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Zulda, Montag, den 4. Januar 1904

31. Jahrgang

1

DeutscbesRekl)

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Stpdlaagta, ms das 1. Önertal 1904 der ,F«ld«er Zeitnrg^ werde« «och fort» wihre.rd vo« alle« Postaustalte«, Land» Briefträger» «»d vo« unserer Expedition ^Harmonie) e«tgege«geuomme».

L Steuers.

1892 2 437886

1902 3 762047

1903 3 897 782

durch andere Dinge die Kreise stören lasten möchten.

Den Eindruck wird man indeß nicht loS, daß unsere Regierung eine auffallende Vorsicht, ja »engstlichkeit bekundet, wenn sie ihre Meinung und Absicht in Bezug auf auswärtige Angelegenheiten klarlegen soll. Wohl wird im Reichstage jetzt viel häufiger als früher über unsere auswärtigen Beziehungen gesprochen, aber fast ausschließlich zu dem Zwecke, alles im rofigen Lichte darzustellen, und die deutsche Politik als selbstlos und ehrlich zu schildern. Wir haben da daS Gegenstück zu der verschwenderischen Liebenswürdigkeit, mit der die deutsche Poliü ! alle Welt überschüttet. Wann aber wird einmal freimütig abgesehen von Allgemeinheiten — einer andern Macht gegenüber in einem bestimmten Falle daS deutsche Jntereffe vertrete» oder ein Angriff zurückgewiesen? Es war eine vielbemerkte Ausnahme, daß der Reichskanzler einmal den Herrn Chamberlain etwa- unsanft anfaßte, weil er die deutschen Armeen beschimpft hatte. In anderen Staaten ist man wirklich weitaus nicht so ängstlich wie bei uns. In Oesterreich- Ungarn, Italien, Rußland haben die Staats­männer sich mehrfach über ihre Handelspolitik gegenüber dem Deutschen Reiche vernehmen lasten, und durchaus nicht immer in der liebenswürdigsten Form. Worum muß denn da bei uns immer absolutes Stillschweigen beobachtet werden mit Rücksicht auf daS Ausland?

Graf Bülow ist doch gewandt genug, um auch über die Handelsverträge so zu reden, daß er uns damit im Auslande nicht schadet. Auch ist unsere handelspolitische Stellung doch wohl so stark, daß sie es vertragen kann, wenn darüber gesprochen wird. Daß die Vorsicht, mit der die Regierung allen ernsthaften Erörterungen aus dem Wege geht, nach Schwäche au» sehe, muß man den Konservativen zugeben. Andererseits ist freilich auch nicht zu verkennen, was viel damit genützt wäre, wenn die gewünschte Auf­klärung über den Stand der Dinge erfolgte.

Man könnte sagen, weite Kreise der Bevöl­kerung hätten ein Jntereffe daran, über den Stand der Dinge etwas zu erfahren und aus der für das Erwerbsleben schädlichen Unsicherheit herauszukommen. Aber etwas Endgiltiges mit­zuteilen, ist ja heute gar nicht möglich. Wir stehen in den Verhandlungen mit Rußland, die mit Italien sollen dieser Tage beginnen; wann die mit Oesterreich-Ungarn beginnen, hängt da­von ab, wann dieser Staat mit seinem Ausgleich fertig wird. Was läßt sich da sagen, wie die Verhandlungen laufen, wann sie enden, welches Ergebnis sie haben werden? Die Regierung könnte den Interpellanten rückhaltlos alles sagen, was sie weiß, und danach wäre man wahrschein­lich so klug als wie zuvor.

Die Absicht der Interpellanten ist der.n auch weniger, Aufklärung zu erhalten, als die Regie- rung zur baldigen Kündigung der Ver­träge zu drängen. Ob mit diesem Drängen dem Auslande imponiert wird, wollen wir dahin­gestellt sein laffen. Wir begreifen und billigen

Hanffen (2. Schleswig-Holstein, Däne); Nielsen (Schleswig-Holstein, Däne). Erledigt ist ein Mandat: Schrimm-Schroda-Wreschen durch de» Tod de- Abg. von Glebocki. Im ganze» besitze» 106 Mitgliever des Abgeordnetenhauses Doppel» Mandate.

