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WU-meisters Röschen

t) Bizedom war damals der Freiherr Ludwig von Karg zn Bebenburg.

Eine Novelle von C. Pfaff.

------ (Nachdruck verboten.)

sicht, der FreiheilSfchwindil in Frankreich steckt auch bei uns an."

„DaS »st ja eine ebenso merkwürdige a»S hsittre Geschichte, wenn dieselbe wahr ist/ sagte die kranke Jäger» frau und lachte trotz ihrer heftigen Schmerzen übei- die Erzählung des Phyfikvs.

Das Rezept war fertig. »Morgens und abends ein Pülverchen, Frau Revierjägerin!" sagte der Arzt, nahm die Brile aus seinem freundlichen Gesichte, legte fie zusammen und brachte sie wieder in die Rocktasche Nun «st cS Zeit, daß ich gehe/ fuhr er fort, ich muß noch mehrere Patienten auf de« Heim­wege besuchen. Jungfer Röschen, morgen lamme ich naq Has lstein, da werde ich wohl dem Herrn Papa und der Frau Mutter einen schönen Gruß von Ihnen übervriugen sollen. Nicht wahr?"

„Wenn ich Sie darum bitten darf," entgegnete bescheiden daS Mädchen.

„Heute war Besuch in Haselstein, da wird der Disch im Forsthausc um eine Person zahlreicher ge­wesen sein," bemerkte der Doktor.

„Wer hat uns denn besucht, Herr zrntphyfikuS; vielleicht der Herr Obeiamtmaun vonGrsa?" ftagte daS Mädchen.

„Nein — aber der neue Probsteijäger in Holz­kirchen und seitherige ForstadjunkluS in Schleida, der Herr Wolsmaier, Hochwohlgeboren, um den es schade ist, daß er nicht von Adel 'st ; Hoffart besitzt er mehr als ein Baron von sechzehn Ahnen. Er begegnete mir unterwegs und sagte, daß er dem Herrn Wildmeister seine Aufwartung machen und zugleich anzeigen wolle, daß er rum Prvpsteijäger ernannt sei; hat eS mir auch teilweise zu verdanken, daß er zu der Stelle gelangt ist. zu der er sich Glück wünschen kann und deren er sich würdig zeigen mag."

„Haben Sie dem Wolsmaier zu be: Stell« ver­halfen ?" fragte die Kanke.

„Ich nicht allein; doch habe ich ent Wort der Fürsprache für ihn eingelegt. Seit Jabren schon bin ich nut dem gnädigen Herrn Probst in Holzkirchen, dem Freiherrn von Ebertberg, bekannt und stehe

„Ja wohl, Her/: ZrntphyfikuS, jeden Morgen und jeden Abend nach Barfchritt."

„EchSu, schön!" Ihr seit eine folgsame Patientin; wolue, olle meine Kranke« wären so; strenge Diät iw 6ffe* und Trinken haltet Ihr auch? "

„Gs-z wie Sie ungeordnet Haber, Herr Doktor!"

„Dar ist recht, bald werden wir Stärkungsmittel auwendeu. Euer Christ an mag sich umiehen, wo im Darse eine alte Henne gluckert, denn kräftige Hühner­brühe« n äffen Euch stärken, und wenn ich wieder heraoskomme, mache ich erst beim Finkmüller einen Besuch, frage, ob alles im Hause noch wodl ist und die Kinder lchön gehorchen; bei dieser Grieger heil führe ich alle jungen Tauben aus, welche jener Dauben- vogt i» seinem Schlage hält und liefere fie in Eure Küche ab Da- zarte Fleisch von jungem Ätstügel ist die beste Speise für Patienten; aber ich will Euch ein Pülverchen verschreibe», da« noch wirksamer ist als da« zuletzt verordnete Jungfer Röschen, darf ich um etwas Tinte und Feder bitten, Rezeptpopier habe ich mttgebracht."

Dar Mädchen ging, um das Verlangte zu holen; inzwifchea spazierte der Pryfiku- im Zimmer auf und nieder, suchte in der Rocktasche seine Brille mrd brachte dieselbe in seinem freundlichen Gesichte an. Auch die unzertrennliche Begleiterin, die Dose, mit grobkörnigem Pariser gefüllt, hatte er herbeigesucht, klopfte dreimal mit der Han^ auf den Deckel, fuhr dann rasch mit dem Ellenbogen darüber und öffnete nun erst »ar Gefäß, um eine volle Prise zu nehmen.

Röschen hatte dos erbetene Schreibmaterial tut; den Iisw g'seyt.

