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34. Jahrnang.

Fulda, Freitag den 13. Dezember 1907

M 286.

Reklamen- und Anzeigenteil.

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(Nachdruck verboten.)

Rstatton,druck «. Verlag »er .luldaer 2k* tiendr ickerei in Sulb«. zerniprecher Nr. 9.

A«,ela en. Vie em fpaltigepetitzeUe oder deren Raum 15 pfg» Retlamee die Petit;«!!» 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr» Nada« t aewSdrt.

* Karlsruhe, 11. Dez. 1907. Der Groß­herzog hat aus Anlaß feines Regierungsantritts 67 zu Freiheitsstrafen verurteilte Personen die Strafe völlig ob er teilweise erlassen. Unter den Begnadigten befindet sich auch eine wegen Mordes zum Tode und zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte Person, die nunmehr auf Wohlverhalten entlaffen wird. Außerdem hat das Kriegs­ministerium in 127 Fällen Gnadenakte verfügt.

• München, 11. Dez. 1907. Im Landtage wur­den durch den Verkehrsminister allerlei Post- fr a g e n zur Svrache gebracht. Sie gehen da­hin: Ter Postscheckverkehr werde in Bayern nur im Anschluß an ein einheitliches Vor­gehen im Reiche eingesührt. Bezüglich der baye­rischen Briefmarke ziehe man in Erwägung, ob der seitherige Reliefaufdruck nicht durch Glatt­druck ersetzt werben solle. Zur Frage der Ab­lösung der Portofreiheit des fürstlich Thum» und Toxischen Hauses sei eine Gesetzesvorlage in Arbeit. Lebhaft trat der Minister für das baye­rische Postreservat und die bayerischen Briefnmr- ken ein und zwar aus finanziellen und politischen Gründen.

Ehrenzeichen aus Stahl für Verdienste um die Expedition während des Aufstandes m Südwest­afrika verliehen worden.

* Bad Wildungen, 12. Dez. 1907. Dem Vernehmen »ach wird die König!. Spezial- Kommission dahier am 1. Oktober 1908 auf­gelöst werden. HerrRegierungsrat Reinhardt wird allein in seiner Eigenschaft als Kommiflar für den Grunderwerb zur Edertalsperre hier Der­bleiben. _ m

* Weilburg, 12. Dez. 1907. Das Ver­schwinden des Bürgermeisters Seelbach aus dem benachbarten Allendorf ist jetzt anfge- klärt. Die holde Weiblichkeit hat ihn an' deS Schicksal« verhängnisvolle Bahn getrieben. Mit der Witwe des hiesigen siüheren Kreissekretärs Müller ist er nach Amerika gegangen. Seme Frau und 3 Kinder hat er in dürftigen Verhältnissen zurückgelassen, da er den größten Teil feines Ver­mögens mitgenommen hat.

* Göttingen, 11. Dez. 1907. Die, Universität zählt in diesem Semester 1857 Studierende, 119 Hörerinnen und 72 Hörer. Es ist das die höchste Frequenz, die unsere Universität bisher je im Winter aufzuweisen gehabt hat.

Helles Gelächter, Bravorufen seitens der Her- ren, mehrstimmiges: „Ach pfui!" seitens der Damen erscholl als Antwort. Gleich darauf richteten sich aller Blicke neugierig musternd auf Lothar.

„Na, wenn die Sache so steht/ rief die schöne Brünette indigniert aus. „dann ist es allerdings besser, wir lassen die Kranke in Ruhe und verfü­gen uns! Sagen Sie Ihrer Herrin/ wandte sie sich an Johann, „wir ließen schön grüßen und ihr recht baldige und gründliche Besserung wünschen, — verstehen Sie wohl: Besserung! Vergessen Sie nicht, dieses Wort zu betonenI Vorwärts, meine Herrschaften!-

Die alte Hanfe.

Humoristische Erzählung von Gustav Rehseld.

erfahren! Aber erst Ihr feierliches Versprechen, meine Damen und Herren!"

