Fuld a, Samstag den 30. November 1907
M 275.
Drittes Wtatt
Dezember.
Von I. Kirdorf.
(Nachdruck verboten.)
Der letzte von den zwölf Monaten des Iah- re§ besitzt eine Reihe von Vorzügen, um die ihn feine elf älteren Brüder wohl beneiden dürfen. Er läßt uns zwar nur hier und da einmal ein Stückchen Sonne schen, und außer den Eisblu- men am Fenster bringt er keine Blumen hervor; aber dafür bietet er uns die schönen langen Abende, die herzerfrischende Kälte und einen Kranz von herrlichen Festen. Kein anderer Monat tragt soviel zur Hebung des Familiensinnes bei wie gerade unser Dezember. Die früh eintretende Dunkelheit vereinigt jung und alt tagtäglich stundenlang in der warmen Stube itnb bringt ihre Herzen einander näher, und schließlich setzt die fröhliche Weihnachtszeit dem Werke Oie Krone auf.
Seltsamerweise trägt dieser.hochpoetische Mo- nat noch immer den ebenso nüchternen wie fal- schen Namen „Dezember", d. h. „der Zehnte", wie ja auch seine drei Vorgänger ihre Namen von septem (sieben), octo (acht) und novem (neun) haben, obschon sie an neunter, zehnter und elfter Stelle stehen. Diese falsche Benennung stammt noch aus der Zeit der alten Römer, die das Jahr mit dem 1. März anfingen, so daß damals der Dezember in der Tat der zehnte Monat (mensis december) war. Als dann Julius Cäsar im Jahre 54 vor Christi Geburt den Kalender verbesserte und den Jahresanfang auf den 1. Januar verlegte — damals erhielt auch der Dezember, der bis dahin 29 Tage gehabt hatte, deren 31 zugeteilt, — wurden die alten Namen beibehalten, und so ist cs geblieben bis auf den heutigen Tag. Vergebens bemühte sich Karl-der Große deutsche Namen für die Monate ^inzuführen, — den Dezember nannte er „Christmonat" — aber das Fremdwort war nicht zu
Franzosen. Ersterer regiert noch heute — also bereits 59 Jahre lang — während letzterer bekanntlich 1870 seinen Thron verlor und schon rm Januar 1873 gestorben ist. Am 10 Dezember ■ 877 fiel durch die Einnahme von Plewna dre Entscheidung im russisch-türkischen Kriege.
>er Kirchengeschichte spielt der 8. Dezember eine aroße Rolle. Im Jahre 1854 wurde an diesem Tage das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariä, 1864 der Syllabus verkündigt, 1869 das vatikanische Konzil eröffnet. ,r
Bemerkenswert ist dre große Anzahl von Todestagen hervorragender Personen rm Dezember; es seien hier genannt: P. Abraham a. St. Clara, der berühmte Kanzelredner (7 1. Dez. 1709), Bildhauer Rauch (f 3. 12. 1857), Ge- scllenvater Adolf Kolping (f 4. 12. 1865), Natur forscher Galvani (t 4. 12. 1409), Komponist Mo- zart (|5. 12. 1791), Dichter Friedrich v. Stol- berg (f 5. 12. 1819), Dichter August von P aten (t 5. 12. 1831), der französische Schriftsteller Alexander Dumas p&re (t 5. 12. K/O), Frhr b. Lichow, der Anführer der „wilden verwegenen Jagd" (t 6. 12. 1835), Maler Anton van Dyu ff 9 12 1641) Dichter Mar v. Schenkendorf I 11 12 1817), Dichter Gellert (f 12. 12. 1767) Präsident Washington (t 14. 12. 1799), Dichtern Le HeA (t 17. 12. 1876), Dichter Herder (f 18. 12. 1803), P. Petrus Campus S. J. (t 21 12 1597), Seefahrer Vasco di Gama (t 24. 12 1524), Historiker Johannes Janssen (t 23. 12, 1891), Jakob v. Fugger (f 30. 12. 1525). .
