Einzelbild herunterladen
 

trf(W täglich, mit btt $<miv onö Stiertage. Viertel» ßöhrl. Bezugspreir oh«« Briagerlo!)« unb Bestellgeld in Zulba und «nm»Srt,iMk.S«Psg.

verantwortlich«

Zuldaer M Zeitung

IchriftltitenIos-Banm

xKÄi- wocheMUage: „Illustrierte Sonntagrzettung" Monatrdcuage: „zuldaer SeschichtrblStter".

Anzeigen: Vie ein­spaltige Petitzeile eher deren Kaum ZS psg. KeNamen die Petit,eile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewahrt.

Druck und v«lag d« Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie». Zernsprecher Ur. t.

Zulda, Freitag, den 15. Januar 1904.

31. Jahrgang.

Die Reichrregierung und die Rechts­fähigkeit der Verussvcreine.

Die Erklärung des Staatssekretärs Grafen von PosadowSky zu der Interpellation des Zentrums wegen der Berufsvereine und Ar- beitt kammern ließ von vornherein darauf schließen, daß in dieser Sache binnen kurzem etwas Ent­scheidendes geschehen werde. Den Interpellanten ist darüber zwar auch unter der Hand nichts näheres mitgeieilt worden, aber es versteht sich von selbst, daß der Reichskanzler nicht hätte er­klären lasten, er werde in den nächsten vierzehn Tagen anzeigen, an welchem Tage er die Inter pellation beantworten werde, wenn nicht in dieser Zeit eine Aenderung der Sachlage zu erwarten wäre. Schon vor Weihnachten hat er sich zu zu der Abordnung des Frankfurter Arbeiterkon­greffes über den Gegenstand der Intervellation geäußert. Um vor dem Reichstage zu wieder­holen, daß die Arbeiterwünsche geprüft we den sollten, bedurste es nicht nochmals einer vierzehn­tägigen Bedenkzeit.

Man hört denn auch, daß eine Umfrage an die Einzelregierungen ergangen sei, wie sie sich zu der Sache, insbesondere zu der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine stellten. Das heißt also, der Reichskanzler ist geneigt, darauf sinzugehen; andernfalls würde er sicher erst nicht bei den Regierungen anfragen uno mit ihnen unterhandeln. Was die Arbeiter fordern, ist bekanntlich schon vor 14 Jahren in einem der kaiserlichen Februar-Erlasse versprochen worden. Ts wurde nicht gewährt, weil die Regierungen sich von den Bedenken der Scharfmacher beein- stuffen ließen: der Ausbau des Koalitionsrechts und die gesetzliche Organisation der Arbeiter würde nur ein neues Propaganda-Mittel für die Sozialdemokratie abgeben. Es ist wahrscheinlich, daß dies Bedenken auch heute noch nicht überall überwunden ist, und daß man glaubt, man müfje, wenn man den Arbeitern entgegenkomme, zu­gleich Garantien gegen den „Mißbrauch" der Zugeständnisse schaffen.

Gleichwohl hoffen wir auf eine günstige Antwort, eben weil wir nicht annehmen kön­nen, daß die Antwort auf 14 Tage verschoben worden wäre, wena der Reichskanzler nicht auf überwiegend zustimmendeErklärunaender Bundes­regierungen rechnete. Die Bedeutung der gesetz­lich anerkannten und gesicherten Arbeitervertretun­gen für den sozialen Frieden brauchen wir nicht nochmals auseinanderzusetzen. Sogar der sächsi­sche Geheimrat Roscher hat bekanntlich in sei­nem Berichte über Crimmitschau Arbeiter - Aus- schüste für Fabriken als sozialpolitisch wertvoll bezeichnet. Umfassendere Organisationen werden noch größere Bedeutung haben. Wir können das schon am Buchdrucker-Gewerbe beobachten. Die Unternehmer haben die große Organisation der Gehilfen anerkannt und beide Teile verständigen sich von Zeit zu Zeit über den Tarif. Es sind ja in gewissen Zeiträumen auch in diesem Ge­werbe Streiks vorgekommen, aber dank eben der Organisation sind Streitigkeiten hier weit seltener.

AMmeisters Röschen.

Eine Novelle von C. Pfaff.

H ------ (Nachdruck verboten.)

»Ja, das >st ein Staatsherr, der Baron Truchseß, mein S-xl Röschen, so ein Fräulein wie Ihr, das Mte für den braven Junker, wenn er demnächst Oberförster wird und sich emen Hausstand gründe». An so einem Ehepaar Hütt' ich meine Herzensfreude. Ihr seid gerade so gut und so sanftnütig wie der junge Herr, und daß Ihr nicht von Adel serd. ist ja wohl auch nicht erheblich."

