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* Zur Lage in Mafien

* Königsberg i. P, 12. Jan. 1904. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Schneidemüller Karl Eisenberger aus Königsberg zu einem Monat Gefängnis, weil er bei der Reichstags-Stichwahl auf Grund zweier ihm irrtümlich zugesandter Wahleinladungskarten in zwei Bezirken, einmal als Arbeiter, das andere Mal als Schneidemüller, gewählt hat.

Der Widerstreit der Meinungen dauert fort, ob der Friede bewahrt, ob Krieg ausbrechen werde. Lus Petersburg wird der ,Köln. Ztg/ berichtet, daß amtliche russlsche wie japanische Kreise die Lage ruhig auffaffen. In amtlichen russischen wie japanischen Kreisen werde versichert, daß für die Annahme, wegen der russischen Antwort an Japan stehe der Aus­bruch des Krieges bevor, alle Voraussetzungen fehlen. RussischerseitS wird nach wie vor erklärt, die russische Antwort sei versöhnlichen Sinnes und bekunde durch weitestgehendes Entgegen­kommen den Wunsch nach beiderseits befriedigen­der Verständigung. Auf japanischer Seite wird Rußlands Antwort als nicht ganz unbefrie­digend bezeichnet, woraus beroorgeht, daß man in Tokio die russische Note für erörterunzsfähig hält und ihren Inhalt tatsächlich als in gereiftem Grade entgegenkommend ansieht.

Ans dem Kreise Hünfeld, 12. Jan 1904. Im verflossenen Jahre haben die Mit­glieder des Volksoereins für das katho­lische Deutschland in unserm Kreise aner­kanntermaßen große Rührigkeit gezeigt, wie man das bei den Reichs- und Landtagswahlen gesehen hat. Der Volksverein hat sich dadurch in diesem Bezirk nur noch mehr gefestigt und eine Ausdehnung genommen, die beispiellos zu nennen ist. Aber auch im neuen Jahre muß ein jeder katholische Mann der Volksvereinsfahne treu bleiben; kein Mitglied darf verloren gehe». Bringe darum ein jeder mit Ausgabe des dies­jährigen ersten Heftes das kleine Opfer des Der- einsbeitrageS, da die Bedürfnisse der Zentral­stelle M. Gladbach von Jahr zu Jahr sich oer- mehren. Versäume auch kein Mitglied die Ver­

sammlungen. welche zu neuem Eifer anspornen wollen. Die Pfarreien Kirchhasel und Haselste« haben bereits solche geplant. Welche wolle» folgen? Hoffentlich alle! Eine solche Versamm­lung ist ja auch die beste Gelegenheit für die Herren Vertraucnsmänner des Volksoereins, um die Jahresbeiträge zu kassieren. Ist letzteres z« Anfang des Jahres geschehen, so ist im Ver­lause desselben ein Mitgliederabfaü nicht zu befürchten. Als ein Be.spiel von besonderer Rührigkeit steht im neuen Jahre MalgeS (Pfarrei Eiterfeld) da, das bereits die Beiträge für 1904 der Geschäftsstelle übermittelte.

* Niederaula, 12. Jan. 1904. Der Königl. Forstassessor Luther, z. Z. hier, ist zur Ver­tretung des Kegierungs- und Forstrats Kaute während der Tagung des Landtages nach Pots­dam einberufen worden.

sch. Hettenhausen, 13. Jan. 1904. I, der Nacht von Montag auf Dienstag brache« Diebe in das hiesige Stationsgebäude eür. Sir mußten jedoch unverrichteter Sache wieder abziehen; vermutlich sind es dieselben Personen, welche den Diebstahl in Eichenzell verübten.

* Hanau, 12. Jan. 1904. Zu der am 18. ds. Mts beginnenden 1. Schwurgerichts­periode stehen nur 3 Straftaten auf ber Rolle. Die für Montag anstehende Sache ist noch unbestimmt. Am 19. Januar kommt die Sache gegen Bernhard, Magnus und 3 Gemrffe«

Grenze Zusammen flöße stattgefunden. Auch geht das Gerücht, daß in Kumanowo ein Pulverdepot von Aufständischen durch Dyna­mit in die Luft gesprengt worden sei. T,nppen seien bereits zur Verstärkung ab- gegangen, andere würden aus Asien erwartet.

