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34. Jahraansi«

Fulda, Samsta« den 16. November 1907.

M 264.

Krstes WLcrtt.

in den fortdauernden Ausgaben ein Plus von 291000 Mark vor. Das Schutzgebiet Toyo be- darf auch im nächsten Jahr keines Rnchszu« schufles. Südwestafrika erfordert einen Reichs- zuschuß von über 43 Millionen, das bedeutet ein Minus von über 21 Millionen gegen das laufende Rechnungsjahr. Infolge Zunahme der Verwaltungsgeschäste ist eine Verstärkung des Beamtenpersonal- und der farbigen Hilfskräfte in Aussicht genommen. Bei der Landespolizei ergibt sich eine Erhöhung des Ansätze- um

bäude und durch Anwachsen der GeschästSbedürs- nifle hervorgerufen.

Im Etat der Reichsdruckerei beträgt daS PluS der fortdauernden Ausgaben über 1,100,000

Kölner liberalen Stadtverordneten Geheimrat ; ent an, der erklärte, daß die Kandidatur drS i Magdeburger Oberbürgermeister» Dr. Lenhe, der ur Uebernahme des Oberbürgermeister- postenS in Köln in Aussicht genommen war, dadurch zu Fall gekommen sei, weil in der Ver» assungskommission ein Mitglied der Zentrums, rartei (Stadtverordneter BrehmS) erklärt habe; „Meine Fraktion wählt unter keinen Umständen einen Protestanten." Die ,Vofs. Zig/ bringt diese Mitteilung in ihrer Morgenausgabe vom 15. November, obgleich Justizrat Kausen in Köln ie bereits am 13. November in einer großen Wählerversammlung der Kölner Zentrumsparter chlagend widerlegt hatte. Herr Kausen griff dort auf die zwar nicht vom Geheimrat Lent, sondern von Herrn Neven Du Mont gemachte gleichlSutende Behauptung zurück und konnte er. klären, daß Herr Trimborn die Frage, ob daß Zentrum unter Umständen auch einen evangelischen Serrn wählen werde, wahrheitsgemäß bejaht hat, daß dagegen durchaus falsch dieBehauptunz istAerr BrehmS habe im direkten Gegensatz dazu erklärt, das Zentrum wähle überhaupt keinen Protestanten^ DaS Zentrum habe sehr ernstlich die Wahl emel Protestanten erwogen, aber stets nur unter der Voraussetzung, daß eS sich um eine duldsame, politisch-neutrale Persönlichkeit handele und daß der Betreffende seine Mitbewerber an Tüchtlgkert überrage. Sei letztere« nicht der Fall, so ent« spreche eS der Gepflogenheit des ganzen Landes und der natürlichen Billigkeit, daß im vorliegen« den Falle einem Katholiken der Vorzug gegeben werde. Herr BrehmS habe dem Sinne nach lediglich solgendes gesagt: „Wir verstehen nichtz weshalb ihr uuS unbedingt Herrn Lenze aus« dringen wollt, wo mehrere mindestens ebenso tüchtige katholische Bewerber da sind.« Die von Geheimrat Lent ausgestellte Behauptung sällt also in sich zusammen und damit auch die der

Deutsches Reich.

1. Der Bundesrat hat die Novelle zum Flott enge setz genehmigt. Sie enthält die Herabsetzung der Ersatzsnsten der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre. Die Begründung deckt sich mit den in der Preffe bereits gemachten An- SabL $cm Reichstag ist am Freitag der Ent­wurf über die Vereinfachung des Wechsel- Protestes, sowie der am Donnerstag vom Bundesrat angenommene Vertrag über die Un- faüsverficherung mit den Niederlanden zu-

