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8ulda, Mittwoch, den 13. Januar 1904.
31. Jahrgang.
* Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Wenn § 11 der Geschäftsordnung nicht vor- fchriebe, daß das zu Anfang einer Legislaturperiode gewählte Präsidium eine vierwöchige Probezeit durchzumachen habe, und infolgedessen heute nicht die endgiltige Wahl des Prä- N d iu ms auf der Tagesordnung gestanden hätte, so Halle Graf Ballestrem in der heutigen ersten vteichstagssitzung nach den Weihnachtsferien schwerlich so vielen Reichsboten sein Profit Neu- fahr! zurufen können, wie eS, gewiß zu seiner «icy~e/ Fall war. Man hatte nämlich befurchtet, dieSozialdemokraten könnten bei schwacher Beietzung einen Coup versuchen und der Wahl Schwierigkeiten bereiten; deshalb hatten die meisten Parteien ihre M tglieder dringend aufgefordert, zur Stelle zu sein. Da sonst Gegenstände, die die Anwesenheit einer beschlußfähigen Anzahl Abgeordneter notwendig machen konnten, nrchr auf der Tagesordnung standen, so hätte ohne diese Aufforderung das Haus sicher nicht einen so wohltuenden Anblick geboten. Ob die Sozialdemokraten wirklich einen Streich geplant hatten, wissen wir nicht; jedenfalls unternahmen sie kernen. Der Präsident und die beiden Vizepräsidenten wurden auf Vorschlag des Abg. v. Normann „durch Zuruf" (bei dem aber kein Mensch etwas „zuruft") wiedergewählt.
Bon den folgenden sieben Gegenständen der Tagesordnung hatte man erwartet, daß sie so ziemlich ohne Debatte unter allgemeiner Unaufmerksamkeit erledigt werden würden. Denn „Rechnungssachen" pflegen wenig Interesse zu erregen und da heute die Volksvertreter ihr Wiedersehen zu feiern und Neujahrswünsche auszutauschen hatten, so konnte man sich einer so lauten Unterhaltung während der „Beratung" dieser Gegenstände versehen, daß niemand wußte, bei welcher Nummer man eigentlich fei. Es kam jedoch etwas anders. Bei der Beratung der lleberficht der Einnahmen und Ausgaben für 1902 trat sofort Ruhe ein, als der Abg. Du. Bachem das Wort nahm, um, wie schon früher, die großen Etatsüberschreitungen, namentlich beim Kolonialamte zu rügen, die trotz aller Reichs tagsbeschlüffe in aller Gemütsruhe immer wieder gemacht werden. Es wird wohl schließlich nichts übrig bleiben, als nach dem Vorschläge des Abg. Dasbach die nachträgliche Genehmigung der lleberlchreitungen zu verweigern. Das schafft zwar auch das ausgegebene Geld nicht wieder zur Stelle, aber es bereitet den beteiligten Refforts doch Ungelegenheiten bei derOberrechnungskammer, so daß sie sich vielleicht etwas mehr in Acht nehmen.
Infolge des Versehens eines Schriftführers wäre dem Reichstage bei Beratung der Denkschrift über die Ausführung des Anleiheaesetzes
Wildmeisters Röschen.
Eine Novelle von C. Pfaff.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
Bor dem Hause des Löwenwirts in H......
hielt der nächtliche Reisende enrlch an; schnell war Pferd und Hund dem herb eieilenden Hausknechte zur forgfältiaften Pflege übergeben, ihr Herr trat in die untere Stube veK Gasthauses, warf seinen Mantel ab und eilte schnellen Schrittes die Treppe hinauf in beu Tanzsaal. Alle Augen richteten sich auf den eintretenden Fremden, der unerwartet und nur wenigen in der Gesellschaft bekannt zu sein schien. Der Löwenwirt, aus einem Nebenzimmer tretend, das ecks Speisesaal diente, ging auf den Fremd-n zu, machte eine tiefe Verbeugung und sagte mit vielem Anstande: „Untertänigster Diener, Herr Baron! gilt uns die Ehre oder suchen Ew. Hochgeboren jemand?"
„R cht wahr, ein ungeladener, aber vielleicht doch angenehmer Gast, Herr Bürgermeister! und der eigentlich auch jemand sucht," sagte der Angeredete.
