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Fulda, Samstag den 21. Dezember 1907

34. Iahraansi.

Drittes Wlatt

M 293.

Ne»hinzutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung ab bis Ende Dezember umsonst.

* Der WerjM des Klemen Mannes.

Der Wechsel ist in unserem heutigen Wirt­schaftsleben zu einem überaus bedeutsamen Fak­tor geworden.

kehr. Dem kleinen Manne, dem Handwerker und Detaillisten, ist der Wechsel bisher nur in sehr beschränktem Umfange zugute gekommen. Ja, man hat' ihn bisher vielfach direkt davor gewarnt und ihm gesagt: Hüte Dich vor dem Wechsel! Darin stak ein gutes Stück Wahrheit, aber es war eben auch nur eine bedingte Wahrheit. Ein Wechsel ist ein gefährliches Instrument für den, der seine Natur nicht kennt und nickt damit umzugehen weiß, kann aber sehr wohltätige Wirkungen für den haben, der ihn zu handhaben versteht. Es muß in der Tat bedauert werden, daß der Wechsel dem kleinen Manne, dem Klein­gewerbetreibenden, Handwerker und Kleinkauf­mann, bisher so wenig zugute gekommen ist.

Handwerker und Kaufleute empfinden bei dem gegenwärtig herrschenden Geldstande drü­ckender als je die Mißstände, wie sie im kleinge- werblichen Zahlungsverkehr bestehen. War die Borgwirtschaft schon immer ein schlinimer Uebelstand für die Angehörigen des Msttelstan- des, so ist sie heute zu einer wahren Kalamität geworden und zwingt geradezu zum Nachdenken darüber, wie diesen! Mißstande endlich mit Er­folg abgeholfen werden könne. Im Großhandel und Großoerkehr bestehen Mißstände dieser Art in den: vorbezeichneten Maße nicht. Der Zah­lungsverkehr ist hier vielmehr weit besser geregelt als im Mittelstände. Ein Hauptverdienst daran kommt dem Wechsel zu. Ist hier ein Auftrag ausgeführt, so hat der Lieferant sofort die Mög­lichkeit, durch Ausstellung eines Wechsels sein Betriebskapital wieder hereinzubckommen. Seine eigenen Berbindlickkeiten kann er mit dem Wech­sel bezahlen oder den Wechsel an der Bank dis­kontieren lassen, wenn er bares Geld braucht. Es ist ohne weiteres einleuchtend, wie überaus wert- voll diese Zabluugsiveise ist gegenüber der Borg- wirtschaft im Mittelstände. Die Handwerker und Kaufleute sind gezwungen, ihren Lieferanten ge­genüber die kurz bemessenen Zahlungsfristen ein- zuhalten, während sie selbst ihren Knuden weit

Baden und Bayern die allgemeine und gleiche, geheime und direkte Wahl zu den Landtagen be­steht, ist sie in erster Linie dem Zentrum zu verdanken.

Während so die Bemühungen des Zentrums in der preußischen Wahlrechtssrage eine ununter­brochene Kette bilden, konnte, wie der Sozial­demokrat Arons auf dem Preußent.rge im No­vember erzählte, der sozialdemokratische Abg. Liebtnecht erklären: den preußischen Land­tag lassen wir verfaulen!

Io n i f ot i o n entgegenzuwirken.

, . HI So klug wie zuvor ist man, wenn man stest, was gegenwärtig über die letzte Bundesrats- Sitzung und die Steuerentwürse mitgeteilt wird. Auf der einen Seite heißt es, die Ent- würse über das Spiritus - Monopol und die Zigarren-Banderolen euer seien dem Bundes­rate zugegangen. Bon anderer Sei'e wird be­hauptet, das sei nicht wahr, soweit es die Zigar­ren angehe. Die Regierung habe zwar die Ab­sicht, die besseren Zigarrensvrten schärfer heran- zuziehen, aber die Sache sei noch nicht spruchreif.

länger borgen müssen. Ist der Handwerker an und für sich schon kapitalschwach, so muß diese Art des Zahlungsverkehrs ihn noch weitpr herab- drücken.