8 0 -.Der neue preussische Gesandte am Vatikan Herr v. Mühlberg, ist einer der wenigen Offiziere, die beim Todrsritt von MarS la Tour im Jahrs 1870 mit heiler Haut davonkamen, eine Kugel erhielt er zwar auch. Später tra! er in dis Diplomatie über und war jahrelang in der wirtschaftspolitischen Abteilung tätig, bis er im Jahre 1900 Untrrstaatssekretär wurde. Herr v. Mühlberg ist eine seine, geschmeidige Natur, ein Diplomat durch und durch; mi seinem hohen Sinn für Literatur und Kunst paßt er nach Rom. Was seine Stellung zu den Katholiken betrifft, so hat er bisher in seinem Amte wenig Gelegenheit gehavt, sie näher, zu kennzeichnen; in den wenigen Fällen aber zeigte er sich als ein gerecht denkender Mann, der be- strebt war, auch den katholischen Ansprüchen ge- recht zu werden. Möge sein Wirken dazu bei­tragen, daß die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Preußen nicht gestört werden, sondern freundlich bleiben. . .

1. Daß das Zentrum keme politische, sondern eine konfessionelle Partei ist, wird jetzt wieder einmal von der ,Voff. Ztg/ behauptet. Als Beweis führt das Blatt dis Mitteilung des

749000 Mark auS dem Umstand, daß im Etat ür 1907 für die darin vorgesehene Verstärkung >er Landespolizei rund zwei Drittel der Jahres- >esoldung ausgebracht waren. Die Militärver­waltung erfordert nahezu 25 Millionm Mwk gleich einem Plus von 11400000 Mark der ortdauernden Ausgaben. Die Mehrsorderungen ergeben sich im wesentlichen aus der 1907 be- schioffenen Verstärkungder ständigenSchutztruppen. Von den bei den einmaligen Ausgaben erscheinenden Forderungen sind u. a. zu erwähnen 758000 Mark plus, 338 000 Mark für Brunnenbohrungen, 110000 Mark zum Ausbau der Betonnung und Befeuerung der Küste, 1100000 Mark ferste Rate) zum Bau einer Landungsbrücke bei Swa- kopmund. Des weiteren sind vorgesehen 58000 Mark zu Teuerungszulagen an Beamte ufro.fut die erste Hälfte des RechnungSsahres 1908, 200000 Mark zur Verpflegung re. von kriegs­gefangenen Eingeborenen, 2ü00< 0 Mark für dauernde telegraphische Verbindung der militärisch •nur schwach besetzten Stationen im Südosten des Schutzgebietes. Den Haupiposten der einmaligen Ausgaben bildet die dritte und letzte Rate zur Fortführung der Bahn Lüderitzbucht-Kubub nach Keetmanshoop mit 8200000 Mark. Der vorläufige Abschluß des Fonds des Schutz- gebiet es sür 1900 stellt eine Ersparnis von über 1800 000 Mark in Aussicht. K i a ut s ch o u er- fordert einen Reichszuschuß von über 10600000 Mark, gleich einem Minus von über 1133000 Mark. __

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Verantw. Redakteur:

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i. Am dem Aeichchaurhaltretat für 1908.

Die,Nordd. Allg. Ztg/ beginnt mit der Ver­öffentlichung der einzelnen Etats, auS denen wir folgende Einzelheiten mitteilen:

DaS Auswärtige Amt erfordert an fort­dauernden ordentlichen Ausgaben ein PluS von nahezu 700,000 Mark, an einmaligen Ausgaben ein MinuS von 409,400 Mark. Es hat sich eine Verstärkung vieler sächlicher FondS als er- forderlich heruusgestellt, besonders ist dre Er- Höhung drS Fonds zur Förderung deutscher Schul« und Unterrichtszwecke im Aus­land um 200/ 00 Mark auf 850,000 Mark be­merkenswert. Bei den einmaligen Ausgaben er- scheint u. a. eine neue Forderung von 175,000 Mark als erste Rate für den Bau deS Konsu­latsgebäudes in Tientsin.

