31. Jahrgang
zulda, Samstag, den 16. Januar 1904
Im Herbst
erstes Blatt ,
Die Ostmarken-Zulagen, die im Militär-Etat ge* fordert werden, werden ohne Zweifel gleichfallabgelehnt werden.
§ Alle Tag- Interpellationen, „Kinder, das hält ja kein Viech aus", wie Geraste Auer sagt. Es hatte fich denn auch heute ein beträchtlicher Teil der Abg ordneten „cebifldt*. Am Bundesrotstische thronte diesmal statt des „Grafen im Barte" aus dem Reichsamt des Innern eiv- sam der blaub, drillte Staatssekretär Dr. Nieder- oing, um die uationalliberale Interpellation wegen Aushebung des Zeugniszwanges sür dre Presse zu beantworten. Der „Begründer" der Interpellation war abermars ein Neuling, nämlich der Verleger des nationalliberalen ,Hann Kurier' Dr. Jaenecke, ein zwar noch zieu» ich junger (geb. 1869), aber doch schon sehr kahlköpfiger Herr. Es war überhaupr wieder so ein Tag neugebackener Parlamentarier. Außer dem Genannten sprachen von Neulingen noch der Pole KulerSki, der fich einen Ordnungsruf sür die Behauptung zuzog, naß die Gerichte im Osten politisch verseucht seien, und dann auf den Ordnungsruf hin den Wahrheitsbew« is für seine Behauptung antreten zu wollen erklärte, der freifinnig volksparteiliche Dr. Ablaß und cer„viel- a-wandte", augenblicklich „freisinnig vereinigte" v. Ger lach. DaS Ergebnis der Verhandlung war, daß die Regierung mit der Regelung deS Zeugniszwangsverfahrens bis zur allgemeinen Reform der Sirasprozeßordnung zu warten be« -bsittigt, einer vollständigen Befreiung der Presse vom Zeugniszwange aber nicht zuftimmen wird. Damit schien auch die große Mehrheit des Hauses einverstanden zu sein, da man fich nicht verhehlen konnte, daß die gänzliche Gleichstellung des Redakleirrs mit dem Geistlichen, Arzte und Rech'sanwalte doch ihr Bedenkliches habe. In diesem Sinne äußerte sich auch der »bg. Roeren. Trotz 4xh Ündiger Verhandlung wurde übrigens heute die Besprechung nicht zu Ende geführt. Die Fortsetzung wurde vertagt, indes auf einen ganz unbestimmten Zeitpunkt, der wohl aus den St. Nimmerleinstag fallen wird. Für Montag stehen ^>te beiden noch rückständigen Interpellationen uuf der Tagesordnung. Sie werden wobl aber an diesem Tage nicht erledigt werden. Die Interpellation der Konservativen wegen der Kündigung der Handelsverträge wird nicht der Retchslanzler persönlich, sondern Graf Posadowsky in seinem Aiftrage beantworten. Wahrscheinlich wird dieser mit cintutn allgemeinen Wendungen eine positive Antwort ablehnen.
12. Sitzung vom 15. Januar 1904.
»mttb JmmS'e: $r. BH«»e’J'»«•
(5oj.) wird angenommen. _______
* Der früHere Reichsgerichtspräsi- deut v. Oelschläger ist gestern abend in Charlotten bürg gestorben. Er war am 16. Mai 1831 als Sohn eines ostpreußischen Rittergutsbesitzers geboren, er hat also ein Alter von nicht ganz 73 Jahren erreicht. Im Mai 1888 wurde er vom Kaiser Friedrich geadelt, am 19. Februar 1889 Staatssekretär des Reichs- justizckmts und 1891 als Nachfolger Simsons Präsident des Reichsgerichts. C vorigen Jahres nahm er seinen Abschied," Md der Direktor im Reichsjustizamt Gutbrod wurde sein Nachfolger.
