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Fulda, Samst-a den 2. November 1907

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Feiertage, viertel- Mrr. vezu-rpre«, ,hne BringetMin nnb 6ei:eßgtl6in§nlbannb auswarb 1 Akk 56 Pt9-

schließlich wieder einmal — Deutschland sein wird. . -----

Römischer wocheirdrief.

□ Rom, 28. Oktober 1907.

Die außerordentlich trüben Erfahrungen nach dem calabrischen Erdbeben don 1905 gerei­chen heute den Italienern zur Lehre: anstatt

An; et? en. Vie eil spoltigepetitzeil« »de« btt :it Haun kS Pfg, ste iamen dir Priit;«!!« 25 pfg.; bei rottber« bolnitwt wird rntspr. Üabatt atwätirt.

Kotationsbriid u verlaa »er Sulbaer Ac- tienbr iderei in Sulba. j$cmiprej>er Nr. *>.

Verantw. Aebakteur: Sark Schütt«;

wochEl-«.: „Illustrierte Sonntagrzeitung

fern Beispiel vorangingen. Da sie sich selbst aber untereinander nicht einig sind, wird ihr Vor- aehen das übrigens ihnen bisher schon die beiden tschechischen Minister Dr. Pacak und Dr. Forscht kostete weuio Erfolg haben. T«m Wunsch nach voMiver Arbeit hat man tn der vergangenen Woche im österreichischen Parlament wiederholt von^deutscher Seite Ausdruck gegeben. Ob er sich erfüllt, wird von dem ferneren Verhalten der eiriAcIiißii n ßbfjänöen»

rankreich konnte sich in der vergangenen Woche deS Besuches des spanischen Komgspaares erfreuen. Bei dem Festmahl tin Elysee wurden -wischen dem König von Spanien und dem Pra- side-chen der Republik herzliche Trrnkspruche ge- wechselt. Fallieres betonte, daß die ^ahre, die seit d:m ersten Besuche des Königs von Spanien verflossen seien, die Bande der Solidarität und Freundschaft, welche die beiden Lander verknüpf­ten, noch enger geschlungen hätten, ^n der fran­zösischen Kammer haben am vergangenen Don­nerstag die Abgeordneten Grousseau und Ca- stelau in gründlicher Weise das vom Kultus­minister Briand im Juni vorigen Jahres ernge- brachte neue Kirchengesetz und das im ^ult vom Justnminister erlassene Rundschreiben, in wett chem "dieser den Gerichten befahl, die bezüglich der kirchlichen Güter schwebenden Klagen bis nach der Abstimmung über die Novelle Briands zu vertagen, beleuchtet. Mit Recht brandmarkte der Abg.'Castetau dieses Rundschreiben als eine un­verzeihliche Beeinflussung der Richter und ttef- send tagte Grousseau: „Ich fasse dreie Gefühle, welche dieses Projekt allen ehrlichen Leuten ein­flößt, in den Worten zusammen: Es ist ein Akt öffentltdjcr Ausplünderung."

Mazedonien, der Wetterwmkel Europas, ist der Schauplatz erneuter blutiger Taten ge- wesen. Das bulgarische Bandenunwesen scheint sich dort immer unverschämter breit zu machen. Nachdeni erst kürzlich ein griechisches Dorf durch bulgarische Banden vernichtet wurde, haben in den letzten Tagen bulgarische Banden 16 Per­sonen, darunter acht griechische Soldaten er- mordet.

Auch in Rußland will immer noch nicht Rübe und öffentliche Sicherheit einkehren. Am Montag wurde der Staatsrat Maximowski das Opfer eines Revolveratteutats. am Dienstag brach in Wladiwostock eine Militärrevolte aus, an der sich auch Zivilpersonen beteiligten. Der Handstreich scheint zu politischen Zwecken geplant zu sein. Bei den Dumawahlen siegten bis jetzt die reaktionären Parteien trotz der _ geringen Wahlbeteiligung. Das kann bei der intensiven Unterstützung, die ihnen die Regierung zuteil werden ließ, nicht iveiter wunder nehmen.