Im Etat für die Justizverwaltung werden an fortdauernden Ausgaben 46,1'00 Mark mehr

□ Mnisterstürzerei. Einer muß fallen, entweoer Freiherr v. Stengel, oder der preußische Finanzminister Freiherr v. Rhein« baben. Freiherr v. Stengel hat sich nach neuen Steuern umgesehen, die dem Block gesähruch werden können, und Freiherr v. RheuwabeH hat die zurzeit schwersten Steine des Anstöße-, die Polen und die FinanzfraHe, der Block­politik in den Weg geworfen. Die »Münchener Neuesten Nachrichten" richten deshalb letzt scharf» Angriffe gegen ihn. Das .Berliner Tageblat^ meint, die Konseguenz solle natürlich sein, daß nicht etwa die Polensrage und die Fmanzsrage, sondern, daß der Finanzminister v. Rhein« baben aus dem Wege geräumt werde. Wie hätte man wohl gewettert, wenn zurzeit, da das Zentrum ausschlaggebend war, in dieser Weise M inisterstürzerei engros betrieben worden wäre! Jetzt, da es des Blockes Herrlich- feit zu retten gilt, ist das alles selbstverständlich.

... Getreidezölle und Witwen- und Walsen« versicherunq. Wie von uns schon mitgeteilt, beruht der große Mehrertrag der Zollemnahmen des Reichs in der Hauptsache in der Mehrem« nähme aus der Brotgetreideemfuhr; fließt also, nicht in die Reichskasse, sondern kommt dem Fonds für die Witwen- und Waisenverficherung $u gut« Wenn schon die Brotgetreideeintuhr April-Juli ein sehr starkes Plus gegenüber dem Vorjahr ergeben hatte, so zeigen mich die Monate seit Beginn bet neuen Ernte August-Oktober, gegen alles Erwarten

Mmk.

Bei der Verwaltung der Reichseifenbahnen stellen sich die Einnahmen im ordentlichen Etat auf über 125 500 000 M., gleich einem PluS von über 7 600 000 M., im außerordentlichen Etat auf 12000 M. höher als im Vorjahr. Die fort- dauernden Ausgaben belaufen sich auf über 95 Millionen Mark gleich einem Plus von über 6 Millionen Mark; die einmaligen erfordem em Plus von nahezu 450,000 Mk. ES verbleibt ein Ueberschuß von über 23,550,000 Mk. Das Plus beläuft sich auf über eine Million Mark im ordentlichen Etat. Im außerordentlichen Etat werden über 17 Millionen Mark weniger ver- langt als im Vorjahre. Bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen EtatS werden u. a. angefordert zur Vermehrung der Betriebsmittel 2,500,000 Mk. Bei den Stellenvermeh- I tungen sind unter den fortdauernden Ausgaben angesetzt: 1. für den Vorstand einer neu einzu­richtenden Maschineninspektion gegen Wegfall der Stelle eines Bauinspektors, für Oberbahnhoss- vorsteher und für Obergüterverwalter je zwei unter Fortfall von je zwei Bahnhofs- und Güter­vorsteherstellen, für technische Eisenbahnsekretäre 2, für nichttechnische Eisenbahnsekretäre 5 gegen Wegfall von 2 BetriebSsekretär- und 2 Bureau- assistentenstellen, sür Gütervorsteher einen, für Bahnmeister 1. Klaffe 7 unter Wegfall von 2

I Bahnmeisterstellen, für technische Bureauassistenten 21 unter Beseitigung der Beamtenklaffe der

I Zeichner, für nichttechnische Bureauassistenten 11, für Bahnhofs, und Stationsafsistentenstellen 60, für Kanzlisten erster Klasse 12 unter Aushebung der Klaffe der Kanzlisten und Einführung der

I Dienstbezeichnung in Kanzlisten sür alle Beamten deS Kanzleidienstes, für Lokomotivführer und Heizer 25, für Zugführer 20, für Wagenwärter, I Schaffner und Bremser 30, für Werksührer 6, für Lademeister 10, sür Bahnhofsausseher und

I Weichensteller erster Klasse 32, für Stellwerks­weichensteller 20, für Maschinenwärter 3, sür Magazinaüfseher 2, sür Bureau- und Hauptkaffen­diener 1, für Weichensteller 40, für Bahnsteig, schaffner 5, sür Rottenführer 12, für Portiers 1

I und für Bahnwärter 7.