* Nach der im königlichen statistischen Bureau bearbeiteten Eiukommeusteuerstatistik betrug, wie wir der ,Nat. Korr/ entnehmen, in Preuße« di« Gesamtzahl beten steuerpfl. beten Sinkom.- bet Zenfiten Reineinkommen M. steuer M.

aber, wenn die Regierung sich im gegenwärtigen Augenblick auf die Kündigung nicht einläßt. Sie kann diese nicht grundsätzlich ablehne», aber zu­nächst muß doch versucht werden, ob wir nicht durch Verhandlungen zu neuen Ser- trägen gelangen tonnen. Die Regierung hat ohne Zweifel die Ueberzeugung, daß eS mög­lich sei. Ob die sofortige Kündigung der Ver­träge zur Beschleunigung der Verhandlungen und vor allem zur Erreichung befferer Vertrags­bedingungen beitrüge, ist doch sehr unsicher. Man muß der Regierung vertrauen, daß sie diese Frage beffer zu beurteilen verstehe, als eine parlamentarische Partei. Für einen ohne Not herausbeschworene» Zollkrieg schwärmt die große Mehrheit der Bevölkerung sicher nicht.

Wende des 19. Jahrhunderts, die deutung de ländlichen Bevölkerung für

Wehrkraft des Deutschen Reiches, nach den Reichskanzler angeo bneien Er he ungen,

lichen Sommetlaube färbte sich rötlich. Der Ruf des Kuckuck» schallte nicht mehr durch den Forst, der lose Bogel hatte der Schnitte-in im Saatfeld gesagt, wie viel Jahre sie noch zu leben habe und war verstummt; nur der Specht hämmerte »ach wie vor an den alten Stämmen, und der Häher, dieser Papagei unserer Wälderer, trieb mit seines Gleiten »eckiges Gekose in den Zweigen hochstämmiger Buchen und öfter Eichen. Die Sonne des Spätsommertages schien warm und fteundlich, Silberfäden hingen in der klaren wärme- durchzitterten Luft; ftiedlich graste der Edelhirsch mit ferner zahlreichen Heerde auf den sanstaussteigen­den Höhen und den Waldwiesen, welche das Schlöß­chen umgaben, da» in der Mittagsruhe versunken schien. Nur hie und da sah man einen reich gekleideten Diener gehen; aus dem langen Stallgebäude tönte bis wellen der Hufschlag und das Wiehern ungeduldiger Raffe, die feierliche Stille der Natur für einige Augenblicke unterbrechend. In einer Ecke de» Walde», der in einzelnen von der Kunst verschönerten Streifen bi» dicht vor die fürstliche Wohnung sich zog, lagen auf dem herbstlich grünen Rase» von breitblätterigen Nußbäumen verdeckt drei fürstliche Leibhusaren, kräftige Gestalten mit spitz gedrehten Schnurrbärten; sie spielten Würfel — ein streng verbotene» Spiel. Zuweilen griffen die Reikerrteute nach einer nebenstehenden hölzernen Kanne und taten einen kräftigen Zug darau»; die Freigebigkeit de» fürstlichen Mundschenk» hatte den Wein gespendet. Die Uhr im Schlößchen schlug drei; da wurde e» lebendig an dem bisher so stillen Orte: die fürstliche Tafel war aufgehoben.

Statt! che Herren, eher wohlb.lelerbt als hager und mit Gesichtern, die selbst den lebensmüden Hypo­chonder für einige Augenblicke aus seiner trüben Stimmung bringen konnten, kamen au» der Billa ge­schritten; scherzend und lachend wandelten sie durch den kleinen, im französischen Geschmocke gehaltenen Garten nach der Kegelbahn, die am nahen Waldes­säume erbaut war. D>rt hatte sich bald eine eben so zahlreiche al» «untere Gesellschaft versammelt; man wmtte der ttich wahrnehrren, daß der Saal- cf et an der

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Mldmeifters Röschen.

Eine Novelle von C. Pfaff.

------ (Nachdruck verboten.)

I.

begünstigungsverträge, die landwirtf^ östliche Be ölkerung der- Deutschen Reiches um

!) Da» Schlößchen befand sich auf der Bieberstein« ftenweide über dem großen Fischweiher; e» wurde voriaen Jahrhundert abgebrochen und der färsistche »stall fett 1837 al» Fohlenstall benutzt.

An der r ördlichen Grenze Bayerns zieht in langen Bergrücken das Rhöngebirge hin. Auf einem seiner Ausläufer im kurhessischen Gebiete steht das ehemalige Jagdschloß B i e b e r st e i n. Blank und frei schaut eS von seinem Basaltkegel in die Waldlandschaft nieder, die jetzt still und traurig, aber immer noch schön, daliegt, »ährend in rergangener Zeit oft das regste Treiben darin herrschte. Der Thiergarten heißt der Forst, welcher lich von Bieberstein eine gute Strecke gegen tzulda hin aurdehnt Einst barg er zahlreiches Wlld oller Art in dem Dickicht seiner Buchen, zwischen denen sich »ur selten eine düstere Föhre zeigte. In dieser lieblicken Waldeinsamkeit lag ein einfache» Land­haus, so ein Anhängsel zu dem Jagdschlösse auf dem Berge, und desha b wohl auch da« „Schlößchen" genannt. Geräumige Gebäude zur Ausnahme einer zahlreichen Hofdienerschaft und eine» ansehnliche« Marstall» umgaben da» fürstliche Landhaus?)

