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31. Jahrgang.

zulfta, Montag, den 11. Januar 1904.

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Vrnck nnb Verlag b« znlbaerrlktienbrUckerei in Zulda (Harmonie).

Zernfprecher Nr. 9.

wildmeifterr Röschen.

Sine Novelle von 6- Pfaff.

------ (Nachdruck Verbote».)

*) Der vier geschilderteLSwenwstt von Hünfeld

Johann Leonard Marschall war der Groß- ohoim beb Verfasser» dieser Novelle und de» Bischof» Tanpathe. Seine Schwester Barbara geb. Mar­schall hatte sich nämlich vermählt mit dem vielgereisten Bäckermeister und Ratsherr» zu Hünfeld Johan» Georg Pfaff (geboren am 4 Juni 1747 ziiHerolz »ei Schlüchtern) dessen Vater der Bkt von Herolz, mit dem Namen Konrad Pfaff sprosse einer proic» stanttsche» Kam-lie war, aber wie aus Malkmus in seine» Hnldaer Aoelbwenbüchli-in' erzädlt hat, be» E landen annahm.

(§) Wer wirft Vizepräsident?

Vor einigen Wochen wurde die Frage, ob im Reichstage einem Sozialdemokraten die Stelle eines Vizeprästdenten übertragen werden solle oder könne, lebhaft erörtert. Jetzt hat auch das Abgeordnetenhaus seine Bizeprästdentenfrage, in­dem behauptet wird, die Konservativen wollten die Nationalliberalen (die drittstärkste Partei des Hauses) vom Präsidium ausschließen. Wenn dabei gesagt wird, daß auch die zweitstärkste Partei, das Zentrum, bereits für die „Ab­strafung" der Nattonalliberalen gewonnen sei, so können wir da- entschieden als unrichtig zu­rückweisen. Allerdings muß man zugeben, daß die Nationalliberalen mit Rücksicht aus ihr eigenes Verhalten in jener Zeit, wo sie daS Heft in Händen hatten, kein Recht hätten, sich zu be­klagen, wenn sie jetzt vom Präsidium auS- geschloffen würden. Sicher ist, daß der bis- beuge nationalliberale Vizepräsident Dr. Krause unter den Konservativen zahlreiche segnet rat, bie ihn nicht wiederwählen möchten. Nach der .Kreuzzeitung' haben sie sogar bisher schon mehrmals eine aktive Beteiligung an seiner Wiederwahl abzelehnt. Die »Deutsche Tages­zeitung' setzt ausführlich . die Gründe aus­einander, warum man Herrn Krause nicht mag. Er stehe zu sehr links. Solange die Na­tionalliberalen noch in besseren Beziehungen zu den Konservativen gestanden hätten, habe man aus der Rechten keine Veranlassung ge habt, sich in die Frage einzumischen, welche Persönlichkeit die Stationalliberalen bei der Präsidentenwahl in Vorschlag bringen wollten. Es sei aber nicht unbemerkt geblieben, daß schon seit Jahren in der nationalliberalen Fraktion selbst die Meinung vertreten war, daß wohl eine weniger schroffe und politisch einseitige Persönlichkeit geeignet sein dürfte, als gerade Dr. Krause. Sollte er gleichwohl wieder aufgestellt werden, so wäre das als ein Symptom aufzufassen für die Haltung, die die Nationalliberalen in Zukunft einzunehmen gedächten. Die mit Hilfe der Rechten und des Bundes der Landwirte gewählten National- ttberalen dürften in Tr. Krause keineswegs den geeigneten Vertreter der Fraktion für den Vize- präfidentenposten sehen. Wollten die National­liberalen nicht ganz auf die Mitarbeit »eiter rechts stehender Elemente verzichten, so würden sie gut tun, dem Standpunkt dieser Elemente bei der Präsidentenwahl Rechnung zu tragen.

