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Fulda, Mittwoch den 13. November 1907.

M 261.

Erstes Matt

63]

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An; eia «n. Vie du fpaliige Petitzriie oder deren Naum 15 pfg. bekamen »It petitzeil« 25 pfg.; bei wieder- Holungen wird entfpr

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34. Jatiraana.

Erscheint täglich «lt An,nähme der Son», und Feiertage, viertel« fShri. vezugipreir ohne Vringerl'hn und tze«eSgeldi«8nldaunh auswärt; 1M 50 pfg.

Lebenswege.

Roman von Klara Wilhelm?.

(Nachdruck verboten.)

Stenael über Bord springen lassen werden. Ein Bestätigung dheser Empfindung gibt auch die „Deutsche Tagesztg.", welche heule meint, es sei nicht ausgeschlossen, daß em Wech­sel in der Leitung des Reichsamtes eher erfolgen werde, als man es noch vor Mo­naten vermutete.

Paul zitterte am ganzen Körper, er hielt eine große blühende Myrthe umschlungen, um sich daran aufrecht zu halten. Er mußte weiter hor­chen, obwohl er fühlte, daß ihm das Blut zum Aerzen drang.

Dich und mein Glück all' Du wieder mir gibst. Weiß ja nicht mehr, Wie so lang Du ausbliedst, Weiß ja nur, daß Tu dereinst mich hast geliebt. Lang, lang ists her, lang, lang ist's her wiederholte er leise. Er saut auf eine neben der Ntyrthe stehende Bank, bedeckte sein Angesicht mit den Händen und ein qualvoller Seufzer entrang sich seiner Brust.

„Ja wohl, lang ist's her, — damals war ich jung, das ganze Leben lag vor mir im rosigen Scheine, und jetzt? — ein einsamer, gebrochener Mann — schleppe ich trotz meines Reichtums mühsam das Leben dahin. Ob Käthchen mich .wohl wieder aufnehmen würde, wenn ich zu ihr käme? Würde sie wirklich vergessen, wie lange ich fortgewesen? Wie lauge auch sie einsam und verlasien war? — Sie einsam? War sie eZ denn? War denn nicht Hugo von Bergen ihr zur Seite?" lachte er bitter auf. „O, mein ganzes Vermögen gäbe ich um die Gewißheit, ob sie schuldig ist oder nicht."

Kennst Du den süßen, den heimlichen Ort, Lang, lang ist's her, lang, lang ist's her. Wo wir einander gegeben das Wort!

Lang, lang ist's her, lang, lang ist's her." tönte es vom Klcivicr zu Paul herüber.

„O, o!" stöhnte er. Wie eine Fata Morgana erstand plötzlich in dem blauen Nebeldunst das alte verfallene Kloster mit seinem dunklen Wal- ^pshintergrund vor seinen Augen. Er hörte das

er ging um den Busch und fand an der widern Seite desselben Jemand liegen. Er beugte sich über ihn und berührte seine Schulter.

„Wo sehlt's? Kann ich helfen, sind Sie ver­wundet?" fragte Paul.

„Verwundet nicht", entgegnete der and«e, „aber so tüchtig geprügelt haben die Schurken mich, daß ich mich nicht aufrichien kann.

Was war das nur wieder? Trieb dw Phan­tasie ihr Spiel heute abend mit Paul, daß er glaubte, diese Stimme zu kennen? Das Ge­sicht des vor ihm Liegenden konnte er nicht er­kennen, weil er im Schatten lag. Er mußte diese Stimme »och einmal hören. •

Wie kommen Sie tn diese unangenehme Sage?" fragte er, „was wollten die Strolche von Ihnen?"

, Ich hatte mich heute nachmittag ermüdet hinter diesen Busch gelegt und schlief ein. Als ich vor kurzem erwachte, hörte ich Stimmen tR meiner Nähe. Dieser umfangreiche Taxusstrauch trennte mich von den Männern, welche sich ver- abredeten, in dieser Stacht einen Einbruch zu be- gehen. Sie besprachen die Einzelheiten desiel- ben Ich verhielt mich ganz ruhig, damit sie mich nicht bemerkten. Allein, plötzlich mußte ich meßen und dadurch wurde den Männern meine Gegenwart verraten. Mit einem Sprunge wa­ren sie an meiner Seite und wurden mich un­fehlbar tot geschlagen haben, hätte Ihre Ankunft sie nicht davongejagt."