MptzetNi ttflttch, Nnrnahme der Seen» «nd Zelertage. viertel- jsthrl. ver»§,prel, ohne vringerlohn in» Veßelgeld inZuldaun» «moärtriMk.sopk-.
veraiboarllicher
Deutscher Reich.
Berlin, den 15. Januar 1904
* Im Rittersaale des königlichen -Schloffes Hal heute mittag l1/» Uhr mit der gewohnten Prachtentfaltung die Investitur deS Prinzen der Niederlande, Herzogs Heinrich von Mecklenburg, des Erbprinzen Wilhelm von H-henzollern und des Wirkl. Geh. Rats Georg v. Köller durch den Kaiser als Souverän «nd Oberhaupt des Schwarzen Adlerordens ßattgefunden.
* Der Chef des Militär-Kabinetts General v. Hülfen Haeseler, der sich erst seit 2 Jahren in seiner Stellung befindet, soll nach dem M. Journal'in den nächsten Tagen zurück- treten. Es sollen Meinungsverschiedenheiten über die in letzter Zeit so viel erörterte Unisormfroge Veranlassung zu diesem Rücktritt gegeben haben. Als seinen Nachfolger nennt das Blatt den Generalmajor von Mackensen, z. Z. Kommandeur der Leibgarde-Husaren in Danzig. Der ,Berl. Börs.-Kour.' und die ,Staatsbürger-Ztg.' erklären jedoch die Meldung für vollständig aus der Luft gegriffen. Ein anderes Dementi liegt nicht vor.
Innigen: lit «fe fpaltige PetttreUe oder »ereil Raum 16 Pf«. Reklamen bjepetttzelle 26 Pf«.; bei mietet« Holungen wir) entfpr. Rabatt gewährt.
vruck «ad vertag de« Luldaer Srtiendntckeret in gilb# (Harmonie», Fernsprecher Nr. 9.
der Helikon und P°rr°sios fich «neu Vergleich. mit den B.rgen und Anisen um dre selchte Lan^tadt gefallen loflen mußten, und die mkadtschen^chaser der griechischen Dichter in einfache H^en des U.ster- gründe- verwandelt worden waren. Der Wildmeister in Haselstein, em Jugendfreund Doktor Baldewems wurde von lrtzter.m zur Ferer semes Namenssestes mit einem Glückwunsch in deutschen Kn!. rlmrsen beschenkt; das letzte Mal hatte der Phyükus em Heldengedicht mit der Ueberschrtst: „Ern nemer Nimrod" übersendet, worin die H ldentaten und Ja^dabenteuer d-s Oberamlmannes von B. mit sarkastischem Witz und zahlreichen Anspielungen besungen
Diesen Mann nun, mit d-ffen Persönlichkeit wir ur8 etiraS lange beschäftigt Haien — was die geneigten Leser verzeihen mögen — dem Krankenbette der Jägersfrau. Wit
Emsigkeit wischte der Z-ntPlMu» dr- st°^n Schwe.ß- trrpien) welche der anstrengende Ritt tn der Mittags« h tzc auf feine Stirne geführt hatte, mötelst eines Taschentuches ab, setzte sich auf einen Stuhl, den 'hm Röschen neben das Bett gestellt und fragte mit liebens- wü'd'ger Geschwätzigkeit: „Wie geht'S, wie geht S, Base Rosa Marie? Ihr habt in der verflossenen Nacht dock gut geschlafen?"
„Die Nacht war ziemlich ruhig und fett langer Zeil waren mir wieder einige Stunden Sck.af vergönnt; heute am Tage aber fühle ich heftige Schmerzen.
„Alles nach und nach; Rom ist nickt auf einen Tag g'baut worden und die Schmerzen tirfreien nch auch nicht mit Einem Mole; wird schon Alles bester werden, nur Getuld, und daran fehlt es Euch so wenig als an guter Pfleae. Dos Röschen ist ein charmarteS Kind, man sollte glauben, sie hatte da» Krankenpflecen bei den grauen Schwestern gelernt. Aber i propos, wie sieht el denn aus, trinkt Ihr den Thee von GunderlmännleinSkraut und Wachholder- spitzen neck?"
