34. Ttfibrnana.
Fulda, Dienstag den 10. Dezember 1907
JV5 283.
Anzel y <n. Die ein spalttge Petitzeile ob et deren R«nm 15 pfg. Reflamen »ie petitzeile 25 Pfg.; bei wieder- holunaen wird entspr.
Sabati aewahrt.
Erlcheint lagli* »« An,nähme be Sonn. W,» Feiertage, üterteb Mn vezugrvrei, ebne Bringeri Mn und BefteDgelbinSn da und auswärts! M 5 Pfg.
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f Hotattonsbru« n
Verlag der «ulboer Ht» tiendr ickerei in Silbe. " Serr.fpre ber Nr.
Zweites Wtertt
Glaubens M. Glare tung. S. J. wand
in sich verwirklicht hat.
Fetz vom armen Kinde JesnS nnb ihre Stif. 1815—1894. Dargcstellt von Otto Pfülf Mit sechs Bildern, 5 60 dH; geb. in Lein- 6,60
Der Literarische Jahresbericht und Weihnachts- Katalog für gebildete katholische Kreise (Verlag von H. Schöningh, Münster t. SB., 25 J,) erschien im 17. Jahrgang, 108 Seiten reich illustriert. Er bringt diesmal Biographie und Porträt deS verdienlen Vorsitzenden der Eörresgesellschaft, de» Herrn Frhrn. Prof. Dr. von Hertling-München, eine unerreicht vollständige Biographie der für gebildete katholische Kreise in Frage kommenden Geschenkliteratur und etwa 200 eingehende Referate über diesjährige literarische 9leuig« feiten aus der Feber hervorragender Mitarbeiter geistlichen und weltlichen Standes.
Der Kalender und Literarische Anzeiger für das Jahr 1908 von der Verlagsanstalt vorm. G. I. Manz Buch, und Kunstdruckerei A.-G., München-RegenSburg enthält neben dem Kalendarium ein stattliches Ver- zeichniS wirklich wertvoller Bücher und Schriften, die In jede christliche Familie als unterhaltende und bekehrende Gäste eingeführt werden sollten.
Unsere Rundschau beginnen wir mit den Darbte- tungen au» dem größten katholischen Verlage, der Herder'schen Lerlagshandlung in Freiburg t Br.: Edelsteine auS reicher Schatzkammer. Eine Sammlung schöner Stellen au» den Schriften von Alban Stolz. Ausgcwählt von Professor H. Wagner. Mit einem Bildnis von Alban Stolz. Zweite Auflage. 1,80 dH; geb. in Seintu. 2,40 dH..
Die lleberzeugung, daß die Schriften von Alban Stolz, so sehr fie auch gerühmt werden nnd so volkstümlich auch der Name ihre» Verfassers ist, doch noch immer nicht die Verbreitung gefunden haben, die sie um ihres edlen Gehaltes willen verdienen, hat den Herausgeber zu einer Sammlung der schönsten Stet- len veranlaßt, die er unter drei großen Gesichtspunkten (I. Gott, TI. der Mensch und seine ewige Bestimmung, III. die Natur) geordnet hat. Die Auswahl soll für alle bestimmt sein, die bisher Silben Stolz nicht gekannt oder nicht Zeit gefunden haben, sich in seine größeren Werke zu vertiefen. Sie bildet aber auch eine treffliche Lektüre für die reifere Jugend und wird wegen des hervorragenden religiösen und päda- Logischen Werte» der ausgewählten Stellen auch allen Freunden der Jugend, namentlich den Eltern und Erziehern, eine willkommene Gabe fein. Wagners
weihnachtsbücherschau.