„Wir geloben es! — Wir versprechen esl — Wir schweigen wie das Grab!" so klang es lustig durcheinander, und alle umdrängtcn mit ihren Pferden den Schwarzbärtigen, begierig, den neuen Skandal zu erfahren, denn das es ein folcber war, unterlag keinem Zweifel. Der Baron, ein reicher Lebemann, interesfierte sich nur für Skandaigeschichten, die er dann mit Vorliebe, ohne die geringste Rücksicht zu nehmen, ver­breitete.

„Ach, Gott, nein, — das — daS wollte ich ja gar nicht sagen!" stammelte Johann verzweif­lungsvoll. „Ick — ich — verzeihen der Herr Leutnant, die Gnädige erwartet mich — ich muß schnell zu ihr!"

Und dem jungen Manne einen unendlich ko­mischen Blick zuwerfend, eilte er spornstreichs m das Haus. Lothar aber begab sich, vor sich hm lachend, auf sein Zimmer, beendete schnell seine, Brief und verließ dann unverzüglich bk Milla.

(Fortsetzung folgt.)

Ausland-

* Solbatenmißhandlunqen in der öster­reichischen Armee. Der öandesverteibigungs- Minister Georgi beantwortete am Mittwoch im österreichischen Abgeorbnetenhause zwei Inter­pellationen wegen Tötung eines Sol- baten und wegen unsittlicher Attentate von Unteroffizieren auf Soldaten. Der Minister erklärte, daß bie in ben Interpellationen er­wähnten Vorfälle sich tatsächlich in der geschil- Betten Weise zugetragen hätten. Ein Artillerie- instrukteur in bet Marine, der schon im vorigen Jahre wegen Verübung von Unsittlich­keiten angezeigt worben war, sei im laufenben Jahre eines anberen Sittlichkeitsoerbrechens über- mieten unb deshalb gegen ihn und zwei weitere Instrukteure bie Untersuchung neu ausgenommen worden. Herr v. Georgi bestätigte ferner die Meldung von der Erschießung deS In­fanteristen Herschkowits durch ben Kor­poral Balint. Der Koporal ließ zwei Bänke übereinanderstellen, um Herschkowits darüber springen zu lasten. Al« die« dem Soldaten nicht gelang, erklärte der Korporal, er werde Hersch­kowits erschießen. Er ließ sich ein Gewehr bringen unb lud es mit einer scharfen Patrone, die früher beim Scheibenschießen versagt hatte, jetzt aber losging, worauf Herschkowits tot zu» lammenstürzte. Der Minister erklärte, baß bie ganze Armee seine Entrüstung über dies Vor­kommnis im vollsten Maße teile. E« feien strenge Weisungen ergangen, um in Zukunft solche Aus- schreitungen hintanzuhalten, ober wenn sie ge­schehen, auf das empfindlichste zu bestrafen. Ein solcher Geist der Roheit müste von Grund aus ausgerottet werden. Die Erklärungen des Minister« wurden vom ganzen Hause mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

mehrere Mal um eine Verbesserung der Kost, dl» verhältnismäßig teuer sei, und von der f-hr be­scheidenen Gage der Acrzte abgezogen wird, er­sucht. Dieses Ersuchen wurde, abgelehnt. Tie slerzte erklären nun, so lange die Regiekost abzu­lehnen, bis drese besser wird. Im Vorjahr» lehnten die Aerzte des Franz Jospeh-Spitals in Wien die Regiekost ab. Die Stadthalterei nahm sich der Aerzte an und schuf rasch Abhilfe.

* Das „Trampeln" der Studenten. Am „schwarzen Brett" der Universität Heidel- berg befindet sich seit einigen Tagen der fol­gende interessante Anschlag: „Infolge baupoli­zeilicher Anordnug wird ersucht, den üblichen Gruß vor und nach der Vorlesung zu unterlas- senl" — Der „übliche Gruß" ist das Trampeln der Studenten. Es scheint also mit der Sicher­heit im Heidelberger Universitätsgebäude nicht zum besten bestellt zu sein!