Das Mädchen errötete. „Laßt das, Remmertin,* sagte ste nach einer Pause mit weicher Stimme. „Ich habe kein Verlangen üb« meinen Stand erhoben zu we. den und bin auch viel zu einfach «zogen, als daß ich für eine so vornehme Verbindung paßte; außerdem freien die Ad,ligLN niemals aus ihrem Stand. Wir wollen lieber von etwas anderem reden; kommt Ihr noch manchmal zu meiner Tante?"

Noch eine ganze Weile unterhielt sich da» gute Mädchen mit der armen Frau üb« ihre Verhältnisse mid schien sichtlich «freut, ba§ sie in ihrem Elende w viel Unterstützung gefunden habe, besond«- aber Ml Truchseß'schen Hause, dessen Angehörige die Alte «cht genug loben konnte. Endlich setzte die Frau ihren Weg nach dem Most« fort

_ ®$nee toar geschmolzen; nur 'N einigen Schluchten oes Rr,ör-g?brrq,- lagen noch einzelne mit schwutziggrau« Kruste bedeckte Schichten und harrten d« Julitag- , die sie verdrängen sollten. Recht freundlich schien die volle Maisonne wider die Sp tzbrett« des Forsthcuse«zu Schwarzbach, und milde Frühlings- lüste säuselten mir ei quickendem Hauche in jm gen Linden, welche des Revier jäger» sorgsame Hand vor dem Einganze fein« friedlichen Wohnung gepflanzt

als in irgend einem andern Gewerbszwerge. Daraus rst doch zu schließen, daß Organisationen, zumal gesetzlich anerkannte, auch in anderen Gewerbs­zweigen vorzugsweise dem Frieden dienen würden.

Und was wäre dann erreicht, wenn man die Wünsche der Arbeiterschaft weiter ablehnt? Die Sozialdemokratie wird davon sicher keinen Scha den haben Ihre Gewerkschaften bestehen, blühen und wachsen weher und führen Kämpfe mit den Unternehmern wie bisher, oder vielmehr immer häufiger und schärfer. Dre übrige Arbeiterschaft wird teils mittels Zwanges z> m Eintritt in d e Gewerkschaften bewogen, teils fäL f sie ihnen frei­willig zu aus Aerger über die Ablehnung ihrer Wünsche oder in Erkenntnis der Vorteile, die die Zugehör'gkeit zu einer starken Gewecklchaft gewährt. Daß bte Sozialdemokratie noch größere Geschäfte machte, nenn sie die gesetzlich geschützten Berufsvereine und Organisationen ausnutzen könnte, bezweifeln wir sehr. Die große Maste der mchisozialoemokratifchen Arbeiter ist wenigstens der Ueberzeugung. daß sie der Sozialdemokratie viel wirksamer die Stange halten könnten, wenn sie in starken, g> sicherten Organisationen wirken und auch dir vielen minder regsamen Arbeiter heranziehen, aufklären und zum Widerstande gegen die Umsturzideen erziehen könnten.

Jm konservativen Lager hat man bisher starkes Mißtrauen gegen Arbeiterorganisation n gezeigt. Wir sehen aber, daß sich auch da mehr und mehr die richtige Einsicht Bahn bricht. Die Besorgnis vor einer „SRebeUion" der ländlichen Arbeit« sollte ihnen doch die Bugen nicht da­gegen verschließen, daß die jetzige Anarchie, in der dir organisierten Sozialdemokraten immer neue Kämpfe mit den Umernehmern Hervorrufen und jeden Augenblick den ruhigen Gang bald dieses bald jenes Gewerbszweiges stören, unbe­dingt schlimmer und der Sozialdemokratie för­derlicher ist, als der Zustand werden kann, wenn gesetzlich anerkannte Arbeitervertretungen mit den Unternehmern die Arbrilsbedingung nvereinbaren. Sollte der Reichskanzler demnächst auf die Jn- terpettalion des Zentrums eine günstige Antwort erteilen, so wird das hoffemlich auch die Be- oenken mancher Gegner der Arbeiterforderungen zerstreuen.

Berlin, den 14. Januar 1904.

* Die Sachverständigen-Kommtssion zur Vorberatung der Reform der Straspro- zeffordnung wird zunächst am 19. ds. Mts. wieder zusammentreten. Ueber die Fragen der Einführung der Berufung und Verwendung des Laienelements wird voraussichtlich erst im April oder Mai von der Kommission diskutiert werden können.