„Versuchen Sie nur, sich aufzurichten, ich will Ihnen helfen", sagte Paul, den es drängte, da's Gesicht des Sprechenden zu sehen, denn seiney Ohren mochte er nicht trauen.

„O, meine Schulter, meine Arme, der Kopf", stöhnte der Geschlagene, während Paul ihn aus dem Schatten des Busches entfernte. Aber nun er im vollen Schein des Mondes das Antlitz sah, prallte er entsetzt zurück.

„Hugo von Bergen l" rief ex, also täuschte mich mein Obr nicht."

Rauschen der Bäume, hörte die Worte Käthchens: „ich liebe Dich in alle Ewigkeit."

Mondlicht und Orangendust haben gewöhnlich eine sonderbar aufregende Wirkung und wie viel mehr nicht, wenn sich solche Musik, solcher Gesang mit diesem vereinigt. Auch Paul gab sich diesem süßen Zauber hin, er versenkte sich ganz in den Traum des Märchen „Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit",, und vergaß darüber, wie lange schon dies vorbei sei.

„Kehre, o kehre zu mir doch zurück, Du meine Welt. Tn mein einziges Glück, Weiß ja nur, daß Du dereinst mich hast geliebt, Lang, lang ist's her, lang, lang ist's her."

sang die Stimme weiter.

„Ja, lang, lang ist's her", stöhnte Paul. Er hielt es aber jetzt nicht länger aus, das Nebel­bild zerrann, und wie von Furien gejagt, eilte er von dannen, immer mit der Mahnung im Ohr:

„Kehre, o kehre zu mir doch zurück!"

„O, wie gerne kehrte ich zurück", klagte er, aber wünscht sie es auch? Bin ich ihr willkom­men? — Was ist denn heute mit mir? So weich, so wehmütig bin ich seit langer Zeit nicht mehr gewesen. Warum mußte ich auch wieder hierhin zurückkehren? Hier, wo alles schwärmt, wird auch der nüchternste, prosaischste Mensch von der Schwärmerei angesteckt. Warum mußte ich wie­der nach Italien reisen, ist doch die Welt groß genug. Ich hatte mir so fest vorgenommen, die­ses Land nicht wieder zu betreten und doch bin ich wieder hier. — Ja, konnte ich denn anders? war es nicht, als wurde ich von unsichtbarer, ge­heimnisvoller Macht dazu getrieben? — Aber horch! Ein Hülferuf? unterbrach er fein Selbst­gespräch, und eilte dorthin, von woher er den Ruf vernommen zu haben meinte. Dieser wiederholte sich und nun dünkte ihm die Stimme bekannt. Als er in die Nähe eines dichten Taxusstrauch^s kam, entfernten sich schnellen Laufes einige Män­ner von diesem. Dies kam ihm verdächtig vor,

Deutsches Reich.

„Fürst Bülow als Angeklagter" ist der Titel einer im Auslande erschienenen Schrift, welche die schwersten Anklagen gegen den Staatsmann Fürst Bülow erhebt und sich außer mit Kolonialftagen mit den Verhältnissen in unserer Diplomatie beschäftigt. Wir sind nicht in der Lage, nachzuprüfen, ob das ge­samte Material, das in der Schrift niedergelegt ist, auf Wahrheit beruht. Daß aber einzelne der dort erhobenen Anklagen zutreffend und wahr sind, ist uns bekannt. Ein Urteil über die ganze Schrift zu fällen, werden wir uns hüten. Was dort über die Verhältnisse in unserer Drplomatenwelt ausgeführt wird, das ist, falls es auch nur zur Hälfte auf Wahrheit be­ruht, zum Himmel schreiend. Was der Moltke» Harden-Prozeß enthüllt, wäre nur ein Kinderspiel dagegen. Wir erwähnen daS Er­scheinen dieser Schrift nur deshalb, um dem Reichskanzler nahezulegen, sich gegen die darin enthaltenen Anklagen zu vertei­digen und eine öffentliche Klarstellung zu geben. Der nicht genannte Verfasser erklärt, daß er sich jederzeit einem deutschen Schwurge­richte stellen werde und daß durch den Verlag sein Name zu erfahren fei. Das Ansehen des Reiches und seiner diplomatischen Ver­treter erfordert dringend, daß eine Klärung erfolge, und diese kann am schnell­sten im ÄVege der gerichtlichen Klage herbeigeführt werden. Wenn der Reichskanzler diesen Weg nicht beschreitet, so befürchten wir, daß man in vielen Volks kreisen eben diese oft ungeheuerlichen An­schuldigungen als Wahrheit hinnimmt und der Schaden wäre unermeßlich.

