34. Iahraank
Fulda, Freitag den 22. November 1907.
JW 268.
Arges Malt
Humsristische Erzählung von Gustav 8! eh seid
6]
(Nachdruck verboten.)
Alt itf c <«. Die t?8# spaltiaeprtiyrilt oder deren Kaum 15 pfg- Netlsnie« oie p<tH$ellt 25 Pfg.; bei Wieder» ho.n-men wird entfpr. Radalt oewährt.
Verantw. Redakteur; Carl Schütte;
J. parzeüer in Lul'da. Wsch^nbeilsigt: ,r3ßUftriCttC SOnUtUOSJCitUltQ
Im Etatgesetz wird der Reichskanzler er» mächtigt, zur Bestreitnna einmaliger außerordentlicher Ausgaben 260506 031 Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen; sowie zur vor- übergehenden Verstärkung der außerordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkafle nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von 350 Millionen sinaus, Schatzanweisungen auszugeben. Im Etatsgesetz ist ferner eine Bestimmung ausgenom- men, der zufolge der zur Verminderung der Reichsschuld im Etat des Schatzamts eingesetzte Betrag von 23910000 Mark insoweit nicht verwendet werden soll, als die 1908 aufzubringenden Matrikularbeiträge den Sollbetrag der lieber- Weisungen von mehr als 40 Pfg. auf den Kops der Bevölkerung übersteigen. Hiezu führt die Dcntschrift zum Gesetzentwurf aus:
„So notwendig und dringend der Beginn der Tilgung der ReichSsckntd auch erscheint, so geht es doch nicht an, diese Tilgung der Neichsschuld durch Erhöhung der direkten Steuern oder durch Ausnahme von Anleihen in den einzelnen Bundesstaaten zu bewirken. Letzteres ist aber die unabwendbare Folge eines Etats, der nach dem Entwürfe die Bundesstaaten mit mehr als 124 Millionen ungedeckter Matrikularbeitäge belasten soll So unerfreulich auch die Möglichkeit einer Hinaus- schiebung des Beginns der Schuldentilgung erscheint, so ist doch die vorgeschlagene Siegelung angesichts der unerschwinglichen Belastung der Bundesstaaten insoweit geboten, bis die in der Denkschrift in Aussicht gestellte und vorbehaltene Entlasmng einge- treEn ist"
SrfAelnt täglich «tt Ausnahme der Sonn« unOSeieilage. viertel» «ähn verugrprei, -hne Bringeri hn uni Beh e8 geil in Sn 16a nnb auswärts I W CO Pfg-
„So, hier haben wir, was wir brauchen 1 Nun zeige Teine Kunst, Fanchette!" sagte die Baronin, sich vor dein Toilettentisch niederlassend.
Tie Zofe warf ihr den weißen Frisiermantel, dm sie mitgenommen hatte, um und musterte dann den Inhalt des Kastens. Derselbe war sehr reichhaltig. Er bestand aus zahlreichen kleinen Büchsett von sonderbaren Formen, Flakons, Pinseln, Luven, Bürsten, Bäuschchen, Stiften und so weiter, — das ganze Arsenal der Koketterie ihrer Gnaden, der verstorbenen Baronin von Scharf- fenstein, Thusnelda, geborene Britting.
„Das reicht", tief Fanchette lachend aus, „so- viel batte nicht einmal meine Schauspielerinl"
Nun begann sie, ihre Herrin zu frisieren. Das prächtige Blondhaar wurde in der Mitte gescheitelt und hinten in mächtigen Flechten lest an den Kopf gelegt. Die krausen Löckchen Der
ber Küstenbefestigungen, Vermehrung der Unter» seeboote, eine weitere Besatzungsverstärkung der Schiffe. Bei den einmaligen Ausgaben sind für Vchiffsbauten 114,3 Mill. M. (-}- 28,4) zngeseht. Schiffsbauten und Armierungen beanspruchen zusammen 171 Mill. M. (~f- 42,5).
Die Einnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren werden aus 1,258 Mill. M. (-f- 70,3) veranichlagt. Aus dem Ertrag der Zölle werden 53 Mill. M. für die Zwecke der ffinftigen Witwen« und Waifenoersorgung zurückbehalten.
