsverträge wenigstens t» ernste Erwägung ziehen. Jedenfalls dürsten in Zu­kunft Tarifermäßigungen ohne entsprechende Konzes- stonen nicht mehr gewährt werden.

Abg. Bernstein (Soz.) erklärte, seine Partei würde Handelsverträge mit den Mindestsätzen deS neuen Tarif» ohne weiteres ablehnen.

Abg. Gothei« (fr. vgg.) warnte vor der Kündigung der Handelsverträge, die den Zollkrieg zur Folge habe» würde. Mit dem neuen Zolltarife günstige Verträge abschließen zu wollen, sei eine unlösbare Aufgabe.

Aucy Abg. Kämpf (fr. Bp.) war der Ansicht, daß der neue Zolltarif ein geeignetes Instrument für ver- tragsverhandlmigen nicht sei.

Staatssekretär Graf Posadowsktz gab de» Vor­rednern zu bedenken, daß sie durch solche Aeußerungeu die Stellung der Regierung bei bett BertragSverhaud- hingen nicht stärkten.

Abg. Dr. Paasche (ntl.) erklärte, auch seine Parker wünsche die ununterbrochene Fortsetzung der Handels­vertrag-Politik, doch müffe die Kündigung der alte» Handelsverträge auch ohne den Abschluß neuer al» ultima ratio im Auge behalten werden.

* Dem Herrenhause ist die Uebersichl der von der Regierung gefaßten Entschließungen auf Beschlüsse des Herrenhauses aus der Session 1903 zugegangen. In einem Beschluffe hatte das Herrenhaus der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bei der Einrichtung des staatlichen Bergbaubetriebs im Bezirk Dortmund im Sinne der Arbeiterwohlsahrt die notwendigen Staats­mittel verwendet, insonderheit auch für die Beleg­schaft beider christlichen Konfessionen im Bedarfs­fälle die nötigen kirchlichen Einrichtungen getroffen werden. Hierauf antwortet die Ueberficht: „Der Verwaltung der Kgl. Steinkohlenbergwerke zu Dortmund sind aus den Mitteln der Gesetze vom 16. April 1902 und vom 7. Mai 1903 insge­samt 945 700 Mark zum Bau von Arbeiter- wohnhäasern überwiesen worden. Nähere Angaben über die Größe der Wohnungen usw. werden in die alljährlich vorzulegende Denkschrift über die Ausführung der ArbeiterwohnungSgesktze ausgenommen werden. Aus Etatsmitteln sollen ferner 2 Arbeiter kolonien mit 758 Wohnungen in 194 Häusern errichtet werden, deren Gesamt­kosten auf 4 225 000 Mark veranschlagt find. Der Bau dieser Kolonien wird aus etwa 6 Jahre verteilt werden, der 1. Teilbetrag ist im Etat für 1904 mit 260000 Mark vorgesehen. Zu­gleich ist dort em Fonds von 25000 Mark zur Herstellung einer Kinderbewahranstalt für da- Werk bei Gladbach ausgebracht worden. Ein Bedürfnis zu besonderen kirchlichen Einrichtungen für die Belegschaft beider Konfessionen ist bei den neuen westfälischen Werken dis jetzt noch nicht hervorgetreten.", ,

t '*■ * Berlin, 18. Jan. 1804. Der Kaiser hat dem Reichstage eine neue, von ihm eigenhändig im Dezember 1903 gezeichnete unb mit seiner Namensunterschrift versehene Schiffstabelle zugehen laffen. Sie be­zieht sich auf England. — Die Kaiserin ist an einem leichten Fußleib en erkrankt; die für übermorgen angesetzte Samen tour ist daher abgesagt. — Die ZentrumSfraktionen des Reichstages und des Abgeordnetenhauses werden am nächsten Donnerstag im Abgeordnetenhause das herkömmliche g emeinsame Festmahl abhalten.

13. Sitzung vom 18. Januar 1904.

Eröffnung VU Uhr.

Am Bundesratstische: Graf Bülow, Graf Posa- dowsky, v. Tirpitz. Freiherr v. Richthofen, v. Einem, Freiherr v. Stengel, Dr. Stübel.