In Marokko dauern, während kein Tag vergeht, daß cs nicht z» kleinen Plänkeleien urtb' auch größeren Zusammentreffen kommt, die Be­ratungen der Bevollmächtigten Frankreichs und Spaniens mit dem Sultan Abdul Asis zu Rab- bat fort. Der deutsche Gesandte Dr. Rosen ist nicht anwesend: er soll sich geäußert haben, er sei noch unentschlossen, ob er sich gleich den Be­vollmächtigten Frankreichs und Spaniens nach Rabbat begeben werde, um dem Sultan den Wil­len Europas mitzuteilOi. Seine Hinreise sei nicht notwendig, denn der Sultan könne nicht zweifeln, daß Deutschland die loyale Anwendung der Algerirasakte erstrebe. Zweifellos fei in Rabbat etwas im Anzug, was Europa über­raschen werde. Marokko werde der Diplomatie noch große Verlegenheiten machen, schließlich werde man sie jedoch überwinden. Wir fürchten nur, daß der am meisten Ueberraschte doch

t SoWidkmckmtOe

Stolz tote Oskar gebärdet sich die Sozialde-

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als ob man dabei gewesen wäre Nur dle el n r Bedingung wird gemacht, daß der Leser ui ch i denkt, dann klappt alles ganz ausgezeichnet Die neueste Leistung möge das bestätigen.

Durch die sozialdemokratische Presse wandert gegenwÄtig ein Artikel „Wie entstand das Leben?" Die so heiß gesuchte Losung der schwe­ren Frage: Wie ist das Leben auf unserer einst­mals von Lebewesen gänzlich freien Erde ent ai den ist hier mit derselben Leichtigkeit gegeben wie' auf dem Kasperl-Theater der Kasperl mü allen seinen Widersachern fertig wird. Man höre: Am Anfang besaß die Erde„eine W Eigenwärme, die sie ausstrahlte; diese au-ge strahlte Eigenwärme war großer als die voll der Sonne ausgehende Wärme. Letztere konnte$4* noch nicht auf die Erde einwirken. Erst als die Eigenwärme der Erde nachlietz, machte die von der Sonne zugestrahlte Wärnie sich bemerkbar Zwischen der von der Sonne zu- und von der Erde ausgestrahlten Wärme begann em Kampf der die Erdoberfläche hin und Herzog, d. h. bald ausdehnte und bald zusammenzog und stehe da, aus dieser Zusammenziehung und Ausdehnung entstand das Leben!

Wer das mit denkendem Verstände liest, fragt verwundert: ja, wo ist denn die Erklärung der Hauptsache, auf die es ankommt: Was ist die .besondere Materle", deren Bestandteile? °va aber wie denn? Der Schlaumeier sagt, daß sie „auf eine besondere Weise" geschehen. Ja, da geht aber doch erst die Hauptsache an: Die „Besonderheit" muß erklärt werden. Wo diers nicht erklärt werden können, ist die ganze Weis­heit nicht mehr wert, als die jenes berühmten Erfinders, der eine ewig laufende Maschine er­funden hatte und schließlich, als das Wunder­werk fertig war, meinte, j?Z fehle nur noch eine Kleinigkeit, nämlich, daß die Maschine ewig laufe.

Was sagt nun die sozialdemokratische Natur- wisfenschaft über diesen Hauptpunkt der ganzen Sache? Nichts, gar nichts! Diese Erklärung des Ursprungs des Lebens auf der Erde gleicht aufs Haar der Erzählung, die wir aus dem Munde eines alten Försters gehört. Meine zwei jungen Dackl — so erzählte er mir eines Tages — haben sich einmal in einen alten Schuh verbißen. Ter eine zog hüben, der andere drüben, in rhythmi­schen Bewegungen ging das eine Zeitlang hin und her. Der alte Schuh fing an, rhythmisch sich zrr binden und zu lösen, sich auszudehnen uni) zusammenzuziehen, bis auf einmal aus dem alten Schuh ein junges Häslein wurde, das lustig da­von sprang.

Jäa- ’ -teilt, wird man sagen! Mag sein, aber a:. 3 ist auch die sozialdemokratische Na­

turwissenschaft nicht: — Jägerlatein!

wochen-Run-jchau.

Fulda, 2. November 1907.