§ Der Bund der Industriellen (Ge- fchastsfährender Ausschuß) hm in seiner Sitzung

batte. In dem Laube der Bäum-zwitscherte lustigem Sperling, mit lauter (Stimme seine auf dem Hof-- umherfletternden Kinder einladend, stch mit ihm des erquickenden Schattens zu freuen. Ringeltauben saßen ans dem Firste der Hauses und machten zierliche Verbemmngen gegen einander, hier uub da choß eines der sanften Tiere in den Hof nieder, um ein ver­lorenes Korn zu suchen. Das Fenster in der unteren Stube der Jägerhauses war halb geöffnet; die warmen Strahlen der Mittagsonne fiel n hmein; b« Zweig eines nebenstehenden vollblühenden Kirschbaumes hatte sich einen Weg durch das Fenster gesucht und schien die arme Kranke grüßen zu wollen, die seit zwei Monaten schon in die ©tute auf ein schmerzliches Lager gef'sselt war. Die brave Gattin des RevittjägerS lag an der Gicht darnieder; mehrmals schon halte sie daS schwere Leiden befallen; eine Erkältung, im vorigen Winter zugezogen, batte die Krankheit aus'S neue herbeigefuhrt und schwerer als je litt die fromme Dulderin. Zum Glück fehlte es der Leidenden nicht an sorgsamer Pflege; ihr guter Christian, d« Revier­jäger, ein schlichter aber höchst rechtschaffen« Mann, bot aller auf, um seinem erkrankten Weibe Linderung in ihrem schurren Leiden zu verschaffen. Er konnte fr eil u6 nicht viel zu Hause fein, denn fein Amt tief ihn säst täglich in dm Wald; aber so oft « nach Hause kam, brachte er feiner leidenden Gattin etwas mit, was sie erfreute; bald einen Strauß würzig du( lend« Maiblumen, ob« ein paar Reinetteapfel, die eine mildtätige Bäuerin über den Wmt« bewahrt hatte und nun b*r Frau Rmierjägerin zur Erquickung schickte. Und wie glücklich war d« gute Mann eines TugeS, als er mitten in der vollen MittaqShitze von H......zurückkehrte und auS seinem Pürichranzen

zwei forgfältig eingewickelte Apfelsinen hervorholte, die ium b« Löwenwirt beim Weggehen für die kranke Frau mitgegeben hatte; eine um so anerkennenswertere Gabe, al» die seltene Frucht ursprürgl-ch zu ein« Bowle Maiwein bestimmt war, welcher um biefe Zeit b« LSwenwirt zuweilen bereitet?, wenn befonber«

vom 12. ds. Mts. einstimmig beschlossen, der Einladung des Verbandes von Arbeitgebern der sächsischen Textilindustrie zu einer allgemeinen Vorbesprechung über den Zusammenschluß aller Arbeitgeber am 17. ds. Mts. in Berlin Folge zu leisten und die durch eine Gruppe von Industriellen vorberertiten Grundlagen für eine wirksame finanzielle Stärkung der Arbeit­geber gegenüber den Verlusten aus Arbeitsein­stellungen zum Zwecke der Verhütung desseiben grundsätzlich zu vertreten

):( In dem Entwurf wegen Neuordnung des Tervistarifs und der Klaffenernteilung der Orte werden u. A. aus Klaffe I in die Klaffe A versetzt die Städte Breslau, Köln und Leipzig. Diese Versetzung bedeutet für alle bete ligten Be­amten u;ib Offiziere eine erhebliche Steigerung des Wohnungsgeldzuschuffes, für die Offiziere auch eine solche des Servis. In Klaffe 1 beträgt z. B. der Wohnungsgeldzuschuß für höhere Be­amte und Offiziere 660, in Klaffe A 900 Mk-, für mittlere Beamte in Klaffe I 432, in Klaffe A 540 Mark.