Die Hebung und möglichste Verbreitung der katholischen Literatur, nicht zuletzt der schongeistrgen, ist eine der wichtigsten Vorbedingungen eme- neuen blu. henden geistigen Lebens tm katholischen Deutschland. ES genügt aber nicht, daß katholische Verleger allpihr. lich Opfer bringen, um nicht bloß „Neues", sondern auch Gediegenes zu bieten und allen Ansprüchen eines verfeinerten Geschmackes Rechnung zu trogen. Die Bücher müssen auch gekauft toeiben! Bessersituierte Katholiken lassen es in diesem Punkte nur zu häufig tm dem richtigen Verständnis und auch an dem sonst so gerühmten Korpsgeist fehlen. In,den Häusern mancher wohlhabenden Katholiken ist nichts so spärlich ausgestattet wie das Bücherbrett oder, wenn's hoch kommt, der Bücherschrank. Oft sind Schul- und Gebetbücher nebst einigen obligatorischen Klassikern das Einzige, was auf den dürftigen Regalen zu sehen ist. Für Bänder und Spitzen, Schmuck und Nippsachen, Bilder und Photographien hat man Geld, aber Bücher — die bezieht man lieber in beschmutzten, bazillenverdächtigen Exemplaren auS der Leihbibliothek und schickt unter Umständen dem katholischen Buchhändler eine Auswahlsendung mit teilweise aufge- Ehnittenen Blättern und nach gründlichem Studium er etwaigen — Bilder „mit Dank" zurück.
Die beste Gelegenheit, katholische Literatur verbreiten zu helfen, bietet das Weihnachtsfest. Ein gutes Buch auf dem Weihnachtstisch erfreut mehr als allerhand Tand. Im nachfolgenden wollen wir die Aufmerksamkeit auf einige zu Geschenkzwecken geeignete Neu erscheinungen und Neuauflagen älterer guter Werke lenken.
AIS Ratgeber empfehlen wir auch die zu dem Feste erschienenen literarischen lleberfichten.
pulsiert wirkliches Volksleben, und Gestalten wie bet prächtige Invalide Melcher Brenner, ber_ bäurisch eigensinnige, hoch hinauswollende Lindcnniüller, der schlaue, sonst nicht unsympathische Hausierer Mose», leben und leiben auch heute noch im Volke. Die Erzählung hält sich, auch darin bcm Charakter des Volkstümlichen entsprechend, nicht lang bei Reflexionen auf, sondern schreitet ununterbrochen fort in der Handlung. Mit ihrer tief sittlichen Tendenz, ihrem klaren, künstlerischen Ausbau nub ihrer untadeligen Form kann sie den Anspruch erheben, zur guten Volkslitera- tur zu gehören.
Der Findling von Hongkong und andere Geschickten.
Von Anton Huonder 8. J. Mit vier Bildern. (Aus fernen Landen. 23. Bändchen.) 80 4; geb. 1 dH.
Die drei kleineren Erzählungen, welche daS 23. Bändchen der rühmlickst bekannten Sammlung „AuS fernen Landen" auSmachen. sind dem kindlichen Geiste jüngerer Knaben und Mädchen vorzüglich angepaßt und empfehlen sich besonders für die Mitalieder deS KindheitsvcrcinS. Fünf prächtige Bilder bringen bte Hauptmomente der Erzählungen den jungen Lesern packend vor die Augen.
Tas kleine Familienhanpt. Von Zenaide gleit« riot. Freie Bearbeitung von Philipp LucuS. Dritte, verbesserte Auflage. Mit Abbildungen von H. Castelli. Geb. in Leinwand 2 dH.
In äußerst anziehender Weise werden hier die wechselvollcn Geschicke der drei Geschwister Dauborn geschildert. Die fesselnde Schilderung ernster und heiterer Episoden hält das Interesse deS LeserS bi» zum Schlüsse wach, und gerne verfolgt man die verschieden- artigen Erlebnisse der Geschwister, von denen, neben dem kleinen Familienhaupt, hauptsächlich die siebenjährige. eigenwillige aber gutherzige Lotte trefflich ge- schildert ist.
Bibliothek deutscher Klassiker für Schule und Hau».
Mit Lebensbeschreibungen, Einleitungen und An- merkungen. Begründet von Dr. Wilhelm Linde m a n n. Zweite, völlig neu bearbeitete Auf- läge, heransgeacben von Prof. Dr. Ctto Heilt n g h a u S, Ghmnasialdirektor. Zwölf Bande. 12" Geb. in Leinwand 36 <M, jeder Band 3 m.
I. Band: Klopstock» Werke. — Der Göttinger Dichterbund. Mit einem Bildnis KlopstockS.
II. Band: Lessing und Wieland. Mit einem Bildnis LessingS nach dem Gemälde von Wilh. Tischbein dem Aclteren in den Kgl. Museen zu Berlin. _ .