„Ein Hofjunker Sr. fürstlichen Gnaseu und noch dazu ein so liebenswürdiger Herr ist stets mir und meinen Kästen w Kommen, aber Sie suchen jemand l"
„Ich glaube ihn schon gesunden zu haben", entgegnete der Junker, zu dem indefftn auch der Wild- meister herangetreten war «nd mir sichtlicher Freude und recht lauter Stimme den Baron Truchs eß von Wetzhausen willkommen dieß, ihn zugleich versichernd, daß die ganze Gesellschaft durch den ebenso un-rwarteten. als liebwerten Besuch stch ge- ehrt Me
„Kommen Sie, gnädiger Herr! .ch will Sie zu mriwr Familie führen, die im Nebenzimmer fitzt und durch Ihre Gegenwart sehr erfreut se n wird; Sie werden einige Erfrischungen anzunehmen nicht ver
eine Börsendebatte beinahe erspart worden. Die Debatte war bereits geschlossen, als sich heraus- st-llte, daß der neugewählte Abg. Kämpf, der einzige nichtsozialdemokratische Vertreter der Stadr Beilin sich zum Worte gemeldet hatte. Herr Kämpf, Stadtältester a. D. und Präsident der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, fühlte offenbar das Bedürfnis, seinen Wählern von Berlin W. und von der Berliner Börse seinen Dank für die Wahl abDstatten, und war deshalb sehr ungehalten, daß ihm so schnöde das Wort abgeschnitten war. Sein Fraktionsgenoffe Richter aber nahm sich seiner an und setzte es Dank der Gefälligkeit des Präsidenten durch, daß die Debatte nochmals eröffnet wurde. So konnte denn Herr Kämpf, ausgehend von dem Schicksale der letzten Reichsanlethe und dem Kurse der Reichsunleihen überhaupt, seine Philippika gegen das böse Börsengesetz und die Börsensteuer halten. Auf der Linken ermunterte man ihn von Zeit zu Zeit durch ein „Sehr rich tig!" und „Bravo!", das aber recht dünn klung, weil es eben nicht allzu viel Freisinnige mehr gibt.
Staatssekretär Frhr. v. Stengel wollte die Folgerungen, die Herr Kämpf aus dem ..Mißerfolge" der letzten Zeichnung auf die Reichsanlethe und aus dem Kursstände zog, nur sehr be dingt gelten lassen Kämpfs Rede rief als Gegner der Börse den Abg. Dr. Arendt auf den Plan und so wurde eine ganz hübsche Debatte über das Börsenqesetz zu stunde gebracht. Auf die dringende Anfrage des Abg. Dove (fr. Vgg ), rpann denn die Novelle zum Börsen- ge etz zu erwarten sei, erfu.gte keine Antwort. Staatssekretär Frhr. v. Stengel, der die Gewohnheit berbrhalten hat, seinen Platz nicht am Bundesratstische, sondern neben dem Rednerpulte zu nehmen, erhob sich zwar und erkundigte sich bei dem Kollegen Grasen v. Posadowsky, ob er antworten solle; dieser muß aber wohl abgeraten haben, denn eine Antwort erfolgte nicht.
Aus den kurzen Bemerkungen des Abg. Dr. Spahn mögen die Gegner des Börsengesetzes ersehen, daß sie auf tiefgreifende „Reformen" des Gesetzes nicht zu hoffen Huben. Er erklärte unumwunden, daß die Zpstände jetzt ganz erheblich besser seien als vor Erlaß des Börsengesetzes.
Von ben .fünf Interpellation«n, die nach den Rechnungssachen auf der Tagesordnung standen, hätte die erste, die Interpellation des Zentrums über die Regelung der Rechtsverhältnisse der Berufsvereine und die Eirichtung von Arbeitskammern sicher die ganze Sitzung au gefüllt. Beabsichtigte doch der Abgeordnete T r r mb o r n allein zwei Stunden zu sprechen, um die Interpellation zu begründen. Auffallend war von vornherein, daß der Reichskanzler nicht an seinem Platze war. Man hätte doch, nachdem er neulich die- Abordnung des Frankfurter Arbeiterkongreffes empfangen und sich sehr freundlich im Sinne der Interpellanten geäußert hatte, erwarten dürfen, daß er bei der Verhandlung wenigstens anwesend sein werde. Es war aber nur auf dem zweiten Platze am Bundesratstische Graf v. Posadowsky
schu ä en,“ agte der Forstmann und nahm den jungen Herrn am Arme.