Fulda, den 13. Januar 1904.

(*) Der Entwurf des städtische» Haus- haltsetatS für 1904 liegt von morgen ab acht Tage lang zur Einsicht der Gemeinde-Angehörigen

Tode so geehrt worden, wie unser P. Konrad. In einem Lande, wo um den Tod eines Priesters sich sehr wenige kümmern, ist es ein sicherer Beweis des großen Einflusses, des außerordentlichen Talentes und eines wahrhaft apostolischen Lebens." So jene Mitteilung. Möge der gütige Gott dem apostolischen Wirken des edlen, demütigen Ordensmannes dort oben reichen Apostellohn verleihen! R. i. p.

* Mainz, 12. Jan. 1904. Verschiedene Blätter bringen die Nachricht, der neuerwählte Bischof, Domkapitular und Regens Kirstein werde nicht, wie sonst üblich, in einem öffent­lichen Konsistorium ernannt, sondern mit Rück­sicht auf die bevorstehende Fastenzeit durch ein eigenes Breve des Papstes zur bischöflichen Würde erhoben. Die Konsekration soll, wenn bis dahin alle Formalitäten erfüllt sind, an dem ersten Sonntag im Februar vorgenommen werden. Das Mainzer Journal' bemerkt dazu, daß all diese Meldungen nur Vermutungen sind, die in diesem Falle einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht entbehren. Es sei auch möglich, daß die Weihe am Sonntag Lätare, 13. März statt- findet.

+ Fulda, 13. Jan. 1904. Seine Bischöfl. Gnaden haben folgende Versetzungen bezw. Be­stellungen mit Wirkung vom 15 ds. MtS. ab verfügt: Herr Kuratus Kraus zu Elters zum Pfarrverweser in Bieber, Kreis Geln­hausen, Herr Kooperator Rausch zu Simmers­hausen zum Pfarroerreeser in Michels- rombach, Kr.Hünfeld,HerrKuratus Schmidt zu Weida zum Kuratus in Elters, Kreis Fulda, und Herr Alumnatsflriester August Gnau aus Mendorf zum Kooperator in Sim­mershausen. Kr. Gersfeld.

i* Fulda, 13. Jan. 1904. Ein opferreiches apostolisches Leben hat im fernen Südamerika durch einen erbaulichen Tod feine Laufbahn vollendet. Ein Sohn unsere Diözese und unserer herrlichen Rhön, der hochw. Herr P. Konrad Menz, dessen Tod an anderer Stelle mitgeteilt ist, hat dortselbst eine Wirksamkeit entfaltet, die seinen Landsleuten in der alten Heimat gewiß zur Freude und Erbauung dient. Der hochw. Herr P. Konrad Menz, geb. am 19. November 1859 zu Brand, Pfarrei Reulbach, trat nach mehrjährigem Besuche der Lateinschule zu Maber­zell und des Bischöfl. Konviktes zu Dieburg 1875 in den Jesuitenorden der deutschen Provinz in Holland ein Von da wurde derselbe 1884 nach Brasilien gesandt, um in dortigen Studien-An­stalten als Lehrer tätig zu fein. Daselbst wurde er 1892 Priester. P. Konrad Menz wirkte nun segensreich als Professor im Priefterseminare zu Porto - Alegre, als General - Studienpräfekt im Jesuiten-Kollegium zu San Leopoldo, indem er zur Hebung des katholischen Lebens zwei Ordens- Genossenschaften einführte rc. Insbesondere ist es seinen Bemühungen nach Ueberwindung vieler Hindernisse gelungen, dem genannten Kollegium I von der republikanischen Regierung Gleichstellung mit den staatlichen Gymnasien zu erlangen. Später wurde er dem Kollegium als Rektor vorgesetzt und verschaffte ihm großes Ansehen. Ein zu früher Tod, menschlich beurteilt, vernichtete die großen Hoffnungen, die seine Oberen in den Heimgegangenen setzten. Wie viel Segen der hochw. Pater jedoch in seinen wenigen Priefterjahren gestiftet hat, läßt eine Mitteilung über ihn erkennen, die mir dem Briefe des gen. Ordensoberen entnehmen.Wie viel P. Konrad," schreibt jener,gearbeitet hat für unser Kolleg, weiß nur der, welcher ein wenig Einsicht hat in die Schwierigkeit des Verkehrs mit hiesigen Hochgestellten, besonders für einen Priester. P. Konrad war ein gerviffenhafter Ordensmann, groß angelegt in fein n Plänen für die Kirche, kurz, ein außergewöhnlich begabter und ener- gischer Jesmt. Die Achtung, wel he er genoß, zeigte sich in dem großartigen Begräbnis Nach dem Requiem setzte sich der imposante Trauerzug, wie ihn San Leopoldo noch kaum je gesehen hatte, in Bewegung; Vertreter der Re­gierung, Stadtbeamte, Studenten stritten sich um die Ehre, den Sarg zu tragen. Am Grübe hielt ein brasilianischer Priester, Schüler des P. Konrad, eine herrliche Rede, die alle Zög­linge zu Tränen rührte. 35 Beileidstelegramme, darunter 2 von Bischöfen, 2 Staatsgovernadoren und solche von anderen Herren aus den höchsten Kre'sen trafen ein; 60 herrliche Kränze wurden getragen, ungezählte Briefe kamen an. Alle Zeitungen brachten lange rühmende Nachrufe. Noch kaum je ist einer aus unserer Mitte im