Man würde dieser Misere entgegenwirken können, wenn es gelange, den Geschäftsverkehr zwischen Kleingewerbetreibenden und Publikum mehr als bisher durch Wechselverkehr zu regeln. Bisher ist das noch gar nicht oder nur in ganz verschwindendem Maße der Fall gewesen. Der Handwerker muß Wohl Wechsel unterschreiben, die der Lieferant auf ihn zieht, aber er selbst wendet den Wechsel höchstens an, wenn es sich nm größere Aufträge für Unternehmer handelt. Im Verkehr

zwischen Kleingewerbetreibenden und Publikum ist dagegen von Wechfclverkehr int allgemeinen noch keine Rede. Aus einer Statistik, die aller­dings schon einige Jahre zurückliegt, ist es inter­essant zu sehen, welche Masse von kleinsten Wech­seln bei dw Bank von Frankreich Vorkommen. An Wechseln von 10 Franks und darunter wur­den in einem Jabre in Paris allein eskomptiert 209 600 Stück Wechsel, von 11 bis 50 Franks 822 780, von 51 bis 100 Franks 1 070 450, int ganzen also über zwei Millionen Stück bis zu 100 Franks. In Frankreich kommen vonseiten der Kleingewerbetreibenden Klagen über Mangel an Kredit nicht vor, weil in Frankreich alles ditrch den Wechsel beherrscht wird.

Das zeigt deutlich, welche Bedeutung der Wechsel auch für den kleinen Mann gewinnen kann. Aber Zustände, >vie in Frankreich, lassen sich nicht mit einem Tage herbeiführen. Dazu bedarf es einer langen kaufmännischen Erzieh-

Diese Zeitung kann schon jetzt für das erste Quartal 1908 bei allen Post- anstalten, Landbriefträgern, Zei­tungsträgern und bei der Expedition (Harmonie) zum Preise von 1,50 Mark lohne Bestellgeld und Bringer­lohn) bestellt werden.

Sozialdemokratie beweist damit nur, daß ihr die Wahlrechtskampagne weniger ein Kampf ums Wahlrecht ist, als ein Kampf — gegen das Zentrum.

Die Sozialdemokratie beklagt sich darüber, daß das Zentrum sich nicht genügend am Wahl- rechtskampf beteilige. Glaubt denn wirklich die Sozialdemokratie, daß man lediglich mit Reso­lutionen eine solche Forderung durchbringe, wie die Einführung des gleichen, direkten und ge­heimen Wahlrechts für den Landtag. Was tut aber die Sozialdemokratie mehr, ats in Ver­sammlungen solche Resolutionen annehmen zu lassen? An Resolutionen hat es aber auch das Zentrum nicht minder fehlen lassen, als die Sozialdemokratie, wie allein die auf den Partei­tagen des Zentrums der letzten Jahre einstimmig angenommenen Wahlrechtsresolutionen beweisen. Daß auf dem im Angust abgehaltenen Katho- I hientafle die Wahlrechtssrage mit „keiner Silbe erwähnt worden" ist, worüber die sozial- I demokratischen Flugblätter sich beklagen, ist ganz I selbstverständlich. Denn die Katholikentage sind I doch keine Zentrums-Parteitage.

Die sozialdemokratische Behauptung, daß das I Zentrum die Initiative in der Wahlrechtssrage der Regierung überlasse, trifft nicht zu, denn in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 2. April 1906 hat das Zentrum durch den Abg. Dr. Porsch ausdrücklich erklären lassen, nach welcher Richtung sich die Wünsche des Zen­trums bewegen und wie es dieselben erjüHt ! sehen möchte. Schon im Jahre 1873 hat das Zentrum einen Vorstoß in der preußischen Wahl­rechtsfrage gemacht, l 883 hat es für einen demo­kratischen Antrag gestimmt, die die Einführung der geheimen Stimmabgabe verlangte, 1886 einem gleichen, von freisinniger Seite gestellten Antrag zugestimmt und im Jahre 1893' erklärte der Abg. Dr. Karl Bachem: „Wir halten fest an dem prinzipiellen Boden, den wir schon von jeher eingenommen haben, wonach wir das all­gemeine, direkte, geheime Wahlrecht, wie es für die Reichstagswahlen besteht, für das richtige auch bei den Landtagswahlen halten." Dieser Standpunkt ist bis zur Stunde für das Zentrum maßgebend geblieben, und wo wie in

Amland

* Das österreichische Herrenhaus hat am Don­nerstag den Ausgleich sowie das Quo- tengesetz in allen Lesungen ange-

Deutsches Reich.