• Statt der „Sozialen Geschäftsstelle" sür das evangel fche Deutschland war ursprünglich die Gründung einer „Zentral­stelle sür das evangelische Deutsch­land geplant, die alle Richtungen m sich auf nehmen sollte, von dem Zentialausschuß für innere Mission bis zum Evangelischen Bunde. Es soll di« Besoranis mehrerer großer Ver­bände, in ihrer Selbständigkeit beschränkt zu werden, hindernd dazwischen getreten fein. Die ,Kreuzztg.' glaubt aber, die wahren Gründe seien anderswo zu suchen. Sie schreibt: Wie kann man glauben, daß bei so weitgehenden Meinungsverschiedenheiten grundsätzlich« Art, wie sie zwischen den beteiligten Gruppen und zwischen den leitende« Persönlichkeiten vielfach bestehen, ein einheitliches Zusammenwirken mög­lich sei? Die bloße Tatsache, daß alle evange­lisch getauft sind, reicht dazu noch nicht aus, kann dazu nicht ausreichen, wenn man mehr wlll, als eine rein äußerlich gedachte Kampfes- stellung einzunehmen. Eine solch« Kampfes- stellüng würde, wie gerade die Erfahrung des letzten Jahres lehrt, den Frieden im Innern unserer Kirche weit mehr bedrohen, als der ge­meinsame Gegner. Jm Jayre 1890 wurde bet Evangelisch soziale Kongreß in's Leben gerufen und konnte eine Zeitlang im Segen wirken. Bald aber sorgte das Eindringen des kirchlich- liberalen Elementes dafür, baß die positlo ge­richteten Urheber, vor allem Stöcker, hinaus­gedrängt wurden: Diese Vertreter der „Duld famkeit per excellence können eben keine anderen Götter neben sich leiden. Met welchem Rechte nimmt man also an, daß Positive und Liberale, Gläubige, Halbgläubige und Ungläubige, die­jenigen, die ein roange isches Zentrum e streben und jene, die den Gegensatz der Kirchen aus tiefe beschränkt, nicht aber auf das politische und soziale Leben ausgedehnt wisse» möchten, sich auf ie Dauer vertragen würden?"

§ In Sachen der Wnrmkraukheit will der Handels Minister, wie wir erfahren, eine wei-

werte Gaste zu ihm kamen. Die beste Pfl-germ aber hatte die Kranke an ihrer Pacht»; Roschen war von Haselstnn herübergekommen und versah daS edle Amt einer Krm kenwärterln.

Man sah es dem Zimmer, worin bie Gich.brüchige Lag, gleich beim Emtrelen an, baß hier eine werbliche Hand mit b« jenem Geschlechte eigentümlichen Sorg­alt waltete; alles hatte ein so sauberes Aussehen. Der schwere Ahorntisch in b« Mitte bes Zimmers war so blank gescheuert, baß man mit bem ging« barüber fahren konnte und kein Stäubchen setzte sich an. Die Blumen am Fenster waten so gut gepflegt wie sonst, wenn ihre Pflegerin in gefunben Tagen bie Erbe um bie Stöcke auflockerte unb begoß. Zwei tattliche Geranien vergitterten mit ihren Blättern fast bc8 eine Feust«; zwich-n beiden Stöcken blühte eine Smartste bescheiben aber höchst gefällig in ihrem Topfe, dessen Erbe Mros überbeckte.

Au bem einen Ende des Bettes, worin bie Leidende lag, saß Rörchen mit Saufen beschäftigt; es war kein lebevbkS Wesen weiter in bem Zimm«, eine Bachstelze ausgenommen, bie eben in einem kleinen hölzernen Gesäße chr Bad genommen hatte unb nun burch bas Zimm« hüpfte, bie nassen Febern ans- iüttelnb unb ganz zutraulich sich dem Krankenbette nähernb, als wolle ber kleine Bogel feine Teilnahme der armen Frau bezeigen.

Die Revierjägerin schaute unverwandten BlickeS auf RöSchen, baS emsig bie Strtdnabeln zwischen fen Fing« i hin unb hergleiten ließ unb beu halb vollendeten Baumwollstrumpf heute noch zu Ende bringen zu wollen schien. Endlich sagte bie K an le: „Ich weiß nicht, liebe- Kinb, Du kommst mir seit einig« Zeit fo verändert vor. Deine rühere Munt«, keit ist ganz verschwunben; wenn Du früh« bei uns warst, sangst Du oft ein schönes Sieb ob« «zähltest un- eine luftige Geschichte; jetzt bist Tn immer so ttll und in Dich gekehrt; was rst bie U-fache davon? Deine Umwandlung ist mir schon oft ausgefallen."

„Ach" seufzte bas Mädchen und schwieg.

tere Konferenz der Knappschasisärzte zu Ofletn nach Berlin einberufen.

pürlam entmische Nachrichten.