III. Band: Ausgewählte Werke von Herder, Claudius, Bürger und Jean Paul. Mit einem Bildnis Herders. XIV u. 578.)
Die auf 12 Bände berechnende Bibliothek deutscher Klassiker für Sckul- und .Haus, von der bereits fruher die Bände IV—VI (Goethe) und VII—IX (C<Wt) erschienen sind, ist um drei weitere Bande (I—III, bereickert worden, die in sorgfältiger Auslese die besten Werke der wichtigsten Zeitgenossen unserer beiden Dichterfürsten enthalten. D«"b I umfaßt bi- .Hauptfchöpfunaen Klopstocks: den, MessmS, die schön- sten Orden, Elegien, geistlichen Lieder urü' Ep'gram- nie; des weiteren die bedeutendsten Vertreter M Göttinger „Haines", nämlich Holty, Voß und Fried- rich Leopold Graf von Stolberg. Der Löwenanteil deS zweiten Bandes ist Lessing zugefallen, wahrend von Wieland, dem Zweck der Sammlung entsprechend, nut der £ bereit in Betracht kam. Band III bringt außer einer reichhaltigen Auswahl auS Herder bte schönsten Gedickte Bürgers und Claudius sowie von Jean Paul die köstliche Jdvllc „Leben deS Schulmeisterleins Maria Wuz" nebst einigen kleineren Idyllen, Erzähl- ungen nnd Skizzen. Maßgebend bei der Auswahl ioar natürlich die Rücksicht auf bte Bedürfnisse deS Haus.» und der Schule, ohne daß ,edoch eine falsche Prüderie plahgegriffen hätte. Als Einführung zu den eittzel- nen Dichtern läßt der Herausgeber ledeSmal -m- ausführliche Darstellung ihre- Lebens und Schaffen» vorausgehen. Zahlreiche erläuternde Anmerkungen sind anhangsweise beigefügt und erleichtern da-> 83«. ständnis in hohem Grade. Die äußere Ausstattung der Bände entspricht durchaus dem edlen Inhalt, den sie bergen.
Auf weitere Erscheinungen deS Herderschen Verlages werden wir demnächst noch zuruckkommeu.
bei Männern und Frauen, Interesse zu wecken geeignet ist.
An G-tteS Hand. Erzählungen für Jugend und Volk. Von Konrad Kümmel. Sechs Bändchen. JedeS Bändchen 1,80 dH; geb. in Halbleinwand 2,20 dH.
' Kümmel ist ein Volksschriftsteller im wahren Sinn. Er hat für daS Volk geschrieben, welches an feinen Sonn- und Feiertagen, wenn Arm und Hände müde find von der Woche saurer Arbeit, zur Sonntagsspeiie und zum SonntagSwein der geistlichen Stärkung und Erbauung auch einen Nachtisch will. Die Erholung?- stunden, die Kümmel dem Volke bietet, sind weihevolle, bald reiner christlicher Freude, bald edlem sittlichen Ernste gewidmet.
Tie Wunderblume von Woxindon. Historischer Roman auS dem letzten Jahre Maria Stuarts. Von Joseph Spillmann S. J. (Gesammelte Ro- mane und Erzählungen. Volksausgabe. 9. u. 10. Band.) Geb. in Leinw. 4 dH.
Das tragische Geschick der Schottenkönigin Maria Stuart ist in diesem fesselnden Romane nicht nur mit der spannenden Verschwörung BabingtonS verknüpft, sondern zugleich mit den ergreifenden Schicksalen einer jener katholischen Familien, welche, von der Regierung Elisabeths mit fanatischem Haß verfolgt, sich und ihren Nachkommen den katholischen Glauben nur durch die heldenhafte Standhaftigkeit der alten Märtyrer zu er. halten imstande waren. Die lebendige Durchdringung der gesamten Zeit, die treffende Charakteristik der geschichtlichen Personen, der anheimelnde archaistische Ton der Erzählung, die auf historischen Momenten ruhende Verlvicklung und die sorgfältige Einzelschilde- rung der Personen und des SckauplatzeS sind einerseits die Frucht jahrelanger Studien, anderseits aber in ihrer glücklichen Verbindung das Werk eines ebenso tiefreligiösen als reichen Künstlergeistes, der den Leser mit unwiderstehlicher Gewalt mit sich reißt.