Der Beleidigungsprozeß den der ehemalige Stadtkommandant von Berlin, Gras Moltke, acaen Marrmilian Harden angestrengt hm, ii non außerordentlicher Bedeutung für die Beur- tSÄr«SSmlBnl» der Mt*« N'rbältniste Es ist da ein Slttendrama vor den Schranken des Berliner Gerichts entwickelt wor- den das einen Einblick in gewisse Verhältnisse gewährt, der erbeben macht. Vier Tage laug wurde im Schmutz förmlich gewühlt. Schlimm ist, daß die Männer, denen die widerwärtigen Ding; nachgesagt wurden, bis zur Entdeckung durch Öen preußischen Kronprinzen, der seinem Vater auf die Anspielungen Hardens in der Zu­kunft Vortrag erstattete, in der nächsten Umgeb­ung und im Freundschaftskreis des Kaisers sich befanden. Und weiterhin, dieses schmachvolle Treiben suchte ungeniert und unbehindert die Objekte ihrer Lust unter preußischen Soldaten. Daß so etwas von Personen in der Umgebung des sittenstrengen, tief christlich empfindenden Kai­sers geübt werden konnte, denen der, Kaiser ver­traute und benen er Freundschaft hielt, ist das tragifche Moment des Vorgangs und zugleich em Skandal ohne Gleichen. Graf Moltke war Kla­ger. Er hat, weil er durch Hardens Veröffentli­chung in den Verdacht geraten war, Mittäter zu fein, seinen Abschied eingereicht und den Beler» digungsprozetz angestrengt. Graf Moltke sollte auch, wie Harden vor Gericht feststellte, nicht der Untaten bezichtigt werden,, Harden wollte a n- dere treffen, und das ist ihm gelungen. Aber auch Graf Moltke ist im Prozeß bös mitgenom­men toorben, durch Enthüllungen aus seinem Eheleben mit seiner geschiedenen Frau, die ihrem ehemaligen Ehemanne eine solche Mißachtung des EheverhältnifleS und des Weibes nachsagte, daß alle Begriffe von christlicher Sitte zerfließen. Daß eine Frau von einer Verteidigung bewogen wird, zu Gericht zu gehen und Aussagen über die intimsten Vorgänge ihres Ehelebens mit ihrem geschiedenen Manne zu machen, ist nicht minder ein betrübendes Zeichen der Zeit, das die Be­teiligten bieten Die politische Seite des Prozesses liegt darin, daß enthüllt wurde, wie um den Kaiser ein Ring geschlossenwar, in den ein anderer Einfluß nicht eindringen konnte und dessen Dirigent Fürst Philipp Eulen­burg war unter tätiger Mithilfe des Grafen Moltke. Und gerade dieser Eulenburg wird bet Beteiligung der sittlichen Verfehlungen bezich­tigt. ES ist derselbe Eulenburg, der 1892 den christlichen preußischen Schulgesetzentwurf von München als preußischer Gesandter stürzen half. Eulenburg hat auch, so behauptet Harden, Bis­marck gestürzt und den zweiten Kanzler Caprivi. Ter dritte Kanzler Hohenlohe schäumte, wenn man vor ihm frtn Namen Eulenburg aussprach und der jetzige Reichskanzler Fürst Bülow fei Kanzler durch Eulenburg getoorben, sagt Har­den. Wenn man von den Schmutzfinken, die sich in diesen Tagen von Berlin nach ganz Europa ergossen haben, und von der unsagbaren Bloß­stellung hoher Gesellschaftskreise, von Offizieren und der Armee sowie der politischen Verhältnisse spricht, so darf man den Reichskanzler und preu­ßischen Ministerpräsidenten Fürsten Bülow

nicht vergessen. Er trägt die politische Verant­wortung für diese bösen, schwer kompromittieren- den Vorgänge. Natürlich ist er an ihnen un- schuldig, aber der Umstand, baf; er nicht dahinter gekommen und die Krone nicht rechtzeitig bera- ten hat ist der eklatante Beweis ferner politischen Unzulänglichkeit. Mit solchen Dienern der Krone ist der Krone nicht gedient.