Sum Schluß sei noch darauf hlngewiesen, day der Dezember so recht geeignet ist zur Betätigung der christlichen Charitas, der werktätigen N ach st en liebe. Wenn wir zu Weihnachten unser.. Kinder und Angehörigen mit reichl<chen Gabel» beschenken, dann dürfen wir auch der Armen un Notleidenden nicht vergessen. Wollen wir den göttlichen Kinde in der Krippe eine Freude be reiten, w muffen wir der Armen gedenken un» ihre Not nach Kräften zu linder» suchen.
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Demokraten gewählte Demokrat Heimburger hat die Wahl ab"r trotzdem angenommen eine Inkonsequenz, welche die Sozialdemokratie den Linksliberalen schwer ankreiden will.
Daß nach diesem Ausgang der Wahl über dem Block eine trübe Wolke lag, taucht nicht getog -u werden. Das Zentrum war höflich und vornehm genug, sich bei der Wahl Fehrenbachs i-den Beifalls zu enthalten. Ais vor zwei Zähren Dr. Gönner mit Hilfe der Sozialdemokraten getoylt wurde, da kam von den Blockbanken lauter <5»bel.
Präsident Fehrenbach wird seiner Aufgabe glänzend gerecht werden, dessen ist leder sichw, der ihn bei der Katholikenversammlung tn Wurz- bürg präsidieren sah und hörte. sol
chen Präsidenten kann man dem badischen Zen trum wie dem badischen Landtag nur aus voll- steni Herzen Glück wünschen. .
--- Die emßedläute Liebe-
„Lieben sollst Du mich, lieben, sieben, liebenl" So schrie der Vater, als er ^mem Buben me alltägliche Portion Prügel verabreichte. Dieter schlagfertige Erziehungskunstler hat Schule gemacht. Bei seiner Verteidigung des neuen Po- lenenteignungsgesetzes in der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses schloß Fürst Bu I o wi-iit der Bitte: „Helfen Sie uns vorwärts durch Annahme dieser Vorlage, damit bienen sie nicht nur dem Deutschtum in unserer O st m a r k, son- dern besser als mit halben Maßregeln auch dein Frieden in ihr und damit allen ihren Bewohnern!" . , .
Frieden würden die Polen rm Oifen schon halten, wenn man sie nur selbst in Rune ließe. Wenn sie wirklich aus sich heraus ungemütlich werden wollten, dann hat man ja Polizei und Strafgesetze genug, um sie wieder „zufrieden W machen. Die Zweckbestimmung der Vormge durch den Fürsten Bülow hat nur dann Sinm wenn das neueste Ausnahmegesetz den Polen noch besonders friedlich machen, ihnen warme Geftihle für das preußisch-deutsche Vaterland, Patriotismus, Zufriedenheit und Liebe betbringen M.
In einem bekannten Liede heißt es, zur Siebe könne man niemanden zwingen, aber die Haka- tisten stellen die alten Erziehungssatze auf den Kops. Sie wollen die Polen so lange prügeln, chikanieren und schädigen, bis, ihr hui- schmilzt in Liebe zu ihrem Peiniger. L.ie Polen sind treilich Christen-, aber daß sie die Tugend der Feindessiebe auf dem politischen Gebiete bis zum Heroismus treiben, trauen wir ihnen doch nickst zu. . ,ri . , . r.