Der Hauptetat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2,750,058,401 Mk. ab (153.666,772).
In der Denkschrift zum Etat heißt eS: Für das Rechnungsjahr 1908 würden dre Matri- kularbeitrüge die zu ihrerDeckung dienenden Ueberweisungen nur um 124,256,51t Mark übersteigen. Wie bereits in der vorjährigen Denkschrift ausgesührt, haben die verbündeten Regierungen mit der Feststellung des Etats nicht zum Ausdruck bringen wollen, daß sie zur lieber- nähme der nicht gedeckten, über die Summe von 24/256,511 Mark, hinausgchendeu Matrikularbeiträge inrstande feien. Eure entsprechende Entlastung durch eine weitere Erschließung erhöhter eigener Einnahmen des Reiches muß daher vorbehalten bleiben.
war fertig.
,.Famos, — gar nicht wiederzuerkennen, Gua- digste!" versicherte Fanchette, die sich diedllch ihres Werkes freute.
„Puh, wie das nach alten Frauen riecht!" sagte die Baronin wenig pietätvoll. „Vor affen Dingen, Fanchette, Luft, Licht!"
Während die Zofe flink die Vorhänge ziirück- zog und die Fenster öffnete, stand die junge Frau überlegend da.
„Sßeifit Du was, Fanchette?"
„Gnädigste?"
„Ich werde hier wohnen, so lange mein Neffe hier weilt! Schön ist's zwar nicht, — im Gegenteil, gräßlich ist's in dieser Höhle, — aber wenn ich ihn in meinem Salon oder gar in meinem Boudoir empfange, das erregt schließlich, wenn er nicht ganz und gar naiv ist, doch seinen Ver- dachtI Und ich will ihn düpieren, gründlichl Er soll mit dem Bewußtsein abreisen, daß lerne Tante eine ganz alte Schachtel ist! Hahaha!"
„Gnädigste haben vollkommen recht!" kicherte die Kleine.
Die Varouiil öffnete ein Schubfach des Toilettentisches und förderte daraus, — ein Zeichen, daß sie den Inhalt schon früher einer Durchsicht unterzogen hatte, — eine ziemlich große, mit blauer, im Lause der Zeit vergilbter Seide überzogene Kassette zutage, auf deren Teckel mit gel- ber Seite das Wort „Souvenir" euigestmt tvar.
„Am Aussehen nicht, wenn Gnädigste sich nur mit dem Reden in acht nehmen!" versetzte die Kleine ungeniert. „Gnädigste wissen doch, ich war früher bei einer Schauspielerin in Köln in Stellung; die mußte ich immer verkleiden und -erändern, da sie den Theaterfriseur nicht leiden mochte. Ich werde der Gnädigsten ein so altes Aussel-eu geben, daß sie sich selbst nicht kennen soll. Aber die nötige Schminke, den Puder, die Stifte, wo die nur schnell herbekommen?"
„Ach, wenn's weiter nichts ist!" rief die Baronin, schnell für die Idee erwärmt. „Ich habe in den Zimmern meiner Vorgängerin einen Toilettentisch entdeckt, der alles Nötige enthält. Die alte Frau muß viel auf ihrAussehen gegeben haben!"
„War vielleicht nötig!" bemerkte Fanchette schnippisch.
, Tann, schnell, Fanchette, ans Werk!" drängte die Baronin. „D'e Zeit vergeht, jeden Augenblick kann mein Neffe kommen!"
„Ja, Gnädigste, schnell!" rief Fanchette übermütig. „Den wollen wir gründlich anführen, den Herrn Neffen vom Lande! Kommt er weit her?" „Nus dem — warte mal — Landsberg an der Warthe, — das muß da hinten, weit im Polnischen liegen!"
„Also ein Polack! Na, um so besser!" jubelte Fanchette.