k. Gnldsunde auf Island. Auf Island sind in letzter Zeit nicht unbedeutende, Goldfunde ge­macht worden. Bei Bohrungen in der Nähe von Reykjavik stieß man in einer Tiefe von etwa 139 Fuß auf ein recht stark goldhaltiges Lager, das, wie die vorgenommene Untersuchung ergeben hot, in einer Tonne (>000 Kg.) Roherz für etwa 90 Mark Gold enthielt. Man meint darum, daß der Minenbetrieb sich lohnend gestalten muß; jeden­falls nimmt man in Amerika die Goldgewinnung schon bei 20 Mk vro Tonne, und in Griechenland selbst bei reichlich 10 Mk. auf und findet dabei feine Rechnung, wobei allerdings die dort wesent­lich billigere Arbeitskraft in Betracht zu ziehen ist. Auf Island will man nun fein Glück ver­suchen, zumal auch Silber und Zink gefunden werden; eine neu gegründete isländische Gesell­schaft mit einem vorläufigen Kapital von lOOOOfl Kronen wird sich der Gewinnung des Goldes widmen, und wer weiß, was für eine neue groß« Zeit für die alte Sageninsel und ihre Bewohner andricht.

♦ Besitzer eines äußerst wertvollen Hundes ist seit einigen Tagen ein Juwelier in Köln. Das kam so: Lord, so heißt der Hund, hat seinen Platz hinter der Theke und kann m furchtbare Erregung geraten, wenn er in feiner behaglichen Ruhe gestört wird. Dieser Tage entfiel dem Juwelier ein wert­voller Damenbrillantring, der ihm foeben zur Re­paratur überbracht war. Das Kleinod rollte vor die Tatzen tiorbS, und das war dem im Schlummer gestörten Tier zu viel. Wutschnaubend stürzte er sich auf den Ring und verschlang ihn. Seitdem wird Lord sorgsam behütet. Medikamente der ver­schiedensten Art waren nicht imstande, Lord zu be­wegen, den Ring wieder zurückzugeben, und so fürchtet man, daß er sein teures Leben lassen muß, da die Dame den Ring als ein unersetzliches An­denken bezeichnete.

Deutscher Reich.

* Zur Enteignungs-Vorlage. Don einem Deut­schen in der Provinz Posen erhalt die „Köln. Volksztg." folgende Zuschrrst bte als Stamm- ungsbild aus der Ostmark auch m Berlin Beach­tung finden dürfte: „Das Schicksal ber Enterg- nungsvorlage wird naturgemäß nrrgends tm deutschen Reiche mit größerer Spannung ver­folgt als hier im Osten, auf dem Schauplatze der beantragten Gewaltmaßregeln. Es handelt sich hier um mehr als um bloße Neigung zum Debat- Heren und Kritisieren, es handelt sich um eine Lebensfrage des deutschen Bürgertums. So freu­dig jede gesetzliche Maßnahme zum Schutze und zur Stärkung des Deutschtums hier begrüßt wer­den würde, darüber sind fich alle Deutschen, denen es nicht von Amts wegen anders befohlen wird, klar, daß ein ungerechter, rücksichtslos zu- tappender Schritt, wie ihn eine Enteignung trotz alles Drehens und Deutelns darstellt, von ber- hängnisvolleli Folgen begleitet sein würde. Nur mit Gewalt — so glaubt man hier — ließe sich ein polnischer Magnat, der auf seinem von den Altvordern ererbten Besitz stolz und frei, nte- manben hörig, thront, von Haus und Hof trei­ben. Zahlreiche deutsche Gutsbesitzer haben dem Schreiber dieser Zeilen versichert, daß sie einen solchen Widerstand durchaus verstehen könnten, und im gleichen Falle nicht einen Deut anders handeln würden. Tumultuarische Szenen wären an der Tagesordnung, und dem Deutschen, der ohnehin schon seht genug unter der Ungunst der Verhältnisse leidet, würde das Leben zur Hölle gemacht. Nach der Annahme der Vorlage durch den Landtag würde der Kriegszustand offen Pro­klamiert. Kampf bis aufs Messer im wirklichen Sinne des Wortes wäre die Folge. Es wäre der Regierung absolut unmöglich, der bis auf den tiefsten Grund aufgewühlten Parteileidenschaft einen festen Tamm entgegenzufetzen. Es ist das durchaus feine hasenfußige Uebertrcibung. Wer selbst hier im Osten lebt und aufmerksam jede Regung hüben und drüben verfolgt, ber tveiß bester als alle Diplomaten der grünen Tische, welche Folgen das Regierungsprogramm herauf- beschwören wird. Daran ändern alle Reso­lutionen der Oftmarkenvereine nichts — sie tra­gen im Gegenteil nur dazu bei, die wahren An­sichten der ostmärkischen Bevölkerung zu ver­decken, nichts ändert daran auch der rosenrote Optimismus Fürst Bülows und seiner Exzellen­zen, Bülows, ber während seines ganzen Erden- wallens als Reichskanzler „zu seinem Bedauern" noch nicht Zeit gefunden hat, der Ostmark einen Besuch abzustatten. Viele Punkte ber Bülowschen Rede haben bei den Kennern der hiesigen Ver- hältnisfe nur ein mitleidiges Lächeln zu erwecken vermocht. So, als er von dem ausschlaggeben­den Einflüsse des deutschen LatifundienbesitzeZ sprach. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß auf fast allen deutschen Gütern, selbst auf den königlichen Domänen, nur der Gutsherr mit seinen Angehörigen und höchstens seinen Wirtschaftsbeamten deutscher Nationalität ist, während sich die Jnstleute durchweg aus Polen rekrutieren. Wie ein solcher polnisch durchfetzter Wirtschastsbesitz dem Deutschtum nützen soll, ist nicht recht ersichtlich. Selbst wenn ein Gut seinen Besitzer wechselt, ändert sich in den Arbeiter- Verhältnissen in der Regel nichts. Solange nicht auskömmliche, durchweg befriedigende Ver­hältnisse für den ländlichen Arbeiterstand ge­schaffen werden, werden die deutfchen Arbeiter den anspruchsloseren polnischen noch weiter das Feld räumen.