Wir glauben nicht, daß diese höchst sonder­bare Anschauungen von der M hrheit der Konser­vativen geteilt werden. Wollte die konservative Fraktion nach diesem Rezept handeln, so hieße das die nationalliberale Unsitte wieder einführen, daß bei Besetzung der Armier im Ab­geordnetenhause nach politischen Sympathien und Antipathien verfahren und Rache genommen wirb für das, was die Gegenpartei in oder außer de« Hause getan hat! Dann könnten wir ja am Ende gleich bei dem bisherigen Präsidenten y. Kröcher anfangen und erklären: Nein, dieser Scharfmacher, der unausgesetzt nach dem »starken Mann" ruft und anscheinend allerlei staats-

zu übertragen, würden sie wohl schwerlich durch­dringen. Sie treten deshalb hoffentlich damit nicht erst hervor.

Allerdings müssen wir gestehen: die National- liberalen und Dr. Krause haben Freunde, die es dem Zentrum nicht gerade erleichtern, für sie zu stimmen. Der Evangelische Bund hält es nämlich sür angezeigt, in seiner bekannten Hetz-Korrespondenz für Dr. Krause einzutreten und die angebliche Absicht des Zentrums und der Rechten, ihn „glatt abfallen zu lassen", zu bekämpfen. Gr hofft, daß sich die Brüskierung der Nationalliberalen durch die Rechte noch in letzter Stunde vermeiden lasse, „zumal sich in der nationalliberalen Partei Strömungen empor- arbeiten, die eine Annäherung der gemäßigten Konservativen und Nationalltberaken in der Schulfrage zur Abwehr extremer ultramontaner Wünsche als möglich erscheinen lassen". Da entpuppt sich der „unpolitische" Evangelische Bund also richtig wieder als nationaBiberale Parteiorganisation. Wenn er sich in die Prä-

streichlecische Hintergedanken hegt, gefällt uns nicht; den wählen wir nicht wieder. Da die ganze Linke wenig Siebe zu dem Politiker v Kröcher haben dürfte, wäre eS ihr mit Hilfe des Zentrums wohl nicht so schwer, ihn glänzend durchfallen zu lassen.

Bisher hat als Grundsatz gegolten, daß die Präfidenlenposten nach der Stärke der Fraktionen zu besetzen seien. Wenn dieser Grundsatz in der Praxis auch nicht immer streng befolgt wurde, insbesondere in der Kulturkampfs- zeit nicht gegenüber dem Zentrum, so war er doch theoretisch anerkannt. Wohin kommen wir wieder, wenn diese oder jene Partei ausgeschlossen werden soll, weil die polwsche Haltung dieier Partei oder gar nur einzelner Persönlichkeiten in ihr einer anderen Partei nicht gefällt? Mit den Sozial demokraten im Reichstage hat das eine eigene Bewandtnis, sie find als Beispiel nicht verwend­bar. Heber die Politik der Nationalliberalen sich zu beschweren hat das Zentrum gewiß immer nur zu viel Grund gehabt, weit noch mehr als jetzt die Konservativen. Es ist ihnen nicht ein­gefallen, deshalb einen nationalliberalen Vize­präsidenten abzulehnen. Welche Persönlich­keit eine Partei zu dem Posten vorschlagen will, das muß in der Regel ihr überlassen werden. Hätte der Betreffende sich bereits als durchaus ungenügend für einen Präsidentenpofien erwiesen, so könnten vielleicht die anderen Parteien gegen ihn Einspruch erheben, aber unseres Erachtens auch nur dann, wenn er sein Amt parteiisch ver­waltet oder absichtlich grobe Verstöße gegen die Geschäftsordnung begangen hätte. Bloße Unge­schicklichkeit in der Leitung der Geschäfte wäre unseres Erachtens n-'ch kein Grund, ihn abzu- lehnen. Sonst hätten z. B. im Reichstage die übrigen Parteienden konservativen Vizepräsiden­ten v. Frege nach den ersten Proben ablehnen müffen. Das politische Verhalten eines Abgeord­neten außerhalb seiner Präsidiumsführung könne für dir Frage, ob man ihn als Vizepräsidenten annehmen soll, gar nicht in Betracht kommen, er müßte denn ganz ungewöhnliche und unge- heuerliche Dinge begangen haben.