Der Haushaltsetat der Schutzgebiete schließt in. Einnahme und Ausgabe mit 84 Millionen, Mark ab, gleich einem Minus von 20 Millionen Mark. Die fortdauernden Ausgaben des Etats des ostafrikanischen Schutzgebietes I erfordern ein Plus von über 500 000 Mark. Bei den fortdauernden Ausgaben beansprucht I die Zivilverwaltnng ein Mehr gegen da I laufende Rechnungsjahr von über 242 010 Mar' I die Militärverwaltung eine solche von über 36000 Mark. Der Etat sür Kamerun sieht

gefordert. _ |

Die fortdauernden Ausgaben deS Etats für I das Reichskolonialamt belaufen sich auf nahezu l,90i',000 Mark, gleich einem Mehr von 250,000 Mark. Die Fonds zur Vorbereitung von Beamten, Offizieren, kaufmännischen und I technischen Kräften für den Kolonialdienst sollen I eine Erhöhung von 42000 auf 130000 Mark I erfahren. ES ist beabsichtigt, eine (Etro eite« I run g der Ausbildung für den Kolonial­dienst in zwei Richtungen eintreten zu lasten: 1 Einmal soll die bisherige Vorbildung der sür I Beamtenstellen vorgesehenen Personen durch volks-1 wirtschaftliche Vorlesungen an der Berliner Handelshochschule ergänzt werden; dann ist beabsichtigt einen Teil des vorzubildenden Per- sonalS nach Hamburg zu entsenden, wo sie eine besondere Vorbildung für den Kolonialdienst er­halten sollen. Die einmaligen Ausgaben für den ordentlichen Etat zeigen ein Plus von über 9,700,000 Mk. Für die Vorarbeiten zur Er­schließung der Schutzgebiete werden 100,000 Mk. anstatt bisher 50,000 Mk. ge« fordert. In der Erläuterung zu dieser Forderung wird auf die Wichtigkeit den sorgfältigen Er­kundigungen, die zur Beurteilung geplanter An- lagen in zu erschließenden Gebieten nötig sind, hingewiesen. Bisher hätten diese Erkundungen meist ohne Beteiligung eines Regierungsvertreters und selbst bei fiskalischen Projekten auf Kosten privater Unternehmer geschehen müssen, weil es der Verwaltung an Mltteln fehlte, Beamten zur Teilnahme an diesen Arbeiten zu entsenden oder gar die letzteren auf eigene Kosten auszuführen. Es sei unerläßlich, für derartige Vorarbeiten einen besonderen Fonds zu schaffen. Aus bet Reichs- garantie für bie Bahn Dar-es-Salam-Morogoro erwächst eine Ausgabe von 525,000 Mk. Für bie Militärverwaltung sinb bei den einmaligen Ausgaben 50,0 0 Mk., sür außerordentliche Hilfskräfte aus Anlaß des Aufstandes in Süd­westafrika eingestellt.

Die fortdauernden Ausgaben sür den Rech­nungshof sind auf 53,000 Mk. höher vorgesehen. Die' Steigerung wird hauptsächlich durch den Umzug deS Rechnungshofes in ein eigenes Ge-

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Dis affe Hants.

Humoristische Erzählung von Gustav Rehseld> 1] (Nachdruck verboten.)

1.

Sie saßen beim Liebesmahl. Der Spcisesaal im Kosino des vornehmen Gardekavallerieregr- ments war taghell erleuchtet. Köstlicher Blu­menschmuck prangte in den großen Tafelaufsätzen, welche die Kasinokommission, wie alles, was das Offizierkorps an wertvollen Geschenken befaß, hatte ausstellen lassen. Links, gleich neben der Tür, hing das Schlachtenbild, das den heute ge­feierten Kampf darstellte; rechts erblickte das Auge französische Waffen, Musikinstrumente und eine Fabne, die das tapfere Regiment im Kriege erobert hatte. Die Kapelle ließ nur noch Tänze und Märsche ertönen, ein Zeichen, daß das Mahl sich seinem Ende näherte.

