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MaerWZeitung

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Fulda, Samstaa den 2. November 1907

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verantw. Redakteur t Lari Schlitte;

an die Kaffen der Einzelstaaten zurückzuschrecken, aber es ist doch nicht zu verkennen, datz daS Preu- ßische Budget durch den Etat und durch die Neu« besoldungen eine erhebliche Belastung erfahren wird, sodaß man auch in Preußen mit einer schärferen Anziehung der Steuerschrau­be zu rechnen hat. Bezeichnend ist, datz die Berl. Pol. Nachr.", die häufig als daS Sprach­rohr des Freiherrn v. Rheinbaben dienen, bereits ankündigen, daß sich eine Verschärfung der Ein­kommensteuer, abgefehen von den kleineren und mittleren Einkommen, nicht mehr abweisen lasse.

Der Steuerzahler kann demnach der kommen- den parlamentarischen Kampagne nur mit Miß- behagen entgegensehen. Er mag Reue und Leid erweckeir, denn es geht ihm an den Kragen.

einziges Maultier kam, mußtm die unter der glühenden Sonnenhitze und unter den Angriffen der berüchtigten Tsetsefliege leidendenTiere mit größter Schonung behandelt werden. Im Lager ange­kommen, erging es in den schrecklichen Stunden von 2 bis 4 Uhr dem Staatssekretär nicht ander? als amtlichen Genossen. Nur ganz selten spendete em Baum etwa? Schatten, und Dernburg war w,e alle Teilnehmer lediglich durch den Tropenhelm vor den versengenden Sonnenstrahlen etwas geschützt

Es fehlt nur noch die Bemerkung, daß Der», bürg ab und zu sein Maultier etwas uuf dem Rücken getragen habe, um eS zu schonen. Dernburg wird nun, nachdem er em Jahr Zeit gehabt hat, sich ernzuarbeiten, wichtige Personal- veränderungeu vorzunehmen und sich persönlich in einer der wichtigsten Kolonien umzusehen, endlich zu zeigen haben, was er kann, und wie die Reformen beschaffen sind, die er m die Wege leiten will.

-j- Die neue Marinevorlage kündigt sich an. Die ,Nordd. AUg. Ztg/bringt an hervorragender Stelle eine längere Auslassung zur Verkürzung der Lebensdauer der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre und führt au?, daß die Lebensdauer unserer Linienschiffe im Sinne de? Gesetzes zwar auf 25 Jahre berechnet sei, daß aber in Wirklichkeit, da die Ausrangierung emes Schiffes nicht dann, wenn die erste Rate des Ersatzschiffes bewilligt wird, sondern erst dann, wenn das Ersatzschiff sertiggestellt ist und in den Frontdienst eintritt, 30 Jahre betrage. Rach Ansicht der Sachverständigen sei diese Lebens­dauer zu hock gegriffen und es empfehle sich deshalb, sie um fünf Jahre zu kürzen. Die ,Rordd. Allg. Ztg.' weist darauf hin, daß durch die Verkürzung der Ersatzsristen der Linienschiffe diesen dieselbe Lebensdauer zuteil wird, wie sie für die Kreuzer bereit« festgesetzt ist. Die Frage der Notwendigkeit einer Herabsetzung der Lebensdauer ist technisch so schwierig, daß man zu ihrer Beurteilung zuerst die statistischen Unter­lagen abwarten muß, welche die Negierung in der Kommission geben wird.

* Die Börfengesetz-Novklle steht einem Ber­liner Blatte zufolge nunmehr in ihren Haupt­punkten fest. Der Widerstand der agrarischen Parteien gegen die Börsengesetz-Novelle soll da­durch überwunden werden, daß der Termin - h an del in Getreide und Fnttermitieln nicht nur verboten bleibt, sondern daß die Strafe für

eine Umgehung des Verbotes erböht werde. Da­für soll der Terminhandel in Börsenpapieren und sonstigen Jndustuewerten völlig freige- geben werden.