Die nationalliberale Presse erklärt bestimmt, daß die Partei an Dr. Krause le si­tz alten werde. Wir betrachten das als selbst­verständlich. Sie werden sich doch von der Rechten ihren Kandidaten nicht bestimmen laffen. Neber mäßig viele Sympathie haben wird nicht gerade für ihn, wie überhaupt nicht für die Nationalliberalen; er mag auch im Zentrum nicht allzu beliebt fein. Trotzdem wir es unserer Uebergeugung nach für ihn stimmen. Wir wollen hoffen, daß auch unter den Konservativen nur wenige so kleinlich sein und so geringe politische Unbefangenheit und Urteilsfähigkeit verraten werden, "um ihrer Rachsucht gegenüber politischen Gegnern die Zügel schießen zu laffen. Es müßte das Vertrauen anderer Parteien zu ihnen ganz wesentlich schwächen, wenn sie sich so kurzsichtig, rachsüchtig und kleinlich erwiesen. Mit dem Plane, den Nationalliberalen den zweiten Vize­präsidentenposten ganz vorzuenthalteu und ihn den Freikonseroativen oder den Konservativen den Oberkörper mit einer weißen Jacke au» Wolle u. b einer grünsammetnen Weste bekleidet, kurze Bem- kleider von sckwarzem Sammet, druck kleine silberne Schnallen befestigt, und Strümpfe von dunkler Farbe tragend. Die» war der Löwenwirt von H......,

dessen Persönlichkeit wir etwa» näher kennen lernen müssen.

Da war kein Fuhrmann zwischen Frankfurt und Leipzig, kein welscher Rärner, der in'» Sachsenland fuhr, und kein böhmischer Frachtsuhrwerkrbesitzer, welcher seine unter der Wolllast keuchende Wag n nach den niederländischen Fabriken führte, der jenen Wirt nicht gekannt und an seinem Hause nicht unge-n vor­übergefahren wäre. Wen» ein auswärtiger Beamter oder ein Handelsmonn in dem Städtchen Geschäfte hatte, wenn die Freunde der Jagd in der Umgegend von H......ein Treibjagen hielten, alle kehrten

bst dem Löwenwirt ein, obgleich dieser Gastgeber nichts von jener unnachahmbaren Maj stät, nicht» vo» jener zungenfertige« Glattheit und vornehm herab­lassenden Freundlichkeit besaß, wie sie an ben Gast- hof«btfitzern unserer Tage ost um einen sehr teuerrt Preis von de» Reisenden bewundert werden darf. Aber der Löwenwirt in H......betrachtete seine

Gäste auch nicht al» Ware, welche der Omnibus vom Bahnhofe oder Dampfschiffe bringt und wieder weg- führt; er betrachtete sie wirklich al» Gäste im wahrsten Sinne de» Worte«, für deren Erheiterung nach Krätte» gesorgt wird und die am üdiluoe eine sehr billige Rechnung finden. Wie viele löbliche Gewohnheiten hatte dieser Mann, die heutzutage nicht mehr gefunden und vo» gemütliche» Mensche»ungern vermißt werdens Wenn er einem ihm befand r» liebe» Gaste die ver­langte Flasche Wein ans den Tisch fette, so brachte et auch fftr sich ein Glas mit und trank festem Gaste Bescheid. Waren einige «untere Geielle» in fernem Hause eingekehrt und hatte er an ihrer Unterhaltung recht lebhaften Anteil genommen, s» daß die Zeit nur allzu schnell hineilte mb die Feierabends; n »de viel früher nährte al» man wünschte, dann verschwand

©ißt starke Stunde von Haselstein liegt da» Land- Hüdtch«'» H . . . . . . E» war vor Jahren berühmt wegen der kleinen gelbe» Birnen, die in seine» Gärte» zeitigte«; heutzutage ist die Berühmtheit weggefallen. Die Einwohner de» Städtchen» »ähre» sich redlich vo» Ackerbau und Handwerksbetrieb, aber auch der reiueuhandel blühte dort, und einzelne Kaufherren |ab e», die weit und breit Kredit mb Ansehen hatten.

