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Perantw. Hebet ent Carl Schüttc;
JJÄJ’lÄiM. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzeitung"
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Rotationsorud u. Verlag ber Sulbaer Hc* tienbr iderei in Sulba.
gemfpreter Nr. 9.
34. Jahrgang.
Fulda, Samstag dm 21. Dezember 1907.
M 293.
Zweites WLcrlt.
Wachen-Rundschau.
Fulda, 21. Dezember 1907.
Der Erholungsaufenthalt des deutschen Kar- s er s In ö n g l a n d ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Ebenso herzlich wie bei semer An fünft waren die Kundgebungen bei dem In der englischen Presse ist eine ruhigere oofek- tibere Auflastung der Dinge zu verzeichnen, und es ist zu hoffen, das; die Besserung der Bezrehun- n.n itrifi’en England und Deutschland anbtvten tottb. Die Wünsche des deutschen Volkes bewegen sich jedenfalls in dieser Richtung. Tw Ruckreise Kaiser Wilhelms ging über H o.. o u o Auch hier wurde er sehr herzlich ausgenommen.
Reichstag und Landtag haben letzt Ferien. Ob Tagung oder Ferien, bisher war das praktische Ergebnis so ziemlich dasselbe. Es gab ja viele Reden und Sensationen, dagegen weniger Taten. Das ist nicht zu verwundern, denn nach der Meinung des Fürsten Bülow soll der Reichstag nicht so sehr die Aufgabe haben, Gesetze zu machen, die für das deutsche Volk notwendig und erforderlich sind, als vielmehr die Aufgabe, solche Fragen gesetzlich zu regeln, deren Erledigung den Block festigt, jedenfalls nicht gefährdet. Nach Weihnachten wird indes doch allmählich gearbeitet werden müssen. Schon jetzt wird vor allem die Frage der F i n a n zr e f o r m eifrig erörtert. Zu den Schwierigkeiten, die die Lösung des Finanzproblems an sich bietet, tritt ja jetzt noch das Moment der Schonung des Blocks. Der Frage nach der Erhaltung der Schöpfung Bülows müssen sich eben alle anderen noch so wichtigen Fragen unterordnen. So wird jetzt Politik gemacht! Man kann das bedauern, ändern kann man's nicht. Jedoch werden sich die Früchte dieser Blockpolitik bald zeigen, und das Zentrum hat keinen Anlaß etwas zu tun, was das gründliche Ausreisen dieser Früchte irgendwie verhindern könnte. Wie sehr man sich tn ben Kreisen, die vor der Wahl an dem Zustandekommen des Blockes eifrigst mitwirkten, als Herr der Situation fühlt, hat deutlich das Vorgehen des Flottenvereins in der vergangenen Woche gezeigt. Obgleich dem Präsidium dieses Vereins bekannt sein inußte, weicher ..Sympathien" sich Generalmajor Keim, namentlich in süddeutschen Kreisen, wegen seiner dem Programm des Flottenvereins widersprechenden parteipolitischen Agitation erfreute, hat man Generalmajor Keim doch zum Vorsitzenden des geichäftsführenden Ausschusses gewählt und dadurch bekundet, daß man sich mit seinen Anschauungen und per Art und Weise seines Vorgehens einverstanden erklärt. Selbst der Rück- tritt des Prinzen Rupprecht von Bayern und die daraufhin erfolgten zahlreichen Austrittserklä- runaen scheinen von der Leitung des Flottenver- einS, besonders aber von General Keim sehr wenig tragisch genommen zu werden. General Keim erklärte noch am Dienstag einem Berichterstatter der „Berliner Ztg.", er werde nicht zurücktreten. Die Entscheidung über den Streit soll in einer außerordentlichen Hauptversammlung des Flottenvereins am 19. Januar in Kassel fallen. Das Präsidium wird auf der Hauptversammlung die Vertrauensfrage stellen und zn- rücktreten, falls die Vertrauensfrage nicht die Dreiviertelmehrheit finden sollte.
Nachdem das Abgeordnetenhaus bereits in die Ferien gegangen war, ist in der Kommisiion noch die Polenvorlage durchgedrückt'worden. Die Regierung war den konservativen Wünschen, durch dis ^llerdiigs der Auruahmcch-arakter der Vorlage noch verschärft
wird, entgegengekommen. Merkwürdigerweise regt sich in den letzten Tagen der Freinnn schar- fer über die eigenartige Rechtsa ischauung, die in dieser Vorlage zutage tritt aus und das ehrliche, wenn auch brutale Bekenntnis der „Deutschen Tageszeitung", die Staatsrais-an gehe über das Recht, gibt ihr Stoff zu langen Erorterun- gen. Hier könnte der Block einmal etwa- Gutes schaden wenn der Freisinn nicht blos zum (Je- horchen im Block wäre. Der Freisinn konnte nämlich die Verabschiedung solcher auch seiner Auffassung nach mit dem Recht in Widerspruch st-lender Vorlagen durch den ihm aus dem Block erwachsenden Einfluß ausschalten. Dazu freilich reicht b'e freisinnige Begeisterung für das Recht wohl nicht aus.