* Die Eröffnung der beiden Häuser des Landtags erfolgt am 26. November mittags 12 Uhr im Weißen Saale des Berliner Schlosses durch eine Thronrede, die der Reichskanzler Fürst Bülow verlesen wird.

1. Eine Verordnung betr. die Pension und die Fürsorge für die Hinterbliebcnen der Reichs­bank-Beamten, nach der die Vorschriften des Gh> sehes vom 17. Mai 1907 betr. Aenderungen des Reichsbeamten-Gesetzes vom 3 l. März 1873 und die Vorschriften des Beamtenhinterbliebenen-Ge­setzes vom 17. Mai 1907 auf die R eichsbank- Beamten und deren Hinterbliebenen entsprechende Anwendung finden, wird soeben im Meichsanz/ veröffentlicht.

Die Beibehaltung ermäßigter Ausnahme- tarife für Kohlen hat der Ausschuß des Landes­eisenbahnrates in feiner letzten Sitzung mit drei gegen eine Stimme befürwortet. Gleichzeitig war der Ausschuß einstimmig der Ansicht, die Einführung des Rohstofftariss für die Einführung ausländischer Kohlen vorläufig versuchsweise auf ein Jahr zu empfehlen. Bekanntlich waren im Jahre 1900 zurzeit der Kohlennot die Tarife für die Einfuhr ausländischer Kohlen ebenfalls er­mäßigt.

Das neue Börsengesetz ist nun vom Bundesrat einstimmig (!) angenommen worden;

yerantw. Rebatteuts

Carl Schütte;

j-fparjeiet in zulda. WochLnbeilage: fr3nufttkrtC

Freiheit weiter zu garantieren, obwohl sie danaü lechzen, wieder am Tische des politischen Herrn z» sitzen und das alte Theater weiter zu spielen. (Grob, Heiterkeit nnd Beifall.) Die Sache mit den lumpiger 9 Millionen kam überraschend. Damals tat ein süddeutscher hochstehender Herr den charakteristischen Ausspruch: „Hätten wir Bülow nur vorher etwas mitgeteilt, ich hätte meine Zentrumsmannen schon herangebracht, und die ganze Geschichte wäre ver­mieden worden.' (Hört! Hört!) Mit solcher Heuchelei wollen uns die Füchse gefälligst in Ruhe lassen. In einer Zeit, in der die Tagung der Partei des Satans mit der Partei der engelhaft guten und christlichen Demut (große Heiterkeit) bald ihr zehnjähriges Jubr- läum in Bayern feiern, wird man wahrhasttg un­empfindlich gegen solche Angriffe,'

Es ist gar nicht auffallend, daß Dr. Müller- Meiningen sich die Tageszeit der Reichstagsaus- lösung so genau gemerkt hat, denn in jener Stunde wurde die Vergangenheit feiner Partei begraben; alle feine Grundsätze hat der Freisinn damals und seither verleugnet, um das „süße Heu aus der Regierungskrippe" zu erhalten WaS Müller über den angeblichen Ausspruch eines süddeutschen Zentrumsmannes mitteilt, ist eitel Humbug! Das Zentrum stimmte mit einer Ausnahme geschloffen, auch wenn alle Abgeordneten dagewesen wären, würde das nicht anders gewesen sein, denn so töricht ist kein Zentrumsabgeordneter mehr, daß er nicht die Reichstagsauslösung als einen längst gegen das Zentrum geplanten Streich erkannt hätte, der dann später um so wuchtiger gegen uns geführt worden wäre. Die übrigen faden Bemerkungen charakterisieren nur den Redner selbst, sonst nie­manden. _ , _