Frühling im Palazzo Caccialnpi und andere Geschich- ten. Von Ansgar Albing. Zwei Bände. 4 dH, geb. in Leinwand 6 dH.
AnSgar Albing, der nach seinen beiden größeren Romanen „Moribus Paternis" und „Der Pessimist" sich mit einem Bändchen „Gedichte" auch als Lyriker vorteilhaft eingeführt hat, betritt mit seinem neuesten Buche das Gebiet der Novellistik, für das er infolge seiner Schilderungskunst und seiner Kenntnis der mo- bernen Gesellschaft besonders befähigt erscheint. Was schon in deS Verfassers Romanen so ansprechend hervortrat, der durchaus moderne Ton in Verbindung mit einem tiefreligiöfen Grundgedanken, die Frische und Ungezwungenheit des Dialogs, die Wärme und Lebenswahrheit in der Schilderung, findet sich als charakteristischer Vorzug auch in seinen „Geschickten" wieder. Mit Vorliebe behandelt er ernste Probleme und innerliche Konflikte, zuweilen mit tragischem Aus- gange, wie in der erschütternden Schlußerzählung „Die römische Sphinx", zuweilen auch mit versöhnendem Schluß, wie in der Titelnovclle und der anmutig« n Weihuachtsgeschichte „Venite adoremus!" Durch andere Erzählungen weht wieder ein heiterer Zug; da- von zeugen besonders die lustige Gymiiafiastengeschichte „Freiheitsberaubung" mit ihrer spannenden Verwicklung und die im Grunde ernste, aber mit humorvollem Einschlag durchwebte Novelle „DaS Toleranzedikl". Pillen au» dem Schatze deutscher Dichtungen. Proben zur Literaturkunde von Dr. Wilhelm Reuter. Dritte, verbesserte und vermehrte Auflage, bearbeitet von Lorenz Lütte! en, Seminarlehrer in Warendorf. 2 dH; geb. in Leinwand 2,50 Mark.
Schon die 1905 erschienene 18. Auflage von Reuters „Literaturkunde" hatte den Dichtern der neueren und neuesten Zeit mehr Beachtung geschenkt als für Schul- zwecke notwendig ist. Dementsprechend ist auch diese neue Auslage der „Perlen" um 200 Gedichte, groß- tenteils der neueren und neuesten Literatur ange- hörend, vermehrt worden. Verschiedene Prol>en der mittelalterlichen LUeratur sind im alten Gewände auf» genommen.
Der Lindenmüller. Preisgekrönte Volkserzählung bin Katharina H 0 frnann. 2 dK\ geb. in Leinwand 2,50 Mark.
Die vorliegende preisgekrönte Erzählung entnimmt ihren Stoff bcm süddeutschen Volksleben, das die Verfasserin in seinen Licht- und Schattenseiten gründlich studiert und kennen gelernt hat. Von der tlnwahr» baftigteit und falschen Sentimentalität mancher sog. Volkserzählung findet sich keine Spur, sondern hier
In dem Werke findet man vor allem die Geschichte einer auserwählten Seele, die von Kindheit an mit Fügungen und Anregungen der Gnade bevorzugt, ein langes Leben hindurch nicht nachgelassen hat, nach der höchsten Heiligkeit zu ftteben. Den Fragen deS inneren Lebens ist daher eine Hauptaufmerksamkeit zuge- toenbet; das Buch stellt im vollen Sinne eine geistliche Lesung dar und empfiehlt sich zunächst denen, die ein innerliche» Leben wertschätzen. Da eS sich aber um eine Ordensstifterin handelt, die unter schwierigen Berhältniffen eine neue Ordensgenossenschaft gegründet und über 50 Jahre mit großem Erfolg geleitet hat, so gewährt die Lebensbeschreibung einen seltenen Einblick in daS ganze Triebwerk deS klösterlichen Sehens und in den merkwürdigen Prozeß, wie durch das Zusammenwirken der Gnade mit menschlichen Bemühungen ein neuer Orden zustande kommt. Es bietet übrigens noch so vieles sonst, war zeitgeschichtlich von Bedeutung ist so mancherlei über bekannte kirchliche Persönlichkeiten (Maria v. Mörl, Bischof Laurent, Kardinal MelcherS), denkwürdige Vorgänge (Heiligtumsfahrten, Konzilswirren, Kulturkampf), Fürstenhäuser (Königin Elisabeth, Kaiserin Augusta, Erzherzogin Sophie), daß eS auch in Laienkreisen.