Bor Eintritt in die Tagesordnung ergreift das Wort Reichskanzler Graf Bülow, um, wie er einleitend bemerkte, dem Hause Aufschluß zu geben über die „ernsten Ereignisse in Südwestafrika". Er teilte mit, daß der ohne sichtbaren Anlaß und unerwartet ausge­brochene Aufstand der Hereros einen bedrohlichen Um­fang angenommen unb bie Entsendung von Hilfstruppen nötig gemacht habe. Es sei daher sofort schon beim Eintreffen der ersten Alarwnachrichten die Entsendung von 500 Mann zur Verstärkung der Schutztrnppe an» geordnet worden; auf Grund bei neuesten Nachrichten sei weiter die sofortige Entsendung von 500 Mann Marine-Infanterie in Aussicht genommen worden. Die nachträgliche Genehmigung des Reichstags werde in Tor des Garten- aus und ein und ließen hie und da ein scherzhaftes Wort gegen den fleißigen Kutscher falle», der jenen Mutwilligen in einer oft etwa« derben Weise die Antwort zurückgab. Zahlreiches Federvieh belebte das Gehöfte, ein Pfau stolzirte mit dem bunten Federrade feines Schweifes einher und schien sehr verächtlich auf die Truthähne herabzusehen, welche ihrem Aerger über den vornehm tuenden Bogel durch lautes Schnalzen und das Schleifen ihrer Flügcl über das Pflaster des Hofes Luft machten. Wer aus dem $ore in den Garten trat, wurde überrascht durch die Schönhett dieser Anlage. Da zeitigte am Spaliere läng- der Mauer die Goldfrucht der Aprikose, und zwischen dunkelgrünem Laube schimwette die verschämte Röte der Pfirsichs hervor. Buchsbaum schloß die sorgfältig abgeteilten Beete ein, Orangenbäume, auf einer Terraffe aufgestellt, ließen den erquickenden Dust ihrer weißen Blüten auSftrömen, und südliche Ge­wächse umgaben in finnig geordneter Gruppe ein Wasserbecken, Korin Goldfische hin und her schwammen, während daS Geplätscher de- Wasserstrahles, den ein künstlicher Delphin in der Mitte deS Beckens aus« sendete, die tiefe Stille unterbrach, welche sonst in dem Garten hmffchte. In dem unteren Telle dieser mit größrer Sorgfalt, gepflegten Anlage wechselt- Graswuchr, von Obstbäumen edelster Sorte unter­brochen, mit Blumenbeete», und ein breiter Graben, deffen ttäges Waffer zahlreichen Karpfen zpm Aufent­halte diente, trennte den Garten von den Wiesen. Säug« de- GrabenS lief ein Spazierweg bin, auf welchen die am Wasser stehenden hochwüchsigen Erlen und Pappeln einigen Schatten warfen. Auf diesem Wege schritten zwei Herren auf uno nieder, der eine trug einen weiten, bis an die Knöchel reichenden Neberrock von leichtem Stoffe und dunkler Farbe, ilberne Schnallen schmück'en seine Schuhe, ei war der zeitige Inhaber der Propstei, dessen freundlichen Blicken wir in dem Tiergarten unter dem Bieberstein begegnet fivd, die heute aber einem ernsten Gesicht»- auSdrncke Platz gemacht hatten. Ter Prcsst batte

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Druck und Verla- tat julbaer Xctf enbruderef Monatrdeilage: „Alldaer EeschichlMätter". "ÄÄ?

Berlin, den 18. Januar 1904.

Mobil gemacht zur Verwendung in Güdwestafrika werden auf Befehl deS Kaisers in Kiel und Wilhelmshaven je 250 Mann der Marineinfanterie nebst den zu­gehörigen Offizieren. Die 2. Matrosendiviston wird außerdem ein Detachement mit 4 Maschinen- ßanonen stellen. Die Abfahrt ist mit einem Dampfer des sttorddeutschen Lloyd für Donners­tag, den 21. Januar, von Wilhelmshaven aus geplant.

* Wie bekannt, ist eine Revision deS Knust fchntz. «ub beS PhotographiefchntzgefetzeS »on 1876 sowie die gesetzliche Regelung des Ver­lagsrechts bei Werken der bildenden Kunst und der Photographie in Aussicht genommen. Nach- dem im Sommer v. I. zunächst der vorläufige «i twurf eines Gesetzes, betr. das Urheberrecht ä« Werken der Photographie mit Sachverstän­digen beraten und sodann öffentlich bekannt ge­geben worden war, find nunmehr auch die in­zwischen aufgestellten Entwürfe eines Ge­setzes, betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste, und eines Gesetzes betreffend das Verlagsrecht bei Werken der bildenden Künste und der Photographie einer Beratung von Sachverständigen unterzogen wor­den. Die Verhandlungen haben vom 11. bis 13. ds. Mts. im Reichsamte des Innern über Zuziehung von Sachverständigen, namentlich von Vertretern der hohen Kunst, oet Architektur, des Kunstgewerbes sowie der photographischen.und Berlagsgewerbe stattgefunden. Die Entwürfe werden nunmehr seitens der beteiligten Antts- stellen an der Hand des Ergebnisses der Beratungen der weiteren Bearbettung unter­worfen.