Neber den Inhalt des neuen Sonntags- ruhegesetzes, das der Reichskanzler beim Empfang» der christlichen Arbeiter angekündigt hatte, sind in einer kürzlich abgehaltenen Konferenz der Gast­wirtsvereinigungen Mitteilungen gemacht worden. Danach wird eine Ausdehnung der Sonntag«, ruhebestimmungen geplant, von denen das Gast- wirtSgewerbe in erster Linie betroffen wird. Tie Ausnahmebestimmungen, welche die Gewerbe, ordnung vorsteht, werden dahin ab geändert, daß durch Ottsstatut der Schluß der Schank- wirtschaften während der Stunden des Haupt» gottesdiensteS verfügt werden kann. Ferner ist vorgesehen die Einschränkung der Samstag. Lustbarkeiten bezw. das gänzliche Verbot von Festen, die bis in den Sonntag hineindauern. Daß die neuen Sormtagsruhebestimmungen schon seit langem geplant sind, schließt man daraus,

auf den langen, aufgeweichten Landstraßen, welche Berg auf. Berg ab zwischen den kahlen Zäunen von dem einen grauen Horizont zum andern liefen." r r ,, .

Das ist die Natur auf ihrem Sterbebett, und von ihm hinweg führt uns fetzt der Dichter an das Sterbebett eines Menschen.

. . . Weit fort von den Menschen hoch oben über dem brausenden Flusse der Straße in einer Kammer, welche nach einem alten Hofe, nach gezackten Schornsteinen und nach roten Dächern hinausführte lag ein Mann allein in seinem Bett und erwartete den Tod. Juno? Nein, das War er nicht mehr. Alt? Wohl noch nicht ganz. Aber fein Bart war schon leicht ergraut, und das Haar an den Schläfen war silberweiß. Und er lag dort ganz allein, und von allen den Menschen, zu welchen und von welchen sein vielbelr-egtes Leben ihn geführt hatte, wußte nicht einer, daß er hier lag und im Sterben lag. Sterben Tod."

Und der Sterbende selbst? Ach, so ost hatte er an den Tod gedacht, als er noch ganz Wohl war; ec hatte auch Gedichte auf ihn gemacht, denn er war auch Dichter, aber er hatte nur über den Tod gedichtet, welcher zu andern kommt, nie zu ihm. Aber wie, konnte denn auch er sterben?

Gleichsam eine Antwort suchend, schaut er tn der Kammer umher. Gottl Wie ist doch alles so vergänglich! Dort an der Türe hängen seine Kleider, er kennt jede Falte im Zeuge.

Da war ein feiner blauer Anzug. Er hatte ihn in dem Jahre getragen, als er noch auf der Universität war. Wenn er hieran dachte, so öff­neten sich ihm lange, sonnige Wege er sah grüne Wälder, sah die, Sonne goldig über dem jungen Eichenlaub scheinen, dessen Zwerge noch weich waren und sich bogen, und er horte de» Kuckuck tief drinnen in der stillen Einsamkeit. Und da war noch ein braun karrrerter Sommer- anzug. Ein grauer, regnerischer Juni hatte ihn aebleicht. Wenn er an ihn trachte, dann sah er

die Expedition (Harmonie) Bestellungen j die ,Fuldaer Zeitung" zum Preise von 1 Mark (ohne Be»

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sich selbst, braun karriert, mit, Künstlerhut und Stock, einsam in den Hellen Nächten hinauswan­dern und auf stillen Wegen Halt machen und den Rege» über das junge Laub rinnen, und er hörte die sparsamen schönen Klänge einer ersten Nach- tigall, von deren Gefieder der Regen herunter­tröpfelte. t

Ja, alles ist vergänglich, alles, alles, und mit einommale durchzuckte ihn jetzt die Antwort auf feine Frage der Gedanke:

