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1 Peraxt». Hebafteur; Carl Schütte;
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Rotationsdruck tu Verlag der 5uldaer Ac» flenbritferei in jfitlba, Serofpredier Nr. 9.
M 267.
34. Jahrqanq.
Fulda, Donnerstag den 21. November 1907.
Zweites Wkrtt.
* Die Wohnungsfrage vom gesundheitlichen Standpuntt aus.
In der trefflichen Zeitschrift „Charitas" hat Hr. Dreyling in Danzig über obiges Thema einen acht Ouartseiten füllenden Aufsatz nieder« gelegt, der so ungemein viel Praktisches enthält, daß cs für die Leser unserer Zeitung sicher belehrend ist, die Grundzüge des Artikels und deren Begründung kurz geschildert zu sehen.
Schon bei der Gestaltung des Bebauungsplanes ist bei der Erweiterung der 'Städte und Ortschaften darauf Bedacht zu nehmen, besondere Wohnungsviertel vorzusehen, welche hinreichend Luft und möglichst wenig Geräusch für sich haben. Tiefliegendes Terrain rst womöglich zu vermeiden, Mulben sind wegen der Feuchtigkeitsansammlung ungesund. Wenn Mulden nicht zu vermeiden sind, so nnrß der Platz sorgfältig trainiert werden.
Der Baugrund muß wenigstens bis zur ersten wasserdichten Schicht erforscht, der Stand des GrundwasserS muß erkannt werden; ist der Boden feucht, so sind Trainageröhren zu legen beziehungsweise Gräben zn führen um die Grundmauern.
Wichtig ist das Material besonders der Wände. Die Wände sollen die Luft ja nicht vollständig abhalten, sie sollen porös sein und so eine Verbindung zwischen Innen- und Außenluft gestatten, denn nur dadurch können auch die Wohngelasse Luftveränderung haben. Diesbezügliches bestes Material ist der Kalktuffstein und der Luftmörtel, welch letzterer nie gespart werden soll. Gut stnd ferner Backsteine, die aber nicht zu hart gebrannt sein dürfen, desgleichen grobkörniger Sandstein mit viel Mörtel. Das Holz muß selbstverständlich sehr trocken und im Winter geschlagen sein.
Die Luftdurchlässigkeit der Wände ist hochbedeutend; je mehr Luft eine Mauer enthält, desto wärmer hält sie. Wände, die aus lüft- dichtem Material hergestellt sind, würden eine xu geringe Wärmekapazität besitzen und die Wärme zu gut leiten. Die Wände bewohnter Räume sollen nie mit Oelfarbe angestrichen wer- den, namentlich nicht von innen; auch Holzge- täfel, Tapeten mit dickem Klebstoff sind zu vermeiden, da sie den Durchgang der Luft durch tue Wand hindern, einfache Kalkfarbe ist das Beste. (Dies haben unsere Eltern und Voreltern sehr gut eingesehen und darnach gehandelt, jetz" /oll nur alles recht nobel, blank und buntscheckig in die Augen fallenl) Klar ist, daß ein Neubau so trocken als möglich sein muß, bevor er bezogen werden darf und daß alle Feuchtigkeit von ihm abgehalten werden muß. Das einzige rationelle, aber auch das sicherste und erfolgreichste Mittel, um Haußbauten rasch zu trocknen, ist reichliches Heizen bei teilweise geöffneten Fensterlt. Nur nie schlafen an einer feuchten Wand, sonst gibt's zuerst Rheumatismus, dann oft Nerven- und Nierenerkrankungen. Auch für gute Ventilationen des H a u S- d a ch e 8 ist Sorge zu tragen, da auch das Dach dem Luftwechsel int Hause dient.
Viel zu wenig wird auf die innere Einrichtung der Häuser, auf die Einteilung uw । Verwendung der einzelnen Räume gesehen. Os verstehen die Leute den Wert dieses Punktes nicht, teils sind sie aber auch nicht in der Lage, besondere Rücksicht hierauf nehmen, zu können, z. B. arme Familien in größeren Städten, welche rils Wohn-Schlafkammer, oft auch noch als Küche
ein Gelaß haben und hatten, dazu vielleicht noch einen Hund, eine Katze — bei diesen helfen Ratschläge nichts,*da muß praktisch eingegriffen werten und in dieser Hinsicht ist ja in den letzten Jahrzehnten sehr viel geschehen und wird die Geseyesmaschine sicher noch nicht außer Dienst gesetzt sein. Wenn möglich, so sollen aus Ge- ündheitsrücksichten in einer Wohnung immer getrennt sein: Küche und Speisekammer vom Wohnzimmer, die Kinder sollten in einem eigenen Zimmer untergebracht werden; besonders ist auf das Schlasgemach zu achten. Wird ein Handwerk betrieben, das viel Staub erzeugt oder giftige Substanzen, so gehört es nicht in das Wohnhaus. Jede Familie sollte wenigstens Wohnzimmer, Schlafgemach und Küche haben.