Die Kuhhandelspolitik ist Trumpf. Der sreikonservative Abg. Frhr. v. Zedlitz ver­breitet sich in der neuen Zeitschrift ,Neue Revue über die Aussichten der Blockpolitik; er erwartet „Gegenschachzüge des Zentrums-. Um diesen vorzubeugen oder sie unwirksam zu machen, empfiehlt er, eine Kuhhandelspolitik en gros zu führen und begründet diesen Vorschlag wie folgt:

„Wenn es nicht allzu schwer ist, zu ergründen, wi­st ei den verschiedenen Aufgaben der nächsten Sesiwn vom Standpunkte der Blockpolitik aus ,gu verfahren sein wird, so würde es doch verkehrt sein, es darauf ankommen zu lassen, von Fall zu Fall den richtigen Weg zu finden. Denn die Verständigung über die im einzelnen Falle einzuhaltende Linie hängt tn vielen, ,a in den meisten Fällen von der Vereinbarung der Lösung anderer Fragen ab. Ael-errmegend ist es im einzelnen Falle allein an dem einen der beiden Mae! des Blocks, dem anderen eutgegenzukommen, die Gegenleistung ist auf- anderem Gebiete zu suchen und zu gewähren. Bei dieser Lage der Dinge erscheint es rätlich, wenn nicht gar notwendig, die nächste parlamentarische Kampagne nach einem festen zwischen der Regierung und den Führern der Blockparteien im voraus vereinbarten Feldzugplane zu führen. Eine solche Vereinbarung ist der Natur der Sache nach eine recht schwierige Aufgabe, aber für einen Staatsmann von so ost bewahrtem taktilchen Geschick wie Fürst Bülow keineswegs unlösbar und zweifellos des Schweißes der Edlen wert.

Mit einer solchen Selbstverständlichkeit haben wir doch noch nie die Kuhhandelspolitik empfehlen gehört; Herr v. Zedlitz will sie zur Grundlage des Block machen. Für die Zustimmung bet der einen Frage erfolgt die Gegenleistimg bet einer anderen! Es entstehen somit die Preisfragen: Was erhalten die Konservativen sür die Annahme des Börsengesetzes? der Reichsoeremsgesetze? Was wird den Freisinnigen zu teil für die Zu­stimmung zur Flottenvorlage? Das politische Geschäft kann also jetzt beginnen. Und da gibt es noch immer Leute, die dem Zentrum Kuh­handel vorzuwerfen wagen!

„Werner, Paul, Du hier? Du mein Ret­ter?" fragte dieser erstaunt.

„Ich Dein Retter? Nein! Aber fallen sollst Du von meiner Hand, Du Mörder meines Glü­ckes!" rief voll wilder Erregung Paul. „Es ist gut, daß die andern es nicht vollbracht, daß ich mein verlorenes Glück, mein Weib und mein Kind wenigstens rächen kann."

Mit einem heftigen Griff nach dem Halst Hugo's warf er bieten wieder zu Boden; feine Erregung war aber so groß, daß er den am Bo­den Liegenden nickt festhalten konnte und dies« sich mit Anstrengung all' ferner Kraft wieder frei machte.

, Was fchwatzest Du für Unsinn?" fragte er, sich aufrichtend. „Wenn Deine Gattin Dir teuer war, warum verließest Du sie?"

„Weil Du Dich zwischen uns stelltest, weil Du mir ihre Siebe stahlst, weil Du mich unglück­lich und elend gemacht", rief Paul, von neuem auf Hugo eindringend. „Aber, wo ist sie« hast Du sie auch verlaffen? Wo hast Du meine Gattin, wo ist Käthchen?"

„Wie kannst Du Deine Gattin bei dem sn- chen, welchen sie haßte?" sagte Hugo, dein An­griffe Pauls ausweichend.

„Du willst zur Lüge Deine Zuflucht nehmen", entgegnete dieser verächtlich. „Der Verräter ist immer feige; aber ich habe Euch beide im Tier­garten damals beobachtet."

„Hättest Du recht gesehen, würdest Du be­merkt haben, daß Deine Gattin vor mir floh. Aber jetzt bist Du ruhig, Paul, sonst sage ich Dir nicht, in weich' unseligem Irrtum Du befangen bist. Schäme Dich, Deine Gattin fo zu erniedri­gen."

„Was sagst Du?" rief dieser, die beiden Hände des ehemaligen Freundes ergreifend, „Käthchen Ware wirklich unschuldig?"