Tie Baronin hatte aus dem Zimmer ihres verstorbenen Gemahls einen ziemlich verrosteten ^chlüsiel geholt und begab sich nun in Fanchettes Begleitung den langen, die Villa durchschneiden- den Gang hinab nach der anderen Seite des Gr- bandes, öffnete eine Tür und trat ein. Das offenbar selten gelüftete, durch dunkle Vorhänge verfinsterte Gemach war das Boudoir ihrer Vor- saiigerin gewesen. Alles einfach, geschmacklos, — nur eins darin kostbarer: der Toiletten- isch — von gediegenem Silber.
schwanden: sie wurden festgerlebt. Dann verlieh eine dichte Wolke weißen Puders dem Blond oie Farbe reifen Alters. Jetzt kam das Gesicht an bie Reihe. Die Zofe tauchte einen Pinsel in eine sorgfältig verschlossene Flasche, nachdem sie dcw Etikett geprüft, und übertünchte gewissenhaft die schönen, frischen Züge der jungen Frau nut einer Urt weißen Leimes, worauf eine bleiche Maör? erschien, welche der Baronin einen Schreckensschrei entpreßte. Daun nahm sie ein Bäuschchen und vollendete das Werk der Zerstörung, indem sie ein festklebendes Pulver darauf befestigte, das mm die Stelle der Haut, einer Haut ohne Farbe und ohne Leben, vertrat. Tie feinen blonden Augenbrauen wurden mittels eines Stiftes weiß, hie Stirn erhielt künstliche Falten, die Augen-
erweitert und befestigt werden, daß Verein- barungen mit den übrigen Bundes- ft aalen wegen gleichmäßiger Behandlung der Zigeuner im ganzen Deutschen ssieiche augebahnt werden. Die in dieser Hinsicht schwebenden Verhandlungen streben insbesondere an, daß die Ausweisunng nichtreichsangehörigerZigeuner in allen Staaten gleichmäßig über die Reichs- grenze und nicht nur über die Laudesgrenze zu erfolgen hat, und daß die Verfolgung vaga- bondierender Zigeiinerbandm durch Poli-ei- beamte auch übet die Grenze eines Bundesstaates hinaus gefiaOet werden soll. Die Durchführung der zur Bekämpfung des ZigeunerunwesenJ in Preußen erlaffenen Bestimmungen ist im übrigen nur insofern auf Schwierigkeiten gestoßen, als manche Polizeiverwaliungeu die Kosten scheuen, welche ihnen möglicherweise durch ihr Einschreiten gegen die Zigeuner ei wachsen können. Einige Kreisverwaltungen haben sich infolgedessen bereit erklärt, derartige Kosten, soweit sie nicht vom Staate zu tragen sind, aus Kreismiiteln zu decken."
* Das Zeppolin'sche Luftschiff unb bie Ne- qierunq. Wie der„Schwäd. Merkur' erfahrt, hat die Reichsregierung sich entschlossen, noch als NachtragS-Etat für 1907 400,000 Mark zu fordern, um den Grafen Zeppelin in den Stand zu setzen, so schnell als möglich mit dem Bau eines neuen Luftschiffes zu beginnen Vo,, dem Ergebnisse der mit dem neuen Luftschiffe zu unternehmenden Probefahrten wird es abhängen, ob die im Etat des Reichsamtes des Innern für 1908 beantragte Summe von 2,150,000 Mark zum Austrag des genannten Zeppelin ich en unternehmens verwendet wird. In dieser Summe sind die Barans tagen des Grafen Zeppeun, sowie eine angemessene Entschädigung für feine nunmehr zehnjährige Tätigkeit enthalten.