Minister von Bethmann-Hollweg hat am Montag in einer Sitzung der Delegierten des Zentralverbandes deutscher Industrieller emc Ansprache gehalten, in der er die Notwendigkeit der Fortführung der Sozialpolitik betonte und hervorhob, daß er bestrebt fern wolle dem Un­ternehmertum und der Arbeiterschaft mit der gleichen Offenheit und Unbefangenheit gegen- überzutreten. Bemerkenswert Stob auch die Worte die der Handelsminister Delbrück bei dem an die Delegiertenversammlung sich anschlie­ßenden Festmahl sprach. Er kritisierte den, bis- her vom Zentralverbande deutscher Industrieller vertretenen „Herrn-im-Hause"-Standpunkt m außerordentlich vorsichtiger Weise. Wenn er ha­bet meinte, es liege jedem großen Unternehmer fern, ein mittelalterliches Herrentum den Arbei­tern gegenüber aufrecht zu erhalten, die Arbeit­geber wollten die ersten Arbeiter in ihren Be­trieben feilt und die Kameraden ihrer Arbeiter, so kann man sich wohl über diese schönen Worte freuen; Wert erhalten sie aber erst, wenn ein fester Wille und eine entsprechende Tat dahinter steht. Immerhin bedeutet dieser gelinde regie­rungsseitige Vorstoß gegen den schroffen „Herrn- im-Hanfe"-Standpunkt, ein Ereignis, das ge­merkt zu werden verdient.

Von den neuen Reichs steuern hört man nicht mehr viel; man hat nur ein Brannt­weinmonopol an gekündigt. Das Reich soll einen kleinen Teil der Deute erhalten, um die höheren Kosten der Flotteuvorlage decken zu können, wäh­rend die Großbrenner den Löwenanteil einstrel- dien. Freilich haben die liberalen Parteien ein­schließlich des Führers der nationalliberalen Par­tei auf das bestimmteste zu erkennen gegeben, daß sie die Möglichkeit einer Aufbesserung der Reichs- einnahmeu nur in einer direkten Reichssteuer er­blicken können. Aber die liberalen Parteien sind zwar im Block sehr willkommen, wenn es gilt „nationale" Forderungen zu bewilligen, sie sollen indes heute so wenig wie früher etwas zu sagen haben, so meinen die Kouservativeu. Die Libe­ralen sind ihnen auch schon sehr weit entgegenge- kommen, aber beim „SchapS" scheint sich die buntgemischte Schar in die Haare geraten zu wol­len. Nicht übel.

Tie preußische Wahlrechtsfrage kommt nicht vom Fleck, da die Freisinnigen fid)' nicht einmal darüber einig sind, ob sie sofort in einem Notgefetz die geheime Wahl fordern sollen. Die freisinnigen Arbeiter werden daher rebellisch und wollen nicht mehr mitmacheu.

O l b e it b it r g gibt sich Mühe, Preuße» in den schatten zu stellen. E- ull nun das Reichs- tagswahlrecht einführen. T.e dortige Zentrums- fraftton trat stets hierfür ein. Preußen wird immer mehr in den Schatten gestellt.

In O e st e r r e i ch beschäftigte die Ansgleichs- Vorlage das Parlament. Daß die Verhandlun­gen nicht ohne Differenzen und Konflikte abgehen würde», war bei den mannigfaltigen Interessen, welche die einzelnen Nationalitäten an der Vor­lage haben ober wenigstens zu haben vermeinen, zn erwarten. Besonders sind es wieder die Tsche­chen gewesen, die durch ihre Obstruktion mit bö-

Lebenswege.

Roman von Klar« Wiihrlmi.

63] (Nachdruck verbot«!.)

„Wie dieRothaut laufen konnte? Der In­dianer ist übrigens ebenso vor uns erschrocken, tote wir vor ihm."

„Ich weiß überhaupt nicht," sagte Fischer, „was die braunen Burschen heute im Wind haben. Irgend etwas ist .aber los, ich wollte doch, wir hätten unsere Waffen mitgenommen, um bei einem etwaigen Ueberfall uns verteidigen zu kön­nen. Es sind jedoch schon einige Deutsche allein und unbewaffnet in ihrem Lager gewesen und hoffe daher, daß wir nichts zn befürchten haben."

„Nun, von den Amerikanern wollen sie aber doch nicht viel wissen, die mögen sie nicht leiden," erwiderte Paul besorgt.

„Nein, sie totsten aber auch recht gut einen Unterschied zu machen zwischen diesen und den Fremden, und mit den Deutschen gehen sie am liebsten um, weil ihnen von diesen am seltensten Unrecht geschieht."