** Bezeichnend ist wieder das Verhalte« Sozialdemokraten in der Reichs Hanshaltskommifston des Reichstags. Ob­gleich die 6 Mitglieder, welche die sozialdemo­kratische Fraktion in diese Kommission entsandt hat, sämtlich zu der schärferen Tonart gehören, zeigen sie stch doch als recht friedlich gesinnte Staatsbürger und find, wenn man sich an chr Austreten im Plenum erinnert, kaum wieder zu erkennen. Sie bewilligen tapfer drauf los, heute 24000 Mk. Gehalt für einen Bernfskonsul, «argen große Summen für den Sommerpalast eines Gesandten oder Ministerresidenten in einem überseeischen Lande. Am Schluß der Etats­beratung im Plenum werden sie dann wieder mit der „Ablehnung" des gesamten Etats prunken, um den guten Wählern da draußen lagen zu können: wir haben als Sozialdemo­kraten und wahre Freunde des Volkes alles ab* Skhrtt. Im Februar 1903 befürwortete Herr i«ger als Referent für die Ausstellung in St. Louis 36000 Mk. jährliche Diäten und

RepräsentationSzulage für den ersten deutschen Kommiffar, jetzt wird er sogar nachträgliche Mehrfor^erungen für diesen Zweck zu vertteten haben. Diese Tatsachen eröffnen die stütze Aus­sicht, daß es wohl auch im Zukunftsstaate einen Unterschied der Stellung und der Gehaltsbezüge geben wird. Gespannt darf man auf die Haltung der sozialdemokratischen Abgeordneten bei der Beratung des Milstäretats, insbesondere be; den Gehaltserhöhungen für Unteroffiziere und Oberstleutnants sein, ebenso bei der Ver­mehrung der Zahl der Unteroffiziere. Es scheint fast, als ob fie geneigt seien, diese Mehrforderungen zu bewilligen. Früher waren die Sozialdemokraten grundsätzliche Gegner aller Militär- und Marineforderungen, in den Jahren 1902 und 1903 haben sie diesen Grundsatz zum erstenmal „revidiert" und für einzelne Titel auS sachlichen Gründen gestimmt; jetzt werden sie Ge-- legenheit haben, weitere Fortschritte in der Be- willigungskrast zu machen und im nächsten Jahre vielleicht schon „aus sachlichen Gründen" eine Vermehrung der Auslandsflotte bewilligen zu dürfen. So macht auch die Sozialdemokratie die Erfahrunq, daß sie mit ihrer zunehmenden Stärke zur praktischen Mitarbeit gezwungen ist und daß sobald einmal die Entscheidung wirklich von ihr abhängen sollte, ebenso brav für den ganzen Etat stimmen wird, wie dies heute am Schluß der Etatsberatungen die bürgerlichen Parteien zu tun pflegen, um die gesamte Reichsmaschinerie nicht zum Stillstand zu bringen. Die „Revisio­nisten" in der sozialdemokratischen Partei müßten ihre Helle Freude haben, wenn sie in der Budget­kommission ihre Kollegen der scharfen Tonart schon heute eifrig an der Bewilligungsarbeit sähen. Wir wollen den Herrn aus ihrer positiven Mit­arbeit keinen Vorwurf machen, wir können uns nur darüber freuen, daß auch sie sich bei ihren Anträgen und Abstimmungen lediglich von sach­lichen Erwägungen leiten lassen und so auch ihr Teil an der Verantwortlichkeit für die Ausgaben des Reiches übernehmen.

§ Die Zeitungsnachrichten, die Preußische Staatseisenbahuverwaltunq beabsichtige, auf der Strecke Kaffel-Hannover Versuche mit einer neuen Gattung von Tchnellzuglokomotiveu anzu­stellen, die es ermöglichen, Züge mit durchschnitt­lich 130 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde zu fahren, und vielleicht werde schon im nächsten Sommer mit der Einrichtung solcher Züge auf einzelnen Strecken vorgegangen werden, sind nach der »Nordd. Allg. Ztg/ unzutreffend. Es ist nur in Aussicht genommen, auf der Militär­eisenbahn Marienfelde Zoffen, deren Oberbau bekanntlich unter wesentlicher Beteiligung der Staatseisenbahnverwaltung angemessen hergestellt ist. Versuche zu wachen, inwieweit es angängig sein würde, die Fahrgeschwindigkeit besonders dafür gebauter Lokomotiven gegen die gegen« wärtig zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometer in der Stunde ohne Ge­fährdung des Betriebes zu erhöhen. Davon, daß die Staatseisenbahnverwaltung bereits Siellung gegenüber der Frage elektrischer Schnellbahnen genommen habe, ist nicht die Rede.