Am Sonntag verstarb, 74 Jahre alt, die K ö- nigin-Witwe Carola von Sachsen. Die Verstorbene, eine Prinzessin aus dem Hause Wasa, ist bekanntlich eine Konvertitin. Der Uebertritt zum katholischen Glauben erfolgte im Jahre 1852. Prinzessin Carola galt damals als eine der lieblichsten fürstlichen Erscheinungen und es ist bekannt, daß Napoleon III. der Prinzessin ein besonderes Interesse entgegenbrachte, ohne daß dasselbe von ihrer Seite Erwiderung fand. Die erste Begegnung mit ihrem späteren Gemahl hatte die Königin im November 1852. Am 18. Juni 1853 fand die feierliche Vermahlung statt. In den Kriegsjahren 1866 und 1870 zeichnete sich Kronprinzessin Carola als treue fünsorgliche Gattin und als unermüdliche Samariterin aus. Täglich wanderte sie von Lazareth zu Lazareth, um die Verwundeten zu besuchen und sie in den Stunden des Schmerzes zu erfreuen. Einfachheit und Liebenswürdigkeit zeichneten sie auch spater als Königin aus und machte sie in allen Kreisen Sachsens sehr beliebt. Ihr wohltätiger Sinn, ihre herzliche persönliche Anteilnahme an den Leiden und Bedürfnissen ihres Volkes, ihre vielfachen Gründungen von Krankenanstalten und Wohltätigkeitsinstituten sichern der Königin em dauerndes Andenken in ihrem Lande. Ihren Gemahl, den König Albert, hat sie fünf Jahre überlebt.
In Oesterreich hat man den Ausgleich mit Ungarn glücklich unter Dach und Fach gebracht. Kurz vorher hatten die ruthenischen Abgeordneten im Parlament eine niedliche Keilerei veranstaltet, bei der die „berühmten" Pultdeaei des Hauses in Stücken im Saale umherflogen. Der Präsident hat die Ruhe ziemlich rasch tote- derbergestillt und auch der Lbmann der aufrührerischen Gruppe hat schleunigstens Abbitte getan, die Erregung zittert aber noch nach. Ter Präsident hat sehr geschickt an die Würde des auf das allgemeine Wahlrecht aufgebauten Par- laments appelliert. Hoffentlich übt dieser Hinweis einen erziehlichen Einfluß aus.
In Rußland begann die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen die Helden von Port Arthur. Die bisherigen Feststellungen ergaben viel belastendes Material.
Marokko, dem vor einem Jahrzehnt noch nicht mehr Bedeutung zukam, wie jedem anderen fernen Staate, ist zu einer ständigen Kalamität für die Völker Europas, besonders Frankreich und Deutschland geworden und hat damit das Recht auf eine ständige Rubrik in den Zeitungen erlangt. Die letzte Woche war wieder reich an Zwischenfällen. Die Einschließung der marokkanischen Gebirgsstämme durch die französischen Truppen ist in vollem Gange. Ein neues fpa- uisch-französisch-marokkanisches Abkommen enthält eine Reihe von Zugeständnissen des Sultans. Der Prätendent Mulay Hafid ist nach neueren Nachrichten von Anhängern des Sultans geschlagen worden und hat diesem seine Unterwerfung angeboten.
k Die Hiatritularbeiträge.
Ein schwerfälliges Fremdwort, aber eine einfache Sache. Das deutsche Reich ist ein Bundesstaat, ein politisches Kompagniegeschast. Wenn die eigenen Einnahmen des Reiches also die indirekten Steuern zur Deckung seiner Ausgaben nicht ausreichen, so mässen die Genostenschafter Zuschuß leisten, d. h. die E i n z e l st a a t e n haben nach dem Maßstab ihrer Bevölkerung Beiträge zu den Reichsausgaben zu leisten soweit foldje notwendig sind und im jährlichen Reichshaushaltsetat festgestellt werden. Man könnte diese Beiträge der Einzelstaaten aus Deutsch als Bundeszuschüsse oder Staatensteuer bezeichnen. .