Wie die Tatsachen zeigen, i|t ia auch der Erfolg dieser liebeheisckfeiiden Prügelpolitik der, daß der H a ß sich verbreitet und auf dem Dünger des Haffes der Weizen des Radikalismus üppig gedeiht. Diele glauben wirklich, daß bei unseren Polen die Prügel dieselbe Schätzung fanden und dieselbe liebliche Wirkung hätten, wie bei der russischen Arbeiterfrau, die unter Strome» von Tränen erklärt: Mein Mann liebt, mich nicht mehr, er hat mich seit sechs Wochen nt chtm eh r geprügelt! Die eigentlichen Leiter des Ha- katismus sind freilich nicht so Uaw, wie ihre Nachläufer. Sie wissen ganz gut, daß die Ver- folgungsmaßregeln nur die Erbitterung und den Widerstand verschärfen werden- aber das paßt ja gerade in ihre Rechnung, Die Fruchtlosigkeit der bisherigen Maßnahmen und die Maßlosigkeiten, zu denen der Grimm hinreißt, bieten ihnen den erwünschten Vorwand, fortwährend noch schärfere und wiederum-schärfere Maßregeln zu erlangen, sodaß die Sache auf einen Vernicht u n g --- kampf hinauskommt. Und den wollen sie ge- rode, den Kampf bis auf das Aeußerste, bis zum Weißbluten der Minderheit. So em Kampf bis zur Vernichtung ist ihr Sport, und sie betrewe»
):( Das Dercins- enb Nchamm- lmBgchh.
Die Versuche, das Vereins- und Dersamm- lungswesen nach seiner öffentlich-rechtlichen Seite hin einheitlich für den Umfang des Reiches zu gestalten, datieren zurück bis tn die erste Zeit nach der Gründung des Reiches. Zuletzt rm Februar des vorigen Jahres brachte u. a. das Zen- trum einen vom Grafen von Hompesch und Ge- Hoffen unterzeichneten Antrag ein, bcrctneii.se- setzentwurf forderte, „der die öffentlich-rechtliche Seite des Vereinswesens und das Versammlungsrecht im freiheitlichen Sinne regelt und insbesondere auch den Frauen die Teilnahme an sozialpolitischen Webungen tn Vereinen und Versammlungen gestattet." Aehnliche Anträge wurden auch von anderen Parteien eingebracht.
Ter nunmehr vorliegende Gesetzentwurf bringt eine gewisse einheitliche Regelung und beschränkt sich auch darauf, ausschließlich die öffentlich-rechtliche Seite des Verems- unb Versammlungsrechtes zu regeln. Aber von einer freiheitlichen Regelung merkt man nicht viel. ,
Artikel 1 sagt: „Alle Reichsangehörige haben das Recht, ztt Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwider laufen, Vereine zu bilden und pch 311 versammeln." Wenn damit der ganze Entwurf zu Ende Ware, daun könnte er sich sehen rassen. Aber an die Freiheit im ersten Satze recht sich nun eine Ausnahmebestimmung an die andere. Das Recht, Vereine zu bilden, soll sich nicht erstrecken auf die Orden und Kongregationen, und das Reichsversammlungsgesetz soll nicht gelten für Prozessionen, Wallfahrten und Bittgänge;, mn anderen Worten: auf r eIi g iö f em Gebiete soll keine Freiheit gewährt werden; da bleibt es bei den Vorschriften der. Einzelstaaten; diese wllen vor wie nach das Recht der Katbo- likenguälerei besitzen. Diese Bestimmung stellt ein Ausnahmegesetz schlimmster Art gegen die deutschen Katholiken bar, ba nur sie unter solchen einzelstaatlichen Vorschriften zu lewen haben. Statt mit den polizeilichen Bevormundungen ein Ende zu machen, läßt man ruhig den kleinlichsten Polizeigeist gegen die religiösen Vereins weiter regieren. Das nennt man dann „Freiheit".
Ebenso ist eine Regelung des Koalitto n s- rechtes unterblieben. Die Rechtsverhältnisse der Berufsvereine, namentlich hinsichtlich der Erlangung der Rechtsfähigkeit, sowie sonstiger pri- vatrechtlicher Verhältnisse, sollen rn einem beson- deren Gesetz geregelt werden. Auch die Vorschrif- ten des Landesrechts in Bezug auf Verbindungen
- - (Ein Sentrnmsmaim als Kammer» Präsident in Vaden.
Endlich sind die Würfel gefallen, und ein leibhaftiger „Ultramontaner", der Zentriimsabge- erbnete, Rechtsanwalt Fehrenbach,. ist zum Präsidenten der Abgeordnetenkammen nt Badm gewählt worden.