Man war beim Sekt angelangt; die Stim­mung war äußerst animiert und fidel.

„Was, Züssow hat sich verheiratet, — Züssow von den zehnten Ulanen?" hatte eben ein schlan- ker, bildhübscher Osfizier mit flottem, blondem Schnurrbart, der Oberleutnant von Scharffen­stein, gefragt.

,„So ist es," erwiderte ein Rittmeister, „ver­heiratet, den Abschied genommen und, betvirt- schaftet nun als Schwiegersohn eines steinreichen Rittergutsbesitzers ein höchst rentables Landgut!"

„Der Leichtsinnigel So jung noch und schon Philister! Hätt's ihm nicht zugetrautl" Der Oberleutnant schüttelte den Kopf.

Alle lachten.

„Na, Scharffenstein," rief der kleine, dick« Major von Waldow, „wenn man Sie hört, fühlt wan sich auf Ehre versucht, zu denken, Sie trü­gen statt des .Herzens einen Kieselstein in der Brust I Werden Sie nicht auch einmal in den Hafen einer glücklichen Ehe einlaufen?"

Scharfsenstein schauerte komisch zusammen.

„Um Gotteswillen, sprechen Sie nicht davon!" slehte er. „Ich und heiraten! Denke noch lange nicht dran, meine goldene Freiheit aufzugeben und unters Joch zu kriechen!"

„Reden Sie nicht so, Scharffenstem! sagte ein anderer Oberleutnant. „Weiß aus Erfah­rung, daß Sie für Weiber nicht unempfänglich sind! Denken Sie mal an die fesche Soubrette vom Friedrich-Wilhelmstädtischen, die kleine Mieze!"

„Na, ja", machte Scharfsenstein überlegen, „mall Sonst über — auf Ehrei — nein! 's war übrigens auch nur ein flüchtiges Strohfeuer, — in wahrem Feuer hat mein Herz beim An­blick schöner Frauen nie gebrannt l"

„Wird schnell genug kommen!" meinte Mawr von Waldow. „Wie lange wird's dauern, dann übernehmen Sie Ihres Vaters Scholle, heiraten und sind so gut Philister wie Züssow l"

„Na, das nun schon gar nicht! "oppoinerte Scharfsenstein ärgerlich. „Erstlich ist mein Vater sehr rüstig, garantiere für mindestens noch zwan- zig Jahre, und bann — was soll ich zu Haust? Bleibe Soldat und Garcon! Hoch das fidele Jimggefellenleben!"

Jubelnd stimmten die Herren ein.

Allein wie alles auf Erden ein Ende hat, so auch das Liebesmahl, und die Herren Offiziere suchten ihre heimatlichen Penaten auf, um vor Anbruch des Dienstes noch einige Stunden zu ruhen.

Auch Oberleutnant Baron von Scharffenftein begab sich nach seiner eleganten, in der Doro- thvenstrafee gelegene Garconwohnung und war eben im Begriff, sich der äußeren Hülle mit Hilfe seines schlaftrunkenen Burschen zu entlebi- gen, als fein Auge auf den Schreibtisch fiel. Auf demselben lag ein Brief. , Mechanisch nahm er ihn in die Hand und las die Adresse.

„Nanu," murmelte er erstaunt, „eine bloße Epistel und noch dazu umgehend als Antwort, während ich —> — Was bedeutet das?"

Er öffnete den Brief und begann den In­halt zu überfliegen. Anfangs verschwommen die Worte vor seinen Augen, nach und nach aber traten sie deutlicher hervor. Was er da las, war wohl geeignet, seine Aufmerksamkeit zu fesseni und ihn nüchtern zu machen.

„Geh' schlafen!" herrschte er den verdutzten Burschen an. .