= 2. sozialdemokratischer Prcußcntag. Der Parteitag der preußischen Sozialdemokratie ist gestern in Berlin zusammengetreten. Der Vor- sitzende Abg. Singer hietz den Parteitag auch namens des deutschen Parteivorstandes Willwm- men. Aufgabe des Parteitages sei es, vor aue.n für die Erringung des allgemeinen, gle-ck-en, direkten und geheimen Wahlrechts ohne Unterschied des Geschlechts für Preußen einziltreten. Heraus aus der Dreiklasseilschmach, unter der wir seit 60 Jahren seufzen! Nachdem die and^ reu Einzelstaaten vorangegangen W'd, mutz auch das preußische Volk zeigen, daß feine Geduld zu Ende ist, daß es nicht gewillt ist,stich langer ab Heloten betrachten zu lassen. Ein Antrag, dis P o l e n f r a g e au erörtern, wurde , abgcwstnt und sogleich in die Tagesordnung eingetreten. Der frühere NeichstagSabgeordnete Haase-llo- nigsberg erstattete einen Bericht über die zu fchas- sende Landesorganisation. Er legte dabei einen Organisationsentwurf vor, wonach alle 2 Jahre eine Bundeskonferenz stattfinden soll an der u. a. auch die vorläu, ig noch nicht vorhandenen sozialdemokratischen Abgeordneten für den preußischen Landtag teilzunehmen be> rechtigt sein werden. Zur Leitung der preußi- scheu Organisation ist eine Lcmdeskoimnisiion zu wählen, die in Verbindung mit dem provinzial» fennice alle wichtigen Parteiangelegenheiten zu Verfolgen und zu leiten hat, allerdings bei geren Fragen nur in Verbindung mit dem deut- fd?en Parteivorstande. Im Anschluß an oiests Referat entwickelte sich eine längere Orgamfa-
Deutsches Reich.
* Der Kaiser lebt auf der Insel Wight das Leben eines Kurgastes. Forlaesetzt macht er Ausflüge wobei er von der Bevölkerung überall freundlich empfangen wird. Daneben erledigt der Kaiser auch die wichtigeren Regierungsgeschasle. — Die Kaiserin ist inzwischen wieder m Potsdam
Tie Ernennung des Geh. Legationsrats Stenirich, bisherigen deutschen Gesandten in Teheran, zum Unterstaalssekretar ini Auswärtigen Amt wird jetzt amtlich be.annige- geben. ,
1 Von den Parlamenten. Der Reichstag tritt heute zusammen. Die Eröffnung de- Landtages wird im „Reichsanzeiger auf den 26. November, vormittags 11 Uhr im Weißen Saale des Schlosses gemeldet. Zuvor wird um lOU Uhr in der Hedwigskirche für die kast>oli- schen Mitglieder und um 10 Uhr im Dom für die evangelischen ein Gottesdienst staltfinden.
* Die neue Flottenvorlage gefällt dem Deutschen Flotienverein nicht. Er versendet eine Mitteilung, in der es u. a. heißt: Leider hat die jetzt bekanntgewordene Vorlage eine große Enitäuschung gebracht. Die dringend nötige schleunige Ausmerzung der veralteten und minderwertigen Linienschiffe wird durch die neue Borlage nicht erreicht. Letztere kann nur als eme sehr dürftige Abschlagszahlung angesehen werben. Die größte Enttäuschung hat aber die Vorlage bezüglich der Großen Kreuze- gebracht; hier bleibt alles beim allen; auch die Lebensdauer der Kreuzer wird nicht herabgesetzt, für keinen einzigen Großen Kreuzer wird eine Bau- beschleunigunq gefordert. Wir hoffen, daß im Reichstag die nationalen fraktionell die uorde- turnen erheben werden, daß diesmal ganze ckrorii und nicht wieder Flickwerk geleistet wird. — ES ist danach sicher zu erwarten, daß die „Ratio- ualen« der Regierung mit einem wenerreichenden Antrag entgeqenkommen werden.
• Ein Erlaß des Staatssekretärs des.Reichs- Postamtes über die Regelung der Arvntkiver- hältnisse der Post- und T el eg rap he n arbeit e r steht demnächst bevor. Seiten« der bei- ben Vereinigungen, zu denen sich die Arbeiter zn- sanimengeschlosfen haben die eine hat itiren Sitz in Berlin, die andere, die sich an die christliche Arbeiterbewegung anlehnt, in Bochum. — liegen eine ganze Reihe Beschlüsse vor über Reformen der Arbeitszeit, der Arbeiteransschusse, Tagelöhne nsw. Der erwähnte Erlaß beschäftigt sich mit öeij berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft: es ist u. a. in Aussicht genommen, daß die Löhne, wo dies bisher noch nicht geschehen ist, aufgebessert werden.