Ein Zentrumsabgeordneter auf deni Pta l- bentenstuhle, den zu zieren bisher stets mir a. Liberaler würdig gehalten wurde, ent'elM! Tiefe Niedergeschlagenheit und Vollenbete Trostlosigkeit hat sich aller „nationalen und „sil - raten" Kreise im „Musterländle' bemaastigt, und es soll dort Leute geben, die glauben, wtzt könne das Ende der Welt nicht mehr ferne sein.
Bekanntlich war im letzten Landtage die Wahl eines liberalen Kammerpräsidenten nur durch em schreiendes Unrecht dem Zentrum gegemwermöglich geworden. Es war auch tn Baden stets so gehalten worden, daß die stärkste^Partet den Pro- fibenlen stellte. Erst als tut ^ahre lJOa Zentrum bu stärkste Partei wurde wurde Von den Nationalliberalen, mit Unterstützung der Linksliberalen und Sozialdemokraten, mit diesem Brauch gebrochen. Damals verbündeten ach die Liberalen mit den Sozialdemokraten, um die Wahl eines liberalen Präsidenten zu ermöglichen, wofür den Sozialdemokraten der zweite Ntzepra- sidentenposten überlassen wurde. Diesmal hatten die Sozialdemokraten den Liberalen die Heere-- folge gekündigt und weiße Beitel abgegeben. Somit fielen ihre 12 Stimmen für die Entmiei- dung der Präsidentenfrage nicht mehr m die Wagschale, und es standen sich die betben bürget- lüften Gruppen, Zentrum und Konservative nut zusammen 32, und die nationalliberal-demokra- tisch-freisinnige Blockgesellschaft mit zusammen 23 Mitgliedern allein gegenüber. So wurde der Zen- trmnsman» mit 30 Stimnien gewählt, wahrend der nationalliberale Kandidat 26 Stimmen erhielt. Erster Vizepräsident wurde W tickens (nat 4ib.)„ Mit Spamiung wartete man auf den Ausgang der Wahl zum zweiten Vizepräsidenten. Noch im letzten Augenblick hatte bte sozialdemokratische Fraktion eine offizielle Erklärung abgegeben. worin sich Herr Geck verpflichtet^ iur den Fall seiner Wiederwahl zum zweiten Pran- denten „alle verfassungs- und geschäftsorbnungs- mäßigen Pflichten" zu übernehmen und selbst noch zu mehr. Das half ihnen nicht; gewählt wurde der Demokrat Heimburger, als der Vertreter der nächststarken Gruppe. Die Demo- krat-n und Sozialdemokraten stimmten für den Sozialdemokraten Geck, erzielten aber nur 1< gegen 53 Stimmen. Der gegen die Stimmen der
Was die Wit ter un g angeht, ist der Dezember ein echter und rechter Wintermonat. Wenn er auch inbezug auf die Kälte von seinem Nachfolger, dem Januar, gewöhnlich noch erheblich übertroffen wird, so erwartet und verlangt doch alle Welt vom Dezember, daß er uns Eis und Schnee bringt. Die Jugend freut sich auf Eisbahn und Schneeball, die Gummischuh, und Schlittschuhhöndler, der Inhaber der Pelz- und Wollwarengeschäfte, die Kohlenhändler und mit ihnen die ganze Kaufmannschaft wünscht sehnsüchtig ein frisches Frostwetter herbei, Werl da- durch die Kauflust des Publikums geweckt und gefördert wird. Sogar die Landleute wiffen bte rauhe Seite des Dezembers zu schätzen, denn „De- zember kalt mit Schnee gibt Korn in Tal und Höh."