Wern ein ermüdeter, landfremder Reisender zu 8»ß ober z» Wagen in biefen Ort kam und fragte: ^vo ssnbei man ein gute» Absteigequartier, einen volle» Schoppe» und einen kräftige» Imbiß?" bann hieß ei: „geht z»m Löwenwirtt), dem Rathause gegen­über." Folgte der Fremde diesem wohlmeinenden Rate m»d suchte da» ihm bezeichnete gastliche Hau» mit de« Zeichen des Löwen auf, so sand er gewöhnlich vor bm Einfahrtstore desselben einen Mann stehen, wÄcher da» vollendete Bild eine» Wirte» der guten «Men Zeit »ar. Ein freundlicher, wohlbeleibter Mann,

verabschieden; er tritt eine längere Erholungs­reise nach dem Süden an. Der Oeffenllichkeit war mitgeteilt worden, der «sladtdirektor leide an einem Bronchialkatarrh. Jedenfalls hat die Oeffentlichkeit ein Jntereffe daran, zu erfahren, was an der Sache ist.

[XI Jung - Rußland in Berlin. D« .Deutsche Hochwacht' hat sich der Mühe unttt- zogen, aus dem amtlichen Sludentenverzeichuiffe der Berliner Universität die Namen bet hier studierenden „Russen" auszuziehen. ® sind 338. Unter diesen findet das Blatt etwe 70 Leu e mit anscheinend wirklich russischen Namen und etwa 40 mit zweifelhaften Name». Die 231 übrigbleibenden „Russen", also über zwei Drsitel,haben ausgesprochen jüdische Name». Dazu meint das genannte Blatt: „Das ist „Jung-Rußland" in Berlin. An der technischen Hochschule zu Eharloitenburg lauten die ent­sprechenden Namen ebenso „russisch", ja es soll dort noch charakteristischer aussehen.

♦_ Zulagen für Lehrer in de« Ott­marken. DemVm fitzenden desKreis-Lehrervereins in Heydekrug, Lehrer Buttkus-Bisrnarck ist die bis dahin gewährte Zulage sür Fördern», des deutschen Volksschulwesens entzöge n'worde». Das Merneler ,Dampsboot' weist darauf hi», daß ButtkuS bei dec letzten Abgeordnetrnwahl seine Stimme für die Kandidaten der Liberalen abgege en habe, und fragt, ob die liberale Ge- finnung die Ursache für diese merkwürdige und plötzliche Maßregel sei. — Die Oppelner Regierung habe den Lehrern an ein- und zweiklasfigen Schulen am Ende des Monats Dezember eine einmalige Zuwendung bewilligt für ihre Amtstätigkeit unter besonders schwierige» Verhältnissen. Es erhielten die Schulleiter 100 Mark, die zweiten Lehrer 60 Mark.