„Ja, liebeS Ksi-d, Abialon war ein Königssohn und sein Freund hieß PH 'emon! das hast Du bis jetzt schwerlich gewußt," sagte der lustige Mann und begann fein Recipe zu schreibev

mit demselben in Briefwechsel. Da kommt nun vor dnigtr Zeit der Wolsmaier zu wir und bittet, ich mcchte ihm ein Empfehlungsschreiben um den gnädigen Herrn geben. Eigentlich verdientet Ihr nicht, daß ich Euch rekommandiere, sagte ich zu dem AdjunktuS, denn Ihr habt duvme Streiche genug gemacht, seit ich Euch kenne; wenn Ihr aber den festen Borsatz habt, ein ernster und ordentlicher Mensch zu werde», so will ich sehen, waS ich für Euch tun kann. Der Forstwart b-rficherte mir darous hoch enb teuer, daß er sich bereits ganz geändert habe; ich möchte das Frühere vergessen, Jugend habe keine Tugend fe, ja ein altes Sprüchwort, und wenn er hie und da eine« unbesonnenen Streich gemacht, so trügen seine Kame­raden viel Schuld; er habe dem Umgänge mit den lockeren Vögeln gänzlich entsagt, und auch fein Bor­gefitzter, der alte Bogel in Schleid, sei in letzter Zeit recht zufrieden mit ihm gewesen, wie sein Zeugnis beweise. Das Zeugnis, welches ihm der Revierjäg« gegeben hatte, war gut, und hierauf entschloß ich mich, einige Zeilen an den Herrn Propste« zu richten uns dar Gesuch deS ZoistwartS um Anstellung zu unter­stützen."

„Ihr seid doch ein guter Mann und gerne Jedem behülflich, bemittte die Kranke.

„Zu helfen ist ja mein Beruf und ich denke, der Wolsmaier tohb sich in Holzkirchen halten. Ich glaube, wenn bi.fer Mensch eine recht brave Fran bekomm^ die er achten muß un > die Einstuß auf ihn gewinnt, so wird er auS seinem Leichtfuß ein er fi t Mann. Jndtssen ist jetzt die höchste Zeit, daß ich Heimkehr«. Also schön gefolgt, Frau Revierjägerin, dann werde ich Euch bald wieder gesund und wohl sehen, und Euer Christian und RöSchen werden sich mit mir ouS vollem Herzen freuen. Lebt wohl, Ihr Leutchen!" Mit diesen Worten verließ Doktor Baldewein rasch das Zimmer. Röschen wirkte ihm' an» dem Fenster mit ihrem weißen Taschentuche nach; während der letzten Unterredung des Arztes mit ihrer Patin hatte daS Mädchen vor dem Rosenfirck cm Fenster in tiefe« Nachdenken versunken gestanden.

(Fortsetzung folgt.)

„Was Eie doch immer für tolles Z ug vorbringen, Herr PhysikuS; wenn Sie kommen, muß man lasen, wer» es Erurur auch rocht darum zu tun ist. Aber was bringen Sic dem Neues aus Stadt Geisa mit, wenn ich fragen darf?" sagte im bescheidensten Ton« daS Mädchen

„Dori gibt es nichts Neues; ober in Fulda gehe« arge Dinge vor, da ist ein förmlicher Aufstand los gebrochen; vielleicht wird die Landwiliz in unserer »egenö noch heute Nacht allarmiert und muh in bte Residenz ziehen, um den Aufruhr mit Waffengewalt zu dämpfen."

„Scherzen Sie, Herr Doktor, oder ist es Ihr Ernst? wer hat denn die Rebellion gemacht?" fragte Rörchen.

„Die Schneider haben sich empört, weil der Herbergsvater den ehrsamen Zunftgenoffen zum fest­lichen Mahle des Frühlingsbratens ein Zicklein auf. getischt hat, worin fie eine Anspielung und Verhöhnung ihres Handwerks erblickten. Die »üben Burschen habe« Gläser und Teller zum Fenster hinausgeworfen, den Ofen in der Stube umgenffnt, die Fenster ein­geschlagen, das neue französische Freiheitslied die Marseillaise, gesungen und über den Herbergsvater lernten: An die Laterne mit ihm! Ein Glück nur, daß in Fulda Straßenbeleuchtung und Laterreupsähle noch nicht eingeführt find, sonst hätte dem Wirte ein Leid passiren können. Endlich ist der Bizedom^) mit mehreren Grenadieren und Btttrivögten herbeigeeilt, hat fünf Rädelsführer verhaften und auf das Frank­furter To- setzen lassen; nun hat der Geist der Empörung erst recht bte ganze Zunft ergriffen: kein Schneider will einen Stich tun, und wen« den An­gestellten und Bürgern die Kleider in Fetzen vom «tibe fallen, bis feine gefangenen Brüder frei gegeben find. Weder gute Worte noch Strafa.idr»)ungeu können die aufgeregten Gemüter beschwichtigen, di- ganze Handwerk bildet eine große Verschwörung. Man