In Bauernhäusern sollte der Stall nie unter einem Dach mit den Wohnräumen sich befinden. Kleinvieh, Geflügel, Wäsche zum Trocknen in einem Wohnraum ist Gift, wenn es auch manche Bauern nicht glauben.
Die Reichen machen ebenfalls riesige Fehler. Die luftigsten Zimmer werden Gastzimmer und Salon, die eigenen Zimmer haben nicht genug Luft und oft ist das Kinderzimmer, welches das allerbeste im Haus sein sollte, das miserabelste. Wenn möglich sollte letzteres wie Wohn- und Schlafzimmer südlich liegen, Küche, Eßzimmer, Abtritt womöglich nördlich. Der Keller sollte wenigstens 2(/2—3 Meter hoch sein; D a ch- räume sollten nur bewohnt werden, wenn sie im ersten Dachraum liegen, gut gegen Regen und Wind geschätzt und ebenfalls 2y2—3 Meter hoch sind.
Die Treppen dürfen nicht dunkel sein, sondern müssen Licht entweder von außen oder von oben empfangen. Das Treppenhaus kann mit Erfolg als Ventilation des ganzen Gebäudes benutzt werden. Das Allerwichtigste für eine gesunde Wohnung ist gute Luft. Der Mensch fühlt sich am wohlsten in der frischen Luft. Seeluft, Waldesluft, Bergesluft stärkt; der Ge- nefende oder Kranke, der Schwache sucht Luftkurorte auf, der gesunde Stadtbewohner geht der Luft wegen, wenn seine Mittel es erlauben, für Wochen aufs Land der Erholung und der Luft wegen. Das gesunde Blut ist bedingt durch gesunde Luft. Heizung, künstliche Befeuchtung, Eindringen von Bodenluft rc. verderben bie Lust, also muß frische Luft wieder zugeführt werden. Viele Menschen, z. B. Beamte, sind auf Wohnräume ihres Berufes wegen angewiesen, gute Luft ist für sie Lebensbedingung. Für einen Erwachsenen soll wenigstens 10, für Kinder 5 Kubikmeter Luftraum vorhanden fein. Die Wohnungsräume sollten 2,50 Meter hoch sein. Ganz zu vermeiden ist in Wohnräumen die Ausdünstung von unreinen Kleidern, schmutziger Wäsche rc.— Blutarmut, Skrofulosität, Schwind- sucht sind die Folgen schlechter Lust. Sehr wichtig ist die Ventilation, die mit der Reinlichkeit Hand in Hand gehen muß; denn wo Schmutz, da hilft auch die Ventilation nicht. Die natürliche Ventilation findet statt durch die Wände, selbstverständlich muß dieselbe auch bezweckt werden durch L-effnen der Fenster, was besonders die Landsleute ungemein vernachlässigen — es kostet sonst zu viel Holz! — und vollends in Krankenstuben I da glauben unter Hundert heute noch Neunzig auf dem Lande, die frische Luft sei dem armen Kranken schädlich und doch braucht er sie noch weit nötiger als der Gesunde! Einmal im Tag muß jedes bewohnte Zimmer gelüftet werden. Gesundheit ist doch mehr ivert, als ein paar Stück Holz, oder Torf oder Kohlen! Kamine verursachen einen viel stärkeren Luftwechie als Qefen.
Neben der Luft ist der Zutritt von möglichst viel Licht in unseren Wohnngen von allergröß
ter Bedeutung, denn es wirkt ungemein günstig auf dre Gesundheit; ohne Licht kein Leben, des- wegen hat es auch der Allmächtige an erster Stelle erschaffen, kein Leben in keinem Reiche i>tt Natur. Ohne Licht Schläfrigkeit, Traurigkeit, ohne Licht besonders Krankheit der Augen, ohne Licht Zunahme der schädlichen Mikroorga- nisrnen. Helle Wohnungen sind gesund, heißt cs ja auch im Volksmund. Selbstverständlich ist Sonnenlicht das Beste.
Zu gesunden Wohnungen gehört ferner die richtige Heizeinrichtung. Es muß gleichmäßig geheizt werden und in Wohnräumen wird es am behaglichsten fein bis 18® Celsius, tn Schlafzimmern genügen 15® Celsius vollauf. Tie Heizung soll stets gleichmäßig sein, sodaß tn allen Luftschichten die gleiche Temperatur vor- handcn ist. Die Zimmerluft soll nicht allzusehr ausgetrocknet werden und soll keine schädlichen Vermischungen enthalten. Ein sehr guter Heiz- apparat ist der aus Backsteinen und Thonkacheln erbaute Zimmerofen, der das Zimmer durch Bettung heizt, in dem die Lust von unten nach oben über die OfenoberflLche hinströmend sich daran erwärmt. Eisenöfen werden zwar sehr rasch warm, sie Heizen aber sehr ungleichmäßig und ei zeugen alle Unannehmlichkeiten der strahlenden Wärme; Mantelöfen, Füllöfen sind besser. Für große Gebäude ist die sogenannte Zentralheizung die beste, allerdings auch teuer. Daß auf die Einrichtung und die gute Wartung der Oefen große Sorgfalt zu verwenden ist, ist klar. Beim Brennen von Steinkohlen im Ofen kann durch zu frühes Schließen der Ofenklappen der Lust Kohloxydgas mitgeteilt werden, bekanntlich Gift. Darum weg mit den Klappen und hermetisch schließbare Türen her!