1. Die Nrbersicht der Entschließungen der fönigL Staatsregierung auf Beschlüsse des preu­ßischen Abgeordnetenhauses aus der 20. Legis­laturperiode ist dem Abgeordnetenhaus zur Kenntnisnahme zugegangen. Aus dem Inhalte teilen wir folgende Entschließungen mit: .Ein Gesetzentwurf über die Umgestaltung der Generalkommission ist ausgestellt wor­den. Tie Verhandlungen darüber schweben noch zwischen den beteiligten Nesiorts. Die Geschäfts- Verhältnisse der Kanzlisten bei den Amis- und Landgerichten sowie bei den Staatsanwalt­schaften sind durch die Kanzleiverordnung vom 27. März 1907 neu geregelt worden. Tie Besol- dungsverhältnisse sind Gegenstand f chwebender Erwägungen. Die Verhandlungen bezw. Unter­suchungen über die Zweckmäßigkeit und Durch, führbarkeit einer Kanalisierung der M o- sel und Saar konnten itoch nicht abgeschlos- fen werden. Tie Vorarbeiten für die Kanali­sierung der Lahn sind ebenfalls noch im Gange. Der schon bisher nach Möglichkeit ge­förderten Heranziehung von Handwer­ke r ver e i n ig u n g e n zu staatlichen Arbeiten und Lieferungen namentlich für Heeres- und Eisenbahnverwaltung, wird fortan ganz beson­dere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Auch di« Kommunalverwaltungen sind veranlaßt, bet Ver­gebung von Lieferungen und Arbeiten die Hand- werkervereintgmtgen tunlichst zu berücksichtigen. Die Bemühungen durch Schaffung einer genü­genden Zahl unabhängiger zuverlässiger Nah- rtingsmittelunterfuchungsämter eine ein beit Iiche und allgemeine Nahrungsmit­telkontrolle in Preußen durchzuführen, sind von Erfolg gewesen, sodaß voraussichtlich im nächsten Jahre das erstrebte Ziel überall erreicht sein wird. Es dürste wahrscheinlich fein, daß di? Staatsregierung der Einführung einer Pauschal- itmine für Dienstreisen der Kreis­ärzte und Kreistierärzte zustimmen wird. Es ist angeordnet worden, daß in Fällen, in denen infolge Inkrafttretens des neuen Kreis- und Provinzialabgabengesetzes die Pächter von Staatsdomänen wegen der veränderten Kreis- sreiierpslicht des Fiskus nach ihren Pachtverträ­gen erheblich höhere Kreissteuern zu zahlen ha­ben, zitr Verhütung von Ueberbürdun- gen diese Leistungen für die laufende Pacht­periode aus Staatsfonds übernommen werden. Es werden Maßnahmen erwogen, nm aus dem Landarbeitermangel sich ergebende« Notstände auf dem Gebiet der inneren K o-

ö Sozialdemokratie und Landtags- Wahlrecht.

Auf dem sozial)'uiokratischen Preußentage erklärte am 22. Rovember dieses Jahres der Parteisekretär Mrllcr auf die Frage, welche Mittel die Partei offiziell im Kampfe für ein besseres Laudtagswahlrecht verwenden wolle, namens des Parteivorftandes: aus taktischen Gründen hierüber nichts sagen zu können.

Auch heute noch weiß die Sozialdemokratie bte Frage, wie sie sich die Erzwingung der Uebeitragung des Reichstaaswahlrechts auf den preußischen Landtag praktisch denkt, nicht zu be­antworten. Da Hilst sie sich denn inzwischen mit Verdächtigungen des ehrlichen Willens des Zentrums auS. Daß letzteres sich bei den ver­schiedensten Gelegenheiten durch programmatische I Erklärungen auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht auch für den preußischen Landtag festgelegt hat, weiß die sozialvemokra- tische Presse ebenso genau wie wir. Daß ferner bet der Verteilung der politischen Machtverhält- nisse und bei der gegenwärtigen Blockpolitik! ras Zentrum mit seinem Antrag nicht durch­dringen kann, weiß die Sozialdemokratie ebenso I bestimmt.

Dazu kommt noch, daß nicht etwa allein von I der Zustimmung des preußischen Landtages es | abbängt, ob rin Gesetzesantrag auch wirklich Gesetz I wirb, sondern dazu bedarf es der Zustimmung I der preußischen Regierung selbst sowie des Herren­hauses. Kl ngt es da nicht mehr als lächerlich, I wenn die sozialdemokratische Presse und die sozial-1 demokr. Flugblätter immerfort betonen, das I Zentrum brauche bloß de« ernstlichen Wil len zu I zergen, nm die Einführung des Reichstaqswahl-1 rechts auch für den preußischen Landtag durch-1 zusetzen? Erst recht lächerlich, wo sich das Zen-1 trum seit Jahresfrist zur preußischen Regierung in der schärften Opposition befindet? Diej

II o mm en. nachdem sich sämtliche Redner mit . Ausnahme. des Grafen Knefstein, welcher wegen 1 staatsrechtlicher Bedenken den Ausgleich ablehnte, für den Ausgleich ausgesprochen unb der Re»

Die Summen, welche heutzutage durch Wechsel ausgeglichen werden, gehen ins Ungemeiseite. Würde man ans unserem Zahlungsverkehr ben Wechsel plötzlich ausschalten, so würbe bies bie schwersten Erschütterungen und Umwälzungen nach sich, ziehen. Doch diese Bedeutung hat der |im9- Wechsel in der Hauptsache nur für den Großver-

>en

Machdruck verboten.)