„Die Amerikaner toerben aber oft von ihnen behelligt."

„Nun, wer kann ihnen dieses verdenken?" entgegnete Fischer. „Es ist wohl noch nie eine indianische Nation mit weniger Grund vertrie­ben, mißhandelt und vernichtet worden, wie ge­rade hier. Sie find hier ja rücksichtslos aus

2”°' bisher ihr rechtliches Eigentum war, ve rieben ohne ihnen den geringsten Ersatz da- sur zu geben."

wir helfen mit, sie zu vertreiben, ^t noch kein Goldwäscher hier ge- rtr'St ra1?. Ersten, welche hier Löcher

Goldgruben fressen sich immer tiefer unb tiefer in das Land hinein, und die Indianer werden mit jedem Tage höher in die Felsengebirge hinauf getrieben. Ob sie sich dort am Leben erhalten können ober nicht ist den Amerikanern gleichgültig."

. »Ich bin recht neugierig," sagte Fischer nach einer Pause. ..ob wir etwas Ordentliches finden

werden; der Boden sieht gut aus, und daß schon in dem oberen Ton einige Körner staken, ist ein sehr gutes Zeichen."

Paul blickte still vor sich hin. „Es ist doch ein eigentümliches wunderliches Leben, was wir hier führen," tief er endlich, „und ich gäbe was dar­um, wenn sie uns daheim . . ."

Seine Stimme stockte plötzlich, denn ans allen benachbarten Gebüschen, und wie ans dent Bo­den wachsend, tauchten Indianer auf. Ein Pfeil riß ihm den Hut vom Kopfe, ein anderer streckte den Freund an seiner Seite nieder. Erschrocken sprang er empor und ergriff die neben ihm lie­gende Spitzhacke, um sein Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Allein er merkte bald, daß er den vielen Indianern gegenüber ohne Schießwaffe nichts ausrichten könne, und suchte sich durch die Flucht zu retten.

Von diesen verfolgt, deren Pfeile aber des Dickichts wegen nicht trafen, begann eine förm­liche Hetzjagd, zu Panl's großem Schrecken sah er, wie die Entfernung zwischen ihm unb seinen Ver­folgern immer geringer wurde. Jetzt war er an beit Rand einer tiefen Schlucht gelangt; unwill­kürlich ließ er hier feinen Blick in die grausige Tiefe hinabschweifen, als er plötzlich im Augen­blick der höchsten Gefahr eine Entdeckung machte, die ihm viefteicbt noch Rettung bringen konnte.

Etwa zwanzig Fuß unter sich gewahrte er eine Kiefer, welche aus einer Felsspalte wachs und fast wagrecht in den Abgrund hinansragte. Die Wurzeln des Baumes aber konnte er nicht sehen, wahrscheinlich trat hier der Felsen zurück unb bildete, vom Regen ausgespült, eine Höh­lung, welche ihm vielleicht für's Erste Schutz ge­währen konnte. In dem Augenblick, wo er diesen Gedanken faßte, führte er ihn auch aus.

Noch hatten die Indianer ihn nicht erreicht, als er den gefährlichen Sprung wagte; er um­klammerte den' Stamm des Baumes, und mit einem kräftigen Schwünge gelang es ihm, auf einem kleinen, von der ansgeböhlten Felswand überwölbten Plateau festen Fuß zu fassen.

Hier war er vorläufig geborgen, denn oben vom Rande aus konnte man ihn nicht erblicken. Er hörte über sich das laute Rufen der enttäusch­ten Indianer, die sich das Verschwinden ihres

Opfers nicht zu erklären vermochten. Regungs­los stand Paul in seinem Versteck unb hörte, tote die Stimmen der Indianer in der Ferne immer mehr verhallten. Als diese zuletzt ganz ver­stummt waren, wagte er, aus seinem -Versteck wieder empor zu klimmen, welches aber große Schwierigkeiten bot; denn die Felswand war glatt und nirgends zeigte sich eine Stelle, wo Hände und Füße den geringsten Anhalt fanden. Der erste ernstliche Versuch würde unsehlbar einen Sturz in die Tiefe zur Folge gehabt haben.