(Fortsetzung folgt)
0 Die Zag! der Aerzte, welche ihre Verträge mit'Krankenkassen am 1. Januar gekündigt haben, oder in den nächsten Mo- nateu kündigen oder ablaufen lasten, beträgt »ach neuester Schät ung des Leipziger Verbandes der Aerzte über 3000. Die Zahl der Aerzte welche sich mit K'ssenproxiS im deutschen Reiche beschäftigen, wird auf 14» bis 15000 geschätzt.
X Das Direktorium des Zentralvcrbandes deutscher Industrieller hat folgendes he- schloffen: 1. EineZentralstelle der Arbeitgeberverbände zu errichten, um sie zur Bekämpfung unberechtigter Bestrebungen der Arbeiter miteinander in Verbindung zu bringen. 2. Die Mitglieder des Reichstages in einer Em- gabe zu bitten, den Gesetzentwurf betr. die Kaufmannsgerichte abzulehnen.
* Fortzahlung des Lohnes bei staatliche» Arbeitern während der Reserve Übungen re. Nach § 616 des Bürgerlichen
,Kreuzztg/: „Im Gegensätze zu den Antisemiten stehen wir nicht auf dem Standpunkte, daß das Alte Testament für uns minderwertig oder gar zu verwerfen fei. sondern erkennen auch in ihm Gottes Wort. Daß aber P. Weser behauptet, daS „Alte Testament" gehöre vor allem zu den Schätzen des Evangeliums, ist uns sehr neu, aber der Dr. theol. muß es ja bester wisten. Wir würden es nicht glauben, daß D. Weser sich wirklich so ausgesprochen haben sollte, wenn der ,Evang.-Kirchl. Anzeiger', der bekanntlich den Bestrebungen des Evangelischen Sunbe» sehr freundlich gesinnt ist, es nicht selbst berichtete."
\ Nach dem neuen, dem Reichstage zugegangenen Servistarif sollen u. a. in die Klasse I versetzt werden: Baden, Bamberg, Brrbeck, Canstadt, Gelsenkirchen, Groudmz, Hildesheim, Homburg v. d. H., Ingolstadt, Kattowitz, Kehl (Stadt und Dorf), Konstanz, Landau, LudwigSbmg, Mülheim a. Ruhr, Mülheim a. Rhein, Oberhausen, Trier; in die Klaste II: -üaeck, Bocholt, Bottrop, Bruchsal, Buer, Hamborn, Höchst a. Main, Nauheim, Neustadt, (Oberschlefien), Oh rgs, Offenburg, Poppelsdorf, St. Avold, Wald, Wanne, Walten- scheid, Zweibrücken; in die Klaffe III: Bau St. Manin, Bensberg, Bernstadt, Bltsch. Euskirchen, Eving, Forst, Freisenbruch, Gadderbaum, Geisenheim, Godesberg, Griesheim a. M, Hamm, Herten, Horst (Münster) Horst (Arnsbergs, Kastrop, Katernberg, Königsteele, Kron berg, Krorenberg, Langerfeld, Lüttgendortmund, Mettmann, Ober Ursel, Oeynhausen, Osterfeld, Ralh, Recklinghausen, Remagen, Rüttenscheid, Zoppot.
parlamentarische Nachrichten.
* Die Eröffnuu ge sitzungen im neuen Herrenhause, die morgen für 2 Uhr nachmittags anberaumt ist, wird ein etwas feierliches Gep-äge haben. Die Mitglieder des HauseS werden, der Bedeutung des Augenblicks entsprechend, das erste Mal in ihrem neuen Heim im Gesellichaflsarzug bezw. Uniform erscheinen. Ob der Ministerpräsident Gras Bülow, den man mit dem gesamten Königlichen Staatsministerium erwartet, eine auf den Tag bezügliche Ansprache hält, wird sich aus der Situation e’ geben; off ziell ist nichts angekündigt.