Neuerdings ist viel von einer „Berede- [u it g" der M atr i ku l ar b eitr ä g e die Rede. Sie wird von konservativer Seite borge- schlugen und soll das Allheilmittel zur Gesundung unserer Reichsfinanzen fein.
Wie bemerkt, werden die erforderlichen Beiträge der Staaten nach dem Verhältnis der E i n- wobnerzahl der Staaten umgelegt. Dieser „Matrikularfuß" ist ein sehr schlechter Maßstab. Die deutschen Bundesstaaten sind sehr verschieden in ihrer finanziellen Leistiingsfähigkeit. Es gibt arme Staaten, deren Bevölkerung durchschnittlich wenig Vermögen und wenig Einkommen hat. Das macht bei den Matrikularlasten aber keinen Unterschied, sodaß z. B. Lippe auf jeden Kopf seiner Ziegelarbeiter ebensoviel an das Reich 'zahlen muß, wie Hamburg auf jeden Kopf feiner wohlhabenden Kaufleute.
Nicht bloß die Gerechtigkeit, sondern auch die Klugheit gebietet überall die Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen, sowohl bei den steuerzahlenden Individuen, als auch bei den abgabepflichtigen Staaten. . t ,
Tie ganze Frage wäre tut Handumdrehen zu lösen, wenn wir nur einen gerechten und brauch- baren M a ß st a b für die Verteilung der Matrikularlasten hätten, den man anstelle des bisher maßgebenden Kopfzahl setzen könnte. Durch einen folchen neuen Maßstab, der sich der Leistungsfähigkeit der einzelnen anzupassen hätte, soll denn nun die „Veredelung" der Matrikiilar- bcilräge vor sich gehen. Das Unglück ist dabei nur, daß ein derartiger neuer Matrikularfuß noch nicht gefunden ist, und es ist auch keine Aussicht, daß eine allseitig befriedigende Abschätzung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Staaten entdeckt werde.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben ihr Atlantisches Ge- schwader unter dem Kommando des Admirals Evans nach dem Stillen Ozean entsandt. Tie Munitionsmagazine sind gefüllt, alle lapanlschen Köche und Bedienten find vor der Abfagrt ent- lassen worden. Daß die Fahrt nur eine Ueb- ungsfahrt darstellen soll, kann man nach den getroffenen Vorbereitungen kaum annehmen, Zusammenhang mit der Ausreise des Atlantischen Geschwaders gewinnt besonderes Interesse die Forderung des amerikanischen Marmesekretars betr. den Neubau von 28 Schiffen mit einem Ge- samtkostenanfwand von 292 Millionen Mark für das Jahr 1908. _
In sßerften kriselt es wieder mal. Am Sonntag ließ der Schah den Ministerpräsideilten verhaften und das Parlament umzingeln. Infolgedessen kam es in Teheran zu Strabenkimd- gebungen. Es erscheint noch ungewiß, ob der Schah nur ein neues reaktionäres Kabinett bilden oder das Parlament abschaffen will. Letz- teres erfcheint glaublicher, jedoch dürfte die Ausführung des Staatsstreiches auf außerordentli- chen Widerstand stoßen.
In der Kommission ist angeregt worden, man möge in allen Biindesstaaten eine gleichartige Vermögenssteuer einführen, und zwar in Form einer Staatssteuer, aus deren Ertrag die Staatskassen ihre Zahlungen an das Reich decken und deren Grundlage (der Vermögensbestandj zugleich den Maßstab für die Matrikularumlagen bilden könnte.
Es drängt sich dabei der Verdacht auf, daß diese Einrichtung auf eine Reichsvermögenssteuer, vorläufig noch maskiert, hinaus- laufen würde. Man soll dem Teufel des Einheitsstaates auch nicht den kleinen Finger reichen. Vor allem müßte hierbei von irgend einer Lande s st e u e r vollständig abgesehen werden; Höch- stens könnte eine bloße Abschätzung des Ser- mögens in Frage kommen, wobei sich das Reich auf den einzigen Zweck der Gewinnung eines neuen Matrikular süßes zu beschranken hätte. . . .
Der Verteilungsmaßstab nach, dem in federn Staate vorhandenen Vermögen wäre gewiß schon ein bedeutender Fortschritt gegenüber dem jetzi- gen rohen Maßstab der Kopfzahl. Doch gerecht würde die Veranlagung erst dann, wenn die verschiedenen Ar t e n des Vermögens je nach ihrer Leistungsfähigkeit verschieden herangezogen wär- den. Namentlich darf man das in der Landwirtschaft angelegte Vermögen nicht ebenso stark belasten, als das in der Industrie oder im Han- del tätige Kapital, das eine viel größere Ver- zinsung aufbringt und nicht so vollständig zu erfaßen ist. Sonst würden die vorwiegend land- wirtschaftlichen Staaten wieder überlastet sein im Vergleich mit den leistungsfähigeren Industrie- und Handelsstaaten.