Mein Gott ich muß ja sterben! . . . . Nie werde ich meine Kleider dort an der Türe wieder anziehen..... Den Hut, welcher

dort in der Ecke am Haken hängt, werde ich nie wieder auf meinen Kopf setzen denn ich werde nie wieder diese Kammer verlassen und nie wieder die Treppen hinuntergehen, ans welchen ich h-eraufkam nie nur tot und kalt im Totenhemd und im Sarge. Ich bin der Ge­fangene des Todes, die sichere Beute des Sen- senmannes--

Als dem Kranken nun diese Antwort klar ge­worden, da war es ihm. als müsse er vor Angst ersticken. Wie allen übrigen Menschen, so wird es nun auch ihm ergehen. Er wird sterben und in den CasSs werden die Zeitungen aufttegen er sieht deutlich die schwarzumränderte Anzeige seines eigenen Todes und da wird es stehen groß und schwer:Niels Graff, Schrift- steiler.' Und dann noch einmal weiter unten ein Nekrolog und darüber mit einem Kreuzchen be­zeichnet, sein Bild. Er betrachtet es schaudernd ---«nd seine Atemzuge werden schwerer und schwerer. ,

Er wird sterben. Und was war sein Leben ge­wesen? Welchen Wert hat es nun für ihn, der jetzt sterben muß? In kurzen, scharfumgrenzten Bildern zieht sein Leben an ihm vorüber Bild um Bild, und der Dichter, um das Vergäng­liche und Eitle des menschlichen Lebens uns zu lehren, läßt uns sie mit anschauen.

Zuerst das Bild des irdischen Glückes. Der Sterbende sieht ein reizendes weißes Häuschen

Deutscher Reich.

r Der Kaiser leidet an einer Erkältung, die sich bereit« seit mehreren Tagen süh'.bar machte und den Monarchen veranlaßte, einen Teil des Tages das Bett zu hüten.

p. Schmidt, der Direktor des deutschen katholischen HospiM in Jerusalem, wurde am Mittwoch auch vom Reichskanzler empfangen. Der Fürst wünschte dem P. Schmidt die besten Erfolge und versprach ihm, durch Gaben für die Schule und durch Beihilfe für die Bibliothek, Naturaliensamurlung rc. Unterstützung gewähren zu wollen.

(:) Wenn einer eine Reife tut . . . Staats- fekretär Dernburg hat nach dreimonatiger Abwesenheit in Neapel wieder europäischen Boden betreten. Kaum hatte er den Fuß auf« Land gesetzt, als er sich auch schon von der Presse ausfragen ließ. Das ,Berl. Tageblatt" über­mittelt^ uns die Ansichlen Dernburgs und feiner

dem blendend weißen Lichte erschien mein Kops mir wie der Schädel eines Toten."

Da wurde es ihm klar, plötzlich und überwäl­tigend, wasLebenslange rind Lebenslvahrhert" war. Alles ist Eitelkeit! Welch ein Bild von menschlichen Wehen und Vergehen einerseits und von alleinigem Glück und Bestand in Gott andererseits hat uns dann der große dänische Dichter gemalt in feinem jüngstenDer jüngste Tag"! Än großartiges Bild von der unanfecht­baren Wahrheit, die uns der Friedhof predigt am Allerseelentage.----

Wie Totenglockengeläute klingen die Worte, mit denen Jürgensen anhebt:')

November war es es war der Monat des Todes. Tie Natur, welche vor Kurzem uoch in allen Farben des Oktobers gestrahlt hatte, war jetzt blaß und grau und trüb, es war kein Tag mehr, und der kalte Regen fiel in die kalten Wäl­der, und auf den nassen Aeckern lag grauer Nebel, welcher den Fernblick verhinderte.