Plan auf Plan entwarf Paul, wie er aus seinem Gefängnisse entkoimneu könnte, doch so viel er auch saun und dachte, keiner erwies sich als ausführbar. Da bemerkte er hinter sich in der Felswand, in gleicher Höhe mit dem Plateau, auf dem er staub, eine Spalte. Er stieß mit dem Fuß nach dem obern Rand derselben, wo ein großes Stück des mürben Gesteins losbrach. Als er dieses mit der Fußspitze in die Spalte hinein­schleuderte, vernahm er in wiederholten Absätzen ein Rollen und Poltern, das erst anscheinend in beträchtlicher Tiefe verstummte. Paul horchte in fieberhafter Erregung.

Aus dem Geräusch, welches der fallende Stein verursacht hatte, entnahm er, baß die Felsspalte nur die Mündung einer sehr geräumigen Höh­lung sein könnte', welche allmählich absteigend in die Tiefe führte. Sollte er es wagen, durch die Spalte in die unterirdische Hohle zu bringen und dort vielleicht zu einem Auswege zu gelangen?

Seine verzweifelte Sage ließ ihm keine Wahl und er versuchte denn auf gutes Glück seinen Körper durch die Oeffnnng zu zwängen uub die Höhle zn untersuchen. Es ging besser, als er gedacht hatte und die Spalte erwies sich breiter, als es den Anschein hatte. Sie erweiterte sich, je mehr er vordrcmg, so daß er ohne große An­strengung in die Höhle gelangte. Hier hielt er einen Augenblick inne, um feine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, welche in dem Raume herrschte. Bei dem Dämmerlicht, welches von branden herein drang, bemerkte er, daß, dieser ungefähr zehn Schritte von ihm eine Biegung machte. Sollte er noch weiter Vorbringen? — Es mußte gewagt werden, und nicht ohne Herz- klopfen gelangte er bis zu dieser Stelle. Aber

der Raum, worin er sich jetzt befand, war nicht so dunkel, tote der erste. Derselbe bestand in einer langen Höhle, welche nicht sehr breit, aber hoch genug war, um aufrecht darin stehen zu kön­nen. Zwei Gänge führten weiter, der eine in die dunkle Tiefe, in den andern drang ein lich­ter Schein hinein, er ging in der Richtung weiter. Täuschte ihn sein Auge? Wie glitzerten uub flimmerten die Wände und der Fußboden. — Er schaute näher hin und gewahrte zwischen dem Qnarzgeftem eine Anzccht gelber giänienoer Plan­chen, in denen er augenblicklich Gold erkannte.

Sprachlos stand Paul eine lange Minute da, ganz in beit Anblick der zauberhaften Pracht ver- fünfen. Es war erklärlich, daß er sich zuerst wie ein Träumender mit der Hand nach der Stirne faßte, und sich ungläubig die Augen rieb, bis er nicht mehr daran zweifeln konnte, daß das, was er sah, Wahrheit sei, Gold war es, wirkliches Gold! Paul war es einen Moment, als müsse ihm das Herz zerspringen, so gewaltsam drängte sich mit einem Schlage das Blut zur Brust! Gold! So toar es doch kein Märchen, was man sich von den reichen Goldminen erzählte und er befand sich in einer solchen. Er weinte zu er­sticken, so mächtig hatte der Anblick des Goldes, des unermeßlichen Reichtums, den er hier fanb, ihn erregt, und gewaltsam mußte er nach Atem ringen. ' Nachdem er sich von seinem Erstaunen erholt, zog er sein Messer, welches er zum Glück noch in der Tasche hatte, hervor und bröckelte begierig Stückchen Gold aus dem Gestein der Wände oder deS Bodens. Er dachte nicht dar­über nach, daß er sich in einem jener alten ver­fallenen Goldbergwerke befand, welche schon vor Jahrhunderten von den Indianern so mühselig 'angelegt worden sind; er dachte nur daran, so piele wie möglich von diesen gelben Plättchen herauszuschneiden. Noch lange würde er sich da­mit beschäftigt haben, wenn jpunger unb Durst ihn nicht zum Ausbruch gemahnt hätten. Der Weg führte nun aufwärts, künstlich angelegte Spalten ließen das gedämpfte Licht der Schlucht hereinfallen, durch einen größeren drang das Helle Tageslicht herein. Ein Felsblock, der die Oeffnung schloß, wich seiner Anstrengung und Paul war wieder im Freien. (Forts folgt.