„Aber zuvor nur ein Wort, bester Wildmeister! Sie w.ffm, wenn zwei Zunstgenossen zusammenkommen, sprechen dieselben gleich von ihrem Handwerk; ich bedarf dringend Ihres Rate-, als eines erprobten Waidmannes, und da ich morgen bei guter Zeit wieder in der Residenz bei Hofe erscheinen muß, möchte ich diese Angelegenheit alsbald erledigen, könnte dieselbetonst leiLtvergeff.n," entgegnetederBaro-.
„Stehe ganz zu Befehl Ew. Gnaden; was betrifft es, wenn ich fragen darf?" sagte der Haselsteiner.
„Kommen Sre auf einen Augenblick herunter, Sie werden die Seche selbst in Augenschein nehmen muffen."
„Schön, schön," erwiderte der Wildmeister; beide Herren verließen den ®act.
Ter Junker führte den Waidmann nach dem Hofe des Gasthauses und nef mit lauter Stimme: „Feldmann!" Der Hühnerhund sprang herbei, welche, den nächtlichen Ritt begleitet hatte, daS Tier schien sichtlich erfreut, seinen Herrn zu sehen.
„WaS halten Sie von dem Hunde, Herr Wildmeister, ist daS Tier wohl preiswürdig, betrachten Sie es genau," sagte Herr von Truchseß, während der nebenstehende Hausknecht mit einer großen Stalllaterne Feldmann im rechten Lichte <rf(Seinen ließ.
Der Haselsteiner betrachtete den Hund nach allen Seiten bin, er untersuchte den Behang, da» Gebiß und die Läuse; mit größter Aufmerksamkeit beobachtete er jede Bewegung Feldmanns. Nach einer Wetle ruhiger Forschung sprach er halblaut: „Feldmann, hm, sonderbar, gerade wie ment treue» Tier". . .. und schien ein* daran sich knüpfende bittere Erinnerung zu verschlucken.
„Luffen Se doch einmal den Hund ar portieren, gnädiger Herr!" bat der Wildmeister. Der Versuch wurde augenblicklich gemacht.
„Das »st ein treffliche Hund, wer bitt denselben dressiert?" sagte jetzt mit erhobener Stimme der Wildmeister.
zu erblicke Die Herren Möller, Niederding usw. neben ihm, das wußte man, waren dieser Interpellation wegen nicht gekommen. Als nun die übliche Frage an den „Vertreter des Reichs kanzlers" gerichtet wurde, ob und wann er zur Beantwortung der Interpellation bereit sei, antworrete dieser, der Reichskanzler werde sich binnen 14 Tagen darüber äußern. Man darf also wohl anrehmen, daß in den nächsten 14 Tagen wichtig- Entscheidungen in der fraglichen Angelegenheit fallen werden. Andernfalls hätte der Reichskanzler doch gl ich antworten können.
Die Interpellation wurde von der Tages- ordnvng abgesetzt und die Interpellation der Sozialdemokraten über die Wurm-Krankheit zur Verhandlung gestellt. Die Begründung des Abg. Sachse und die Antwort des Staats- sekretärs Grafen Posadowsky und des Handelsministers Möller nahmen den Rest der Sitzung in Anspruch, der trotz der Wichtigkeit des Gegenstandes recht eintönig und ermüdend verlief. Die langen Ausführungen des Handelemi isters waren im Zusammenhänge nur den N chststehenden verst ndlich. In die Besprechung der Interpellation soll erst m rg n eingetreten werden. ' Daß die anderen drei Interpellationen morgen gleichfalls noch zur Erledigung kommen könnten, ist ausgeschlossen.
Berlin, den 12. Januar 1904.
** Der bisherige Präsident des Herrenhauses Fürst zn Wied hat eine Wiederwahl in sein parlamentarisch« 8 Amt aus Gesundheitsrücksichten endgiltig abgelehnt.