(Schluß.)

»Still, still, Kleine, — nach dem Wagen! Un­terwegs wird Deine Neugier befriedigt werden I" lachte Lothar und brängte dem Ausgange zu.

, Unb als sie in der eleganten Biktoriachaise saßen, bie geräuschvollen Straßen ber belebten Handelsstadt verlassen hatten unb auf bet von uralten Linden eingefaßten Kunststraße ihrem Ziele zu rollten, da erzählte er ben aufhorchendeu Schwestern die seltsame Mär von der jungen alten Jtante, von ihrer Verkleidung unb all den komrichen Zwischenfällen, die ihm, dem Getäusch­ten. endlich bie Auge« geöffnet hatten. Und toa^re Lachsalven ertönten fortwährend von den Lippen der drei reizenden, jugendfrischen Gestal-

sage ich Dir! Nicht einmal hier kannst Du mit ihr existieren! In allem Ernste sage ich Dir: Diese unsiimige, widernatürliche Verlobung muß rückgängig gemacht werden!"

„Auf keinen Fall, Herr Schwager!" klgpg da hinter dem erregten alten Herrn von rosigen Lippen eine silberklare, jugendfrische Stimme. „Damit bin ich nicht einverstanden! Sie haben mir Ihren Sohn zugeschickt, damit ich ihn be­muttern soll, das aebenfe ich auch zu tun! Er ist unb bleibt setzt meint*

„Wa-as?"

Im Nu hatte ber Baron sich umgetoanot unb starrte verblüfft auf die wunderschöne junge Tante, bie, von Lconic und Gina geführt, leise eingetreten war und nun lächelnd, hinter ihm stand.

„Na, was meinst Du zu ber alten Tante, sagte Lothar schmunzelnd..

„Das — das ist — — Junge, halte mich nicht zum Narren!"

„Das ist Deine Schwägerin, die Baronin Schansfenstein, meine Hefte, süße Braut, aber nickt Lnkels erste Frau, Thusnelda, geborene Britting, — bie ist feit Jahren tot, — sondern die zweite: Else gebotene von ber Horst, einzige 1 Tochter des verstorbenen Generals von bet Horst!"

„Meines Jugendfreundes und Regiments- fameraben?" schrie ber Baron außer sich. „Junge, bas war niederträchtig von Dir, mir bas so lange zu verheimlichen! Aber ich will es Dir verzeihen! Wer konnte denn auch wisien, daß ber Bruno bie vernünftige Idee gehabt hat, noch einmal zu heiraten unb obenbrein ein so verteufelt hübsches Persönchen! An mein Herz, Schwägerin, — nein, Schwiegertochter, — nein, beides I Und Du, Gina laß zum Tiner Sekt heranschaffen, Pom- mery, — aber nicht zu knapp! Wir müssen sie leben lasten, diese — diese famose, hübsche, hingt „alte Tante"!

Die alte Hante.

Humoristische Erzählung von Gustav Reh selb.

ten, daß bie Spaziergänger verwundert und köpf- schüttelnd ben so ungewöhnlich Fröhlichen nach- sckaiiten.

„Und Papa? Wütend, was?" hatte Lothar gefragt.

„Na, unb wie!" lachte Leonie fröhlich, wäh­rend Gina sagte:

„Weshalb, um alle Welt, hast Du ihn derartig in — in Aufregung versetzt?"

„Zur Strafe, — weil er mich zum Erbschlei­cher, ausschickte!" scherzte Lothar. —

Sie waren im Schloß zu Blankensee ange­langt. Die Baronin hatte mit Hilse Fanchette's schnell den Reisestaub abgeschüttelt und ein wei­ßes Battistkleid angelegt, in welchem sie izoch rei- zender ulid mgendfrischer als ohnehin schon ans- sah, während Lothar sich auf den Wunsch seiner Braut in Uniform kleidete. Dann saßen sie scher- zend unb plaudernd auf der Veranda, — glück­liche, fröhliche Jugend, — als ein Diener sich nahte.

^err Leutnant, Sie möchten sofort in bie Bibliothek kommen. Es wünscht Sie jemand zu sprechen!"