Auswahl, die sich ebensosehr zur Anschaffung für Volks- und Jugendbibliotheken wie wegen ihrer schönen Ausstattung zu Geschenkzwecken eignet, wirb jedenfalls auch schon deswegen eine besondere Beachtung finden, weil wir im nächsten Jahre den 100. Geburtstag deS originalsten und gehaltvollsten katholischen VolkSschrist- stellers feiern.
Die heilige Elisabeth. Ein Buch für Christen. Von Alban Stolz. 14. Auflage. Mit 16 Bildern. 3 dH’, geb. in Halbfranz 4,40; tn Leinw. 4,60 oft. Eine durchaus volkstümlich geschriebene Darstellung deS Lebens der berühmten hl. Landgräfin von Thüringen und Hessen. Die vier Hauptabschnitte desselben — „DaS Mädchen", „Die Frau", „Die Witwe", «Die Heilige" — sind in kleine Lesestücke zerlegt, daran jedes einen Zug aus dem Leben der Landgräfin enthält, ein praktisches moralisches ober aSzetisches Lehr- stück in sich schließt und in einem nachdrucksamen Bibelvers ausklingt. So präsentiert sich daS Buch wie ein großer, kunstvoller, mit Denksprüchen ornamentierter BilderzylluS, wie ein wertvoller Perlcnkranz in künstlicher Fassung.
Unsere Tugenden. Plaudereien von P. Sebastian von Oer, Benebittiner der Beuroner Kongregation. Zweite, unveränderte Auffage. Geb. in Leinwand 2 dH.
Die günstige Aufnahme, welche das „Unsere Schwächen" betitelte Büchlein desselben Verfasser» gefunden, hat diesen zu einem Gegenstück ermutigt. In ähnlicher Weise behandelt dasselbe „Unsere Tugenden" und dient so als Ergänzung zu dem ersteren — ja sie hätten dreist als Zwillinge erscheinen können. Die mehr skizzenhafte als doktrinäre Behandlung des Stoffes sowie ber leichte Konversationston dürsten beut Büchlein, wie seinem Vorgänger. Eingang in Kreise verschaffen, die sonst ernsteren aszetischen Schriften weniger zugäng- lick sind, und damit den vom Verfasser beabsichtigten Nutzen zu schaffen.
Schwester Maria vom göttlichen Herzen Droste zu Vischering, Ordensfrau vom Guten Hirten. Von Louis Chasle. Nach dem Französischen unter Benutzung deutscher Originaltexte frei bearbeitet von P. Leo Sattler aus der Beuroner Bene- biktiner-Kongregation. Zweite, durchgesehene Auflage. Mit fünf Abbildungen. 3,40 dH; geb. in Leinwand 4,20 dH.
Der Name der früh vollendeten Ordensfrau ist feit ihrem Tode (8. Juni 1899) und besonders feit es be- könnt wurde, daß Papst Leo XIII. am 8. Mai 1900 ht öffentlicher Audienz versicherte, er habe auf ihren Einfluß hin den Erdkreis dem göttlichen Herzen Jesu geweiht, als der einer „neuen deutschen Heiligen" gar vielen besonders ehrwürdig geworden. Wie das Original. so ist auch die deutsche, mehrfach bereicherte Ausgabe fast nur eine glückliche Verwebung von Aufzeich- nungen, Briefen, Aussprüchen und Konfereuzen der Dienerin Gottes. AuS denselben tritt uns eine ganze, volle Persönlichkeit entgegen, kernig in ihrem westfälischen Charakter und doch boll Güte und Milde; eine Seele, welche die ganze Kraft des katholischen
Die alle Tante.
Humoristische Erzählung von Gustav Rehsrld.
21] (Nachdruck verboten.)
„Beruhigen Sie sich doch, bester Herr, meinte es ja nicht böse!" begütigte der Graf, der um einen Schein blässer geworden war. „Können es mir effektiv nicht verdenken, wen» ich etwas erstaunt bin, — wußte bisher in der Tat nicht, daß die Baronin sich des Besitzes eines Neffen erfreut, — sie hat nie davon gesprochen!"