** Der erste Vizepräsident des Reichstags Graf Udo zu Stolberg Wernigerode, der aus Anlaß der Vermählungsfeier seiner Tochter in Landeshut den Charakter als Wirklicher Ge- Heimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz erhallen hat, ist am 4. März 1840 geboren. Er widmete sich ursprünglich der militärischen Laufbahn und wurde im Juli 1860 Offizier im Regiment der Gardes du Corps, in dem er auch den Feldzug von 1870/71 mit Auszeichnung (Eisernes Kreuz 2. Klasse) mitmachte. Noch während des Feldzuges, im Januar 1871, zum Rittmeister und Kompagniechef befördert, wurde er im August 1872 durch den Tod seines Oheims, des Ob-r- präsidenten von Schlesien Grafen Eberhard v. St.-W., Fideikommißherr auf Koeppelhof bei Landeshut und schied damit aus dem aktiven Militärdienst aus, indem er mit der Uniform seines Regiments zu den Offizieren L la suite der Armee versetzt wurde. 1879 wurde Graf Stolberg mit der Verwaltung des LandratS- amtes im Kreise Landeshut beauftragt und war dann bis 1885 Landrat. Vom August 1891 bis zum März 1895 stand er als Oberpräsident an der Spitze der Provinz Ostpreußen. Dem
„Der Hvfjäger Hasenstab," entgegnete Junker Truchseß.
„Hab es mir doch gleich geduckt, ja, was ans dem seiner Lehre kommt, hat gewiß etwas gelernt; dcsist ein Rüoenmeistcr, so gibt'S nicht viele; was soll der Feldmann losten, Herr Baron?"
„Gar nichts, bester Herr."
„Wie, also ein Geschenk? Da gratuliere ich Ihnen von Herzen."
„Nein, Herr Wildmeister! ich gratuliere Ihnen, der Hund soll Jhr«n Feldmann ersetzen, das wird meine größte Freude fein."
Der Haselsteiner wußte nicht, wie ihm geschehen war, er fiel dem Junker um den HalS und küßte ihn. „Das ist zu viel, zu viel! nein, das muß meine Frau und Röschen wissen," rief er einmal über daS and re- mal und machte Anstalien, den Baron schwebend die Treppe hinauf in den Saal zu tragen, wenn Jener nicht dem Wildreister zuvorgekommen und voraus geeilt wäre, um sich bet stürmischen Freudebezeigungen des WaidmanneS zu entziehen.
Röschen und ihre Stotter batten im Nebenzimmer Platz genommen, um mit den übrigen Ballgästen sich etwas zu erfrischen. Es ging recht heiter und lebhaft in dem frohen Kreise zu, der hier versammelt war; die Mädchen scherzten und kicherten mit einander, ihre Mütter tauschten wechselseitig ihre Erfahrungen über Führung deS Hauswesens aus, hier und da riefen die Witze eines guten Gesellschafters schallendes Gelächter hervor. Ein weit ger ister Herr fesselte seinen Zuhörerkreis durch die Schilderung des wilden Mannes, den er auf der letzten Messe zu Frankfurt gegen billiges Eintrittsgeld gesehen und schien sehr entrüstet zu sein, a!S ein Gutsbesitzer aus der Umgegend ihn ganz unbefangen fragte, ob er auch schon einen lebenden Bären gesehen habe.
Der Jagdjmcker nahm zwischen Röschen und ihrer Mutter Platz ; er nahm die Versicherung der F-au Wrldmeisterir entgegen, daß man im Forsthause zu Haselstein seiner noch in freundlichster Weife gedenke
Herrenhause gehört er seil Dezember 1872 als Vertreter des alten Grundbesitzes im Fürstentum Schweidnitz-Jauer an und ’m Reichstage vertrat er von 1877 bis 1881 und von 1884 bis 1891 den Wahlkreis Rastenburg—Friedland—©erbauen. 1891 legte er das Mandat infolge seiner Ernennung zum Oberpkäfidenten nieder, kehrte 1895 in den Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Oletzko—Lyck zurück und ist seit dem Rücktritt des Herrn v. Frege Erster Vizepräsident des Reichstags. In der Armee bekleidet Graf Stolberg seit dem 27. Januar 1899 den Rang eines Generalmajors L la suite der Armee. Die Universität Königsberg verlieh ihm 1894 da- Ehrendiplom eines Doktors der Rechte.
* Das preussische Abgeordnetenhaus zählt, wie die ,Germ.' mitteilt, gegenwärtig 312 evangelische (protestantische, lutherische), 114 katholische und 7 jüdische Mitglieder. Die 143 Deutschkonservatioen sind sämtlich evangelisch; die 59 Freikonservativen stellen 1, die Freisinnige Volkspartei 2, das Zentrum 97, die Polen 13 katholische Mitglieder; die beiden letzten Fraktionen haben zur Zeit nur katholische Mitglieder. Die 9 Wilden find evangelisch. Jüdischen Glaubens find von den 8 Mitgliedern der Freisinnigen Vereinigung 3, von den 25 Mitgliedern der Freisinnigen Volkspartei 5.