Eine Minute später hatte die lärmende Ge­sellschaft unter frenetischem Gelächter den Hof verlassen.

Lothar, der von der Gartenpforte auS, wo­selbst er stehen geblieben war, nur einzelne Aus­rufe verstanden hatte, näherte sich schnellen Schrittes dem sich mit merkwürdiger Miene hinter den Ohren kratzenden Johann und sagte lebhaft:

„Was wollten diese Damen und Herren, Johann?"

Der Diener sah den Offizier verblüfft an und erwog eben bei sich, ob und waS er antworten sollte, als Lothar ungeduldig ausrief:

„Nun?"

„Sie — sie — sie wollten die — die Gnädige besuchen!"

„So? Und warum haben Sie sie denn nicht angemeldet und vorgelassen?"

„Sie wollten ja die Gnädige bloß zu —- ' — zu einem Spazierritt abholen I" stottert»

und mit kritischem Blick die tolle Gesellschaft überschauen. Da stieg ihm denn eine Ahnung auf, daß es mit dem Inkognito der jungen Her- rin, so sehr er sich darüber ergötzte, wohl bald vorbei fein würde. Aber an ihm sollte es nicht liegen, er wollte sich keinen Verrat zu schulden kommen lassen. So erwiderte er denn mit stumpf­sinniger Miene:

„Die Frau Baronin sind krank und nicht zu sprechen! Dre Arzt hat ihr die größte Ruhe ver­ordnet!"

„Unsinn!" rief eine junge, strahlend-schöne Brünette. „Sie lügen, Johann! Wahrscheinlich hat sie etwas Migräne, aber das legt sich, so­bald sie einen tüchtigen Ritt macht! Flink also, holen Sie sie, sonst steige ich ab und suche sie auf!"

„Die Frau Baronin find krank und für niemand zu sprechen!" erklärte Johann uner­schüttert.

„Sie werden nicht umhin können, dem Man­ne Glauben zu schenken, Fräulein von Salwitz!" rief ein schwarzbärtiger Herr mit blassen, verleb­ten Zügen. „Unsere teure Baronin ist wirklich krank. — Graf Metternich sagte es mir vorhin, kurz ehe wir bie Stadt verließen!"