sahrungen mit ihren Anleihen gemacht hätten.

Abg. Dr. Arendt (Rp.) erklärte dasselbe «nd be­tonte, daß auf der Rechten feine Neigung bestehe, an den wichtigeren Bestimmungen des Börsengesetzes zu rütteln.

Auch Abg. Dr. Spahn (Ztr.) äußerte sich in diesem Sinne. Die Zustände vor dem jetzigen Börsengesetz seien schlimmer gewesen, als jetzt. Zur Beseitigung einzelner Härten werde das Zentrum die Hand bieten.

Die Denkschrift über die Anleihen wurde schließ­lich durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt und das Haus kam zur Besprechung der Interpellationen.

An erster Stelle stand die deS Zentrums betreffend die Rechtsfähigkeit der Berufsoereine und die Einführung vonArbeitskammern; dieser Gegenstand, bei dem man eine größere Rede des Abg. Trimborn erwartete, wurde indeffen abgesetzt, weil Staatssekretär Graf PosadowSky erklärte, der Reichskanzler wolle die Interpellation erst später be­antworten. Der Termin soll innerhalb der nächsten 14 Tage bekannt gegeben werden.

Zur Verhandlung kam hierauf die sozialdemokra­tische Interpellation über die Bekämpfung der W ur re- kran kb eit. Abg. Sachse (sozd.) begründete die Interpellation. Er forderte in weitgehendem Umfang die Initiative des R ichs zur Bekämpfung dieser Krankheit.

EtaetZselretär Graf Posadowsky erwiederte, die Wurmtranlheit sei zweifellos so gefährlich und ihre Bekämpfung deshalb so wichtig, daß weder die fiskalischen noch die privaten Greben ein Opfer dafür scheuen dürften. Wissenschaft und Technik müßten bei diesem »! Hand in Hand gehen. Der Staatssekretär ann mit, was in den Bundesstaaten, ausschließ­lich Preußen, und beim Heere zur Bekämpfung der Wurmkrankheit geschehen rst und bezeichnete das Ge­schehene als mtiretcgenb. Die Initiative dem Reich zu überweisen sei unnötig und nicht durchführbar.

Minister Möller betonte, daß in Preußen ebenfalls alles Mögliche zur Bekämpfung der Wurmkrankheit geschehe; er hoffe, daß man die Krankheit bald über­winden werde.