* Unruhen in Deutsch-Südweftafrika. Nach einem Telegramm des Gouvernements Windhuk wird eine Erhebung der Hereros für möglich gehalten, obre daß es seither zu offenen Feindseligkeiten gekommen wäre. Gemeldet sind Ansammlungen bewaffneter Herero- Abteilungen von mehreren hundert Gewehren b« Okahadja und Otjesasu. Zur Verfügung stehen im Norden ungefähr 400 Weiße, die mobil gemacht sind, mit einem Gebirgsgeschütz und drei Maschinengewehren. Die Besatzung von Oka- handja ist auf 90, die Besatzung von Windhuk auf 100 Mann gebracht worden.
* Breslau, 12. Jan. 1904. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabmeits Zur Frühstückstasel war der Oberpräsident Graf o. Zedlitz und Trützschl« und der kommandierende Ger eral des VI. Armeekorps von Woyrsch geladen. Um 11 Uhr wurde auf Befehl des Kaisers die Garnison alarmiert; daran schloß sich eine Parade auf dem Schloßplatz. Der Kaiser schritt zunächst die Fronten ab und ließ dann sämtliche Truppen in Eskadron- bezw. Kompagniesront einmal vorbeimarschieren. Zuerst kamen die Kürassiere, eS folgten die Infanterie, die Artillerie und dann das Trainbataillon Nach dem Vorbeimarsch rückten die Truppen sofort unter klirgendem Spiel in die Kasernen zurück; auf dem Schloß- piatze fand eine ParoleauSgabe statt. — Zn Ehren des Fürsterzbifchofs von Prag Artiherrn von Skrbensky fand heute mittag im fürstbischöflichen Palais ein Frühstück statt, zu dem außer dem Domkapitel der Regierungspräsident von Holwede, die Oberregierung?räte Gärtner und von Wallenberg, sowie der österreichisch-ungarische Konsul, Freiherr von Teufenstein E nladungen erhalten hatten.
und die Hoffnung hege, er weide recht bald wieder dort Einkehr hallen.
Es währte nicht lange, so riefen die Klänge bet Musik zu einem neuen Tanze. Der Waldhornist blies aus Leibeskräfleu; Sandmi ller aibeitete auf fein« Geige, daß man glauben sollte, die Saiten müßten springen. Röschen, das vorhin dem Forstadjunktus von Schleida den Tanz versagt hatte, flog im Steigen mit dem fürstlichen Jagdj iker dahin, und manch« Mutter, deren Tochter sehnsüchtig, aber vergeblich auf einen Tänzer wartete, mochte eben nicht sehr vergnügt sein, daß der Tochter deS WildmerflerS eine solche Auszeichnung zuteil wurde und der hochadelige Junker sich so freundlich gegen daS bescheidene Mädchen benahm.
Der Wildmeister ließ es seincrseitd an Aufmerksamkeit gegen den Sohn feines obersten Vorgesetzten nicht fehlen, er bot alles auf, um Herrn von Truch- setz den Abend so angenehm wie möglich ?u machen. Die Laune deS alten Jägers schien d e beste zu fein, bis fie plötzlich durch einen Zwischenfall getrübt wurde, dessen Zusamm nhang von den Anwesenden wohl erraten, aber nicht ergründet werden konnte.
Wolsmaier, de» wir nach der Schenke geh m sahen, mochte über eine Stunde dort verweilt haben. Sei« Unterhaltung mit dem neben der Schenke fitzenden Kaltchnee wurde immer lebhafter, je stärker seine Rechnung wurde, so daß der Stadtschreiber, dem leicht ein Irrtum bei feinem Geschäfte unterlaufen konnte, plötzlich mit bemerkbarer Verlegenheit an den Forst- adjunktns die Frage richtete: „Ist da» nicht die fünfte Flasche, Herr Wolsmaier, die Sie fich eben reich« lassen?" worauf der Angeredete die Frage mit bem geistreichen Zusätze bejahte: „Ts fei nicht alle Tage Kirmes und so guten Wein bekommt man nicht immer," was Kaltschnee bestätigte.
Endlich erhob fich dir junge Zecher und schritt dem Tanzsaale zu, in dessen halbgeöffneter Türe er Platz nahm, einen unfreundlichen Blick in das Getümmel werfend. Der Wildmeister von Hafelstein ge-