®» war Anfangs der neunziger Jahre de» vorigen Jahrhundert», daß der letzte Fürstbischof de» Fuldaer Hochstifte», der gut Adalbert von Har stall, in jener friedlichen Umgebung fröhlichen Hof hielt, um von den Sorgen der Regierung etwa» auSzuruhen unb den Kummer zu verscheuchen, welchen die Bewegungen in tzrankreich dem Fürsten verursachten.

Lmidi toar vorüber, da» Laub der Bäume fing M gckden an unb da» wilde Weinblatt an der fürst-

Vererbungsweise des bäu rlichen Besitzes in be» früheren.Gebieten des französischen Rechts mit Rücksicht auf die Erhaltung des Bauernstandes, die Fibeikommi gesetzgebung in den deutschen Bundesstaaten, Bericht der Kommission für den Gesetzentwurf über den Veisicherungsvertrag, Haftdarkeck der Tierhalter nach § 833 d s Bürgerlichen Gesetzbuches, der heutige Stand der Kartell- und Syndikats frage, die Rartoffel» trocknerei und die Korntrockenapparate in be- tri bs und volkswirtschaftlicher Hinsicht, Ver­bot des Verkaufes von Vieh-, Milch-, Mast-,

Die Kündigung der Handelsverträge.

Seit der Fertigstellung des neuen deutschen LolltanseS ist schon über ein Jahr verflossen. Hn Kraft getreten ist er immer noch nicht und eS ist auch noch nicht abzusehen, wann es ge= schehen wird. Die Konservativen verlangten sofort nach der Fertigstellung des TarifeS die Kündigung der alten Handelsverträge. Der 31. Dezember 1902 aber ging vorüber, ohne daß ein vertrag gekündigt wurde. Auch das Jahr 1903 hat die Kündigung nicht gebracht, wiewohl die Konservativen immer von neuem drängten und die Legislaturperiode des Reichstages wie beS preußischen Landtages mit einer starken Ver­stimmung der Konservativen gegen die taub- bleibende Regierung schloß. Auf der Tagesord- xung bet ersten Reichstagssitzung int neuen Jahre Scht nun neben mehreren anderen Anfragen auch e der Konservativen wegen Kündigung der Handelsverträge.

Bei der Etatsberatung und bei der Be­ratung des deutsch-englischen Handelsabkommens ist die Frage schon mehrfach berührt worden. Der Reichskanzler gab keine Auskunft; Staatssekretär Graf v. Posadowsky lehnte eine solche ausdrücklich ab. Es ist daher mit ziemlicher Sicherheit vorauszusehen, daß auch bie Interpellanten keine greifbare Antwort er­halten werden. Entweder wird die Regierung ■bie Antwort kurz ablehnen, oder sie wird mit einigen allgemeinen Redewendungen über die -schwebenden Verhandlungen" und die „Wahrung bet deutschen Interessen" die Frage zu be­schwichtigen versuchen. Dir Konservativen er­warten wohl auch nichts anderes.

Daß dem Reichskanzler die Anfrage un­gelegen komme, werden sie wohl nicht zu- gestehen. Sie werden behaupten, sie wollten ja nur die deutsche Position stärken. Es müsse der Regierung doch ganz willkommen sein, wenn sie Gelegenheit fände, öffentlich Auskunft Über ihre Absichten zu geben und damit das Ausland auf» »klären und zu warnen, und wenn dann der Reichstag bekunde, daß er hinter ihr stehe. Die Regierung wird darüber wohl anders denken. Sie wird sich sagen: wir stehen jetzt i» und vor Verhandlungen mit anderen Staaten. Da müssen wir erst versuchen, ob wir nicht im Guten zu etwas kommen können; eine Drohung mit der Kündigung der Verträge sparen wir uns besser bis zu einem kritischen Zeitpunkte auf; außerdem macht uns einstweilen der Mindest- mrif, den wir doch durchzusetzen suchen müssen, Schwierigkeiten genug, als daß wir uns noch

der lästigen Hofetiketie ledig, hatte de-i einfachen aber beredten Priester an seine Tafel gezogen.