Als er allein war, liefe er sich auf einen «esse! fallen und gab sich nicht ohne tiefen Seuf­zer der Lektüre des väterlichen Schreibens hin. Der Inhalt desselben aber war folgender:

Mein lieber Hansl Habe Deinen Brief so­eben erhalten und sehe mich veranlaßt, Dir um­gehend Antwort zugehen zu lasten; dieselbe wird allerdings anders ausfallen, als Du, wohl vor­ausgesetzt hast! Es war mir seinerzeit em ganz besonderes Vergnügen, Dich, meinen einzigen Jungen, in dasselbe Regiment eintreten zu sehen, dem auch ich früher angehörte. Lebte doch da- durch meine eigene Jugend in mir auf, wurde doch auf diese Weise die seit längerer Z-ft un- terbrochene Verbindung wiederhergestellt und dienten doch die sich periodisch wiederholenden Ausflüge nach Berlin, sowie die Wiederanknüpf­ung alter Beziehungen, der Wiedereintritt in die alten, lieben Gesellschaftskreise dazu, mich zu ver­jüngen, heiter zu stimmen! Darüber sind aber sieben Jahre vergangen, Zeit und Verhältnisse haben sich wesentlich geändert, und lagen mir da­mals finanzielle Erwägungen fern, heute drän­gen sie sich mir doppelt lästig auf. Damals wa­ren die Produktionskosten bedeutend geringere, bie Produkte dagegen, Getreide, Wolle und Holz, standen im Preise wesentlich hoher als heute, well man da mit keiner ausländischen Konkurrenz auf dem Markte zu kämpfen hatte. Heute ist das ganz anders; man kämpft recht eigentlich um die Existenz und hat feine Not, den alten Besitz zu erhallen. Von einer Vermehrung desselben kann schon lange keine Rede mehr sein. Die Produk­tionskosten haben sich in den wenigen Zähren ver- doppelt ausländisches Getrerd- und überseeische

Wolle beherrschen die Börse; sie drücken die Preise mehr und mehr herunter; dazu kommt, daß die Ernten selbst geringer geworden sind, so daß daS Lerbältnis von Einnahmen und Ausgaben sich gänzlich zum Nachteil der öfteren ber efeoben bat Das mag ja nun alles sein. Wärest Du mein einziges Kind, so dürftest Du es Dir eher erlau- ben, ein wenig flott zu leben aber Dube-west noch drei unverheiratete Schwestern I An die muß ich auch denken! — Du wirst zugeben, daß ich bis dato stets eine offene Hand hatte und Drr nie einer Vorwurf machte, wenn Du außer dem sehr anständigen Zuschuß, den ich Dir bewllligt, noch alljährlich ein paar tausend Mark bean­spruchtest, die Du im Jeu und am Totalisator —> in den letzten Jahren am eigenen Rennstall —> verloren. Nun aber plötzlich die erneute Forde- rimg von sechstausend Mark, — dazu kann und darf ich nicht schweigen I Noch ist Blankensee fast — ich betone: fast — frei von Hypotheken. Acker, Wiesen und Waldungen befinden sich iw besten Zustande, lebendes und totes Inventar sind kom- plet und gediegen. So soll und muß es aber auch bleiben, im andern Falle geht es mit Niesen­schritten abwärts, und wenige ^ahre, dann droht der Ruin. Und das kannst Du nicht wollen! Weder wollen, noch verlangen! Nun konnte ich Dir sagen: schränke Dich em! Ich bezweifle aoer non vornherein, daß Du dazu noch imstande bist! Ich konnte mich ferner an das Kriegsministerium mit der Bitte wenden. Dich zu einem Sinienregi- ment nach einer kleinen Garnison zu versetzen; ich bezweifle aber ebenso, daß Du Dich „fern von Madrid" auch nur einigermaßen glücklich fühlen wirst. Ich konnte endlich das Ansinnen an Dich stellen. Deinen Abschied zu nehmen und nur tn der Bewirtschaftung des Gutes zuv Seite zu stehen, doch so egoistisch will ich nicht sein und verlangen, daß Dm Dich vor der Zeit in die landU liche Einsamkeit vergräbst. Dazu ist eS sPater noch Zeit genug, und was Deine Unterstützung anbelangt, so kann ich dieselbe, Gott sei. Dank, noch einiae Leit entbehren« Ich habe nicht btt