Das HauS beschloß die Besprechung der Inter­pellation, vertagte diese aber bis morgen (Mittwoch).

wahrte den Adjunktus und schritt auf ihn zu milder Frage:Aber mein lieber Wolfmaier, wo stecke« Sie den ganzen Abend, ich habe Sie ja seit unserem ersten Zusammentreffen nicht wieder zu Gesicht bekommen?** Der Ungeredete warf einige unverständliche Worte hin, es begann eine leise Unterredung zwischen ihm und dem Wildmeister; als ste beendigt war, ging der Haselsteiner rasch»« Schritte- und die Hände reibend durch den Saal hin und her. Lästere Falten lagerten auf seiner Stirne, man konnte ste deutlich wahrnehmen, obgleich der Wildmeister be­sonders feinem adligen Gaste gegenüber immer noch An freundliches Geächt anzunehmen sich bemühte. ES folgte eine Pause, Röschen wurde während derselben von ibrem Vater in daS Nebenzimmer gerufen, welches die erftischten Gäste geräumt hatten. Das Mädchen kam zurück und war für den Rest deS abends traurig gestimmt, die freundlichste Zusprache deS Junkers Truchseß wie der übrigen Gäste vermochten sie nicht zu erheitern; das munterste Stücklein der Musikanten konnte ihre Trauer nicht verscheuchen. Die Stunde, wo der Kehraus getanzt wurde, nabte heran, die Tochter des Wildmeister S tanzte noch einmal mit dem Baron.

Ma« ging auseinander, Verbeugungen und Wünsche, daß es recht gut bekomme und man recht bald wi-der sich so fröhlich zusammen finden möge, folgten und wollten kein Ende nehmen; mancher Herr hatte Mühe, seine Angehörigen zum Eiustetgen in den schon stunden­lang harr-nde« Korbwagen zu bewegen. Junker Truchseß beglestete die Familie des Wildmeisters bi« z« ihrem Wagen, er halte kurz vor dem Ende der Festlichkeit eine längere Unterredung mit RöSchenS Mutter geführt, vielleicht hat er die Ursache der traurigen Stimmung d-S Mädchens erfahre«.

Die frommen Schwestern des Benedcktinerinncn- klostens zu Fulda läuteten zur Frühmette, als der Jonker wieder zur Stadt einritt, in einer Stunde hatte er den vierstündigen Weg zurückgelegt.

(Sonsetzung folgt.)

Dagegen wollen die .Times' au§ Peking er­fahren habe«, daß der chinesische Gesandte in I Tokio am Montag dem Prinzen Tsching tele- I graphiert habe, er teile auf Wunsch des japani­schen Ministeriums des Aeußern mit, daß die zweite Antwort Rußlands auf die Vor­schläge Japans eingegangen, jedoch ungünstig sei und von Japan nicht angenommen werden könne. Wenn Rußland nicht nachgebe, werde sich Japan gezwungen sehen, sofort die Waffen zu ergreifen. Im Hinblick auf einen möglichen Ausbruch von Feindseligkeiten ersuche Japan China, die strikteste Neutralität zu bewahren, die im Innern des Landes ansässigen Fremden zu schützen und die Ordnung besonders in Schantung und Jünnan aufrechtzuerhalten, damit fremde Mächte nicht den Vorwand der Unordnung er­greifen, um dort aggressiv vorzugehen. Diese Mitteilung ist wie alle ähnlichen, die aus englischer Quelle stammen, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Zur Beurteilung ihres wirklichen Wertes müßte man genaue Kenntnis von dem Inhalt der von Tokio nach Peking gesandten Depesche haben.

Der japanische Gesandte in London er­klärt auf das Bestimmteste, es sei entschieden nicht wahr, daß der Krieg beschlossene Sache sei. Japan fei noch immer bemüht, Frieden zu halten.

Mit Rüstungen und Verstärkungen ihrer Stellung fahren sowohl die Russen als die Japaner fort.

Auf Korea verstärken die Russen täglich nach einer dem Staatsdepartement der Vereinigten Staaten in Washington am Montag zugegangenen Nachricht ihre Schutztruppe in Söul; auch Frankreich habe Vorkehrungen getroffen, dort eine Schutzwache zu errichten.