„Mich, wünscht jemand zu sprechen? Wer denn?" rief Lothar erstaunt aus.

„Das darf ich nickt sagen!" versetzte der Die­ner, sich eilig entfernend.

„Aha, — Papa!" lachte Lothar luftig auf. „Ick gehe! — Leo, führe Du Else durch die Ge- sellsckastsräume nach der Bibliothek, sodaß ihr aus Papa's Salon hineintretet, aber geht etwas langsam, — will den guten Papa noch etwas zappeln lasten!" —

„Höre, was ist das für ein verrückter Streich, Iwrge, den Tu da gemacht hast!" schnaubte der alte Herr, ber mittlerweile wieder in hochgradige Wut geraten war, feinen unbefangen lächelnden Sohn an. ^Verlobst Dich mit einer alten Fran, Tu, mein ^Stammhalter! Ich finde gar keine Worte dafür! Du — Du bist ein Intrigant, ein Glücksjäger! Denkst Du etwa, mit der be­jahrten Person in Berlin, im Kameradenkreise leben xu können? Unmöglich machst Du Dich,

daß — daß Deine Braut doch möglicherweise viel Gepäck hall"

„Und ob!" lachte Lothar fröhlich.

„Aber wo ist sie denn, die Tante? Weshalb holst Du sie nicht heraus? Ich sterbe vor Neu- gier!" platzte Leonie heraus. „Du, ist sie wirk­lich schon so alt?"

„Na, sieh sie Dir doch an, sie steht ja neben Dir!" scherzte der Glückliche. „Ach, so, ja, die Vorstellung! — Frau Baronin von Scharffen- ftein, unsere alte Tante, — hier, liebe Else, Deine Nichten Regina und Leonie! Und nun küßt euch Kinder!"

Sprachlos starrten die jungen Mädchen auf die wunderschöne Blondine im Hellen duftigen Sonnnerkleide, die unfern von ihnen stand und lächelnd ihren Worten gelauscht hatte. Das die Tante? Tie alte Frau von fast sechzig Iah- ren? Tas war ja das reizendste Geschöpf, kaum so alt wie Leonie, — nein, noch jünger, — ent­schieden jünger! Unb sie hatten sie für eine Rei­sende gehalten, die vielleicht auf ihre noch int Kupee befindliche Mama wartete!

„Seid mir gegrüßt, Regina und Leonie — ihr gestattet mir bodi sogleich bas scwvesterliche Du?" fragte Else schelmisch.

Herzliche Küsse besiegelten ben neugeschlofie- neu Frevnbschaftsbund.

„Aber, böre Du, — ich verstehe noch immer nicht —" platzte Leonie abermals heraus.

„Sollte mir einfalleu!" brauste ber alte Herr wieder auf. „Womöglich auf dem Bahnhof Be­kannte treffen unb bie alte Person als meine zukünftige Schwiegertochter vorstellen, — das fehlle noch! Fahrt ihr nur beide hin und holt sie ab, — ich habe notwendig in Hohenwalde zu tun, — komme erst zum Diner zurück, — werde mich ja wohl bis dahin so ziemlich beruhigt haben!"

Und er erhob sich und stapfte mit Riesenschrit­ten, leise vor sich hinbrnmmend, davon.

„Es läutet, der Zug fährt ein! Schnell, Gina! Hnnniel, wie ich neugierig bin!" rief Leonie, den Wartesaal erster Klasse verlassend und auf den Perron hinauseilend, vorbei an dem Schaffner, Der ihr vergebens nachrief und sich erst beruhigte, als Regina ihm ihre und ber Schwester Bahn- steigkarte vorwies, worauf sie der Davongelaufe- «en langsamer folgte.

Landsberg r fünf Minuten!"

Ter Zug breit, strich darauf sprang Lothar elastisch aus!viu SaIoa^gen erster Klasse.

„Holla, Madels, — Gin«. Leo! Da seid ibr ja! Papa ist nicht hier, was?" ' 9

„Nein, Lotl)ar, — er hat keine Qeit — er läßt bitten -" ' er

„Schon gut, schon gut, — erwartete gat nicht ihn hier zu sehen! Hier, Fanchette, den Gepäck- schein'." luanbte er sich an die herzugekommene Zofe, bte neugierig die schönen jungen Damen, die Schwestern „unseres Neffen", musterte. „Ver­anlassen Sie das weitere! Ihr habt doch einen Gepäckwagen mitgebracht, — was, ihr Mädels?"

„Haben, wir, und zwar aus meine Verant­wortung hin!" ries Leonie lustig aus. „Gina Lieft es zwar nicht für nötig, ich eher faoh> mir.

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