♦, Für die streikende« «nd ansge sperrte« Weber i» Crimmitschan soll« nach der Versicherung eines von den Führe« ausgegebenen Flugblattes dieUnterstützunge» bis Ostern bereits gesichert fern. Bet der Berliner Gewertschastskommisfion find bis jetzt nahezu 200,000 Mark eingegangen. Auch die Fabrikanten werden von den übrige« Industriellen und nicht zuletzt von ihren Kon­kurrenten kräftig unterstützt. Aber was Hilst ihnen das schließlich, wenn ihnen mittlerweile die Kundschaft verloren geht und die Konkurrenten dar Geschäft an sich ziehen? Wenn diese einmal die Maschinen ufw. zur Er­zeugung der Crimmitschauer Fabrikate angeschasst haben, werden sie doch nicht freiwillig den Be­trieb wieder einstellen und die Kundschaft fahr« lassen. In dem Berliner .Konfektionär' wird lebhaft geklagt über die Wunde», die der Streik der Crimmitschauer Industrie geschlagen habe und die zum Teil unheilbar seien. Die Frühjahrs- und die Sommersaison scheine für Crimmitschau rettungslos verloren zu sein. Die Konkurrenz erstarke gewaltig. Wenn freilich die Crimmitschauer Industrie zu Grunde geht, bann haben auch die Arbeiter den Schade». DaS werden sie sich hoffentlich überlegen. Allerdings können sie leichter als bie brachte. Diese Einkünfte bestanden i» der freien Be­nutzung eines der Stabt gehörigen Garten», im Haag') hinter der Ringmauer gelegen, welche die Wohnuuge» einer sehr friedsamen Bevölkerung eiufchloß und i» alten Zeile» den Bürgern von H......zur Schutz»

wehr gegen die benachbarten Raubritter gedient hatte.

E» war Sonntag vor Marttvi und die Herbst­nacht, von unfreundlicher Witterung begleitet, hatte sich Über bas Städtchen gebreitet. Der vermögende Bürger setzte sich mit Weib und Kind an ben Tisch, auf dessen sauberer Decke die stifte MartinSgan» prangte, welche vor wenig Tagen noch harmlos und friedlich mit ihren Gespielinnen auf de» grünen Insel« und Landzungen geweidet hatte, die ein kleiner am Städtchen hine lender Fluß bildete.

Da» obere Stockwerk de» Gasthauses zum Löw« war glänzend erleuchtet; laut und dentttch ließ sich die Musst eine« wohlbesetzten Orchester» vernehmen; geisterhafte Gestalte» huschten an den Helle» Fenfier» vorüber, zierlich und ehrbar wurde ein Ländler g tanzt.

Beim Löwenwirt war heute Festball für die ge­bildeten Stände au» Stadt und Amgegend, die $« einem fröhliche» Abend zusammengekomme» war«; lauter gute, ulte Bekannte. Da waren die Förster, Gericht-Herren und Aerzte an» der ganze» Um-eg«d versammelt. Alles, wa» der Fed-r kundtg war, hotte sich au» dem Umkreife von drei Stunde» etnge?anben, auch bie Ratsherren au8 dem Städtchen «d bie Offiziere der Landmiliz von zweiAemtern toawn nebst ihren Frauen und Töchter» euf dem Balle zugegen.

Der Löweuwirt hatte heute einen heiße» Tag, er mußte für die Bewirtung zahlreicher Gäste sorge» und anberetfeit» als Bürgermeister der Stadt an der Fest­lichkeit selbst teil n.hmeo. Sei» praktischer «lick «b die Hilfe feiner braten Hau-sta» wie feiner älteren ßtnb.r kamen ihm hierbei treifiich z» statten, (f. f.)

i) Haag — der sogenannte Haingarten.

Berlin, den 9. Januar 1904.