* Gegen den pensionierten französischen Divisionsgeneral Cornulier, welcher sich in einem Schreiben an den Kriegsminister darüber beschwert hatte, daß et entgegen dem bisherigen Brauch nicht zum Korpskommandanten ernannt worden sei, wurde am Montag vor einem Disziplinargericht verhandelt. Der General war nicht erschienen. Der Gerichtshof entschied mit 3 gegen 2 Stimmen, daß die Pensionierung des Generals in schlichten Abschied umzuwandeln sei.

0 Siebe« spanische Bischöfe haben in eit ern gemeinsamen Protestschreiben an den Justiz­minister Beschwerde Über die Ausschreitungen der Schmutzprefte geführt. In kaum einem andern Lande der Welt macht sich die Unfittlichkeit in der Presse so breit, wie in Spanien, wo die ge­samte Presse in den Hat den der Freimaurer und Juden ist. In dem Schreiben der Bischöfe an den Minister heißt es:Wir sehen uns ver­anlaßt, Ere. Exzellenz auf die Unverschämtheit einer gewissen Presse aufmerksam zu machen. Diese Presse besudelt die heiligsten Dinge; durch ihre zynische Pornographie sucht sie dir guten Sitten verächtlich zu machen. Unaufhörlich be­wirft sie mit dem Schmutz ihrer Verleumdungen selbst die Bischöfe und Würdenträger der Kirche, welche sie unter Preisgabe . jeder Scham und jeglichen Anstandsgefühls angreift. Der Schutz aber, den uns gegen diese Presse das Gesetz und die Gerichte gewahren, ist nicht hinreichend. Denn aus Gründen, die wir hier nicht zu unter­suchen haben, fällen die Gerichte gewöhnlich erst dann ihre Urteile, wenn das angebliche Verbrechen längst bekannt gemacht, ja oft bereits wieder vergeßen ist, wenn also die Verleumdung längst den Zweck erreicht hat, den die Verleumder an- strebten."

* I« de« spanische« Häfen liegen infolge des MatrosenauSstanves über 100 Schiffe nutzlos da. In Bilbao warfen die Ausständigen mit Steinen nach den Arbeitswilligen. In Barcelona werden die Unterhandlungen" durch die Hart- näckigkeit der Arbeitgeber gehemmt; die Zahl der Ausständigen wächst und Unterstützungen fließen ihnen reichlich zu; sie erklären, daß die Mann- schäften der Post-Dampfer beim ersten Zeichen ihren Dienst niederlegen werden. In Balls (Provinz Tarragona) brach infolge des seit drei Monaten andauernden Streiks der Weberei­arbeiter ein allgemeiner Ausstand aus. Die Arbeit in allen Industrien ist eingestellt.

* Zwischen türkischen Truppe« ««d Baude« vo» Aufständische« haben bei Djumaja Bala an der bulgarischen s

9. Sitzung vo» 12. Januar 1904.

Eröffnung 2'/» Uhr.

Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung »it einem an die Mitglieder des HauseS gerichtete» herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre.

Hierauf wird das vor 5 Wochen vorläufig ge­wählte Präsidium endgiltig gewählt. Der Antrag deS Abg. ». Normann (kons.), den Grafen Ballestrem (Zentrum) als 1. Präsidenten und die Abgg. Graf Stolberg (kons.) und Paasche (ntlb.) als Bize- präfidenten durch Akklamation zu wählen, begegnet keinem Widerspruch. Die Gewähllen nehmen die Wahl an.

ES wird dann eine Reihe von Rechnungs- sachen debatteloS erledigt.

Abg, Dr. Bachem und Abg. Dasbach (Zentrum) rügten es scharf, daß bei den Ausgaben für die Schutz­gebiete für verschiedene Zwecke mehr aufgewendet ist, alS der Reichstag bewilligt (hat. Sie forderten eine genaue Untersuchung und eventuelle Verweigerung der Mittel für die betr. Ueberschreitungen.

Das Haus beschloß die Ueberweisung dieser Rech- «nngen an die RechnungSkommisfion.