Noch ein Wort über die künstliche Beleu ch- t u n g der Wohnungen. Das Licht soll möglichst hell, aber nicht zu grell fein, es soll stetig und gleichmäßig brennen, darf die Lust nie verschlecht rern und soll nicht durch Wärmestrahlung sich bemerkbar machen. Soll endlich die Wohmmg für den Menschen eine Stätte ungestörter Tätigkeit und des Ausruhens von solcher unb der Sammlung frischer Luft sein, so ist bie nötige Ruhe in derselben ein weiteres Erfordernis. Der geistig Tätige bedarf der Ruhe noch mehr als der mit seiner Körperkraft Arbeitende; der Kranke, der Genesende, der nervös Abgespannte muß Ruhe haben und findet sie in einem gut und gesund hergerichteten Heim. Gut gewohnt, ist halb gelebt!
Literarisches.
Fabiola ober Die Kirche der Katakomben. Von Kar- ' dinal Wisema n. Uebersetzung von Christiane
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Mexiko unter Kaiser Maximilian I. Von I.
Kemper. Mit 13 Jllustr. (7. Bändchen der „Geschichtlichen Jugend- und Volksblb- liothek".) Verlagsanstalt vorm. G. I. Manz, Regensburg.
Tie Geschichte Mexikos unter Kaiie.' Maximilian I. wird in diesem Bändchen auf Grund zuverlässiger Quellen geschildert. Tis fellelnd aß gefaxte und hübsch illustrierte Merkchen soll
dazu dienen, das Andenken an den edlen Habsburger dem deutschen Volke zu erhalten und unsere Jugend zu lehren, daß nicht in blutigen Revolutionen, sondern in friedlicher Arbeit unb in treuer Anhänglichkeit an bas angestammte Herrscherhaus bas Glück eines Volkes zu finben ist.
Marktberichte.
♦ Frankfurt, 18. Slot). 1907. [®etreibemartt] Der teure Geldstand wirkt lähmend auf jede Unter« nehmungslust und die Umsätze waren verhältnismäßig klein. Weizen ist stark offeriert und mußte gegen di« im Lause der Woche erzielten Preise etwas nackmcben. Roggen im Eintlang mit Weizen leicht abgeschwächt. Haser ist fortgesetzt sehr stark offeriert, auch kommen jetzt sehr viel schlechte Qualitäten an den Markt, die auf die gute Ware drücken. Gerste bleibt gesucht bei leicht anziehenden Preisen. Ausländische Brotfrüchte fortgesetzt in prompter Ware fest. Es notierten je nachQualität: Weizen, hiesiger u.SBetteiauer,22.00 - 22.25 Mark, kurhes fisch er je nach Qualität 22.00 —22.25 Mark, norddeutscher 00.00—00.00 Mk., russ. 26.00—27.00 M., Redwinter 26.0U—27.00 Mk., Kansas 26.00—27.00 Mk., La Plata 26.00-27.00 M., rumänischer 26.00-27.00 Mark. Roggen, hiesiger, 20.75—00.00 Mk., rumän. 00.00—00.00 Mk., russischer 00.00—00.00 Mk. Gerste hick. y. Wetterauer 20.50—21.50, Pfälzer 21.00 - 22.00 M, Ried 21.00—22.00 M. Hafer, hiesiger, 18.30—18.90 Mk, bayerischer 18.30-18.90 Mark, russischer 19 00 bis 20.00 Mk., rumän. 19.00—20.00 Mk., amerikanischer 19.00—20.00 M.,Mais (Mixed) 00.00-0 '.00 M., Donaumais 16.75—17.00 M, La Plata 16.75—17.00 Mark, russ. 16.75—17.00 3)1. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. — Mehl stetig. Es notiert je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 33 00 bis 33.50 M., Nr. 1 32.00—32.50 M., Nr. 2 31.00 bis 31.50 M., Sir. 3 30.50 -31.00 Mk., feinere Marken 0.50—1.00 Ni. höher. Roggenmehl Nr. 0 31.00—31.50 M., Nr. 1 29.00 29.50 M., Nr. 2 25.00—25.50 M. Allesper lOoKilo inklusiv Sack. Futterartikel abgeschwächt. Weizenschalen 12.00—00.00 Mark, Wetzen kleie 12.00 bis 00.00 M., Roggenkleie 13.00—00.00 M., Futtermehl 15.00-15.50 M., Biertreber, getrocknet, 13.00 bis 13.50 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier.
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Fulda, dm 19. Nov. 1907. ' Der Magistrat.
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