Es war November, es war der Monat der Stille. Draußen auf dem Lande war eS so still wie bei den Totem Kein Lerchengesang unter dem Himmel, kein Zwitschern von den Hecken, kein Flöten der Vögel in Hainen und Gärte». Und auf den Feldern brüllten keine Kühe, und man horte kein Blöcken der Schafe. Alle Tiere waren drinnen im Stall, und nur feiten ward auch ein Mensch sichtbar. Verstummt waren die Ruse und das Lachen der Erntearbeiter, und das Wiehern der Pferde, und die weißlich gol­denen Erntelasten sHvankten nicht länger durch die gefurchten Ackerwege und durch die Tore der Gutshöfe.

Draußen auf dem Lande war es ganz still, und wenn der einsame Wanderer mitten auf einem aufgeweichten Wege Halt machte, danu hörte er nur das schwache Tröpfeln des Regens auf feinem Hut, welcher von der vielen Feuchtig­keit steif und schwer war. Es war leer und still

') Der jüngste Tag. S. 1.

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Reisebegleiter. Dernburg meint:

Ostafrika mit seinen 10 Millionen arbeitsamen Menschen ist für Deutschland ein überaus wert­voller erfreulicher Zuwachs. Es ist ein Land, das seine naturgemäße Entwickelung haben wird, ohne daß wir viel zu tun haben werden, da der Boden von hoher Fruchtbarkeit; kurzum, wir haben etwa? an dieser Kolonie."' Die andauernde, verständige AuSnützung und Erschließung der reichlich vorhan­denen Hilfsquellen würde zu sehr große» Resultaten führen. Die schwarze Bevölkerung hielt Dernberg über Erwarten brauchbar und tüchtig. Die Zukunft des Landes hänge natürlich von der Entwickelung der eigenen Hilfsquelle ab, nicht von einem aus Europa auf gepfropft ett künstliche» Leben. Ich komme, sagte Dernburg schließlich, mit keiner großen Geldsorderung zurück, aber mit der Sicherheit einer« außerordentlich günstigen Entwickelung der Kolonie."

DieseSicherheit" hat er bekanntlich schon bei den letzten Wahlen an den Tag gelegt. Die anderen Teilnehmer an der Ostafrikafahrt äußerten ebenfalls ihre lieber» zeugnna, daß die Kolonie bei rationeller Bewirt­schaftung vorzügliche Aussichten habe. Rur tue der Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Negu-

):( Vie Finanzlage im Reiche ist trotz der neuen Reichssteuern m i s e ra b e l. Um zu beraten, wie man der drohenden Ebbe in der Kaffe begegnen kann, habe» sich, wie schon gemeldet wurde, die Fiuanzminister der Einzel- staateu in Berlin zusammengefunden.

Bekanntlich wehren sich die Bundesstaaten dagegen, mehr als alljährlich 24 Millionen un­gedeckter Matrikularbeiträge an das Reich zu zah­len. In den letzten Jahren ist ihnen deshalb schon dör Ueberschuß über diese 24 Millionen un­gedeckter Matrikularbeiträge gestundet worden. Nun steht aber fest, daß der Unterschied zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Reiches in der künftigen Session sich noch vergrößern wird. Die Bundesstaaten schweben in der Gefahr, noch schärfer Hera «gezogen zu werden.

Daß die augenblickliche Konferenz der Sinait$- Minister sich mit neuen Steuerplänen befassen wird, ist in der Presse nur vereinzelt angedeutet worden.' Aber wer sich jener Zeit erinnert, wo diese Herren zu einer derartigen Konferenz zum erslemnale nach Berlin kamen, wird nicht im Zweifel fein, daß, wie damals, so auch diesmal die Beratung neuer Steuern einen Gegenstand ihrer Tagesordnung bildet. Ob Fürst Bülow die Blockhanptlinge, die in Nocver- »eq seinen Pudel streicheln dursten, auch wegen Oer Beschaffung der Geldmittel bereits ausge­horcht hat, weih man nicht. Auf keinen Fall ober ist anzunehmeu, daß die finanzielle Sanierung deS ReichSelarS im Reichstag glatt vonstatten geht. Die Schwierigkeiten, die Fürst Bülow ha­ben wird mit der Erledigung der wrrtschasitichen Fragen, werden nicht ohne Einfluß auf die Er­ledigung der linanziellen Fragen fein. Denn die Blockpolitik kann ja nur dann Bestand haben, wenn sie echte Kuhhandelspolitik von recbts und link» ist, bei der jeder Teil so viel für sich heraus- schlägt, als eben möglich ist. Wenn aber die selbstischen Parteiinteressen nicht genügend be­friedigt werden, dami verbessert das die Saune der Blockgenoffen gewiß nicht und da; wird sich in der Frage der Bewilligung von Geldmitteln nachher schon geltend machen.