** Die Budget Kommission des Reichstages hat heute mit 19 gegen 8 Stimmen die Oftmarken- Zulagen für die Post- und Telegrapben-Beamten abgelehnt. Es half dem Staatssekretär Dr. Kraetke nichts, daß er versicherte, es handele sich hier um keine potitische Maßregel, sondern nur darum, daß die Postbeamten nicht schlechter gestellt seien als die übrigen. Die Mehrheit, zu der an erster Stelle die Zentrums - Mitglieder gehörten, wollte von einer Unterstützung des Hakatismus durch das Reich nichts wissen. Von nationalliberaler Seite wird erklärt, daß man für die Gewährung der Zulagen, aber gegen die Widerruflichkeit sei. Die Zentrums-Mitglieder waren aber sowohl gegen unwiderrufliche wie gegen widerrufliche Zulagen.
zu rebtn m d sich verständlich zu machen während sein untrschölfl cher Humor oft n->ck b-ff re Dienste leiste:e als dir ver rtmeien Arzneimittel. Trotz dieses einfachen und naturwüchsigen Wesens standen die Kenntnisse des CeniphysikuS in hohem Ruse. Da wuchs kein Krämchen im Fuldaer Land, er wußte die Stelle, wo es zu finden war und kannte irgend eine heilsame Wakuaa desselben. Sein Ansehen als Gerichtsarzt war g'oß und seine Stimme in dies m Fache gewichtig. Der Malifitsekretär der weltlichen Regierung in Fulda hatte in seiner R-Positur eine betontere Abteilung für die Visa reperta, welcher Doktor Bildewein ein- fchickte, und in schwierigen peinlichen Fällen fragten die Räte der obetpen Gerichtshofes mit bedeutsamem Blicke einander, war sollte woh- der CeniptysikuS in Geisa hierüber sagen. Setten wrr eine wichtige Konsultation in der R fidenzstadt, zu der man, wenn e8 möglich war, den G-isaer Dok or nicht einlu", und wehe dann den jungen, etwa» vorlauten Aerzten, wie fühlte der alte Praktika» ihnen auf den Zahn und fragte sie in fließendem Latein, was beim HippokraieS oder Sydenham, Galen und Friedrich Hc ff mann über den Fall sagten w d W--S für Mtttel diese Meister anrieten. Da gfrg mancher der jungen H rttm, der fich eiubildete, er sei der beste Schüler des berühmten Siebold, weg und trug eine Nase davon, wie sie nicht länger sein konnte.
Auch eine poetische Ader schlvg in diesem Arzte; den lateinischen Dichter Horatiu« konnte er fist auswendig, und wenn em fest! ches Mahl irgendwo statt- fand, woran der CentPhysttuS T'il nahm, so war er nicht allein der munterste Tiichgencffe, der jede Speise mit einem hesondern Lederreim beg'üßte, sondern machte auch den Festredner und brachte in gebundener und ungebundener Rede die Gesundheiten aur. W'NN die ersten Männer Geisa'S, der Sladt- pfarrer und der Oberamtmann, ihren Namenstag feierten, so wurden diese Herren nm Morgen be» östlichen Tages mit einem lateinisch m Gedicht an» be» Phyfiku» gebet überrascht, worin nicht jttien |
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
16 (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
„Nun, liebes Röschen, man muß gerade nicht alles glauben, was erzählt wird; vielleicht reden die Leute dem Foistwart manche; nach, was gar nicht wahr ist Bon seinen losen Streichen habe ich schon viel gehört; nun, in der Jugend macht mancher tolle Streiche und wird in späteren Jahren ein recht braver Mann ; aber daß Wolfmaier auf Religion nichts halte, «st wir doch niemals mit geteilt worden, und während er in hiesiger Gegend bei der Forstsermeffung beschäftigt war, ist er regelmäßig fr beit Sonntag bei hem Pfarrgcttesbienste erschienen. Überhaupt