Nach dem Kalender fängt der Winter zwar erst am 21. Dezember an, aber die Natur richtet sich nicht nach der Rechnung der Astronomen, und ganz recht hatte ohne Zweifel jener Knabe, der auf die Frage des Lehrers: „An welchem Tage beginnt der Winter?" antwortete: „Wann es anfängt zu frieren.” Die Tageslänge schrumpft im Dezember bis auf acht Stunden zusammen, so daß der Abend und die Nacht zwei Drittel von den 24 Stunden in Anspruch nehmen. Deshalb ist der Dezember so recht der Lampenmonat. Wenn nun dafür gesorgt wird, daß in die langen Lampenscheinabende so viel Gemütlichkeit hinein- getragen wird, wie sich nur auftreiben läßt, so werden wir die langen Sonnenscheintage des Sommers nicht allzusehr vermissen. Wir Men- schenkinder sind gerade zur Winterszeit am meisten zu fröhlichen Festlichkeiten aufgelegt; der Dezember gilt hauptsächlich den stillen Vergnst- gungen im trauten Familienkreise, wahrend nn Januar und Februar die öffentlichen Lustbarkei- ten mehr hervortreten, die dann m der Fast- nachtszeit ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende finden. . , , .
Auch in k i r ch l i ch e r H r n s i ch t ist der ’ZXeiemibar ein SWfannnat ersten Ranges. Das
und Verabredungen ländlicher Arbeiter und Dienstboten bleiben bestehen. Ob die Rechts Verhältnisse der Berufsvereine tn diesem ober tn pittcnt fbätcicn Sc*fe6 Werben, 1
cklließlich nebensächlich, aber daß den Ianbltd)en Arbeitern überhaupt nicht das Recht gegeben wer- ben soll, sich zu vereinigen, ist etne ganz unhaltbare Bestimmung.
Gegenüber solchen Ausnahmebestnumungen bedeutet es nur einen kleinen Fortschritt, daß nun Frauen und Minderiahrige auch an Versammlungen teilnehmen können. Es war ganz selbstverständlich, daß das Gesetz dieses Zu- gestandnis machen mußte „Dank" braucht man dafür nicht zu sagen. Was übrigens die Zulan- rmg von Minderjährigen anlangt, so werden die Ansichten wohl noch weit auseinander gehen. Mindestens Schülern, so wird vielfach verlangt werden, sollte eine solche Teilnahme nur unter besonderen Voraussetzungen gestattet werden, ^n- dessen ist anzunehmen, daß hier bte L-chuldts- ziplin ergänzend eingreifen wurde.
Die Vereine brauchen sich auf bte grasartige Freiheit, die ihnen nach dem neuen Gesetz winkt, gar nicht so sehr zu freuen. Siehaben ihre Satzungen einzureichen; bte Mitglieder be_> Vorstandes sind der Behörde bekannt zu geben. Wenn man auch von der Einreichung der Mit- gliederlisten abgesehen hat, so muß dem Amts- gericht doch die Zahl der Mitglieder gesagt werden, und da kann es Vorkommen, daß ein übereifriger Richter zur Begründung der Zahl doch die Mitgliederliste fordert. In der Begründung des Gesetzentwurfes liest man, daß in kleinen Verhälrnissen eine aufmerksame Polizeibehörde sich auch ohne das Mitgliederverzetchnts leicht unterrichten könnte. Man scheint also der Polt- zei die Aufgabe zuweisen zu wollen,, eine Art Spionage einzurichten, um herauszubrtngen, wer den einzelnen politischen Vereinen angehört und wer nicht. , ,
Reaktionär ist auch das Vers antmlnn gs- recht. Die Polizei kann zwar fortan Versammlungen nicht mehr im voraus verbieten, wenn sie rechtzeitig angezeigt und vorschriftsmäßig ange- meldet werden sind, auch dann nicht, wenn iie Anlaß zu der Befürchtung hat, daß die öffent- liche Rübe und Ordnung dadurch gestört werden könnte. Dagegen bleibt es im großen und gatt- *en bei ben polizeilichen Befugnissen, wie sie in Preußen bezüglich der Attflösmig der Versammlungen bisher bestehen und werden sogar »och verschärft. Bis in jedes Privathaus hinein erstreckt sich die Ueberwachung; denn man liest in der Begründung: „Eine öffentliche Ver- fammlung kamt insbesondere, auch in einer Pri- vatwobitung stattfinden. Ist in diesem Falle eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten vorgeseher., so sind auch hier die Voraussetzungen für die Anzeigepflicht und für die versammlungsrechtliche Ueberwachung der Polizei, gegeben." Das ist eckst preußisch-pickelhaubenmäßig. Wenn also mehrere Parlamentarier unter sich in einer Wohnung zusammenkommen, müssen sie es erf: anzeigen und die Polizei kann zlvei Schutzleute zur Ueberwachung hinsenden! Keine Vorstands- sitzung des Wahlkomitees, des Dolksvereins usw. kann mehr ftattfinben, ohne Anmeldung und ohne Ueberwachung.