(Fortsetzung folgt.)

feine wichtigsten Bestimmungen find: Das Börsenregister wird aufgehoben. Dafür werden durch Gesetz diejenigen Personen be- stimmt, die gültige Termingeschäfte machen können, »um Kreise dieser Personen sollen alle Kaufleute gehören, die in ein Handelsregister eingetragen sind, außerdem Personen, die zur Zett des Ge- schästSabschluffes Börsen- oder Bankiergeschaste betrieben haben. Deutsche Anleihen sollen keiner Prospekte mehr bedürfen zur Einführung an der Börse. Dasselbe soll gelten für Kommunalschuld­briefe. Börsentermingeschäfte «i Ge- treibe, und Mühlenfabrikaten bleiben verboten, ausgenommen für Landwirte, die eigene Erzeugnisse verkaufen, und für solche in das Handelsregister eingetragene Kaufleute ober Genossenschaften, zu deren Geschäftsbetrieb der Ankauf oder Verkauf von Waren dieser Art gehört. Geschäfte zwischen einer zum Termin­handel berechtigten Person und emer anderen unberechtigten sollen gültig sein, wenn die erstere sich eine Sicherheit hat bestellen lassen; werden solche Geschäfte nicht erfüllt, fo soll eme Zurück- forberung her Sicherheit ausgeschlossen fern. Dem Bunbesrat wirb schließlich bie Vollmacht erteilt, weitere Verbote von Termingeschäften m Waren unb Wertpapieren zu erlassen." — Dieser Inhalt gefällt her ,Deutschen Tageszeitung" gar nicht unb sie sagt:

„Unsere Bedenke sind so schwerwiegend, daß w,r heute schon mit voller Bestimmtheit sagen können . Sollte der Entwurf wirklich so gestaltet sem, wie di­obigen Mttteilungen vermuten lassen, so wurde er sur uns schlechthin unannehmbar sein. Wenn wir das beute schon sagen, so geschieht es, um die maßgebmden Kreise vor Illusionen zu warnen. Wir haben immer Öt, daß wir geneigt seien, bis zu einem gewyM

e Opfer zu bringen, daß man aber em Opfer der Ueberzeugung uns nicht zumuten dürfe. Ist das Börsengeseh so gestaltet, dann wird uns em Opfer der Ueberzeugung zugemutrt, das zu bringen unmög­lich ist." .

Na, na! Herr Oeriel, BülowS Wörtel finde' einen guten Derlei! Die scharfe Sprache ist ja vorerst verständlich; aber bas weitere findet sich schon nach.

* Ein neues Wahlrecht für Schaumburg-Lippe. Aus Bückeburg wird, gemeldet, daß dort die Ab­schaffung des bestehenden Landtagswahlrechtes und seine Ersetzung durch ein allgemeines und direktes Wahlrecht öffiziöS angekündigt wurde.

# Der Abg. Müller-Meiningen hat sich auf der Frankfurter Einigungsversamm- lung der Linksliberalen mit Erfolg als Spaßmacher produziert. Nach einem uns jetzt vorliegenden Berichte führte er it. a. aus:

„Di- Keule, bie unsere Gegner schwingen, lautet: „Liberal-konservative Paarung! Verrat! Schändliche, feige Höflinge, die mit furchtschlotternden Kmeen am Tische des Herrn v. Oldenburg die Brosamen auf­lesen!" So heult die Meute! Oh! über die Heuchler und Pharisäer, die durch solches Geschrei dre polnisch- Vergeßlichkeit über ihre eigenen Sunden ausbre ten wollen. Bis zum 18. Dezember nachmittags 5 Uhr 18 Minuten pries man nach Bischof Benzins und Kardinal Fischers Rezepten ehrfurchtsvoll nit-rb-nd den von Wolken verdüsterten Anblick des Herrschers, in dem man einen zweilen Karl den Großen feierte, m>d ein Teil des Glorienscheins fiel sogar auf die ver­antwortlichen Minister, den heute vielgeschmähten Fürsten v. Bülow. Und am 18. Dezember nachmittags 5 Uhr 18 Minuten schrie dasselbe Byzant, nervolk: „Kampf gegen die Autokratie und ihre Knechte ! Nieder mit dem System militärischer Zwangshenfchaft! Die Stammgastschaft in der Wilhelmstraße 77, tm Reichs- amt des Innern und im Reiche des vergeßlichen Siübel war ihnen längst zuwider, so lehrt man uns jetzt. (Heiierkeit) .Wir wollen gern, so weit es von mis abyängt, so menschenfreundlich sem, ihnen ihre