„Wirklich krank, Baron?" hieß es alsbald, und aller Gesichter wandten sich neugierig unb fragenb dem Berichterstatter zu. „Weshalb er­zählten Sie uns das nicht sogleich?"

„Er hat es mir unter dem Siegel der Ver­schwiegenheit anvertraut!" versetzte der SAvarz» bärtige mit cynischem Lächeln. „So nahm ich mir natürlich vor, zu schweigen!"

„Hahaha, — Metternich und der Baron, — da ist ein Geheimnis wohlverwahrt!" hieß es unter allgemeinem Gelächter. „Heraus mit der Sprache!"

„Wenn Sie mir geloben wollen, zu schweigen und nichts weiter zu verbreiten," sagte ber Ba­ron mit kaustischer Miene, .bann sollen Sie eS

Erscheint iS glich mit Ausnahme d«. Sonn- und.leitktagr. viertel« Mn.ve;»asprelr ohne Brinatrbt« und Beittlgdb nfiu da und auswärts i Ult. Sopsg.

verantw. Hebat tut:

Larl Schütte;

r.?aqt»tr"w?ü'dn. woch>nbeilage:,,Illustrierte ronmagrzetmng

2lu$ dem Nachbargeblete.

* Dermbach (Rhön), 12. Dez. 1907. Mit bem Umbau der schmalfpurigen Feldabahn­strecke Dorndor f—K alten nordheim auf Normalspur und ihre gleichzeitige Entfer­nung von der Landstraße hat man foeben durch Absteckung der neuen Spur begonnen.

* Niederhone, 11. Dez. 1907. Herrn Ober» bahnhofsvorsteher W a l d e y e c hier ist das

Unb sie eilte hinaus, fort nach ihrem Zimmer, woselbst sie in ein wildes, konvulsivisches Schluch­zen ausbrach. --

Lothar war im Begriff, über den Hof in die Billa zurückzulehren, um feiner Tante einen kur- ien Bericht übet den Besuch des Grasen und fein Gespräch mit demselben zu erstatten, den Brief zu vollenden und sich alsdann nach Koblenz zu begeben, um die Wahrheit zu erkunden, als ein betäubender Lärm feinen Fuß unweit der Gar- trnpforte stocken machte. Eine aus Damen unb Herren bestehende Kavalkade kam donnernd auf das Pflaster des Hofes gesprengt; helles Lachen, wirres Durcheinanderrufen, fröhliche Stimmen erfüllten die Luft, lange Schleier wehten, Reit­gerten schwirrten.

„Frau Baronin! — Frau von Scharffenstein l tönte es durcheinander.

^ohann kam eiligst aus dem Hause ge­trabt.

„Die Herrschaften wünschen?" fragte er atemlos.

.. 'S?. W die Baronin — die fdjöne Witwe — ' hieß es lachend und tobend.

S abholen, sie soll mitkommenI ©eWrtnb sot)ann, holen Sie sie, —sagen Sie M beeilt! - Wir machen heute MmJiT hn* Sagen Sie es ihr! — Aber

^»E?boch, Sie Unglücksmensch! Weshalb stehen l^ue da und machen ein so dum- Schnell, wir wollen nicht erst £au«r*n ° h"Eg, oder wir stürmen das

ein merkwürdiges Gesicht. Er sah den Neffen ferner Gnädigen unweit stehen

Tante, die alte Frau, zu einem Spazierritt ab­holen? Sind Sie selber toll, Johann?" tief Lo­thar lachend aus. Die unbeschreibliche Verlegen­heit des Dieners amüsierte ihn königlich.

Zwei Freunde, die man gern tm Sommer vergißt,

Ö. kann man im Winter nicht entbehren: ben I Ofen unb FayS ächte Sobener Mineral-Pastillen. ' Wie man Holz und Kohlen für ben Winter in den Keller fchafft, so sollte man die Haus« | apothek« ordentlich mit Fay ächte Sodener * Mineral-Pastillen ausstatten, damit man den Kindern täglich einige zur Schule mitgeben k lärm, unb datz man Fays ächte Sodener zur f Hand hat, wenn eine bet stündlich möglichen Er­kältungen schnell und obendrein bequem be- s lämpft werden soll. Sie kaufen „Fays ächte I Sodener" in jeder Apotheke, Drogen- und Mineralwafserhandlnng für 85 Pfennig dir k Schachtel. Achten Sie jedoch strenge darauf, I daß man Ihnen keine Nachahmung, fei sie mit ' oder ohne Geschmackszusatz, aufschwatzt.

vermischtes.