konnte «an über sein Betragen im allgemeinen keine Klage führen; gegen mich war er immer reckt bescheiden und höflich; nur mein Man behauptete oft, der Forft- «oart wolle alles besser wiffen und sei zu Händeln sehr geneigt. Sein Verhältnis zu Christian war nichts weniger als freundlich und feit jener Zeit ist auch Wolirnaier nie wieder m unferm Hause gewesen. Er ist manchmal der Fall, daß solche L ute ihce üblen Steigungen durch den Einfluß eines braven WeibeS ablegr»; derartige Beispiele habe ich schon mehrere erlebt; vielleicht wäre eS auch bei dem Forstwart der Fall, wenn Du den Entschluß faffeu könntest, dem Willen Deines Vaters nachzugeden und dem künftigen Propsteijäger Däne Hand zu »eichen. Da» Opfer, welche» Du dem Willen Deines Vaters brächtest, würde vielleicht nicht unbelohnt bleibent"
„Ach, zu einem solchen Entschluffe gehört viel, ■neuNid; viel, liebe Patin! Der Unterschied zwischen dem guten und wohl hast edlen Junker Heinrich und daw Wolfmaier ist gar zu groß. Wenn e» nicht
Gesetzbuchs wird der durch Dienstvertrag zur Dienstleistung Verpflichtete des Anspruchs auf die vereinbarte Vergütung nicht dadurch verlustig, daß er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. In Ausführung dieser Bestimmung wird, vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten,sür den Bereich der allgemeinen Staatsbauverwaltung angeordnet:
1. Arbeiter, die mindesten» ein Jahr ununterbrochen im Dienste der Verwaltung beschäftigt find, erhalten bei militärischen Hebungen von nicht wehr al« vierzehn Tagen zwei Drittel des Lohne«, wenn fie verheiratet ober überwiegend Ernährer von Familiknangehörig'N find. Bei länger al« vierrehn Tage dauernden Uebungen wird der bezeichnete Teilbetrag des Lohne« nut für die ersten vierzehn Tage gezahlt.
2. Allen Arbeitern robb bei Arbeitsver- sSumni« infolge von Teilnahme an Kontrollversammlungen, Aushebungen und Musterungen, sowie infolge von Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten (Schöffen-, Geschroorenendienst, Wahrnehmung von Terminen als Zeuge, Sachverständiger, Vormund usw., FeuerlöschdikN» auf Grund öffentlich-rechtlicher Verpflichtung, Teilnahme an Reichstags-, Landtags und Kommunalroahlen) der Lohn für dre DauerdernotwendigenAbwesenheitroetter- gernährt; die etwa für Den Zeitverlust anderweit gewährten Entschädigungen sind anzurechnen.
3. In anderen Fällen, namentlich bet ArbertS- v er säumniswe gen drin genderpersönlicher Angelegenheiten bleibt dem treffen der Verwaltung überlassen, den Lohn zu gewähren; dem Arbeiter wird aber ein klagbarer Anspruch hierauf nicht zugestanden. Als Verhtnderungsfälle dteser Art kommen besonders in Frage: Wahrnehmung gerichtlicher Termine in eigenen Angelegenheiten, Anzergen beim Standesamt, EhesLließ ngen des A.beiters, Geburten und Taufen in der eigenen Familre, Todesfälle oder schwere Erkrankungen der nächsten Angehörigen.
Im Uebrigen findet ein Anspruch aus §616 Bürgerliches Gesetzbuch auf Vergütung bei Unterbrechung der Arbeit nickt statt, auch wird eine Anwendung dieser Gesetzesvorschrist auf Er rankungsfälle ausgeschlossen: in letzterer Beziehung kommen die Satzungen der Betriebs- und Baukrankenkaffen zur Anwendung.
Die Dienstverträge mit den Arbeitern find zukünftig nur unter Bei ücksicktigung der vorstehenden Bestimmungen abzuschließen,bestehendeAi beitsordnungen aber entsprechend abzuändern bezw. zu ergänzen.