1. Noch ein Gpser des Blocks?

Wiederholt ist auf di- schwierige Finanzlage des Reiches und auf die auch in Preußen wleder- bolt angekündigten gtnananote . ^ngMiese worden. Die letzte Finanzreform hat.nicht Hoffnungen erfüllt, die man an sie knüpfte un so wird der Reichstag in der kommenden Session neben anderen Dingen auch Steuervorlagen bringen. Die für Marinezwecke für die Beam- tenbesoldung, für das Kolonialwesen usw. tm kommenden Reichstag geforderten Summen, deren Höhe zwar noch nicht feststeht, rucken dazu das Steuerproblem immer mehr in den Vorder­grund. . ,

Es ist begreiflich, daß die Gesundung unserer sinauziellen Lage im Reich und in Preußen, na­mentlich den Blockleuten Kopfschmerzen verur­sacht, da die Finanzsragen wie keine anderen ein gefährliches Sprengpulver des Blok- kes werden können. In Geldfachen hort be­kanntlich die Gemütlichkeit auf. Der Abg. Paa­sche hat am Samstag in Kreuznach das Maß der neuen Steuern auf 130 Millionen Mark taxiert. Er rechnete aus, daß wir die­ses Jcchr zur Deckung des Defizits 80 Millionen Mark brauchen werden und daß die neue Flot- teiioorlage, sowie die Neuregelung der Beamten- bescldung auch 50 Millionen erfordern werden. Dabei hat er anscheinend die Forderungen sür koloniale Zwecke noch nicht berücksichtigt. Nach der „Post' beabsichtigt nämlich das Ko- lonialamt dem Reichstag drei B a h n v a r. • lagen borzulegen; erstens das Projekt der Mittellandbahn von Ostafrika nach Morogoro über Taboro nach dem Tanganikasce mit einer Abzd eigung nach dem Viktoriasee, zweitens das Projekt der Fortführung der.ttfambarabahn Von Mombo bis Mvschi, drittens'die letzte Rate für den Rau von Flldsckiihhorn nach Keetmanshoop. Außerdem werden für die ostasrikanische Mttel- laudbahn die Kosten für daß Projekt und die erste Baurate Verlangt werden. Daß dieje For­derungen auch ihre entsprechenden finanziellen Wirkungen haben, braucht nicht besonders her­vorgehoben zu werden.

Den Sorgen um den Block, die aus der Fi­nanzlage entliehen können, Hal man in den letz­ten Tagen wiederholt deutlichen Ausdruck ge­geben. Auf der Frankfurter Einigungsversamm- Iitrrg war es der Abg. Müller-Meiningen, der der Regierung eine Warnungstafel vor die vor­zeitige Anschueidung der Finauzfragen setzte unb sagte: wenn die Regierungen nach den Miß­erfolgen der lebten Finanzreform darauf be­stehen, bezüglich der Finauzfragen vor der Zeit und das gerade Gegenteil von dem zu tun, was die Liberalen vertreten, so würden sie jede Ver­antwortung ablehneu und Herrn Stengel ruhig feinem Schicksal überlassen. Die „Voss. Ztg." bemerkt, der Staatssekretär des Reichsamts be­treibe offenbar Pläne, für deren Durchführung er mehr aus das Zcntruni als auf die Freisin­nigen rechne. Wenn man mit diesen Meldungen des „Berl. Tagebl." die gestrige, zwar heute de­mentierte, daß Kommerzienrat Mendels­sohn-Bartholdy zum Staatssekretär des Neichsschatzauttes ausersehen sei und die Beiuer- fung der „Nationalztg.", daß man cs den Re- gicrungskreiieii gern glaube, daß sie die Winter- kampagne des Reichstags nicht ohne zwingende Not noch mit Finanzprojektcu belasten, möchten in Verbindung bringt, so drängt sich einem un­willkürlich das Empsinden auf, daß die Libera­len um den Block in der kommenden Session vor Gefahren zu. bewahren, den Staatssekretär

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moMWtogt: „Mdütt Geschlchtrblätter"