Im übrigen darf man nicht übersehen, daß auch eine gerechtere Verteilung der Matrikular» beiträge die leere Reichskasse nicht anfüllt. Die Reichskasse würde von dem einen Staat weniger und dafür von dem anderen mehr erhalten, aber schließlich doch nur dasselbe bekommen, waS sie auch jetzt schon bekommt..
In der zweiten sächsischen Kammer ist dieser Tage die Reform der Matriknlarbei- träge zur Sprache gekommen. Der Vizepräsident der Kämmer sprach davon, daß der Reichskanzler über diese Reform mit den Führern der Blockparteien verhandelt haben solle. . Der. Fi- nanzminister erklärte, er wisse amtlich nichts, und er müsse deshalb die Gerüchte für unglaubhaft halten. Die sächsische Regierung halte fest au dem Standpunkt, die finanzielle Selbständigkeit der Einzelstaaten zu wahren und die Einführung direkter NeichssteAern abzulehnen. Die Matrikularbeiträge weiter auszubaueii, fei nicht die Absicht der Einzelstaaten. Selbst wenn ober die Möglichkeit bestehen würde, diese.Beitrage gesetz'ich zu erhöhen, so würden sich die Regierungen doch nicht vorschreiben lassen, in welcher Form diese zu erheben seien.
Sachsen will also von einer anderen Ser- teilung der Matrikularbeiträge nichts wissen.
Deutsches Keich.
= Heber den Flottenvereinsgeneral Keim erfährt der ,Vorwärts' aus gut unterrichteter Quelle: „Als Caprivi seinerzeit die mit der Em- fühmng der zweijährigen Dienstzeit verbundene wesentl'che E'höhung der Präsenzstärke der Armee erreichen wollte, erschienen plötzlich Zeitungs- Artikel, in denen die Landwehr bös heruntergerissen wurde, sodaß in den Reihen der Veteranen sich große Entrüstung erhob. AlsVer- sasser wurde allgemein der damalige Major -Keim, der 1892 und 1893 dem Reichskanzler Caprivi zur Verfügung gestellt war, genannt.
Unpolitische Zeitlaufe.
(::) Berlin, 19. Dezember 1907.
(Nachdruck verboten.)
Ein kleines Weihnachts-ABC. möchte ich den Lesern bescheren; hoffentlich lassen sie auch meinen Verskünsten die Anspruchslosigkeit zugute kommen, die beim Empfang von Weih- nachtsaefchenken am Platze ist.
A. Altar der Liebe — in jedem Hause; Andacht und Segen — in jeder Klausel Anmut im Geben — macht Herzen warm. Denkt der Armen — das Christkind war arm!
B. Bescheidenheit ist stets zufrieden. Mit dem, was Liebe ihr beschieden. Nach Bethlehem lenkt euren Blick: Im Stalle wurzelt unser Glück.
C. Christkindl Ja, in deinem Namen Will geben ich und nehmen an. Don dir die Güter alle kamen. Nickt vom modernen „Weihnachtsmann".
D. Dankbarkeit wirbt neue Gunst. Temul lehrt des Dankens Kunst.
E. Engel steigen auch heut noch nieder, Licht erstrahlet den Fluren wieder, Noch ist der Himmel nah'.
Machet die Häuser, die Herzen offen, Harret in Liebe. Glaube und Hoffen: Hört Vtr das Gloria?
F. Ein Familienfest, ein Friedensfest. Das häusliche Glück ist das allerbest',
G. Geschenke sollen nur Zeichen fein, Die Zeichen des treuen Gedenkens. Je mehr der. Empfänger sie angepaßt, Je größer die Kunst des Beschenkens.
H. Im Himmel ist allzeit Weihnachtsfest. Aus Erden nur einmal im Jahre?
Jetzt kommt etwas Himmel in dein HauS,
O, halte ihn fest und laß nicht heraus Den Segen voni Liebesaltare!
I. Immergrün ist der Tannenbaum, immergrün, Ob Schnee und Frost ihn auch umzieh'». Sein Ideal kann nie verblüh'n. Immergrün ist des Christen Sinn, Ein Jungbrunnen für die Alten, Die heute gern entfalten Das Bilderbuch ihrer Jugend. Den Jungen eine süße Lehre, Daß Glück ihnen nur beschere Die Liebe und die Tugend.