' Der Teniore«kouvc«t des Reichstag trat heute zu einer Besprechung über die ®e« sa,äftslage zusammen. Präsident Gras Balle­st rem betonte, die Hauptaufgabe fei die r-',t- zeitige Erledigung >es Rerchshaushalls; va$ Haupthindernis liege in den langwierigen Be­sprechungen der Interpellationen. Er bat des­halb, die Interpellationen möglichst einzufchränke» und den Rednern zu empfehlen, sich kurz zu fassen. Er werde für die Interpellationen nur einen Tag zur Besprechung zulassen und bann das Haus befragen, ob Weit«beralung erfolgen solle. Die Schwerinstage werde er möglichst einschränken, bis der Etat erledigt sei. Es wurde über die Sache allerlei hin- und hergesprochen, ohne driß beffere praktische Vorschläge gemacht wurden. Daß die Einschränkung der Debatten wünschenswert fei, wurde ziemlich allgemein au= erkannt. Wie die heutige Plenarsitzung sofort gezerrt h tt, haben ober derartige platonische Er- tlärunge r nicht sehr viel zu bedeuten.,

[?] 5"'e Sitzung des Abgeordnetenhauses, in der die Wahl des Präsidiums vorge- nommen ar d und ber Finanzminister den Etat oorzulegen beabsichtigt, wird nicht schon am I Montag, sondern erst am Dienstag, 19. statt» I finden. Man befürchtet, daß die Vorprüfung oer Wahlakte am Montag zu lange Zeit in An- fprutb nehmen wird, um noch an diesem Tage sowohl die Wahl des Präsidiums als die Vor­legung des Etats.vornehmen zu können. Die wasserwirtschaftliche Vorlage soll bem Abgeordnetenhaus« sofort zu gehen.

*• Die Budgetkom Mission des Reichs­tags strich heute einstimmig beim Etat der Kolonialoerwaltung den Titel „Komrmssionskosten" 35 000 Mark (10 000 Mk. mehr gegen früher). Es stellte sich nämlich heraus, daß aus diesem Titel zwei „Kolonialattochees" in Paris und London, die garnicht bewilligt worden sind und von denen der Reichstag "bisher ntchts wußte, besoldet werden und daß im laufenden Etats­jahre für die beiden „Kommissionen" in den ge­nannten Städten statt der bewilligten 25 000 Mk. bereits 33 000 Mk. ausgegeben worden sind. Die sonderbare Art und Weise, wie sich das Kolonialamt über den Etat Hinwegfetzen zu könne« glaubt, erregte allgemeinen Unwillen unb wurde scharf gerügt.

11. Sitzung Januar 1904.

Eröffnung 1*« Uhr.

Am Bunbekrattiitche: Graf Pofadowsly.

Eingegangen ist eine sozialdemokratische Jnter- pellation betr. das russische Spitzelwesen i« Preußen. _________

„We n Du ein Her-leid hast, kannst Du mir e» anverlrauen; Du bist zwar nur meine Pathin, ober sch habe Dick fo lieb wie mein eigen Kind. Ist beim vielleicht Unfriebe in Eurem Hause; es geht boch sonst bei Euch immer fo christlich unb frlebfam h«, und wenn nicht bie JäqerSlente manchmal zu Euch komme» unb ein wenig Lärm machen, fo ist eS in b« Wfld- meifterei zu Haselstein so st ll wie in einem Kloster."

„Siebe Pathin l Ich wünschte wohl, baß ich i» einem Kloster unb bief« Welt ganz entzog n wäre; hab' schon oft barüber nachgedacht, wie die Schwester meinet Tan'e, bie Jungfer Haveria, im untere» Fulb' so glücklich unb zufrieden ist; bie sucht ihrem himmlischen Bräutigam zu gefallen, unb ich soll Einem aus bieser Welt zu gefallen suchen, beu ich nicht leibe» mag unb kann."

„Nicht wahr, Tu meinst ben Wolfmai« in Schleid« f Ich hab' es mir doch gleich gedacht."

„Ja", bestätigte Röschen. Häufige Tränen netzt« daS Strickzeug.

„Das ist freilich eine schwere Angelegenheit |te Dich. Besteht Dein Bat« noch imm« daraus, daß Du den Forstwart nehmen sollst?"

„So ein cuter Mann er sonst ist, beharrt « doch imme noch auf seinem Wunsche und jetzt um so mehr, als gewiß scheint, daß ber Wollmar« noch in bieftw Sommer Propsteinjähriger in HolMchen wirb."

„Das hat auch mein Christian neulich erzählt; bet Obersorf meist« von Truchseß hat ben Forstwart dem Herrn Probst in Holzkirch en sehr empfohlen."

„Wie ber Oberforstmeister von .Truchsetz? Das kann nicht fein, liebe Pathin, da hobt Jyr Euch ge­wiß verhört."

„Rein, ich «innere mich ganz bkritisch, b« Obev- forstmeist« hat ben Wrlsmai« bestens mpsohlen, unb biefer ist vor vierzehn Tagen selbst in HolM'che» gewesen, um sich dem Herrn Pröpsten voizustell« unb münblich um die Jägerstelle zu bitten, die ihm auch zugefichert worden fein soll."

(Fortsetzung folgt.)