Zuloa, Montag, den 18. Januar 1901

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31. Jahrgang

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Ein neuer wirtschaft-

Gegenüber den wehleidigen Klagen über dis Finanzrot ur.b den sehnsüchtigen Rufen nach einet ReichSsinanzreforrn, die wir sonst von den Bundesregierungen zu verr-effwen gewohnt find, berührt es sehr angenehm, daß bte Thronrede ein befriedigendes Bild von der Finanz­lag e entwerten kann. Em neuer wirtschaft­licher Aufschwung hat den Verkehr auf den Staatsdahnen wieder belebt und die Staats entnahmen gehoben. Infolgedessen wird für daS

Berlin, den 16. Januar 1904.

X Das Kröttuugs «ud Ordeusfest wurde am Samstag im Kgl Schlosse zu Berlin mit den üblichen Feierlichkeiten begangen Die Zahl der verliehenen Orden und Ehrenzeichen ist wiederum sehr groß; die Aufzählung derselben -üllt 36 Spalten der Reichsanzeigers. Auffallend ist, daß die Provinz Hessen-Nassau dabei — vom Militär abgesehen — saft vollständig übergangen rootben ist. Von bekannten Parlamen­tariern unb Beamten wurden ausgezeichnet: mit dem Stern zum Roten Adlerorden 2. Klaffe: Oberbürgermeister Becker in Köln; mit dem Roten Adlerorden 3. Klaffe: Graf von und zu Hoensbroech zu Geldern; mildem Roten Adler» uroen 4. Klasse: Abg. Arendt in Berlin; Fritzen, Amtsgerichtsrat in Dülken: Herold, Gutsbesitzer in Löoelmktoe; Krebs, Amtsge­richtsrat in Liebstadt; Pingen, Gutsbesitzer in Dicobshof bei Sechtem; Dr. £)pf etgelt, Amts» gerichtsrat in Geilenkirchen; Trirnborn, Justiz­rat in Köln. Aus dem höheren tatff. KleruS wurden ausgezeichnet: mit dem Roten Adlerorden 2. Klasse: Parmet, Domprobst in Münster; Dr. Koch, Militäroberpfart er des 18. Armee» korpS; mit dem Roten Adlerorden 4. Klaffe: Hoffeifel, Stadtpfarrer in Schweidnitz; Dr. Speit, Generalvikar in Breslau.

Im ü.rigen reicht jo bas Angelündiglr „zur Not" für eine normale Tagung ans. Der Etat wirb dusmal wohl roieber niefft rechtzeitig fertig werben, ba einerfetls bet ßanotac (p4t einberusen ist, anderseits Ostern ziemlich srstff fällt. Wohl könnten die zur Verfügung stehenden 9 bis 10 Wochen zur gründlicher Prüfung des Etats aut reichen, aber man hat sich ja im Ab- georbnetenffivie auch offne Sozieldemokraten mehr unb mehr an be enbl0sen Etats- bebatten über alles unb noch einiges gewöhn. Müssen noch einige Wochen nach Ostern für ben Etat verwendet werben, to schrumpft bte für die übrigen Vorlagen zur Ver­fügung stehende fre.e Zeit stark zusammen. Tas könnte eimm Teile der wasserw rischastlichen Vortagen gefährlich weiden. Glücklicherweise Haden die Neuwahlen an der Zusammensetzung kes Abgeordnetenhauses so gut wie nichts geän­dert, fo baß sich die Dinge so ziemlich im ge­wogenen Geleise bewegen werden, wenn eS auch zu Anfang an einigen Abrechnungen zwischen der Rechten und den Nationallibrralen nicht -efflen dürfte. Es wird ja wohl auch an Be­mühungen nicht fehlen, das Zufa mmenwirken von Konservativen und Zentrum zu törett. Hoffentlich ohne Erfolg.

(:) Die Eröffnung öes Landtages erfolgte, wie schon telegraphisch gemeldet, am Samstag vormittag 11 Uhr, i« der allerletzten „ach der Verfassung zulässigen Stunde. D^r Landtag muß nämlich in der ersten Hälfte deS Monats Januar zusammentreten, also vor dem Mittag- des 16. Januar.

Die Thronrede,

die vom Kaiser persönlich verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Erlemcht«, edle und geehrte Herren von Pride« Häuser« des Landtags!