Zur Bekämpfung deS Zigemierunwesens. Die halbamtliche ,Berl. Korr/ schreibt: „Sen Erlaß der Anweisung des Ministers deS Inner» zur Bekämpfung des ZrgeunenmwesenS vom 17. Februar 1906 hat die Zigeunerplage nach den übereinstimmenden Berichten der Provinzial- behotden in Preußen erheblich nachgelassen. Nicht nur, daß überall ein geringeres Auftreten von Zigeunern und zwar meist in kleine» Trupps als bisher fest gestellt wurde, es hat sich auch in einzelnen Fällen ein Streben nach Seßhafiwnden unter ihnen bemerkbar gemacht. Diese günstigen | Wirkungen der V rordnung sollen dadurch noch
i lidec Krähenfüße.
Während Fanchette, ihr Werk musternd, befriedigt nickte, konnte die junge Frau,einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. Es fchien ihr, als ivenn sie unter der MaSke des Alters ihren Froh- sinn, ihr Lachen verlieren müßte! ,
Doch noch war die Verkleidung keine vollstan- dige. Fanchette begab sich in die nebenan ge- Icßene Garderobe der Verstorbenen und traf dort eine Auswahl. Die prächtigen Formen der Baronin verschwanden nun unter der Wucht von mehreren schweren Röcken, darüber wurde ein altmodisches, einfaches, eisengraues Hauskleid 'angelegt, das am Hals nur einen kleinen weißen Kragen zeigte und unten kaum die in unförmigen ' Hausschuhen steckenden Füßchen sehen ließ. Eine große wollene Pelerine machte die Erscheinmig • der Verkleideten vollends uugestalt. Um die alb ; zu jugendlich strahlenden Augen der Baronin zu । verbergen, entnahm die schlaue Fanchette dem' ■ Schreibtisch eine blaue Schutzbrille. Tas weiß-, ■ bepuderte Haupt wurde von einer großen schwarzen Haube, deren Spitzen bis auf die Stirn s:e- • leit, gekrönt, — dazu noch Halbhandschuhe über p hie kleinen zierlichen Hände, und die alte Dame
~ Aus dem KeichshaushaltsM bringt die ,Nordd. Allg. Ztgck weitere Mit- teihmaen.
Bei dem Reichsamt des Innern betragen die Einnahmen 13102684 M. (-f~ 669695) im ordentlichen, 217 000 M. (+102000) im außer- ordentlichen Etat. Die fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats belaufen sich auf 77278617 M. (-}- 2042072). Zur weiteren Förderung des Zeppelin'schen Luftschiff- Unternehmens werden 2150000 Mark cm« ' gestellt.
! Beim Militäretat betragen die ordentlichen Einrahmen 7,5 Mill. M. (+ 1,2), die fort« daueinden ordentlichen Ausgaben 522,9 Mill. M. (+ 27,9), die einmaligen ordentlichen Ausgaben 95,3 Mill. M. (+ 11,8), die außerordentlichen Ausgaben 40 Mill. M. (— 1,1). Vorgesehen sind 'der Ausbau der LandeSbefestigunaen, Ersatzbauten für Mainz, Kastell und Köln. Ferner enthält der Militäretat u. a. eine Forderung für die Bildung einer besonderen Verkehrsabteilung im Kriegsministerium; es sollen Offiziere Verwendung finden, die aus den Veikehrstruppen hervorgegangen sind. 4665390 M. werden gefordert zur Beschaffung der grauen Kriegs- garnitur für die gesamte Feldarmee. Endlich wild als eiste Rate eine Million angefordert zur Beschaffung der fahrbaren Feldküchen.