„Ist meine Tante etwa verpflichtet, Sie betreffs ihrer Verwandtschaft auf dem Laufenden .jn erhalten?" erkundigte Lothar sich spöttisch.
„Ei, das wollte ich meinen!'' ging der Graf nu8 sich heraus. „Wenn man willens ist, jemand £ie Hand für? Leben zu reichen, so ist es doch selbstverständlich, daß man diesem Jemand die Liste seiner sämtlichen Neffen, Nichten und fonsti- gen Verwandten gibt!"
„Was, meine Tante — will Sie heiraten?"
,Hch hoffe es! Sie hat sich zwar noch nicht fest entschlossen, aber ich habe trotzdem alle Urlache, zu glauben, daß sie fid) für mich entscheiden eirbt" sagte der Graf selbstbewußt.
Lothar war fassungslos, wenigstens momentan fassungslos. Was doch diese Tante für eine Merkwürdige Frau war! Sie war fast eine Sech- iigerin, hatte weißes Haar und trug eine Brille, ihre Hautfarbe war blaß, ihr Gang schwerfällig, yift humpelnd, wenn nicht eine zufällige Er- t«gung ihr die Elastizität der Jugend verlieh, r Le hatte trotzdem die schönsten Zähne und >unkle, blitzende Augen, die niedlichsten, zartesten ßinderhändchen und ein schelmisches Lächeln um len kleinen roten Mund, — fie war eine Schönheit ersten Ranges gewesen, behauptete eS wenigstens, sie hatte ein Boudoir und einen Salon, ausgestattet mit bet koketten Raffinerie einer jungen Modedame, und gab er für Reminiszenzen des Alters, das sich seiner Jugend noch nicht
völlig entäußern mag, auS, — sie hatte einen feurigen Nenner, von welchem der Stallknecht behauptete. daß sie ihn noch besteige, während stc selbst es leugnete, — und nun kam noch dazu, daß
diese alte sonderbare Frau heiraten wollte, — einen zwar faden, blasierten, abgelebten Gecken mit Perücke und falschem Gebiß, aber immerhin doch sistier bedeutend jünger als sie selbst! — Und wenn sie ihn schließlich auch nicht nahm, — es war bei alledem doch immerhin bezeichnend, daß sie noch Anbeter hatte, die sich mit ernsten Ab- sichten trugen!
„Ich fasse es nicht," sagte er, den Kopf schüt- telnd, „meine Tante — noch heiraten!"
„Pff r machte der Graf, die Achseln zuckend. „Was dabei zu verwundern ist! An mir ist eS, mt3) zu wundern, — man kann es mir selbst nicht verdenken, wenn ich gewissermaßen unzufrieden bin, bei einer Dame, die ich effektiv als meine Braut betrachte, einen jungen Mann gleich Ihnen amvesend zu finden, — abgesehen von Ihrer Qualität als Neffe!"
„Ihre Verwunderung und Ihre Unzufriedenheit ist ganz einfach beleidigend für Ihre Braut, mein Herr Graf!" erwiderte Lothar, der sich jetzt wieder ganz in der Gewalt hatte, kühl.
„He ', entfuhr es dem Grafen, „weiß man denn, woran mau ist? Ein junger Mann, Gardeleutnant noch dazu, — das hat den Teufel
im Leide!"
„Sie müssen nicht von sich auf andere schließen!" sagte Lothar spöttisch. „Ucbrigens mache ich Fhucn mein Kompliment Herr Graf! Sie haben den seltsamen Mut, der öffentlichen Mei- nurg zu trotzen, die derartige ungewöhnliche Ehe- bündntsie mit ihrem Spott nicht zu verschonen
pflegt!"