Die Verhältnisse Preußens waren bis jetzt immer glänzender als die des Reiches. In den letzte» Jahren hat die Sache ein anderes Gesicht bekommen. Auch der preußisch« Finanzminister Freiherr von Rheinbaben klagt jetzt Stein und Bein über die Steigerung der Ausgabe», und soeben bringen di«Berl. Pol. Nachr." einen Artikel, in dem die Finanzlage Preußen? grau it grau gemalt wird. Man braucht ein gutes ttU dieser Klagen nicht für -ernst zu nehmen, »ernt offenbar hat der preußische Finanzminister dabei auch im Auge, die Ansprüche des Reiches

lierung der Wafferverhäktniffe not. Die übliche Reklame fürDernburg setzt auch schon wieder ein; so schreibt das genannte Blatt im bmantinifchen Stil:

^Die Bescheidenheit, Einfachheit und Wieder» standskraft des Staatssekretärs werden von allen Fahrtteilnehmern lebhaft gerühmt. Bei der Expe­dition in's Innere, bei der immer um 5 Uhr morgens ausgebrocheu wurde, marschierte der Staatssekretär häufig genug zur Schoenmg^ des Maultieres stundenlang zu Fuß. Diese Fußmärsche dauerten gewöhnlich bi? 3 klhr. Da auf jeden Europäer, selbst auf de» Staatssekretär nur ein

!:! Vanitas vanitatam.

Eine literarische Studie für den Merseelmtag.

Von Maria Brehl-Hünfeld.

Wer ist heute gefeierter als Johannes Jör- gensen? Seit Jahren gehört dieser anschauungS- volle Dichterphilosoph zu den gelesensten Autoren beS katholischen wie protestantischen Deutsch­land."') Und was wie ein toter Faden durch Jürgensens Schriften durchzieht, das ist der E wigkeitI gedanke, der Todesge- danke, der Gedanke an die Eitel­keit alles Irdischen. Alles ist Eitelkeit! Auf jeder Seite seiner Bücher begegnet uns die­ses ernste, schwerwiegende Wort, und es gemahnt uns in etwa an die Bekenntnisse des großen Kir­chenlehrers von Hippo. Alles, was Jörgensen schreibt, ist ein Griff in das eigene Herz. AuS den Schächten seiner Ersahrungen holt er daS Gold der Wahrheit hervor.

Aber mir schwer wird jener die Tiefe und die Tragtveite seiner Worte erfaflen, dem die Lebens» schicksale des Dichters unbekannt geblieben sind. Bis zum Jahre 1896, in welchem er nach großen Kämpfen zur katholischen Kirche zurückkehrte, war Jörgensen im vollsten Sinne des Worte« ein öffentlicher Marktgänger des sogenannten modernen Lebens. Da aber brach für ihn der Morgen der Erkenntnis an, jener Erkenntnis, bte uns der Allerseelentag nahe legt.

toie er selbst sagt,')zu Glück geschaffen, und ich erwachte mit Weltmeeres auf meiner Seele.

Quf und begegnete meinem elgenen Spiegelbilde im Toilettenspiegel vor dem deiteS- Ein Sonnenstrahl vom »Eer schoß schräg über meinen Kopf herab, der kurz geschoren und glatt rasiert war und in

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Gottesminne 1904, 6. 270.