Der Marineetat erfordert an fortdauernden Ausgaben im ord'ntiichen Etat 133,6 Mill. M. (4- 12,9), an einmaligen Ausgaben 115,3 Mill. Mark (4- 15.1), an Ausgaben im außerordentlichen Etat 90,1 Mill. M. (+ 32,7). Gefordert werden u. a. die Mittel zur Verstärkung
Der Etat enthüllt die Finanznot des Reiches in ihrer ganzen traurigen Größe. Die Schulven beziffern sich auf über 4 Milliarden, und zu ihrer Verzinsung sind fast 150 Millionen Mark nötig. Der Fehlbetrag ist auf „nur" 100 Millionen angesetzt, wird aber gewiß noch steigen, weil bestimmt damit zu rechnen ist, daß noch „mehrere" Rachtragsetate konunen werden, besonders solche für die Kolonien. Mit dürren Worten wird eingestanden, daß ohne neue Einnahmequellen, d. h. ohne neue Steuern nicht mehr weiter gewirtschaftet werden kann. Daneben ist eine Anleihe zur Deckung des außerordentlichen Etats in einer bisher noch nicht dagewefenen Höhe in Aussicht gestellt.
Den Blockleuten wird allmählich schwül ums Herz. Jetzt beginn! der Ernst. Das freiwillige, offiziöse Organ des Blocks, die,Deutsche Tageszeitung' stellt fest: „Das Reich muß aus seiner Finanznot heraus; Zögern ist unmöglich". Aber das Blatt sieht selbst ein, daß das „Wie helfen?" die schwierigste Frage ist. Die .Freisi Ztg.' droht aber mit dem Abfall vom Block, wenn die Steuerfrage nicht im Sinne der Linksliberalen erledigt wird. Der ,Reich4bot^ meint dagegen ironisch: „Was soll der Block, wenn er nicht einmal für die dringendsten nationalen Bedürf- uiffe des Reiches zu haben ist?" Allerdings, was soll der Block dann noch? Aber es wäre ja viel schlimmer, wenn der Block in Scherben geht, als wenn die solide Fincmzwirtfchsff zugrunde gerichtet wird! Das weiß man im Block und wird sich danach richten.
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Re« tirndr iderel in liulds. moMtsMw: „MdE SelchichkbMer"
„So, nun laß uns zunächst in den Salon geben" sagte die Baronin, sich schwerfällig erhebend und gebeugt in das Nebengemach schlur-
Dasselbe, der Salon ihrer Vorgängerin, war ebenfalls finster und schlecht gelüftet, feine Ein- richtunq gediegen, aber schwerfällig und ge- sckmiacklos. Hier beschloß sie ihren Gast zu em- Pfangen, dock; befahl sie der Zofe, zuvorderst zu lüsten und den Staub zu entfernen. Dann be- gab sie sich in die bewohnten Raume der Villa zurück. . . .
Der erste, den sie unterwegs amraf, war dec Diener Johann. Er riß die Angen weit auf, asZ er die alte, gebückte Frau langsam daherge- schliirst kommen sah und rief erstaunt ans:
„Holla, nun w'.rd's Tag! Sie alte Madame, rt>o kommen Sie denn her, und zu wem wollen Sie, wenn man fragen darf?"
„Ach, Gott, Johann, kennen Sie mich denn nicht?" meckerte die Alte kläglich. Aber aus ihrer Stimme klang verhaltenes Lachen, und das spürte selbst Johann.
„Woher soll ich Sie denn kennen?" schrie er ärgerlich. „Ich brauche Sie überhaupt nicht zu kennen, und wenn Sie denken, sich über mich lustig machen zu können, dann find Sie auf dem Holzwege! Sie haben hier gar nichts zu pichen, — machen Sie gefälligst, daß Sie fortkom uen!
„Ach, Gott, Sie sunger Dtann, seien Sie doch nicht so'hitzig!" stöhnte die Alte. „Ich biitja die Schwester von der Nemitzen! Können Sie mir nicht sagen, wo die Nemitz ist?"
„Na, hier oben doch sick>erlich nicht. Sie alte Dame!" gab Johann bärbeißig zur Antwort. „Wenn Sie die Schwester der Frau Nemitz sind, — was mir wunderbar erscheint, denn ich habe Sie noch nie bei ihr gesehen, — dann werden Sie auch wissen, daß die unten im Parterre zu finden ist! Machen Sie also flink, daß Sie dorthin kommen, damit nicht erst die. Gnädige aus- merksam wird, — sonst bekomme k& noch meine Auspauke l"
(Fortsetzung folgt.)