„Bah, — zwanzig Jahre mehr ober weniger, — darauf kommt es nicht an!" erwiderte der Graf, gezwungen lachend. Er glaubte, daß der junge Mann die zwanzig Jahre Altersunterschied, welche Mischen ihm und der Baronin bestanden, ihm zu - Last legte.
feste Ueberzeugung gründet und in diesem Falle bin ich sogar sehr erfreut über die.^hnge, da sie mich von ber Furcht vor einem Rivalen befreit, bei mir, offen gestanden, nicht ungefährlich ichien. Ami gut, mein zukünftiger Herr Neffe, da Lte nicht nach der Hand Ihrer Frau Tante trachten, werd'» Sie sich vielleicht bereit fluden lasstn meine Bewerbung zu unterstützen! Falls wir ke-'iL Erlen haben", lächelte er cynisch, „wäre es nicht unmöglich, daß wir ®te einst bedenken! ^Las sagen Sie dazu?" _ ,,
„Es lut mir leid," erwiderte Lothar eisig, „indessen könneii Sie nicht verlangen, daß ich eS gutheiße, wenn meine Tante die Lächerlichkeit be- geht, in ihren Jahren einem Manne gleich firnen di; Hand zu reichens" ,
„So muß ich also auf Ihre Beihilfe, auf Ihre Zustimmung, wie es scheint, verzichten! sagte der Graf wieder giftig wie zuvor und erhob sich. r. „ . . .
Bereits an der Tür, wandte er sich indes noch einmal um und sagte zischend: ...
Iw will nicht hoffen, daß man sich tn diesem .Hause über mich lustig macht! Sie ganz beson- ders, Sie so urplötzlich auf der Bildfläche effchre- neuer Neffe der Frau Baronin! Werde ich et* feilten, wie die Sache steht? ^a ober nein? >?ch bitte um Antwort!" „
„Wenn ich nicht irre, so wünschen Sw Nachricht über das Befinden meiner Tante? ber« setzte Lothar lachend. Er begann sich über den seltsamen Freier zu amüsieren.
Ich will wissen, was ich zu hoffen habe, ver- stehen Sie mich?" schnaubte der Graf, der rote alle Feiglinge mutig wurde, als er sah, daß Jem Gegner sich in Geduld faßte. „Ich zweifle nicht, daß Sie orientiert sind, trotz aller ^hrer Ausflüchte! Ihre Tante schickt Sw, mich zu empfan- gen! Heraus also mit der Sprach^! Der Besitzer von Volkratshausen, der Graf Metternich, sicht zu hoch, um als Zielscheibe Ihres Spotte» zu dienen!" , . r ..
(Fortsetzung folgt)
„Besonders, wenn sich eine Mitgift vor findet, fertigend, das Manko der Jahre zu decken!" spst- teste Lothar.
„Mein Gott, was wollen Sie?" tief der Graf, lebhaft gestikulierend, aus. Ihre Frau Tante besitzt diese schöne Villa nebst nicht unbedeutendem Areal und ein, ich gebe es zu, recht ansehnliches Barvermögen, — ich bin der Inhaber des sttittctgules Volkratshausen im Werte von weit üd-i einer Million! Da kann man doch wahrhaftig nicht behaupten, daß ich ein — ahem! — Mitgistjäger bin! Das heißt, — ich will nicht denken, — daß ich Sie da um eine Hoffnung ärmer mache, bester Freund!"
Lein Gesicht verzog sich zu einem widerwärti- gen Grinsen. , , ,
„Ich verstehe Sie nicht, Herr Graf!" versetzte Lothar stirnrunzelnd. „Ich muß es wiederyo- len. Sie dürfen nicht von sich auf andere schließen l"
„Was wollen Sie damit sagen?" fragte der Graf lauernd. . ,
„Meinen Sie etwa," brach Lothar unwillig aus, „daß ich je daran denken könnte, meine In- gerb an eine —"
„An eine ganz reizende Frau zu verkaufen? unterbrach der Graf ihn auslachend. Nun, nun, beruhigen Sie sich, Verehrlester, das ist „Ihre Sache, aber wenn Sie nur die Augen öffnen wollen — es geschieht alle Tage! Was ist weiter dabei, trenn cm Mann ohne Vermögen — ich er* lobbt mir, von Ihrem Standpunkte aus zu sprechen — eure reiche Frau zu heiraten trachtet, zumal wenn dieselbe sehr —*
„Genug, genug!" rief Lothar angeekett aus. „Ich sehc, ich werde Sie nicht von Ihrer Ansicht bekehren. Sie ändern aber auch die meinige nicht'"
„Er ist ein Narr, ein kompletter Narr! dachte det Gras, sich die Hände reibend. Dann fuhr er mit einer Art wohlwollenden Mitleids fort: „Zu Ihnen gesagt: ich habe auch gar nicht die Absicht! Ich ehre jede Ansicht, wenn sie sich auf