Hierauf entspann fich eine Debatte über die Ur­sachen des niedrigen Standes der dreiprozentigen Retchsanleihen und zwar tot Anschluß an eine Denk­schrift über die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anleihegesetze.

Die freisinnige Bolkspartei schickte ein paar neue Finanzgrößen vor, die gegen die Börsengefetzgebung Sturm zu laufen hatten. Die Abgg. Kämpf f und Dore, bekannte Mitglieder der Berliner Finanz- und HandelSwelt, behaupteten, die Börsengesetzgebung sei allein schuld an dem niedrigen Anleihekurs.

Reichsschatzsekretär Stengel trat dem entgegen und stellte fest, daß andere Länder ebenso schlechte Er-

I im Geschäftszimmer Nr. 7 bei Stodtschiofset offen.

* * Der GesangvereinWinfridia" wählte in seiner gefhigen Generaloersamm lunz den bisherigen Vorhand wieder. Rar ax Stelle des reecien Kränklichkeit eine Wiederwahl ablehnenden Kassierers, Schreinermeifler Schmitt, wurde Her Kaufmann Robert Füller gewählt. Der rührige Verein zählt gegenwärtig 108 Mit­glieder uno 4 Ehrenmitglieder.

* Führung des Meistertitels. In der .Deutschen Juristenztg/ wird eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Rostock mitgeteilt, welche sich über die Berechtigung zur Führung des Meister­titels ausspricht. Der Angeklagte war von Be­ruf Klempner, hatte im Jahre 1898 die Meister­prüfung vor der Eisen- und Metallarbeiter-In­nung zu W. bestanden, besaß auch die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen im Klempner-Ge­werbe, betrieb aber seit 1898 kein eigenes Geschäft, sondern leitete das seiner Eheftau gehörige Klempner-Geschäft in deren Namen und für deren Rechnung. Er wurde, weil er ein an den Magistrat zu G. gerichtetes Schreiben mit feinem Namen und dem ZusätzeKlempnermei- ster" unterzeichnet hatte, wegen unbefugter Füh­rung des Meistertitels in Strafe genommen. Wie in dem Urteil ausgeführt, ersetzt die vor der Innung abgelegte Prüfung das Bestehe» der Meisterprüfung nach G.-O. § 133 nicht. Die Führung des Meistertitels in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks ist aber feit dem 1. Oktober 1901 nur noch denen gestattet, die den Anforderungen des § 133 genügen, d. h. die in ihrem Gewerbe die Befugnis zur An­leitung von Lehrlingen erworben und die Meister­prüfung (vor der Prüfungskommission) be­standen habe. Eine Ausnahme hiervon bildet allein die Übergangsbestimmung des Artikels 8 des Gesetzes vom 25. ' Juli 1897, nach welchem auch derjenige befugt ist, den Meistertitel zu führen, welcher in seinem Ge­werbe die Befugnis zur Anleitung von Lehr­lingen besitzt und bei Inkrafttreten dieses Ge­setzes, nämlich am 1. Oktober 1901, persönlich das Handwerk ausübte. Unter selbständiger Ausübung int Sinne dieser Bestimmung ist aber nicht etwa nur dir selbständige Ausführung vom Handwerksarbeiten, sondern der selbständige Be­trieb eines Gewerbes zu verstehen. Da nun der Angeklagte den Betrieb nicht nur für Rechnung, sondern auch im Namen seiner Ehefrau besorgte, war er zur Führung des Meistertitels nicht be­rechtigt.

dP Der deutsche Verein vom heilige« Lande wird auch in diesem Frühjahre eine Pilgerfahrt nach Jerusalem in die Wege leiten. In Jerusalem werden die Pilger Zeuge von der Einweihung der Krypta der Kirche Maria Heimgang und der Grundsteinlegung deS neuen Paulus-Hospizes vor dem Damaskustore sein. Als letzter Termin für die Anmeldung ist der 31. Januar festgesetzt. Bedingungen und Reiseprogramm sind im Anzeigenteile unseres heutigen zweiten Blattes abgedruckt.

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