% Piftvlenduell oder Brouchial- katarrh. Zwischen dem Stadtdirektor — Ober­bürgermeister — von Hannover, Tramm und dem vor einigen Monaten aus dem Amt geschiedenen hannoverschen Regierungspräsidenten v. Brandenstein soll, wie ein Berliner Blatt berichtet, ein Pistol en duell stattgefunden haben, bet dem Herr Tramm durch einen Schuß in den Unterleib schwer verwundet worden sei. Veranlassung zu dem Zweikampf habe die Vermutung des Regierungspräsidenten ge­geben, daß Herr Tramm der Urheber feiner Verabschiedung sei. Dem Kaiser soll von einer gräflichen Dame der Regierungspräsident als „allzugroßer Verehrer eines guten Tropfens" bezeichnet worden sein. Herr v. Brandenstein soll der Ansicht sein, daß er den Oberbürgermeister Tramm für jene Mit- teilung verantwortlich zu machen habe, und er soll schon beim Scheiden aus Hannover die Absicht geäußert haben, mit dem Oberbürger­meister „abzurechnen". Vor 8 Wochen soll daS Duell stattgefunden haben. Tatsächlich war Stadtdirektor Tramm seit acht Wochen ge­nötigt, in vollkommenster Ruhelage das Zimmer zu hüten. Erst seit wenigen Tagen ist er soweit hergestellt, daß er an einer Sitzung der Finanz- kommiffion leilnehmen konnte. Dieser Tage er­schien er zum ersten Male wieder im Ratyause, um sich von einigen Magist atsm tgliebent zu plötzlich, ehe bie verhängnisvolle Stunde von dem nahen Kirchturme tönte, der Löwenwirt au« dem trauten greife; aber halb erschien er wieder und mit den Worten: „Die gebe ich, Johannisfegen muß erst getrunken fein, ehe wir ausein­andergehe»," füllte er die grüne» Römergläser au» einer Flasche, deren Inhalt die allgemeinste Anerkennung fand. — Wenn ein kleiner Fuhr­mann, dessen magere» Rößlein Jahr au» Jahr ein auf der Landstraße ging une seinen Herrn nebst zahlreicher Familie mühsam ernähren mußte, vor dem Hause des Löwenwirts still hstl., ausschirrte, sich ganz bescheiden in einer Ecke des Gastzimmers niederließ, wenig sprach und wenig verzehrte, dann wußte unser Gastgeber schon, wie viel e» an der Zett war. Machte er bann stütz morgen» ben andern Fuhrleuten bie Zecke und jener Kärrner erschien, entfaltete mit saurem Gesichte fein magere» Geldbeutelche» und sagte: „ES find jetzt schlechte Zette», Herr Gasthalter, und an dieser Fracht verdiene ich da» Salz in der Suppe nicht; wa» habe ich aber verzehrt?" so erwiderte der Löwenwirt: „Fahrt in Gottes Name», wenn Ihr wiederkommt, könnt Jbr eS berichtigen, bi» dahin geht das Fuhrwerk bisher." — Und der Kärrner erhielt fein Frühstück ebenso gut mit auf den Weg wie di- ander» Fuhrleute; wen» aber her schlichte Mann mit seinem anspruchlose» Gefährte wieder dmch H......

zog, bann kehrte er sicher beim Löwenwirt ein und ließ die alte Kreide auswischen. Im Löwe» wurden noch keine Bücher mit „Soll" und „H.cken" geführt, die Türe eine» Wandschränke» im Äastzimmer vertrat bie Stelle derselbe».

6m Man» von solcher Biederkett und Recht- sckaffenhett wie dieser Gastwirt genoß in seinem Wohnorte »nd der ganzen Umgegend da» größte An­sehen und volle» Zulrauen, was durch nicht» besser bezeugt «erde» konnte, al» bat seine Mitbürger ihm da» Amt eine» Bürgermeisters übertragen hatten, er somit die erste Person m der Gemeinde war unb alle Einkünfte bezog, welcher jene» hochwichtige Amt em-

Sulöaer W Zeitung

verantwortlicher

w°chEiiag°: „Illustrierte Sonntagsjeitung" " " m»nMb-u°ge: „5«Idaer GeschichtrbMek".

stdentemvahl mischt und gar noch Herrn Dr. Krause mit dem Hinweis auf eine gegen das Zentrum geplante Jntrigue in der Schulftage empfiehlt, so ist das allerdings ungemein geeignet, das Zentrum kopfscheu zu machen.