Den schlimmsten Stein des Anstoßes enthält der § 7, der grundsätzlich die deutsche Sprachefür die Verhandlungen in öffentlichen Versammlungen vorschreibt und Ausnahmen nur mit ©enebmiaung der Landeszentralbehörde zulassen will. Da die Laitdeszentralbehörde dabei auf die Berichte und Gutachten der örtlichen Polizeibehörde angewiesen sein wird, so würde der letzteren tatsächlich die Befugnis zufallen, nichtdeutsch-e Versammlungen beliebig zu verbieten ober zu gestatten. Der § 7 bedeutet die
hochheilige Weihnachtsfest überstrahlt als der Geburtstag des menschgewordenen Gottessohnes alle andern Feste; in der ganzen Christenheit wird es mit besonderm Glanze gefeiert. Ja to- gar die Ungläubigen und „Aufgeklärten" können ich dem Zauber dieses herrlichen Festes nicht ganz entziehen; sie haben aus dem religiösen Feste ein Fest der Gaben und Geschenke gemacht und bieten ihren Kindern anstelle des lieben Christkindchens in der Krippe den nichtssagenden Weihnachtsmann. In diesem Jahre beginnt die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, der Advent zu gleich mit dem Monate Dezember, da der 1. Adventssonntag gerade auf den 1. Dezember fallt. Das schone Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariä fällt auf den 2. Sonntag des Monats Besondere Erwähnung verdient noch der St.' Nikolaustag am 6. Dezember. Früher war dieser Tag überall ein Hauptfesttag für bte Kinder; der „heilige Mann" brachte ben artigen und fleißigen Kindern reichliche Gaben, wahrend er die bösen und nachlässigen Kinder zur Beste- rung mahnte und bestrafte. In einigen Gegen- boit ,besonders auf dem Lande hat diese schöne Sitte fick noch erhalten, während in neuerer Zeit, besonders in den Städten, der Weihnachtstag immer mehr sich zum allgemeinen Geschenktage ausgebildet hat. Die Kirche feiert im Dezember noch eine ganze Reihe von Gedenktagen der be- kanntesten Heiligen: Franziskus Xaverius (3. Dez) Barbara (4.), Ambrosius (7.), Lucia (13.), Adelheid (16.), Thomas (21.), Adam und Eva (24), Stephanus (26.), Johannes 27.), Unschuldige Kinder (28.), David (30.) u. Silvester (31.).
An geschichtlichen Ereignissen von besonderer Bedeutung ist der Dezember arm. Vor allem ist hier zu nennen die Krönung Karls des Großen zum Römischen Kaiser deutscher Nation, die am Weihnachtstage 800 in der Potorskirche zu Rom stattfand. Am 2. Dezember 1848 bestieg Kaiser Franz Joseph von Oesterreich den Thron, und an demselben Tage wurde vier ^ahre spater Popolean DL durch ben Staatsstreich Kaiser der
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unqen In Süddeutschland mit feiner hechelt- Mn Mgelung des Vereins- und Versamm- iiinntzrrcktes ist man besonders empört. ~er Entwurf ist nach dem Rezept verfaßt, daß es die Süddeutschen nicht bester haben sollen, al-> die auf diesem ©einet so schlecht behandelten Norddeut- Vben- ersteren nimmt man viel, fast alles, und letzteren gibt man so gut wie nichts. Das ganze heißt mail bann — Freiheit.