Die Bestimmungen diese« Erlasses erstrecken fich auf alle Arbeiter, die nicht ausdrücktich nur zu vorüber gehendenZroecken (als Gelegenheitsarbeiter) angenommen worden sind. Als Arbeiter iw Sinnedieser Bestimmungen gelten auch die außeretatsmäßisen Hilfskräfte im Bureau und Außen- (Betriebs-) Dienste mit und ohne Beamteneigenschaft.
Soweit durch frühere dienstpragmatische Bestrm- mungen für die Arbeiter günstigere Fe sitzunaen ge troffen sind (vergleiche Runderlaß vvm 1. Oktober, 27 November 1891 Nr. III 19,285, III 22,657', bleiben diese auch für die Zukunft ungeschmälert in Kraft.
Im .Evangelisch- Kn chltcken Anzeiger' lieft man fotzendes: „Der Evangelische fcttuP veranstaltet auch in diesem Wmler eine Reche wrffenschaftlicher Vorträge in der Aula des Friedrich Wilhelm-Gymnasiums. Den ersten hielt Professor Kautzsch in Halle über die Entstehung des Pentateuch. Vor dem Vorlrage erklärte p. D. Weser, der Evangelische Bund sei nicht nur eine Kampfesorganisation, sondern wolle dem Volke auch die Schätze des Evangeliums erhallen, zu denen vor allem das „Alte Testament" gehöre." Dazu bemerkt die möglich ist, daß die Eltern des Barons ihre Zustimmung geben — und das wird schwerlich der Frll sein — will ich lieber bet meinen Eltern blecken und dieselben in ihren alten Tagen Pflegen, wie ich das al» Kind schuldig bin....." Die Worte der
guten Mädch-n« wurden unterbrochen; Pferdegetrappel ertönte im Hofe, Rörcken eilte an's Fenster; „der Herr Doktor kommt," sagte fie.
In die Stube trat ein Mann von unt-rsetzter Statur und wie e» schien vorgerückteren Lebensjahren Sein Haupthaar war bereits stark mit Grau g-mischt, aber jugendliches Lächeln strahlte auf dem Gesichte dieses Sechziger», sein freundlicheSSchm-mzeln mußte selbst einen ganz trüb gestimmten Ärar k n aufheitern. Mit der Schnelligkeck eine» Jüngling» drehte sich der Herr auf den Fußsp'tzen herum, immer freundlich nickend und fünfmal hmter einander einen „guten Abend" und „Glück in» Haus, Krankhet 'naus" wünschend. ES war der Zent-und Stadiphyfiku» von ® ifa, Herr Joseph Baldewein, der Ärzneize- lahrtheit Dokwr und der Wettweiiheit Magister, ei, Heilkünßlcr von auSgebreitetem Ruse und großer Praxi», obgleich er nicht viel Lärm von seinen glücklichen Kuren machte und gerne von den schweren Kranken erzählte, die er eben behandele, auch keinen Stock mit goldenem Knops trug, den man mit bedeutsamer Miene und gewichtigem Räuspern an die Nase legt, wie daS heutzutage schon junge Aerzte tun, deren räcktliche Ruhe von Hülse rufender Patienten eben nicht gestört wird. In sem Salon einer empfindsamen Dame, die über den Tod ihres Bologneserhündchen» Nervenzufälle bekommt, mochte unter Arzt gerade keine vorteilhafte Figur machen, zumal er in der Konversation bei der Wahl feiner Ausdrücke gerade nicht ängstlich war und sein Kranken ex^mm tote seine ärztlichen Vorschriften ein frhr natürliches und ungekünsielte» Gepräge trugen. Aber in den Häusern der Bürger Und Bauersleute erschien dieser Mann wie ein Engel de» Tröste», er wußte die Sprache de» Kranken und seiner Umgebung
Maer M Zeitung
w->ch-nix!iag«: „Illustrierte Sonntagrzeitung" „Zuldaer Eeschichtsblättcr".