Indem Ich Sie am Beginn etnei neuen Abschnitts der parlamentarischen Arbeiten begrüße, ist es Meinem Herze» Bedürfnis, zunächst Meinem tiefempfundenen Dank Ausdruck zu ve.leihen: dem Dank gegen die göttliche Vorsehung, die Mir eine schnelle Genesung schenkte, unb dem Dank gegen Mein Volt, das in allen seinen Schichten voll inniger Xeil oahrne seinem Landesherr» die Treue bewährte, die in guten und bösen Tagen Preußens König und Volk uutrenndar verbindet.

Zahlreich und schwerwiegend sind die Aufgaben, für deren gedeihliche Lösung Ich auf Ji-re einsichtsvolle Mitarbeit rechne.

Die Finanzlage des Staates hat sich nach einer lurzen Zeit des Rückganges wieder günstiger gestaltet. ®in neuer wirtschaftlicher Auf­schwung zeigt sich in der Wiederbelebung des Ver­kehrs bei den Staatsbahnen und in der Hebung der Sta tseiunahmeu. Die Rechnung des Jahres 1902 hat günstig abgeschlossen. Im Rech­nungsjahr 1903 wird voraussichtlich d<w zur Verfügung gestellte Staatskredtl von 70 Millionen nicht in Anspruch genommen werden. Es wird sich vielmehr noch ein Ueberschnß ergeben. Auch un Entwurf beS StaatshanshaltsetatS für 1904 war es mögtich, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben herzustellen.

Ohne außerordentlich« Mittel zu Hilfe zu nehmen, ist den wachsenden Anforderungen einer fortschreitenden Sulturentwidelnr.g Rechnung getragen worden. Für die Ausgestaltung der Anlagen unb bie Vermehrung der Betriebsmittel ber Staytseisenbahnen finb reiche Beträge vorgesehen Der gelingst befotbeten Klaffe ihrer Angestellten, ben Bahnwärtern, ist eine Sehaltsaufbessernng zugebacht. Zur Er. Weiterung beS Bahnnetzes und zur Unterstützung von Kleinbahnunter.',«hmungen, die der wirtschaftlichen Förderung beS Lanbes dienen, werden wieder erheb­liche Mittel von Ihnen erbeten werben. Ebenso wirb ber bereits in ben Vorjahren beschrittene Weg einer Verbesserung ber Wohnungsverhältnisse ber in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und der gering besoldeten Beamten in einer neuen Ge­setzesvorlage weiter verfolgt.

Zn Meiner lebhaften Befriedigung hat die vor­jährige große Ausstellung der Deutschen Landwirt- schastsgefellschaft Meine Ueberjeugung gefestigt, baß die landwirtschaftliche Bevölkerung aller Provinzen tatkräftig bestrebt ist, die Errungenschaften

laufende Slairjahr der bewilligte Kr.-du von 70 Millionen nicht in Anspruch geuommm werben; es wird sich oielwehr noch ein tte-der - sck. uß ergaben. Wie groß b e;er etwa jein wirb, sagt die Thronrede cUtrbinps nicht. Man ist aber schon zufiiedrn, wenn sich über Haupt einer ergü-t. Auch der «tue Siat für 1904 bedarf zur Herstelli ng des Gleichgewifttt in Einnahmen und Ausgaben keiner Anleihe. Es wirb sich vielmehr offne Zuhilfenahme außer- ordentlich-r Mittel außer der Verm-Hruvg ber Betriebsmittel und ber Dusgestaklung ber An­lagen der Eisenbahnen auch eine Geffa ls uf besserung ber Bahnwärter ei möglichen lassen. Die übliche Sekundärbahnvorla ge wird natürlich cueff nicht ausbleiben. Desgleichen werden abermals Mittel zrr Besserung der Woffnunasverhältniffe ber Arbeiter in Staats betrieben und der gering besoldeten Beamten aufgeworfen werden.

Die wasserwirtschaftliche Vorlage ist in vier getrennte Gesetzentwürfe zerlegt worden, bie erst um kleinen Teile fertig sind. Sofort wird dem Landtage nur die Vorlage wegen Verbesseruno, der Vorflut an der unteren Oder und Havel owte an der Spree zugehen. Noch in Vorbe­reitung ist der Gesetzentwurf über die Regelung Der Hochwasserverffältnisse an der oberen und mittleren Spree. Noch weiter zurück ist eine Vorlage über die allgemeine Regelung der Frei- haltung des Ueberschwemmungsgebietes der Flüsse. Die Thronrede sagt nur, eine solche Regelung ei „beabsichtigt". ' Die eigentliche Kanalvorlage endlich wird, wie man bereits weiß, nicht mehr den ganzen Mittellandkanal fordern, sondern nur di» Strecke vorn Rhein bis Hannover. Außerdem wird sie den Großschiffaffrtsweg Berlin-Stettin, t>r Kanalisierung der Oder von der Mündung Der Glatzer Neisse bis Breslau unb die Ver­besserung der Oder-Weichsel-Wasserstraße einschl. der Warthe enthalten.