K. Bauet die Krippe Unter dem Baum. Kniet vor der Krippe, Führt an die Lippe Der Windeln Saum. Macht durch die Krippe Stube zum Tom. Dort soll ersprießen, Durch's Haus sich ergießen Des Glückes Strom.
L. Wo Liebe fehlt, da tönt das Erz Da klingen hohle Schellen;
Doch kalt und starr verbleibt das Herz, Kann nicht in Rührung schwellen. Wo Liebe wirkt, da wird zu Gold Das ärmlichste Geräte, Da wird das Herbe mild und hold, Ter Dorn zum Rosenbeete.
Und wer's nicht glaubt, versuch es doch, Ob Lieb' nicht Liebe findet.
Wer richtig kennt das süße Joch, Sich niemals ihm entwindet.
M. Mit Mut — jawohl! — doch auch mit Maß Iß alles zu besorgen.
Ob wirklich gut der Abend war, Tas spürt man fein am Morgen.
N. Durch Nacht zum Licht, Durch Not zur Freude! Vergiß die Weihnachtströstung nicht In Sorgen und im Leide.
O. Zum Opfer hat sich das Christkind gebracht, Und Opfer müssen wir bringen.
Tas letzte Opfer der Todesnacht Mag uns zur ewigen Weihenacht Mit Gottes Hilfe bringen!
P. Der Weihnachtsbaum ist ftumm;
Doch stellt euch nur einträchtig herum Und faßt euch nett an der Hand Und horcht mit Andacht und Verstand, Dann werdet ihr eine Predigt hören Mit schönen, süßen, fiesen Lehren.
Q. Eine reiche, reiche Quelle crsprießt Am Fuße vom Weihnachtsbaum, Daß dich das Schöpfen nicht verdrießt! Im gapzen Erdentale fließt Eine bessere Trostquelle kaum.
R. Rührung ist sehr schön. Doch darf sie nicht verweh'n. Ist das Gemüt gerührt, So rühr' auch gleich die Hand Daß sie kräftig vollführt, Was das Herze empfand.
S. Der Eltern Segen Ist der Kinder Glück. Doch der Segenswimsch der Kinder Lohnt sich nicht minder: Er bringt den Eltern Jugendfreude zurück.
T. Am Baum der Treue
Gelobt auch aufs neue:
Wir bleiben eine Seele und ein Herz In Freude und in Schmerz.
It. O Unschuld, wie leuchtest du so schön Im Strahl der Weihnachtskerzen! Ach Unschuld, du liebliches Engelsbild, Wie leicht bist du zu verscherzen!
B. Tankt dem Vater, dankt der Mutter, Reich beschenkte Kinder!
Und wir alle danken nicht, minder Dem Vater und der Mutter da oben. Die wir ob ihrer Gute loben.
Tenn bedürftige Kinder sind wir allzumal In diesem Jammertal.
W. Weihnacht heißt sie; laß dich weihen Von der heil'gen Wundermacht. Wer den milden Ruf verachtet. Schafft sich eine Wehenacht.
Z. Als die Geister noch trübe. Ward viel Zauberei getrieben. Ein Zauber nur ist noch geblieben: Der Zauber der heiligen Liebe.
Hllond.
Bon Dr. H. Baum.
(Nachdruck verboten.)
II.
Die Bahn des Mondes ist gegen die der Erde nur wenig (rund 5 Grad) geneigt und daher kommt es, daß er oft hinter dem Rücken, d. Y. im Schatten feiner Mutter Verstecken spiele» kann, was man mit dem Namen einer Mond- finsternis bezeichnet, obschon er, selbst wenn er sich ganz in den Erdschatten v rkriecht wie bei ber totalen Finsternis, durchaus nicht so finster dreinschaut. Seine Mutter Erde hat nämlich einen Luftmantel, und dieser gestattet der Sonne „um die Ecke" zu schauen, d. h. die Strahlen der Sonne werden durch diesen Mantel zumteil in den Schattenkegel hineingebrochen, sodaß der Mond noch ziemlich viel Licht von der Sonne empfängt. Uebrigens macht es der kleine Enkel noch häufiger,, daß er, wie auch andere Kleine, bei diesem Spiel noch den Kopf oder halben Körper hervorschauen läßt, was man dann eine partielle Mondfinsteruis nennt.
Umgekehrt will er aber auch manchmal „den Großen spielen", und durch sein Dazwischentreten (näml. zwischen Sonne und Erde) bringt es der kleine Gernegroß tatsächlich nicht selten fertig, daß die ganze Strahlenherrlichkeit ber, großen Sonne für uns ganz verschwindet. Die Men-