*) I» LedenSlüge und LebenSwahrheil". S. 21.

daß bei dem internationalen Kongreß für Sonn- tagsruhe, der vor kurzem in Frankfurt fiatifanb, der Vertreter des Hauoelsministeriums, Geheim- rat v. Meyeren, schon Andeutungen machen konnte, die sich in derselben Richtung bewegten. Die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf dem hier angegebenen Wege ist sicher der näheren Prüfung wert. Die Schließung der Wirtschaften während deS Vormittagsgottesdienstes wäre eine Wohltat und wenn am Samstag abend um 12 Uhr all­gemein Schluß gemacht würde, hätte die Maffe de« Volkes den Vorteil, besonders die Familien, deren Oberhaupt am Samstag abend den Wochen­lohn heimbringt. Die veiständigen Wirte werden ganz mit solchen Vorschriften einverstanden fern; bis nachts 12 Uhr kann man sich genügend rega- lieren, und die Wirte, für die der Sonntag die Hauptarbeit bringt, werden froh fein, wenn sie am Samstag abend zeitig zur Ruhe kommen.

* Das kommt von der Fahrkarte,nieiwr! Wie dasBerl. Tagebl." erfahren haben totö, rechnet nun im preutzlihen Finanznnnistermin ,chon da- mit, daß infolge der durch die Fahrkartenfteu-w bedingten Abwanderung in die unteren Wagen- klassen die Einnahmen aus dem Personenverkehr im laufenden Reckmunqsjahr um mindestens 4 0 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückbleiben werden. Ganz so hoch wird sich wohl der Fehlbetrag, der nur durch die Fahrkar- tensieuer verursacht worden ist, nicht stellen. Hier wirken auch andere Momente mit. Aber immer­hin ist eS eine bereits jetzt feststehende Tatsache, daß die Eiseubahneinnahmen der Einzelstaaten durch die vom Reiche eingeführte Fahrkartensteuer erheblich gelitten haben. ... ~

* Köln, 31. Okt. 1907. Wie dec,Ko!mschen Zeitung" au? Bonn telegraphiert wird, haben sich die katholischen Verbindungen den Beschlüssen der anderen studentischen Verbindungen inbezug auf Prosi Dr. SchroerS angeschlossen. Sie verurteilen da? Vorgehen des Erz- bischos« gegen den Proseffor und erklären, daß sie sich anbe« Ovationen für den Proseffor beteiligen und sich auch den Massenbesuchen der Vorlesungen de« Professors anschließen werden. Die Meldung kann unmöglich richtig sein. Abgesehen von den inneren Gründen, die gegen ihre Glaubwürdigkeit sprechen, wäre ein Beschluß über die Beteiligung an den Ovationen und über den Massenbesuch der Schroerffchen Vor- Uiungen gegenstandslos, da Schroers bekanntlich Ovationen abgelehnt und seine Vorlesungen vor­läufig eingestellt hat.

* Breslau, 31. Okt. 1907. Die ,Gazeta Opolska' meldet:In einer ißeifammlung der Vertrauensmänner auf dem Gleiwitzer Parteitage de? schlesischen Zentrums befürworleteGraf Oppersdorf ein LandtagSwahl» Kom­promiß mit den Polen; die Grafe» Sirach» ro i tz und Praschi» a bekämpften daS Projekt. Zur Weiterbehandlung der Angelegenheit wurde eme Kommission eingesetzt. Rach dem ,Neuen Gler- witzer Jntelligenzblatle' aber hat de, Parteitag jedes Kompromiß mit den Polen abgelehnt, nUtz M»M-Y«rbe« hat nunmehr der Erste Staatsanwalt am Landgericht I Berlin die S t r a f v er f o I g » n g übernommen. Nach den Vorschriften der Strafprozeßordnung hat die Uebernahme der Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft dre Rochtswirkung, baß die Sache so behandelt wird, als wenn sie von Anfang an durch die öffent­liche Klage, nicht durch Privatklage anhängig