* Ein 15jahriger Mörder. Ermordet wurde in Gleiwitz am Samstag früh der Schul- knabe Kowalski. Er hatte sich am Abend als „Nikolaus" betätigt und war u. a. auch tn die Wohnung des jugendlichen Fabrikarbeiters Go- dulla gekommen, dem er einige Streiche versetzte. Am Samstag früh traf Godulla den Kowalski auf der Straße und es entspann sich wegen der Schläge ein Streit, in dessen Verlauf Kowalsk: einen Mesierstich ins Herz erhielt, der ihn auf der Stelle tot niederstreckte. Der Mörder ist 15, der Ermordete 14 Jahre alt. Der Täter wurde verhaftet.

* DaS eingemanerte Skelett. Ern grausiger Fund ist einem Telegramm aus Homberg a. Rh. zufolge dort beim Abbruch eines Hauses in der Hochfelderstraße gemacht worden. Ein Arbeiter sand in einer Mauer ein aufrecht stehen­des menschliches Skelett. Vor mehre­ren Jahren erregte das Verschwinden eines Bür­gers großes Aufsehen. Gerüchtweise verlautete, daß der Verschwundene, der sich in der Hochfeldcr- straße ein HauS bauen ließ, von den Maurern ermordet und eingemauert worden sei. Nach der Erzählung eines in Werden lebenden pen­sionierten Gendarmen sei vor etwa 50 Jahren bei dem Abbruch eines Hauses der Besitzer ver- schwanden und von den Maurern oder, wie das Gerücht damals sagte, von seinem eigenen Sohne ermordet und eingemauert worden. Die dama­lige Untersuchung blieb ergebnislos. Die Polizei hat eine neue Untersuchung eingeleitet, um Licht in das Dunkel zu bringen. .

* Eine ganze Stabt Überfälle«. Natürlich in Amerika. Die Kunde davon bringt die „Londoner Standard". Der Ueberfall richtete sich geaen den Tabakring in der Stadt Hopkins- Ville im Staate Kentucky und wurde zur Nacht­zeit von etwa 500 maskierten Tabakpslanzern der Umgegend ausgeführt. Zunächst wurde die Polizei überwältigt, dann wurden Post und Tele­graph besetzt. Drei große Tabaklagerhäuser wurden verbrannt und mehrere andere Gebäude des Ringes geplündert. Dessen Präsident wurde erschlaoen, ein anderer Einwohner, der sich zur Wehr setzte, erschosien. Auch mehrer« Mißhand­lungen verübte die Bande.

* Ein eigenartiger Streik ist unter den Stets­ten des Wiedener Krankenhauses bei Wien aus­gebrochen. Die Aerzte weigern sich, die Kost aus der Regieküche zu genießen. Sie haben bereits |

„Also ' bie arme Baronin Scharffenstein ist schwer leidend, so leidend, daß eine Kraft zur Pflege gewonnen werden mußte!" berichtete er mit halblauter Stimme, während es in feinen Augen vor boshafter Schadenfreude funkelte. „Sie werden, meine Herrschaften, die Schwere ihrer Krankheit selbst zu beurteilen imstande sein, wenn ich Ihnen sage, daß die pflegende Kraft — ahem — ein hübscher junger Mann und noch dazu ein — Gardeleutnant ist! Wersen Sie ge- sälligst einen verstohlenen Blick nach der Garten» I Johann, pforte, — ich glaube nicht zu irren, wenn ich an» I „Was, — diese tolle Gesellschaft — mein» nehme, daß jener Herr dort der bewußte — ahem ~ ' *■-- *' "— — ---<Sr‘***1—111

— Krankenpfleger ist!"

Zweites Wlatt

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