„Sinn, wie geht es Euch denn Pater Hermann Jo­seph? Nicht wahr, eine solche Ehre wie heute ist Euch noch l icht widerfahren?" sagte brr freundliche Propst.

„Halten zu Gnaden, Herr Prälat, als ich Beicht­vater und Schlvßprediger bei dem Reichs grafen von der Leyen.war, hab' ich jeden Sonn- und Feiertag und an dem Namerslest Sr. Erlaucht und Hochders Gewablin an der reich-gräflichen Tafrl gesessen."

„So, so — das ist wa» anderes; ja Ihr seid chon weit umhergekommen im Reich, wäret Ihr nicht auch im Kloster zu WorrnS?"

„Ja wohl, Ew Gnaden, drei und ein halbe» Jahr Frübprediger und Lektor."

„Dort habt Ihr es gewiß gut gehabt, wuchs doch bie Liebfrauenmilch in Emern Klostergarten?" sch.rzte der Prälat.

„Bitt' um gütige Entschuldigung, das edle Gewächs ist selten an uns kommen, alle hehre Festtage und auf die Ordensfeste ein Gläschen guten Jahrganges. Der Guardian, unser guter Pater Severin, hat gar streng auf Zucht und Einfachheit im Konvent gehalten, unb o muß es auch sein in ei,, em Kapuzinrrkloprr."

„Habt Recht, mein Lieber! aber"--da wurde

der Propst unterbrochen. Tin junger, schmucker Herr trat heran, machte eine graziöse Verbeugung unb agte zu dem Prälaten: „S-. hochfürsilichen Gnaden werden heute nicht zmn Kegelschieben heruvterkommen, es ist ein Eilbote mit wichtigen Papieren von der doch'ürstlichen Landesregierung eingetroffen, die solle»- heute noch erledigt werden; die Herren möchten übrigen» mit dem Spiel beginnen."

„Schön, schön, mein bester Heinrich!" antwortete Herr von Zobel und erhob sich langsam und stütz vieler Würde von seinem Eitze. Der gute Pater eine tiefe Reverenz unb bemerkte, al» der junge HM/ ich wieder entfernt hatte: „Sie erlaube», gnädig» Herr, ist der schmucke Junker nicht E». Gnaden Bettech der junge Bar»* Truchseß Hl Wetz Hanse»«

„.„„(’892 4-59,9 v. H. 4-52.5 v. H. 4-49,3

1903 S«gr*(igg24- 3,6 D. H. -fr 0,6 v. H. — 1,3 ». H.

Seit der erstmaligen Veranlagung im Jahre 1892 hat sich hiernach die Zensitenzahl schon um rund drei Fünftel und das steuerpflichtige Ein­kommen um über die Hälfte vermehrt. Die Ein­kommensteuer ist, wenn schon sie seit 1894 zum erstenmale wieder gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen ist, noch immer um fast 50 Hun­dertteile höher als die des ersten Veranlagungs­jahres. Im Uebrigen ist gegen 1902 die Zensiten­zahl noch etwas stärker als von 1901 auf 1902, dagegen daS Einkommen entsprechend der un­günstigen Wirtschaftslage der bei der Veranlagung schwankender Einnahmen zu berücksichtigenden Vorjahre nur wenig gestiegen. Daß bei vermehrtem Einkommen der ©teuerertrag abgenommen hat, erklärt sich dadurch, daß vorzugsweise die „besseren" Einkommen hinsichtlich ihrer Höhe in rückläufiger Bewegung begriffen sind und demgemäß bei dem progressiven Charakter unserer Einkommensteuer von einem bedeutenden Einkommensteile ein ge­ringer Prozentsatz als früher zu versteuern war.

* Der Deutsche Larrdroirtschaftsrat wird feine 32. Plenarversammlung vom S. bis 12. Februar in Berlin abhalten. Auf d« Tagesordnung stehen u. a. folgende Gegenstände: Leistungsfähigkeit der deutschen Viehzucht, Bau von Landarbeiterwohnungen mit Darlehen der Landesverficherungsar stallen, der wirtschaftliche Zusammenschluß der mitteleuropäischen Staaten und die Reform unserer bisherige» Meist-

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Druck und Verla, bet

Zulbaer Acttenbrnckeret

Monatsbeilage: Oeschichtsblälter". Sttnsprechn^e^

Berlin, den 2. Januar 1904.