Von sonstigen Vorlagen erwähnt die Thronrede nichts. Auf die Verschiebung des Schulunterffaltungsgesetzes bis zur nächsten Tagung war man ja schon vorbereitet. Aber daß auch fern Wort von der geplanten Abänderung des Vereinsgesetzes (Verbot der polnischen Sprache in Versammlungen usw.) gesagt wirb, ist auffallend. Die Ankündigung einer wirklichen Wahlrechtsreform hatten wir natürlich nicht er­wartet, aber es war doch von einer Aenderung einzelner Wahlkreise und dergleichen Kleinigkeiten die Rede gewesen. Auch hierüber schweigt die Thronrede Allerdings sink» schon oft Vorlagen gekommen, bie in der Thronrede nicht angekün­digt roa.en, und so wird es wohl auch diesmal sein. In extrem „agrarischen" Kreisen wird man es wohl übel vermerken, daß zwar die landwirt­schaftliche Bevölkerung für ihre Tatkraft Worte des Lobes erhält, die Notlage der Landwirtschaft aber nicht nochmals ausdrücklich anerkannt und keine Maßnahme zu ihrer Bekämpfung ange- kundigt wird.

von Wissen schatt unb Praxis ju benütze» ll'.d «• in h^tem Kampf« die Erträge b<8 heimatlichen Bodens ju vermehre». Mit um so größerer unb schmerzlicher Teilnahme erfüllt Mch die Heimsuchung mehrerer östlicher Provinzen, ,ame»tlich Schlesiens, durch verheerende Hochwasser. Zur Lmberun, ber Schüben finb Staa-smittek in erheblichem Uv fange bereilgestellt worden, für bereu Sßtrwenbung Ihre nachtrSgliche Zustimmung kit?>hvlt n>hb.

Den Gegenstand Meiner sonderen Fürsorge bildet bas Bestrebe» bte Hochwaffergesabren durch Ausbau der Flüsse und zweckmäßige Gestaltung ihres Ueberschwemmungsgebietes dauernd zu ver­mindern. Daher wird Ihnen ein Gesetzentwurf alSbald ,»gehen, worin für eine Verbesserung der Bor­flut an bet unteren Ober und Havel sowie a» der Spree die Mit«! gefordert werben. Ein weite-er Gesetzentwurf für die Regelung ber Hoch- waf s«rverh ältnif s e an der oberen unb mittleren Oder ist in Vorbereitung. Er wirb Ihnen nach Fe tigstellung vorgelegt werben. Auch eine allgemeine gesetzliche Regelung ber Freihaltung bes Ueberschwemmungsgebietes der Flüsse ist beabsichtigt.

Ferner wirb von Ihnen die Bewilligung bei Kosten für bie ustwendigste Ergänzung des Netzes der Binnenwafsersttaßen beantragt werben. 3m Hinblick auf bie erhebliche» Staatsmittel, bie ber unaufschiebbare Schutz gegen Hochwassergefahren et« hnscht, beschränken sich diese Forderungen auf den Ausbau bet bringlichsten Wasserstraßen im Osten und Westen der Monarchie, unb zwar auf ben Ausbau bcS Sroßschiffahrtsweges Berlin- Stettin, die Kanalisierung bet Oder von der Mündung der Glatzet Neisse bis Breslau, die Ber- beffernng bet Ob et-Weich sek-Wasserstraße ein schließlich bet Warthe unb auf bie Herstellung einer Schiffahrtsstraße vom Rhein bis nach Hannover.

In bet «ussöhrmig dieser Vorlagen erblicke Ich eine der volkswirtschaftlich wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Zwei großen Staats intereffen soll in gleichem Maße gebient werben: bem Schutz „nd b.t Förderung, deren die Landwirtschaft bedarf, wie der Sicherung unb Befestig- ng ber Stellung, welche Handel und Industrie in rastloser Arbeit sich errungen haben.

Mit Vertraue» und Zuversicht sehe Ich den, Verlauf Ihrer Beratungen entgegen.

Dir beide» Häuser beS Landtages wirb fortan ein Heim vereinigen; möge der gemeinsamen Arbeit an gemeinsamer Stätte ein voller Erfolg beschiede» fein •'

eutsebes Reich.