** Der Kaiser hat bei der Parole-Ausgabe am Neujahrstage dem ,Berl. Lok.-Anz/ zufolge an die versammeltenOffiziere eineAnsprache gerichtet, in der er, ohne den Forbacher Fall zu erwähnen, das Osfizierkorps ermahnte, die gute Tradition des Heeres auch durch eine würdige Lebenshaltung fortzufetzen, den Untergebenen und der Bevölkerung mit gutem Beispiele voran­zugehen und die ernsteste Sorge zu tragen, daß die Soldatenmißhandlungen ausgerot­tet werden. — Am Samstag hatte der Kaiser vormittags eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Grasen v. Bülow in dessen Woh­nung und hörte sodann im Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs - Marineamtes, Staatsministers Admirals v. Tirpitz, und des Chefs des Marine-Kabinets, Admirals Freiherrn v. Senden-Bibran. Zu dem Admiral Holl­man n soll der Kaiser geäußert haben, er ver­traue auf die Aufrechterhaltung des Friedens.

* Heber die Zusammensetzung des neue« Abgeordnetenhauses wird nach amt­lichen Quellen mitgeteüt: Die Konservativen zählen 143 Mitglieder (darunter 28 Reichstags­mitglieder, und 1 Hospitant Dr. Gaigalat), bie Freikonservativen 59 (darunter 11 Reichstags­mitglieder, 1 Hospitant), das Zentrum 97 (darunter 42 im Reichstage), die Nationalliberalen 79 (darunter 11 im Reichstage, 1 Hospitant), die Freisinnige Volkspartei 24 (darunter 7 im Reichstage), die Freisinnige Vereinigung 8), die Polen 12 (außerdem ein Mandat erledigt; — darunter 5 im Reichstage); bei keiner Partei sind 10, nämlich v. Bodelschwingh (2. Minden); Dr. Hahn (3. Stade, Bund der Landwirte); Schoof (1. Stade); Laltmann (4. Kassel. Deutsch-soziale Partei, zugleich im Reichstag), Dr. Lotz (3. Aurich, Hospitant der Freikonser- vativen), Generalleutnant z. D. von Schubert (5, Trier); Wolgast (14. Schleswig-Holstein, Hospitant einer der freisinnigen Parteien) - W—■——mi fürstlichen Tafel diese Fröhlichen noch fröhlicher ge- ümmt hatte, während ihre roten ober blauen mit Gold verbrämten Röcke unb ihre mächtigen Allonge- perrücken einen seltsamen Gegensatz zu der Einfachheit unb Naturwüchsigkeit der Waldlandschaft bildeten. Auf einer Ruhebank nächst der Kegelbahn hatte sich ein Herr niedergeloffen, desftn Aussehen unb Tracht den Prälaten nicht verkennen ließ; ein freundlicher Herr, alle Vorübergehenden grüßten ihn, er erwiderte die Grüße mit einer gnädigen Handbewegung und einem Lächeln, wie e» beim besten Willen ein Kalkulator nicht nachgeahmt hätte, der zwanzig Jahre lang Silbergroschen in Sechser umgerechnet hat. Es war AmandFreiherrvonZobelznGiebelstatt,') des hohen Domstistes zu Fulda Kapitular und Propst auf dem Johanne»berge, der bei feiner Aufnahme in )o» hochadelige Kapitel richtig und unverfälscht seine echzehn Ahnen nachgewiesen hatte und für sich um die verschiedenen Phasen der eben aufblühenden tau» tischen Philosophie weit weniger kümmerte, als um die Einführung des Kleebaye» auf den Feldern seiner Prrpstei unb bie höhere Holzverwertung in den dazu gehörigen Forsten. Dem hölzernen Sitze des Prälaten näherte sich in sehr respektvoller Haltung ein schlichter Orden»mann mit langem, auf die Brust herabwallen- ben Barte, der Vikar unb Konventtprediper be» Fuldaer Kapuzinerklosters,') Pater Hermann Joseph. Er war gerade zur Aushilfe bei einem Pfarrer in der Nachbarschaft und hatte deKhalb nicht versäumt, einem geistlichen und weltlichen Fürsten die Auf­wartung zu machen. Der Fürstbischof, in diesen Tagen

“) Propst Amand Freiherr von Zobel zu Giebelstatt, geboren den 2. Dezember 1741, auf­geschworen den 15. November 1761, Kopitular den 13. März 1775, Propst z» St. Johannesberg 1778, gestorben 1796.

3) Das im Jahre 1743 von Fürftabt Amand von Bus eck gestiftete Lapuzinerkloster wnrde be­kanntlich 1806 vom Prinzen een Omnien in bei Landkrcmkenha«» >on gewandelt.